Arthrose (im englischsprachigen Raum „Osteoarthritis“, OA) ist eine häufige chronische Erkrankung. Sie kann zu Schmerzen, Funktionseinschränkungen, schlechtem Schlaf, verminderter psychischer Gesundheit und geringerer Lebensqualität führen.(1)(2) Es wird auch mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck und Sterblichkeit in Verbindung gebracht.(3)(4) Zu den konservativen Behandlungsstrategien für die Arthrose gehören Edukation, Bewegung und Gewichtskontrolle. Diese Seite bietet einen Überblick über Arthrose, einschließlich Epidemiologie, Risikofaktoren und Pathologie, bevor auf Diagnosen und Behandlungstrends eingegangen wird.
Die Osteoarthritis Research Society International (OARSI) definiert Arthrose als: „eine Erkrankung der beweglichen Gelenke, die durch Zellstress und den Abbau der extrazellulären Matrix gekennzeichnet ist, der durch Mikro- und Makroverletzungen ausgelöst wird und maladaptive Reparaturreaktionen einschließlich proinflammatorischer Wege der angeborenen Immunität aktiviert. Die Krankheit manifestiert sich zunächst als molekulare Störung (abnormaler Stoffwechsel des Gelenkgewebes), gefolgt von anatomischen und/oder physiologischen Störungen (gekennzeichnet durch Knorpelabbau, Knochenumbau, Osteophytenbildung, Gelenkentzündung und Verlust der normalen Gelenkfunktion), die in einer Krankheit gipfeln können.“(5)
Wichtiger Punkt: Arthrose wurde traditionell als degenerative Knorpelerkrankung beschrieben, aber unser Verständnis hat sich weiterentwickelt und wir wissen heute, dass es sowohl zu einem Abbau des Knorpels als auch zu strukturellen Veränderungen im gesamten Gelenk kommt.(6)
Laut der Global Burden of Disease Study 2021 hatten im Jahr 2020 595 Millionen Menschen Arthrose (d.h. 7,6 % der Weltbevölkerung).(7) Diese Zahl hat seit 1990 um 132,2 % zugenommen. Es wird erwartet, dass diese Zahlen weiter steigen werden. Bis 2050 werden die Fälle von Kniearthrose voraussichtlich um 74,9 %, die Fälle von Hüftarthrose um 78,6 %, die Fälle von Handarthrose um 48,6 % und die Fälle anderer Arten von Arthrose um 95,1 % zunehmen.(7)
Die steigende Prävalenz wird mit der Alterung der Bevölkerung und der Zunahme von Adipositas und Gelenkverletzungen in Verbindung gebracht.(8)(9)
Zu den bekannten Risikofaktoren für Arthrose gehören Alter, Übergewicht, akute Traumata, chronische Überlastung, Geschlecht / Hormonprofil, metabolisches Syndrom, genetische Veranlagung(8) und die Darm-Gelenk-Achse.(10) Arthrose ist jedoch nicht „die unvermeidliche Folge dieser Faktoren (…und…) verschiedene Risikofaktoren können bei der Pathogenese der Arthrose zusammenwirken“.(8)
Der Alterungsprozess ist durch fortschreitenden Gewebeverlust und eine verminderte Organfunktion gekennzeichnet und stellt „den größten Risikofaktor für die Arthrose dar.“(8)
Adipositas gilt als „der am weitesten verbreitete vermeidbare Risikofaktor für die Entwicklung von Arthrose.“(11) Früher wurde Adipositas aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Biomechanik als primärer Risikofaktor für Kniearthrose angesehen, doch heute weiß man, dass sie das Risiko durch Veränderungen des Stoffwechsels und der Entzündung erhöht.(11) Adipositas erhöht das Risiko von Arthrose in verschiedenen Gelenken, darunter auch in der Hand,(12) in der Hüfte, im Knie, am Sprunggelenk und an der Wirbelsäule.(11) Dieser Effekt ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu beobachten, obwohl er bei Frauen stärker ausgeprägt ist.(11)
Akute Traumata und Gelenkverletzungen gelten als „starke“ Risikofaktoren für Arthrose.(1)
Chronische Überlastung: Es wurden verschiedene ergonomische Risikofaktoren am Arbeitsplatz für Arthrose identifiziert, darunter große Kraftaufwendung, anstrengende Körperhaltungen, repetitive Bewegungen, Hand-Arm-Vibrationen, Knien/Hocken, Heben und Steigen.(13) Diese Risikofaktoren können das Risiko der Entwicklung von Knie- oder Hüftarthrose im Vergleich zu keiner Exposition zu ihnen erhöhen. Da die Qualität der Evidenz derzeit jedoch gering ist, gibt es „nur begrenzte Hinweise auf eine schädliche Wirkung“.
Eine weitere systematische Übersicht ergab, dass körperlich anstrengende Tätigkeiten (z. B. Bauarbeiten, Boden- und Maurerarbeiten, Fischerei und Landwirtschaft) mit einem erhöhten Risiko für Knie- und Hüftarthrose verbunden sind und dass möglicherweise ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang besteht.(1)
Geschlecht und Hormonprofil: Es gibt geschlechtsspezifische Unterschiede bei Arthrose in allen Gelenken (die Halswirbelsäule ist eine mögliche Ausnahme),(1) wobei Frauen häufiger an Arthrose erkranken.(14)
Anatomische Faktoren (Gelenkfehlstellungen): Die Form eines Gelenks kann die Entwicklung einer Arthrose beeinflussen(10) und bestimmte Variationen in der Form von Knochen/Gelenken wurden mit Arthrose in der Hüfte und im Knie in Verbindung gebracht.(1)
Arthrose ist ein „dynamischer und komplexer Prozess, an dem entzündliche, mechanische und metabolische Faktoren beteiligt sind, die dazu führen, dass die Gelenkoberfläche ihre Funktion der Aufnahme und Verteilung der mechanischen Belastung durch das Gelenk nicht mehr erfüllen kann, was schließlich zur Zerstörung des Gelenks führt.“(8)
Arthrose ist typischerweise gekennzeichnet durch:(8)(14)
Die genauen pathophysiologischen Mechanismen der Arthrose sind jedoch immer noch unbekannt. Es wird angenommen, dass Veränderungen innerhalb der gesamten Gelenkstruktur auf ein Zusammenspiel verschiedener Gewebe im osteochondralen Komplex (z.B. Fettgewebe, Synovialgewebe, Bänder, Sehnen, Muskeln) zurückzuführen sind,(8) und es gibt immer mehr Evidenz dafür, dass eine geringgradige, chronische Entzündung eine Rolle bei der Arthrose spielt.(15)
Es handelt sich um eine „heterogene Erkrankung, die alle Gewebebestandteile des Gelenkorgans betrifft.“(8)
Bitte sehen Sie sich das folgende optionale Video an, wenn Sie mehr über die Pathophysiologie der Arthrose erfahren möchten:
Die pathologischen Veränderungen und Symptome, die durch die Arthrose verursacht werden, sind bei jedem Menschen sehr unterschiedlich.(8) Zu den typischen Zeichen und Symptomen einer Arthrose gehören jedoch ein verringertes Bewegungsausmaß, Steifigkeit, Schmerzen, Fehlstellung (Deformität), Krepitation, verminderte Mobilität und funktionelle Einschränkungen, Verringerung/Verlust der Fähigkeit, sich an „geschätzten Aktivitäten“ zu beteiligen, wie z.B. Gehen, Sport, Tanzen, etc., sowie knöcherne Druckempfindlichkeit.(8)(14)(17)(18)
Arthrose kann durch Röntgenaufnahmen bestätigt werden. Zu den radiologischen Befunden gehören:(8)(14)(17)
Röntgenbilder können jedoch „die Beteiligung des Gelenkgewebes bei Arthrose unterschätzen, da sie nur eine Komponente der Erkrankung sichtbar machen, nämlich den Knorpelverlust, der zu einer Verengung des Gelenkspalts führt, und knöcherne Veränderungen, die zu subchondraler Sklerose, Zysten und Osteophytenbildung führen. Sobald diese Veränderungen auf den Röntgenbildern sichtbar sind, ist die Erkrankung deutlich fortgeschritten.“(10)
Die MRT wird auch zur Beurteilung und Überwachung bei Arthrose eingesetzt.(19) Mehr über den Einsatz der MRT bei Arthrose lesen Sie hier: MR-Imaging in osteoarthritis: Current standard of practice and future outlook.
Die radiologische Kniearthrose erfordert strukturelle Veränderungen auf dem Röntgenbild, während die klinische Kniearthrose auf der Grundlage der Symptome des Patienten und der klinischen Untersuchung diagnostiziert wird.(20) Die Röntgenuntersuchung als erforderliches Diagnosekriterium „ist umstritten, weil strukturelle Befunde erst relativ spät im Krankheitsverlauf auftreten und die Symptome nicht immer mit den strukturellen Befunden einhergehen.“(20)
Es gibt verschiedene klinische Klassifikationskriterien, die zur Identifizierung von Personen mit Arthrose verwendet werden, darunter die Kriterien der European League Against Rheumatism (EULAR), des American College of Rheumatology (ACR) und des National Institute for Health and Care Excellence (NICE).(21) Weitere Informationen zu diesen Kriterien finden Sie unter Comparison of three sets of clinical classification criteria for knee osteoarthritis: a cross-sectional study of 13,459 patients treated in primary care.(21)
Die folgenden klinischen Kriterien für Kniearthrose basieren auf den NICE-Leitlinien:(21)(22)
Hüftarthrose wird traditionell anhand von Röntgenmerkmalen wie dem Kellgren-Lawrence-Score diagnostiziert, aber viele Leitlinien raten davon ab, Röntgenaufnahmen als diagnostisches Mittel zu verwenden.(23) Es gibt zwar keine validierten Diagnosekriterien für eine frühe Hüftarthrose,(23) aber die klinischen Klassifikationskriterien des American College of Rheumatology für Hüftarthrose lauten wie folgt:(24)(18)
Oder
Spezifische klinische Kriterien zur Erkennung der Spondylarthrose bzw. Facettengelenksarthrose (z. B. Schmerzen, Morgensteifigkeit, schmerzhaftes/eingeschränktes Bewegungsausmaß) sind noch nicht verfügbar, aber es gibt einen bekannten Zusammenhang zwischen diesen Kriterien und der lumbalen Bandscheibendegeneration.(25)
Die Kriterien des American College of Rheumatology für die Handarthrose lauten wie folgt:(26)
Es gibt eine Reihe von Ergebnismessungen für Arthrose. Weitere Informationen finden Sie hier.
Spezifische Gelenkfehlstellungen (Gelenkdeformitäten), auf die Sie achten sollten, umfassen Heberden-Knoten, Bouchard-Knoten und Genu varum/valgum.(14)
„Klinische Leitlinien für die Behandlung der Kniearthrose betonen nicht medikamentöse, nicht chirurgische Strategien, die sich auf Selbsthilfe und patientenorientierte Optionen konzentrieren, statt auf passive Therapien durch Kliniker.“(27)
Zu den allgemeinen Behandlungszielen gehören die Erhaltung / Verbesserung des Bewegungsausmaßes, die Verbesserung der muskulären Stabilisation, die Verringerung der Gelenkbelastung und das Schmerzmanagement.(14)
Internationale Leitlinien empfehlen durchgängig Edukation, strukturierte Übungstherapie und Gewichtsmanagement als zentrales Management der ersten Wahl bei Hüft- und Kniearthrose.(22)(28)(29)
Die medizinische Behandlung kann Medikamente, einschließlich entzündungshemmende Arzneimittel,(22) Gewichtsmanagement, intraartikuläre Kortikosteroidinjektionen(22) und chirurgische Eingriffe (z.B. totaler Gelenkersatz) umfassen. Bitte beachten Sie, dass die American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) „moderate Empfehlungen gegen die Verwendung von Gelenkspülungen (Lavage) und Débridements als Behandlung bei der symptomatischen Arthrose veröffentlicht hat“.(30)
„Die klinische Wirkung von Physiotherapie auf Schmerzen und Behinderungen bei Hüft- oder Kniearthrose ist erheblich, während die damit verbundenen Kosten gering sind.“(9)
Zu den wichtigsten physiotherapeutischen Interventionen für Hüfte und Knie gehören Patientenedukation und Übungstherapie.(9)
Zu den Themen der Patientenedukation können Informationen über Arthrose sowie die Vorteile von Bewegung und Krafttraining, einem gesunden Lebensstil und Gewichtsmanagement gehören. Diese Gespräche können je nach Ihrem Tätigkeitsbereich variieren und erfordern möglicherweise eine Überweisung an eine andere Fachkraft. Die Edukation befasst sich auch mit Behandlungsmöglichkeiten sowie den jeweiligen Nutzen und Risiken, um eine informierte Einwilligung zu ermöglichen. Wenn eine Arthroplastik (Gelenkersatz) geplant ist, können Physiotherapeuten Informationen über den Zeitrahmen für die Rehabilitation, Hilfsmittel, die Vorteile der Prähabilitation (d. h. die Aufrechterhaltung von Kraft und Fitness vor der Operation), postoperative Überlegungen, Einschränkungen des Lebensstils und eventuell notwendige Vorsichtsmaßnahmen geben.(9)(22)
Das EULAR-Update 2023 identifizierte Information, Edukation und Selbstmanagement als Empfehlungen mit höchster Priorität für die Umsetzung in der Versorgung bei Hüft- und Kniearthrose.(29)
Die Übungstherapie sollte sich auf gelenkspezifische und allgemeines Training / körperliche Aktivität konzentrieren. Trainingsprogramme sollten individuell auf die Ziele, Anforderungen und Vorlieben jedes Einzelnen abgestimmt sein.
Die aktuelle Evidenz zu Übungstherapie bei Arthrose wurde in mehreren aktuellen Übersichtsarbeiten erneut untersucht. Das Cochrane-Update 2024 zur Kniearthrose kam zu dem Ergebnis, dass Übungen kurzfristig wahrscheinlich zu geringfügigen Verbesserungen hinsichtlich Schmerzen, körperlicher Funktionsfähigkeit und Lebensqualität führt.(31) Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 stellte ebenfalls fest, dass die Effekte tendenziell gering und von kurzer Dauer sind, wobei sich diese Schlussfolgerung auf Evidenz von sehr geringer Sicherheit stützt.(32) Für Hüftarthrose kam eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 zu dem Schluss, dass Übungstherapie zwar wirksam ist, der Effekt jedoch gering ist und dass zukünftige Forschung ermitteln sollte, welche Patienten am meisten profitieren und welche Arten von Training am wirksamsten sind.(33)
Doch trotz dieser bescheidenen Effektstärken bleibt Bewegung eine zentrale Behandlung der ersten Wahl in den aktuellen internationalen Leitlinien für Hüft- und Kniearthrose.(22)(28)(29)
Trainingsprogramme sollten individuell auf die Ziele, Anforderungen und Vorlieben jedes Einzelnen abgestimmt sein. In der folgenden Tabelle finden Sie eine Zusammenfassung der FITT-Prinzipien (Frequency, Intensity, Time, and Type) für Hüft- und Kniearthrose, die auf aktuellen Forschungsergebnissen basieren. Die meisten Informationen wurden von Van Doormaal et al. (A clinical practice guideline for physical therapy in patients with hip or knee osteoarthritis) übernommen.(9)
| FITT-Prinzip | Übungsempfehlungen |
|---|---|
| Häufigkeit | Streben Sie mindestens 2 Tage pro Woche Krafttraining und 5 Tage pro Woche Ausdauertraining an
|
| Intensität | Muskelkrafttraining:
Aerobes Training:
|
| Typ | Streben Sie eine Kombination aus Kraft-, Ausdauer- und funktionellem Training an. Kraftübungen:
Aerobes Training:
Funktionelles Training:
Kann auch Gleichgewichts-, Koordinations-, neuromuskuläre und Beweglichkeitsübungen beinhalten, je nach Bedarf |
| Zeit |
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Die folgenden Videos enthalten einige Ideen für Übungen. Das erste Video konzentriert sich auf Kniearthrose und das zweite Video demonstriert Übungen für die Hüfte. Die Kräftigungsübungen, die in der PEAK-Studie für Kniearthrose verwendet wurden, sind hier aufgeführt.
Zu den wichtigsten Aspekten der Übungstherapie gehören das Einbauen von Aufwärm- und Abkühlphasen sowie die schrittweise Steigerung der Trainingsintensität (z. B. einmal pro Woche) bis zum maximal für den Patienten verträglichen Niveau. Wenn die Gelenkschmerzen nach dem Training zunehmen und länger als 2 Stunden anhalten, sollte die Intensität der nächsten Trainingseinheit reduziert werden. Bei Patienten, die untrainiert sind oder durch Schmerzen oder eingeschränkte Mobilität beeinträchtigt sind, sollten Sie mit kurzen Einheiten von maximal 10 Minuten beginnen und bei Bedarf Alternativen zu den Übungen anbieten.(9)
Zu den weiteren Interventionen können manuelle Therapie und Hilfsmittel für die Mobilität gehören. Manuelle Therapie sollte nur in Verbindung mit der Übungstherapie in Betracht gezogen werden,(22) und Hilfsmittel wie Gehstöcke können für Personen mit Arthrose der unteren Extremitäten nützlich sein.(14)
Die NICE-Leitlinien raten von der routinemäßigen Verwendung von Einlagen, Bandagen, Schienen oder Stützen ab, es sei denn, alle folgenden Punkte treffen zu:(22)
Die NICE-Leitlinien empfehlen aufgrund fehlendem erwiesenen Nutzen keine Akupunktur, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), Ultraschall, Interferenztherapie, Lasertherapie, gepulste Kurzwellentherapie oder neuromuskuläre Elektrostimulation (NMES) für Personen mit Arthrose.(22)