Originale Autorin – Rachael Lowe basierend auf dem Kurs von Shala Cunningham
Top-Beitragende – Jess Bell, Admin, Naomi O’Reilly, Wanda van Niekerk, Rachael Lowe, Laura Ritchie, Kim Jackson, Ben Kasehagen, 127.0.0.1, Tarina van der Stockt, Samuel Winter, Evan Thomas, Michelle Lee, Kai A. Sigel, Vidya Acharya und Rucha Gadgil
Knieschmerzen sind weltweit ein häufiges Problem und machen etwa 5 % der Besuche bei Hausärzten aus.(1) Obwohl viele akute und chronische Knieerkrankungen gut auf eine Rehabilitation ansprechen, hängt der Erfolg einer Behandlung nicht zuletzt von einer genauen Befunderhebung ab. Rehabilitationsfachleute müssen in der Lage sein, Fertigkeiten zur systematischen Befunderhebung zu entwickeln, um effektiv zwischen Erkrankungen, die für eine Rehabilitation geeignet sind, und solchen, die eine weitere Überweisung erfordern, unterscheiden zu können. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die subjektive und objektive Untersuchung des Knies für Rehabilitationsfachleute.
Die Eselsbrücke L-M-N-O-P-Q-R-S-T hebt die wichtigsten Bereiche hervor, die bei der Anamnese zu berücksichtigen sind.(2)
L: Lokalisation der Symptome und Grad (Level) der funktionellen Beeinträchtigung
Wir möchten den genauen Ort der Schmerzen eines Patienten ermitteln, um eine mögliche Diagnose zu erstellen. Wie bei jedem anderen Körperteil ist es auch wichtig festzustellen, ob es sich vielleicht um übertragene Schmerzen („referred pain“) aus dem Rücken oder einem anderen Gelenk handelt.
Nicht übertragene, lokale anteriore Knieschmerzen können durch eine Reihe von Erkrankungen verursacht werden, darunter patellofemorale Schmerzen (Patellofemoral Pain – PFP), eine Patellarsehnen-Tendinopathie und eine Instabilität des patellofemoralen Gelenks. Der Morbus Osgood-Schlatter ist eine weitere Ursache für vordere Knieschmerzen bei Jugendlichen. Mediale Knieschmerzen können unter anderem auf eine Verletzung des Innenbands, einen Riss des medialen Meniskus oder Arthrose hinweisen. Laterale Knieschmerzen können auf Erkrankungen wie eine Verletzung des Außenbands, einen Riss des lateralen Meniskus, ein iliotibiales Bandsyndrom oder eine Arthrose im lateralen Kompartiment hinweisen. Posteriore Knieschmerzen können auf eine distale Hamstring-Tendinopathie, eine Hinterhornverletzung des Meniskus oder eine Bakerzyste hinweisen.(3) Bitte beachten Sie, dass dies nur eine beschränkte Auflistung der möglichen Erkrankungen ist.
M: Medizinische Faktoren (Medikamente) und Mechanismus der Verletzung
Wir müssen herausfinden, welche Medikamente der Patient einnimmt (einschließlich Nahrungsergänzungsmittel und solche, die von Ärzten oder anderen Fachkräften verschrieben wurden) und welche Begleiterkrankungen er möglicherweise hat.
Wir möchten auch feststellen, wann und wie die Verletzung entstanden ist. Die folgende Tabelle zeigt einige zu berücksichtigende Verletzungsmechanismen und mögliche betroffene Strukturen auf. Auch diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Verletzungsmechanismus | Potenziell betroffene Struktur |
|---|---|
| Springen, Drehen oder Richtungswechsel mit feststehendem Fuß | Vorderes Kreuzband (VKB), Subluxation der Patella, Meniskus |
| Über die Tibia einwirkende Kraft nach posterior | Hinteres Kreuzband (HKB) |
| Auf das Knie ausgeübte Varuskraft | Außenband (laterales Kollateralband) |
| Auf das Knie ausgeübte Valguskraft | Innenband (mediales Kollateralband) |
| Auf das Knie einwirkende Kraft nach anterior | VKB |
| Hyperextension (z.B. Fuß ist fixiert und der Körper bewegt sich über den Fuß) | VKB, hintere Kapsel |
| Hyperflexionsverletzung (z.B. ein Sturz auf ein gebeugtes Knie oder eine forcierte Flexion) | HKB |
Es ist auch wichtig herauszufinden, ob der Patient nach seiner Verletzung noch gehen bzw. seine Tätigkeit fortsetzen konnte. Wenn Patienten nach einer Verletzung nicht mehr gehen können, deutet dies auf eine ernstere Verletzung hin, wie z.B. eine Fraktur oder einen Riss des vorderen Kreuzbandes (VKB). Bei Stößen mit hoher Energie (z. B. Verkehrsunfälle) ist die Wahrscheinlichkeit einer Fraktur größer.(5)
Red Flags: Red Flags: plötzliches Auftreten starker Schmerzen ohne Auslöser/Unfall UND neurologische Symptome nach einem Trauma.
N: Neurologische Symptome
Zu den neurologischen Symptomen gehören Taubheit, Kribbeln, Brennen und stromschlagartige Empfindungen. Wenn neurologische Symptome vorhanden sind, müssen wir feststellen, ob sie konstant oder intermittierend sind und ob sie einem dermatomalen oder peripheren Nervenmuster folgen. Ein wichtiger Nerv, der bei Patienten mit Knieverletzungen zu berücksichtigen ist, ist der N. peroneus (N. fibularis).
Red Flag: Sockenförmiges Taubheitsgefühl.
O: Beruf (engl.: „occupation“), einschließlich Einschränkungen
Gibt es arbeits- oder beschäftigungsbezogene Faktoren, die von Bedeutung sind?
P: Provozierende und lindernde (engl.: „palliating“) Symptome
Finden Sie beim Patienten heraus, was genau seine Symptome verbessert oder verschlimmert. Es ist wichtig festzustellen, wie lange es dauert, bis die Symptome nachlassen.
Red Flag: konstante Symptome, die sich nicht beeinflussen lassen.
Q: Qualität der Symptome/Schmerzen
Bei Knieschmerzen sollten Sie berücksichtigen, ob die Schmerzen stechend, dumpf, ziehend, drückend oder stromschlagartig sind. Tritt Taubheit oder Kribbeln auf? Es ist auch wichtig, den Patienten zu fragen, ob er ein Nachgeben, Klicken, Blockieren oder Ploppen bemerkt (hat). Ein Ploppen kommt häufig bei VKB-Verletzungen vor. Bei Meniskusverletzungen kann es zu einem Knacken oder Blockieren kommen. Ein Nachgeben oder Wegknicken („Giving way“) kann mit Instabilität (z.B. einer VKB-Verletzung) oder Meniskusrissen und patellofemoralen Schmerzen einhergehen.(3)
Giving way: Es ist wichtig, zwischen einem Pseudo-Giving-way und dem echten Giving-way-Phänomen zu unterscheiden. Ein echtes Giving way, bei dem das Knie tatsächlich wegknickt, ist in der Regel ein Anzeichen für eine Bandverletzung. Das Pseudo-Giving-Way hingegen ist das Gefühl, dass das Knie nachgeben könnte, ohne dass es tatsächlich nachgibt. Das Pseudo-Giving-Way ist mit einer schlechten dynamischen Kontrolle verbunden (z.B. durch eine Schwäche des M. quadriceps femoris oder arthrogene Muskelinhibition).(4)
Blockierung: Auch hier müssen wir zwischen Pseudo-Blockierung und echter Blockierung unterscheiden. Eine echte Blockierung erfordert eine sofortige Überweisung an einen orthopädischen Chirurgen. Bei einer echten Blockierung kann die Person ihr Knie weder aktiv noch passiv strecken. Dies ist häufig ein Zeichen für einen freien Gelenkkörper oder einen Korbhenkelriss des Meniskus. Von einer Pseudo-Blockierung spricht man, wenn eine Person ihr Knie aufgrund von Steifheit oder arthrogener Muskelinhibition nicht strecken oder beugen kann.(4)
R: Ausstrahlung (engl. „radiation“) der Symptome
Fragen bei ausstrahlenden Symptomen:
Red Flag: Ausstrahlende Symptome entlang mehrerer Dermatome (zuerst Verteilungsmuster der peripheren Nerven ausschließen).
S: Schweregrad der Symptome
Es kann hilfreich sein, Skalen wie die Visuelle Analogskala (VAS) oder die Numerische Rating-Skala (NRS) zu verwenden. Es sollte auch berücksichtigt werden, wie sich die Symptome auf die Funktion und die Aktivitäten auswirken. Muss der Patient aufgrund seiner Schmerzen Aktivitäten einstellen oder anpassen?
Red Flag: Plötzliches Auftreten von starken Schmerzen ohne Auslöser oder Trauma.
T: Zeitlicher Verlauf (engl. „timing“) der Symptome
Achten Sie auf die Reihenfolge der Symptome und den Verlauf der Symptome im Laufe des Tages.
Red Flag: Schmerzen, die den Schlaf unterbrechen oder nachts stärker sind (nicht im Zusammenhang mit der Schlafposition) ODER konstante Schmerzen.
Das folgende optionale Video gibt einen Überblick über die subjektive Untersuchung des Knies:
Denken Sie immer daran, auf zusätzliche Red Flags oder Allgemeinsymptome (unspezifische Krankheitszeichen, die den gesamten Körper und nicht nur einen bestimmten Teil betreffen) zu achten, darunter:
Wenn Sie mehr erfahren möchten, lesen Sie bitte: Eine Einführung in Red Flags bei ernsthaften Pathologien.
Die folgenden Fragebögen zur Selbsteinschätzung können für Menschen mit Knieschmerzen nützlich sein:
Die objektive Untersuchung liefert Ihnen quantifizierbare Messwerte, anhand derer Sie Strukturen ausschließen können, die an den Knieschmerzen einer Person beteiligt sein könnten. Anhand objektiver Messwerte lassen sich auch Veränderungen im Zeitverlauf oder nach der Behandlung feststellen.
Sie können das Knie eines Patienten im Sitzen, Stehen, Liegen und beim Gehen beobachten. Achten Sie bei der Beobachtung auf knöcherne Verformungen, die auf ein Trauma hindeuten könnten, sowie auf Anzeichen von Entzündungen, Blutergüssen, Schwellungen, Rötungen oder Veränderungen der Muskelmasse (Hypertrophie oder Atrophie).
Bei einer Schwellung ist es wichtig, den Zeitpunkt ihres Auftretens zu ermitteln.
Eine sofortige Schwellung (0–2 Stunden nach der Verletzung) deutet auf eine Fraktur oder, im Falle eines Hämarthros, auf einen Riss des VKB hin.(3)(5) Bitte beachten Sie, dass ein Erguss bei patellofemoralen Schmerzen nicht üblich ist und eine infrapatellare Schwellung auf eine Beteiligung des Hoffa-Fettkörpers hinweisen kann.(5)
Wenn der Patient steht, ist es wichtig, das ganze Bein zu beobachten, nicht nur das Knie.
Beobachten Sie den Patienten von vorne und stellen Sie fest, ob er sein Gewicht gleichmäßig auf beide Beine verteilt. Beginnen Sie am Fuß und achten Sie darauf, ob der Fuß proniert oder supiniert ist. Überprüfen Sie am Knie, ob eine Valgus- oder Varusstellung vorliegt. Achten Sie auch auf die Position der Patella und den Quadrizepswinkel (Q-Winkel) (siehe unten).(2)
Von der Seite können Sie den Grad der Knieextension im Stehen überprüfen – gibt es eine Hyperextension oder hält der Patient sein Knie leicht gebeugt? Von hinten sollten Sie auf Schwellungen im hinteren Bereich achten und die Muskelmasse auf beiden Seiten vergleichen.(2)
Q-Winkel: Der Q-Winkel beschreibt den Kraftvektor des M. quadriceps femoris auf die Patella.(7) Zwar haben mehrere Studien ergeben, dass Q-Winkel-Messungen unzuverlässig sind, doch Merchant et al.(8) legen nahe, dass die Verwendung einer standardisierten Messmethode „den Q-Winkel wieder zu einer zuverlässigen, genauen Messgröße machen könnte”.(8) Dies ist relevant, da es sich um einen schnellen und einfachen Test handelt, der in eine körperliche Untersuchung integriert werden kann. Die Normwerte für den Q-Winkel variieren in der Literatur, aber die folgenden Werte wurden von Merchant et al. angegeben:(8)
- 13,5 Grad Valgus für Männer
- 15,9 Grad Valgus für Frauen
Wenn Sie mehr über den Q-Winkel und seine Messung erfahren möchten, sehen Sie sich bitte das folgende Video an:
Eine vollständige Beurteilung des Gangbildes wird hier im Detail besprochen. Bei einer Ganganalyse können Sie zeitliche Variablen wie Doppelschrittzeit und Schrittzeit sowie Entfernungsvariablen wie Doppelschrittlänge, Schrittlänge und Spurbreite betrachten. Weitere Variablen sind Kadenz und Gehgeschwindigkeit.
Spezifische Abweichungen aufgrund von Knieschmerzen finden Sie unter: Gangabweichungen im Zusammenhang mit Schmerzsyndromen des Beckens und des Knies.
Es ist wichtig, funktionelle Aufgaben wie Einbeinstand, Kniebeuge/Hocke, einbeinige Kniebeuge und/oder Ausfallschritte in die Untersuchung einzubeziehen. Wenn Ihr Patient keine tiefe Kniebeuge ausführen kann, können Sie stattdessen das Aufstehen aus dem Sitzen oder eine halbe Kniebeuge beurteilen.(2)
Wenn Sie neurologische Defizite oder einen übertragenen Schmerz aus der Lendenwirbelsäule (LWS) vermuten, sollten Sie eine neurologische Untersuchung durchführen. Das vollständige neurologische Screening wird hier erläutert. Das neurologische Screening sollte Tests für die Myotome bzw. Kennmuskeln, Dermatome (Sensibilität), Reflexe und neurodynamische Tests umfassen.
Die zu testenden Reflexe der unteren Extremitäten sind der Patellarsehnenreflex/PSR (L3/4) und der Achillessehnenreflex/ASR (S1/2). Die Dermatome der unteren Extremitäten umfassen L1-S4/5. Die wichtigsten Myotome der unteren Extremitäten sind:
Nützliche neurodynamische Tests für die untere Extremität sind der Straight-Leg-Raise-Test (SLR) und der Prone-Knee-Bend-Test (PKB). Diese sind besonders wichtig, wenn der Patient Schmerzen hat, die über das Knie hinaus ausstrahlen. Weitere neurologische Tests, die Sie durchführen können, sind das Babinski-Zeichen und der Klonus-Test.
Bitte sehen Sie sich das folgende Video an, wenn Sie eine kurze Demonstration einer neurovaskulären Untersuchung in Rückenlage sehen möchten.
Die wichtigsten Strukturen, die am Knie palpiert werden sollten, sind:(3)
Palpieren Sie das Kniegelenk und das umliegende Gewebe auf Schmerzen, Schwellungen oder Überwärmung.
Eine Überwärmung im Bereich des Knies deutet auf einen Entzündungsprozess hin. Es ist wichtig, die objektiven Befunde mit der subjektiven Untersuchung in Verbindung zu bringen. Steht diese Entzündung im Zusammenhang mit einer Verletzung oder einem entzündlichen Zustand (z. B. aktivierte Arthrose oder systemisch-entzündliche Erkrankung)?(4)
In Bauchlage können Sie die Sehnen der ischiokruralen Muskulatur und die Ursprünge des M. gastrocnemius palpieren. Eine posteriore Schwellung könnte auf eine Bakerzyste hindeuten.(3)
Die Ergusspalpation durch das Ausstreichen des Recessus suprapatellaris kann bei Patienten mit einem Knieerguss zum Zeichen der „tanzenden Patella“ führen.
Zusammen betrachtet haben die selbstberichtete Schwellung (aus der Anamnese) und eine positive „tanzende Patella“ diagnostischen Wert. Kastelein et al. fanden die folgenden Likelihood Ratios:(11)
- Positives Likelihood Ratio für selbstberichtete Schwellung = 1,5
- Positives Likelihood Ratio für die Ergusspalpation mittels „tanzender Patella“ = 1,6
- Positives Likelihood Ratio für beide zusammen = 3,6
Die folgenden optionalen Videos demonstrieren die Palpation am Knie:
Wie bei jedem anderen Gelenk ist es auch beim Knie wichtig, das aktive und passive Bewegungsausmaß des Patienten zu prüfen. Die wichtigsten Bewegungen des Knies sind Flexion und Extension. Außerdem kann die Rotation der Tibia beurteilt werden.
Überprüfen Sie, ob Schmerzen oder eine Abwehrspannung auftreten, beurteilen Sie die Bewegungsqualität und das Endgefühl. Die Flexion des Knies hat in der Regel ein weiches Endgefühl, die Extension ein festes Endgefühl. Das übliche Bewegungsausmaß des Knies beträgt etwa 130 Grad Flexion und 0 Grad Extension. Berücksichtigen Sie jedoch interindividuelle Unterschiede und führen Sie immer einen Seitenvergleich durch.
Die folgenden optionalen Videos zeigen, wie Sie das aktive Bewegungsausmaß des Knies beurteilen können:
Das folgende optionale Video zeigt, wie Sie das passive Bewegungsausmaß am Knie beurteilen können:
Wenn Ihr Patient ein eingeschränkter aktives und/oder passives Bewegungsausmaß hat, ist es sinnvoll, die akzessorischen Bewegungen des Gelenks zu beurteilen:(2)
Die Muskellänge sollte bei der Untersuchung des Knies ebenfalls berücksichtigt werden. Die wichtigsten zu testenden Muskeln sind die ischiokrurale Muskulatur (Hamstrings), der M. quadriceps femoris, der M. gastrocnemius und der M. soleus. Der M. tensor fascia lata und der M. gluteus maximus sind ebenfalls relevant, da sie über ihre Verbindung zum Tractus iliotibialis Einfluss auf das Knie haben.(17) Führen Sie auch hier einen Seitenvergleich durch und berücksichtigen Sie interindividuelle Unterschiede.
Die folgenden Muskellängentests können in eine Knieuntersuchung einbezogen werden:
Um mehr zu erfahren, lesen Sie bitte: Untersuchung der Muskellänge und Befunderhebung und Behandlung der Muskellänge bei patellofemoralen Schmerzen.
Die Prüfung der Muskelkraft ist bei der Befunderhebung des Knies unerlässlich. Achten Sie auf Unterschiede in der Kraft im Seitenvergleich und auf Schmerzen während der Tests. Wenn Sie mehr über die Untersuchung der Muskelkraft erfahren möchten, lesen Sie bitte: Untersuchung der Muskelkraft.
Zu den wichtigsten Muskeln, die Sie bei Patienten mit Knieschmerzen testen sollten, gehören der M. quadriceps femoris, die ischiokrurale Muskulatur, die Hüftabduktoren (vor allem M. gluteus medius), die Hüftaußenrotatoren (vor allem M. gluteus medius, M. gluteus maximus) und der M. gastrocnemius / M. soleus.
Bitte sehen Sie sich das folgende optionale Video an, wenn Sie sehen möchten, wie ein Orthopäde das Knie untersucht:
In den folgenden Abschnitten werden mehrere häufige Krankheitsbilder des Knies beschrieben und klinische Symptome, spezielle Tests und Diagnosegruppen aufgezeigt, die für Ihre Befunderhebung hilfreich sein können.
Bitte beachten Sie: Spezielle Tests variieren hinsichtlich ihrer einzelnen Spezifität und Sensitivität, sind aber in Kombination ein wertvoller Bestandteil Ihrer Untersuchung. Weitere Informationen zu diesen speziellen Tests, einschließlich ihrer Validität, Reliabilität, Sensitivität und Spezifität, finden Sie auf den verlinkten Seiten. Die in diesen Abschnitten aufgeführten Tests erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Kniearthrose (oder Gonarthrose) ist eine häufige Ursache für Knieschmerzen, Steifheit, Bewegungs- und Funktionseinschränkungen, insbesondere bei Erwachsenen über 45 Jahren.(1) Weitere allgemeine Informationen über Arthrose finden Sie hier. Spezifische Informationen über die Diagnostik bei Arthrose sowie die klinischen Kriterien für die Diagnose der Kniearthrose erhalten Sie hier.
Décary et al.(19) schlugen diagnostische Cluster vor, mit deren Hilfe eine Kniearthrose ein- bzw. ausgeschlossen werden kann (siehe Tabelle 2). Sie fanden heraus, dass diese Cluster 64 % aller Fälle und 71 % aller „Nicht-Fälle“ genau erkennen konnten.
| Cluster zum EINSCHLUSS einer symptomatischen Kniearthrose | Cluster zum AUSSCHLUSS einer symptomatischen Kniearthrose |
|---|---|
| Cluster 1: Alter 50-58 Jahre UND Body-Mass-Index (BMI) größer als 30 kg/m2 UND Valgus- oder Varusfehlstellung des Knies ODER eingeschränkte passive Extension des Knies | Cluster 1: Alter unter 40 Jahren |
| Cluster 2: Alter über 58 Jahre UND tastbare Krepitationen in einem beliebigen Kniekompartiment | Cluster 2: Alter 40-50 Jahre UND keine tastbaren Krepitationen in einem beliebigen Kniekompartiment UND ein BMI unter 35 kg/m2 |
| Diese beiden Cluster haben ein positives Likelihood Ratio von 13,6 | Cluster 3: Alter 40-58 Jahre UND tastbare Krepitationen in einem beliebigen Kniekompartiment UND ein BMI unter 26 kg/m2 |
| Diese drei Cluster haben ein negatives Likelihood Ratio von 0,11 |
Das vordere Kreuzband (VKB, Lig. cruciatum anterius) trägt zur Stabilität des Knies bei, indem es die anteriore Translation und Innenrotation der Tibia relativ zum Femur begrenzt. Die meisten VKB-Verletzungen entstehen bei Nichtkontakt-Situationen und stehen oft im Zusammenhang mit Geschwindigkeitsänderungen oder multidirektionalen Kräften, die auf das belastete Knie einwirken.(20) Sie stehen auch im Zusammenhang mit Sprung- und Drehbewegungen.(21)
Akute VKB-Verletzungen treten häufig zusammen mit anderen Verletzungen auf, darunter Meniskus-, Knorpel-, HKB-, Außen- und Innenbandverletzungen.(22)(23) (24)(25) Die Patienten beschreiben, dass sie ein plötzliches „Ploppen“ hören oder fühlen und dass sie tiefe Knieschmerzen haben. Bei der Mehrheit (etwa 70 %) tritt sofort eine Schwellung (Hämarthros) auf. Weitere berichtete Symptome sind ein Nachgeben bzw. Wegknicken („Giving-Way-Phänomen“), Schwierigkeiten beim Gehen und ein eingeschränktes Bewegungsausmaß des Knies.(25)
Es wurden verschiedene spezielle Tests vorgeschlagen, um die Integrität des VKB zu beurteilen. Wie die meisten Tests sollten sie nicht isoliert, sondern als Teil einer umfassenderen Untersuchung eingesetzt werden.
Auf den verlinkten Seiten finden Sie weitere Informationen zu diesen Tests:
Das hintere Kreuzband (VKB, Lig. cruciatum posterius) ist ein wichtiger Stabilisator des Knies, der eine übermäßige posteriore Translation und Außenrotation der Tibia relativ zum Femur verhindert.(26) Das HKB wird selten isoliert verletzt. Verletzungen resultieren typischerweise aus einer Hyperflexion, einer signifikanten, nach posterior gerichteten Kraft auf die proximale Tibia bei gebeugtem Knie (z.B. bei einer „dashboard injury“, wenn das gebeugte Knie gegen das Armaturenbrett prallt) oder einem Sturz auf das gebeugte Knie.(27) Personen mit einer HKB-Verletzung können über posteriore Knieschmerzen, Steifheit und Schwellungen klagen.(27) Wie bei VKB-Verletzungen können verschiedene spezielle Tests zur Identifizierung von HKB-Verletzungen eingesetzt werden, darunter:
Verletzungen des Innenbands (mediales Kollateralband, Lig. collaterale tibiale oder mediale) werden häufig durch plötzliche Dreh- oder Schnittbewegungen verursacht. Sie können auch durch einen direkten Aufprall auf die laterale Seite des Knies entstehen, der zu einem Valgusstress führt. Innenbandverletzungen können isoliert oder zusammen mit anderen Strukturen (z. B. Innenmeniskus, VKB usw.) auftreten.(28)
Zur Beurteilung des Innenbands wird ein Valgusstress ausgeübt. Wenn Sie mehr erfahren möchten, lesen Sie bitte: Valgusstresstest .
Das Außenband (laterales Kollateralband, Lig. collaterale fibulare oder laterale) ist der primäre Schutz des Knies vor übermäßigen Varusbelastungen.(29) Außenbandverletzungen werden in der Regel durch einen direkten Aufprall auf das anteromediale Knie verursacht, der zu einer Kombination aus Hyperextension und extremer Varuskraft führt. Sie können auch durch eine Hyperextension mit Varusstress in Nichtkontakt-Situationen verursacht werden. Das Außenband wird selten allein verletzt (< 2 % der Verletzungen).
Um dieses Band zu untersuchen, wird ein Varusstress ausgeübt.
Logerstedt et al. stellen fest, dass die Diagnose einer Außenbandzerrung mit einem angemessenen Maß an Sicherheit gestellt werden kann, wenn die folgenden Punkte gegeben sind:(30)
Meniskusverletzungen bei jüngeren Menschen (d.h. unter 40 Jahren) sind in der Regel die Folge eines Traumas, während bei älteren Menschen eher degenerative Risse auftreten.(1)(31) Isolierte Meniskusverletzungen werden häufig durch Rotations- oder Scherkräfte am Knie bei erhöhter axialer Belastung verursacht. Diese können bei Drehbewegungen des Knies auftreten, wenn der Fuß am Boden fixiert ist und der Körper gedreht wird.(31)
Häufige Tests umfassen:
Es gibt verschiedene Testcluster, die helfen, Meniskusrisse aus- oder einzuschließen. Décary et al.(32) schlugen die folgenden Cluster vor, um traumatische und degenerative Meniskusrisse EINzuschließen (siehe Tabelle 3).
| Cluster zum EINschluss eines degenerativen, symptomatischen Meniskusrisses | Der Patient klagt über Knieschmerzen mit schleichendem Beginn, mediale Lokalisation der Knieschmerzen UND leichte bis starke Schmerzen beim Drehen des Knies während Aktivitäten des täglichen Lebens oder beim Sport ODER mindestens eines der folgenden Merkmale: keine Varus- oder Valgusfehlstellung des Knies ODER volle passive Knieflexion |
|---|---|
| Cluster zum EINschluss eines traumatischen, symptomatischen Meniskusrisses | Der Patient klagt über Knieschmerzen im Zusammenhang mit einem Trauma (entweder direkte Gewalteinwirkung, Verdrehen, Laufen usw.) UND er berichtet über mindestens einen Sturz ODER ein Verdrehen des Knies UND isolierte mediale oder diffuse Knieschmerzen UND eine positive Druckempfindlichkeit am medialen Gelenkspalt |
Der patellofemorale Schmerz (Patellofemoral Pain – PFP) gilt als Überbegriff für Schmerzen, die vom Patellofemoralgelenk selbst oder den angrenzenden Weichteilen ausgehen. Der Begriff beschreibt allgemeine vordere Knieschmerzen, die durch Belastung und Knieflexion verstärkt werden.(33)(34) Diese treten häufig bei aktiven Erwachsenen und Jugendlichen auf.(34)
Der patellofemorale Schmerz ist multifaktoriell bedingt und kann schwierig zu diagnostizieren sein.(35) Daher ist es wichtig, eine detaillierte Anamnese des Patienten zu erstellen. Patienten beschreiben in der Regel eine Verschlimmerung der Schmerzen bei Aktivitäten wie Hocken, längerem Sitzen, Treppensteigen und Laufen.(33) Zu den häufig verwendeten Tests gehören der Squat-Test, der Step-(Down-)Test, die Palpation sowie die Position und Beweglichkeit der Patella.(2)
Décary et al.(36) schlugen die folgenden Cluster vor, um einen PFP ein- oder auszuschließen (siehe Tabelle 4).
| Cluster zum EINschluss von patellofemoralen Schmerzen | Cluster zum AUSschluss von patellofemoralen Schmerzen |
|---|---|
| Cluster 1: Personen unter 40 Jahren mit isoliertem anterioren Knieschmerz oder Druckempfindlichkeit an der medialen Patellafacette | Cluster 1: Personen unter 58 Jahren UND mit medialen, lateralen oder posterioren Knieschmerzen UND ohne Druckempfindlichkeit an der medialen oder lateralen Patellafacette |
| Cluster 2: Personen im Alter von 40 bis 58 Jahren mit isoliertem anterioren oder diffusem Knieschmerz UND leichter bis mäßiger Schwierigkeit beim Treppabgehen UND Druckempfindlichkeit an der medialen Patellafacette UND voller passiver Knieextension | Cluster 2: Personen unter 58 Jahren mit diffusem oder lateralem Knieschmerz UND Druckempfindlichkeit an der medialen oder lateralen Patellafacette UND eingeschränkter passiver Knieextension |
| Cluster 3: Personen über 58 Jahre |
Um mehr über PFP zu erfahren, einschließlich der objektiven Untersuchung, lesen Sie bitte: Patellofemorales Schmerzsyndrom.
Rehabilitationsfachleute arbeiten häufig mit Menschen, die unter Knieschmerzen leiden. Bei der Befunderhebung von Patienten mit Knieschmerzen ist es wichtig, eine detaillierte Anamnese zu erheben und eine gründliche körperliche Untersuchung durchzuführen. Die Eselsbrücke L-M-N-O-P-Q-R-S-T kann als Leitfaden für die subjektive Untersuchung dienen. Die objektive Untersuchung sollte eine Inspektion, eine Ganganalyse, ein funktionelles Screening, ein neurologisches Screening, eine Palpation, die Beurteilung des Bewegungsausmaßes sowie der Muskellänge und -kraft umfassen Es gibt eine Reihe von speziellen Tests, die helfen können, bestimmte Knieerkrankungen zu erkennen. Eine wirksame Behandlung hängt von einer genauen Befunderhebung ab, bei der alle Elemente der Untersuchung zusammen berücksichtigt werden.