Originaler Autor – Habibu Salisu Badamasi
Top-Beitragende – Robin Tacchetti, Habibu Salisu Badamasi, Naomi O’Reilly, Jess Bell und Kim Jackson
Die Definition der „assistiven Technologien“ (hier als „Hilfsmittel“ bezeichnet) gemäß der Weltgesundheitsorganisation lautet: „Unterstützende Produkte und damit verbundene Systeme und Dienstleistungen, die für Menschen entwickelt werden, um ihre Funktionsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern und dadurch ihr Wohlbefinden zu fördern.“(1)(2) Hilfsmittel ermöglichen es Menschen mit Behinderungen, älteren Menschen und anderen, die in ihrer gesellschaftlichen Partizipation (Teilhabe) eingeschränkt sind, ein unabhängiges, gesundes und produktives Leben zu führen, indem sie an Bildung, Arbeit und sozialen Aktivitäten teilnehmen.(3)(4) Hilfsmittel verringern die Belastung der Pflegekräfte und den Bedarf an formellen Gesundheits- und Unterstützungsdiensten. Ohne Hilfsmittel geraten Menschen mit Behinderungen häufig in einen Kreislauf von Ausgrenzung, Isolation und Armut, was zu einer weiteren Zunahme von Behinderung und Morbidität führt.(1)
Weltweit benötigen eine Milliarde Menschen Hilfsmittel, um ein gesundes, produktives und würdiges Leben zu führen. Obwohl Hilfsmittel während der gesamten Lebensspanne eingesetzt werden können, ist der Bedarf bei älteren Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen und Menschen mit Behinderungen am größten.(5)(4) Von den Menschen, die mit einer Behinderung leben, ist 1 von 10 ein Kind.(6) Da die Weltbevölkerung altert und die Prävalenz nicht übertragbarer Krankheiten zunimmt, wird der Bedarf an Hilfsmitteln weiter ansteigen.(5) Diejenigen, die auf Hilfsmittel angewiesen sind, müssen Zugang dazu haben, um an Bildung, Arbeit, Familien- und Gemeinschaftsleben teilhaben zu können. Der Zugang zu Hilfsmitteln in ressourcenarmen Ländern kann sich aufgrund von Fragen der Erschwinglichkeit, Verfügbarkeit und Akzeptanz schwierig gestalten.(5)(2)
Zu Hilfsmitteln gehören alle Produkte, Ausrüstungsgegenstände oder Gegenstände, die dazu dienen, die Funktionsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen zu erhalten, zu verbessern oder zu steigern.(2) Hilfsmittel können hergestellt, modifiziert oder fertig („von der Stange“) gekauft werden.(7) Die Palette der Hilfsmittel reicht von einfachen Geräten mit geringem technischem Aufwand („No-Tech-“ oder „Low-Tech-Geräte“, z. B. Blindenstöcke) bis hin zu komplexen Geräten mit hohem technischem Aufwand („High-Tech-Geräte“, z. B. motorisierte Rollstühle, sprachgesteuerte Technologien für Computer).(8) Das obige Video der Weltgesundheitsorganisation veranschaulicht die Vorteile von Hilfsmitteln.
Da es eine große Vielfalt an Hilfsmitteln gibt, ist es sinnvoll, sie in verschiedene Kategorien einzuteilen.(8) Einige Hilfsmittel lassen sich in mehr als eine Kategorie einordnen.(7)
Die Weltgesundheitsorganisation hat die Liste der prioritären Hilfsmittel (Priority Assistive Products List – APL, Original auf Englisch) erstellt, um den Zugang zu Hilfsmitteln zu verbessern. Die Liste enthält 50 priorisierte Hilfsmittel, die auf der Grundlage des weit verbreiteten Bedarfs und der Auswirkungen auf das Leben des Benutzers ausgewählt wurden. Die APL umfasst High-Tech- und Low-Tech-Produkte zur Unterstützung von Mobilität, Kommunikation, Wahrnehmung, Körperpflege, Sehen, Hören und Umwelt. Die Liste ist nicht restriktiv; Ziel ist es, den Mitgliedstaaten ein Modell zur Verfügung zu stellen, anhand dessen sie ihre nationale Liste prioritärer Hilfsmittel entsprechend dem nationalen Bedarf und der verfügbaren Ressourcen erstellen können.(9)(10)
In der folgenden Liste der Weltgesundheitsorganisation(8) sind die 50 prioritären Hilfsmittel aufgeführt (in eigener Übersetzung). Bitte beachten Sie, dass diese Liste nicht als verbindlich angesehen werden sollte:(11)
| Liste prioritärer Hilfsmittel | |||||
| 1 | Signaleinrichtungen mit Licht / Ton / Vibration | 18 | Hörschleifen bzw. induktive Höranlagen / FM-Systeme | 35 | Bildschirmlesegeräte |
| 2 | DAISY-kompatible Audio-Player | 19 | Inkontinenzprodukte, saugfähig | 36 | Vereinfachte Mobiltelefone |
| 3 | Braillezeilen (Notizgeräte) | 20 | Tastatur- und Maus-Emulationssoftware | 37 | Brillen; vergrößernde Sehhilfen, Nahbereich, Fernbereich, Filter und Schutz |
| 4 | Braille-Schreibgeräte / Braille-Schreibmaschinen | 21 | Lupen, elektronische Handlupen | 38 | Stehrahmen, verstellbar |
| 5 | Gehtöcke | 22 | Lupen, optisch | 39 | Therapeutische Schuhe für diabetische, neuropathische, orthopädische Erkrankungen |
| 6 | Duschstühle / Badstühle / Toilettenstühle | 23 | Orthesen, untere Gliedmaßen | 40 | Hilfsmittel für das Zeitmanagement |
| 7 | Bildschirme mit Untertitelfunktion | 24 | Orthesen, Wirbelsäule | 41 | Reisehilfen, tragbare |
| 8 | Klumpfußschienen | 25 | Orthesen, obere Gliedmaßen | 42 | Dreiräder |
| 9 | Kommunikationstafeln /-bücher / -karten | 26 | Persönlicher digitaler Assistent (PDA) | 43 | Video-Kommunikationsgeräte |
| 10 | Kommunikationssoftware | 27 | Persönliche Notfallwarnsysteme | 44 | Gehrahmen / Gehböcke |
| 11 | Gehstützen, Achsel- / Unterarmgehstützen | 28 | Tablettenspender / Tabletten-Organizer | 45 | Uhren, sprechend / tastbar |
| 12 | Kommunikatoren für Taubblinde | 29 | Druckentlastungskissen | 46 | Rollstühle, manuell für aktive Nutzung |
| 13 | Falldetektoren / Sturzmelder | 30 | Druckentlastungsmatratzen | 47 | Schieberollstühle, manuell |
| 14 | Gesture-to-Voice-Technologie zur Gestenerkennung | 31 | Prothesen, untere Gliedmaßen | 48 | Rollstühle, manuell mit Haltungsunterstützung |
| 15 | GPS-Tracker (Global Positioning System) | 32 | Rampen, tragbare | 49 | Rollstühle, elektrisch angetriebene |
| 16 | Handläufe / Griffstangen | 33 | Aufnahmegeräte | 50 | Weiße Stöcke |
| 17 | Hörgeräte (digital) und Batterien | 34 | Rollatoren | ||
Für die Hilfsmittelversorgung sind vier Schritte erforderlich:
Alle vier Prozesse tragen dazu bei, dass Hilfsmittel effektiv eingesetzt werden. Der erste Schritt besteht darin, das Produkt auszuwählen, das den Bedürfnissen des Benutzers entspricht (Bedarfsfeststellung). Dieser Prozess wird gemeinsam mit dem Patienten und der Pflegeperson durchgeführt, um deren Bedarf zu verstehen und zu ermitteln, wie sie das Produkt in ihrer Umgebung einsetzen werden. Der Anpassungsprozess bietet die Möglichkeit, das Produkt an die Person anzupassen und zu verändern. Die Einweisung umfasst das Erklären, Demonstrieren und Üben mit dem Hilfsmittel. Schließlich ist die Nachbetreuung von entscheidender Bedeutung, um festzustellen, ob das Hilfsmittel immer noch den Bedürfnissen des Benutzers entspricht und ob eine Wartung oder Reparatur erforderlich ist.(12) Im folgenden Video der Weltgesundheitsorganisation werden diese vier Schritte näher erläutert: