Chronische Schmerzen bei Kindern sind weit verbreitet und können ihre Lebensqualität negativ beeinflussen. Sie führen zu einer geringeren Teilnahme an der Schule, zu schlechteren Leseleistungen und zu einer zunehmenden schmerzbedingten Behinderung und emotionalen Belastung.(1) Kinder, die unter chronischen Schmerzen leiden, haben ein erhöhtes Risiko, psychische Probleme wie Depressionen und Angstzustände zu entwickeln. Es besteht auch ein größeres Risiko für Opioidmissbrauch.(1) (2) Studien zeigen, dass chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen ein Prädiktor für chronische Schmerzen bei Erwachsenen sind.(1) (2)
Die International Association for the Study of Pain hat Schmerz definiert als: „Ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit einer tatsächlichen oder potenziellen Gewebeschädigung einhergeht oder einer solchen ähnelt. Schmerz ist immer subjektiv“.(3) Darüber hinaus sind sie der Ansicht, dass sechs Schlüsselfaktoren eine Rolle dabei spielen, wie eine Person Schmerzen erlebt. Diese Faktoren sind im Folgenden aufgeführt:
Laut dem Autor und Therapeuten Alex Howard können die folgenden Faktoren dazu beitragen, wie eine Person auf chronische Schmerzen reagiert:(4)
1. Genetik: Individuen können eine bestimmte Veranlagung für spezifische Krankheiten, Störungen oder Veränderungen der Rezeptoren im Bezug auf Schmerzen haben.
2. Persönlichkeitsmuster:(4)
Obwohl diese fünf Persönlichkeitsmerkmale Energie verbrauchen, können sie Kindern auch helfen, sich sicher zu fühlen. Es ist zwar nicht notwendig, sich dieser Eigenschaften zu entledigen, aber es ist wichtig, sie zu bemerken und in Schach zu halten, damit sie nicht überhand nehmen.
3. Belastung:
Bei der Arbeit mit Kindern, die unter chronischen Schmerzen leiden, ist es wichtig, die vier Säulen der Gesundheit zu bewerten, um festzustellen, ob einer dieser Bereiche einen beitragenden Faktor darstellt.(4)
Der Goldstandard für die Behandlung chronischer Schmerzen umfasst einen multidisziplinären Ansatz zum Schmerzmanagement.(1) (6) Das Verständnis der früheren Schmerzerfahrungen des Kindes kann helfen, Entscheidungen für die Behandlung zu treffen. Ein wichtiger Teil des Behandlungskonzepts besteht darin, einen Einblick in das Schmerzkonzept des Kindes zu gewinnen und mit Hilfe der Schmerzedukation eine Verbesserung der Schmerzen und der Funktion des Kindes anzustreben.(6)
Gesundheitsdienstleister können Kindern und Jugendlichen, die mit chronischen Schmerzen zu kämpfen haben, durch neurowissenschaftliche Schmerzedukation helfen, ihre Erfahrungen zu verstehen. Schmerzedukation ist ein bewährtes Konzept, das den Betroffenen hilft, ihre Schmerzen zu verstehen, indem sie erkunden, was Schmerzen sind, wie sie zustande kommen und welche Funktion sie haben.(7) Die Schmerzedukation kann in folgende Bereiche unterteilt werden:
Das übergeordnete Ziel der neurowissenschaftlichen Schmerzedukation besteht darin, das Konzept des Schmerzes von einem biomedizinischen Modell auf ein biopsychosoziales Modell umzustellen, bei dem Faktoren wie Genetik, Überzeugungen, Kognition, Schule und Familienleben berücksichtigt werden.(7)
Das Neuro Orthopaedic Institute (NOI Group) hat ein auf Patienten zugeschnittenes Buch mit dem Titel Explain Pain („Schmerzen verstehen“) herausgegeben, um Menschen zu helfen, ihre chronischen Schmerzen zu verstehen und zu bewältigen.(8) In diesem Buch wird betont, dass „jeder glaubwürdige Hinweis auf eine Gefährdung des Körpergewebes den Schmerz verstärken und jeder glaubwürdige Hinweis auf eine Sicherheit des Körpergewebes den Schmerz verringern kann“.(9) Wahrgenommene Bedrohungen werden als DIMs („danger in me“, „Gefahr in mir“) und sichere Gefühle als SIMs („safety in me“, „Sicherheit in mir“) bezeichnet.(8) Unser Körper überwacht das Gleichgewicht zwischen DIMs und SIMs, was von den Autoren als „Protectometer“ bezeichnet wird.(4) Wenn Menschen mehr Bedrohung als Sicherheit empfinden, setzen ihre Schutzmechanismen ein. Der Schutz kann sich in Form von Angst, Muskelverspannung, Müdigkeit, Schmerzen usw. äußern. Um chronische Schmerzen selbst in den Griff zu bekommen, ist es das Ziel, DIMs zu verringern und SIMs zu erhöhen.(8)
Sehen Sie sich das unten stehende Video von David Butler und Lorimer Moseley zu „Explaining Pain“ an: