Originale Autorin – Lucinda hampton
Top-Beitragende – Lucinda hampton, Stacy Schiurring, Jess Bell, Kim Jackson, Ahmed M Diab, Aminat Abolade und Ewa Jaraczewska
Der Rumpf umfasst drei unterschiedliche Wirbelsäulenabschnitte: die Brustwirbelsäule (BWS, T1–T12), die die hintere Brustwand bildet und durch die Verbindung mit den Rippen für Stabilität sorgt, während sie gleichzeitig Rotationsbewegungen ermöglicht; die Lendenwirbelsäule (LWS, L1–L5), die sich durch größere Wirbel auszeichnet, die erhebliche Belastungen tragen und eine beträchtliche Flexion und Extension ermöglichen; sowie das Kreuzbein (Sakrum), eine dreieckige Verknöcherung von fünf Wirbeln, die die Wirbelsäule über die Iliosakralgelenke (ISG) mit dem Becken verbindet.
Die Untersuchung der Beweglichkeit am Rumpf st ein grundlegender Bestandteil der muskuloskelettalen Untersuchung. Die Beweglichkeit des Rumpfes ist die Grundlage für fast alle funktionellen Aktivitäten, von grundlegenden Aufgaben wie Anziehen und Greifen bis hin zu komplexen Bewegungen, die für Arbeit und Sport erforderlich sind. Ein eingeschränktes Bewegungsausmaß am Rumpf kann auf eine zugrundeliegende Erkrankung, kompensatorische Bewegungsmuster oder Risikofaktoren für Verletzungen hinweisen, während eine übermäßige Beweglichkeit auf Instabilität oder Hypermobilitätsstörungen hindeuten kann. Bewegungsstörungen im Rumpf können auch zu Schmerzen in angrenzenden Regionen wie Nacken, Schultern, Hüften und Knien führen. Durch die systematische Messung des Bewegungsausmaßes können Therapeuten Ausgangswerte für die Behandlungsplanung ermitteln, Bewegungseinschränkungen identifizieren, die eine Intervention erfordern, und den Fortschritt während der gesamten Rehabilitation objektiv überwachen.
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Das Konzept der Kapselmuster für die Wirbelsäule weist erhebliche theoretische und praktische Einschränkungen auf. Im Gegensatz zu den peripheren Gelenken, wo eine einzige Kapselstruktur die Einschränkungen bestimmt, besteht die Wirbelsäule aus mehreren segmentalen Facettengelenken. Jedes Gelenk hat seine eigene Kapsel, was das gesamte „Kapselmuster“ sowohl ungenauer als auch klinisch weniger aussagekräftig macht.(1) Der traditionellen Beschreibung zufolge sind Lateralflexion und Rotation gleichermaßen eingeschränkt, während die Extension stärker eingeschränkt ist; dieser Ansatz stützt sich jedoch nicht auf solide Evidenz und basiert in erster Linie auf klinischen Beobachtungen statt auf systematischen Untersuchungen.(2) Darüber hinaus betrifft eine Wirbelsäulenpathologie selten alle Segmente gleichermaßen. Die multisegmentale Natur der Rumpfbewegung erschwert es, festzustellen, ob beobachtete Einschränkungen eine tatsächliche Kapselbeteiligung widerspiegeln oder andere pathologische Prozesse, wie beispielsweise muskuläre Schutzspannung, Probleme der Bandscheibe oder erhöhte neurale Spannung. Folglich stellen viele Kliniker den klinischen Nutzen der Anwendung des Konzepts der Kapselmuster bei der Untersuchung der Wirbelsäule in Frage.
Nicht kapsuläre Muster der Bewegungseinschränkung an der Wirbelsäule liefern oft diagnostisch nützlichere Informationen als traditionelle Kapselmuster. Diese Muster sind Rahmenkonzepte für das klinische Reasoning, die eher auf klinischen Beobachtungen als auf Evidenz beruhen. Unilaterale Einschränkungen bei der Lateralflexion oder Rotation können auf eine ipsilaterale Facettengelenksdysfunktion, einen Muskelspasmus oder eine kontralaterale neurale Spannung hindeuten, während ein isolierter Verlust der Extension bei erhaltener Flexion auf eine Facettengelenkspathologie oder eine Dysfunktion der posterioren Elemente hindeuten könnte. Umgekehrt könnte eine im Vergleich zur Extension unverhältnismäßige Einschränkung der Flexion auf eine Bandscheibenpathologie hindeuten, insbesondere wenn sie mit einer Peripheralisation der Symptome einhergeht. Asymmetrische Einschränkungen, die sich zwischen aktiver und passiver Bewegung unterscheiden oder sich bei wiederholten Bewegungen ändern, können eher auf mechanische Derangement-Syndrome oder Beeinträchtigungen der Bewegungskontrolle als auf strukturelle Gelenkeinschränkungen hinweisen. Diese nicht kapsulären Muster dienen, wenn sie mit Schmerzverhalten, Symptomlokalisation und Reaktion auf Belastungsstrategien in Zusammenhang gebracht werden, als effektivere Leitlinien für das klinische Reasoning als der Versuch, ein verallgemeinertes Kapselmuster über den gesamten Wirbelsäulenbereich hinweg zu identifizieren.(3)(4)(5)
Bewegungsbasierte Klassifikationssysteme haben sich als klinisch wertvolle Alternativen zu den traditionellen gelenkbasierten Untersuchungsansätzen erwiesen. Die McKenzie-Methode (Mechanische Diagnose und Therapie) kategorisiert Patienten auf der Grundlage ihrer direktionalen Präferenz (d.h. der Bewegungsrichtung, die die Symptome zentralisiert oder beseitigt). Durch wiederholte Bewegungstests werden Derangement-, Dysfunktions- und Haltungssyndrome identifiziert.(6) Die Treatment-based Classification (TBC) teilt die Patienten in Untergruppen ein (Manipulation, Stabilisation, spezifische Übungen und Traktion), die sich auf die Häufung von Untersuchungsergebnissen und die Reaktion auf die Behandlung stützen.(7)(8) Der Ansatz des Movement System Impairment (MSI) identifiziert gewohnheitsmäßige Bewegungsmuster und Haltungen, die zu Gewebestress und der Entstehung von Symptomen beitragen. Es klassifiziert die Patienten nach der primären Bewegungsrichtung der Beeinträchtigung (z. B. Lumbales Flexionssyndrom, Rotations-Extensionssyndrom).(9)(10) Diese Klassifikationssysteme betonen funktionelle Bewegungsmuster, das Symptomverhalten und die Reaktion auf die Behandlung, anstatt zu versuchen, anatomische Einschränkungen durch traditionelle orthopädische Konzepte wie Kapselmuster zu identifizieren. Sie bieten Rehabilitationsfachleuten einen praktikableren Rahmen für die klinische Entscheidungsfindung und die Auswahl von Interventionen.
Die Normwerte für Bewegungsausmaße am Rumpf variieren je nach Studie. Die folgenden Werte stellen die allgemein anerkannten Werte des aktiven Bewegungsausmaßes für den Rumpf dar.
Brustwirbelsäule (BWS):(11)(12)(13)
- 20-26° Flexion
- 22-25° Extension
- 32-48° kombinierte Flexion und Extension
- 20-30° Lateralflexion pro Seite
- 35-47° Rotation pro Seite
Lendenwirbelsäule (LWS):(13)(14)(15)
- 70° Flexion
- 40° Extension
- 36° Lateralflexion pro Seite
- 38-42° Rotation pro Seite
- 3° Flexion-Extension
- 1,5° axiale Rotation
- 0,8° Lateralflexion
- Die Bewegung ist aufgrund der knöchernen Architektur und der umgebenden Bänder des Gelenks typischerweise auf 2-4 mm Translation und 2-5° Rotation beschränkt.
Das Bewegungsausmaß des Rumpfes variiert aufgrund zahlreicher wechselwirkender Faktoren erheblich von Person zu Person. Das Alter ist die wichtigste Determinante, wobei die Beweglichkeit in alle Richtungen im Laufe des Lebens abnimmt.(15) Das Geschlecht hat Einfluss auf das Bewegungsausmaß des Rumpfes, wobei Frauen im Allgemeinen eine größere Beweglichkeit als Männer bei der Lateralflexion und Rotation aufweisen,(18) während die Körperzusammensetzung, einschließlich erhöhtem Fettanteil im Rumpfbereich mit zunehmendem Alter, die Bewegung einschränken kann. Die Messmethode und die Position des Patienten haben einen erheblichen Einfluss auf die erfassten Werte, da die in unbelasteten Positionen (Vierfüßlerstand, Bauchlage) gemessene BWS-Extension deutlich größer ist als in belasteten Positionen (Stehen, Sitzen), und sich die lumbopelvinen Haltungen im Stehen und Sitzen erheblich unterscheiden.(19)(20) Zu den weiteren Faktoren, die die Beweglichkeit des Rumpfes beeinflussen, gehören die Auswahl der Messinstrumente, die Zuverlässigkeit des Untersuchers, die Tiefe der Weichteile, die gewohnte Körperhaltung, das Vorliegen von Schmerzen oder Pathologie sowie der Einsatz und die Bewegungsbereitschaft des Patienten.(21)
Vor einer Beweglichkeitsprüfung am Rumpf müssen Kliniker ein gründliches Screening auf Red Flags durchführen, um keine ernsthafte Pathologie der Wirbelsäule zu übersehen, die eine ärztliche Überweisung erfodern und eine Kontraindikation für Beweglichkeitstests darstellen würde.
Zu den Red Flags, die besondere Vorsicht erfordern, gehören: fortgeschrittenes Alter (>70 Jahre), langfristige Einnahme von Kortikosteroiden, schweres Trauma sowie das Vorliegen mehrerer Red Flags (erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Wirbelsäulenfraktur erheblich); eine Krebserkrankung in der Vorgeschichte (erhöht die Nachtestwahrscheinlichkeit für eine maligne Wirbelsäulenerkrankung signifikant); plötzlich auftretende starke Schmerzen ohne klaren Verletzungsmechanismus; fortschreitende neurologische Defizite und Anzeichen auf ein Cauda-equina-Syndrom.(22)(23)
Schmerzen, Angst vor Verletzungen, Bewegungsmangel oder neuromuskuläre Hemmung können die Mobilität einschränken, indem sie die Anstrengungsbereitschaft des Patienten verringern; sollten die Messungen des Bewegungsausmaßes nicht mit der bekannten Diagnose übereinstimmen, sollten die Messungen wiederholt werden.(13) Während der Untersuchung sollten Therapeuten die Bewegungsbereitschaft des Patienten beobachten und etwaige kompensatorische Bewegungsmuster, Schutzspannungen oder unverhältnismäßige Schmerzreaktionen notieren. Alle schmerzhaften Bewegungen sollten zuletzt durchgeführt werden, um das Risiko einer Schmerzverschlimmerung zu minimieren.(24)
Bei Patienten mit bekannter Wirbelsäuleninstabilität, akuten entzündlichen Erkrankungen, kürzlich erfolgten Wirbelsäulenoperationen und Osteoporose (bei der das Risiko einer Kompressionsfraktur besteht) sollte die Untersuchung mit besonderer Vorsicht durchgeführt werden.
Bei der Untersuchung der Beweglichkeit am Rumpf wird in der Regel die kombinierte Bewegung des Rumpfes und nicht die Bewegung einzelner Wirbelsäulensegmente gemessen. Zu den Messinstrumenten gehören Maßband, Inklinometer (Neigungsmesser), Goniometer (Winkelmesser) und Systeme zur 3D-Bewegungsanalyse.(24)(25)(26)
Die Röntgenuntersuchung ist die genaueste Methode zur Messung der Wirbelbewegung, doch wird der routinemäßige Einsatz von Röntgenaufnahmen aufgrund des Strahlenrisikos und der Kosten nicht empfohlen. Zur Messung des Bewegungsausmaßes des Rumpfes können verschiedene klinische Messmethoden angewendet werden, darunter die Messung des Finger-Boden-Abstands (FBA), der Schober-Test, Inklinometer, Goniometerund Maßband.(27)(28) Auch verschiedene Smartphone-Apps können in der Praxis eingesetzt werden.(29) Die visuelle Beobachtung ist hilfreich, um die Bewegungsqualität, abweichende Bewegungsmuster, die Schmerzlokalisation, Schwierigkeiten bei der Bewegung und die Bewegungsbereitschaft zu beurteilen.
Mit dem Maßband(30)
Option 1: Goniometer(30)
Option 2: Maßband(30)
Goniometer(30)
Die folgenden Videos erläutern die Bedeutung des aktiven Bewegungsausmaßes für die BWS und LWS. Sie zeigen die visuelle Beobachtung zur Beurteilung der Bewegung.
Dieses Video zeigt, wie die Rumpfflexion mit einem Inklinometer (Neigungsmesser) gemessen wird.