Verschreibung von therapeutischen Übungen

Originale Autorin Wanda van Niekerk basieren auf dem Kurs von Richard Jackson

Top ContributorsWanda van Niekerk, Jess Bell und Tarina van der Stockt

Übungsverschreibung – „Ein Gleichgewicht zwischen Kunst und Wissenschaft“ (edit | edit source)

Bei der Verschreibung von therapeutischen Übungen müssen mehrere Aspekte berücksichtigt werden.(1) Die Übung muss für den Patienten an dem bestimmten Tag geeignet sein. Vorgefertigte Übungspläne können zwar nützlich sein und bei Bedarf eingesetzt werden, müssen aber dem aktuellen Zustand und den Umständen des Patienten an diesem Tag entsprechen. Die Phasen der Heilung spielen eine wichtige Rolle bei Übungsverschreibung und Erholung. Wenn Sie mehr über Heilungsphasen erfahren möchten, können Sie mehrere Seiten erkunden: Verletzung und Heilung in der Sportphysiotherapie, Weichteilheilung und Knochenheilung. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Toleranzgrenze des Patienten. Darüber hinaus kann die Bewegungstherapie als wirksames Instrument zur Aufrechterhaltung der Effekte der manuellen Therapie dienen. Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass bei Personen mit unspezifischen chronischen Nackenschmerzen therapeutische Übungen nach der manuellen Therapie deren positiven Effekte, wie z. B. ein größeres Bewegungsausmaß und weniger Schmerzen, verstärken.(2)

Adhärenz zur Verschreibung therapeutischer Übungen (edit | edit source)

Die Aktivierung von Mechanismen, die Vertrauen, Motivation und Zuversicht fördern, kann dazu beitragen, die Beteiligung und das Engagement der Patienten bei therapeutischen Übungen zu verbessern.(3)

Zu den Möglichkeiten, Vertrauen aufzubauen, gehören der Aufbau einer therapeutischen Allianz und die Entwicklung einer Beziehung zum Patienten. Dies trägt auch dazu bei, die Bedürfnisse und Überzeugungen des Patienten zu ermitteln und einen ganzheitlichen Ansatz zu gewährleisten.(3)

Wenn Rehabilitationsfachleute die Ziele eines Patienten verstehen, können sie ein maßgeschneidertes Übungsprogramm erstellen. In Kombination mit persönlicher Beratung und Edukation können die Motivation und Adhärenz des Patienten gesteigert werden.(3) Wenn Sie mehr über Zielsetzung lesen möchten, lesen Sie bitte: SMART-Ziele und Zielsetzung in der Rehabilitation.

Es ist wichtig, mit Ihrem Patienten Ziele festzulegen, die auf seinen Schädigungen, funktionellen Einschränkungen und Beeinträchtigungen der Aktivität und Partizipation (Teilhabe) basieren. Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) ist dafür ein wertvolles Instrument.

Wenn Sie sich dafür interessieren, können Sie die folgenden Artikel lesen, um mehr über die Adhärenz zu Übungsprogrammen zu erfahren: Adhärenz zur Rehabilitation, Adhärenz zu Heimübungsprogrammen und Adhärenz zu Übungen bei Patienten mit ankylosierender Spondylitis.

Arten von therapeutischen Übungen (edit | edit source)

  • Passiv(4)
    • vom Kliniker oder einer anderen Person durchgeführt ODER
    • durch ein mechanisches Gerät durchgeführt ODER
    • mit Hilfe der Schwerkraft durchgeführt
    • es kann auch die andere Extremität verwendet werden, um passive Bewegungen ohne aktive Muskelkontraktion des betroffenen Bereichs auszuführen
    • Indikationen für die Anwendung passiver Übungen für die Mobilisation/Beweglichkeit:
      • die Person ist nicht in der Lage, den betreffenden Körperteil aktiv zu bewegen
      • die Muskelaktivität kann zu diesem Zeitpunkt weitere Schäden verursachen
  • Aktiv-assistiv(4)
    • die Person führt die Übung mit partieller Unterstützung aus. Die Unterstützung erfolgt durch:
      • die andere Extremität
      • mechanische Geräte
      • eine andere Person (Kliniker)
      • die Schwerkraft
    • kann einer Person helfen, das volle Bewegungsausmaß zu erreichen, wenn:
      • das Bewegungsausmaß durch Schmerzen oder Schwäche eingeschränkt ist
      • eine Steigerung der Bewegungstherapie nach einer Verletzung erfolgen soll, aber nur eine begrenzte Muskelkraft erlaubt ist
  • Aktiv(4)
    • von der Person selber ohne jegliche Hilfe durchgeführt
  • Gegen Widerstand(4)
    • Die Übung wird gegen eine Form von Widerstand ausgeführt, wie z.B.:
      • Schwerkraft
      • externe Kräfte, wie freie Gewichte, Seilzugsysteme, mechanische Geräte oder der manuelle Widerstand durch den Kliniker

Allgemeine Verschreibung therapeutischer Übungen (edit | edit source)

Ein allgemeines Übungsprogramm beinhaltet meist mehrere Hauptkomponenten.(1) Dazu gehören tägliche Dehn- und Mobilisationsübungen sowie tägliche Gleichgewichtsübungen. Übungen zur Kräftigung sollten drei- bis fünfmal pro Woche durchgeführt werden. Auch Herz-Kreislauf-Übungen und Core-Training können integriert werden.(1)

Phasen der Bewegungstherapie ( edit | edit source )

Nachfolgend finden Sie eine kurze Zusammenfassung der Phasen, die bei der Verschreibung von therapeutischen Übungen zu berücksichtigen sind:(5)

  • Aktivierung – um festzustellen, ob der Patient den betroffenen Muskel aktivieren kann
  • Gewebeheilung – die jeweilige Heilungsphase hat Einfluss darauf, welche Übungen verschrieben werden
  • Stabilisation – Gelenke werden durch die Muskeln stabilisiert
  • Mobilisation – mit zunehmender Stabilität kann das Bewegungsausmaß erhöht werden
  • Verbesserung der Muskelleistung
  • Anspruchsvollere Koordination und Geschicklichkeit – schrittweise Erhöhung der Schwierigkeit von Bewegungsmustern zur Wiederherstellung normaler funktioneller Fähigkeiten(5)

Komponenten der Bewegungstherapie (edit | edit source)

Aufwärmen
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Das Aufwärmen sollte aus intensivem Herz-Kreislauf-Training bestehen. Das Aufwärmen in therapeutische Übungen einzubauen, hat zahlreiche positive physiologische Auswirkungen. Es erhöht den ATP-Umsatz (Adenosintriphosphat) und die Rate der Querbrückenbildung in den Muskeln, was sich positiv auf die anschließende Trainingsleistung auswirkt.(6) Die erhöhte Temperatur fördert wichtige innere Veränderungen, wie z. B. eine erhöhte Durchblutung und Stoffwechselreaktionen.(7)

Zu den weiteren Vorteilen gehören eine verbesserte Sauerstoffversorgung, eine erhöhte Durchblutung und eine schnellere Muskelkontraktion und -entspannung.(8) Das Aufwärmen führt auch zu einer verbesserten Kraftentwicklung und Reaktionszeit, während die Viskosität und der Widerstand der Skelettmuskulatur verringert werden.(8) Es erhöht auch die Nachgiebigkeit von Bändern und Sehnen und verbessert Stoffwechselreaktionen.(8)

Das folgende Video zeigt ein Beispiel für ein kurzes Aufwärmtraining.

(9)

Gelenkbeweglichkeit (edit | edit source)

Übungen zur Verbesserung des Gelenkbeweglichkeit (Mobilisationsübungen) haben mehrere Vorteile. Sie erhöhen die Durchblutung und unterstützen den Fluss der Gelenkflüssigkeit.(10) Diese Übungen fördern auch den Abtransport von Abfallprodukten (wie Stoffwechselnebenprodukten) aus dem Gelenk.(11) Dieser Abtransport erfolgt durch die Bewegung des Synovialgelenks, wodurch die Synovialflüssigkeit zirkuliert und den Abtransport von Abfallprodukten (z. B. Milchsäure, Kohlendioxid, Harnsäure) aus der Gelenkhöhle erleichtert. Darüber hinaus helfen Mobilisationsübungen, Schmerzen zu lindern.(12)

Wenn Sie mehr über die Vorteile von Mobilisationsübungen erfahren möchten, lesen Sie bitte: Mobilisationsübungen und Dehnen.

Kraft (edit | edit source)

Einige Grundlagen, die es zu berücksichtigen gilt:(1)

Sätze: 1 bis 3 Sätze

  • 1 Satz für untrainierte Personen
  • mehrere Sätze für trainierte Personen und Übungen für die unteren Extremitäten

Ermittlung des Einwiederholungsmaximums (1RM) eines Patienten:

  • Das Arbeitsgewicht sollte 60 bis 80 % dieses Wertes betragen
  • Weitere Informationen zum 1RM finden Sie hier

Wiederholungen:

  • 10 Wiederholungen werden oft als Ausgangspunkt empfohlen, um die Steigerung von Maximalkraft, Muskelausdauer und Schnellkraft zu maximieren. Mit verschiedenen Kombinationen von Wiederholungen und Sätzen können jedoch unterschiedliche Ziele erreicht werden:
    • 3 x 5 Wiederholungen können die Maximalkraft verbessern
    • 3 x 10 Wiederholungen können Maximalkraft, Muskelausdauer und Schnellkraft verbessern
    • 3 x 20 Wiederholungen können die Muskelausdauer verbessern
  • Ziel ist es, bis zur willentlichen Muskelerschöpfung zu trainieren

In jüngerer Zeit wurden Belastungs- und Dosierungsempfehlungen entlang des „Wiederholungskontinuums“ bzw. „Kraft-Ausdauer-Kontinuums“ vorgeschrieben.(13) Dieses Kontinuum schlägt Folgendes vor:(13)

  • Muskelkraft erfordert geringe Wiederholungen mit schweren Lasten: 1 bis 5 Wiederholungen pro Satz bei 80 bis 100 % des Einwiederholungsmaximums (1RM)
  • Muskelhypertrophie erfordert moderate Wiederholungen mit moderaten Lasten: 8 bis 12 Wiederholungen pro Satz bei 60 bis 80 % des 1RM
  • Muskelausdauer erfordert hohe Wiederholungen mit leichten Lasten: 15+ Wiederholungen pro Satz mit Lasten unter 60 % des 1RM
  • Supersätze verwenden
    • bei diesem Format werden mehrere Übungen direkt nacheinander ohne große Pause dazwischen ausgeführt
    • zum Beispiel: eine Reihe von Bankdrücken, unmittelbar gefolgt von einer Reihe von Langhantelrudern, Extension mit einer kleinen Pause dazwischen, und dann wird diese Reihe wiederholt
    • das Video unten zeigt ein Beispiel für einen Supersatz

(14)

  • Wenn Sie keine Supersätze machen, können die Ruhepausen wie folgt strukturiert werden:
    • aufeinanderfolgende Sätze: 30 bis 60 Sekunden Pause
    • isometrische Übungen: 1 Minute Erholung zwischen den Sätzen
    • isotonische Übungen: 30 bis 60 Sekunden Erholung zwischen den Sätzen
    • isokinetische Übungen: 2 bis 4 Minuten Erholung zwischen den Sätzen
    • Mehr über die Arten von Muskelkontraktionen können Sie hier lesen
  • Häufigkeit: jede größere Muskelgruppe sollte 2 bis 3 Mal pro Woche trainiert werden
  • Dauer: mindestens 6 Wochen(15)
  • Progression: 3 bis 10 % pro Woche (basierend auf dem gesamten Trainingsvolumen)
  • 10 verschiedene Übungen anbieten

Weitere Informationen zur Gestaltung eines Krafttrainingsprogramms finden Sie hier.

Flexibilität(edit | edit source)

Tabelle 1 zeigt, welche Ansätze Kliniker häufig anwenden, um die Flexibilität verschiedener Gewebearten zu verbessern.(1)

Tabelle 1. Verbesserung der Flexibilität(1)
Art des Gewebes Empfohlene Dosierung
Schmerzhaftes, gereiztes, hypertones Gewebe
  • 5 bis 10 Sekunden dehnen
  • Bleiben Sie auf einem Schmerzniveau von weniger als 4/10
Muskeln, ein wenig fest (nach dem Training)
  • 3 x 30 Sekunden
  • 2 bis 3 Mal pro Tag
Muskeln, stark verkürzt
  • Halten Sie die Dehnung länger als 1 Minute
  • Bleiben Sie auf einem Schmerzniveau von weniger als 4/10
Gelenkkapsel (bitte beachten Sie, dass vor der Dehnung der Gelenkkapsel aktive Mobilisationsübungen empfohlen werden)
  • 20 x 5 Sekunden oder eine anhaltende Dehnung

Das American College of Sports Medicine (ACSM) empfiehlt die folgenden Parameter für Dehnungen und Flexibilitätsübungen:

Tabelle 2. ACSM-Leitlinien für Dehnung und Flexibilität(16)
Häufigkeit 2 bis 3 Mal pro Woche, aber tägliches Dehnen ist effektiver
Intensität Dehnen Sie so weit, bis Sie ein leichtes Ziehen oder unangenehmes Gefühl spüren
Zeit Halten Sie statische Dehnungen 10 bis 30 Sekunden lang (für die meisten Erwachsenen empfohlen). Bei älteren Menschen kann eine Dehnung, die 30 bis 60 Sekunden lang gehalten wird, die Flexibilität stärker fördern
Hinweise zum statischen Dehnen (edit | edit source)

Tabelle 3 enthält Informationen zu den neuesten Forschungsergebnissen, die bei der Verordnung von statischen Dehnungen zu berücksichtigen sind.

Tabelle 3. Überlegungen zum statischen Dehnen (angepasst von Placzek und Boyce)(17)
Optimale Anzahl von Wiederholungen der statischen Dehnung 4 Wiederholungen
  • Mehr als 5 Wiederholungen des passiven Dehnens der Hamstrings zeigten eine unbedeutende Zunahme der Muskellänge(17)
Optimale Dauer für eine statische Dehnung 6 bis 30 Sekunden
  • Für eine sofortige Steigerung der Beweglichkeit halten Sie zwischen 15 und 60 Sekunden
  • Dehnungszeiten von 6 x 6 Sekunden verbessern die Bewegung und verringern die negative Auswirkung von statischem Dehnen
Optimale Intensität der statischen Dehnung Bleiben Sie unter dem Punkt des unangenehmen Gefühls („point of discomfort“, POD)
  • Die Forschung zeigt, dass das Dehnen bis zum POD zu einem Rückgang von Leistungsparametern wie Sprunghöhe, Kraftentwicklung und Gleichgewicht führen kann, während Dehnungsintensitäten unterhalb des PODs einer Person weniger negative Auswirkungen auf die Leistung haben und das Bewegungsausmaß verbessern(17)

Das Creep-Prinzip bezieht sich auf die allmähliche Dehnung und Verlängerung von Weichteilgewebe im Laufe der Zeit, wenn sie einer anhaltenden Belastung bzw. Spannung ausgesetzt sind. Weitere Informationen zu Creep finden Sie hier.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, lesen Sie bitte: Flexibilität und Dehnungen.

Kardiovaskuläres Training (edit | edit source)

Die Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für körperliche Aktivität für Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren empfehlen mindestens 150 bis 300 Minuten mäßig intensive aerobe körperliche Aktivität oder mindestens 75 bis 150 Minuten hoch intensive aerobe körperliche Aktivität (oder eine Kombination aus beidem) pro Woche. Darüber hinaus rät die Organisation dazu, mindestens zweimal pro Woche Übungen zur Kräftigung aller wichtigen Muskelgruppen durchzuführen. Weitere Informationen zu den Leitlinien für körperliche Aktivität für verschiedene Altersgruppen finden Sie unter Körperliche Aktivität.

Wie intensiv sollte ein Patient trainieren? (edit | edit source)

Tabelle 3. Tabelle 3. Richtwerte für die Intensität der Arbeit eines Patienten während therapeutischer Übungen(1)
Messparameter Beschreibung
Herzfrequenz in Ruhe (Ruhepuls) Die „Herzfrequenz einer Person, wenn sie inaktiv ist“(18)
Maximale Herzfrequenz (HFmax )
  • Der höchste Herzfrequenzwert, den eine Person bei einer vollständigen Anstrengung bis zur Erschöpfung erreichen kann(19)
  • Die HFmax kann durch altersbasierte präditkive Gleichungen geschätzt werden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Methoden mit einem großen Standardfehler der Schätzung verbunden sind. Es wird außerdem empfohlen, diese Gleichungen auf ähnliche Patientengruppen anzuwenden wie die Populationen, die bei der Ableitung der Gleichung verwendet wurden(20)
  • HFmax = 220 – Alter in Jahren – dies ist die gängigste und am häufigsten verwendete Formel(21)
    • Diese Formel wird immer noch in klinischen Einrichtungen verwendet. Es wurde jedoch berichtet, dass diese Methode eine Standardabweichung zwischen 10 und 12 Schlägen pro Minute aufweist und dass die maximale Herzfrequenz bei jüngeren und älteren Bevölkerungsgruppen über- oder unterschätzt werden kann(22)
  • HFmax = 208 – (0,7 x Alter in Jahren) – dies ist eine präzisere Formel, die für Personen über 40 Jahre angepasst wurde(23)
  • HFmax = 211 – (0,64 x Alter in Jahren) – dies ist eine noch präzisere Formel, die für allgemein aktive Personen angepasst wurde(19)
Prozentsatz der maximalen Kapazität in Ruhe
  • Berechnet als Ruheherzfrequenz (RHF) / maximale Herzfrequenz (HFmax) x 100 = …%
Herzfrequenzreserve
  • Berechnet als maximale Herzfrequenz (HFmax) – Ruheherzfrequenz (RHF) = … bpm (Schläge pro Minute)
Zielherzfrequenz (Zielpuls)
  • Bei gesunden Personen kann die Zielherzfrequenz oft mit 60 bis 80 % der maximalen Herzfrequenz berechnet werden (z.B. 60 % der HFmax).
  • In der Klinik/Praxis kann die Zielherzfrequenz zwischen 50 % (Minimum) und 70 % (Maximum) der Herzfrequenzreserve (HFR) liegen (z. B. Erhöhung der RHF um 50 % der HFR = (HFmax – RHF) x 50 % = … bpm; dann RHF + HFR = … bpm)
Mittlerer arterieller Druck (MAD)
  • Berechnet als ((diastolischer Blutdruck x 2) + systolischer Blutdruck) / 3 = … mmHg
  • Normaler MAD = 70 bis 100 mmHg
Frequenz-Druck-Produkt (RPP, Rate Pressure Product)
  • Berechnet als Herzfrequenz in Ruhe x systolischer Blutdruck
  • Normales RPP = 10.000 oder weniger in Ruhe
  • Trainierte Personen RPP = 5.000
  • Das maximale RPP während des Trainings sollte 36.000 betragen.
  • Wenn Sie dies mit einem Patienten in der Klinik/Praxis testen, messen Sie in Ruhe und dann während der Belastung in verschiedenen Intervallen – das RPP sollte einen stetigen, linearen Anstieg aufweisen

Beispiele(edit | edit source)

Ruheherzfrequenz und Prozentsatz der maximalen Kapazität in Ruhe (edit | edit source)

Beispiel 1: 80-jährige Frau mit einer Ruheherzfrequenz (RHF) von 100

  • Maximale Herzfrequenz (HFmax): 220 – 80 = 140
  • Prozentsatz der maximalen Kapazität: RHF / HFmax = 100/140 = 71 %
  • In Ruhe nutzt diese Person bereits 71 % ihrer maximalen Kapazität
  • Wie hart kann diese Person arbeiten, wenn nur noch 29 % ihrer Kapazität übrig sind?

Beispiel 2: 40-jähriger Mann mit einer Ruheherzfrequenz (RHF) von 80

  • Maximale Herzfrequenz (HFmax): 220 – 40 = 180
  • Prozent der maximalen Kapazität: RHF / HFmax = 80/180 = 44 %
  • In Ruhe nutzt diese Person 44 % ihrer maximalen Kapazität
  • Kann härter arbeiten, da er noch 56 % „im Tank hat“

Beispiel 3: 74-jähriger Mann mit einer Ruheherzfrequenz (RHF) von 70

  • Maximale Herzfrequenz (HFmax): 220 – 74 = 146
  • Prozent der maximalen Kapazität: RHF / HFmax = 70 / 146 = 48 %.
  • In Ruhe nutzt diese Person 48 % ihrer maximalen Kapazität
  • Beachten Sie, dass der 40-Jährige und der 74-Jährige einen ähnlichen Prozentsatz der maximalen Kapazität haben. Der Schlüssel dazu ist die niedrigere Ruheherzfrequenz des 74-Jährigen (wenn man fitter wird, sinkt die Herzfrequenz).
Herzfrequenzreserve (edit | edit source)

Herzfrequenzreserve: Maximale Herzfrequenz (HFmax) – Ruheherzfrequenz (RHF)

Beispiel 1: 80-jährige Frau mit einer Ruheherzfrequenz von 100

  • Herzfrequenzreserve: 140 – 100 = 40

Beispiel 2: 40-jähriger Mann mit einer Ruheherzfrequenz von 80

  • Herzfrequenzreserve: 180 – 80 = 100

Beispiel 3: 74-jähriger Mann mit einer Ruheherzfrequenz von 70

  • Herzfrequenzreserve: 146 – 70 = 76

Die Personen in den Beispielen 2 und 3 dürfen viel härter trainieren als die Person in Beispiel 1.

Zielherzfrequenz (edit | edit source)

Zielherzfrequenz (Zielpuls) = die Herzfrequenz, mit der Ihr Patient trainieren sollte.

Vergleich zweier Methoden

Methode 1: 60 % bis 80 % der maximalen Herzfrequenz (eignet sich gut für jüngere Menschen ohne Begleiterkrankungen)

Methode 2: Erhöhung der Ruheherzfrequenz um 50 % bis 70 % (diese Methode kann in klinischen Szenarien, in denen die Patienten manchmal älter sind oder Verletzungen aufweisen, vorteilhafter sein)

In der folgenden Tabelle werden die Berechnungen der Zielherzfrequenz auf der Grundlage dieser beiden Methoden verglichen. Aus Beispiel 1 geht hervor, dass bei Verwendung der ersten Methode die Zielherzfrequenz des Patienten (60 % der maximalen Herzfrequenz) nur 85 Schläge pro Minute beträgt, die Ruheherzfrequenz des Patienten jedoch 100 Schläge pro Minute beträgt, sodass ein Training mit einer Herzfrequenz unter der Ruheherzfrequenz keine Wirkung hat. In Beispiel 1 wäre es besser, Methode 2 zu verwenden und die Zielherzfrequenz anhand der Herzfrequenzreserve zu berechnen, wobei 120 Schläge pro Minute als unteres Ende der Zielherzfrequenz festgelegt werden.

Beispiel 1: 80-jährige Frau mit einer Ruheherzfrequenz von 100 Beispiel 2: 40-jähriger Mann mit einer Ruheherzfrequenz von 80 Beispiel 3: 74-jähriger Mann mit einer Ruheherzfrequenz von 70
Methode 1 60 % der HFmax; HFmax x 0.6

=(220 – 80) x 0.6

= 140 x 0.6

= 85 bpm

60 % der HFmax; HFmax x 0.6

= (220 – 40) x 0.6

= 180 x 0.6

= 108 bpm

60 % der HFmax; HFmax x 0.6

= (220 -74) x 0.6

= 146 x 0.6

= 88 bpm

Methode 2 50 % der HFR; = (HFmax – RHF) x 0,5

= ((220 – 80) – 100) x 0.5

= 20 bpm

RHF + 20 bpm

= 100 + 20

=120 bpm

50% der HFR; = (HFmax – RHF) x 0,5

= ((220 – 40) – 80) x 0.5

= 50 bpm

RHF + 50bpm

= 80 + 50

=130 bpm

50% der HFR; = (HFmax – RHF) x 0,5

=(220 – 74) – 70) x 0.5

=38 bpm

RHF + 38bpm

= 70 + 38

= 108 bpm

(24)

Mittlerer arterieller Druck (MAD) (edit | edit source)

MAD = ((diastolischer Blutdruck x 2) + systolischer Blutdruck) / 3

Beispiel 1: 74-jähriger Patient mit einem Blutdruck von 130 / 85

  • MAD = ((85 x 2) + 130) / 3= 100 mmHg (normal)

Beispiel 2: 35-jähriger Patient mit einem Blutdruck von 120 / 80

  • MAD = ((80 x 2) + 120) / 3 = 93,3 mmHg (normal)

Beispiel 3: 60-jähriger Patient mit einem Blutdruck von 140 / 90

  • MAD = ((90 x 20) + 140) / 3 = 106 mmHg (Bluthochdruck)

(25)

Gesamtbeispiel (edit | edit source)

Beispiel: 68-Jähriger mit einer Ruheherzfrequenz von 87 bpm und einem Blutdruck von 138 / 90

  • HFmax = 220 – 68 (Alter) = 152 bpm
  • Prozentsatz der maximalen Kapazität = 87 / 152 x 100 % = 57 %
  • Herzfrequenzreserve (HFR) = 152 – 87 = 65 bpm
  • MAD = ((90 x 20) + 138) / 3 = 106 mmHg (Bluthochdruck)
  • Frequenz-Druck-Produkt (RPP) = 87 x 138 = 12,006

Der Kliniker muss diesen Patienten bei körperlicher Anstrengung sorgfältig überwachen, da es Anzeichen für Bluthochdruck (Blutdruck und MAD) gibt und das RPP über 10.000 liegt. Wenn der Patient in der Klinik oder Praxis weiter trainiert, muss der Kliniker das RPP in regelmäßigen Abständen auf einen möglichen linearen Anstieg überprüfen. Sollte das RPP 36.000 erreichen, muss das Training eingestellt werden.

  • Unterer Wert der Zielherzfrequenz (50 % der HFR) = (HFR x 0,5) + Ruheherzfrequenz =(65 x 0,5) + 87= 120 bpm (Minimum)
  • Oberer Wert der Zielherzfrequenz (70 % der HFR)

= (HFR x 0,7) + Ruheherzfrequenz

= (65 x 0.7) + 87

= 132 bpm (Maximum)

Bereich, in dem der Patient trainieren kann = Herzfrequenz von 120 bpm bis 132 bpm

Risikobewertung (edit | edit source)

Das Risiko des Patienten ist auch Ihr Risiko(1)

Bevor Ihr Patient mit einem kardiovaskulären Trainingsprogramm als Teil der Bewegungstherapie beginnt, ist es wichtig, einen vorausgehenden Gesundheits-Check durchzuführen.

Mit dem aktualisierten Algorithmus des American College of Sports Medicine (ACSM) zur sportmedizinischen Vorsorgeuntersuchung können Sie systematisch feststellen, ob eine Person eine medizinische bzw. ärztliche Freigabe benötigt, bevor sie mit dem Training beginnt. Die Notwendigkeit einer medizinischen Freigabe vor Beginn eines Trainingsprogramms basiert auf:(26)

  • der aktuellen Teilnahme der Person an Training oder Sport
  • Vorliegen oder Vorgeschichte von kardiovaskulären, metabolischen oder Nierenerkrankungen
  • Zeichen und Symptome, die auf kardiovaskuläre, metabolische oder renale Probleme hinweisen können
    • diese können in Ruhe oder bei Aktivität auftreten:
      • Schmerzen, Beschwerden in der Brust, im Nacken, im Kiefer oder in anderen Bereichen, die auf eine Ischämie zurückzuführen sein können
      • Angina pectoris
      • Kurzatmigkeit in Ruhe oder bei leichter Anstrengung
      • Schwindel oder Synkope
      • Orthopnoe oder paroxysmale nächtliche Dyspnoe
      • Knöchelödem
      • Herzklopfen oder Tachykardie
      • Claudicatio intermittens
      • bekanntes Herzgeräusch
      • ungewöhnliche Müdigkeit oder Kurzatmigkeit bei üblichen Aktivitäten
  • die gewünschte Trainingsintensität

Im Folgenden finden Sie einige Beispiele für Empfehlungen zur sportmedizinischen Vorsorgeuntersuchung:

Tabelle 4. Tabelle 4. Merkmale von Patienten mit erhöhtem Risiko für die Teilnahme an einem Trainingsprogramm (in Anlehnung an die AACPR-Stratifizierungskriterien – beachten Sie, dass die Ergebnisse von Belastungstests nicht berücksichtigt werden)
Niedriges Risiko
  • Abwesenheit von Angina pectoris
  • Keine Kurzatmigkeit
  • Keine Benommenheit
  • Kein Schwindel
  • Normale Hämodynamik (angemessene Zunahme und Abnahme der Herzfrequenz und des systolischen Blutdrucks)
Mäßiges Risiko
  • Vorliegen von Angina pectoris
  • Vorliegen anderer signifikanter Symptome, wie ungewöhnliche Kurzatmigkeit, Benommenheit, Schwindel, die bei großer Anstrengung auftreten
Hohes Risiko
  • Vorliegen komplexer ventrikulärer Dysrhythmien während des Trainings oder der Erholung
  • Vorliegen von Angina pectoris
  • Vorliegen anderer signifikanter Symptome, wie z.B. ungewöhnliche Kurzatmigkeit, Benommenheit, Schwindel bei geringer Anstrengung
  • Vorliegen einer abnormalen Hämodynamik bei körperlicher Anstrengung, wie z.B. sinkender systolischer Blutdruck bei zunehmender Arbeitsbelastung

Leitlinien für den Blutdruck vor Beginn des Trainings (edit | edit source)

Tabelle 5 gibt einen Überblick über die Blutdruckbereiche bei der Planung eines Trainingsprogramms.

Tabelle 5. Blutdruckwerte und Eignung für ein sicheres Training (nach Blood Pressure UK)
Blutdruckwerte Eignung zur Aufnahme des Trainings
Unter 90 / 60 mm Hg Hypoton; vor Aufnahme eines neuen Trainings ärztlichen Rat einholen
90 / 60 mm Hg bis 140 / 90 mm Hg Geeignet für körperliche Aktivität
140 / 90 mm Hg bis 179 / 99 mm Hg Hoch, aber immer noch geeignet für körperliche Aktivität, mit dem Ziel, die Blutdruckwerte zu senken
180 / 100 mm Hg bis 199 / 109 mm Hg Hoher Wert! Besprechen Sie den Fall mit einem Arzt, bevor Sie mit einem neuen Training beginnen
200 / 110 mm Hg oder mehr Suchen Sie so schnell wie möglich einen Arzt auf und beginnen Sie auf keinen Fall mit einer neuen Aktivität

Vitalparameter ( edit | edit source )

Die Vitalparameter sollten immer vor, während und nach dem Training gemessen werden:(28)

  • Blutdruck während des Trainings oder bei Belastungstests
    • aerobes Training und stufenweise Belastungstests führen zu einem Anstieg des systolischen Blutdrucks (SBD) mit zunehmender Trainingsintensität(29)
      • eine normale Reaktion wird als Anstieg von 10 ± 2 mm Hg pro metabolischem Äquivalent (MET) bei jeder Erhöhung der Trainingsintensität angesehen; bei maximaler Belastung kann es zu einem Plateau kommen(30)
    • in der 10. Auflage der ACSM-Leitlinien für Belastungstests und Verschreibung von Training wurde die Obergrenze des SBD bei Belastung (erreicht bei individueller maximaler Arbeitsbelastung) mit > 250 mmHg und die Obergrenze des DBD bei Belastung mit > 115 mmHg definiert; diese Werte gelten als Indikation für den Abbruch eines Belastungstests.(26) Allerdings „gibt es in der Literatur wenig Klarheit darüber, was als normaler Blutdruck bei submaximaler oder maximaler Belastungsintensität gilt, obwohl als maximale Werte häufig ein SBD von <210 mmHg (für Männer) und ein SBD von <190 mmHg (für Frauen) mit einem DBD von <110 mmHg (beide Geschlechter) genannt werden“(30)
    • ein Abfall des systolischen Blutdrucks von> 10 mmHg, trotz einer Erhöhung der Arbeitsbelastung, ist ein Anzeichen dafür, das Training abzubrechen(26)(30)
    • der diastolische Blutdruck sollte beim Training gleich bleiben oder leicht abfallen(30)
      • bei einem Anstieg von 10 mmHg = Training abbrechen(1)
    • die Physiotherapie-Klinik der Universität Delaware stellt einen Blutdruckalgorithmus zur Verfügung, den Sie hier einsehen können. Denken Sie daran, immer Ihr klinisches Urteilsvermögen anzuwenden und die Maßnahmen an die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten anzupassen.
  • Blutdruckkategorien (in Ruhe gemessen):(31)
    • normal: systolisch < 120 mmHg und diastolisch < 80 mmHg
    • Erhöht: systolisch 120 – 129 mmHg und diastolisch < 80 mmHg
    • Grad 1: systolisch 130 – 139 mmHg oder diastolisch 80 – 89 mmHg
    • Grad 2: systolisch ≥ 140 mmHg oder ≥ 90 mmHg
    • hypertensive Krise systolisch > 180 mmHg und / oder diastolisch > 120 mmHg
  • Erholung der Herzfrequenz (HRR, heart rate recovery)(1)
    • nach Beendigung der Höchstbelastung sollte es nach der ersten Minute zu einem Abfall von 30 bpm kommen
    • ein Abfall der Herzfrequenz um weniger als 12 bpm = Anzeichen einer Herzschwäche

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7 1.8 1.9 Jackson R. Exercise Prescription Course. Plus, 2024.
  2. Demir O, Atıcı E, Torlak MS. Therapeutic and stabilization exercises after manual therapy in patients with non-specific chronic neck pain: a randomised clinical trial. International Journal of Osteopathic Medicine. 2023 Mar 1;47:100639.
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