Pharmakologie im Schmerzmanagement

Einleitung(edit | edit source)

Eine breite Palette von Medikamenten wird zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt, die durch Entzündungen als Reaktion auf Gewebeschäden, chemische Stoffe/Pathogene (nozizeptive Schmerzen) oder Nervenschäden (neuropathische Schmerzen) entstehen.

  • Die meisten Arzneimittel wirken, indem sie an Zielproteine (Rezeptorproteine) auf Zellmembranen binden und die biochemischen Prozesse im Körper beeinflussen.
  • Protein-Zielmoleküle (Targets) sind gewebespezifisch, so dass Medikamente gezielt auf einzelne Organe oder Zellen ausgerichtet werden können.
  • Medikamente, die eine hohe Spezifität aufweisen, müssen niedriger dosiert werden und haben weniger Nebenwirkungen als solche mit geringerer Spezifität.(1)

Für den Therapeuten ist es besonders wichtig, die Pharmakologie zu verstehen, um in der Lage zu sein, Nebenwirkungen zu erkennen; um zu verstehen, wie die Medikamente in Kombination mit körperlicher Aktivitätwirken; um die Grenzen des Medikaments bei der Behandlung von chronischen Schmerzenzu verstehen; und um zu verstehen, wann die Wirkung des Medikaments ihren Höhepunkt erreicht und wann der beste Zeitpunkt ist, um physiotherapeutische Maßnahmen bzw. Übungen zu planen.

WHO-Stufenschema Stufe 1-3 ( edit | edit source )

Ursprünglich von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt, um die Behandlung von Krebsschmerzen zu verbessern, wird das dreistufige analgetische WHO-Stufenschema auch zur schrittweisen Schmerzlinderung bei Schmerzen aufgrund anderer Ursachen verwendet.

Nicht-Opioidanalgetika: Stufe 1 des WHO-Stufenschemas – Leichte bis mäßige Schmerzen ( edit | edit source )

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSARs) wie Aspirin, Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac schwächen und reduzieren die Menge der chemischen Mediatoren (Prostaglandine), die während der Entzündung produziert werden, und lindern so die Symptome wie Schmerzen, Schwellungen und Rötungen. Sie hemmen Enzyme, die Cyclooxygenasen (COX) genannt werden. Diese sind an der Synthese von Prostaglandinen beteiligt.(2) Während einer Infektion führt die Wirkung der Prostaglandine auf den Hypothalamus zu einer erhöhten Körpertemperatur (Pyrexie). NSARs schwächen die Produktion von Prostaglandinen, so dass die Temperatur auf ein normales Maß sinken kann. NSARs hemmen nicht nur die lokale Prostaglandinproduktion, sondern auch die des gesamten Körpers, was zu Nebenwirkungen in anderen Körpergeweben/Systemen wie dem Magen-Darm-Trakt führt. Die Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt sind darauf zurückzuführen, dass NSARs die normale homöostatische Rolle der Prostaglandine (vermittelt durch das Enzym COX-1) bei der Erhaltung der Magenschleimhaut und der Regulierung der Magensäure stören.(1) Zu den Nebenwirkungen, die den Magen-Darm-Trakt betreffen, gehören Verdauungsstörungen, Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall. Im schlimmsten Fall kann es zu Ulzera und Blutungen kommen. Weitere Nebenwirkungen sind Hautausschläge, Lichtempfindlichkeit, Bronchospasmus, Schwindel und Hämaturie.(3) NSARs müssen bei älteren Menschen, Menschen mit Diabetes, Asthma bronchiale und solche mit eingeschränkter Nieren- oder Herzfunktion mit Vorsicht angewendet werden.(3) NSARs sind kontraindiziert bei Personen, die bereits Nebenwirkungen, ein Magenulkus oder Gerinnungsstörungen in der Vorgeschichte aufweisen, sowie bei Personen, die Antikoagulanzien oder andere NSAR-Medikamente einnehmen.(3)
  • Paracetamol, auch bekannt als Acetaminophen. Obwohl es das am häufigsten verwendete schmerzlindernde Medikament ist, ist der genaue Wirkmechanismus von Paracetamol relativ wenig bekannt. Man nimmt an, dass es auf COX-3 wirkt, eine kürzlich entdeckte COX-Art, die im Gehirn und im Rückenmark vorkommt. Paracetamol hat vor allem fiebersenkende (Verringerung des Prostaglandinspiegels im Hypothalamus) und schmerzlindernde Eigenschaften; es greift nicht in COX-2 ein und hat keinen Einfluss auf die anderen Komponenten der Entzündung (Schwellung und Rötung). Da Paracetamol in therapeutischer Dosis keine Wirkung auf COX-1 hat, hat es kaum Nebenwirkungen.(1) Die empfohlene therapeutische Tageshöchstdosis von Paracetamol für Erwachsene beträgt 4g (8 x 500mg Tabletten). Es ist bereits in der 2-3-fachen therapeutischen Dosis hepatotoxisch und verursacht eine Lebernekrose, die 2013 in England und Wales zu 226 Todesfällen führte (4)
  • Aspirin, auch bekannt als Acetylsalicylsäure (ASS). Thromboxane sind Entzündungsmediatoren, die von Thrombozyten stammen und eine Gefäßverengung und die Aggregation von Thrombozyten verursachen, was zur Gerinnung führt. Aspirin hemmt die Produktion von COX-2-Enzymen, die auch für die Produktion von Thromboxanen wichtig sind, und hemmt so die Thrombozytenaggregation und die Bildung von Blutgerinnseln, was zu seiner Verwendung bei der Behandlung und Prophylaxe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Herzinfarkten führt.(1)

Mischanalgetika: Stufe 2 des WHO-Stufenschemas – Leichte bis mäßige Schmerzen ( edit | edit source )

  • Mischanalgetika sind eine Kombination von Medikamenten in einer einzigen Tablette, die in der Regel Codein (ein schwaches Opiat) und Aspirin oder Paracetamol enthält. Beispiele sind Codein/Paracetamol (im englischen Sprachraum „Co-Codamol“ genannt) und Dihydrocodeintartrat/Paracetamol („Co-Dydramol“), die Codein und Paracetamol in verschiedenen Formeln (8/500, 10/500, 15/500, 30/500) enthalten.
    „Co-Codaprin“ ist eine Kombination aus Codeinphosphat (8 mg) und Aspirin (400 mg).
    Tramacet® enthält eine niedrige Dosis (37,5 mg) des starken Opioids Tramadol in Kombination mit einer reduzierten Dosis Paracetamol (325 mg).(3)
  • Mischanalgetika können allein oder in Kombination mit NSARs (z. B. Ibuprofen) verwendet werden. NSARs, Paracetamol und Opioide wirken über unterschiedliche Mechanismen schmerzlindernd, so dass eine gemeinsame Anwendung die Wirkung auf die Schmerzen verbessern kann.(5)
  • Einige niedrig dosierte Analgetika können rezeptfrei erworben werden, die meisten sind jedoch verschreibungspflichtig.
  • Codeinhaltige Medikamente können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Schläfrigkeit verursachen.(3) Dies ist insbesondere für Personen von Bedeutung, die im Rahmen ihrer täglichen Arbeit Auto fahren oder Maschinen bedienen müssen.

Opioidanalgetika: Stufe 3 des WHO-Stufenschemas – Starke Schmerzen ( edit | edit source )

Von Morphin abgeleitete Medikamente (oder synthetische Analoga) imitieren das körpereigene analgetische System und sind die stärksten und wirksamsten derzeit verfügbaren Schmerzmittel.(3) Sie haben eine ähnliche Molekularstruktur wie die körpereigenen Opioide (β-Endorphin, Dynorphine und Enkephaline) und haben die gleiche Wirkung. Sie wirken im zentralen Nervensystem, indem sie sich an Opioidrezeptoren in der prä- und postsynaptischen Membran binden und den Durchgang von Neurotransmittern durch die Nervensynapse stoppen, wodurch das Schmerzempfinden blockiert oder abgeschwächt wird.

Zu den Opioidanalgetika gehören Morphin, Oxycodon, Codein, Tramadol, Buprenorphin, Fentanyl und Diamorphin (Heroin).(3) Bei chronischen Schmerzen können Opioidanalgetika oral (als Kapsel, Tablette oder flüssig) oder über ein Pflaster (transdermal) verabreicht werden. Bei den verschiedenen Darreichungsformen werden häufig Präparate mit langsamer oder modifizierter Wirkstofffreisetzung verwendet, um Schwankungen in der Schmerzlinderung zu minimieren und die Anzahl der zu verabreichenden Tabletten zu verringern. Bei Medikamenten mit modifizierter/langsamer Wirkstofffreisetzung wird auch vermieden, dass die Menschen ständig auf die nächste Dosis warten müssen. Beispiele für Arzneimittel mit langsamer oder modifizierter Freisetzung, die über 12 oder 24 Stunden wirken, sind Tramadol-Präparate wie Zydol® oder Zamadol®.(3) Fentanyl und Buprenorphin können über transdermale Pflaster verabreicht werden, die alle paar Tage aufgeklebt werden.

Opioidrezeptoren sind im gesamten Körper vorhanden, und die Wechselwirkung der Medikamente mit diesen Rezeptoren ist für die mit Opioidanalgetika verbundenen Nebenwirkungen verantwortlich. Im Magen-Darm-Trakt sind dies Übelkeit und Erbrechen sowie Verstopfung als Folge der verminderten Darmmotilität. Opioide verringern auch die Empfindlichkeit der Atemzentren im Hirnstamm gegenüber CO2, was zu einer Atemdepression führt. Zu den weiteren Wirkungen gehören Schläfrigkeit und Schwindelgefühl, und ein längerer Konsum kann zu hormonellen Veränderungen führen, die eine verminderte Libido, Unfruchtbarkeit und Depressionen zur Folge haben können.(6)(7)(1)Eine versehentliche Überdosierung stellt ein erhebliches Risiko dar; das Medikament Naloxon wird zur Umkehrung der Wirkung von Opioiden und zur Behandlung einer Überdosierung von Betäubungsmitteln eingesetzt.(3) Um Entzugserscheinungen zu vermeiden, sollten Opioidanalgetika unter ärztlicher Anleitung langsam reduziert und nicht abrupt abgesetzt werden(6)

Der Einsatz von Opioiden bei chronischen Schmerzen, die nicht auf Krebs zurückzuführen sind, ist umstritten. Schmerzen lassen sich nur selten vollständig beseitigen, und der Einsatz von Analgetika soll es der Person ermöglichen, an der rehabilitativen Therapie teilzunehmen, um die Funktion wiederherzustellen und die Lebensqualität zu maximieren.(6) Ein längerer Konsum von Opioiden kann zu Toleranz (wenn eine höhere Dosis eines Medikaments erforderlich ist, um die gleiche schmerzlindernde Wirkung zu erzielen), psychischer Abhängigkeit und manchmal auch zu Suchterkrankung und Missbrauch führen. Es gibt Evidenz dafür, dass Menschen mit chronischen Schmerzen möglicherweise nicht vom Opioidkonsum profitieren. Menschen, die Opioide über einen längeren Zeitraum einnehmen, können eine Hyperalgesie entwickeln, die sich von ihrem ursprünglichen Schmerzproblem unterscheidet und sich als diffuser, weniger definierter Schmerz äußern kann.(6) In einer dänischen Studie wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen Opioidkonsum und einer Zunahme mäßiger bis starker Schmerzen sowie einer Verringerung der Lebensqualität und einer schlechteren Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands bei Menschen mit chronischen Schmerzen festgestellt, die Opioide einnahmen, im Vergleich zu Menschen, die keine Opioide einnahmen. Der Konsum von Opioiden wurde auch mit einem geringerem Maß an körperlicher Aktivität, mehr Arbeitslosigkeit und einer höheren Inanspruchnahme des Gesundheitswesens in Verbindung gebracht.(8) Eine Cochrane-Studie (9) kam zu dem Ergebnis, dass es keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Schmerzlinderung und funktionellen Verbesserung zwischen starken Opioiden und NSARs bei Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen gab.

Adjuvantien(edit | edit source)

Das analgetische WHO-Stufenschema(5) empfiehlt, dass Patienten zusätzliche Medikamente (Adjuvantien oder Co-Analgetika) verschrieben werden, um die Symptome neuropathischer Schmerzen infolge einer postherpetischen Neuralgie, Phantomschmerzen, peripherer Neuropathie und durch Nervenkompression verursachte Schmerzen, z. B. starke Ischiasschmerzen, zu behandeln, wenn diese Symptome nicht ansprechen.(5) Zu diesen Medikamenten gehören trizyklische Antidepressiva und Antiepileptika (auch Antikonvulsiva genannt), die auf Proteine (Neurotransmitter) in der Zellmembran des zentralen Nervensystems (ZNS) wirken. Aufgrund ihrer doppelten Funktion ist es wichtig, dass die Patienten verstehen, dass sie diese Medikamente verschrieben bekommen, um lästige Schmerzsymptome zu bekämpfen und nicht wegen einer Epilepsie oder einer psychischen Erkrankung. In den NICE-Leitlinien CG173 wird empfohlen, als Erstbehandlung für neuropathische Schmerzen wahlweise Amitriptylin, Gabapentin, Pregabalin oder Duloxetin anzubieten und auf ein anderes Medikament umzusteigen, wenn das erste unwirksam ist oder schlecht vertragen wird.(10) Mehr als eines dieser Arzneimittel sollte nicht gleichzeitig verschrieben werden.(10) Die in den NICE-Leitlinien zitierte Evidenz deutet darauf hin, dass diese Medikamente im Vergleich zu Plazebo eine signifikante Wirkung auf die Symptome neuropathischer Schmerzen haben.(11) Obwohl diese Arzneimittel hilfreich sind und von vielen Menschen gut vertragen werden, können sie erhebliche Nebenwirkungen haben, die dazu führen können, dass Menschen eine alternative Medikation benötigen oder auf diese Gruppe von Medikamenten verzichten.

  • Amitriptylin: Trizyklisches Antidepressivum. Es blockiert die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin (5-Hydroxytryptamin) im ZNS und verstärkt so deren Wirkung.(12) Obwohl es häufig verschrieben wird, ist Amitriptylin derzeit nicht für die Behandlung von chronischen, nicht malignen Schmerzen zugelassen (Off-Label).(12) Amitriptylin weist eine starke anticholinerge Wirkung auf das parasympathische Nervensystem auf, was seine Verordnungsfähigkeit einschränken und zu einer Reihe von Nebenwirkungen führen kann; zu den Kontraindikationen gehören Herzrhythmusstörungen, schwere Lebererkrankungen und die akute Phase nach einem Herzinfarkt. Häufige Nebenwirkungen sind Schwindel, Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Übelkeit und Verstopfung. Patienten, die Amitriptylin einnehmen, sollten vor möglichen Problemen beim Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen gewarnt werden.
    Amitriptylin interagiert mit einer großen Anzahl anderer Medikamente, was seine Verschreibung für Menschen mit Komorbiditäten ausschließen kann (13)
    Kliniker sollten „Off-Label“-Verordnungen nur dann ausstellen, wenn dies die beste Praxis darstellt oder wenn es eine allgemeine Auffassung gibt, die den Off-Label-Gebrauch unterstützt.(14)
  • Gabapentin (Neurontin®). Antikonvulsivum, das zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird, aber auch für die Behandlung von neuropathischen Schmerzen zugelassen ist.(15)(16) Eine Schädigung oder Störung der Zellfunktion kann zu einer Erhöhung der Erregbarkeit der Nervenzelle führen. Die genaue Wirkungsweise dieses Arzneimittels ist nicht bekannt, aber es wird angenommen, dass Gabapentin durch Bindung an die Kalziumkanäle in den Nervenzellmembranen im ZNS wirkt. Dies reduziert die in die Nervenendigungen einströmenden Kalziumionen und hemmt die Freisetzung des erregenden Neurotransmitters „Glutamat“, wodurch die Erregbarkeit der Nervenzellen verringert wird und die Symptome von chronischen Schmerzen und Fibromyalgie abnehmen können.(17) Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören Schläfrigkeit und Schwindelgefühl, die jedoch in der Regel mit der Zeit abnehmen. Andere Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Zittern, Taubheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen. Gabapentin hat nur wenige Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, so dass es auch für Patienten geeignet ist, die Medikamente für andere Erkrankungen einnehmen.(18)
  • Pregabalin (Lyrica®). Antikonvulsivum zur Behandlung von chronischen Schmerzen, insbesondere von neuropathischen Schmerzen und Fibromyalgie. Es wird angenommen, dass Pregabalin durch Bindung an α2δ-Rezeptoren wirkt, die den Kalziumkanal hemmen und den Zufluss von Kalziumonen in die Nervenendigungen reduzieren, wodurch die Freisetzung von Neurotransmittern (Glutamat, Adrenalin und Substanz P) verringert wird. Pregabalin erhöht den neuronalen Spiegel des hemmenden Neurotransmitters GABA, indem es das Enzym (Glutaminsäure-Decarboxylase) steigert, das den exzitatorischen Neurotransmitter Glutamat in GABA umwandelt. Evidenz deutet darauf hin, dass dies zu einer deutlichen Verringerung neuropathischer Schmerzen und einer Verbesserung der damit verbundenen Probleme wie Schlaf und Angst führen kann. (19) Pregabalin ist in der Stillzeit kontraindiziert und muss bei schwerer Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz und Schwangerschaft mit Vorsicht angewendet werden. Es sollte nicht abrupt abgesetzt werden; die Dosis sollte schrittweise verringert werden. Schwindel und Schläfrigkeit sind sehr häufige (>10%) Nebenwirkungen, und bei 1-10% der Patienten können Sehstörungen, Ataxie, Tremor, Lethargie, Gedächtnisstörungen, Euphorie, Gewichtszunahme, verminderte Libido, Erektionsstörungen, Verstopfung, Mundtrockenheit oder Dysarthrie auftreten. Zu den seltenen (0,1-1 %) Nebenwirkungen gehören Depressionen, Verwirrung und Halluzinationen.
    Pregabalin hat nur wenige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, so dass es für Patienten geeignet ist, die Medikamente für andere Erkrankungen einnehmen(20)
  • Duloxetin (Cymbalta®). Ein Antidepressivum aus der Gruppe der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SNRI). SNRIs blockieren oder verzögern die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin und erhöhen so den Spiegel dieser Neurotransmitter in der Synapse. Die Veränderung des chemischen Gleichgewichts innerhalb dieser Bahnen beeinflusst die Schmerzwahrnehmung und wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden des Patienten aus.(21) Duloxetin hat sich als wirksame Behandlung für schmerzhafte Neuropathien, chronische Schmerzen und Fibromyalgie erwiesen.(22) (23) Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Schläfrigkeit sind sehr häufige Nebenwirkungen (>10%). Bei 1-10 % der Patienten können Nebenwirkungen wie Verstopfung oder Durchfall, Probleme mit der Sexualfunktion, Muskel- und Knochenschmerzen, Zittern und Muskelkrämpfe auftreten. Es gibt eine große Anzahl von weniger häufigen Nebenwirkungen.(24) Duloxetin steht in Wechselwirkung mit einer Vielzahl gängiger Medikamente, was seine Anwendung bei Personen mit Komorbiditäten einschränken kann.(25)

Topische Analgetika ( edit | edit source )

Topische Analgetika können eine lokale Schmerzlinderung bewirken und werden zur Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen eingesetzt, z. B. bei muskuloskelettalen und neuropathischen Schmerzen sowie von Muskelschmerzen im Zusammenhang mit Verletzungen.(26) Sie werden nur in geringem Maße systemisch aufgenommen, was das Risiko von Nebenwirkungen verringert und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten begrenzt.(27)(28)

Zu den topischen Analgetika gehören Hyperämika (Rubefazientien), topische NSARs und Lokalanästhetika.(29)

Zu den Hyperämika (Rubefazientien) gehört eine breite Palette von Salben, Wärmepflaster, Gelen und Cremes; einige sind rezeptfrei erhältlich, andere sind verschreibungspflichtig. Man geht davon aus, dass sie eine reizlindernde Wirkung haben, indem sie die sensorischen Nervenenden stimulieren und die Schmerzen im Gewebe (Muskeln und Gelenke), das von denselben Nerven versorgt wird, verändern. Sie verursachen auch Hautrötungen und erzeugen eine wohlige Wärme.

Topisches Capsaicin kann bei chronischen Schmerzzuständen wie postherpetischer Neuralgie und diabetischer Neuropathie verschrieben werden. Es ist entweder als Creme (0,075 %) oder als Pflaster mit einer Konzentration von 8 % formuliert. Die Creme ist für die Behandlung der postherpetischen Neuralgie und der diabetischen Neuropathie zugelassen, das Pflaster für periphere neuropathische Schmerzen bei Menschen ohne Diabetes.(30) Das Pflaster hat sich als wirksamer erwiesen als die Creme (NNT’s von 8,8 bzw. 7,0).(31) Der Wirkstoff Capsaicin, der die Schärfe in Chilischoten erzeugt, bindet an Nozizeptoren in der Haut und erhöht die Empfindlichkeit gegenüber noxischen Reizen. Auf anfängliche Empfindungen wie Brennen, Kribbeln oder Juckreiz folgt eine Refraktärphase mit verminderter Empfindlichkeit, und mehrere Anwendungen können zu einer nachhaltigen Desensibilisierung und Schmerzlinderung führen.(32) Capsaicin hat sich bei Menschen mit chronischen Weichteilschmerzen als wirksamer erwiesen als Placebo.(33) Es gibt einige Evidenz für einen Nutzen bei Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen.(34) Die Autoren eines Cochrane-Reviews aus dem Jahr 2017 merken jedoch an, dass die Ergebnisse für Capsaicin mit Vorsicht zu interpretieren sind, da die Qualität der Evidenz für diese Studien mäßig oder sehr gering war.(35)

Topische NSARs (einschließlich Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac) werden bei akuten und chronischen Schmerzerkrankungen eingesetzt.(36) Sie werden als unterstützende Behandlung bei Knie- und Handgelenksarthrose angesehen. Die meisten topischen NSARs sind rezeptpflichtig, aber einige der schwächeren Formulierungen können rezeptfrei erworben werden.(30) Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2012 befürwortet den Einsatz topischer NSARs zur Behandlung von Knie- und Handgelenksarthrose, findet aber keine Evidenz für deren Einsatz bei anderen chronischen Schmerzerkrankungen.(37) Die spätere Version von 2016 kam zu ähnlichen Ergebnissen und stellte insbesondere fest, dass topisches Diclofenac und topisches Ketoprofen bei Arthrose ein gutes Maß an Schmerzlinderung bieten, das über das der Träger hinausgeht, allerdings nur bei einer Minderheit der Patienten. Die Übersichtsarbeit von 2016 ergab auch, dass es keine Evidenz für ihre Verwendung bei anderen chronischen Schmerzerkrankungen gibt.(38)

Topische Lokalanästhetika wie z. B. Lidocain-Pflaster können bei chronischen Schmerzerkrankungen wie postherpetischer Neuralgie, chronischen Kreuzschmerzen und komplexem regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) eingesetzt werden. Die Wirksamkeit von Lidocain-Pflastern ist umstritten; eine kürzlich durchgeführte systematische Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass es keine Evidenz für die Verwendung von Lidocain-Pflastern zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen gibt, obwohl einige Studien und Patienten über einen Nutzen berichten.(39) In einer neueren Studie wird jedoch festgestellt, dass es für die Behandlung von peripheren neuropathischen Schmerzen von Vorteil sein kann, wenn Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und Verträglichkeit einer oralen Therapie bestehen.(40)

Lokalanästhetika ( edit | edit source )

Systemische Lokalanästhetika wie intravenöses Lidocain können zur Behandlung chronischer neuropathischer Schmerzerkrankungen sowie Fibromyalgie eingesetzt werden. Diese Medikamente wirken als Natriumkanalblocker. Es wird angenommen, dass Natriumkanäle nur in peripheren Nerven vorkommen. Wenn Nerven geschädigt oder gereizt sind, nehmen die Erregbarkeit und die spontane Feuerung zu, was auf den erhöhten Fluss von Natriumionen durch die Zellmembran zurückzuführen ist. Natriumkanalblocker verlangsamen oder stoppen den Ionenfluss, wodurch die Erregbarkeit der Zelle verringert und das Schmerzempfinden vermindert wird. Es wird angenommen, dass Natriumkanalblocker auch eine Wirkung auf die Glutamatproduktion im Dorsalhorn haben und die Aktivität der Nervenzellen verringern.(41)

  • Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass diese Medikamente Schmerzen aufgrund von Nervenschädigungen wirksam lindern können(42)
  • Triggerpunkt-Injektionen mit Lokalanästhetika und Steroiden können auch zur Behandlung von myofaszialen Schmerzen und Erkrankungen wie Kopfschmerzen eingesetzt werden. Der Wirkmechanismus ist unklar, und es gibt keine eindeutige Evidenz für einen Nutzen bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen.(43)

Grenzen der pharmakologischen Behandlung ( edit | edit source )

Menschen mit persistierenden Schmerzen profitieren von einem biopsychosozialen Ansatz, der sich mit ihren Gedanken und Gefühlen zu ihrer Erkrankung befasst und mit einem Programm zur Steigerung des Aktivitätsniveaus und zur Förderung des Selbstmanagements kombiniert wird. Es ist wichtig, die Grenzen der pharmakologischen Behandlung chronischer Schmerzen zu verstehen, sowie die Bedeutung der Kombination von pharmakologischen Ansätzen mit der nichtpharmakologischen Behandlung chronischer Schmerzen und den Einsatz solcher Strategien neben geeigneten evidenzbasierten aktiven Selbstmanagementstrategien.

Referenzen(edit | edit source)

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