Sehne – Belastung und Belastbarkeit

Einleitung(edit | edit source)

Das Verständnis der Konzepte von Belastung und Belastbarkeit ist bei der Diagnose von Sehnenproblemen hilfreich. Unterschiedliche Belastungsarten wie Zug-, Druck- und Scherbelastungen können verschiedene Pathologien hervorrufen, deren korrekte Identifizierung die Behandlung erleichtert.

Belastbarkeit(edit | edit source)

Die Belastbarkeit ist die Fähigkeit eines Gewebes, einer Belastung standzuhalten, ohne Schaden zu nehmen oder eine Funktionsstörung als Folge zu erleiden. „Ein Gewebe ist voll belastbar, wenn die Person funktionelle Bewegungen im erforderlichen Umfang (Volumen) und mit der erforderlichen Häufigkeit (Frequenz) ausführen kann, ohne dass sich die Symptome verschlimmern oder das Gewebe verletzt wird.“(1) Zu Verletzungen kommt es, wenn die Belastung einer Sehne ihre Belastbarkeit übersteigt.(2)(3) Jede Sehne im Körper hat eine bestimmte Belastbarkeit, und jeder Mensch hat ein individuelles Niveau der Belastbarkeit seiner Sehnen. Als Beispiel hat die Patellarsehne eines Spitzensportlers möglicherweise eine sehr hohe Belastbarkeit und könnte hohen Belastungen ohne nachteilige Auswirkungen ausgesetzt werden. Im Gegensatz dazu hat die Patellarsehne einer Person mit sedentärem, bewegungsarmen Lebensstil eine viel geringere Belastbarkeit, und eine viel geringere Belastung könnte möglicherweise eine Verletzung der Sehne verursachen.(4)

Belastung(edit | edit source)

Sehnen sind einer Vielzahl unterschiedlicher Belastungen ausgesetzt. Die Zellen, die für die Homöostase der Sehne verantwortlich sind, werden als „Tenozyten“ bezeichnet. Diese Zellen sind mechanosensitiv und reagieren auf mechanische Belastungen, die auf sie einwirken. Wenn sie angemessen belastet werden, reagieren sie positiv. Wenn sie jedoch abnormalen Belastungen ausgesetzt sind, werden sie negativ beeinflusst.(5) Optimale, progressive Belastungen führen zu einer Verbesserung der Sehnenintegrität. Dieser Prozess läuft langsam ab, und wenn eine Sehne zu schnell zu stark belastet wird, wird sie anfällig für Verletzungen.(5) Sehnen heilen nach einer Verletzung relativ langsam, was ihre Behandlung schwierig machen kann.

Sehnen können Zug-, Druck- oder Scherbelastungen ausgesetzt sein, und jede dieser Belastungen wirkt sich unterschiedlich auf die Sehne aus. Es kann hilfreich sein, die Art der Belastung zu ermitteln, die zu der Sehnenpathologie geführt hat.

Diagramm mit den verschiedenen Arten von Belastungen, die auf eine Sehne einwirken können

Zugbelastung ( edit | edit source )

Eine Zugbelastung (oder Traktionsbelastung) liegt vor, wenn zwei Kräfte in entgegengesetzte Richtungen ziehen. Alle Sehnen sind so ausgelegt, dass sie hohen Zugbelastungen standhalten.(5) Sehnen speichern Energie und geben sie wieder ab, ähnlich wie eine Sprungfeder.(4) Aktivitäten, die mit hoher Geschwindigkeit verbunden sind, wie Springen und Richtungswechsel, belasten die Sehnen mit hohen Zugkräften und können sie anfällig für Verletzungen machen.

Druckbelastung ( edit | edit source )

Druck- oder Kompressionskräfte treten bei Sehnen auf, die in der Nähe von Knochenvorsprüngen liegen. Bei bestimmten Bewegungen werden die Sehnen gegen diese knöchernen Vorsprünge gedrückt. Dies geschieht in vielen Bereichen des Körpers. Die Achillessehne wird bei der Dorsalextension des Sprunggelenks am superioren Kalkaneus komprimiert, und die Sehnen des M. gluteus medius und M. gluteus minimus drücken bei der Hüftadduktion gegen den Trochanter major.(6) Sehnen wie die des M. tibialis posterior und die Peronealsehnen haben permanente Drehpunkte an den medialen bzw. lateralen Malleoli. Sehnen werden jedoch nicht nur durch knöcherne Strukturen komprimiert. Der mittlere Teil der Achillessehne ist Druck- und Scherbelastungen durch die umgebende Muskulatur, die Sehnen und das posteriore Retinakulum ausgesetzt.(6)

Die Kompression spielt bei der Behandlung von Tendinopathien eine wichtige Rolle. Durch die Verringerung der Druckbelastung kann die Sehne oft erfolgreich einer progressiven Belastung ausgesetzt werden.(6)

Mischbelastungen ( edit | edit source )

Druckkräfte auf die Sehne treten selten isoliert auf. In der Regel ist es eine Kombination aus Zug- und Druckkräften, die die Sehne in einen verletzlichen Zustand versetzt.(6) Dies ist der Fall, wenn die Sehne Energie speichern und wieder abgeben muss, während sie gleichzeitig auf einen knöchernen Drehpunkt drückt. Dies ist zwar die eigentliche Aufgabe dieser Sehnen, aber es sind auch solche Belastungen, die am häufigsten Probleme und Schmerzen verursachen.(7). Beispiele hierfür sind: das Abstoßen in Dorsalextension, bei dem die Sehne komprimiert wird, sie aber gleichzeitig ihre elastische Funktion als „Sprungfeder“ ausüben muss, um den Körper vorwärts zu bewegen; ebenso die Sehnen der ischiokruralen Muskulatur bei einem Hockeysportler, der in gebückter Haltung sprintet.

Scher- und Reibungsbelastungen ( edit | edit source )

Scherkräfte können auftreten, wenn die Sehne repetitiven Aktivitäten ausgesetzt ist, wie z. B. in der Achillessehne beim Schwimmen oder beim Radfahren, wenn es zu einer wiederholten Dorsalextension/Plantarflexion kommt. Diese unterscheiden sich von hohen Zugbelastungen, da nicht so viel Energie gespeichert und wieder abgegeben wird, sondern eher eine sich wiederholende Bewegung stattfindet. Diese Kräfte können sowohl auf die Sehnenscheide als auch auf die die Sehne umgebenden Strukturen einwirken. Bei Scherkräften reibt die Sehne übermäßig an knöchernen Vorsprüngen, wodurch die Strukturen um die Sehnen (das Paratenon) beeinträchtigt werden und eine Entzündungsreaktion entsteht.(8) Diese Paratendinitis ist eine andere Pathologie als die Tendinopathie, und es ist wichtig, den Unterschied zu erkennen, um die richtigen Behandlungsstrategien anzuwenden.(7)

Referenzen(edit | edit source)

  1. Cook JL, Docking SI. “Rehabilitation will increase the ‘capacity’of your… insert musculoskeletal tissue here….” Defining ‘tissue capacity’: a core concept for clinicians. British Journal of Sports Medicine Online. 2015
  2. Snedeker JG, Foolen J. Tendon injury and repair – A perspective on the basic mechanisms of tendon disease and future clinical therapy. Acta Biomater. 2017;63:18-36.
  3. Wiesinger HP, Seynnes OR, Kösters A, Müller E, Rieder F. Mechanical and Material Tendon Properties in Patients With Proximal Patellar Tendinopathy. Front Physiol. 2020;11:704.
  4. 4.0 4.1 Rio E. Differential Diagnosis of Tendons Course. Plus. 2019
  5. 5.0 5.1 5.2 Galloway MT, Lalley AL, Shearn JT. The role of mechanical loading in tendon development, maintenance, injury, and repair. The Journal of bone and joint surgery. American volume. 2013 Sep 4;95(17):1620-1628.
  6. 6.0 6.1 6.2 6.3 Cook JL, Purdam C. Is compressive load a factor in the development of tendinopathy?. Br J Sports Med. 2012 Mar 1;46(3):163-8.
  7. 7.0 7.1 Rio, E. Clinical Reasoning in Tendons. Plus online course. 2019
  8. Wongsithichai P, Chang KV. Paratenonitis. Journal of Medical Ultrasound. 2014; 22:55e56. DOI:10.1016/j.jmu.2014.01.002


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