Tendinopathien sind bekanntermaßen schwierig zu behandeln. Sie sind auch schwierig zu diagnostizieren, und ein gutes klinisches Reasoning kann der Schlüssel zu einem wirksamen Management sein. Obwohl ein großes Interesse an der Erforschung der Tendinopathie besteht, bleibt eine genaue Definition dieses Begriffs „unklar“.
„Die Diagnose der Tendinopathie ist derzeit eine klinische Hypothese, die auf den Symptomen und dem physischen Kontext des Patienten beruht.“(1)
Im Allgemeinen ist die Tendinopathie ein komplexes, vielschichtiges Krankheitsbild, das mit Schmerzen, einer eingeschränkten Funktion und Belastungsintoleranz verbunden ist.(2) Allerdings sind Sehnen, die sich in der Bildgebung als pathologisch darstellen, oft völlig asymptomatisch.(3)(4) Bei der Diagnose einer Tendinopathie geht es nicht darum, festzustellen, ob die Sehne pathologisch verändert ist, sondern darum, ob die Sehne die Quelle der Beschwerden ist oder nicht.(5) Viele Strukturen können beteiligt sein, wenn nur ein Aspekt isoliert betrachtet wird. So ist der vordere Knieschmerz ein klinischer Befund bei Tendinopathie der Patellarsehne, aber auch ein Schlüsselsymptom bei patellofemoralem Schmerz. Durch die Betrachtung des gesamten Krankheitsbildes des Patienten kann die richtige Diagnose gestellt werden.
Sehnenschmerzen können auf eine Überlastung zurückgehen, bei der die Sehne in ihrer Funktion als „Sprungfeder“ beansprucht wird. Es ist wichtig, die Zug-, Druck- und Scherbelastungen zu verstehen, die bei der Entwicklung einer Sehnenpathologie eine Rolle spielen. Die Feststellung, welche Art von Belastung die Funktionsstörung verursacht hat, kann die Differenzialdiagnose und die anschließende Behandlung leiten.
Bei Tendinopathien tritt in der Regel eine belastungsabhängige Reaktion auf, d. h. die Schmerzen nehmen mit zunehmender Belastung der Sehne zu. Bei Achillessehnenschmerzen beispielsweise sollten die Beschwerden allmählich zunehmen, wenn Sie die Belastung vom Fersenheben über einen kleinen Sprung bis zum Hüpfen steigern.(6)
Lokalisierte Schmerzen bei der Palpation der Sehne können ein Indikator für eine Pathologie innerhalb einer Sehne sein und werden häufig als Untersuchungsmethode verwendet.(7)(8) Dies sollte jedoch nicht als einziges Kriterium eingesetzt werden. Sehnen können bei der Palpation schmerzhaft sein, obwohl sie nicht am klinischen Bild des Patienten beteiligt sind. Das Fehlen von Schmerzen bei der Palpation kann hingegen hilfreich sein, um eine Tendinopathie auszuschließen.(6)
Das Fehlen einer Sehnenpathologie kann hilfreich sein, um eine Sehnenpathologie auszuschließen. Das Vorhandensein einer Sehnenpathologie in der Bildgebung bedeutet jedoch NICHT, dass die Sehne die Ursache für die Symptome des Patienten ist.(9)
Ultraschall und MRT (Magnetresonanztomografie) können bei der Diagnose einer Tendinopathie eingesetzt werden. Die Bildgebung sollte dabei sorgfältig durchgeführt und auf das klinische Bild des Patienten abgestimmt werden. Sehnen können mittels Ultraschallbildern sehr gut dargestellt werden, was wesentlich kostengünstiger als ein MRT ist. Darüber hinaus sollte die Interpretation von MRT-Ergebnissen mit Vorsicht erfolgen, zumal eine MRT-Untersuchung sehr detailliert ist und Pathologien aufzeigen kann, die keinen Bezug zu den Symptomen des Patienten haben.(9) Die Relevanz der Befunde aus der Bildgebung sollte darum mit Blick auf das klinische Bild des Patienten geprüft werden. Die Sehnen können in der Bildgebung immer noch Veränderungen aufweisen, obwohl der Patient im Verlauf eine deutliche Verbesserung seiner Schmerzen und seiner Funktion erlebt. Dies dem Patienten mitzuteilen, kann hilfreich sein, um die häufig wahrgenommene Bedrohlichkeit von Befunden aus der Bildgebung zu verringern.