Management von Sehnen während der Saison

Einleitung(edit | edit source)

Das Management von Tendinopathien der unteren Extremität bei Sportlern kann eine Herausforderung sein. Das Management eines Sportlers während der Saison („In-Season“) kann eine noch entmutigendere Angelegenheit sein. Bei der Behandlung von Tendinopathien sollten provozierende / reizende Belastungen entfernt und ein progressives Belastungsprogramm durchgeführt werden.(1) Ein Sportler muss während der Saison auf hohem Niveau trainieren und wird seine Sehnen während des Wettkampfs hohen Belastungen aussetzen.

Durch die Einhaltung einfacher Grundsätze in Bezug auf Belastung und Belastbarkeit kann es möglich sein, dass ein Sportler weiter spielen kann, während er seine Tendinopathie behandelt.

Beim Management von Sehnen während der Saison geht es vor allem um die Schmerzkontrolle, die am besten durch das Management der Belastungen, denen die Sehnen ausgesetzt sind, erreicht werden kann.(2) Die vollständige Ruhigstellung einer Sehne ist nicht die bevorzugte Managementstrategie bei der Tendinopathie, und eine angemessene Belastung und Belastungsmodifikation entsprechen der besten evidenzbasierten Praxis.(1) Randomisierte kontrollierte Studien mit Sportlern in der Saison sind schwierig durchzuführen, und daher gibt es für diesen speziellen Bereich nur wenige Evidenz.(1)

Belastung und Belastbarkeit der Sehne ( edit | edit source )

Um eine Tendinopathie wirksam behandeln zu können, ist ein Verständnis von Belastung und Belastbarkeit von Sehnen erforderlich. Die Belastbarkeit einer Sehne ist meist nur geringfügig größer als die Belastung, die sie gewohnt ist.(3) Im Vergleich zu Muskeln passen sich Sehnen langsamer an eine erhöhte Belastung an.(4) Eine übermäßige und nicht gut kontrollierte Belastung gilt als Überlastung.(5) Abnormale Gewebebelastungen können zu Sehnenerkrankungen führen.(6)

Sehnen sind 4 verschiedenen Arten von Belastungen ausgesetzt:

  1. Zug- oder Traktionsbelastungen – bei denen Sehnen wie eine Feder Energie speichern und wieder abgeben (z. B. Springen im Fall der Patellarsehne)
  2. Druckbelastungen – dort, wo die Sehne in der Nähe von Knochenvorsprüngen liegt und an diese gedrückt wird (z. B. das Sitzen im Fall der Hamstrings, wenn die ischiokruralen Sehnen am Sitzbeinhöcker komprimiert werden)
  3. Mischbelastungen – wenn die Sehnen sowohl Druck- als auch Zugbelastungen ausgesetzt sind (z. B. beim Laufen mit Flexion der Hüfte im Fall der Hamstrings)
  4. Scher- und Reibungsbelastungen – z. B. bei sich wiederholenden Aktivitäten (Laufen/Radfahren) Diese Belastungen sind für die peritendinösen Strukturen wie z. B. die Sehnenscheide eine größere Herausforderung.

Erkennen von hohen Sehnenbelastungen ( edit | edit source )

Bei einer Tendinopathie ist es von entscheidender Bedeutung, die Art der Belastung zu ermitteln, die zu den Sehnenschmerzen geführt hat. Druckbelastungen sind für Sehnen ebenso wie schnelle Zugbelastungen außerordentlich provozierend.(7) Werden Druck- und schnelle Zugbelastungen kombiniert, ist die Gefahr einer Verschlimmerung der Tendinopathie noch größer.

Sehnen reagieren auf schnelle, nicht auf schwere Belastungen.

Ein wichtiger Faktor, der vor allem für Sportler während der Saison zu beachten ist, ist, dass es schnelle Zugbelastungen sind, die die Sehnen irritieren, und NICHT schwere Zugbelastungen. Dies kann hilfreich sein, wenn man bedenkt, dass man die Belastbarkeit einer Sehne nicht durch eine völlige Entlastung verringern möchte und dass langsame, schwere Belastungen keine besondere Provokation für eine Tendinopathie darstellen sollten.

Bestimmte Symptome sind nicht charakteristisch für eine Tendinopathie. Beim Radfahren beispielsweise handelt es sich eher um eine wiederholte Belastung als um eine schnelle Zugbelastung. In diesen Fällen kann es hilfreich sein, die Ursache der Symptome außerhalb der Sehne zu suchen, möglicherweise in peritendinösen Struturen. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass die Diagnose einer Tendinopathie bei einem Sportler korrekt ist, da die Behandlung der Wahl für eine Tendinopathie in Form einer schweren, langsamen, progressiven Belastung eine Sehnenscheidenentzündung (Paratendinitis) höchstwahrscheinlich eher verschlimmern würde.(8)

Ersetzen von Übungen zur Vermeidung von Sehnenbelastungen ( edit | edit source )

Die bestverfügbare Evidenz für die Behandlung von Tendinopathien ist ein aktiver Ansatz. Ruhe ist beim Management von Sehnen nicht angezeigt. Die Fehlbelastung einer Sehne durch provozierende Belastungen kann jedoch zu einer starken Verschlimmerung und zu anhaltenden Problemen führen. Ein Sportler in der Saison setzt seine Sehnen während des Wettkampfs oder der Spiele schnellen Druckbelastungen aus, und die Entfernung dieser provozierenden Belastungen aus dem Trainings- und Rehabilitationsprogramm ist der Schlüssel zur Bewältigung der Symptome.(2)

Das Management eines Sportlers, der sich In-Season befindet, erfordert eine sorgfältige Prüfung seines gesamten Programms. Dazu gehören das Aufwärmen, die Trainingseinheiten und das Üben im Kraftraum. Jeder Aspekt sollte auf eventuelle schnelle oder kompressive Sehnenbelastungen überprüft werden, und diese Belastungen sollten entfernt werden.(2) Die Beseitigung von provozierenden Belastungen ist wichtig, um die mit der Tendinopathie verbundenen Schmerzen zu lindern, aber es ist wichtig, diese Belastungen durch andere geeignete Kräftigungsübungen zu ersetzen. Das vollständige Entfernen einer Belastung, insbesondere bei einem Sportler, der sich mitten in der Saison befindet, führt zu weiteren Problemen, da die Sehnen und Muskeln damit ihre Belastbarkeit verringern und anfällig für weitere Verletzungen werden.

Das gesamte Programm des Athleten sollte überprüft werden. Es kann sein, dass er während seines normalen Aufwärmprogramms plyometrische Übungen macht, die die Sehne reizen, oder dass es zu Druckbelastungen während seines üblichen Dehnens kommt.(9) Sobald alle provozierenden Belastungen, vor allem Druckbelastungen, identifiziert wurden, sollten diese durch geeignete Belastungen ersetzt werden.

Ein Beispiel hierfür wäre, dass Deadlifts (Kreuzheben) mit Hüftflexion für einen Sprinter mit Hamstring-Tendinopathie eine Druckbelastung der Hamstrings gegen die Sitzbeinhöcker bewirken. Diese könnten durch Hamstring-Curls in Bauchlage ersetzt werden, so dass sich die Hüfte in einer neutralen Position befindet und die Sehne nicht komprimiert wird.

Die Beobachtung der Reaktion einer Sehne auf eine Aktivität und auf verschiedene Belastungsarten ist nützlich, um festzustellen, welche Übungen zurückgestellt und welche Übungen fortgesetzt werden sollten. Ein Sportler kann jedoch während der Saison ein gewisses Maß an Schmerzen haben, und wenn diese auf einem niedrigen, stabilen Niveau gehalten werden, ist dies akzeptabel.(1)

Aufrechterhaltung des Kraftprogramms ( edit | edit source )

Isotonische und isometrische Übungen reduzieren nachweislich die Schmerzen bei Sportlern mit Patellarsehnen-Tendinopathie während der Saison.(2)(10) In einer Fallserienstudie aus dem Jahr 2019 wurde außerdem festgestellt, dass eine isometrische Quadrizeps-Hocke mit einem starren Gürtel wirksam zur Verringerung von Schmerzen bei Patellarsehnen-Tendinopathie in der Saison eingesetzt werden kann.(11) Exzentrische Belastungen sind für Athleten während der Saison möglicherweise nicht die am besten geeigneten Belastungen, da sie in der Regel ziemlich hoch provozierend sind und die Athleten ihre Sehnen bereits durch ihr Sportprogramm belasten.(2) Es wurde auch darauf hingewiesen, dass exzentrische Übungen den Muskel oder die Sehne von Sportlern inadäquat belasten können.(12) Ein schweres, langsames Widerstandstraining eignet sich am besten für die Behandlung von Tendinopathien und sollte im Einbeinstand durchgeführt werden.(7) Die optimale Übungsvorgabe für Tendinopathien muss erst noch gefunden werden.(2) Es wurden 4 Sätze mit 8 Wiederholungen vorgeschlagen, bei denen die Belastung den Muskel am Ende eines Satzes ermüdet.(7) Es kann schwierig sein, während der Saison ein umfassendes Krafttrainingsprogramm zu absolvieren, aber es ist wichtig für die Erhaltung und das Management des Sportlers.

Sehnen mögen keine Veränderungen. Progressive Trainingsbelastungen sind am besten, und plötzliche Belastungsspitzen oder längere Ruhephasen sollten vermieden werden.(7) Langsame, progressive Übungen ermöglichen es der Sehne, ihre Belastbarkeit zu steigern, während plötzliche Belastungsspitzen häufig dem Mechanismus der Tendinopathie entsprechen. Zu viel Ruhe führt zu einer Verringerung der Belastbarkeit der Sehne und damit zu einer größeren Verletzungsanfälligkeit.

Es ist wichtig, die gesamte kinetische Kette auf kompensatorische Strategien oder Defizite zu untersuchen, die möglicherweise zu den Sehnenproblemen beitragen.(7)

Bei der Behandlung von Sehnen ist die unilaterale (einseitige) Belastung von Bedeutung. Die Durchführung von bilateralen (beidseitigen) Übungen bei ungleicher Kraft beider Seiten führt häufig dazu, dass die stärkere Seite die schwächere Seite trägt. Das Krafttraining sollte jedoch sowohl auf der betroffenen als auch auf der nicht betroffenen Seite durchgeführt werden.(7) Die auf jeder Seite ausgeübten Belastungen sollten der Belastbarkeit der jeweiligen Seite entsprechen.(7) Bei der Kräftigung der nicht betroffenen Seite kommt es zu einer Cross-Education, die die Kraft der betroffenen Seite fördert.(7)

Es kann schwierig sein, Krafttraining in den Zeitplan eines vielbeschäftigten Sportlers einzubauen. Das Timing der Krafttrainingseinheiten sollte im Hinblick auf den gesamten Trainingsplan des Sportlers sorgfältig durchdacht werden. Die Durchführung von Kraftübungen nach den regulären Trainingseinheiten kann eine ausreichende Erholungszeit bis zur nächsten Trainingseinheit ermöglichen.(7) Cook et al. schlagen vor, dass zweimal pro Woche Krafttraining das Minimum und dreimal pro Woche das Optimum ist.(7)

Umgang mit Erwartungen ( edit | edit source )

Sehnen erholen sich bekanntermaßen nur langsam, vor allem während der Saison, da sie im Wettkampf hohen Belastungen ausgesetzt sind. Alle am Leben des Sportlers Beteiligten – Trainer, Manager, Arzt, Physiotherapeut usw. – sollten mit dem Behandlungsplan einverstanden sein. Jeder sollte wissen, wie lange die Genesung dauern wird und wie stark die Schmerzen sein werden.(7)

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 1.2 1.3 Cook JL, Purdam CR. The challenge of managing tendinopathy in competing athletes. Br J Sports Med. 2014 Apr 1;48(7):506-9.
  2. 2.0 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 Van Ark M, Cook JL, Docking SI, Zwerver J, Gaida JE, Van Den Akker-Scheek I, Rio E. Do isometric and isotonic exercise programs reduce pain in athletes with patellar tendinopathy in-season? A randomised clinical trial. Journal of science and medicine in sport. 2016 Sep 1;19(9):702-6.
  3. Galloway MT, Lalley AL, Shearn JT. The role of mechanical loading in tendon development, maintenance, injury, and repair. The Journal of bone and joint surgery. American volume. 2013 Sep 4;95(17):1620.
  4. Mersmann F, Laube G, Marzilger R, Bohm S, Schroll A, Arampatzis A. A functional high-load exercise intervention for the patellar tendon reduces tendon pain prevalence during a competitive season in adolescent handball players. Frontiers in physiology. 2021 Mar 10;12:626225.
  5. Herring SA, Ben Kibler W, Putukian M, Berkoff DJ, Bytomski J, Carson E, Chang CJ, Coppel D. Load, overload, and recovery in the athlete: Select issues for the team physician-A consensus statement. Current Sports Medicine Reports. 2019 Apr 1;18(4):141-8.
  6. Steinmann S, Pfeifer CG, Brochhausen C, Docheva D. Spectrum of tendon pathologies: Triggers, trails and end-state. International journal of molecular sciences. 2020 Jan 28;21(3):844.
  7. 7.00 7.01 7.02 7.03 7.04 7.05 7.06 7.07 7.08 7.09 7.10 Cook JL, Purdam C. Is compressive load a factor in the development of tendinopathy?. Br J Sports Med. 2012 Mar 1;46(3):163-8.
  8. Wongsithichai P, Chang KV. Paratenonitis. Journal of Medical Ultrasound (2014) 22, 55e56
  9. Cardoso TB, Pizzari T, Kinsella R, Hope D, Cook JL. Current trends in tendinopathy management. Best Practice & Research Clinical Rheumatology. 2019 Mar 8.
  10. Rio E, van Ark M, Docking S, Moseley GL, Kidgell D, Gaida JE et al. Isometric Contractions Are More Analgesic Than Isotonic Contractions for Patellar Tendon Pain: An In-Season Randomized Clinical Trial. Clin J Sport Med. 2017;27(3):253-9.
  11. Rio E, Purdam C, Girdwood M, Cook J. Isometric Exercise to Reduce Pain in Patellar Tendinopathy In-Season: Is It Effective „on the Road“? Clin J Sport Med. 2019;29(3):188-92.
  12. Mascaró A, Cos M, Antoni M, Roig A, Purdam C, Cook J. Load management in tendinopathy: Clinical progression for Achilles and patellar tendinopathy. Apunts. Medicina de l’Esport. 2018; 53:19-27.


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