Subjektive Untersuchung des Läufers

Einleitung(edit | edit source)

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Laufen ist ein beliebter Sport.(1)(2) Laufen ist eine vertretbare und bekannte Gesundheits-, Sport- und Freizeitaktivität. Sie wird gut beworben und ist für viele Menschen sehr begehrt. Ausdauerlauf wirkt sich positiv auf die Körpermasse, das Körperfett, die Ruheherzfrequenz und den Cholesterinspiegel aus(3). Läufer leben im Durchschnitt 3 Jahre länger als Nicht-Läufer und haben ein um 25-40 Prozent geringeres Risiko, vorzeitig zu sterben.(4)

Wie die meisten Sportarten kann auch das Laufen zu Verletzungen und Funktionsstörungen führen, da beim Laufen die Gelenke und Weichteile besonders stark belastet und beansprucht werden. Statistisch gesehen sind 25 % der Langstreckenläufer derzeit verletzt, und etwa die Hälfte dieser Verletzungen beeinträchtigt die täglichen Aktivitäten und führt zu zeitweiligen Einschränkungen.(5)

Die Inzidenz laufbedingter Verletzungen (Running-Related Injuries – RRI) liegt zwischen 18,2 % und 92,4 %, wobei die Prävalenzrate zwischen 6,8 und 59 Verletzungen pro 1.000 Trainingsstunden liegt.(6) Es wurde festgestellt, dass es bei Freizeitläufern 7,7 Verletzungen pro 1.000 Stunden gibt – bei Laufanfängern steigt diese Zahl auf 17,8 Verletzungen pro 1.000 Stunden.(7)

Laufbedingte Verletzungen (RRIs) werden definiert als muskuloskelettale Beschwerden, die auf das Laufen zurückzuführen sind und eine Einschränkung der Laufgeschwindigkeit, -distanz, -dauer oder -häufigkeit für mindestens eine Woche verursachen.(3) Diese Verletzungen werden in der Regel durch muskuloskelettale Überbeanspruchung und wiederholte Mikrotraumata hervorgerufen. RRIs werden von mehreren Risikofaktoren beeinflusst, wie z. B. den persönlichen Eigenschaften des Läufers, der Trainingsbelastung (Umfang, wöchentliche Gesamtdistanz) und der Lauferfahrung.

Eine systematische Übersichtsarbeit ergab eine Gesamtverletzungsrate von 20,8 Verletzungen pro 100 Läuferinnen und 20,4 Verletzungen pro 100 Läufer.(8)

Überlegungen zur subjektiven Anamnese ( edit | edit source )

Arten des Laufens ( edit | edit source )

Laufen ist nicht gleich Laufen. Verschiedene Laufarten haben unterschiedliche Merkmale, und die spezifischen Aspekte jeder einzelnen sollten berücksichtigt werden.(9) Wenn Sie Ihren Patienten nach der Art des Laufens fragen, ist es gut zu wissen, welche äußeren Faktoren das Laufen beeinflussen, z. B. der Untergrund, die Bekleidung, die Art der Schuhe und der Laufrhythmus oder -stil des Läufers.(10) Spezielle Schuhe für bestimmte Terrains sind wichtig, da sie die Fußstruktur schützen und dem Läufer einen besseren Halt bieten.

Straßenlauf: Das Laufen auf der Straße ist kostenlos, leicht zugänglich und bietet die größte zusammenhängende Strecke zum Laufen. Unter dem Sicherheitsaspekt kann die Sicherheit von Straßenläufern gefährdet sein, wenn sie die Straße mit Fahrzeugen in Bereichen teilen, in denen es keine eigene Laufspur gibt. Einige Straßen können in hügeligen Gebieten liegen, was wiederum den Straßenlauf für Laufanfänger weniger attraktiv machen kann.

Traillauf: Traillauf bzw. Trailrunning ist immer anders. Die Dynamik hängt von der Art des Weges ab. Auf langen, sandigen Straßen oder langen unbefestigten Wegen ist der Rhythmus eher langsamer. Auf bergigen oder lokalen Strecken mit unebenen Oberflächen oder Böden ändert sich die Schrittfrequenz bzw. Schrittgeschwindigkeit schnell im Vergleich zum Straßenlauf, bei dem die Schrittfrequenz während des gesamten Laufs relativ gleich bleibt. Das Laufen bergauf und bergab erzeugt unterschiedliche Belastungen. Anders als auf der Straße ist beim Bergauflaufen eine Seitwärtsbewegung des Läufers zu erwarten. Für Trailläufe sind in der Regel spezielle Traillaufschuhe erforderlich.

Laufen auf dem Laufband: Das Laufen auf dem Laufband ist zwar bequem, aber es ist immer schwierig, die natürlichen Bedingungen der Straße auf einem Gerät nachzubilden. Viele Langstreckensportler meiden das Laufband oder das Training auf dem Laufband, da die biomechanischen Anforderungen völlig anders sind als beim Straßenlauf. Die Oberfläche des Laufbands ist im Vergleich zur Straße glatter und federnder. Der wichtigste Faktor ist jedoch, dass sich der Läufer und das Band an sich auf dem Laufbandgerät bewegen, während sich die Straße beim Straßenlauf nicht bewegt. Darum muss der Aspekt der Stoßbelastung beim Laufen auf dem Laufband möglicherweise berücksichtigt werden. Das Laufen auf dem Laufband ist ideal für alle, die ihr Herz-Kreislauf-System in Kombination mit anderen Übungen im Fitnessstudio trainieren möchten. Es gibt auch einen Sicherheitsaspekt, der beim Laufen/Gehen auf dem Laufband zu berücksichtigen ist, insbesondere bei älteren Menschen.

Bahnlauf: Der Bahnlauf ist einzigartig. Er ist ideal für Kurz- und Mittelstreckenläufer. Bahnläufer wärmen sich oft entgegen der Laufrichtung auf, um Muskelverkürzungen auf einer Seite zu vermeiden, wenn sie sich die ganze Zeit in die Kurven lehnen. Auch die Schuhe sind beim Bahnlauf anders. Sie haben sehr wenig bis gar keine Dämpfung und sind an der Unterseite mit Stollen versehen, um den Halt zu gewährleisten. Bahnläufer sind im Allgemeinen schnellere Athleten mit einem ganz anderen Laufstil. Sie laufen meist auf Zehenspitzen, und es wird viel Kraft benötigt.

Triathlon: Das Laufen ist nach Schwimmen und Radfahren die dritte und letzte Disziplin eines Triathlons. Der Erfolg der Laufstrecke eines Triathlons wird von der Leistung des Athleten beim Schwimmen und Radfahren bestimmt. Wenn Athleten sich beim Schwimmen und Radfahren zu sehr anstrengen, können sie beim Laufen Probleme bekommen. Viele Triathleten haben eine starke und eine schwächere Disziplin. Beim Training für einen Triathlon kann man sich zunächst auf einzelne Disziplinen konzentrieren und dann mehrere Disziplinen während einer Trainingseinheit kurz vor dem Wettkampf kombinieren.

Tempo / Pace(edit | edit source)

Das Tempo, oder auch die Pace, bezieht sich auf die durchschnittliche Geschwindigkeit beim Laufen. Das Tempo wird in der Regel mit einer Sportuhr oder einer Smartphone-Anwendung wie Strava gemessen und in Minuten pro Kilometer angegeben. Wir können Läufer nach ihrem Tempo einteilen.

  • Der durchschnittliche Läufer neigt dazu, 5:30 Min/km zu laufen.
  • Ein mittelmäßiger Läufer neigt dazu, fünf, 5:40 bis 6-6:30 Minuten pro Kilometer zu laufen.
  • Langsamere Athleten neigen dazu, 6:30-7 Minuten und mehr pro Kilometer zu laufen.

Die Überwachung des Tempos kann hilfreich sein, wenn der Sportler nach einer Verletzung zum Laufen zurückkehrt, da er seine Geschwindigkeit mit dem Ausgangswert vor der Verletzung vergleichen kann. Es ist auch eine hervorragende Möglichkeit, sich Ziele zu setzen.

Schrittfrequenz(edit | edit source)

Die Schrittfrequenz (engl.: Cadence) bezieht sich auf die Anzahl der Schritte pro Minute. Die Schrittfrequenz kann über eine Smartphone-App verfolgt werden. Die Schrittfrequenz kann ein Hinweis auf ein „Overstriding“ sein, d. h. auf eine Positionierung des Fußes vor der Mittellinie beim Laufen, die den Läufer für Verletzungen prädisponiert. Je nach Strecke kommen schnellere Läufer auf über 180 Schritte pro Minute.

Doppelschrittlänge ( edit | edit source )

Die Doppelschrittlänge (der Abstand zwischen den aufeinanderfolgenden initialen Kontakten desselben Fußes) hängt von der Körpergröße des Läufers ab, und auch die Schrittfrequenz sollte bei der Messung der Doppelschrittlänge berücksichtigt werden. Dieses objektive Maß wird verwendet, um die Anstrengung und den Energieaufwand beim Laufen wiederzugeben. Verschiedene Laufstile haben für verschiedene Menschen einen unterschiedlichen Energieaufwand.

Lauferfahrung und Wettkämpfe ( edit | edit source )

Einige Läufer laufen seit Jahren regelmäßig bestimmte Distanzen und haben schon viele Läufe erfolgreich und verletzungsfrei absolviert. Im Laufe der Jahre des Laufens bauen sie Laufkapazität auf, und ihr Bindegewebe ist auf die Belastung vorbereitet. Dies gibt Aufschluss über die Dauer des Laufens, die Belastbarkeit der Muskeln und des Bindegewebes der unteren Extremitäten, die Verletzungshistorie sowie die Läufe, an denen ein Läufer teilgenommen hat. Manche Läufer sind ganz neu im Laufsport und noch unsicher, was für eine Art von Läufer sie sein wollen oder ob sie überhaupt den Laufsport langfristig betreiben wollen. Manche Läufer trainieren nur für ein oder zwei bestimmte Veranstaltungen. All diese Faktoren sind wichtig, da sie einen Anhaltspunkt dafür liefern, was der Läufer erwartet bzw. zu erreichen hofft. Einige der von den Patienten gesteckten Laufziele können in kurzen Zeiträumen und bei vollen Trainingsplänen unerreichbar sein. Die erfahreneren Läufer sind oft vernünftiger, wenn es darum geht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, und sie wissen oft, wann sie rechtzeitig mit dem Laufen aufhören sollten, um zu verhindern, dass aus einem „Zwicken“ eine Verletzung wird. Dies kann bei der Planung der Rehabilitation, der Prävention und des nächsten Laufs helfen.

Krafttraining ( edit | edit source )

Krafttraining ist ein wesentlicher Bestandteil des Laufsports, insbesondere wenn es darum geht, die Laufleistung zu steigern. Das Krafttraining kann sowohl laufbezogenes Krafttraining wie Hügeltraining als auch nicht laufbezogenes Krafttraining wie funktionelle Übungen mit freien Gewichten umfassen. Es ist wichtig, einen Läufer nach seinem Krafttrainingsprogramm zu fragen (falls er überhaupt eines hat).

Laufcoaching(edit | edit source)

Ein Lauftrainer ist oft der nächste Schritt für einen Laufanfänger, der seine Leistung verbessern möchte. Laufcoaches können sowohl kurzfristig (zur Verbesserung der Technik) als auch langfristig zur Verbesserung der Leistung eingesetzt werden. Das Coaching kann von Angesicht zu Angesicht oder online erfolgen, insbesondere mit intelligenten Laufuhren und Apps, die Ihre Laufstatistiken aufzeichnen. Die Zusammenarbeit mit Laufcoaches kann für den Physiotherapeuten bei der Behandlung von Verletzungen und dem Trainingsprogramm von Läufern von Vorteil sein.

Laufclubs ( edit | edit source )

Laufclubs oder -treffs sind eine gute Möglichkeit, sich zum Laufen zu verpflichten. Laufclubs bieten die soziale Unterstützung und die Trainingsstruktur und -möglichkeiten, die viele Läufer zur Motivation brauchen. Andere Läufer im Club können Trainingstipps und Unterstützung anbieten, und bei großen Läufen gibt es oft eine sekundäre Unterstützung für Clubmitglieder. Einige Laufclubs sind auch professioneller und nehmen gezielt nur Läufer auf, die ein hohes Lauftempo erreicht haben. Einige dieser Läuferinnen und Läufer können für ihre Mitgliedschaft im Club finanziell entlohnt werden.

Ziele des Laufens ( edit | edit source )

Das Verständnis der Gründe, warum Menschen laufen (z. B. Gewichtsmanagement), ist wichtig, um die Motivation zu fördern und die psychologischen Aspekte des Laufens zu berücksichtigen. Die Sprache, die Patienten verwenden, um ihre Motivation für das Laufen zu beschreiben, ist der Schlüssel zum Verständnis des emotionalen Drucks, dem sie ausgesetzt sind, und auch um zu erfahren, was sie zum Laufen antreibt. Manchen Läufern fehlt es nie an Motivation oder Antrieb zum Laufen, und manche Läufer sind mit den Ratschlägen zum Umgang mit ihrer Laufbelastung während oder nach einer Verletzung nicht zufrieden. Die Erstellung einer Baseline (Ausgangswerte) für jeden Patienten gibt dem Physiotherapeuten Aufschluss über die Ziele des Läufers. Wearable-Geräte, wie z. B. Tracker, können auch dazu beitragen, die Einhaltung spezifischer Trainingsprogramme zu verbessern, die es einem Läufer ermöglichen können, bestimmte Ziele zu erreichen. Wenn die Nutzung von Wearables mit wöchentlichen Motivations-E-Mails (von einem Laufclub oder einer Support-Gruppe) kombiniert wird, ist die Adhärenz zu den Programmen und das Erreichen der Laufziele sogar noch erfolgreicher.(11)

Vorsicht für Ultramarathonläufer ( edit | edit source )

Ultramarathonläufer sind besonders gefährdet, während oder unmittelbar nach einem Ultramarathon folgende Probleme zu entwickeln:(12)

  • Verdauungsprobleme
  • Gastrointestinale Blutungen
  • Kardiovaskuläre Veränderungen
  • Beeinträchtigungen der Nierenfunktion
  • Infektionen der oberen Atemwege
  • Muskuloskelettale Probleme

Diese Faktoren müssen bei der subjektiven Untersuchung eines Ultramarathonläufers berücksichtigt werden.

Referenzen(edit | edit source)

  1. Dempster J, Dutheil F, Ugbolue UC. The prevalence of lower extremity injuries in running and associated risk factors: a systematic review. Physical Activity and Health. 2021;5(1):133-45.
  2. Hollander K, Rahlf AL, Wilke J, Edler C, Steib S, Junge A, Zech A. Sex-specific differences in running injuries: a systematic review with meta-analysis and meta-regression. Sports Med. 2021 May;51(5):1011-39.
  3. 3.0 3.1 Vitez L, Zupet P, Zadnik V, Drobnič M. Running injuries in the participants of Ljubljana Marathon. Slovenian Journal of Public Health. 2017 Oct 9;56(4):196-202.
  4. Lee DC, Brellenthin AG, Thompson PD, Sui X, Lee IM, Lavie CJ. Running as a key lifestyle medicine for longevity. Progress in cardiovascular diseases. 2017 Jul 1;60(1):45-55.
  5. Fields KB. Running injuries-changing trends and demographics. Current sports medicine reports. 2011 Sep 1;10(5):299-303.
  6. Saragiotto BT, Yamato TP, Junior LC, Rainbow MJ, Davis IS, Lopes AD. What are the main risk factors for running-related injuries?. Sports medicine. 2014 Aug;44(8):1153-63.
  7. Brake MT, Stolwijk N, Staal B, Van Hooren B. Using beat frequency in music to adjust running cadence in recreational runners: A randomized multiple baseline design. Eur J Sport Sci. 2022 Mar 29:1-10.
  8. Hollander K, Rahlf AL, Wilke J, Edler C, Steib S, Junge A, Zech A. Sex-Specific Differences in Running Injuries: A Systematic Review with Meta-Analysis and Meta-Regression. Sports Medicine. 2021 Jan 12:1-29.
  9. Rehabilitation of Running Biomechanics. (2020, October 27). Physiopedia, . Retrieved 00:17, March 30, 2021 from https://www.physio-pedia.com/index.php?title=Rehabilitation_of_Running_Biomechanics&oldid=257618.
  10. Nunes D. Subjective Assessment of Your Runner Course. Plus (2021)
  11. Wattanapisit A, Amaek W, Sukkriang N, Wattanapisit S, Wongsiri S. Perspectives on Using Online Platforms for Promoting Running and Walking Activities. Frontiers in public health. 2020;8.
  12. Knechtle B, Nikolaidis PT. Physiology and pathophysiology in ultra-marathon running. Frontiers in physiology. 2018 Jun 1;9:634.


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