Überlastungsverletzungen bei Läuferinnen und Läufern – Befunderhebung

Originale Autorin Wanda van Niekerk basierend auf dem Kurs von Merike Hopkins

Top-Beitragende Wanda van Niekerk, Kim Jackson und Jess Bell

Einführung(edit | edit source)

Laufen ist auf der ganzen Welt eine beliebte körperliche Aktivität.(1) Zu den Vorteilen des Laufens gehören: verbesserte Ausdauer, geringeres Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gewichtsverlust. In den letzten Jahren ist die Zahl der Läufer gestiegen. In den Vereinigten Staaten praktizieren 15 % der Bevölkerung irgendeine Form des Laufens, und im Vereinigten Königreich laufen laut Statistik 6 Millionen Menschen einmal pro Woche. Leider besteht auch die Gefahr von Verletzungen. Etwa 80 % der Laufverletzungen stehen im Zusammenhang mit Überlastungen.(2) Strukturen, die sich nur langsam an die Trainingsbelastung anpassen, wie z. B. Sehnen und Bänder, sind besonders verletzungsgefährdet.(3)

Befund- und Behandlungskontinuum ( edit | edit source )

Die Befunderhebung ist immer ein Prozess, insbesondere bei der Betreuung von Überlastungsverletzungen. Der Prozess der Befunderhebung ist optimal auf den Patienten zugeschnitten und wird während des gesamten Rehabilitationsprozesses fortgesetzt, bis der Patient/Sportler entlassen wird und voll funktionsfähig ist.(4) Das nachstehende Diagramm zeigt den Verlauf des Befund- und Behandlungskontinuums.

Progression im Befund- und Behandlungskontinuum

Überlastungsverletzungen bei Läuferinnen und Läufern ( edit | edit source )

Definition von Überlastungsverletzungen ( edit | edit source )

Überlastungsverletzungen zeichnen sich dadurch aus, dass es keine einzelne, identifizierbare oder traumatische Ursache gibt. Es zeigt sich ein allmählicher Beginn, und die Verletzung wird durch wiederholte Mikrotraumata verursacht.(5) Der Begriff „Überlastung“ wird verwendet, da das Auftreten dieser Art von Verletzungen in der Regel durch einen Zeitraum mit unangemessener Gewebebelastung ausgelöst wird, wie z. B.:(6)

  • Übermäßiges Ausmaß oder Volumen der Belastung
  • Unzureichende Erholung zwischen den einzelnen Belastungsphasen

Warum führt Überlastung zu Verletzungen? ( edit | edit source )

Eine Überlastungsverletzung wird in der Regel durch repetitive (sich wiederholende) Aktivitäten über einen längeren Zeitraum verursacht. Dieses wiederholte Mikrotrauma überlastet die Fähigkeit des Gewebes, sich selbst zu reparieren.(6) Beim Sport werden die verschiedenen Gewebe wie Muskeln, Sehnen, Knochen und Bänder belastet und erfahren übermäßigen physiologischen Stress. Nach der spezifischen sportlichen Betätigung erfolgt eine Anpassung des Gewebes, damit es gestärkt wird und in Zukunft ähnlichen Belastungen standhalten kann. Wenn die Anpassungsfähigkeit eines bestimmten Gewebetyps überschritten wird und es zu einer Verletzung kommt, handelt es sich meist um eine Überlastungsverletzung. Daher übersteigt bei übereifrigen Sportlern, die vor dem nächsten Training oder der nächsten Trainingseinheit keine ausreichende Anpassungszeit einplanen, die kumulative Gewebeschädigung schließlich die Schwelle, die das Gewebe verkraften kann, und dies verursacht Schmerzen und Funktionsstörungen.(6)

Lesen Sie mehr über Überlastungsschäden:

Laufuntergründe und Überlastungsverletzungen ( edit | edit source )

Auch der Untergrund spielt eine Rolle bei laufbedingten Überlastungsverletzungen. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass das Laufen auf einem weicheren Untergrund die Stoßbelastung reduziert und damit das Verletzungsrisiko verringert. Unterschiedliche Laufuntergründe verändern lediglich die biomechanischen Anforderungen an den Körper. Das Laufen auf einem weicheren Untergrund verringert beispielsweise die Stoßbelastung, stellt aber eine höhere Anforderung an die Strukturen des Bewegungsapparats wie Muskeln und Sehnen dar. Ein Wechsel des Laufuntergrunds kann die Belastung in einem Bereich des Körpers verringern, aber das Verletzungsrisiko in anderen Bereichen erhöhen.(7)

Patientenberatung und Überlastungsverletzungen ( edit | edit source )

Bilder, die den Umgang mit Überlastungsschäden erklären

Ein hilfreiches Bild, um Patienten über ihre Überlastungsverletzungen aufzuklären, ist das Bild von zwei Schlepperbooten, die gegeneinander ziehen.(4) Das grüne Boot (gut) treibt die Überlastungsverletzung zur Heilung und zur Rückkehr zur Funktion oder zum Sport, während das rote Boot die Überlastungsverletzung von der Heilung weg in eine ernstere Pathologie zieht. Der Schlüssel liegt darin, ein Gleichgewicht zu finden. Sie müssen das grüne Boot mit allen notwendigen Maßnahmen versorgen, um die Heilung zu fördern, aber nicht auf eine Weise, die das rote Boot antreibt und die Pathologie verschlimmert.(4)

Lesen Sie hier mehr: Physiotherapy and Overuse Injuries

Häufige Überlastungsverletzungen bei Läuferinnen und Läufern ( edit | edit source )

Überlastungsverletzungen betreffen bei Läufern häufig das Knie, die untere Extremität und den Fuß. Bei Mittel- und Langstreckenläufern der Eliteklasse treten die meisten Verletzungen im Unterschenkel und im Fuß auf,(8) während bei Freizeitläufern das Knie die häufigste Verletzungsstelle ist.(9) Zu den häufigsten Überlastungsverletzungen bei Läufern gehören(7):

Auch wenn es nützlich ist, alle häufigen Laufverletzungen zu kennen, ist es dennoch entscheidend, eine systematische Befunderhebung Ihres Läufers vorzunehmen und den Prozess zu verfolgen, um die richtige Diagnose zu stellen.(4)

Biomechanik des Laufens ( edit | edit source )

Eine ineffiziente Laufbiomechanik spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Häufigkeit von Laufverletzungen.(11) Wenn ein Läufer schlechte kinematische Muster und eine schlechte Laufform hat, wird die Fähigkeit des Körpers, externe Kräfte zu absorbieren, beeinträchtigt, was das Risiko von Überlastungsverletzungen erhöht.(12) Die Forschung zur Biomechanik des Laufens dreht sich oft um:

  • Verletzungsprävention
  • Verbesserung der Leistung
  • Verbesserung der Laufeffizienz durch geringeren Energiebedarf

Es ist wichtig, die Laufbewegung des Sportlers zu analysieren, um häufige Fehler und Probleme in der kinetischen Kette zu erkennen. Physiotherapeuten können ihre spezifischen Fähigkeiten einsetzen, um die physiologische Anpassung durch verschiedene Techniken zu unterstützen und eine angemessene Anleitung für optimale Belastungsstrategien zu geben.(4)

Lesen Sie mehr darüber:

Subjektive Untersuchung/Anamnese ( edit | edit source )

Klinisches Reasoning ( edit | edit source )

Faktoren, die im Prozess des klinischen Reasonings zu berücksichtigen sind:

  • Es ist wichtig, die Arbeitsbelastung zu verstehen und wie sie sich auf die mechanische Belastung bezieht(13)
  • Kenntnisse über häufige Verletzungen
  • Verständnis von Risiko-/Prädispositionsfaktoren, die Verletzungen beeinflussen können
  • Keine voreiligen Schlüsse ziehen – bleiben Sie bei Ihrer Befunderhebung unvoreingenommen
  • Ein allmähliches Auftreten kann ein Hinweis sein, aber manche Überlastungsverletzungen können auch akut auftreten.
  • Achten Sie auf zugrundeliegende medizinische Probleme und eindeutige rote Flaggen/red flags
  • Gute Kenntnisse der Anatomie und Pathophysiologie sind erforderlich
  • Berücksichtigen Sie biomechanische Aspekte wie:
    • Der Mechanismus der Verletzung
    • Intrinsische und extrinsische Kräfte auf Strukturen
    • Untergrund
    • Schuhe

Überlegungen zur subjektiven Anamnese ( edit | edit source )

  • Gut zuhören, aber auch wichtige Fragen stellen
  • Erkundigen Sie sich insbesondere nach dem Belastungsvolumen und der Belastungsintensität des Läufers sowie nach jeglichen Veränderungen dieser Parameter. Dokumentieren Sie diese Antworten sehr gut und überprüfen Sie sie regelmäßig
  • Berücksichtigen Sie nicht nur den Einfluss von Kräften beim Laufen, sondern auch bei Aktivitäten des täglichen Lebens und anderen Sport- oder Freizeitaktivitäten
  • Medizinische oder allgemeine Anamnese
Prädisponierende Faktoren/Risikofaktoren ( edit | edit source )

Folgende häufige prädisponierende Risikofaktoren sind zu berücksichtigen:

  • Alter
    • Höheres Alter kann ein Risikofaktor für bestimmte Arten von Laufverletzungen sein(11)
  • Biologisches Geschlecht
    • Es gibt Evidenz von geringer Qualität dafür, dass Männer ein höheres Risiko haben, sich beim Laufen zu verletzen(11)
  • Lauferfahrung
    • Weniger erfahrene Läufer sind einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt(11)(14)(15)
  • Frühere Verletzungen
    • In neueren systematischen Übersichten wird eine frühere Verletzung als wichtigster Risikofaktor bei Kurz- und Langstreckenläufern hervorgehoben(1)(12)
  • Belastung
    • Geringeres Laufvolumen ist ein Risikofaktor für Überlastungsverletzungen bei Kurzstreckenläufern(1)
  • Schuhwerk
    • Die biomechanische Belastung bestimmter Strukturen während des Laufens wird durch die Art des Laufschuhs beeinflusst, aber es gibt keine Evidenz dafür, dass ein bestimmter Schuh das Verletzungsrisiko beeinflussen kann(7)
  • Laufuntergrund
    • Plötzliche Veränderungen des Laufuntergrunds können ein Risikofaktor sein(7)
Abklärung der Verletzung ( edit | edit source )
  • Seien Sie so spezifisch und quantitativ wie möglich(4)
  • Fragen, die im Zusammenhang mit der Verletzung zu stellen sind:
    • Ort des Schmerzes – wo tut es weh?
    • Art des Schmerzes – Schmerztyp
    • Intensität der Schmerzen
    • Häufigkeit der Schmerzen
    • Wann haben die Schmerzen begonnen? – versuchen Sie, konkrete Antworten zu erhalten
    • Tut es bei jedem Lauf/jede Woche/jeden Monat weh?
    • Ab welchem Punkt während dem Lauf fangen die Schmerzen an?
    • Werden die Schmerzen besser, wenn der Läufer sich aufwärmt?
    • Kommen die Schmerzen zurück?
  • Fragen zu Aktivitäten des täglichen Lebens und normalen Trainingsroutinen
    • Ergebnismessungen wie der VISA-A-Score für die Achillessehnen-Tendinopathie sind ein nützliches Instrument, das sich leicht durchführen lässt.

Bedenken Sie, dass bestimmte Strukturen auf bestimmte Weise reagieren. Bei Tendinopathien beispielsweise lassen die Schmerzen nach dem Aufwärmen nach; wenn das Problem stärker ausgeprägt ist, kehren sie jedoch später während des Laufs zurück. Bei einem Läufer mit posteriorem Kompartmentsyndrom werden die Schmerzen zunehmend schlimmer und es treten zusätzliche Symptome wie Kribbeln und Nadelstiche (Parästhesien) auf. Eine Knochenstressverletzung äußert sich in Form von lokalen Schmerzen, die sich mit der Zeit verschlimmern.(4)

Volumen-Tool ( edit | edit source )

  • Dies ist ein einfach zu bedienendes, visuelles Hilfsmittel für Ihre Patienten.
  • Dieses Instrument dient der Quantifizierung der Symptome und der systematischen Erfassung von Volumen und Intensität (Geschwindigkeits- oder Bergtraining) für eine regelmäßige Wiederbefundung.
  • Die Patientenaufklärung und -beratung ist von zentraler Bedeutung, und bei der Beurteilung von Überlastungsverletzungen sind wir stark auf die Rückmeldung der Patienten angewiesen, um den Verlauf zu überwachen. Es ist daher ratsam, die Interpretation dieser Rückmeldungen sowohl für den Kliniker als auch für den Patienten zu erleichtern.
  • Mit diesem Tool werden die Antworten auf die Fragen, die den Physiotherapeuten zu einer Arbeitsdiagnose führen, nach Möglichkeit quantifiziert, was die Überwachung des Verlaufs auf dem Weg zur Genesung erleichtert.

Für das Volumen-Tool werden andere validierte Ergebnismessungen herangezogen:

  • Die visuelle Analogskala für quantifizierbare Rückmeldungen zu Symptomen
  • Die Borg-Skala für die wahrgenommene Anstrengung wird verwendet, um die wahrgenommene Arbeitsbelastung oder Intensität eines Laufs zu quantifizieren(13)
  • Der erste Teil des Volumen-Tools besteht aus einigen Fragen in Tabellenform: Die Läufer können ihren täglichen Lauf, die Distanz des Laufs, den Zeitpunkt, zu dem die Symptome beginnen, und den Zeitpunkt, zu dem die Symptome nachlassen, sowie die Intensität des Laufs angeben.
  • Beim Volumen-Tool gibt es einige Konstanten, die beibehalten werden sollten. Diese sind das Laufvolumen, der Laufuntergrund und die Laufdauer. Auf diese Weise kann die Reaktion des Körpers auf das gleiche Belastungsvolumen beurteilt werden, und eine Tendenz zur Verbesserung oder Verschlechterung lässt sich leicht feststellen.

Volumen-Tool 1

  • Das Volumen-Tool kann dann mit spezifischen Fragen weiter individualisiert werden
    • Individualisiertes Volumen-Tool
      • Fragen, die in der kontinuierlichen Beurteilung/dem Volumen-Tool enthalten sind:
        • Hatten Sie beim Aufstehen Beschwerden im betroffenen Bereich und wenn ja, bewerten Sie diese bitte auf der VAS 1-10.
        • Wie viele Minuten lang hatten Sie Beschwerden?
        • Wann fingen die Beschwerden beim Lauf an? Bitte geben Sie die Zeit in Minuten nach Beginn des Laufes an.
        • Wie viele Minuten dauerten die Beschwerden an?
        • Wie schlimm war dieses erste Symptom auf der VAS 1-10?
        • Wie viele Minuten sind Sie bequem ohne Symptome gelaufen, bevor die Symptome zurückkehrten?
        • Wie stark waren die zweiten Beschwerden am schlimmsten auf der VAS 1-10?
        • Wie schwer war Ihr Lauf auf der BORG-Skala?
        • Wie lange sind Sie in Minuten gelaufen?
      • Die Patienten führen mithilfe dieses Volumen-Tools ein tägliches Protokoll. Versuchen Sie, wenn möglich, einige Konstanten beizubehalten, z. B. das Laufvolumen, den Laufuntergrund und die Laufdauer.

Fragen zu Überlastungsverletzungen im Individualisierten Volumen-Tool

Wenn Sie diese spezifischen Fragen stellen und die Art des Schmerzes mit diesem täglichen Protokoll verfolgen, erhalten Sie einen guten Überblick über das Verhalten der verletzten Struktur. Denken Sie daran, dass im Rahmen der körperlichen Untersuchung bestimmte Strukturen genauer untersucht werden, um die Diagnose zu bestätigen. Überlastungsverletzungen können jedoch eine Herausforderung darstellen, und es kann Situationen geben, in denen die Schmerzen/Symptome des Patienten bei der Befunderhebung nicht eruiert werden können. Denken Sie an erfahrene Läufer, die während ihres Laufs über ein leichtes Zwicken klagen. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, ein Laufband zu benutzen oder den Patienten zu bitten, vor oder während der Befunderhebung eine Runde zu laufen, um ein vergleichbares Zeichen zu finden. Bei der Anwendung dieser Methoden ist jedoch zu bedenken, dass Überlastungsverletzungen vom Untergrund abhängen und dass eine Veränderung des normalen Laufuntergrunds das Problem verschlimmern kann.(4)

Alle Antworten im Individualisierten Volumen-Tool haben einen numerischen Wert als Antwort. Diese werden in eine Excel-Tabelle übertragen und zur Erstellung eines Diagramms verwendet, das diese Werte als Funktion darstellt. Dies zeigt den Trend der Symptome in Bezug auf Volumen und Intensität im Laufe der Zeit. Dieses Tool kann beim klinischen Reasoning für die Entwicklung einer optimalen sportartspezifischen Belastung beim Laufen helfen.(4)

Dieses Tool bietet eine visuelle Darstellung, wie ein Parameter die Überlastung und die Symptome der Verletzung im Laufe der Zeit beeinflussen kann. Es ist ein hilfreiches Hilfsmittel zur Befundung und Wiederbefundung für Kliniker sowie ein edukatives Instrument. Außerdem können die Patienten ihren Physiotherapeuten eine qualitativ hochwertige, valide und nützliche Rückmeldung geben, die sie beim klinischen Reasoning zur Erstellung einer Diagnose und zur Planung von Behandlungs- und Rehabilitationsmaßnahmen nutzen können. Mit anderen Worten: Dieses Tool hilft uns, besser zu verstehen, was die optimale Belastung für den Patienten zu einem bestimmten Zeitpunkt ist.(4)

Überlastungs-Tool ( edit | edit source )

Individualisiertes Volumen-Tool

Merike Hopkins hat das Überlastungs-Tool mit Google Tabellen oder Excel erstellt. Es ermöglicht Physiotherapeuten, eine Liste mit individuellen Fragen zu erstellen, ähnlich wie beim VISA-A. Sie können damit auch andere relevanten Fragen zur Anamnese erfassen. Mit diesem Tool lässt sich die Auswirkung der Belastung auf die Symptome eines Patienten/Läufers im Laufe der Zeit quantitativ und visuell darstellen. Die Aufklärung und Beratung der Patienten ist von zentraler Bedeutung, und der Physiotherapeut muss die VAS- und Borg-Skala sowie die Anwendung und Dokumentation des Auftretens von Symptomen (nach Zeit oder Distanz) erklären.

Alle diese Informationen erscheinen dann als Teil des Überlastungs-Tools in einer Tabelle mit programmierten Zellen. Aus diesen Daten lassen sich Diagramme konfigurieren und verschiedene Daten im Zeitverlauf bewerten. Unten sehen Sie ein Beispiel für die Tabelle, die im Überlastungs-Tool verfügbar ist. Beachten Sie die folgenden Punkte:

  • Tabelle des Überlastungs-Tools

    „Onset P1“ (Beginn P1) bedeutet, an welchem Punkt während des Laufs die ersten Beschwerden begonnen haben

  • „Relief of P1“ (Nachlassen von P1) bedeutet, wann der erste Schmerz verschwunden ist
  • „Onset P2“ (Beginn P2) bedeutet, ob/ab welchem Punkt der Schmerz wiederkehrt (wie bei Tendinopathien zu erwarten)
  • „P1 worst“ (P1 am schlimmsten) ist der VAS-Wert von P1
  • „P2 worst“ (P2 am schlimmsten) ist der VAS-Wert von P2
  • „P3 next morning at rest“ (P3 am nächsten Morgen in Ruhe) stellt den Schmerz dar, den der Patient beim Aufstehen hat
  • „Perceived Exertion“ (Wahrgenommene Anstrengung) stellt die wahrgenommene Arbeitsbelastung des Laufs dar.
  • „Relief of P3“ (Nachlassen von P3) gibt an, für wie lange der Patient morgens Schmerzen hatte.

Unten sehen Sie Bilder des Überlastungs-Tools, wie es in Google Tabellen zu sehen ist. Das Bild auf der linken Seite enthält keine Daten, das Bild auf der rechten Seite enthält einige Daten und ein aus den Daten erstelltes Diagramm.

Die folgenden Diagramme sind Beispiele für Diagramme, die mit dem Überlastungs-Tool erstellt wurden. Das erste Diagramm zeigt, wie das Laufvolumen eines Läufers seine Schmerzen beeinflusst. Die Fragen können maßgeschneidert werden, um die Daten aus den Antworten des Läufers zu messen und visuell darzustellen. Auch der Physiotherapeut kann auf diese Weise eine Vielzahl von Daten auswerten.

Beispiele für Diagramme, die mit dem Überlastungs-Tool erstellt wurden

Die subjektive Untersuchung liefert bereits eine Vorstellung von dem Problem, das bei der körperlichen Untersuchung bestätigt werden soll, und ermöglicht die Entwicklung einer Arbeitsdiagnose. Denken Sie daran, dass die subjektive und die objektive Untersuchung keine zwei getrennten Einheiten sind, sondern ein Kontinuum der Befunderhebung darstellen.(4)

Erstellung einer Arbeitsdiagnose ( edit | edit source )

Tabelle 1. Entwicklung einer Arbeitsdiagnose für Überlastungsverletzungen bei Läufern(4)
Bereich Beschwerden des Läufers Mögliche beteiligte Struktur Mögliche Diagnose
Unterschenkel
  • Verletzungen treten häufiger auf
  • Erhöhte Intensität
  • Beginnt früh in einer Aktivität und wird schlimmer
  • Bleibt nach der Aktivität schmerzhaft
Bone Stressreaktion des Knochens oder Stressfraktur
Unterschenkel
  • Der Schmerz oder die Reizung bessert sich mit etwas Aktivität
  • Symptome kehren nach der Aktivität zurück
Sehnen und Bänder Tendinopathy
Unterschenkel
  • Der Schmerz beginnt während der Aktivität
  • Der Schmerz wird mit zunehmender Aktivität schlimmer
  • Gefühl von Kribbeln und Nadeln (Parästhesie)
Muskel, Nerv, Faszie Posteriores Kompartmentsyndrom
Knie
  • Laterale Knieschmerzen
  • Der Schmerz wird bei Aktivität schlimmer
Faszie Iliotibiales Bandsyndrom
Knie
  • Vorderer Knieschmerz beim Bergablaufen
Gelenk, Muskel Patellofemorales Schmerzsyndrom
Fuß und Sprunggelenk
  • Junge Läuferin mit Fersenschmerzen, die bei Aktivität schlimmer werden
  • Schmerzen werden beim Bergauflaufen schlimmer
Apophyse Morbus Sever

Körperliche Untersuchung ( edit | edit source )

  • Statische Beurteilung der Körperhaltung (mit Hilfe von Lotlinie und Spiegel)
    • Suchen Sie nach möglichen Hinweisen oder Auffälligkeiten, individuellen Abweichungen
    • Beurteilung der gesamten kinetischen Kette
    • Rückenhaltung, Fußstellung, Stellung des Sprunggelenks, Gewichtsbelastung, Kniestellung (Varus oder Valgus, Hyperextension), Hüftstellung
  • Beurteilung der funktionellen Bewegung
    • Beurteilung des Gangbildes
    • Analyse der Laufbewegung (auf dem Laufband, falls vorhanden, oder draußen mit dem Patienten mit Beurteilung des Laufmusters)
    • Führen Sie die Laufanalyse so bald wie möglich durch, sowohl zu Befund- als auch zu Rehabilitationszwecken.
    • Untersuchen Sie immer innerhalb sicherer Parameter!
    • Beurteilen Sie den Schmerz bei Bewegung und achten Sie auf jegliche Schonhaltungen oder Schutzspannungen
  • Palpation
    • Sie sollten mit der Oberflächenanatomie vertraut sein
    • Beachten Sie Atrophien
    • Entzündungszeichen
    • Muskeltonus
  • Muskeltests
    • Falls nötig
  • Umliegende Gelenke ausschließen
  • Neurologische Untersuchung
    • Gehen Sie allen anderen Gründen für übertragene Schmerzen nach
  • Nach vergleichbaren Zeichen suchen
  • Stressspezifische Strukturen
    • Manchmal muss der Läufer erst laufen, bevor Sie ihn belasten und Symptome feststellen können
    • Das Überlastungs-Tool ist hier wertvoll, da der Patient Ihnen regelmäßig eine relevante und hochwertige Rückmeldung geben kann
  • Spezielle Tests
    • Mögliche rote Flaggen/red flags immer ausschließen

Wichtige Überlegungen ( edit | edit source )

  • Formulierung und Verständnis des Problems
    • Anhand der bei der subjektiven und körperlichen Untersuchung gesammelten Informationen kann man eine Arbeitsdiagnose erstellen, eine Problemstellung formulieren und die Rehabilitation planen. Alle Informationen aus der subjektiven und körperlichen Untersuchung werden verwendet, um eine patientenspezifische Intervention zu planen, die verschiedene Strategien wie manuelle Therapie, aber vor allem optimale Belastung und Rehabilitation beinhalten kann.
  • Patientenaufklärung und -beratung
    • Ermöglicht es dem Patienten und seinem Trainer oder Unterstützungsnetz, den Grad der Verletzung und deren Pathophysiologie zu verstehen.
    • Erklären Sie den Heilungsprozess und wie Ruhe und Belastung die Struktur des Gewebes verändern können.
    • Welchen Einfluss hat die Belastung auf die Reparaturvorgänge oder den Verschleiß der Struktur?
    • Vergewissern Sie sich, dass der Patient die Bedeutung der optimalen progressiven Belastung verstanden hat.
  • Beziehen Sie das multidisziplinäre Team ein.
    • Erzielen Sie einen Konsens und bestätigen Sie die Diagnose.
    • Verweisen Sie bei Bedarf auf spezielle Tests und bildgebende Verfahren oder fordern Sie diese an.
  • Funktionelle Rehabilitation
    • Nachahmung der Bewegung oder Kraft innerhalb einer Struktur, die der tatsächlichen natürlichen Umgebung in der Sportart so nahe wie möglich kommt.
    • Rehabilitation von Laufverletzungen – Funktion der unteren Extremität in einer geschlossenen kinetischen Kette.
    • Berücksichtigen Sie die Geschwindigkeit, mit der der Läufer die beteiligten Strukturen nutzen wird.
    • Versuchen Sie, den Laufsport selbst so bald und so sicher wie möglich in den Rehabilitationsplan aufzunehmen.
    • Belasten Sie spezifisch und sportartspezifisch.
    • Halten Sie den Körper im Gleichgewicht und kräftigen Sie die gesamte kinetische Kette.

Referenzen(edit | edit source)

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