Kinder mit schweren motorischen Beeinträchtigungen neigen dazu, mehr zu sitzen und sich weniger zu bewegen als ihre Altersgenossen. Diese Kinder sind mit vielen Barrieren konfrontiert, die ihre Partizipation (Teilhabe) erschweren, darunter schwer zugängliche Umgebungen, negative Einstellungen, Stigmatisierung und mangelnde motorische Fähigkeiten. Die Verwendung eines Hilfsmittels kann eine Möglichkeit sein, diese Barrieren zu überwinden und so zu mehr körperlicher Aktivität zu gelangen.(1) Gehböcke, Walker und Rollatoren werden häufig verschrieben, um die unabhängige Fortbewegung zu fördern. Für Kinder mit schweren motorischen Beeinträchtigungen sind diese Arten von Gehhilfen jedoch möglicherweise nicht geeignet, da ihnen die Kraft und die Kontrolle fehlen, um aufrecht zu stehen.
Gehtrainer und Stehständer sind eine Mobilitätshilfe für Kinder, die mehr Unterstützung benötigen als ein Rollator bzw. Walker. Ein Stehständer (Stehtrainer, Stehgerät) besteht aus einem starren Rahmen mit einer breiten Basis, die das Kind beim Stehen unterstützt.(2) Gehtrainer bieten Unterstützung für den Rumpf, das Becken und/oder den Kopf und lassen sich in Sitz, Größe und Lenkung mit einer Reihe von Zubehörteilen verändern.(1)
Neben der Erleichterung des Gehens und Stehens bieten Gehtrainer und Stehständer für Kinder mit schweren motorischen Beeinträchtigungen eine Reihe weiterer Vorteile. Dazu gehören Verbesserungen der Knochenmineraldichte, der Darmfunktion, der Lungenfunktion, der Unabhängigkeit, der Partizipation (Teilhabe) und der sozialen Funktion.(1)(3) Die Forschung zeigt, dass ein Mangel an unabhängigem Stehen das Risiko für Hüftluxationen, Osteopenie und Kontrakturen der unteren Extremitäten erhöhen kann. Fehlendes Stehen kann zu Problemen mit der Gesundheit des Magen-Darm-Trakts und der Atemwege führen.(4) Es hat sich gezeigt, dass die Verwendung von Stehständern Schmerzen, Kontrakturen und Hüftluxationen verringert.(5)
Complexchild.org (eine Ressource für Kinder mit Behinderungen oder medizinischer Komplexität) listet eine breite Palette von Vorteilen auf, die mit dem Stehen verbunden sind:(6)
Untersuchungen haben gezeigt, dass das Stehen das Bewegungsausmaß der Hüfte bei Kindern, die nicht gehfähig sind, erhöhen kann.(5) Capati et al.(5) fassen zusammen:
Das mit der Verwendung von Stehständern verbundene erhöhte Bewegungsausmaß ist höchstwahrscheinlich auf die länger andauernde Dehnung im Stehen zurückzuführen. Kurzzeitige Dehnungs- oder Beweglichkeitsübungen bei Kindern mit Zerebralparese gelten gemeinhin als unwirksam. Untersuchungen haben gezeigt, dass es bis zu 6 Stunden dauern kann, bis sich das Bewegungsausmaß bei nicht belasteten Dehnübungen verbessert. Die Verwendung eines Stehständers in einer belasteten Position verkürzt diese Zeit auf 60 bis 90 Minuten.(5)
Stehständer für Rückenlage ähneln den auch in der Akutpflege verwendeten Rückenliegebrettern (Stehbrettern), sind aber anpassungsfähiger. Bei Stehständern für Rückenlage und Rückenliegebrettern werden die Kinder in Rückenlage in die Stehhilfe platziert. Die verstellbaren Gurte werden normalerweise um die Knie, das Becken und die Brust des Kindes gelegt. Anschließend wird der Stehständer oder das Stehbrett in eine fast aufrechte Position gekurbelt.
Diese Art von Stehhilfe ist gut für Kinder mit mangelnder Kopfkontrolle geeignet, da die Schwerkraft und die Unterstützung der oberen Extremitäten die Kopfkontrolle erleichtern können.(4)
Stehständer für Bauchlage und Bauchschrägliegebretter werden für Kinder mit guter Kopfkontrolle und minimaler bis keiner Wirbelsäulendeformität verwendet. Stehständer für Bauchlage ähneln den Stehständern für Rückenlage mit dem Unterschied, dass der anteriore Teil des Körpers von der Stehhilfe gestützt wird und nicht der posteriore Teil. In den meisten Fällen verfügen Stehständer für Bauchlage über eine Schale für die oberen Extremitäten, die eine Gewichtsbelastung durch die Arme ermöglicht. Einige Stehständer für Bauchlage ermöglichen bei Kniebeugekontrakturen eine Gewichtsbelastung durch die Knie.(4)
Bei einem Transfer vom Sitz in den Stand sitzt das Kind zunächst in dem Stehständer. Dies bedeutet, dass ein Transfer durch eine andere Person nicht notwendig ist. Das Kind kann mit Hilfe eines Rutschbretts oder selbstständig auf den Stehständer umsteigen. Sobald sich das Kind im Sitz befindet, werden die Kniestützen angebracht und die Gurte befestigt. Eine Hydraulikpumpe bewegt das Gerät von einer sitzenden in eine stehende Position. Diese Stehständer haben eine geringere Stellfläche als die Stehständer für Rückenlage, Bauchlage und Multipositionierung. Daher sind sie eher für den häuslichen Gebrauch geeignet.(4)
Mobile (dynamische) Stehständer sind aufrechte Stehständer mit einer vorderen Stütze und großen Rädern, mit denen die Stehhilfe fortbewegt wird. Diese Stehständer werden in der Regel eher in Krankenhäusern, ambulanten Kliniken bzw. Praxen und Schulen verwendet als zu Hause. Da der Stehständer bereits in einer aufrechten Position steht, kann der Transfer in dieses Gerät bei einem Kind mit mangelnder motorischer Kontrolle und Kraft schwierig sein.(4)
„Box“-Stehständer werden bei Kindern eingesetzt, die eine gute Kopf- und Rumpfkontrolle haben, aber längere Stehzeiten benötigen, um die Knochendichte zu erhöhen und die Knochen zu stärken. Diese Stehständer ermöglichen eine stärkere Gewichtsverlagerung und ein wenig Bewegung der Füße.(7)
Ein Stehständer mit Multipositionierung kann für Kinder hilfreich sein, die von verschiedenen Positionen beim Stehen profitieren würden und/oder die eine erhebliche Variabilität in ihrer Kopfkontrolle haben. Diese Art von Stehständer kann durch Entfernen der Kopfstützen, Fußstützen und des Tabletttisches verändert werden.(4)
Wie sehen Frequenz und Dauer eines typischen Stehprogramms aus? Einige der aktuellen Forschungsergebnisse wurden von Dana Mather zusammengefasst:(7)
| Bevölkerungsgruppe | Frequenz | Dauer | Ziele |
|---|---|---|---|
| Kinder mit CP Stufe IV, V | 2-3 Mal pro Woche | 45 min | Vorbeugung von Kontrakturen |
| Kinder mit CP Stufe IV, V | 4-5 Mal pro Woche | 45-60 min | Entwicklung des Knochens |
| Pädiatrie | 5 Mal pro Woche | 60-90 min | Hilfe bei der Knochenmineraldichte |
| Pädiatrie | 5 Mal pro Woche | 45-60 min | Verbessertes Bewegungsausmaß in Hüften, Knien und Sprunggelenken |
| Pädiatrie | 5 Mal pro Woche | 30-45 min | Hilfe bei Spastizität |
| Kinder mit CP | täglich | 40-60 min | Geringere Hüftmigration |
| Erwachsene mit Schlaganfall, Rückenmarksverletzungen und anderen neurologischen Erkrankungen | täglich | 60 min | Verbesserung der geistigen Funktion und der Knochenmineraldichte |