Adaptives Sitzen für Kinder

Originale Autorin Robin Tacchetti basierend auf dem Kurs von Dana Mather
Top-Beitragende Robin Tacchetti, Jess Bell und Kim Jackson

Einleitung(edit | edit source)

Kinder mit besonderen körperlichen Bedürfnissen können Schwierigkeiten haben, während des Schultages eine sitzenden Position beizubehalten. Die Anstrengung, die Körperhaltung konstant zu halten, lenkt ihre Aufmerksamkeit vom Lernen ab. Kinder mit leichten motorischen Beeinträchtigungen können übermäßige Bewegungen in und um ihren Sitzbereich herum zeigen. Kinder mit erheblicher motorischer Beeinträchtigung können Schwierigkeiten haben, Teile ihres Körpers zu steuern, was sich auf die Kopf- und Rumpfkontrolle und die Positionierung ihrer Extremitäten auswirken kann.(1)

Eine häufig eingesetzte Maßnahme zur Verbesserung der Kopf- und Rumpfstabilität bei Kindern mit körperlichen Behinderungen ist das adaptive Sitzen.(2)(3) Die Verwendung von adaptiven Sitzmöglichkeiten kann zur Entwicklung der motorischen Fähigkeiten beitragen, die Beweglichkeit der Arme und Hände, die Nahrungsaufnahme, das visuelle Abtasten und Verfolgen erleichtern und den Bedarf an Unterstützung durch Betreuer verringern.(3) Studien haben gezeigt, dass Menschen, die ein adaptives Sitzen verwenden, oft positive Erfahrungen machen, einschließlich einer verbesserten Leistung bei Aktivitäten des täglichen Lebens und sozialer Interaktion.(4)

Verhalten(edit | edit source)

Kinder mit leichten Behinderungen können Probleme mit der Rumpfkraft, dem Sehvermögen, der Ermüdung oder dem Muskeltonus haben. Einige beobachtbare Verhaltensweisen, die darauf hinweisen können, dass eine adaptive Sitzmöglichkeit erforderlich ist, sind:(1)

  • Aus dem Stuhl fallen
  • Häufiges, über ein erlaubtes/akzeptables Maß hinausgehendes Hinsetzen und Aufstehen
  • Häufige Positionswechsel
  • Beine werden um die Stuhlbeine geschlungen
  • Gebeugte Haltung über den Schreibtisch
  • Abstützen auf dem Schreibtisch
  • Kopf auf die Hand/Hände abstützen

** Kinder mit schwerwiegenden Behinderungen haben oft mehr als eine Sitz- oder Positionierungshilfe, wie z. B. einen Stehständer, einen Rollstuhl und/oder einen Rollator/Gehbock.(1)

Positionierung(edit | edit source)

Physiotherapeuten können bei der Empfehlung adaptiver Sitzmöglichkeiten mitwirken, um die funktionelle Positionierung zu erleichtern, die Ausführung manipulativer Fähigkeiten zu verbessern und den Sitzkomfort zu erhöhen.(2) Um die optimale Sitzposition zu bestimmen, ist eine gründliche Haltungsbeurteilung erforderlich, bei der Becken, Rumpf, Kopf und Extremitäten berücksichtigt werden. Die traditionellen ergonomischen Richtlinien empfehlen Folgendes im Bezug auf das Sitzen:

  • Füße stehen auf dem Boden
  • Sprunggelenk in 0 Grad Dorsalextension
  • Knie in 90 Grad Flexion
  • Hüften in 90 Grad Flexion
  • Gesäß weit zurück im Stuhl(1)
  • Beide Arme ruhen bequem auf dem Schreibtisch, ohne dass sich die Schultern heben

** Das Kind sollte für eine angemessene Sitzhaltung innerhalb dieser Parameter auf dem Stuhl positioniert sein.(1)

Assessment(edit | edit source)

Das SATCO (Segmental Assessment of Trunk Control) und das PPAS (Posture and Postural Ability Scale) sind zwei kostenlose Assessments, die für die Auswahl und den Einsatz adaptiver Hilfsmittel verwendet werden.(5)

Mit dem SATCO wird der Grad der Rumpfkontrolle überprüft. Der Prüfer verändert schrittweise den Grad der Rumpfunterstützung, indem er vom vollständig unterstützten Sitzen zum freien Sitzen übergeht. Das Instrument bewertet die Kontrolle proximal vom Kopf bis zur Lendenwirbelsäule und misst die statische Kontrolle, die aktive/antizipatorische Kontrolle und die reaktive Kontrolle. Anhand dieses Assessments kann der Kliniker feststellen, auf welcher Ebene die Probleme mit der Rumpfkontrolle auftreten, und er kann einen Behandlungsansatz „Ebene für Ebene“ wählen.(6) Weitere Informationen über das SATCO finden Sie in diesem Artikel: Refinement, reliability, and validity of the Segmental Assessment of Trunk Control(6)

Die Posture and Postural Ability Scale (PPAS) bewertet die Quantität und Qualität der Körperhaltung in Rückenlage, Bauchlage, im Sitzen und im Stehen. „Quantität“ bezieht sich dabei auf die Fähigkeit einer Person, ihre Körpersegmente im Verhältnis zueinander / zur Unterstützungsfläche zu stabilisieren, während „Qualität“ die Ausrichtung der Körpersegmente bewertet.(7) Mit dieser Skala können demnach Körperhaltung und Haltungsfähigkeit getrennt beurteilt werden. Weitere Informationen über die PPAS finden Sie in diesem Artikel: Psychometric evaluation of the Posture and Postural Ability Scale for children with cerebral palsy(7)

Anpassungen an das Sitzen ( edit | edit source )

Stabilisierungshilfen(edit | edit source)

  1. Rutschfeste Oberflächen: auf der Sitzfläche des Stuhls angebracht, um ein Verrutschen zu verhindern
  2. Theraband: wird zwischen die vorderen Stuhlbeine gespannt und erlaubt dem Schüler, seine Füße zu stabilisieren und zu bewegen, anstatt sie um die Stuhlbeine zu schlingen
  3. Sitzkissen: können glatt oder strukturiert sein und/oder unterschiedlich stark aufgepumpt werden; bieten sensorischen Input(2)
  4. Fußstütze: hebt die Füße des Schülers an, um zu verhindern, dass sie baumeln; eine Holzkiste oder ein Karton können ebenso verwendet werden
  5. Schreibtischanpassungen: Veränderung des Winkels der Schreibfläche; bei niedrigem Tonus, abnormalen Reflexen oder schlechten Greifmustern kann die Greifkraft verbessert werden, wenn das Handgelenk in Dorsalextension positioniert ist (ein auf der Seite liegender Ordner oder ein schräges Brett können helfen, diese Position zu erreichen)
  6. Stuhl mit Armlehnen: hilft bei der seitlichen Abstützung und bietet Abgrenzung
  7. Zusätzliche Stabilisierungshilfen sind: gerolltes Handtuch, Blöcke, Kissen und Nackenrollen – sie alle können die Positionierung unterstützen.(1)

Sensorische Sitzhilfen ( edit | edit source )

  1. Sitzkissen: Balancekissen bzw. sensomotorische Kissen mit rutschfester Oberfläche. Die Luftmenge im Kissen sorgt für unterschiedliche Bewegungsgrade, die dem Kind helfen können, aufmerksam zu bleiben.(1) Außerdem bieten sie einen sensorischen Input.(1)(2)
  2. Änderungen an den Stuhlbeinen: Tennisbälle werden unter gegenüberliegende Stuhlbeine gelegt, um eine sichere Schaukelbewegung zu erzeugen (im Gegensatz zum Kippen des Stuhls auf zwei Beinen).(1)

Alternative Sitzmöglichkeiten ( edit | edit source )

  1. T-Hocker: ein einbeiniger Holzhocker in Form eines „T“. Er kann das Engagement, die Konzentration, das Gleichgewicht und die Wahrnehmungsmotorik fördern.(1)(5)
  2. Sitzsack: gut zum Zuhören und stillen Lesen geeignet. Er ist nützlich für Schüler mit Ermüdungsproblemen,(1) und kann dazu beitragen, die Hyperaktivität bei Kindern mit Autismus zu verringern.(5)
  3. Ballstühle: helfen, die Aufmerksamkeit von Schülern zu erhöhen, die Schwierigkeiten haben, am Unterricht teilzunehmen. Sie können den vestibulären und propriozeptiven Sinn verbessern.(1)(2)

Weitere Sitzmöglichkeiten ( edit | edit source )

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