Frühe Entwicklung des Gehens und anderer lokomotorischer Aufgaben bei Kleinkindern

Originale Autorin Stacy Schiurring basierend auf dem Kurs von Pam Versfeld
Top-Beitragende Jess Bell und Stacy Schiurring

Einführung in das Gehen bei Kleinkindern ( edit | edit source )

Das Kleinkindalter ist eine erstaunliche Zeit der raschen Entwicklung von Fertigkeiten. Das freie Gehen(1) ist einer der wichtigsten und aufregendsten Meilensteine für Kinder und ihre Betreuungspersonen.

Kinder gelten in der Regel als Säuglinge, wenn sie bis zu 12 Monate alt sind, und als Kleinkinder, wenn sie zwischen 13 und 36 Monate alt sind.(2) Eine sorgfältige klinische Untersuchung und die Kenntnis der motorischen Meilensteine sind die gängigsten Methoden, um mögliche motorische Beeinträchtigungen bei Kleinkindern zu erkennen. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass das freie Gehen im Alter von etwa 12 Monaten beginnt. Allerdings deuten Liu et al.(1) darauf hin, dass etwa 10% der sich typisch entwickelnden Kleinkinder erst mit 14,4 Monaten oder später selbstständig laufen können. Darüber hinaus berichtet eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2006, dass das freie Gehen (ohne Unterstützung) auch bereits im Alter von 8 bis 18 Monaten auftreten kann.(3)

Bitte lesen Sie diesen Artikel, wenn Sie mehr über die Entwicklung des Gehens bei Kindern erfahren möchten.

Entwicklung des Gehens bei Kleinkindern ( edit | edit source )

Liu et al. definieren den Gang als „ein Bewegungsmuster der Extremitäten, insbesondere der unteren Extremitäten, auf einem Untergrund, das das primäre Bedürfnis der Fortbewegung erfüllen und dem Körper Antrieb und Unterstützung geben kann.“(1)

Die Entwicklung des Gehens bei Kleinkindern findet in einer Zeit statt, in der sich die Fertigkeiten des Kindes schnell entwickeln und das Kind viele dynamische und anhaltende körperliche und geistige Veränderungen durchläuft. Dazu gehören (1) das schnelle Wachstum und die Entwicklung der neuromuskulären und sensorischen Systeme, (2) die Ossifikation der Knochen und (3) die Bildung der Struktur der Fußgewölbe. Darüber hinaus kann der Gang von Kleinkindern auch durch das Alter, die Körpermaße (einschließlich des Muskel-Fett-Verhältnisses), die Reifung des zentralen Nervensystems (ZNS) und die Haltungsstabilität von Kopf und Rumpf beeinflusst werden.(1)

Entwicklung der Gehfertigkeiten ( edit | edit source )

Kleinkinder müssen erst lernen, frei zu stehen, bevor sie ihre ersten Schritte machen. Oft beginnen sie mit Unterstützung der Hände zu stehen und gehen allmählich dazu über, ohne Hilfe zu stehen.

Die ersten Schritte sind gekennzeichnet durch (1) eine breite Unterstützungsfläche, (2) eine kurze Schrittlänge, (3) hohe Schritte und (4) einen Auftritt mit dem flachen Fuß oder dem Vorfuß, wobei die Arme in einer „high guard“-Position gehalten werden (Schultern in Abduktion und Ellbogen gebeugt).

Mit etwas Übung und Erfahrung wird das Gangbild von Kleinkindern dem reiferen Gangbild von vierjährigen Kindern immer ähnlicher. Diese Änderungen umfassen:

  • Verringerung der Unterstützungsfläche
  • Verkürzung der doppelt unterstützten Standphase während des Gangzyklus
  • Vergrößerung der Schrittlänge und Erhöhung der Kadenz
  • Übergang zum Fersenauftritt im Alter von zwei Jahren
  • Entwicklung des Armschwungs

Antriebskräfte beim Gang des Kleinkindes ( edit | edit source )

  • Die Forschung von Bril et al.(4) untersuchte die anteroposterioren Kräfte, die beim Gehen von Kleinkindern entstehen, und betonte die Notwendigkeit, die Antriebskräfte durch Anpassung des Abstands zwischen dem Massenschwerpunkt (centre of mass, CoM) und dem Druckschwerpunkt (centre of pressure, CoP) zu kontrollieren.
  • Die Gangmuster und Antriebskräfte von Kleinkindern wurden gemessen. Dabei zeigte sich eine schnelle Zunahme des Abstands zwischen CoM und CoP mit zunehmender Geschwindigkeit während der frühen Phasen des Gehens.(4)

Lernen, sich auf verschiedenen Untergründen zu bewegen ( edit | edit source )

Kleinkinder beobachten und gewöhnen sich an das Bewältigen von Stufen und unterschiedlichem Terrain. Dies erfordert Erfahrung und gelegentliche Stürze, da sie lernen, Treppen / Stufen und andere Hindernisse in verschiedenen Höhen zu überwinden.

  • Adolph et al. heben den natürlichen Übungsrhythmus von Kleinkindern hervor, der ein variables und zeitlich verteiltes Üben beinhaltet.(5)
    • Diese Studie zeigt, dass Kleinkinder variabel üben, indem sie kurze Schrittabfolgen machen, gefolgt von Ruhephasen, sowie verschiedene Bewegungen, Oberflächen und Richtungen während der Fortbewegung erkunden.
    • Diese Variabilität beim Üben hilft Kleinkindern, ein perzeptiv-motorisches System zu entwickeln, das mit Veränderungen umgehen kann. So können sie sich anpassen und lernen, in einer sich ständig verändernden Umgebung zu laufen.
    • Zeitlich verteiltes Üben ist effektiver als massiertes Üben, denn die Pausen ermöglichen es, das Gelernte zu festigen, die Ermüdung abzubauen und die Motivation zu erneuern.
    • Variables Üben führt zu größerer Flexibilität und breiterem Transfer als konstantes Üben, da das Ausführen einer Vielzahl von Bewegungen in verschiedenen Kontexten den Lernenden hilft, die relevanten Aspekte der Umgebung zu erkennen, die Aufmerksamkeit erfordern.

Entwicklung grundlegender lokomotorischer Fertigkeiten ( edit | edit source )

Kleinkinder lernen nicht nur, sich auf unterschiedlichem Terrain fortzubewegen, sondern auch eine Reihe grundlegender motorischer Fertigkeiten, die es ihnen ermöglichen, die verschiedenen Hindernisse zu überwinden, denen sie begegnen. Zu diesen Fertigkeiten gehören (1) das Überwinden unterschiedlicher Geländebeschaffenheiten (rutschige Oberflächen oder unebener Boden), (2) das Überwinden von Steigungen, Gefällen und Treppen, (3) das Überwinden von Hindernissen, (4) das Laufen (Rennen),(6) (5) schnelles Anhalten und Richtungswechsel, (6) Springen und (7) Tragen und Manövrieren großer oder schwerer Gegenstände.(7)(8)

Überlegungen zur Rehabilitation bei nicht gehfähigen Kindern ( edit | edit source )

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Die Verwendung von Stehständern und Gehtrainern (Walker) ist für nicht gehfähige Kinder mit Zerebralparese (CP) von Vorteil, da sie ihnen Möglichkeiten zum Stehen bieten und die Mobilität fördern.(9)

  • Es wird empfohlen, bereits ab einem Alter von 9 bis 12 Monaten bei Kindern mit höheren GMFCS-Werten (Gross Motor Function Classification System) mit dem unterstützten Stehen mithilfe von Stehständern zu beginnen, um die Funktion zu verbessern und sedentäres Verhalten zu reduzieren.
  • Gehtrainer (Walker) fördern die aktive Bewegung, die emotionale Entwicklung und die Kommunikation. Es sind jedoch angemessene Stütz- und Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Zu den Kontraindikationen gehören Schmerzen und eine Flexionsantwort der Extremität bei der Gewichtsübernahme.(10)

Einfluss von Muskelhypotonie und Gelenkhypermobilität ( edit | edit source )

Muskelhypotonie und Gelenkhypermobilität, die bei motorischen Entwicklungsstörungen häufig vorkommen, können die Stabilität des Sprunggelenks und den Stand beeinträchtigen. Die Beurteilung der tibialen Torsion ist entscheidend für das Verständnis der Ausrichtung der unteren Extremität.(11)

  • Die Verwendung von Orthesen, wie z.B. supramalleolären Orthesen (SMOS), wird zur Stabilisation der Fußstellung empfohlen, aber ein Gleichgewicht zwischen der Verwendung von Orthesen und des barfüßigen Erkundens für die sensorische Erfahrung ist entscheidend. Es gibt Evidenz für die Wirksamkeit von Orthesen zur Verbesserung der Funktion, Stabilität und Unabhängigkeit bei Kindern mit Hypotonie und Gelenkhypermobilität.(12)(13)

Fazit(edit | edit source)

Die Entwicklung des Gehens bei Kleinkindern umfasst eine Entwicklung vom freien Stehen zum Gehen, die Anpassung an verschiedene Untergründe und das kontinuierliche Erlernen und Anpassen der Bewegungsfertigkeiten durch variables Üben und Erkunden. Studien betonen die Bedeutung natürlicher, variabler Übungsrythmen, die es Kleinkindern ermöglichen, adaptive Fortbewegungsverhalten zu erlernen und ein perzeptiv-motorisches System zu entwickeln, das in der Lage ist, auf sich verändernde Umgebungen zu reagieren.

Hilfsmittel wie Stehständer, Gehtrainer und Orthesen spielen eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Mobilität, der Stabilität und der allgemeinen Lebensqualität von Kindern mit motorischen Entwicklungsstörungen. Sorgfältige Befunderhebung und individuelle Behandlungsplanung sind entscheidend, um auf die spezifischen Bedürfnisse eines Kindes einzugehen.

Zusätzliche Ressourcen ( edit | edit source )

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 1.2 1.3 Liu W, Mei Q, Yu P, Gao Z, Hu Q, Fekete G, et al. Biomechanical Characteristics of the Typically Developing Toddler Gait: A Narrative Review. Children (Basel, Switzerland). 2022;9(3):406.
  2. Islam, G.M.R. Association of socioeconomic status with childhood anemia among infant, toddler, and preschool children in bangladesh. Value Health Reg. Issues 2020;21:141-8.
  3. Martorell R. de Onis M. Martines J. Black M. Onyango A. Dewey K. WHO Motor Development Study: Windows of achievement for six gross motor development milestones WHO MULTICENTRE GROWTH REFERENCE STUDY GROUP1,2 1. Acta Pediatrica. 2006. Suppl 450:86-95.
  4. 4.0 4.1 Bril B, Dupuy L, Dietrich G, Corbetta D. Learning to tune the antero-posterior propulsive forces during walking: a necessary skill for mastering upright locomotion in toddlers. Experimental Brain Research. 2015 Oct;233:2903-12.
  5. Adolph KE, Cole WG, Komati M, Garciaguirre JS, Badaly D, Lingeman JM, Chan GL, Sotsky RB. How do you learn to walk? Thousands of steps and dozens of falls per day. Psychological science. 2012 Nov;23(11):1387-94.
  6. Bach MM, Zandvoort CS, Cappellini G, Ivanenko Y, Lacquaniti F, Daffertshofer A, Dominici N. Development of running is not related to time since onset of independent walking, a longitudinal case study. Frontiers in Human Neuroscience. 2023 Feb 16;17:1101432.
  7. Cole WG, Adolph KE. Learning to move in a changing body in a changing world. Integrative and Comparative Biology. 2023 Sep;63(3):653-63.
  8. Elodie H, Barbu-Roth M, Manh-Cuong D, Bastien B, Caroline T. Generating variability from motor primitives during infant locomotor development. eLife. 2023;12.
  9. McLean LJ, Paleg GS, Livingstone RW. Supported‐standing interventions for children and young adults with non‐ambulant cerebral palsy: A scoping review. Developmental Medicine & Child Neurology. 2023 Jun;65(6):754-72.
  10. Livingstone RW, Paleg GS. Use of overground supported-stepping devices for non-ambulant children, adolescents, and adults with cerebral palsy: A scoping review. Disabilities. 2023 Mar 28;3(2):165-95.
  11. Van Aswegen M, Czyż SH, Moss SJ. The Profile and Development of the Lower limb in Setswana-speaking children between the ages of 2 and 9 years. International Journal of Environmental Research and Public Health. 2020 May;17(9):3245.
  12. Weber A, Martin K. Efficacy of orthoses for children with hypotonia: a systematic review. Pediatric Physical Therapy. 2014 Apr 1;26(1):38-47.
  13. Paleg G, Romness M, Livingstone R. Interventions to improve sensory and motor outcomes for young children with central hypotonia: A systematic review. Journal of pediatric rehabilitation medicine. 2018 Jan 1;11(1):57-70.


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