Unsere Haut, die Teil des integumentären Systems ist, ist das größte Organ des menschlichen Körpers. Dennoch wird die Rolle, die sie für die allgemeine Gesundheit spielt, oft übersehen und unterschätzt.(1) Viele Menschen denken nur an die Rolle, die die Haut für unser Aussehen spielt und wie wir von der Gesellschaft wahrgenommen werden. Der Gesichtsausdruck ist eine wichtige Form der nonverbalen Kommunikation und kann einen starken sozialen Einfluss haben.(2) Unsere Haut ist zwar ein wichtiger Teil unserer äußeren Erscheinung, aber sie leistet einen größeren Beitrag zum menschlichen Leben und Wohlbefinden als nur die Ästhetik.(1) Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Anatomie und Physiologie der Haut, die Reaktion der Haut auf Verletzungen, die normale Gewebeheilung, die Phasen der akuten Wundheilung und die veränderte Heilung bei chronischen Wunden. Die Wundheilung ist komplex und erfordert die Koordination vieler komplizierter Prozesse. Es gibt viele Faktoren, die die Wundheilung sowohl positiv als auch negativ beeinflussen können.
Die Haut erfüllt zahlreiche lebenswichtige Funktionen und ist wichtig für die allgemeine Gesundheit. (1) Die Gesundheit und das Aussehen der Haut können ein Indikator für den allgemeinen Gesundheitszustand sein, und ein Versagen der Hautintegrität geht oft mit dem Versagen anderer Organsysteme im Körper einher. (3)Acht Schlüsselfunktionen der Haut(1):
Der pH-Wert der Haut ist bei Menschen mit dunklerer Haut tendenziell niedriger, weil die Melanin-Nebenprodukte sauer sind. Der pH-Wert der Haut neigt auch dazu, mit zunehmendem Alter leicht anzusteigen, was zu einem erhöhten Infektionsrisiko beitragen und unsere Heilungsfähigkeit beeinträchtigen kann.(1) Spezifische Immunzellen und Proteine in der Dermis aktivieren die Immunreaktion und greifen eindringende Mikroben an. Zu diesen Zellen gehören: Langerhans-Zellen, Gedächtnis-T-Zellen und lymphoide Zellen.(4) Die Oberfläche unserer Haut beherbergt Millionen von Bakterien, Pilzen und Viren, aus denen sich das Mikrobiom der Haut zusammensetzt, und dient als physische Barriere, um das Eindringen von Krankheitserregern zu verhindern. Wie in unserem Darm spielt das Hautmikrobiom eine wesentliche Rolle beim Schutz vor eindringenden Krankheitserregern, der Ausbildung des Immunsystems,(7) und trägt zum pH-Wert des Säureschutzmantels bei.(1)
Thermoregulation: Als Säugetier kann der Mensch seine Körperkerntemperatur durch thermoregulatorische Reaktionen stabil halten. Indem die Durchblutung der Haut durch Gefäßerweiterung erhöht wird, wird die Körpertemperatur durch Verdunstungskühlung von feuchten/schwitzigen Oberflächen gesenkt, um Körperwärme abzugeben.(1)(8) Wenn jedoch das durch Verdunstungskälte verlorene Wasser nicht ersetzt wird, gerät die Flüssigkeitshomöostase des Körpers in Gefahr.(8)
Das folgende optionale Video gibt einen Überblick über die Aufgaben und Funktionen der Haut.
Es ist wichtig, die Schichten unserer Haut zu verstehen, damit wir begreifen, dass die Heilung je nach Tiefe unterschiedlich verläuft. Die Haut (Cutis) besteht aus zwei Hauptschichten, der Epidermis (Oberhaut) und der Dermis (Corium, Lederhaut). In einigen Quellen wird die Hypodermis (Subkutis, Subkutanschicht, Unterhaut) als eine Fortsetzung der Haut angesehen, in anderen nicht.(1)
Besteht aus fünf Schichten
Fünf Schichten der Epidermis (von der oberflächlichsten bis zur tiefsten Schicht):
Zwei Schichten der Dermis (von der oberflächlichsten bis zur tiefsten Schicht):
Verzahnt sich mit der Epidermis
„Eine Wunde ist eine Verletzung, bei der die Haut oder anderes Körpergewebe verletzt wird. Wunden können offen sein, mit gebrochener Haut und freiliegendem Körpergewebe, oder geschlossen, wenn das Gewebe unter der intakten Haut beschädigt ist.“(18)
Bei Verletzungen der Haut können Wunden und Gewebeverluste nach ihrer Tiefe und den betroffenen Geweben eingeteilt werden. Kategorisierung der Wunden nach Wundtiefe:(1)
| Art des Gewebeverlustes | Blutung | Beispiele | Heilungsprozess | Klinische Präsentation | |
|---|---|---|---|---|---|
| Erosion | Nur Verlust der oberflächlichen Epidermis, kein Verlust der Dermis | Unwahrscheinlich |
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Lokaler Entzündungsprozess und Epidermisersatz durch Wanderung von Keratinozyten nach außen |
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| Partielle Verdickung | Verlust der Epidermis und eines Teils der Dermis | Ja |
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Reepithelisierung als Ergebnis der Migration von Epithelzellen von den Wundrändern zum Zentrum der Wunde |
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| Vollständige Verdickung | Verlust sowohl der Epidermis als auch der Dermis mit Ausdehnung in das subkutane Gewebe | Ja |
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Über Sekundärheilung (Definition siehe unten) |
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Ein klares Verständnis des normalen oder erwarteten Heilungsprozesses ist wichtig, um zu erkennen, wann eine Wunde nicht richtig heilt. Der Prozess der Gewebereparatur ist ungeheuer komplex und umfasst viele Körpersysteme und komplexe Mechanismen.
Es gibt vier grundlegende Mechanismen, durch die Heilung stattfindet:(1)
- Kontinuierliche Zellzyklen
- Die normale, intakte Haut wird durch die Produktion von Keratinozyten im Stratum basale ersetzt, gefolgt von einer Aufwärtswanderung durch die Schichten der Epidermis.
- Zellproliferation
- Gesunde Zellen unterziehen sich der Mitose, um Schäden zu reparieren. Das neue Gewebe, das durch diesen Prozess entsteht, wird Granulationsgewebe genannt.
- Das ersetzte Gewebe kann in seiner Struktur und Funktion nicht nachgebildet werden. Das neue Gewebe ist aber dem ursprünglichen ähnlich.
- Führt zu Narbenbildung.
- Regeneration
- Diese Art der Heilung kann nur von wenigen Gewebearten im menschlichen Körper durchlaufen werden, darunter die Leber, die Niere, der Magen-Darm-Trakt und die Epidermis. Kein anderer Gewebetyp kann auf diese Weise heilen.
- Diese Art der Heilung beinhaltet eine vollständige Wiederherstellung von originaler Struktur und Funktion.
- Fibroproliferative Heilung
- Dies ist eine Form der pathologischen Heilung, bei der verlorenes Gewebe durch eine fibrotische Narbe ersetzt wird.
- Tritt bei tiefen Wunden, anhaltenden Entzündungen und fibroproliferativen Erkrankungen auf.
Das folgende optionale Video zeigt einen Zeitraffer der Wundheilung. Es ist dabei erkennbar, wie die Gewebeheilung verschiedene Stadien durchläuft.
(19) Je länger eine Wunde offen ist, desto größer wird die verbleibende Narbe sein. Ein wichtiger Fokus der Wundversorgung sollte sein, die Heilungszeit bestmöglich zu verkürzen und dem Patienten realistische Erwartungen zu vermitteln.
Vier Kategorien von Heilung/Schließung:(1)
- Primäre Wundheilung
- Chirurgische Wunden, die durch eine Inzision entstanden sind.
- Das Gewebe ist frei von Verunreinigungen und es besteht nur ein minimaler Gewebeverlust.
- Diese Wunden werden mit Hilfe äußerer Kräfte durch Nähte, Klammern, Klebestreifen oder Kleber verschlossen.
- Der wichtigste Heilungsmechanismus ist die Regeneration der Epidermis. Die Narbenbildung sollte minimal sein.
- Es sollte keine Komplikationen geben. Die Wundheilung und der Wundverschluss erfolgen in etwa zwei Wochen.
- Verzögerte primäre Wundheilung
- Chirurgische Wunden, die durch eine Inzision entstanden sind. Die Wunde wurde jedoch offen gelassen (die Wundränder wurden nicht angenähert), da der Verdacht auf eine Kontamination, eine aktive Infektion oder einen erheblichen Gewebeverlust besteht – Faktoren, die zu einer Wiedereröffnung der Wunde (Dehiszenz) führen könnten.
- Die Wunde kann mit Nähten, Klammern, Transplantaten oder Hautlappen verschlossen werden, nachdem die weitere Heilung, die Ödembehandlung, die Infektionskontrolle/Antibiotika oder das Débridement erfolgt ist.
- Wenn der Verschluss verzögert wird oder eine chronische Entzündung auftritt, besteht die Gefahr einer erheblichen Narbenbildung.
- Sekundäre Wundheilung
- Dies ist der Prozess, um den sich der Großteil der Praxis der Wundversorgung dreht.
- Die Wunden reichen dabei bis in das subdermale Gewebe und heilen durch die Entzündungsreaktion des Körpers, die Bildung von neuem Granulationsgewebe, das den leeren Raum ausfüllt, und den anschließenden Verschluss durch Reepithelisierung (Einwanderung neuer Hautzellen über die Wundoberfläche).
- Die Ränder der Wunde werden durch die Kontraktion der Myofibroblasten angenähert.
- Es dauert in der Regel Wochen bis Monate, bis sich die Wunden schließen, je nach Größe und anderen Faktoren, die den Prozess erschweren können.
- Epitheliale Wundheilung (Regenerative Wundheilung)
- Diese Wunden werden oft nicht mit einer qualifizierten Wundversorgung behandelt.
- Die subdermalen Schichten sind nicht betroffen, so dass eine Wundkontraktion zur Annäherung der Wundränder nicht erforderlich ist.
- Minimales bis kein Granulationsgewebe, minimale bis keine Narbenbildung.
- Die Dauer bis zum Wundverschluss hängt von der Tiefe ab, beträgt aber zwischen einer und zwei Wochen.
Der Körper durchläuft bei jeder Wunde vier Phasen der Gewebeheilung, unabhängig von ihrer Tiefe und Schwere. Diese Phasen folgen nicht hintereinander, sondern können sich überschneiden. Eine akute Wunde schließt sich in der Regel nach etwa 21 Tagen, aber der gesamte Heilungsprozess kann bis zu zwei Jahre dauern. Eine Wunde gilt als chronisch, wenn die Heilung gestört ist und die Wunde nach vier Wochen noch offen ist.
Vier Phasen der Heilung:(1)
- Hämostase oder Gerinnselbildung
- Die Blutgefäße reagieren auf Verletzungen sofort mit einer Vasokonstriktion, um Blutverlust und weitere Gewebeschäden zu verhindern.
- Thrombozyten (Blutplättchen) und Fibrin gelangen an die Stelle und bilden ein Gerinnsel, das eine vorübergehende Barriere gegen die äußere Umgebung bildet. Nach dem Trocknen bilden diese Gerinnsel einen Schorf. Der Schorf ist der vorübergehende Wundverband des Körpers, der den Blutverlust verhindert und Schutz vor der Außenwelt bietet, während darunter die Gewebereparatur und Heilung stattfinden.
- Dieser Prozess beginnt innerhalb von Sekunden und dauert in den ersten 12 Stunden nach der Verletzung an.
- Entzündungsphase
- In dieser Phase werden alle in den Körper eingedrungenen Krankheitserreger abgetötet, Zelltrümmer und nekrotisches Gewebe entfernt und das Wachstum neuer Blutgefäße angeregt.
- Neutrophile, Mastzellen und Makrophagen spielen in dieser Phase eine große Rolle.
- Die Entzündungsphase tritt in den ersten 24 Stunden nach der Verletzung auf und dauert in der Regel etwa eine Woche. Klinisch macht sie sich durch Rötung, Schwellung, Überwärmung und Schmerzen bemerkbar. Dieser Prozess ist für die akute Wundheilung unerlässlich, kann aber problematisch werden, wenn er zu lange anhält.
- Proliferationsphase
- Diese Phase der Reparatur ist gekennzeichnet durch die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese), das Wachstum von Bindegewebe (Fibroplasie), die Bildung neuer Hautzellen (Epithelisierung) und die fortgesetzte Beseitigung verbleibender Ablagerungen.
- Neutrophile, Mastzellen und Makrophagen sind in dieser Phase noch vorhanden. Die vorherrschenden Typen sind jedoch Fibroblasten und Endothelzellen, die für das Wachstum von Granulationsgewebe und Kapillaren verantwortlich sind. Fibroblasten produzieren zunächst Kollagen Typ III, das tendenziell schwächer und ungeordneter ist als Kollagen Typ I. Das neue Gewebewachstum ist schwächer als das ursprüngliche Gewebe und anfälliger für Verletzungen durch äußere Einflüsse.
- Granulationsgewebe ist hellrotes, wulstiges, vaskuläres Gewebe, das die Wundhöhle ausfüllt. Es setzt sich aus Kollagen, Elastin und Blutgefäßen zusammen.
- Innerhalb weniger Stunden nach der Verletzung beginnt die Reepithelisierung mit einer Aufwärtswanderung der vorhandenen Keratinozyten. Innerhalb weniger Tage setzt sich der Prozess mit der Zellvermehrung durch Mitose fort.
- Die Zeit, die eine Wunde benötigt, um als geschlossen zu gelten, hängt von der Größe des Umfangs und der Tiefe ab. Wenn die Epithelisierung der Wunde länger als drei bis vier Wochen dauert, bleibt eine sichtbare Narbe zurück.
- Die proliferative Phase beginnt vier bis sechs Tage nach der Verletzung und kann zwischen drei Wochen und zwei Monaten dauern. Die Wunde kann verschlossen erscheinen, sobald sie epithelisiert ist, aber sie gilt erst dann als geheilt, wenn die nächste Phase abgeschlossen ist.
- Remodellierungsphase
- In dieser Phase zieht sich die Wunde zusammen, das Granulationsgewebe wird zur Narbe umgewandelt, die Durchblutung kehrt auf das Niveau vor der Verletzung zurück, und die Zugfestigkeit der Wunde nimmt zu.
- Myofibroblasten sind für die Wundkontraktion verantwortlich.
- Fibroblasten, Myofibroblasten, Endothelzellen und Makrophagen sind die vorherrschenden Zellen, deren Anzahl im Verlauf dieser Phase langsam abnimmt.
- Kollagen Typ III wird langsam durch Kollagen Typ I ersetzt, das eine höhere Zugfestigkeit aufweist.
- Die Remodellierungsphase beginnt etwa zwei Wochen nach der Verletzung und dauert bis zu zwei Jahre. Die Wunde kann geheilt erscheinen, bevor dieser Prozess abgeschlossen ist.
- Etwa sechs Wochen nach der Verletzung hat die Wunde etwa die Hälfte ihrer endgültigen Zugfestigkeit. Nach Abschluss der Remodellierungsphase wird der verletzte Bereich etwa 80 % seiner ursprünglichen Zugfestigkeit aufweisen. Diese Fristen sollten bei der Behandlung von Patienten mit chronischen oder wiederkehrenden Wunden berücksichtigt werden.
Chronische Wunden sind solche, die diesem normalen Heilungsprozess nicht folgen. Aufgrund einer Unterbrechung des Heilungsprozesses sind die Wunden in drei Wochen nicht verschlossen oder machen keine nennenswerten Fortschritte in Richtung Heilung. Dies sind die Wunden, die in der Wundpflegepraxis am häufigsten behandelt werden.(1) Das Hautmikrobiom chronischer Wunden ist oft stärker durch das schädliche Mikrobiom geprägt als durch das nützliche. Diese Mikroben können das Immunsystem dazu veranlassen, die für die Heilung erforderlichen Zellen des Körpers anzugreifen, anstatt die Eindringlinge zu bekämpfen. Chronische Wunden können in einer oder mehreren Phasen stehen bleiben, die über Monate oder Jahre andauern; die Entzündungsphase ist die häufigste Phase, in der eine chronische Wunde stehen bleibt. Chronische Wunden durchlaufen in der Regel Stadien der Heilung, der Stagnation, der Rückbildung und des Wiederauftretens.(1)
Chronische Wunden weisen typischerweise eines oder mehrere der folgenden Merkmale auf:(1)
- Multifaktorielle Ätiologie
- Fortgeschrittenes Alter oder Adipositas
- Vorgeschichte von Wunden, Verletzungen oder Operationen, insbesondere im selben Bereich
- Mehrere Komorbiditäten, insbesondere Gefäßerkrankungen, Diabetes oder Autoimmunerkrankungen
- Schlechte Gewebedurchblutung oder Sauerstoffversorgung
- Längeres Stehen oder Positionierung der Extremität nach unten
- Mechanische Kräfte, Drücke oder wiederkehrende Traumata
- Medikamente, die die Wundheilung beeinträchtigen können
- Unzureichende oder unangemessene Pflege
- Mangelernährung
- Aktive Infektion, Vorhandensein eines bakteriellen Biofilms oder Veränderungen im Mikrobiom der Haut
Die fünf häufigsten Arten von chronischen Wunden:(1)
- Wunden durch venöse Insuffizienz: die häufigsten
- Neuropathische Wunden (im Zusammenhang mit diabetischer Neuropathie)
- Dekubitus (Druckulkus, Wundliegen)
- Arterielle Ulzera
- Nicht heilende Operationswunden
Grundlagen der Wundversorgung:
Themen der Anatomie und Physiologie der Haut:
Themen der Wundheilung:
Themen Ernährung und Mikrobiom: