Anatomie, Physiologie und Heilung der Haut

Originale Autorin Stacy Schiurring basierend auf dem Kurs von Dana Palmer

Top-Beitragende Stacy Schiurring, Jess Bell, Kim Jackson und Lucinda hampton

Einleitung(edit | edit source)

Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers und gehört zum Integumentsystem. Allerdings wird die Rolle, die sie für die allgemeine Gesundheit spielt, oft übersehen und unterschätzt.(1) Viele Menschen denken nur daran, welche Rolle die Haut für unser Aussehen und unsere Wahrnehmung in der Gesellschaft spielt. Die Mimik ist eine wichtige Form der nonverbalen Kommunikation und kann einen starken sozialen Einfluss haben.(2) Unsere Haut ist zwar ein wichtiger Teil unseres äußeren Erscheinungsbildes, doch leistet sie einen größeren Beitrag zum menschlichen Leben und Wohlbefinden als nur zur Ästhetik.(1)

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Anatomie und Physiologie der Haut, die Reaktion der Haut auf Verletzungen, die normale Gewebeheilung, die Phasen der akuten Wundheilung und die veränderte Heilung bei chronischen Wunden.

Die Wundheilung ist komplex und erfordert die Koordination vieler komplizierter Prozesse. Es gibt viele Faktoren, die die Wundheilung sowohl positiv als auch negativ beeinflussen können.

Funktion der Haut ( edit | edit source )

Die Haut erfüllt zahlreiche lebenswichtige Funktionen und ist wichtig für die allgemeine Gesundheit.(1) Die Gesundheit und das Aussehen der Haut können ein Indikator für den allgemeinen Gesundheitszustand sein, und eine Störung der Hautintegrität geht häufig mit Störungen anderer Organsysteme im Körper einher.(3)

Acht wesentliche Funktionen der Haut:(1)

  1. Schutz: Die Haut stellt eine physische Barriere gegenüber der äußeren Umwelt dar und bietet den inneren Organen Schutz vor externen Bedrohungen(1)(4)(5)
  2. Immunfunktion: Unsere Haut enthält einen schützenden Hydrolipidfilm, den sogenannten Säureschutzmantel. Diese saure Schicht hat einen pH-Wert zwischen 4,2 und 6,0, der ein feindliches Umfeld für schädliche eindringende Organismen schafft und gleichzeitig ein günstiges Umfeld für nützliche Mikroben aufrechterhält.(1) Die saure Beschaffenheit der Haut ist eine Grundvoraussetzung für eine gesunde Haut. Der pH-Wert der Haut kann die Synthese und Aufrechterhaltung einer kompetenten Hautbarriere beeinflussen, eine Rolle bei der Pigmentierung der Haut spielen und die Ionenhomöostase beeinflussen.(6)

    Der Säureschutzmantel der Haut

    Der pH-Wert der Haut ist bei Menschen mit dunklerer Haut tendenziell niedriger, weil die Melanin-Nebenprodukte sauer sind. Der pH-Wert der Haut neigt auch dazu, mit zunehmendem Alter leicht anzusteigen, was zu einem erhöhten Infektionsrisiko beitragen und unsere Heilungsfähigkeit beeinträchtigen kann.(1)

    Spezifische Immunzellen und Proteine, die in der Dermis enthalten sind, aktivieren die Immunantwort und greifen eindringende Mikroben an. Zu diesen Zellen gehören: Langerhans-Zellen, T-Gedächtniszellen und lymphoide Zellen.(4)

    Die Oberfläche unserer Haut beherbergt Millionen von Bakterien, Pilzen und Viren, aus denen sich das Hautmikrobiom zusammensetzt, und dient als physische Barriere, die das Eindringen von Krankheitserregern verhindert. Wie in unserem Darm spielt auch das Mikrobiom der Haut eine wesentliche Rolle beim Schutz vor eindringenden Krankheitserregern und beim „Lernen“ des Immunsystems(7) sowie bei der Aufrechterhaltung des pH-Werts des Säureschutzmantels.(1)

  3. Thermoregulation und Körperhomöostase

    Thermoregulation: Als Säugetier kann der Mensch seine Körperkerntemperatur durch thermoregulatorische Reaktionen stabil halten. Indem die Durchblutung der Haut durch Gefäßerweiterung erhöht wird, wird die Körpertemperatur durch Verdunstungskühlung von feuchten/schwitzigen Oberflächen gesenkt, um Körperwärme abzugeben.(1)(8) Wird jedoch das durch die Verdunstungskühlung verlorene Wasser nicht ersetzt, wird die Flüssigkeitshomöostase des Körpers bedroht.(8)

  4. Verhinderung von Flüssigkeitsverlust: Zusätzlich zu der physischen Barriere, die die Haut bildet, enthält sie auch Lipide, Proteine, Aminosäuren und Salze, die die interne Homöostase des Körpers aufrechterhalten, indem sie Wasser anziehen und festhalten. Aufgrund dieses Mechanismus besteht die äußere Schicht unserer Haut unter normalen Umständen zu etwa 30 % aus Wasser.(1)
  5. Synthese von Vitamin D: Vitamin D ist ein anerkanntes Pro-Hormon, das auch als Calciferol bekannt ist. Es gibt zwei Hauptformen von Vitamin D: D2, das vom Menschen hergestellt und in Lebensmitteln (wie Milch, Käse, Joghurt, Getreide und Säften) angereichert wird, und D3, das von der Haut und durch den Verzehr tierischer Lebensmittel (fetter Fisch, Fischleberöl und Eigelb) synthetisiert wird.(9) Vitamin D kann zwar über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden, aber die Haut und die Sonneneinstrahlung sind die Hauptquelle für Vitamin D im Körper.(1) Vitamin D ist für die Kalzium- und Phosphataufnahme, die Knochenbildung, die Nierenfunktion und unsere Immunfunktion unerlässlich.(1)(9)

    Die Sinnesorgane der Haut befinden sich in allen Schichten der Haut.

  6. Schutz vor ultravioletter Strahlung:(10) Ultraviolette Strahlung (UVS) kann DNA-Photoschäden, Sonnenbrand und sowohl lokale als auch systemische immunosuppressive Eigenschaften verursachen.(11) Melanin und Karotin verleihen der Haut ihre Farbe und dienen der Reflexion von UV-Strahlung als Schutzmechanismus gegen Strahlenschäden.(1) Melanin hat auch antioxidative und radikalfangende Eigenschaften.(11) Melanin wird von Melanozyten als Reaktion auf eine erhöhte Sonneneinstrahlung produziert, weshalb Bevölkerungsgruppen, die sich in Gebieten mit hoher Sonneneinstrahlung entwickelt haben, zu dunklerer Haut neigen.(1)
  7. Interaktion mit der Umwelt: Unsere Haut sammelt sensorische Informationen durch freie Nervenenden, Haare, Rezeptoren für Berührung, Temperatur und Schmerz. Darüber hinaus werden durch physiologische Vorgänge wie Schwitzen oder Erröten Informationen über unseren inneren Zustand an die Außenwelt weitergegeben.(1)
  8. Heilung: Wiederherstellung des Gewebes als Reaktion auf eine Verletzung.(1)

Das folgende optionale Video gibt einen Überblick über die Aufgaben und Funktionen der Haut.

(12)

Anatomie und Physiologie der Haut ( edit | edit source )

Es ist wichtig, die Schichten unserer Haut zu verstehen, damit wir begreifen, dass die Heilung je nach Tiefe unterschiedlich verläuft. Die Haut (Cutis) besteht aus zwei Hauptschichten, der Epidermis (Oberhaut) und der Dermis (Corium, Lederhaut). In einigen Quellen wird die Hypodermis (Subkutis, Subkutanschicht, Unterhaut) als eine Fortsetzung der Haut angesehen, in anderen nicht.(1)

Die Epidermis (Oberhaut) ( edit | edit source )

  • Epidermis.jpeg

    Besteht aus fünf Schichten

  • Ist avaskulär
  • Ihre Dicke variiert je nach Körperregion. Zum Beispiel ist sie an den Fersen am dicksten und an den Augenlidern am dünnsten. An Stellen, die durch Reibung oder Belastung stärker beansprucht werden, können sich dickere Hautschichten bilden (z. B. dort, wo ein Bleistift über den Schreibfinger oder ein Schuh über den Fuß reibt).
  • Sie hat keine Nerven, aber freie Nervenenden aus der Dermis reichen bis in die mittleren Schichten der Epidermis.

Fünf Schichten der Epidermis (von der oberflächlichsten bis zur tiefsten Schicht):

  1. Stratum corneum (Hornschicht)
    • Sie besteht aus 15 bis 30 Schichten von abgestorbenen, nun vollständig verhornten Keratinozyten (Plattenepithelzellen). Diese werden Korneozyten genannt. Sie enthalten eine hohe Konzentration an Keratin, das eine wasserdichte Barriere für Haut, Haare und Nägel bildet.
    • Diese Schicht wird ständig vom Körper abgestreift. Abgelöste Zellen werden durch den Prozess der Wanderung (Migration) der Zellen aus dem Stratum basale ersetzt. Dieser Prozess dauert durchschnittlich 30 Tage, kann aber je nach Alter und Gesundheitszustand variieren.(1)
  2. Stratum lucidum (Glanzschicht)
    • Enthält zwei bis drei Schichten von abgestorbenen Keratinozyten. Sie ist avital und kann unbemerkt durchdrungen oder abrasiert werden.
    • Man findet sie nur an Stellen mit dicker Haut, wie den Handflächen und Fußsohlen. In Schwielen vorhanden.(1)
  3. Stratum granulosum (Körnerschicht)
    • Diese Schicht enthält die größte Konzentration an freien Nervenenden, die aus der Dermis in die Epidermis hineinragen. Freie Nervenendigungen sind unverkapselte Dendriten, die von einer sensorischen Nervenzelle (Neuron) ausgehen. Sie sind die am häufigsten vorkommenden Nervenenden in der Haut und liefern sensorische Informationen über nozizeptive Reize, Wärme und Kälte sowie leichte Berührungen. Sie reagieren jedoch weniger empfindlich auf abrupte Änderungen des Reizes.(13)
    • Dies ist die oberflächlichste Schicht der Epidermis, die lebende Zellen enthält.(1)
  4. Stratum spinosum (Stachelzellschicht)
    • Enthält Langerhans-Zellen und Lymphozyten, die eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen.(1)
  5. Stratum basale (Basalschicht)
    • Die einzige Schicht, die eine ständige Mitose durchläuft, um neue Zellen zu produzieren.(1)
    • Im Stratum basale werden ständig Keratinozyten gebildet, die sich durch die Schichten nach oben bewegen, bis sie die äußerste Schicht erreichen.(1) Keratinozyten sind der vorherrschende Zelltyp in der Haut. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Wundheilung, da sie strukturelle Zellen sind und wichtige Immunfunktionen erfüllen.(14)
    • Im Stratum basale werden ebenfalls Melanozyten gebildet. Sie produzieren Melanin, das für die Farbe der Haut verantwortlich ist. Menschen haben ungefähr die gleiche Anzahl von Melanozyten. Die Hautfarbe hängt also von der Menge an Melanin ab, die diese Melanozyten als Reaktion auf ihre Umgebung produzieren.(1)
    • In dieser Schicht befinden sich auch Merkel-Zellen, die sowohl neurale als auch endokrine Aufgaben übernehmen können. Sie können lokal produzierte Hormone und Neurotransmitter synthetisieren und speichern. Sie haben eine Funktion als Mechanorezeptoren(1) für die Wahrnehmung von Licht und selektivem Tastsinn, nicht aber für harte Berührungen und Vibrationen; sie sind auch an der Übertragung von nozizeptiven Signalen beteiligt.(15)

Die Dermis (Corium, Lederhaut) ( edit | edit source )

  • Liegt unterhalb der Epidermis
  • Enthält Blutgefäße und Nerven, die die Epidermis über Kapillarschlingen und freie Nervenenden versorgen
  • Besteht aus zwei Schichten(1)

Zwei Schichten der Dermis (von der oberflächlichsten bis zur tiefsten Schicht):

  1. Stratum papillare (Zapfenschicht)
    • Layers of human skin.jpeg

      Verzahnt sich mit der Epidermis

    • Die Erhöhungen (Papillen) dieser Schicht sind die Grundlage für unsere einzigartigen Fingerabdrücke.
    • Enthält Fibroblasten, die für die Produktion von Kollagen, Elastin und Proteinen verantwortlich sind. Diese Eigenschaften verleihen der Haut Festigkeit und Flexibilität.
    • Enthält Mastzellen, die Heparin und Histamin produzieren, wichtige Faktoren für die Bildung von Blutgerinnseln und für die Entzündungsreaktion.
    • Enthält Makrophagen, die eine wichtige Rolle bei der Immunantwort, der Wundheilung, der Krebsabwehr, dem Salzhaushalt und der Haarregeneration spielen. Sie sind dafür bekannt, fremde Eindringlinge durch Phagozytose zu zerstören(1) (der Prozess, bei dem ein Phagozyt, eine Art weißer Blutkörperchen, fremde Zellen verschlingt und verdaut und tote Zellen entfernt).(1)(16)
    • Enthält Leukozyten(1) die für die Entzündungsreaktion nach einer Verletzung der Haut entscheidend sind. Leukozyten sind für die Bekämpfung von Infektionen und die normale Wundheilung unerlässlich.(17)
  2. Stratum reticulare (Netzschicht)
    Sensory receptors of the skin.jpeg

    • Befindet sich zwischen dem Stratum papillare und der Hypodermis (subkutanes Gewebe).
    • Besteht aus Kollagen, Blutgefäßen, Nervenenden, T-Zellen, Haarfollikeln und Drüsen.
    • Die Haarfollikel enthalten Stammzellen, die Keratinozyten produzieren, die zu Haaren werden. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Wundheilung, indem sie Epithelzellen für den Wundverschluss zur Verfügung stellen.
    • Die T-Lymphozyten sind für die Vernichtung von Krankheitserregern und bösartigen Zellen zuständig.
    • Die in der Dermis befindlichen Nerven sind an Empfindungen wie Juckreiz, Berührung, Druck, Vibration, Schmerz und Temperatur beteiligt.
    • Verletzungen, die bis in die Dermis reichen, können aufgrund der Freilegung und/oder Schädigung von Nerven zu Schmerzen führen. Wenn die Nerven durch eine Verletzung vollständig zerstört oder durchtrennt sind, treten keine Schmerzen auf. (1)

Die Hypodermis (Subkutis, Unterhaut) ( edit | edit source )

  • Liegt unterhalb der Dermis und enthält subkutanes Gewebe.
  • Besteht aus lockerem Bindegewebe und Fettgewebe. Ist gut durchblutet und gut innerviert.
  • Trägt dazu bei, die Haut über die oberflächliche Faszie (Fascia superficialis) mit den Muskeln und Knochen zu verbinden, und sorgt durch Fettspeicherung für Isolierung und Polsterung.

Wunden(edit | edit source)

„Eine Wunde ist eine Verletzung, bei der die Haut oder anderes Körpergewebe durchtrennt oder geschädigt wird. Wunden können offen sein, mit verletzter Haut und freiliegendem Körpergewebe, oder geschlossen, wenn das Gewebe unter der intakten Haut beschädigt ist.“(18)

Bei Verletzungen der Haut können Wunden und Gewebeverluste nach ihrer Tiefe und den betroffenen Geweben eingeteilt werden.

Kategorisierung der Wunden nach Wundtiefe:(1)

Art des Gewebeverlustes Blutung Beispiele Heilungsprozess Klinisches Bild
Erosion (Schürfwunde) Verlust ausschließlich der oberflächlichen Epidermis, kein Verlust der Dermis Unwahrscheinlich
  • Oberflächliche Abschürfungen
  • Dekubitus Stadium I
  • Oberflächliche Verbrennungen (Verbrennungen ersten Grades)
Lokaler Entzündungsprozess und Epidermisersatz durch Wanderung von Keratinozyten nach außen
  • Rötung (Erythem) und
  • leichte und kurzzeitige Schmerzen
Teilverlust der Haut Verlust der Epidermis und eines Teils der Dermis Ja
  • Dekubitus Stadium II
  • Oberflächliche und tiefe partielle Verbrennungen (Verbrennungen zweiten Grades)
  • „Skin tears“ (oberflächliche Hautablederungen), Risswunden der Haut, Lazerationen
  • Einige tiefe Abschürfungen
Reepithelisierung als Ergebnis der Migration von Epithelzellen von den Wundrändern zum Zentrum der Wunde
  • Blutung
  • Austritt von seröser Flüssigkeit
  • Blasenbildung
  • Schmerzen
Vollständiger Verlust der Haut Verlust sowohl der Epidermis als auch der Dermis mit Ausdehnung in das subkutane Gewebe Ja
  • Vollständige Verbrennungen (Verbrennungen dritten Grades)
  • Dekubitus Stadium III und IV
  • Chirurgische Inzisionen
  • Traumatische Wunden
  • Nekrotische Wunden, die debridiert werden müssen
Über Sekundärheilung (Definition siehe unten)
  • Kann Knochen, Sehnen, Bänder oder Muskeln mitbetreffen
  • Blutung
  • Austritt von seröser Flüssigkeit
  • Schmerzen

Normale Gewebeheilung ( edit | edit source )

Ein klares Verständnis des normalen oder erwarteten Heilungsprozesses ist wichtig, um zu erkennen, wann eine Wunde nicht richtig heilt. Der Prozess der Gewebereparatur ist ungeheuer komplex und umfasst viele Körpersysteme und komplexe Mechanismen.

Es gibt vier grundlegende Mechanismen, durch die eine Heilung stattfindet:(1)

  1. Kontinuierliche Zellzyklen
    • Die normale, intakte Haut wird durch die Produktion von Keratinozyten im Stratum basale ersetzt, gefolgt von einer Aufwärtswanderung durch die Schichten der Epidermis.
  2. Zellproliferation
    • Gesunde Zellen unterziehen sich der Mitose, um Schäden zu reparieren. Das neue Gewebe, das durch diesen Prozess entsteht, wird Granulationsgewebe genannt.
    • Das ersetzte Gewebe kann in seiner Struktur und Funktion nicht nachgebildet werden. Das neue Gewebe ist aber dem ursprünglichen ähnlich.
    • Führt zu Narbenbildung.
  3. Regeneration
    • Diese Art der Heilung kann nur von wenigen Gewebearten im menschlichen Körper durchlaufen werden, darunter die Leber, die Niere, der Magen-Darm-Trakt und die Epidermis. Kein anderer Gewebetyp kann auf diese Weise heilen.
    • Diese Art der Heilung beinhaltet eine vollständige Wiederherstellung von originaler Struktur und Funktion.
  4. Fibroproliferative Heilung
    • Dies ist eine Form der pathologischen Heilung, bei der verlorenes Gewebe durch eine fibrotische Narbe ersetzt wird.
    • Tritt bei tiefen Wunden, anhaltenden Entzündungen und fibroproliferativen Erkrankungen auf.

Das folgende optionale Video zeigt einen Zeitraffer der Wundheilung. Es ist dabei erkennbar, wie die Gewebeheilung verschiedene Stadien durchläuft.

(19)
Je länger eine Wunde offen ist, desto größer ist die verbleibende Narbe. Ein wichtiger Fokus der Wundversorgung sollte sein, die Heilungszeit bestmöglich zu verkürzen und dem Patienten realistische Erwartungen zu vermitteln.

Vier Kategorien der Heilung / des Wundverschlusses:(1)

  1. Primäre Wundheilung
    • Chirurgische Wunden, die durch eine Inzision entstanden sind.
    • Das Gewebe ist frei von Verunreinigungen und es besteht nur ein minimaler Gewebeverlust.
    • Diese Wunden werden mit Hilfe äußerer Kräfte durch Nähte, Klammern, Klebestreifen oder Kleber verschlossen.
    • Der wichtigste Heilungsmechanismus ist die Regeneration der Epidermis. Die Narbenbildung sollte minimal sein.
    • Es sollte keine Komplikationen geben. Die Wundheilung und der Wundverschluss erfolgen in etwa zwei Wochen.
  2. Verzögerte primäre Wundheilung
    • Chirurgische Wunden, die durch eine Inzision entstanden sind. Die Wunde wurde jedoch offen gelassen (die Wundränder wurden nicht angenähert), da der Verdacht auf eine Kontamination, eine aktive Infektion oder einen erheblichen Gewebeverlust besteht – Faktoren, die zu einer Wiedereröffnung der Wunde (Dehiszenz) führen könnten.
    • Die Wunde kann mit Nähten, Klammern, Transplantaten oder Hautlappen verschlossen werden, nachdem die weitere Heilung, die Ödembehandlung, die Infektionskontrolle/Antibiotika oder das Débridement erfolgt ist.
    • Wenn der Verschluss verzögert wird oder eine chronische Entzündung auftritt, besteht die Gefahr einer erheblichen Narbenbildung.
  3. Sekundäre Wundheilung
    • Dies ist der Prozess, um den sich der Großteil der Praxis der Wundversorgung dreht.
    • Die Wunden reichen dabei bis in das subdermale Gewebe und heilen durch die Entzündungsreaktion des Körpers, die Bildung von neuem Granulationsgewebe, das den leeren Raum ausfüllt, und den anschließenden Verschluss durch Reepithelisierung (Einwanderung neuer Hautzellen über die Wundoberfläche).
    • Die Ränder der Wunde werden durch die Kontraktion der Myofibroblasten angenähert.
    • Es dauert in der Regel Wochen bis Monate, bis sich die Wunden schließen, je nach Größe und anderen Faktoren, die den Prozess erschweren können.
  4. Epitheliale Wundheilung (Regenerative Wundheilung)
    • Diese Wunden werden oft nicht mit einer qualifizierten Wundversorgung behandelt.
    • Die subdermalen Schichten sind nicht betroffen, so dass eine Wundkontraktion zur Annäherung der Wundränder nicht erforderlich ist.
    • Minimales bis kein Granulationsgewebe, minimale bis keine Narbenbildung.
    • Die Dauer bis zum Wundverschluss hängt von der Tiefe ab, beträgt aber zwischen einer und zwei Wochen.

Der Körper durchläuft bei jeder Wunde vier Phasen der Gewebeheilung, unabhängig von ihrer Tiefe und Schwere. Diese Phasen folgen nicht hintereinander, sondern können sich überschneiden. Eine akute Wunde schließt sich in der Regel nach etwa 21 Tagen, aber der gesamte Heilungsprozess kann bis zu zwei Jahre dauern. Eine Wunde gilt als chronisch, wenn die Heilung gestört ist und die Wunde nach vier Wochen noch offen ist.

Vier Phasen der Wundheilung:(1)

  1. Hämostase oder Gerinnselbildung
    • Die Blutgefäße reagieren auf Verletzungen sofort mit einer Vasokonstriktion, um Blutverlust und weitere Gewebeschäden zu verhindern.
    • Thrombozyten (Blutplättchen) und Fibrin gelangen an die Stelle und bilden ein Gerinnsel, das eine vorübergehende Barriere gegen die äußere Umgebung bildet. Nach dem Trocknen bilden diese Gerinnsel einen Schorf. Der Schorf ist der vorübergehende Wundverband des Körpers, der den Blutverlust verhindert und Schutz vor der Außenwelt bietet, während darunter die Gewebereparatur und Heilung stattfinden.
    • Dieser Prozess beginnt innerhalb von Sekunden und dauert in den ersten 12 Stunden nach der Verletzung an.
  2. Entzündungsphase
    1. In dieser Phase werden alle in den Körper eingedrungenen Krankheitserreger abgetötet, Zelltrümmer und nekrotisches Gewebe entfernt und das Wachstum neuer Blutgefäße angeregt.
    2. Neutrophile, Mastzellen und Makrophagen spielen in dieser Phase eine große Rolle.
    3. Die Entzündungsphase tritt in den ersten 24 Stunden nach der Verletzung auf und dauert in der Regel etwa eine Woche. Klinisch macht sie sich durch Rötung, Schwellung, Überwärmung und Schmerzen bemerkbar. Dieser Prozess ist für die akute Wundheilung unerlässlich, kann aber problematisch werden, wenn er zu lange anhält.
  3. Proliferationsphase
    • Diese Phase der Reparatur ist gekennzeichnet durch die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese), das Wachstum von Bindegewebe (Fibroplasie), die Bildung neuer Hautzellen (Epithelisierung) und die fortgesetzte Beseitigung verbleibender Ablagerungen.
    • Neutrophile, Mastzellen und Makrophagen sind in dieser Phase noch vorhanden. Die vorherrschenden Typen sind jedoch Fibroblasten und Endothelzellen, die für das Wachstum von Granulationsgewebe und Kapillaren verantwortlich sind. Fibroblasten produzieren zunächst Kollagen Typ III, das tendenziell schwächer und ungeordneter ist als Kollagen Typ I. Das neue Gewebewachstum ist schwächer als das ursprüngliche Gewebe und anfälliger für Verletzungen durch äußere Einflüsse.
    • Granulationsgewebe ist hellrotes, wulstiges, vaskuläres Gewebe, das die Wundhöhle ausfüllt. Es setzt sich aus Kollagen, Elastin und Blutgefäßen zusammen.
    • Innerhalb weniger Stunden nach der Verletzung beginnt die Reepithelisierung mit einer Aufwärtswanderung der vorhandenen Keratinozyten. Innerhalb weniger Tage setzt sich der Prozess mit der Zellvermehrung durch Mitose fort.
    • Die Zeit, die eine Wunde benötigt, um als geschlossen zu gelten, hängt von der Größe des Umfangs und der Tiefe ab. Wenn die Epithelisierung der Wunde länger als drei bis vier Wochen dauert, bleibt eine sichtbare Narbe zurück.
    • Die proliferative Phase beginnt vier bis sechs Tage nach der Verletzung und kann zwischen drei Wochen und zwei Monaten dauern. Die Wunde kann verschlossen erscheinen, sobald sie epithelisiert ist, aber sie gilt erst dann als geheilt, wenn die nächste Phase abgeschlossen ist.
  4. Remodellierungsphase
    • In dieser Phase zieht sich die Wunde zusammen, das Granulationsgewebe wird zur Narbe umgewandelt, die Durchblutung kehrt auf das Niveau vor der Verletzung zurück, und die Zugfestigkeit der Wunde nimmt zu.
    • Myofibroblasten sind für die Wundkontraktion verantwortlich.
    • Fibroblasten, Myofibroblasten, Endothelzellen und Makrophagen sind die vorherrschenden Zellen, deren Anzahl im Verlauf dieser Phase langsam abnimmt.
    • Kollagen Typ III wird langsam durch Kollagen Typ I ersetzt, das eine höhere Zugfestigkeit aufweist.
    • Die Remodellierungsphase beginnt etwa zwei Wochen nach der Verletzung und dauert bis zu zwei Jahre. Die Wunde kann geheilt erscheinen, bevor dieser Prozess abgeschlossen ist.
    • Etwa sechs Wochen nach der Verletzung hat die Wunde etwa die Hälfte ihrer endgültigen Zugfestigkeit. Nach Abschluss der Remodellierungsphase wird der verletzte Bereich etwa 80 % seiner ursprünglichen Zugfestigkeit aufweisen. Diese Fristen sollten bei der Behandlung von Patienten mit chronischen oder wiederkehrenden Wunden berücksichtigt werden.

Die sich überschneidenden Phasen der Wundheilung

Chronische Wunden ( edit | edit source )

Chronische Wunden sind solche, die diesem normalen Heilungsprozess nicht folgen. Aufgrund einer Unterbrechung des Heilungsprozesses sind die Wunden in drei Wochen nicht verschlossen oder machen keine nennenswerten Fortschritte in Richtung Heilung. Dies sind die Wunden, die in der Praxis der Wundversorgung am häufigsten behandelt werden.(1)

Im Hautmikrobiom chronischer Wunden überwiegt häufig das schädliche Mikrobiom gegenüber dem nützlichen Mikrobiom. Diese Mikroben können das Immunsystem dazu veranlassen, die für die Heilung erforderlichen Zellen des Körpers anzugreifen, anstatt die Eindringlinge zu bekämpfen. Chronische Wunden können in einer oder mehreren Phasen stehen bleiben, die über Monate oder Jahre andauern; die Entzündungsphase ist die häufigste Phase, in der eine chronische Wunde stehen bleibt. Chronische Wunden durchlaufen in der Regel Stadien der Heilung, der Stagnation, der Rückbildung und des Wiederauftretens.(1)

Chronische Wunden bzw. diese Patienten weisen in der Regel eines oder mehrere der folgenden Merkmale auf:(1)

  • Multifaktorielle Ätiologie
  • Fortgeschrittenes Alter oder Adipositas
  • Vorgeschichte von Wunden, Verletzungen oder Operationen, insbesondere im selben Bereich
  • Mehrere Komorbiditäten, insbesondere Gefäßerkrankungen, Diabetes oder Autoimmunerkrankungen
  • Schlechte Gewebedurchblutung oder Sauerstoffversorgung
  • Längeres Stehen oder Positionierung der Extremität nach unten
  • Mechanische Kräfte, Drücke oder wiederkehrende Traumata
  • Medikamente, die die Wundheilung beeinträchtigen können
  • Unzureichende oder unangemessene Pflege
  • Mangelernährung
  • Aktive Infektion, Vorhandensein eines bakteriellen Biofilms oder Veränderungen im Mikrobiom der Haut

Die fünf häufigsten Arten von chronischen Wunden:(1)

  1. Wunden durch venöse Insuffizienz: die häufigsten
  2. Neuropathische Wunden (im Zusammenhang mit diabetischer Neuropathie)
  3. Dekubitus (Druckulkus, Wundliegen)
  4. Arterielle Ulzera
  5. Nicht heilende Operationswunden

Optionale zusätzliche Ressourcen und Referenzen ( edit | edit source )

Grundlagen der Wundversorgung:

Themen der Anatomie und Physiologie der Haut:

Themen der Wundheilung:

Themen Ernährung und Mikrobiom:

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.00 1.01 1.02 1.03 1.04 1.05 1.06 1.07 1.08 1.09 1.10 1.11 1.12 1.13 1.14 1.15 1.16 1.17 1.18 1.19 1.20 1.21 1.22 1.23 1.24 1.25 1.26 1.27 1.28 1.29 1.30 1.31 1.32 1.33 1.34 1.35 1.36 1.37 Palmer, D. Skin Anatomy, Physiology, and Healing. Physiotherapy Wound Care Programme. Plus. 2022.
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