Eine Verbrennung ist eine Verletzung der Haut oder eines anderen organischen Gewebes, die in erster Linie durch die Einwirkung von Hitze oder anderen Auslösern (Strahlung, Elekritiztät, Chemikalien) verursacht wird.(1) Sie ist das Ergebnis einer Energieübertragung auf den Körper. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich um ein weltweites Problem der öffentlichen Gesundheit, das jährlich schätzungsweise 180.000 Todesfälle verursacht.(2) Verbrennungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Behinderungen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, und fast zwei Drittel der Verbrennungen treten in den WHO-Regionen Afrika und Südostasien auf Verbrennungsverletzungen treten bei allen Geschlechtern auf, allerdings ist die Sterblichkeitsrate bei Frauen etwas höher als bei Männern. Sie betreffen außerdem alle Altersgruppen und sind die fünfthäufigste Ursache für nicht tödliche Verletzungen bei Kindern.(2)
Verbrennungsverletzungen betreffen nicht nur die Haut. Sie können auch Gewebe-, Organ- und Systemnetzwerke beeinträchtigen (z. B. durch das Einatmen von Rauch) und psychologische Auswirkungen haben.
Für einen Überblick über die Anatomie und Physiologie der Haut lesen Sie bitte diesen Artikel.
Eine Liste der Terminologie für die Wundversorgung finden Sie in diesem Artikel.
Thermische Verletzungen werden durch den Kontakt mit einer externen Wärmequelle oder heißen Flüssigkeiten verursacht. Eine externe Wärmequelle kann ein heißer, fester Gegenstand oder auch ein kalter Gegenstand sein. Verbrühungen werden durch etwas Nasses wie heißes Wasser oder Dampf von heißem Wasser verursacht. Die Arten von thermischen Verletzungen sind:
Verbrennungen durch direkte Flammeneinwirkung werden durch den Kontakt mit offenem Feuer verursacht. Diese Verbrennungen sind häufig mit einem Inhalationstrauma und weiteren Verletzungen verbunden. In der Regel handelt es sich um Verbrennungen 3. Grades. Verbrennungen durch direkte Flammeneinwirkung sind bei Erwachsenen häufig, werden aber auch mit Missbrauch bei Kindern, häuslicher Gewalt und bestimmten Ritualen in Verbindung gebracht.(3)
Kontaktverbrennungen werden durch den Kontakt mit einem extrem heißen Gegenstand oder einer extrem heißen Oberfläche verursacht, in der Regel Öfen, Heizgeräte und Bügeleisen. Bei Kontaktverbrennungen handelt es sich in der Regel um Verbrennungen der Grade 2b und 3. Sie treten häufig bei Menschen mit Epilepsie, bei Missbrauch von Suchtmitteln oder bei älteren Menschen nach einem Bewusstseinsverlust auf.
Erfrierungen treten auf, wenn die Haut über einen längeren Zeitraum Kälte ausgesetzt ist, in der Regel einer Temperatur unter -0,55 °C (31 °F). Dies führt dazu, dass das Wasser in den Zellen der Haut und des darunter liegenden Gewebes gefriert und kristallisiert. Diese Kristallisation führt zu einer direkten Schädigung der Zellen.(4) Indirekte Verletzungen treten durch die Ischämie des Gewebes auf. Erfrierungen können jeden Teil des Körpers betreffen, aber die Extremitäten (Hände und Füße), Ohren, Nase und Lippen sind am ehesten betroffen. Wenn Erfrierungen in die tieferen Hautschichten eindringen und auf Gewebe und Knochen einwirken, können sie bleibende Schäden verursachen.
Hautschäden durch Kälteeinwirkung können ebenso durch Eis oder einen gefrorenen Gegenstand verursacht werden, der über einen längeren Zeitraum mit der Haut in Kontakt kommt. Längerer Kontakt mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, Schnee oder starkem Wind kann das Risiko dieser Art von thermischer Verletzung erhöhen. Im klinischen Bereich können diese Verletzungen auch dadurch verursacht werden, dass bei der Behandlung einer Verletzung oder eines Muskelkaters Eis oder Kältepackungen direkt auf die Haut aufgelegt werden.
Verbrühungen werden durch heiße Flüssigkeiten wie kochendes Wasser und Speiseöl verursacht, die direkt mit der Haut in Berührung kommen. Zu den üblichen Verletzungsmechanismen gehören das Verschütten eines heißen Getränks oder Speiseöls oder der Kontakt mit heißem Badewasser. Verbrühungen verursachen in der Regel Verbrennungen 1. und 2. Grades. Verbrühungen machen etwa 70 % der Verbrennungen bei Kindern aus. Sie treten häufig auch bei älteren Erwachsenen auf.(3) Diese Art von Verletzungen kann ein Anzeichen für Missbrauch sein und sollte entsprechend untersucht werden.
Eine Reibungsverbrennung ist eine Schürfwunde, die entsteht, wenn die Haut an einer anderen Oberfläche reibt. Eine Reibungsverbrennung ist keine echte Verbrennung. Da Reibung jedoch Hitze erzeugen kann, kann es in extremen Fällen zu Verbrennungen der äußeren Hautschicht kommen. Häufige Ursachen sind Reibungen der Haut gegen ein Seil oder einen Teppich, Wunscheuern oder Schürfwunden durch den Kontakt mit dem Asphalt bei gestürzten Radfahrern oder Motorradunfällen.
Eine Stromverbrennung ist eine Verletzung, die durch Hitze verursacht wird, die entsteht, wenn elektrischer Strom durch den Körper fließt. Dies kann zu tiefen Gewebeverletzungen führen. Die Schwere der Verletzung hängt von vielen Faktoren ab, u. a. von dem Stromweg über den Körper, dem Widerstand des Stroms im Gewebe sowie von der Stärke und Dauer des Stroms. Wechselstrom (AC) und Gleichstrom (DC) sind beide potenziell tödlich,(5) aber es gibt Unterschiede in den Auswirkungen. Ein Gleichstrom kann eine einzige starke Kontraktion verursachen, die die Person oft von der Quelle wegtreibt, z. B. wenn sie eine Autobatterie berührt. Eine Verletzung durch Wechselstrom hat oft eine niedrigere Frequenz und der Patient ist oft nicht in der Lage, loszulassen. Verletzungen durch Wechselstrom sind häufiger, da dieser in den meisten Steckdosen zu Hause zu finden ist.(6)(7) Es gibt eine Eintritts- und eine Austrittswunde.
Das Ausmaß der inneren Schädigung hängt von dem Weg ab, den der elektrische Strom durch den Körper nimmt.
Stromverbrennungen sind häufig mit Herzstillstand, Kammerflimmern und tetanischen Muskelkontraktionen verbunden.(1)
Weitere Informationen finden Sie unter AC and DC Electric Shock Effects Compared
Chemische Verätzungen sind Verletzungen, die durch direkten Kontakt der Haut mit einer chemischen Substanz verursacht werden.(1) Dabei kann es sich um starke Säuren, Laugen oder organische Verbindungen handeln. Chemische Verbindungen können unterschiedliche Wirkungen auf menschliches Gewebe haben, die von folgenden Faktoren abhängen:
Verbrennungen durch Strahlung können entstehen, wenn ionisierende Strahlung oder Radiofrequenzenergie über längere Zeit auf das Gewebe einwirkt. Das häufigste Beispiel dafür ist der Sonnenbrand, der durch eine längere Exposition gegenüber ultravioletten Strahlen (UV) verursacht wird. Verbrennungen durch Strahlung können auch bei der Exposition gegenüber leistungsstarken Funksendern, bei wiederholter hoher Exposition gegenüber Röntgenstrahlen für die medizinische Bildgebung, bei interventionellen radiologischen Verfahren oder bei der Strahlentherapie zur Behandlung von Krebs auftreten („kutanes Strahlensyndrom“). Die Häufigkeit von durch therapeutische Bestrahlung verursachten Schäden nimmt durch die Fortschritte in der Berechnung der Dosis ab.(8)
Unter einem Inhalationstrauma versteht man Verletzungen der Lunge/der Atemwege, die durch das Einatmen von Rauch oder chemischen Verbrennungsnebenprodukten entstehen.(9) Inhalationstraumata führen zu direkten Zellschäden, Veränderungen der regionalen Durchblutung und Perfusion, einer Obstruktion der Atemwege und der Freisetzung von entzündungsfördernden Zytokinen und Toxinen.(10)(11) Inhalationstraumata beeinträchtigen auch die mukoziliäre Clearance und schwächen die Alveolarmakrophagen.(12) Diese Verletzung kann in drei Kategorien unterteilt werden:
Die größte Komplikation eines Hitzeschadens der oberen Atemwege ist eine Obstruktion aufgrund einer ausgedehnten Schwellung der Zunge, der Epiglottis und der aryepiglottischen Falten (Plicae aryepiglotticae). Hitzeschäden erstrecken sich in der Regel nicht auf die unteren Atemwege. Die Entwicklung von Ödemen/Schwellungen kann mehrere Stunden dauern. Daher wird empfohlen, die Atemwege des Patienten regelmäßig zu überprüfen, da sich das Erscheinungsbild nach der Erstuntersuchung mit Beginn der Flüssigkeitsreanimation ändern kann.
Bei der chemischen Reaktion der Verbrennung entstehen Stoffe, die giftig für die Atemwege sind. Dies kann zu lokalen Reizungen der Atemwege führen.(9)
Zu den üblichen chemischen Reizstoffen, die durch Verbrennung entstehen, gehören:
Weitere Informationen über chemische Reizstoffe, die akute Inhalationstraumata verursachen, ihre Wirkungen und Expositionsquellen finden Sie unter Akutes Inhalationstrauma.(17)
Kohlenmonoxid (CO) entsteht bei einem Brand, wenn ein Produkt auf Kohlenstoffbasis nicht vollständig verbrannt wird. Wenn es eingeatmet wird, bindet sich CO an das Hämoglobin im Blutkreislauf und verringert die Sauerstoffzufuhr.(18) Zur Diagnose gehören eine genaue Anamnese, die Erfassung von Veränderungen des mentalen Status und das Vorliegen eines hohen Carboxyhämoglobinspiegels. Gelegentlich müssen die Patienten mechanisch beatmet werden und benötigen eine Schocktherapie.
Häufige Symptome können Folgende sein:(19)
Blausäure (Cyanwasserstoff) entsteht häufig als Nebenprodukt bei der Verbrennung von Haushaltsmaterialien. Eine Cyanidvergiftung tritt häufig in Verbindung mit einem Inhalationstrauma durch CO auf. Sie senkt die tödliche Schwelle sowohl für Blausäure als auch für CO.(20) Die Diagnose erfordert eine genaue Anamnese, die Erfassung von Veränderungen des mentalen Status, Carboxyhämoglobinkonzentrationen von mehr als 10 %(21)(22)(14) und hohe Laktatwerte.(18)
Weitere Informationen finden Sie unter Inhalation Injury.
Verbrennungsverletzungen sollten nach ihrem Schweregrad, d. h. nach ihrer Tiefe und Größe, klassifiziert werden.(1) Die Merkmale einer Verbrennungsverletzung können je nach Tiefe der Verbrennung in Bezug auf Schmerzstärke und Farbe der Verbrennung variieren.
Achten Sie immer auf Anzeichen eines Inhalationstraumas, das häufig bei Verbrennungen im Mund- oder Nasenbereich auftritt. Verbrennungen können zahlreiche Komplikationen nach sich ziehen und Kurzatmigkeit, Heiserkeit, Stridor (geräuschvolle Atmung aufgrund einer Behinderung des Luftstroms) oder Keuchen verursachen. Häufige Symptome sind Juckreiz (ein Zeichen der Heilung) und Taubheit oder Kribbeln nach einer Stromverbrennung. Verbrennungen können erhebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit einer Person haben, und dies sollte immer berücksichtigt werden.
Weitere Informationen zum Umgang mit der psychischen Gesundheit eines Patienten nach einer Brandverletzung oder einem anderen Trauma finden Sie in diesem Artikel.
| Typ (Type) |
Beteiligte Schichten | Zeichen und Symptome | Heilungszeit | Prognose und Komplikationen |
| 1. Grad (epidermal, „superficial“) | Epidermis (Oberhaut) |
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Die Reepithelisierung dauert 2-5 Tage |
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| 2a. Grad (oberflächlich dermal, „superficial partial thickness“) | Epidermis und erstreckt sich bis in die oberflächliche Dermis |
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Die Reepithelisierung dauert 1-2 Wochen |
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| 2b. Grad (tief dermal, „deep partial thickness“) | Erstreckt sich in die tiefe (retikuläre) Dermis |
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Die Reepithelisierung dauert 2-5 Wochen. Einige erfordern einen chirurgischen Verschluss |
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| 3. Grad (komplett dermal, „full thickness“) | Erstreckt sich durch die gesamte Dermis und in die Hypodermis |
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Langwierig (Monate) und erfordert in der Regel chirurgische Eingriffe zur endgültigen Schließung |
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| 4. Grad (subdermal, „subcutaneous“) | Zerstörung von Dermis und Hypodermis sowie von darunter liegendem Fett, Muskeln und Knochen |
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Heilt nicht von selbst. Erfordert Operation und rekonstruktive Verfahren |
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Die Informationen für die Tabelle stammen aus: Merwarth, D. Management of Burn Wounds. Burn Wound Assessment Course. Plus. 2022.
Die Körperoberfläche ist ein wichtiger Faktor bei der Anwendung der Baxter-Parkland-Formel. Diese Formel ist die am weitesten verbreitete Formel zur Abschätzung der benötigten Flüssigkeitszufuhr eines Patienten mit einer Verbrennungswunde bei der Aufnahme ins Krankenhaus. Sie wird in der Regel innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Aufnahme bestimmt.
Bei der Anwendung dieser Formel wird zunächst der Prozentsatz der geschädigten Körperoberfläche (KOF) berechnet. Dieser Wert wird bei Erwachsenen üblicherweise anhand der Neuner-Regel nach Wallace geschätzt(23) und bei Kindern nach der Lund-Browder-Methode. Bei der Lund-Browder-Methode werden andere Prozentsätze als bei der Neuner-Regel von Wallace verwendet, da die Oberfläche von Kopf und Hals bei Kindern prozentual größer ist als bei Erwachsenen.
Die Baxter-Parkland-Formel empfiehlt 4 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht bei Erwachsenen (3 Milliliter pro Kilogramm bei Kindern) pro prozentualer Verbrennung der gesamten Körperoberfläche (%KOF) an kristalloider Lösung in den ersten 24 Stunden der Versorgung.(24)
4 ml/kg/%KOF (3 ml/kg/%KOF bei Kindern) = Gesamtmenge an kristalloider Flüssigkeit während der ersten 24 Stunden
Jüngste Untersuchungen haben ergeben, dass diese Methode zwar immer noch angewandt wird, der Flüssigkeitsgehalt jedoch ständig überwacht und die Urinausscheidung beurteilt werden sollte,(25) um eine Über- oder Unterversorgung zu vermeiden.(26)
Bei der Anwendung dieser Methoden ist zu beachten, dass die den einzelnen Bereichen zugewiesenen Prozentsätze voneinander abweichen. Ursprünglich wurden allen Gebieten in der Neuner-Regel 9 % zugewiesen. Dies hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt, und es wurde versucht, die Bereiche aufzuschlüsseln, um eine genauere Schätzung zu erhalten. Denken Sie immer daran, dass sich das Team, das mit dem Patienten zusammenarbeitet, auf eine Methode einigen muss, die dann während der gesamten Behandlung angewandt werden sollte. Es ist auch wichtig zu beachten, dass diese Methoden eine Schätzung für die Berechnung der Flüssigkeitszufuhr darstellen. Die Flüssigkeitsreanimation muss vom Diätassistenten genau überwacht und angepasst werden.
Nachstehend finden Sie Vorlagen für Befundbögen bei Verbrennungswunden (in englischer Originalsprache):
Die Handflächenregel kann verwendet werden, um die Körperoberfläche einer Verbrennung zu schätzen. Diese Regel besagt, dass die Handfläche des Patienten, mit Ausnahme der Finger und des Handgelenks, etwa 1 % der Körperoberfläche des Patienten ausmacht. Wenn eine schnelle Schätzung erforderlich ist, entspricht der Prozentsatz der Körperoberfläche der Anzahl der eigenen Handflächen des Patienten, die nötig wären, um seine Verletzung zu bedecken. Es ist wichtig, die Handfläche des Patienten als Maß zu verwenden und nicht die des Untersuchers!
Die Verbrennungszonen nach Jackson sind ein Modell zum Verständnis der Pathophysiologie einer Brandwunde. Bei diesem Modell wird die Wunde in drei Zonen unterteilt.
Weitere Informationen finden Sie in diesem Artikel: A Systematic Review on Classification Identification and Healing Process of Burn Wound Healing(28)
Sehen Sie sich das folgende Video an, um einen Überblick über die Pathophysiologie von Verbrennungen zu erhalten:(29)