Rückkehr zum Sport

Originale AutorinWanda van Niekerk basierend auf dem Kurs von Ian Gatt

Top-Beitragende Wanda van Niekerk, Kim Jackson und Jess Bell

Was bedeutet „Rückkehr zum Sport“? ( edit | edit source )

In der Literatur gibt es eine Vielzahl von Definitionen für die Rückkehr zum Sport („Return to Sport“ – RTS). Einige Studien beziehen sich darauf, dass der Sportler in der Lage sein muss, an Wettkämpfen teilzunehmen, während andere Studien die Rückkehr zum Training und zu klar definierten Wettkampfniveaus und -zielen einschließen.(1) Die Rückkehr zum Sport kann für jeden einzelnen Athleten je nach Sportart und je nach Niveau der Teilnahme unterschiedlich sein, was bei einer informierten Entscheidungsfindung zur Rückkehr zum Sport berücksichtigt werden muss(2)

Die Rückkehr zum Sport wird als „Kontinuum parallel zu Genesung und Rehabilitation“ betrachtet und ist nicht nur eine Entscheidung, die am Ende eines Genesungs- oder Rehabilitationsprozesses getroffen wird.(2) Die drei Elemente der Rückkehr zum Sport sind(2):

  • Rückkehr zur Teilnahme (Eng.: Return to Participation)
    • Der Athlet kann:
      • An der Rehabilitation teilnehmen
      • An modifiziertem oder uneingeschränktem Training teilnehmen
      • Am Sport teilnehmen
    • Alle oben genannten Punkte sind jedoch auf einem niedrigeren Niveau als das Ziel des Athleten zur Sportrückkehr
    • Körperlich aktiver Athlet, aber noch nicht bereit für die Rückkehr zum Sport
    • Die Bereitschaft kann sich auf die medizinische, physische und/oder psychologische Eignung beziehen
  • Rückkehr zum Sport (Eng.: Return to Sport)
    • Der Sportler ist in seine Sportart zurückgekehrt, hat aber noch nicht das gewünschte Leistungsniveau erreicht.
    • Für einige Athleten ist die Rückkehr zum Sport (auch wenn sie nicht das gewünschte Leistungsniveau erreicht haben) ausreichend, und dies kann für den einzelnen Athleten eine erfolgreiche Rückkehr zum Sport darstellen
  • Rückkehr zur Leistung (Eng.: Return to Performance)
    • Erweitert die Rückkehr zum Sport
    • Der Sportler ist zum Sport zurückgekehrt und erbringt Leistungen auf Vorverletzungsniveau oder darüber
    • Athleten erreichen in dieser Phase oft persönliche Bestleistungen oder erleben eine persönliche Entwicklung in Bezug auf die Leistungserwartungen

In einigen Sportarten mag die Rückkehr zur Leistung einfacher sein, aber in Sportarten mit offenen Fertigkeiten wie Boxen ist dies nicht leicht zu erreichen. Oft ist eine Leistungsanalyse mit technologischer Unterstützung erforderlich, und der erfahrene Trainer kann einen Einblick in das Leistungsniveau des Sportlers geben.(3)

Erklimmen Sie jeden „Return to Sport-Berg“… ( edit | edit source )

Berg des Return to Sport

Della Villa et al.(4) untersuchten VKB-Verletzungen im Fußball und wandten einen fünfstufigen Ansatz an, um die größtmögliche funktionelle Wiederherstellung zu erreichen.

  • Stufe 1 – Abklingen von Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen
  • Stufe 2 – Wiederherstellung von Bewegungsausmaß und Flexibilität
  • Stufe 3 – Wiederherstellung von Kraft und muskulärer Ausdauer
  • Stufe 4 – Wiederherstellung der Koordination und der motorischen Fertigkeiten
  • Stufe 5 – Wiederherstellung spezifischer technischer Bewegungen und Rückkehr zum Spiel

Damit ein Athlet von einer Phase in die nächste übergehen kann, sind valide und zuverlässige Kriterien erforderlich.(3)

Zu beachtende Kontexteffekte bei der Rückkehr zum Sport ( edit | edit source )

Creighton et al.(5) haben ein dreistufiges entscheidungsbasiertes Modell für die Rückkehr zum Sport entwickelt, das sich speziell an einzelne Kliniker richtet, die Entscheidungen über die Rückkehr zum Sport treffen müssen. Die Schritte sind(5):

  • Beurteilung des Gesundheitszustands
    • Dazu gehören medizinische Faktoren wie:
      • Demografische Daten des Patienten, z. B. Alter
      • Symptome
      • Persönliche Krankengeschichte
      • Zeichen bei der körperlichen Untersuchung, z. B. Schwäche
      • Laboruntersuchungen, z. B. Röntgenaufnahmen, MRT
      • Funktionelle Tests
      • Psychologischer Zustand
      • Mögliche Schwere der Verletzung, z. B. Gehirnerschütterung
  • Beurteilung des Teilnahmerisikos
    • Dazu gehören Modifikatoren des sportlichen Risikos wie:
      • Art der Sportart, z. B. Aufprall- vs. Nicht-Kontakt-Sportarten
      • Gespielte Position
      • Seitigkeit (dominante Extremität)
      • Wettkampfniveau
      • Möglichkeiten zum Schutz, z. B. Polsterung oder Schutzausrüstung
  • Änderung der Entscheidung
    • Dazu gehören Modifikatoren der Entscheidung wie:
      • Zeitpunkt und Saison
      • Druck durch den Sportler
      • Druck von außen, z. B. durch Trainer, Familie
      • Verschleierung der Verletzung
      • Interessenskonflikte
      • Angst vor Rechtsstreitigkeiten

Lesen Sie den vollständigen Artikel hier: Return-to-play in sport: a decision-based model.(5) Bitte beachten Sie die Abbildung 1, die das Entscheidungsmodell für die Rückkehr zum Spiel anhand eines Einflussdiagramms zeigt.

Optimierung der Rückkehr zum Sport ( edit | edit source )

Truong et al.(6) untersuchten psychologische, soziale und kontextuelle Faktoren in den verschiedenen Phasen des Genesungsprozesses bei Sportlern mit einer sportbedingten Knieverletzung. Sie berichteten Folgendes:(6)

  • Psychologische, soziale und kontextuelle Faktoren beeinflussen die Genesung nach einer Verletzung und spielen dabei eine entscheidende Rolle. Kliniker sollten dies verstehen und den Wert eines ganzheitlichen Ansatzes anerkennen.
  • In allen Phasen des Genesungsprozesses stoßen die Sportler auf Barrieren, um „über die Angst hinauszuwachsen“.(6)
  • Autonomie und ein auf den Sportler ausgerichteter Ansatz sind wichtig und wertvoll für die Sportler.
    • „Strategien zur Entwicklung einer starken therapeutischen Allianz und die Einbeziehung der Athleten in ihre Versorgung bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Auswirkungen umfassenderer Umwelt- und sozialer Faktoren auf die Entscheidungsfindung sollten wesentliche Bestandteile des Genesungsprozesses sein.“(6)
  • Psychologische, soziale und kontextbezogene Faktoren ändern sich im Laufe der Zeit, und alle diese Faktoren sollten zu Beginn des Rehabilitationsprozesses und während aller Genesungsphasen bewertet werden.
  • Ein evidenzbasiertes Management von sportbedingten Knieverletzungen sollte die individuelle Berücksichtigung psychologischer, sozialer und kontextbezogener Faktoren für jeden Einzelnen beinhalten.
  • „Die Person in den Mittelpunkt stellen“. (6)
  • Die Kenntnis dieser Faktoren kann das Verletzungsmanagement verbessern und optimieren, die Rückkehr zum Sport fördern und die langfristige Lebensqualität verbessern.(6)

Lesen Sie den vollständigen Artikel hier: Psychological, social and contextual factors across recovery stages following a sport-related knee injury: a scoping review.(6)

Die Bedeutung von „Erfolg“ bei der Rückkehr zum Sport ( edit | edit source )

Erfolg hat für verschiedene Menschen unterschiedliche Bedeutungen. Er kann vom Kontext der jeweiligen Situation oder vom Ergebnis abhängen. Speziell im Sport kann Erfolg auf den folgenden Aspekten beruhen:(2)

  • Zielorientierung – Erfolg wird definiert als die Rückkehr zu einer dauerhaften Teilnahme am Sport in möglichst kurzer Zeit
  • Leistungsorientierung – Trainer oder Sportler definieren den Erfolg in Bezug auf die Leistung des Sportlers bei der Rückkehr zum Sport
  • Ergebnisorientierung – der Kliniker definiert den Erfolg als die Vermeidung neuer (oder wiederkehrender) Begleitverletzungen

Bei einem auf den Athleten ausgerichteten Ansatz sollten das multidisziplinäre Team (MDT) und der Athlet gemeinsam entscheiden, wie der Erfolg definiert werden soll. Auch diese Entscheidung sollte so bald wie möglich nach der Verletzung getroffen werden.(2)

Multidisziplinäres Team und Rückkehr zum Sport ( edit | edit source )

Feigenbaum et al.(7) berichten über einen Fall, bei dem das multidisziplinäre Team aus einem Physiotherapeuten und einem Ernährungsberater bestand. Die Anwendung der Erfolgsbedeutung im Fall dieses Sportlers lässt sich wie folgt zusammenfassen:(7)

  • Leistungsorientierter Erfolg
    • Der Sportler erholte sich und kehrte zu seinem Sport und seiner Spielposition zurück und wurde anschließend von einer NFL-Franchise gedraftet
  • Zielorientierung
    • Der Sportler hat die Rehabilitation erfolgreich abgeschlossen
    • Er erreichte ein hohes Maß an Mobilität und ein Niveau, das über den Werten vor der Verletzung lag
    • Die vom Athleten selbstberichtete Funktion hat sich verbessert
    • Körperfettanteils und Fettmasse verringerten sich

Lesen Sie den vollständigen Fallbericht hier: A multidisciplinary approach to the rehabilitation of a collegiate football player following ankle fracture: a case report.(7)

Roberts et al.(8) raten Klinikern, die die Ergebnisse der Rückkehr zum Sport nach einer Verletzung verbessern wollen, sich auf diese vier wesentliche Gewohnheiten zu konzentrieren:(8)

  • Den Athleten befähigen („empowern“)
  • Engagement
    • Ermöglichen Sie es den Athleten, an der Planung ihres Plans zur Rückkehr in den Sport mitzuwirken
  • Feedback geben
    • Regelmäßig im multidisziplinären Team (MDT)
  • Transparenz
    • Häufige und ehrliche Kommunikation zwischen dem Athleten und dem MDT

Siehe diese Infografik: 4 key habits of athlete-centred return to sport(10)

Rückkehr zum Sport versus Auschluss aus dem Sport ( edit | edit source )

Es gibt Situationen, in denen „eine Entscheidung zur Rückkehr zum Sport in eine Entscheidung zum Auschluss aus dem Sport umgekehrt werden kann.“ (2) Zum Beispiel:(2)

  • Bei Verletzungen, bei denen die Symptome im Laufe der Zeit allmählich zunehmen, kann das MDT im Rahmen eines gemeinsamen Prozesses zur Entscheidungsfindung beschließen, dass eine Verringerung der Belastung erforderlich ist (d. h. Änderung des Trainings oder des Wettkampfs) oder dass eine vollständige Reduzierung der Belastung notwendig ist (gar keine Teilnahme).
  • Der Gedanke hinter dem Auschluss aus dem Sport ist nicht notwendigerweise, dass der Sportler seine Teilnahme komplett einstellt, sondern vielmehr, dass die Trainings-/Wettkampfbelastung modifiziert werden muss. Diese Entscheidungen müssen in Zusammenarbeit zwischen Klinikern, Sportlern und Trainern getroffen werden.
    • Am Beispiel des Boxens:(3)
      • Nehmen wir einen Boxer mit einer Verletzung der Karpometakarpalgelenke:
        • Kann der Boxer sein Training und seine Vorbereitung auf den Wettkampf fortsetzen?
        • Vollständiger Einstieg in das Kontinuum der Rückkehr zum Sport oder eine Umkehrung der Rückkehr zum Sport?
        • Für diese Entscheidungen sind ausreichend klare, ehrliche und pragmatische Informationen erforderlich, die allen Beteiligten zur Verfügung gestellt werden müssen, insbesondere im Hinblick auf die Sicherheitsparameter der Spieler.(3)

Informationen über das Thema Adhärenz bei Spielern finden Sie hier: Adherence to Rehabilitation in Sport

Objektivität bei der Zielsetzung ( edit | edit source )

  • Rückmeldungen zum Leistungsniveau eines Sportlers durch den Kraft- und Konditionstrainer sind ebenfalls hilfreich und gehören zur Objektivität bei der Zielsetzung und der Rückkehr zum Sport.(3)
  • Parry et al.(12) haben gezeigt, dass die Verwendung von Leistungstests zur Untersuchung der Art der Belastung von Hand und Handgelenk sowie der oberen Extremität bei Boxern ein zuverlässiges Maß für die Kraftleistung der oberen Extremitäten ist.

Chirurgische Überlegungen und Rückkehr zum Sport ( edit | edit source )

Nach einer Operation ist es wichtig, einen Plan für die weitere Betreuung und die Rückkehr zum Sport zu erstellen. Dies kann in verschiedenen Phasen erfolgen. Diese Phasen können je nach Art der Verletzung und der Operation variieren und können eine Immobilisationsphase, eine anfängliche Belastungsphase, progressive Belastungsphasen und volle Trainingsphasen umfassen. Die Kräftigung ist von zentraler Bedeutung, damit die verletzte Struktur belastet wird, und ein guter sequenzieller Ansatz mit progressiver Belastungssteigerung ist wichtig.(3)

Progressive Belastungssteigerung bei der Rückkehr zum Sport ( edit | edit source )

Gabbett et al.(13) betonen, wie wichtig es ist, das Zusammenspiel zwischen sportartspezifischer und lokaler Belastbarkeit der Gewebe zu verstehen.

Sportartspezifische Belastbarkeit = „die Fähigkeit des Sportlers, die Anforderungen von Training und Wettkampf zu erfüllen (und ihnen standzuhalten)“.

Lokale Belastbarkeit des Gewebes = „die Fähigkeit einer spezifischen Struktur, einer gewebespezifischen kumulativen Belastung standzuhalten“.

Die wichtigsten Punkte, die bei der Einführung progressiver Trainingsbelastungen zu beachten sind, sind:(13)

  • Progressive Belastung mit Feedback des Patienten ist die beste Praxis
  • Es wird empfohlen, die wahrgenommene Anstrengung während der Sitzung/Therapieeinheit (Rating of Perceived Exertion – RPE) oder die visuelle analoge Schmerzskala (VAS) in Kombination mit externen Belastungen zu nutzen, um lokale Gewebebelastungen und eine sichere und effiziente Progression der Übungen im Auge zu behalten.
  • Effektive Programme nutzen lokale Gewebebelastung, um die lokale Belastbarkeit des Gewebes zu erhalten.
  • Lokale Gewebebelastung UND sportartspezifische Belastung sind für eine sichere und effiziente Rückkehr des Athleten in den Sport notwendig.

Lesen Sie den vollständigen Artikel hier: When progressing training loads, what are the considerations for healthy and injured athletes?(13)

Sehen Sie sich dieses Video von Tim Gabbett an, in dem er diesen Artikel über Belastungsüberlegungen für gesunde und verletzte Sportler zusammenfasst:

(14)

Rückkehr zum Sport nach Gehirnerschütterung ( edit | edit source )

Die Berliner Konsenserklärung zu Gehirnerschütterungen im Sport (2017) von McCrory et al.(15) beinhaltet eine abgestufte Strategie zur Rückkehr zum Sport (RTS). Tabelle 2 ist der Konsenserklärung entnommen.

Tabelle 2: Abgestufte Strategie zur Rückkehr zum Sport nach einer Gehirnerschütterung (Concussion)
Stufe Zielt auf Aktivität Zielergebnis der einzelnen Stufe
1 Symptombegrenzte Aktivität ADLs, die keine Symptome hervorrufen Allmähliche Wiederaufnahme von Aktivitäten in der Arbeit/Schule
2 Leichte aerobe Übungen Gehen

Fahrradergometer

Langsames bis mittleres Tempo

Kein Widerstandstraining

Erhöhung der Herzfrequenz
3 Sportartspezifische Übungen Laufübungen

Eislaufübungen

Keine Aktivitäten mit Kopfstößen erlaubt

Bewegung hinzufügen
4 Trainingsübungen ohne Kontakt Schwierigere und intensivere Trainingsübungen

Es kann mit progressivem Widerstandstraining begonnen werden

Übung, Koordination und erhöhtes Denken
5 Vollkontakt-Training Medizinische Freigabe erforderlich

Teilnahme an normalen Trainingsaktivitäten

Vertrauen wiederherstellen

Beurteilung der funktionellen Fähigkeiten durch das Trainerteam

6 Rückkehr zum Sport Normales Spiel
  • Die normale, schrittweise Rückkehr zum Sport kann zwischen 10 und 14 Tagen dauern, bei Sportlern mit anhaltenden Symptomen kann dieser Zeitraum jedoch länger sein.
  • Eine anfängliche Ruhephase (24 – 48 Stunden) wird empfohlen.
  • Danach kann mit einer symptombegrenzten Aktivität begonnen werden – der Sportler muss unter der Schwelle kognitiver und physischer Verschlimmerung bleiben (Stufe 1)
  • Der Sportler kann zur nächsten Stufe übergehen, wenn die mit der Gehirnerschütterung zusammenhängenden Symptome abgeklungen sind und der Sportler die erforderlichen Kriterien erfüllt (Herzfrequenz, Aktivität, Dauer der Übung)
  • Jede Stufe dauert 24 Stunden, und die Athleten benötigen mindestens eine Woche (7 Tage), um das vollständige Rehabilitationsprotokoll zu absolvieren, sobald sie in Ruhe symptomfrei sind.
  • Dieser Zeitrahmen kann je nach Alter, Vorgeschichte und sportlichem Niveau des Spielers variieren, und ein individuelles Management ist von entscheidender Bedeutung.
  • Es ist möglich, dass bei einzelnen Sportlern die Symptome länger anhalten, so dass jeder der Schritte des Rehabilitationsprotokolls länger als 24 Stunden dauern kann.
  • Sollte ein Sportler während einer Phase des Rehabilitationsprotokolls Symptome im Zusammenhang mit einer Gehirnerschütterung verspüren, sollte er auf die vorherige asymptomatische Phase zurückgehen und erst dann versuchen, zur nächsten Phase überzugehen, wenn er in der niedrigeren Phase weitere 24 Stunden symptomfrei ist.

Lesen Sie die vollständige Konsenserklärung hier: Consensus statement on concussion in sport—the 5th international conference on concussion in sport held in Berlin, October 2016.(15)

Siehe Infografik: Consensus Statement on Concussion in Sport – Graduated Return to Sport Strategy (16)

(17)

Klinische Urteilsbildung bei der Rückkehr zum Sport ( edit | edit source )

  • Klinische Urteilsbildung ist definiert als: „die Anwendung von Informationen, die auf der gegenwärtigen Beobachtung eines Patienten beruhen, kombiniert mit objektiven und subjektiven Daten, die zu einer Schlussfolgerung führen“.(19)
  • Die Evidenz im Bezug auf die Rückkehr zum Sport ist nach wie vor unzureichend, und es sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um Veränderungen zu begründen.
  • Die Klinische Urteilsbildung wird abgewertet und unterbewertet. Sie ist jedoch nach wie vor der wichtigste Entscheidungsprozess, wenn es darum geht, wann ein Sportler wieder in den Sport zurückkehren kann.
  • Kliniker sollten sich davor hüten, die „klinische Urteilsbildung zugunsten mangelhaft wissenschaftlich validierter Untersuchungen oder Instrumente“ abzuwerten.(19)
  • „Behandeln Sie den Athleten, nicht das Röntgenbild“.

Merkmale der klinischen Urteilsbildung ( edit | edit source )

Charakteristische Merkmale von Fachwissen (Expertise) sind: (20)

  • Stillschweigendes Wissen (implizites Wissen)
    • Wissen, das sich nur schwer ausdrücken lässt und daher schwieriger an andere weitergegeben werden kann, sei es schriftlich oder durch Verbalisieren
    • Beinhaltet persönliche Weisheit, Erfahrung, Einsicht, Intuition
  • Reflexion in Aktion
    • Relevant, wenn ein Kliniker mit einer unsicheren Situation oder widersprüchlichen Werten konfrontiert ist
    • Wenn es um Fragen geht, für die direkte Leitlinien oder stillschweigendes Wissen unzureichend sind
    • Versuch, eine Lösung durch ein „reflektierendes Gespräch mit der Situation“ zu finden
    • Ermöglicht es dem Kliniker, offen für neue Ansätze und Einsichten zu sein
    • Stillschweigende Erkenntnisse, die sich im Zusammenhang mit wiederholten Beobachtungen und Leitlinien entwickelt haben, werden durch die Reflexion ebenfalls in Frage gestellt und können als Korrekturstrategie gegen das Überlernen eingesetzt werden.
  • Gestalterkenntnis
    • „Beurteilt die Ganzheit eines Musters, das nicht auf seine Teile reduzierbar und unabhängig von seinen Einzelheiten denkbar ist.“(20)
    • Gestalterkenntnis bewertet Muster
    • Persönliche Erfahrung kann in Gestalterkenntnis umgewandelt werden, und diese wiederum kann in stillschweigendes Wissen und Reflexion im Handeln umgewandelt werden
    • Gestalterkenntnis ermöglicht es einem Experten, „Situationen schnell zu interpretieren und herausragende Leistungen zu erbringen“.

Erfahrene Kliniker haben im Laufe der Zeit viele Lernprozesse durchlaufen und können bestimmte Muster erkennen und Situationen schnell interpretieren. Kliniker müssen jedoch darauf achten, dass sie nicht in die Falle tappen, sich ihrer Interpretation im Bezug auf ein spezifisches Muster zu sicher zu sein. Klinische Urteilsbildung kann anfällig für Bias (Voreingenommenheit) sein.(3)

Lesen Sie hier mehr: Clinical judgement and the medical profession.(20)

Rückkehr zum Sport: Wissenschaft oder Kunst? ( edit | edit source )

Batty(19) weist auf Folgendes hin:

  • Akzeptieren Sie die klinische Urteilsbildung bei der Entscheidungsfindung im Bezug auf die zur Rückkehr zum Sport – die Entscheidung ist fast ausschließlich klinisch
  • Wissenschaftliche Überprüfung und Forschung sind erforderlich, um die klinische Urteilsbildung zu unterstützen
  • Kliniker, die mit professionellen Sportvereinen in Verbindung stehen, sind dem Risiko der „Arbeitgeberbeeinflussung“ („employer bias“) ausgesetzt.
  • Der Kliniker ist in erster Linie dem Sportler gegenüber verpflichtet. Klinische Urteilsbildung ist jedoch nicht frei von Irrtümern, und es können Fehler gemacht werden.
  • Der Sportler sollte immer über alle medizinischen Behandlungs- und Rehabilitationsziele informiert und aktiv in alle Entscheidungen einbezogen werden.
  • Lesen Sie hier das kürzlich veröffentlichte Modell für Kliniker zur Verbesserung der Entscheidungsfindung bei der Rückkehr zum Sport:(21) A framework for clinicians to improve the decision-making process in return to sport.

Rückkehr zum Sport = Sportlerzentrierter Ansatz

Allgemeine Richtlinien ( edit | edit source )

  • Definieren Sie den Erfolg gemeinsam mit dem Sportler (und dem Team)
  • Mikro- und Makroplanung (Objektivität und Belastung)
  • Berücksichtigen Sie das Kontinuum der Rückkehr zum Sport und ggf. die Umkehrung der Rückkehr zum Sport
  • Berücksichtigen Sie das biopsychosoziale Modell in Bezug auf kontextuelle Auswirkungen und das multidisziplinäre Team
  • Rückkehr zum Sport: Wissenschaft oder Kunst?
    • Vielleicht ein bisschen von beidem?
  • Wissenschaftliche Grundlagen und Wissen sind erforderlich, aber es ist auch wichtig zu berücksichtigen, wie der Kliniker als Person an Situationen herangeht (klinische Urteilsbildung)
  • Evidenzbasierte Praxis ist entscheidend
  • Ethos des Klinikers – Ehrlichkeit, Klarheit und pragmatisches Vorgehen

Ressourcen(edit | edit source)

(23)

Referenzen(edit | edit source)

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  23. RF Idrottsutveckling.DR Clare Ardern – Return to sport: tips to help you in practice tomorrow. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=ClM680Iin24 (last accessed 08/06/2022)


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