Originale Autorin – Mariam Hashem
Top-Beitragende – Mariam Hashem, Wanda van Niekerk, Jess Bell, Kim Jackson, Tony Lowe, Chelsea Mclene, Robin Tacchetti, Tarina van der Stockt, Simisola Ajeyalemi, Abbey Wright, Olajumoke Ogunleye, Rachael Lowe und Leana Louw
Die Rehabilitation nach einer VKB-Rekonstruktion ist der Schlüssel zur Optimierung der klinischen Ergebnisse. Das Hauptziel besteht in der Regel darin, dass der Patient zu seinem Sport oder seiner Aktivität zurückkehren und das gleiche Leistungsniveau wie vor der Verletzung erreichen kann. Die Evidenz zeigt, dass ungefähr 80 % der Personen nach VKB-Verletzungen nach einer operativen Bandrekonstruktion zu irgendeiner Form von Sport oder Aktivität zurückkehren. Nur 65 % kehren jedoch auf ihr vorheriges sportliches Niveau zurück, und nur 55 % in den Leistungssport.(1)
Trotz der zahlreichen Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet gibt es unterschiedliche Nachbehandlungsschemata für das vordere Kreuzband, und es fehlt nach wie vor an einem Konsens über standardisierte Progressionskriterien für die Rückkehr zum Sport.(2) In der Literatur wird jedoch übereinstimmend darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, klare Ziele zu setzen, wie z. B. die Verringerung von Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen, die Wiederherstellung des vollen Bewegungsausmaßes und der neuromuskulären Kontrolle des Knies sowie die Rückkehr zum körperlichen und sportlichen Aktivitätsniveau vor der Verletzung.(3) Kliniker sollten daher einen progressiven, kriterienbasierten Rehabilitationsansatz verfolgen, bei dem klinische und auf spezifische Beeinträchtigungen basierende Kriterien angewandt werden, um die Bereitschaft zur Rückkehr zum Sport zu bestimmen.(4)
Eine Herausforderung bei der Behandlung eines Patienten mit einer VKB-Verletzung besteht darin, dass es sich dabei naturgemäß um eine Langzeitverletzung handelt. Die Fähigkeit, über den gesamten Zeitrahmen hinweg sinnvoll zu planen, ist eine notwendige Fertigkeit für Kliniker. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie Sie diesen Planungsprozess angehen können – von den postoperativen Überlegungen, die die ersten Wochen prägen, über die physiologischen Prinzipien, die der Übungsverordnung zugrunde liegen, bis hin zur Struktur eines Wochenprogramms.
Vor der Erstellung eines langfristigen Rehabilitationsplans sollten Kliniker die Vorgaben und Einschränkungen kennen, die für die frühe postoperative Phase des jeweiligen Patienten gelten. Die Priorität liegt darin, das chirurgische Ergebnis zu schützen und die Heilung zu ermöglichen, ohne die Beweglichkeit zu beeinträchtigen.
Bewegungsausmaß
Das Bewegungsausmaß wird postoperativ in der Regel nicht vom Operateur limitiert, so dass nach einer VKB-Rekonstruktion sofort mit der Mobilisation des Knies begonnen werden kann. Die Patienten sollten ermutigt werden, das Knie im Rahmen ihrer Schmerzgrenze im verfügbaren Bewegungsausmaß sowohl aktiv als auch passiv zu bewegen. Die frühzeitige Wiederherstellung des Bewegungsausmaßes ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg nach einer VKB-Rekonstruktion. Bewegungsschienen (Motorschiene, CPM-Schiene) werden nicht empfohlen, da die Evidenz keinen zusätzlichen Nutzen hinsichtlich Schmerzen, Bewegungsausmaß oder Schwellung im Vergleich zu aktiven Bewegungsübungen zeigt.(2)(5)
Orthesen
Die meisten klinischen Praxisleitlinien schreiben keine postoperative Orthesenversorgung vor,(2)(6) obwohl die APTA-Leitlinie die Verwendung einer sofortigen postoperativen Knieorthese je nach Präferenz des Patienten oder bei begleitenden Bandverletzungen zulässt.(7) In der Praxis hängen Entscheidungen bezüglich der Orthesenversorgung vom Chirurgen, vom Kliniker und vom jeweiligen Kontext ab. Einige Chirurgen bzw. Kliniker bevorzugen es, das Knie mit einer immobilisierenden Schiene zu versorgen, die dann durch eine funktionelle, gelenkige Knieorthese ersetzt wird, sobald die Nervus-Femoralis-Blockade nach der Operation nachlässt. Der Hauptzweck der Orthese besteht darin, eine erneute Verletzung in der akuten Phase zu verhindern, und die Indikation hängt vom jeweiligen Kontext ab. So ist beispielsweise eine Orthesenversorgung unerlässlich, wenn der Patient im Winter durch Schnee oder Eis ausrutschen könnte, während eine sicherere Umgebung möglicherweise keinen zusätzlichen Schutz erfordert.
Belastung
Neuere Schemata und Leitlinien befürworten eine frühzeitige Vollbelastung (innerhalb der ersten Woche), „jedoch wird den Klinikern empfohlen, die Belastung schrittweise entsprechend der Schmerzgrenze zu steigern.“(2) Einige Kliniker bevorzugen in den ersten zwei Wochen nach der Operation eine kurze Phase der Teilbelastung, um die Heilung zu fördern und die Gelenkhomöostase wiederherzustellen. Die Verwendung von Unterarmgehstützen für die Teilbelastung ermöglicht zudem ein symmetrischeres Gangbild in den frühen Phasen nach der Operation.(6)
Fahrradergometer
Die Benutzung eines Fahrradergometers wird häufig ab Tag 10 oder sobald 110° an Knieflexion erreicht sind, eingeführt. Die Belastung lässt sich über die Einstellung des Widerstands am Gerät leicht steuern. Ist das Bewegungsausmaß noch eingeschränkt, kann zu Beginn eine Übung in U-Form (ohne volle Umdrehung) durchgeführt werden.(4)
Widerstandstraining
Ein belastetes Widerstandstraining wird in der Regel erst 6 Wochen nach der Operation aufgenommen, um eine Narbenhypertrophie und Steifheit zu vermeiden.(4) Andrade et al. haben jedoch Empfehlungen aus klinischen Praxisleitlinien ausgewertet und berichtet, dass die meisten Leitlinien den Einsatz von Kraft- und neuromuskulärem Training in den meisten Phasen der postoperativen Rehabilitation empfehlen.(2)
Wenn Sie möchten, können Sie sich hier über die Ziele der akuten Behandlung nach einer VKB-Rekonstruktion informieren.
Nach den ersten 6 Wochen der akuten Behandlung kann der Kliniker damit beginnen, einen längerfristigen Rehabilitationsplan zu erstellen. Die Festlegung spezifischer Ziele und Meilensteine ist wichtig, und Zeitrahmen für diese Ziele helfen dabei, den Prozess zu strukturieren. Der Zeitfaktor allein sollte jedoch nicht den Fortschritt bestimmen – relevante, objektive Kriterien und die individuellen Bedürfnisse des Patienten sind am wichtigsten.
Die mittlere Phase der Rehabilitation erstreckt sich in der Regel über die Wochen 6 bis 24 nach einer VKB-Rekonstruktion. Zu den Zielen in dieser Phase sollte die Behebung von Defiziten im Zusammenhang mit der neuromuskulären Funktion gehören. Dazu können muskel- und gelenkspezifische Kraftungleichgewichte, die Kraft in der geschlossenen kinetischen Kette sowie Grundbewegungsmuster gehören. Ein Programm zur Wiederherstellung der körperlichen Fitness sollte ebenfalls einbezogen werden, nicht nur, um einen Konditionsabbau („Detraining“) zu vermeiden, sondern auch, um bei der Rückkehr zum Sport eine optimale Fitness sicherzustellen.(8)
Buckthorpe und Della Villa(8) empfehlen, die mittlere Phase anhand der Belastbarkeit des Knies und der funktionellen Leistungsfähigkeit in zwei Blöcke zu unterteilen.
Während des ersten Blocks (ca. Woche 6 bis 12) verträgt das Knie keine hohen Belastungen, und die Schwäche des Quadrizeps schränkt das funktionelle Training an Land ein. Während dieser Grundlagenphase sollte der Schwerpunkt auf isolierten Übungen zur Kräftigung liegen, wie beispielsweise Beinpresse und Kniestreckung, die typischerweise mit 12 bis 20 Wiederholungen bei geringerer Intensität durchgeführt werden. Das Schwimmbad eignet sich gut für funktionelle Bewegungsübungen, da Patienten dort Kniebeugen, Ausfallschritte und Gangtraining mit einer Gewichtsentlastung von 40–60 % durchführen können.(8)
Der zweite Block (ca. Woche 12 bis 18 oder 24) stellt eine Phase der funktionellen Integration dar, da sich die Belastbarkeit des Knies verbessert und der Leg Symmetry Index (LSI) in der Regel 70 % übersteigt. Der Schwerpunkt in diesem Block verlagert sich auf ein Gleichgewicht zwischen isolierten und funktionellen Übungen zur Kräftigung, die mit moderater Intensität in 8 bis 12 Wiederholungen durchgeführt werden. Wenn die entsprechenden Kriterien erfüllt sind, kann in dieser Phase mit dem Laufen begonnen werden, und zwar mit Laufbandtraining und einem progressiven Lauf-Geh-Schema.(8)
Diese Strukturierung stellt sicher, dass die Intensität der Rehabilitation und die Auswahl der Übungen der Belastbarkeit des Knies und der funktionellen Leistungsfähigkeit des Patienten entsprechen.(8)
Die empfohlenen Kriterien für den Übergang aus den frühen bis mittleren Phasen der Rehabilitation(8) sind in Tabelle 1 zusammengefasst.
| Parameter | Ergebnismessung | Ziel |
|---|---|---|
| Schmerzen | Numerische Rating-Skala (NRS) | 0 – 2 |
| Schwellung/Erguss | Ergusspalpation (Bulge-Sign/Stroke-Test) | Kein bis minimaler Erguss |
| Passive Knieextension | Prone-Hang-Test (Bauchlage mit Überhang) | 0 Grad |
| Passive Knieflexion | Messung mit Goniometer (Winkelmesser) in Rücken- oder Bauchlage | Mindestens 120 Grad Knieflexion |
| Quadrizepsaktivierung | Volle Kontraktion | Kein Defizit beim gestreckten Anheben des Beins (Straight Leg Raise) mit 10 Wiederholungen |
| Gangbild | Ganganalyse | Normales Gangbild ohne Hilfsmittel |
Tabelle 2 zeigt die empfohlenen Kriterien für den Übergang von der mittleren zur späten Phase der Rehabilitation.(8)
| Parameter | Ergebnismessung | Ziel |
|---|---|---|
| Kniegelenkserguss | Ergusspalpation (Bulge-Sign/Stroke-Test); Messung des Knieumfangs (eine Zunahme von mehr als 1 cm an der Patella ist klinisch signifikant) | Kein Gelenkserguss und nur minimales Anschwellen nach Aktivität (weniger als 1 cm bei der Messung des Knieumfangs an der Patella) |
| Bewegungsausmaß des Knies | Gleiche Kriterien wie für den Übergang zur mittleren Phase | Volles Bewegungsausmaß |
| Kniekraft (Extensoren und Flexoren) | Isokinetische Tests – abwechselnde konzentrische Knieextension und -flexion bei 90° s-1 für 4 Wiederholungen und 180° s-1 für 20 Wiederholungen | LSI > 80 % für Knieflexoren und -extensoren und ein F/E-Verhältnis >0,60 |
| Muskelkraft (geschlossene Kette) | Krafttest an der Beinpresse (90° Flexion des Knies und Sitzwinkel von 45° – maximal erreichtes Gewicht bei 8 RM); ODER
Isometrische einbeinige Kniebeuge (einbeinige 60°-Flexion des Knies auf Kraftmessplatte – die Person sollte unter einer festen Stange stehen, um die Genauigkeit der Messung zu gewährleisten) |
Mindestens 125 % des Körpergewichts (KG) für 8RM (Einwiederholungsmaximum) oder 1,5 × KG des berechneten 1RM; ODER
Spitzenkraft > 150 % des Körpergewichts |
| Glutealmuskeln | Einbeinige Brücke (Single Leg Bridge) als Test | Mehr als 20 Wiederholungen mit maximal 5 Wiederholungen Differenz zur Gegenseite – keine Krämpfe in der ischiokruralen Muskulatur oder den Adduktoren |
| Wadenmuskeln | Einbeiniges Fersenheben (Calf Raises) (Fuß auf einer Stufe, Anheben der Ferse im vollen Bewegungsausmaß) | Mehr als 20 Wiederholungen mit maximal 5 Wiederholungen Differenz zur Gegenseite |
| Gleichgewicht | Gleichgewicht im Einbeinstand, Arme über der Brust gekreuzt. Zuerst mit offenen Augen und dann mit geschlossenen Augen | Augen offen – 43 Sekunden; Augen geschlossen – 9 Sekunden (basierend auf Normwerten) |
| Qualität der Bewegung | Einbeinige Kniebeuge (Single Leg Squat) als Test (mindestens 60° Flexion des Knies bei minimaler Rumpf- und Beckenbewegung, keine Hüftadduktion oder Innenrotation) | Gute Bewegungsqualität |
| Lauftechnik | Beurteilung der Lauftechnik bei 8–10 km h-1 (Beurteilung der Laufmechanik – Kontrolle der Ausrichtung in der Frontal- und Sagittalebene) | Normalisierte Lauftechnik und Fähigkeit, > 10 Min. bei 8 km h-1 zu laufen |
Wenn Sie mehr über die frühen und späten Phasen der Rehabilitation erfahren möchten, lesen Sie bitte VKB Rehabilitation – Akutes Management nach der Operation und VKB Rehabilitation – Erneute Verletzungen und Return-To-Sport-Tests.
Denken Sie daran, dass Entscheidungen über die Rehabilitation und die Rückkehr zum Sport sich darauf konzentrieren sollten, „wie“ der Sportler zurückkehrt und nicht „wann“. Der Zeitfaktor spielt eine Rolle und ist notwendig, aber Zeit allein ist keine Garantie für erfolgreiche Ergebnisse.(9)
Als Physiotherapeut haben Sie die Aufgabe, Ihren Patienten durch einen langfristigen Rehabilitationsplan zu führen. Die Festlegung von Meilensteinen und Zielen hängt von den Bedürfnissen Ihres Patienten und seinem angestrebten Funktionsniveau ab. Es gibt Evidenz dafür, dass die Festlegung von Zielen die Selbstwirksamkeit und – was besonders wichtig ist – die Adhärenz während der Rehabilitation verbessert.(10) Die Nutzung von Erfahrung und klinischem Reasoning zur Vorhersage von Ergebnissen und Zeitrahmen für jedes Ziel ist ein wichtiger Teil des Prozesses.
Aufbauend auf dem oben beschriebenen Zwei-Blöcke-Modell lässt sich die Rehabilitationsplanung in neun Phasen gliedern, wobei die Phasen der muskulären Ausdauer, Kraft und Leistung einen großen Teil der mittleren Phase der Rehabilitation ausmachen.
Beweglichkeit
Diese Phase beginnt unmittelbar nach der Operation und dauert bis zur sechsten Woche. Der Schwerpunkt liegt auf der Erhaltung des vorhandenen Bewegungsausmaßes, der Förderung der Wiederherstellung des vollen Bewegungsausmaßes, der Behandlung von Ergüssen und Entzündungen sowie dem Erreichen der vollständigen Extension des Knies. Das Erreichen der vollständigen Extension des Knies in der frühen Rehabilitationsphase hat keinen Einfluss auf die Stabilität des Transplantats.(11)
Das Ziel ist es, innerhalb von 4 Wochen nach der Operation eine Flexion von 120° zu erreichen, mit vollständiger symmetrischer Flexion bis zur 12. Woche. Beispiele für Beweglichkeitsübungen sind die aktiv-assistive Knieflexion an der Bettkante, Wall Slides (Rückenlage vor einer Wand, Füße an der Wand, nicht betroffenes Bein unterstützt den betroffenen Unterschenkel), aktiv-assistive Flexion im Sitzen/auf einer Stufe oder eine halben Umdrehung auf dem Fahrradergometer.(12)
Belastungstoleranz schrittweise erhöhen
Diese Phase gilt in erster Linie für Patienten mit begleitenden Meniskus- oder Knorpelverletzungen, bei denen die Belastung bis zu 6 Wochen lang eingeschränkt sein kann. In diesen Fällen ist eine allmähliche Steigerung der Belastungstoleranz erforderlich, bevor man zur Kräftigung übergeht. Bei einer isolierten VKB-Rekonstruktion ist der Übergang von der Teil- zur Vollbelastung nach 2 Wochen in der Regel unkompliziert und erfordert keine spezielle Phase zum Aufbau der Belastbarkeit.(13)
Aufbau der muskulären Ausdauer
Ausdauer ist die Fähigkeit, über einen längeren Zeitraum hinweg Arbeit zu verrichten und Ermüdungserscheinungen zu widerstehen. Die Übungen sollten von geringer Intensität sein (<50 % des 1RM), mit hoher Wiederholungszahl (15-20) für 3 oder mehr Sätze mit weniger als 60 Sekunden Pause. Die Trainingshäufigkeit sollte zwei- bis dreimal pro Woche betragen, mit 48 Stunden Pause zwischen den Trainingseinheiten.(4) Der Zeitrahmen für diese Phase hängt von der Gelenkpathologie ab und kann bis zu 8 Wochen dauern, wobei sie typischerweise die Wochen 10–18 der Rehabilitation umfasst.
Beispiele für Übungen, die in dieser Phase eingesetzt werden können, sind: gehaltene Wall Squats, TRX-Squats, einbeinige Kniebeugen in der Beinpresse, Brücke (Supine Bridge) mit einseitigem Hamstring-Curl, Seitwärtsschritte mit Widerstand (Fitnessband) und abwechselnde gehaltene Ausfallschritte (Lunges).(4)
Der Übergang vom Ausdauertraining zum Krafttraining kann beginnen, wenn der Sportler Folgendes aufweist:(4)
Entwicklung der Kraft
Kraft ist die Fähigkeit, Kraft/Drehmoment mit einer bestimmten Geschwindigkeit auszuüben. Diese Phase umfasst in der Regel die Wochen 19 bis 26 der Rehabilitation. Untersuchungen deuten auf eine Schwäche der Hüft-, Knie- und Sprunggelenkmuskulatur nach VKB-Verletzungen hin, wobei die Schwäche der Knieflexoren und -extensoren über einen längeren Zeitraum nach der Operation bestehen bleibt.(15) Das Krafttraining erfordert mäßige bis schwere Lasten (60-67 % des 1-RM), mit häufiger Erhöhung des Widerstands. Je nach vorherigem Kraftniveau des Patienten werden die Übungen mit 1-12 Wiederholungen für 1-3 Sätze mit 2 Minuten Pause zwischen den Sätzen durchgeführt. Alle vier Wochen wird eine Entlastungswoche empfohlen, um eine Erholung zu ermöglichen (mit einem Widerstand von 50-60 % 1RM).(4)
Die Auswahl der spezifischen Kräftigungsübungen hängt von den anvisierten Muskelgruppen ab. Ein 30- bis 40-minütiges Training für die untere Extremität könnte zum Beispiel so aussehen:
| Muskel | Beispiel | |
|---|---|---|
| Dominanz des Quadrizeps | Beinpresse (Leg Press) | |
| Dominanz der Glutealmuskulatur | Einbeinige Brücke / Beckenheben (Single Leg Bridge) | |
| Dominanz der Hamstrings | Rumänisches Kreuzheben (Romanian Deadlift) | |
| Dominanz des Quadrizeps | Tuck Squat | |
| Dominanz des Quadrizeps | Single Leg Squat | |
| Dominanz der Hamstrings | Hamstrings Lean / Nordic Hamstrings Curl |
Weitere Beispiele und mehr über die Abfolge der Übungen finden Sie in Tabelle 6 in diesem Artikel.
Schnellkraft
Schnellkraft ist eine Kombination aus Kraft und Geschwindigkeit. Diese Phase umfasst in der Regel die Wochen 27-32 der Rehabilitation. Das Training der Maximalkraft erfordert 85-100 % des 1RM, 1-3 Sätze mit 3 Minuten Pause. Die Entwicklung der Geschwindigkeit erfordert einen geringeren Widerstand (etwa 30 % des 1RM) bei 6 Wiederholungen, 1-3 Sätze mit 3 Minuten Pause.(13)
Mit dem Schnellkrafttraining sollte begonnen werden, wenn der Sportler die folgenden Kriterien erfüllt:
Aufbau der Lauftoleranz
Nicht alle Sportarten erfordern das gleiche Laufpensum. Daher sollte das Laufprogramm auf die Bedürfnisse des Sportlers zugeschnitten sein. Diese Phase beginnt in der Regel um die 27. Woche und erstreckt sich über einen Zeitraum von 4-6 Wochen.(13) Der Vail Sports Test kann dabei helfen zu beurteilen, wie der Sportler sein verletztes Knie belastet, was sich auf das Laufen auswirkt.(4)
Sie können ein Laufprogramm einführen, wenn der Sportler einen Quadrizeps-Index von 80 % erreicht hat, um sicherzustellen, dass die Laufmechanik dem Normalzustand so nahe wie möglich kommt.(5) Eine aktuelle klinische Praxisleitlinie schlägt die folgenden Kriterien für die Rückkehr zum Laufen vor:(5)
Die Steigerung der Lauftoleranz sollte schrittweise und langsam über einen Zeitraum von bis zu 4 Wochen erfolgen. Das Laufen auf einem Anti-Schwerkraft-Laufband oder im Schwimmbad ist hilfreich, um mit einer Teilbelastung zu beginnen; diese kann mit jeder Sitzung um 5 % bis zur Vollbelastung gesteigert werden. Ein Run-Walk-Schema kann ebenfalls nützlich sein. Sie können mit vier Minuten Gehen beginnen, gefolgt von einer Minute Laufen, und dies 4 Mal über 20 Minuten, 2-3 Mal pro Woche, wiederholen. Jede Woche kann das Laufsegment um eine Minute erhöht und das Gehsegment um eine Minute reduziert werden, bis der Sportler in der Lage ist, an einem Stück 20 Minuten lang zu laufen.(4) Wenn Anzeichen einer Überlastung auftreten, sollte der Sportler zur vorherigen Stufe der Laufprogression zurückkehren.
Schnelligkeits- und Agilitätstraining
Schnelligkeit und Agilität sind wichtig für die Rekonditionierung und die Rückkehr zum Sport. Erstellen Sie ein spezifisches Übungsprogramm, das auf die sportartspezifischen Bedürfnisse Ihres Patienten abgestimmt ist. Führen Sie zum Beispiel in der 32. Woche eine Woche lang ein unidirektionales Drilltraining ein und gehen Sie dann zu einem multidirektionalem Training über.(4)
Am Ende dieser Phase muss der Sportler in der Lage sein:(4)
Rückkehr zum Training und Rückkehr zum Spiel (Return to Play)
Für Profisportler sind die Mindestkriterien für die Freigabe der klinischen Rehabilitation und die Aufnahme des Trainings mit einem Trainer oder einer Mannschaft im Folgenden aufgeführt. Von diesem Punkt an sollte eine schrittweise Rückkehr zur vollen sportlichen Teilnahme erfolgen.(5)
Der Zeitrahmen variiert von Sportart zu Sportart, und die oben beschriebenen Phasen sind Empfehlungen, die dem Kliniker und dem Sportler als Orientierungshilfe bei der Planung dienen sollen.
Lesen Sie hier mehr über die Rückkehr zum Spiel und Tests zur Rückkehr zum Spiel.
Berücksichtigen Sie bei der Erstellung eines Wochenplans die Prioritäten Ihres Sportlers und die erforderlichen Werte der verschiedenen physiologischen Merkmale.
Im Folgenden wird ein wöchentlicher Plan für einen Sportler vorgeschlagen, bei dem die Kraft der unteren Extremität oberste Priorität hat; dazu kommen kardiovaskuläre Fitness, Core-Stabilität und Oberkörperkraft. Dementsprechend umfasst der Plan 4 Krafteinheiten für die untere Extremität, 2 Kardio-Einheiten, 2 Einheiten im Schwimmbad, 2 Core-Einheiten und 2 Krafteinheiten für den Oberkörper.
| Montag | Beinkraft + Kardio |
| Dienstag | Beinkraft + Oberkörperkraft |
| Mittwoch | Erholung bei geringer Belastung (Core-Stabilität + Schwimmbad) |
| Donnerstag | Wie am Montag |
| Freitag | Wie am Dienstag |
| Samstag | Wie am Mittwoch |
| Sonntag | Frei |
Das Ziel, eine größtmögliche Symmetrie zwischen betroffenem und nicht betroffenem Knie zu erreichen, ist für die Genesung und die Wiederherstellung der Funktion nach einer VKB-Rekonstruktion von wesentlicher Bedeutung. Abnorme Belastungsmuster können zu einem Kraftverlust führen, der wiederum weitere abnorme Belastungsmuster zur Folge hat. Symmetrie bedeutet in diesem Zusammenhang gleiche Beweglichkeit und gleiche Kraft. Bereits ein Verlust von 2° Extension und 5° Flexion im Vergleich zum anderen Knie wird mit niedrigeren subjektiven Scores verbunden.(19)
Die Forschung belegt die Bedeutung der Symmetrie für die langfristigen Ergebnisse. Hetsroni und Kollegen fanden heraus, dass die Aufrechterhaltung der sportlichen Betätigung 5-10 Jahre nach einer VKB-Operation mit Symmetrien des Muskeldrehmoments und der Landekinematik verbunden war.(20) Cristiani und Kollegen fanden heraus, dass die symmetrische isokinetische Quadrizepskraft und die Leistung beim Single Leg Hop Test 6 Monate nach der VKB-Operation durchweg die Wahrscheinlichkeit erhöhten, dass ein Patient 2 Jahre nach der Operation einen PASS („Patient-Acceptable Symptom State“, d. h. einen „für den Patienten akzeptablen Symptomzustand“) beim KOOS erreichen würde.(21) Wenn das Transplantat aus dem kontralateralen Bein entnommen wird, ist es entscheidend, während der Rehabilitation das Bewegungsausmaß in beiden Knien wiederherzustellen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die mit dem LSI gemessene Symmetrie irreführend sein kann. Der LSI berücksichtigt oft nicht die Kraft der rekonstruierten Seite vor der Verletzung, Veränderungen der Muskelkraft (Abnahme oder Zunahme) der unverletzten Seite, bilaterale Defizite und Kompensationsstrategien.(22) Beispielsweise kann ein Patient einen LSI-Wert von 90 % erreichen, nicht weil sein verletztes Bein stark ist, sondern weil sein unverletztes Bein ebenfalls geschwächt ist. Kliniker sollten daher nicht nur die Symmetrie, sondern auch die absoluten Kraftwerte berücksichtigen.