Originale Autorin – Mariam Hashem
Top-Beitragende – Mariam Hashem, Wanda van Niekerk, Kim Jackson, Jess Bell, Tarina van der Stockt, Uchechukwu Chukwuemeka, Rucha Gadgil, Chelsea Mclene, Leana Louw, Olajumoke Ogunleye und Carin Hunter
Ungefähr 81 % der Personen nach Verletzungen des vorderen Kreuzbands (VKB) kehren nach einer operativen Rekonstruktion des VKB zu irgendeiner Form von Sport oder Aktivität zurück. 65 % kehren auf ihr vorheriges sportliches Niveau zurück, aber nur 55 % in den Leistungssport.(1) Für diejenigen, die erfolgreich zum Sport zurückkehren, bleibt eine erneute Verletzung ein erhebliches Risiko.
Die durchschnittliche Inzidenz einer erneuten VKB-Ruptur liegt bei 15 % und verteilt sich zu etwa gleichen Teilen auf das kontralaterale Knie (8 %) und das ipsilaterale (operierte) Knie (7 %). Bei Sportlern unter 25 Jahren, die zum Sport zurückkehren, steigt diese Zahl auf 23 %.(2)
Beachte: Eine zweite VKB-Verletzung bedeutet in diesem Kontext entweder eine erneute Verletzung des zuvor betroffenen Bandes oder eine Verletzung des kontralateralen VKB.
Insgesamt weist das kontralaterale VKB bei Sportlern eine höhere Rupturrate auf als das ipsilaterale VKB, wobei dieser Befund in erster Linie auf weibliche Sportler zurückzuführen ist; männliche und jugendliche Sportler zeigen kein vergleichbares Muster.(3) Das Bestehen von Return-To-Sport-Tests scheint das Risiko einer Reruptur auf der ipsilateralen Seite zu verringern, wirkt sich jedoch offenbar nicht auf die kontralaterale Seite aus.(4) Das Risiko einer erneuten Verletzung besteht noch bis zu 5 Jahre nach der Verletzung.(5)(6) Im männlichen Profifußball zum Beispiel erleidet einer von fünf Spielern innerhalb von durchschnittlich fünf Jahren eine zweite VKB-Verletzung.
Die Risikofaktoren für sekundäre VKB-Verletzungen sind in der Literatur umfassend untersucht worden.
Anhaltende neuromuskuläre Defizite, einschließlich Muskelschwäche, eingeschränkter Gelenkbeweglichkeit und beeinträchtigter Bewegungskontrolle, werden häufig nach einer VKB-Rekonstruktion festgestellt und können trotz systematischer Rehabilitation über Monate oder Jahre hinweg bestehen bleiben.(7)(8) Defizite in der neuromuskulären Kontrolle gelten als ein wichtiger modifizierbarer Risikofaktor für eine zweite VKB-Verletzung.(8)
Zu den spezifischen biomechanischen Risikofaktoren gehören: veränderte Bewegungsmuster des Rumpfes und der unteren Extremitäten; Defizite bei der Kontrolle von Knie, Hüfte und Rumpf bei Landungsaufgaben; Muskelungleichgewichte sowie Asymmetrien zwischen den Seiten.(9)(10)(11)
Abnormale Bewegungsmuster sind oft beidseitig vorhanden und äußern sich durch Veränderungen in der Kinetik und Kinematik beider Knie.(12) Die Entwicklung kompensatorischer Strategien der nicht betroffenen Hüfte gilt als wichtigster Prädiktor für das Risiko bei Sportlern, die innerhalb des ersten Jahres nach dem Return to Play eine zweite VKB-Verletzung erlitten haben.(13) Daher ist es notwendig, beide Extremitäten in die Rehabilitation einzubeziehen.(12)
Kraftdefizite des M. quadriceps femoris sind ein häufiges Problem nach einer Operation zur VKB-Rekonstruktion und können zu abnormalen Belastungsmustern beim Gehen und bei sportlichen Aktivitäten führen.(12)(14) Untersuchungen haben ergeben, dass die Kraft der Kniestrecker ein Jahr nach der VKB-Rekonstruktion im Vergleich zur kontralateralen Extremität um mehr als 10 % und im Vergleich zu unverletzten Kontrollpersonen um etwa 20 % reduziert ist.(14) Nach diesem Zeitraum scheint es nur eine begrenzte Verbesserung der Kraft zu geben.(14) Ebenso wurde festgestellt, dass ein Unterschied im Oberschenkelumfang von mehr als 2,5 cm bei der Nachuntersuchung nach einem Jahr ein signifikanter Prädiktor für eine erneute Verletzung ist.(15) Die frühzeitige Wiederherstellung der Quadrizepskraft ist daher eine klinische Priorität.
Je früher die Kraft des M. quadriceps femoris wiederhergestellt wird, desto besser ist die funktionelle Leistung des Patienten zum Zeitpunkt der Rückkehr zum Sport.(16)(17)
Junge Sportler haben ein erhöhtes Risiko für eine erneute Verletzung sowohl derselben als auch der gegenüberliegenden Seite.(12) Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Verletzung nach einer VKB-Rekonstruktion steigt mit dem abnehmendem Alter der Patienten um 7 % für jedes Jahr.(18) Bei Sportlern unter 18–20 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Verletzung des VKB 2,5-mal höher als bei Sportlern über 18–20 Jahren.(18)
Die Evidenz zum Geschlecht als Risikofaktor ist uneinheitlich; es gibt keinen konsistenten Unterschied in den Rezidivraten zwischen Männern und Frauen nach einer VKB-Rekonstruktion, obwohl Frauen ein höheres Risiko für eine kontralaterale VKB-Ruptur aufweisen.(19)(18)(20)(21)
Die Art des Transplantats kann das Rezidivrisiko beeinflussen; Forschungsergebnisse zeigen einen Vorteil für Autotransplantate (Autografts) gegenüber Allotransplantaten (Allografts) und für Patellarsehnen-Transplantate gegenüber Hamstringsehnen-Transplantate.(22)
Psychologische Faktoren wie die Angst vor einer erneuten Verletzung, Kinesiophobie, mangelndes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit nach einer VKB-Rekonstruktion und negative Stimmungslagen erhöhen das Risiko einer erneuten Verletzung.(23) Kinesiophobie ist mit veränderten Bewegungsmustern, verminderter körperlicher Aktivität und schlechteren funktionellen Ergebnissen nach einer VKB-Rekonstruktion verbunden. Sportler, die nach einer VKB-Rekonstruktion zum Sport zurückkehren, zeigen eine deutlich höhere psychische Bereitschaft, eine größere Selbstwirksamkeit und eine geringere Kinesiophobie als diejenigen, die nicht zum Sport zurückkehren, selbst wenn beide Gruppen ähnliche objektive Kniefunktionswerte aufweisen.(24)
Eine Wiederverletzung und die Notwendigkeit einer Revisions-OP sind mit schlechteren Langzeitergebnissen verbunden, darunter ein erhöhtes Risiko für Arthrose, eine anhaltende Instabilität des Knies und eine geringere Wahrscheinlichkeit, zum Sport zurückzukehren.
Das Erreichen einer bilateralen Symmetrie des Quadrizeps vor der Rückkehr zum Sport ist für die Vorbeugung künftiger erneuter Verletzungen von wesentlicher Bedeutung. Das Hamstring-Quadrizeps-Kraftverhältnis (H/Q) ist ein weiterer wichtiger Faktor, der bei der Rehabilitation berücksichtigt werden muss. Ziel ist es, vor der Rückkehr zum Sport eine mindestens 90%ige Kraftsymmetrie zwischen beiden Muskelgruppen zu erreichen.(25) Auch die Kriterien für die Rückkehr zum Sport (RTS-Kriterien) sind von Bedeutung. Eine Studie ergab, dass Sportler, die die RTS-Kriterien erfüllten, eine erneute Verletzungsrate von 5,6 % aufwiesen. Bei denjenigen, die diese Kriterien nicht erfüllten, lag die erneute Verletzungsrate bei 38,2 %.(26)
Die Rolle des Zeitfaktors bei der Verringerung des Risikos einer erneuten VKB-Verletzung nach einer Rekonstruktion ist Gegenstand einer anhaltenden Debatte. Frühe Einschätzungen Ende der 1990er Jahre sprachen sich für eine Rückkehr zum Sport nach 6 Monaten aus. Eine wegweisende Studie aus dem Jahr 2016 berichtete jedoch von einer signifikanten Verringerung der Rezidivrate für jeden Monat, um den die Rückkehr zum Sport bis zu 9 Monate nach der Operation verzögert wurde; nach 9 Monaten wurde keine weitere Risikoreduktion beobachtet.(26) Eine Rückkehr zum Sport weniger als 9,5 Monate nach der Operation gilt als signifikanter Prädiktor für eine erneute Verletzung,(15) und junge Sportler weisen eine siebenfach erhöhte Rate für eine zweite VKB-Verletzung auf, wenn sie vor Ablauf von 9 Monaten nach der VKB-Rekonstruktion zum Sport zurückkehren.(27) Unter Physiotherapeuten weltweit gehen die Meinungen erheblich auseinander: Zwischen 22 % und 95 % erlauben eine Rückkehr zum Sport vor Ablauf von 9 Monaten nach der VKB-Rekonstruktion.(28)(29) Eine aktuelle systematische Übersicht empfiehlt jedoch, „die Rückkehr zum Sport auf mehr als 9 Monate (insbesondere bei nicht professionellen Sportlern) nach der ersten VKB-Rekonstruktion zu verschieben, um auf Nummer sicher zu gehen.“(30) Andere Forschungsarbeiten fordern Wartezeiten von bis zu 12 Monaten bis 2 Jahren, um die biologische Heilung, Reifung und Ligamentisierung des neuen Transplantats zu ermöglichen.(31)(32)
Der Fokus verlagert sich jedoch immer mehr von der rein zeitlichen Komponente hin zu einer „Kombination aus zeitbasierten und kriterienbasierten Entscheidungen zur Rückkehr zum Sport“,(28) wobei funktionelle Tests zunehmend an Bedeutung gewinnen.(33) Die klinischen Leitlinien widersprechen sich zwar in der Frage, ob die Zeit oder die objektiven Kriterien Vorrang haben sollten,(34)(25) doch zeigten prospektive Studien an männlichen Sportlern, dass die Einhaltung des Rehabilitationsplans in einem Dosis-Wirkungs-Zusammenhang mit den Rückkehrraten stand. Wenn Sportler ihre Rehabilitation abgeschlossen und die festgelegten objektiven Kriterien erfüllt hatten, stieg ihre Wahrscheinlichkeit, zu Pivoting-Sportarten zurückzukehren, signifikant an. Entscheidend ist, dass die Zeit keinen Einfluss auf das Risiko einer erneuten Verletzung hatte, sofern die Sportler die objektiven Kriterien erfüllten. Dies legt nahe, dass der Fokus eher auf dem „Wie” der Rückkehr des Sportlers liegen sollte als auf dem „Wann”.(28)
Es sollte mehr Wert auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten und die wiederholte Beurteilung der funktionellen Fähigkeiten während der gesamten Rehabilitation gelegt werden, anstatt sich in erster Linie auf den Zeitfaktor zu konzentrieren. Die Rückkehr zum Sport ist keine einmalige Entscheidung, die am Ende der Rehabilitation getroffen wird, sondern ein kontinuierlicher Prozess. In jeder Phase dieses Prozesses sollten objektive Kriterien das Vorankommen bestimmen.(28) Rehabilitationsprogramme sollten individuell angepasst werden und Faktoren wie Alter, Motivation, Einhaltung der Vorgaben und Komplikationen während der Rehabilitation berücksichtigen.(28)
Die psychologischen Auswirkungen einer VKB-Verletzung können erheblich und langanhaltend sein.(35) Schmerzbezogene Angst spielt eine Schlüsselrolle bei der Unterscheidung von Sportlern, die möglicherweise nicht in der Lage sind, das Niveau von vor der Verletzung zu erreichen. Es wird angenommen, dass mangelndes Vertrauen und die Angst vor einer erneuten Verletzung die Funktion beeinflussen(36) und daher bewertet und in den Rehabilitationsplan einbezogen werden sollten.(37) Psychosoziale Faktoren, darunter Angst-Vermeidungsverhalten, Selbstwirksamkeit, Stress, soziale Unterstützung und sportliche Selbstidentität, können dazu beitragen zu erklären, warum manche Sportler, die ansonsten ihre volle Funktionsfähigkeit wiedererlangt haben, nicht in der Lage sind, zum Sport zurückzukehren. Darüber hinaus sind sie prädiktiv für die Ergebnisse nach der Operation.(38) Andere psychologische Merkmale wie Resilienz, Schmerzkatastrophisierung, Kontrollüberzeugung und Kinesiophobie können ebenfalls die Genesung beeinflussen und sollten während der gesamten Rehabilitation überwacht werden.(39)
Motivation ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Untersuchungen zeigen, dass 45 % der Sportler auf Vereinsebene die begleitete Rehabilitation bis 3 Monate nach der VKB-Rekonstruktion abbrechen.(26) Ein Sportler kann sich bereit und wettbewerbsfähig fühlen, bevor er alle Phasen durchlaufen hat, und er kann die Rehabilitation abbrechen, bevor er alle erforderlichen Kriterien für die Rückkehr zum Sport erfüllt hat. Qualitativ hochwertige Patientenedukation, Zielsetzung, häufiges Feedback und Individualisierung des Rehabilitationsplans werden empfohlen, um die Motivation zu fördern.(40)
Kliniker sollten sich der Auswirkungen bewusst sein, die psychologische Faktoren auf die Genesung, die Lebensqualität und die Behandlungspräferenzen haben können, um eine personenzentrierte und individualisierte Versorgung zu gewährleisten.(35)
Angesichts der hohen Inzidenz von Wiederverletzungen und der Evidenz für schlechte Ergebnisse bei der Revision von VKB-Rekonstruktionen ist ein strukturiertes Schema für die Rückkehr zum Sport erforderlich. Wie oben erläutert, hat sich der Fokus von zeitbasierten Entscheidungen hin zu einem multidimensionalen Rahmen verlagert, der die körperliche, funktionelle und psychische Bereitschaft einbezieht. Die Progression sollte sich an bestimmten Meilensteinen orientieren, z. B. an der Symmetrie der Kraft, der neuromuskulären Kontrolle und der psychischen Bereitschaft.(42)
Buckthorpe(43) identifizierte vier wichtige Variablen, die in der Spätphase der Rehabilitation und bei der Rückkehr zum Sport berücksichtigt werden sollten.
Zusammen verlagern diese Variablen den Fokus von der Frage, ob ein Sportler stark genug für die Rückkehr ist, hin zu der Frage, ob er wirklich bereit ist, unter realen sportlichen Bedingungen Leistung zu erbringen und dabei sicher zu bleiben.(43)
Buckthorpe(43) schlägt zudem ein fünfstufiges Modell für die späte Phase der Rehabilitation und das RTS-Training vor, das eine kriterienbasierte Progression durch jede Stufe vorsieht.(43)
Die Progression durch die einzelnen Phasen sollte eher kriterienbasiert als zeitbasiert sein, und die Rehabilitation auf dem Spielfeld läuft während des gesamten Prozesses parallel zur Rekonditionierung im Fitnessstudio.(43)
Wie bereits erwähnt, bezeichnet Buckthorpe Ermüdungstoleranz und sportartspezifisches Training – einschließlich reaktiver und kognitiver Elemente – als Schlüsselvariablen in der Spätphase der Rehabilitation. Standardisierte Bewegungsanalysen wie Hop-Tests, Drop-Jumps und kontrollierte Aufgaben mit Cutting und Richtungswechsel werden in vorab geplanten, vorhersehbaren Szenarien durchgeführt, die jedoch nicht wirklich widerspiegeln, wie eine VKB-Verletzung im Sport tatsächlich auftritt. VKB-Verletzungen entstehen in der Regel bei unvorhergesehenen, reaktiven Bewegungen unter hoher kognitiver Belastung. Nach einer VKB-Rekonstruktion neigen Sportler dazu, sich auf eine verstärkte bewusste kortikale Bewegungskontrolle zu verlassen, die bei einer einfachen oder vorab geplanten Aufgabe zwar wirksam ist, unter den Anforderungen des realen Sports jedoch versagen kann. Dies könnte erklären, warum Sportler Standard-RTS-Tests bestehen und dennoch eine zweite VKB-Verletzung erleiden.(43)
Die Rehabilitation sollte daher schrittweise reaktive, unerwartete Bewegungsaufgaben, Dual-Task-Aufgaben und sportrealistische Szenarien einführen. RTS-Tests sollten zudem die Bewegungsqualität unter diesen Bedingungen bewerten.(43)
Die Frage im RTS-Prozess ist nicht, ob der Sportler körperlich in der Lage ist, seinen Sport auszuüben, sondern ob er ausreichend trainiert hat, um den Anforderungen seiner Sportart gerecht zu werden. Ein Sportler, der monatelang an einem Rehabilitationsprogramm im Fitnessstudio teilgenommen hat, mag zwar alle Kriterien hinsichtlich Kraft und Hop-Test erfüllen, weist jedoch in Bezug auf die allgemeine Fitness und die wettkampfspezifische Belastung möglicherweise immer noch eine geringe Trainingsbelastung auf. Dies kann den Sportler anfällig machen, wenn er mit dem Mannschaftstraining oder Wettkämpfen beginnt. Die späte Phase der Rehabilitation muss ein strukturiertes Rekonditionierungsprogramm auf dem Spielfeld umfassen, das das Trainingsvolumen und die Trainingsintensität schrittweise an die sportlichen Anforderungen anpasst, um einen allmählichen Übergang zurück zur vollen sportlichen Teilnahme zu gewährleisten.(43)
Zur Beurteilung der RTS-Bereitschaft werden verschiedene Tests herangezogen, darunter Muskelfunktionstests, Hop-Tests und vom Patienten selbst berichtete Ergebnisse (Patient-Reported Outcomes). Obwohl diese Assessments eine wichtige Rolle bei der klinischen Entscheidungsfindung spielen, weist jedes einzelne seine Grenzen auf, und sie wurden wegen ihrer eingeschränkten Übertragbarkeit, Standardisierung und Relevanz kritisiert.
Der Limb Symmetry Index (LSI) ist weit verbreitet, wobei ein LSI von ≥ 90 % als Freigabekriterium für die Rückkehr zum Sport empfohlen wird. Er weist jedoch einen geringen prädiktiven Wert für die Einschätzung des Risikos einer zweiten VKB- Verletzung auf und berücksichtigt weder die Kraft vor der Verletzung noch bilaterale Defizite oder Kompensationsstrategien. Zudem kann er die Genesung bei Sportlern mit bilateralen Defiziten überschätzen.(43)
Hop-Tests werden ebenfalls häufig eingesetzt und liefern Informationen über Explosivität und Lastaufnahme durch das Bein. Sie konzentrieren sich jedoch in der Regel auf die Distanz oder die Wiederholungen und nicht auf die Bewegungsqualität. Das bedeutet, dass sie potenziell biomechanische Risikofaktoren übersehen.
Patient-Reported Outcomes heben die psychologischen Aspekte der Genesung hervor, können jedoch nicht isoliert herangezogen werden, um zu bestimmen, ob ein Sportler bereit ist, zum Sport zurückzukehren.
Viele dieser Tests liefern eine Momentaufnahme der Genesung des Sportlers in einer bestimmten Phase, doch die Rückkehr zum Sport ist multidimensional. Tests sollten dazu dienen, die Entscheidungsfindung bezüglich der Rückkehr zum Sport zu unterstützen und den Rehabilitationsfortschritt zu steuern, anstatt als einfaches „Bestanden“- oder „Nicht bestanden“-Kriterium zu dienen. Kliniker sollten ihre Patienten kontinuierlich in allen relevanten Bereichen beurteilen, um den Rehabilitationsfortschritt und die sichere Rückkehr zum Sport zu gewährleisten.(44)
Tabelle 1 enthält eine Zusammenfassung der empfohlenen Assessment-Arten für die Rückkehr zum Sport nach einer VKB-Rekonstruktion. Wenn Sie mehr lesen möchten, finden Sie den vollständigen Artikel hier.(44)
| Art des Assessments | Vorgeschlagene Tests | Variablen | Interpretation |
|---|---|---|---|
| Muskelkraft | Isokinetischer (60° – 180°/s), isometrischer, isotonischer 1RM-Test (falls kein Dynamometer vorhanden) in mehreren Hüft-/Kniepositionen |
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| Bewegungsqualität/Biomechanik | Zwei- und dreidimensionale Analyse von Richtungswechseln, Sprüngen und anderen sportspezifischen Bewegungen |
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| Neurokognitive Messungen | Tests, die eine sportartspezifische kognitive Belastung mit auferlegtem externen Fokus simulieren (z.B. Dual Tasking, reaktive Übungen, Farbreaktion) |
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| Psychologische Dimensionen | Beurteilung des Vertrauens in das Knie, der Stressreaktion, der Lebensstressoren sowie der Erholung von stressreichen Ereignissen |
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| Test auf dem Spielfeld | Übungen zur Abbremsung und Richtungswechsel, wie z. B. der 5-0-5 Agility Test und der T-Test |
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| Abkürzungen: 1RM, Einwiederholungsmaximum; LSI, Limb Symmetry Index; RTS, Rückkehr zum Sport; KER, Kraftentwicklungsrate; H/Q, Hamstrings/Quadrizeps; ACL-RSI, Anterior Cruciate Ligament – Return to Sport after Injury Scale; K-SES, Knee Self-Efficacy Scale; TSK – Tampa Scale of Kinesophobia; KOOS-QoL, Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score – Quality of Life; IKDC-SKF, International Knee Documentation Committee – Subjective Knee Form; MIC, Minimal Important Change; MCID, Minimal Clinically Important Difference; PASS, Patient Accepted Symptom State | |||
Das Erfüllen der RTS-Kriterien wird mit einer Verringerung des Risikos einer erneuten Verletzung um bis zu 84 %(26) und einer Senkung der Rezidivraten bei Transplantaten um 47 % in Verbindung gebracht.(4) Das Bestehen der RTS-Tests beseitigt jedoch weder das Verletzungsrisiko noch verringert es das Risiko einer kontralateralen VKB-Verletzung.(4) Darüber hinaus werden diese Standardtests häufig unter nicht ermüdeten, vorab geplanten Bedingungen durchgeführt, die nicht die tatsächlichen Anforderungen des Sports widerspiegeln. Kliniker sollten daher RTS-Assessments verwenden, um verbleibende Defizite zu erkennen und den Rehabilitationsverlauf zu steuern, und nicht als Kriterium für eine Freigabe nach dem Prinzip „bestanden/nicht bestanden“. Es ist wichtig, Kraft, Bewegungsqualität, Ermüdungstoleranz, sportartspezifische Fitness und psychische Bereitschaft zu integrieren, um ein vollständiges Bild von der Bereitschaft des Sportlers zur Rückkehr zu erhalten.(43)(44)
Die Kriterien für die Rückkehr zum Sport haben sich weiterentwickelt, doch die Praxis hat nur langsam mit der Evidenz Schritt gehalten.(29)(34) Die Kriterien aus der systematischen Übersicht von Barber-Westin und Kollegen(46) werden nach wie vor häufig herangezogen und bieten eine nützliche klinische Grundlage für die Beurteilung der körperlichen Bereitschaft. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass ein Sportler über folgende Voraussetzungen verfügen muss, um die RTS-Freigabe zu erhalten:(46)
Der IKDC-Score International Knee Documentation Committee Subjective Knee Evaluation Form (IKDC-SKF) ist ein weiteres nützliches Instrument zur Bewertung von Kniesymptomen, Kniefunktion und sportlicher Aktivität.(47)
Einbeinige Hop-Tests dienen der Beurteilung von Leistungsfähigkeit, Kraft, neuromuskulärer Kontrolle, Vertrauen in die betroffene Extremität sowie der Fähigkeit, sportspezifische Belastungen zu bewältigen. Sie helfen auch dabei, spezifische Defizite zu identifizieren, die im Rehabilitationsplan berücksichtigt werden müssen.(47) Wenn sie 6 Monate nach einer VKB-Rekonstruktion durchgeführt werden, haben Hop-Tests einen prädiktiven Wert für die Ergebnisse nach 12 Monaten. Der 6-Meter-Hop-Test und der Crossover-Hop-Test wurden als die stärksten Prädiktoren für die selbstberichtete Kniefunktion nach einem Jahr identifiziert. Die Durchführung dieser Tests nach 6 Monaten, bevor das sportartspezifische Training wieder aufgenommen wird, lässt ausreichend Zeit, um Defizite zu beheben, bevor der Sportler die Rückkehr zum Sport anstrebt.(47)