Fachliche Rollen in der psychischen Gesundheit bei Zerebralparese

Originale Autorin Ewa Jaraczewska basierend auf dem Kurs von Pradeep Gunarathne

Top-Beitragende Ewa Jaraczewska und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Der Zusammenhang zwischen motorischen Beeinträchtigungen, Schlafstörungen, Schmerzen und Erschöpfung sowie psychischen Störungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Zerebralparese ist gut dokumentiert.(1)(2) Ein Team von Fachleuten ist erforderlich, um die vielen komplexen Faktoren, die die psychische Gesundheit beeinflussen, anzugehen und das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Allerdings sind die Angebote zur Unterstützung der psychischen Versorgung innerhalb der Rehabilitationssysteme, die auf die besonderen psychischen Bedürfnisse von Menschen mit Zerebralparese zugeschnitten sind, oft begrenzt.(3) Dieser Artikel beleuchtet die Rolle der verschiedenen Gesundheitsfachleute innerhalb des Rehabilitationsteams.

Physiotherapeuten(edit | edit source)

Ziele:(4)

  1. Behandlung der körperlichen Aspekte der Versorgung
  2. Förderung der psychischen Gesundheit und des emotionalen Wohlbefindens
  3. Identifizierung von Möglichkeiten, Kindern und ihren Familien bei der Bewältigung des Alltags zu helfen

Körperliche Aspekte der Versorgung (edit | edit source)

  • Für Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren wird unabhängig von einer Behinderung mindestens 60 Minuten moderate bis intensive, überwiegend aerobe körperliche Aktivität an jedem Tag der Woche empfohlen.
  • Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren, einschließlich Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen, sollten „mindestens 150 bis 300 Minuten moderate aerobe körperliche Aktivität oder mindestens 75 bis 150 Minuten intensive aerobe körperliche Aktivität oder eine gleichwertige Kombination aus moderater und intensiver Aktivität über die Woche verteilt absolvieren, um signifikante gesundheitliche Vorteile zu erzielen.“(5)

Wenn Sie mehr über die physiotherapeutische Behandlung der Zerebralparese erfahren möchten, lesen Sie bitte: Physiotherapeutische Behandlungsansätze für Menschen mit Zerebralparese.

Psychische Gesundheit und emotionales Wohlbefinden (edit | edit source)

  • Schmerzen können zu Depressionen und Ängsten führen. Physiotherapie kann sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirken, indem sie Menschen mit Zerebralparese bei der Schmerzbewältigung hilft.(6)
  • Regelmäßige körperliche Aktivität kann dazu beitragen, die Symptome von Depressionen und Angststörungen zu verringern. Physiotherapeuten können die körperliche Aktivität fördern, indem sie Übungsprogramme entwickeln, die auf die Fähigkeiten und Ziele des Kindes und seiner Betreuungspersonen zugeschnitten sind.(6)
  • Die Physiotherapie sollte sich mit den körperlichen Fähigkeiten einer Person befassen und ihr helfen, das Gefühl der Kontrolle über ihren Körper wiederzuerlangen/zu verbessern. Dies kann dazu beitragen, das Selbstwertgefühl und das Körperbild zu verbessern.(6)

Bewältigung des Alltags (edit | edit source)

  • Es gibt verschiedene Programme, die Betroffenen und ihren Betreuungspersonen helfen sollen, den Alltag zu bewältigen (z. B. COPing with and CAring for infants with special needs (COPCA). Mehr über COPCA erfahren Sie hier.
  • Diese Programme bieten Familien die Möglichkeit, Aktivitäten und Bereiche für die Teilnahme von Kindern mit Zerebralparese selbst zu wählen.(7)
  • Die Familie wird ermutigt, Entscheidungen über die Versorgung des Kindes zu treffen. Dieser familienspezifische Ansatz konzentriert sich auf die Arbeit mit dem Kind und gibt ihm Verantwortung und Unabhängigkeit.(7)
  • Diese Programme zielen darauf ab, der Familie Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie die Probleme der täglichen Pflege unter Nutzung der eigenen Ressourcen lösen kann.(7)
  • Die Rolle des Physiotherapeuten besteht darin, die Familie zu betreuen, ihr zuzuhören, Beobachtungen und Vorschläge zu machen und sie zu informieren und zu unterstützen.(7)

Ergotherapeuten (edit | edit source)

Ziele:(4)

  1. Vermittlung von Fertigkeiten für den Alltag
  2. Verbesserung der Betätigungsperformanz
  3. Förderung der sozialen Teilhabe

Fertigkeiten des täglichen Lebens (edit | edit source)

Die Fähigkeit, Aktivitäten des täglichen Lebens effektiv und selbstständig auszuführen, erfordert Fertigkeiten in verschiedenen Bereichen, darunter:

  • grobmotorische Fertigkeiten: ein Beispiel hierfür ist das Anheben eines Arms, um ein Hemd anzuziehen
  • feinmotorische Fertigkeiten: ein Beispiel hierfür ist das Halten einer Gabel und das Führen dieser zum Mund, ohne Essen fallen zu lassen
  • visuelle Fertigkeiten
  • kognitive Fertigkeiten
  • sensorische Fertigkeiten
  • kommunikative Fertigkeiten

Die Aufgabe des Ergotherapeuten bei der Förderung der Alltagsfertigkeiten des Kindes besteht darin:

  • dem Kind zu helfen, sich nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten zu beteiligen
  • neue Fertigkeiten zu entwickeln
  • mit dem Kind kommunikative, kognitive und spielerische Aktivitäten durchzuführen
  • dem Kind Optionen anzubieten
  • eine Bindung zwischen dem Kind und seiner Betreuungsperson herzustellen

Weitere Informationen zu Alltagsaktivitäten und Zerebralparese finden Sie hier.

Betätigungsperformanz (edit | edit source)

Die Betätigungsperformanz umfasst Selbstversorgung, Produktivität und Freizeitaktivitäten. Die Ergotherapie zielt darauf ab, „alle Kapazitäten und Fähigkeiten von Menschen während ihres gesamten Lebens so zu nutzen, dass sie Aktivitäten und Rollen, die für ihr Leben von Vorteil sind, mit Zufriedenheit ausüben können.“(8)

  • Die Canadian Occupational Performance Measure (COPM) ermöglicht es dem Kliniker, die Betätigungsperformanz einer Person zu bestimmen. Diese Skala erleichtert die Beurteilung der Rollen und Rollenerwartungen einer Person in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit. Sie ist für alle Entwicklungsstufen und alle Behinderungsgruppen standardisiert.(9)
  • Ergotherapeutische Interventionen zur Verbesserung der Betätigungsperformanz stärken das Selbstvertrauen und befähigen die Klienten, berufliche Fertigkeiten oder Betätigungsmöglichkeiten zu verfolgen, die auf ihre funktionellen Fähigkeiten zugeschnitten sind:(4)
    • Betätigungsorientierte Interventionen, bei denen „die Betätigung im unmittelbaren Fokus der Evaluation oder Intervention steht.“(10) Dabei handelt es sich um „zielorientierte Aktivitäten, die therapeutisch durchgeführt werden, um zu einer Betätigung zu führen.“(11)
    • Komponentenorientierte Interventionen, bei denen der Fokus auf den „Komponenten, die der Betätigung zugrunde liegen“ liegt.(12) Dazu können Krafttraining, Übungen für die Beweglichkeit, Koordination, visuelle Wahrnehmung, Problemlösung, Gleichgewicht und Aufmerksamkeit gehören.

Soziale Teilhabe (edit | edit source)

  • Kommunikative Fertigkeiten haben einen erheblichen Einfluss auf die Teilnahme eines Kindes an sozialen Aktivitäten. Kommunikation ermöglicht die Interaktion mit Gleichaltrigen und die Freude an der Teilnahme.(13)
  • Selbstversorgung ist der wichtigste Faktor für die Partizipation (Teilhabe) von Kindern mit Zerebralparese im Alter von zwei bis vier Jahren. Für Kinder im Alter von fünf bis dreizehn Jahren sind die wichtigsten Faktoren die Selbstversorgung und die Mobilität.(14)

Logopäden (edit | edit source)

Ziele:(4)

  1. Verbesserung der Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten, um effektiv mit Gleichaltrigen zu interagieren und Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle auszudrücken
  2. Behandlung von Schluckbeschwerden zur Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität
  3. Förderung des emotionalen Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit

Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten (edit | edit source)

Sprechen: Interventionen können sich auf Folgendes konzentrieren:

  • Therapie zur Unterstützung der Atmung, um das Sprechen zu fördern.(15)
  • Therapie zur Verbesserung der Koordination von Ausatmung und Phonation.
  • Therapie zur Verbesserung der Artikulation und der Produktion der einzelnen Sprachlaute.

Kommunikation:

Eine effektive Kommunikation hängt vom Senden und Empfangen von Botschaften zwischen mindestens zwei Personen ab. Die Kommunikation erfolgt über Sprache, Vokalisation, Mimik, Gestik und Ganzkörperbewegungen – diese können durch die motorischen Fähigkeiten eines Kindes mit Zerebralparese beeinträchtigt werden.

  • Es ist wichtig, Betreuungspersonen darin zu schulen, besser auf die Kommunikation des Kindes einzugehen.
  • Untersuchen Sie den Einsatz von Systemen zur Unterstützten Kommunikation (UK), um die natürlichen Kommunikationsformen des Kindes zu ergänzen.(16)

Schlucken
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  • Dysphagie bei Zerebralparese „ist häufig durch Probleme sowohl bei den willkürlichen Mundbewegungen als auch in der eher reflexartigen pharyngealen Phase des Schluckens gekennzeichnet“.(17)
  • Drooling wird durch Schluckstörungen verursacht und tritt bei 10 % bis 58 % der Kinder mit Zerebralparese auf.(17)
  • Es ist notwendig, die Schluckfunktion zu beurteilen und einen Behandlungsplan zu erstellen, da Dysphagie die Lebensqualität des Betroffenen und die folgenden Funktionen beeinträchtigt: Mahlzeitdauer, Kommunikation, Belastung, Ermüdung, Schlaf und Esslust.

Emotionales Wohlbefinden (edit | edit source)

  • Das emotionale Wohlbefinden von Kindern mit Kommunikationsschwierigkeiten kann beeinträchtigt werden.(18)
  • Kinder mit schweren motorischen Beeinträchtigungen weisen im Vergleich zu Kindern mit mittelschweren motorischen Beeinträchtigungen niedrigere Werte für die psychische Gesundheit auf.(18)
  • Kinder und Jugendliche mit Kommunikationsproblemen und Sprachverzögerungen sind einem erhöhten Risiko von Missbrauch, Vernachlässigung und sozialer Isolation ausgesetzt.(18)

Gesundheits- und Krankenpfleger
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Ziele:

  1. Entwicklung und Umsetzung eines familienzentrierten Pflegeplans(19)
  2. Angebot von Stressbekämpfungs- und Bewältigungsstrategien für Eltern von Kindern mit Zerebralparese(20)
  3. Stärkung der familiären Unterstützung, um ein nährendes und förderliches Umfeld zu schaffen(4)

Familienzentrierter Pflegeplan (edit | edit source)

Der familienzentrierte Ansatz beruht auf den folgenden Grundsätzen:(21)

  • Würde und Respekt gegenüber den Familien
  • Angebot von Informationen für fundierte Entscheidungen
  • Berücksichtigung der Präferenzen und Prioritäten der Familie
  • Partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern und Familien

Stressbekämpfung und Bewältigungsstrategien (edit | edit source)

  • Interventionen sollten sich auf die Selbstwirksamkeit konzentrieren, um die Familie zu stärken und ihr Wohlbefinden zu verbessern.(22)
  • Informationelle Unterstützung: Edukation über die Merkmale von Kindern mit Zerebralparese und darüber, warum es wichtig ist, sich mit anderen Eltern von Kindern mit Zerebralparese zu treffen.(23)
  • Emotionale Unterstützung: Austausch über Stresssituationen, die mit der Erziehung von Kindern mit Zerebralparese verbunden sind, Suche nach den Ursachen von Stress und Selbsterkenntnis, Meditation und Dehnung, Entspannung und Atmung.(23)
  • Bewertungsunterstützung: Zuhören, Empathie, Akzeptanz und Ermutigung.(23)

Psychologen, Berater und Sozialarbeiter (edit | edit source)

  • Die Hauptaufgabe des Psychologen besteht darin, psychische Probleme zu diagnostizieren, Psychotherapie anzubieten und psychometrische Tests durchzuführen. Die Psychotherapie kann in Form einer dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) und einer kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) durchgeführt werden.(24)
  • Berater bieten Klienten mit besonderen Problemen Beratung und Hilfe an.(24)
  • Sozialarbeiter unterstützen die Rechte und das Wohlergehen jedes Einzelnen. Sie können Menschen mit psychischen Problemen helfen oder Fallmanagementdienste anbieten. Sie können darin geschult werden, das emotionale Wohlbefinden einer Person zu beurteilen und eine Psychotherapie anzubieten oder Patienten bei der Wiedereingliederung in die Gemeinschaft nach der Entlassung aus einer Rehabilitationseinrichtung zu unterstützen.(24)

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

  1. Van Der Slot WM, Nieuwenhuijsen C, Van Den Berg-Emons RJ, Bergen MP, Hilberink SR, Stam HJ, Roebroeck ME. Chronic pain, fatigue, and depressive symptoms in adults with spastic bilateral cerebral palsy. Dev Med Child Neurol. 2012 Sep;54(9):836-42.
  2. Whitney DG, Warschausky SA, Whibley D, Kratz A, Murphy SL, Hurvitz EA, Peterson MD. Clinical factors associated with mood affective disorders among adults with cerebral palsy. Neurol Clin Pract. 2020 Jun;10(3):206-213.
  3. Eres R, Reddihough D, Coghill D. Addressing mental health problems in Australians with cerebral palsy: a need for specialist mental health services. Advances in Mental Health, 2022;20(3): 281-284.
  4. 4.0 4.1 4.2 4.3 4.4 Gunarathne P. Mental Health Considerations With Cerebral Palsy. Plus Course 2023
  5. Bull FC, Al-Ansari SS, Biddle S, Borodulin K, Buman MP, Cardon G, Carty C, Chaput JP, Chastin S, Chou R, Dempsey PC, DiPietro L, Ekelund U, Firth J, Friedenreich CM, Garcia L, Gichu M, Jago R, Katzmarzyk PT, Lambert E, Leitzmann M, Milton K, Ortega FB, Ranasinghe C, Stamatakis E, Tiedemann A, Troiano RP, van der Ploeg HP, Wari V, Willumsen JF. World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. Br J Sports Med. 2020 Dec;54(24):1451-1462.
  6. 6.0 6.1 6.2 Grande A. Relationship between Physiotherapy and Mental Health. Available from https://www.focusphysiotherapy.com/relationship-between-physiotherapy-and-mental-health/ (last access 29.12.2023)
  7. 7.0 7.1 7.2 7.3 Çankaya Ö, Seyhan K.ICF‐CY‐Based Physiotherapy Management in Children with Cerebral Palsy. Chapter 4. IntechOpen, 2016. Available from https://www.intechopen.com/chapters/51530 (last access 29.12.2023)
  8. Gimeno H, Gordon A, Tustin K, Lin JP. Functional priorities in daily life for children and young people with dystonic movement disorders and their families. Eur J Paediatr Neurol. 2013 Mar;17(2):161-8.
  9. Torkan S, Khanjani M S , Abdi K, Vahedi M. Comparison of Priority Occupational Performance of Children with Cerebral Palsy from the Perspective of Children, Parents, and Occupational Therapists in Isfahan in 2021. Middle East J Rehabil Health Stud. 2023;10(3):e133218
  10. Fisher AG. Occupation-centred, occupation-based, occupation-focused: same, same or different? Scand J Occup Ther. 2013 May;20(3):162-73.
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  15. Pennington L, Miller N, Robson S, Steen N. Intensive speech and language therapy for older children with cerebral palsy: a systems approach. Dev Med Child Neurol. 2010 Apr;52(4):337-44.
  16. Berenguer C, Martínez ER, De Stasio S, Baixauli I. Parents‘ Perceptions and Experiences with Their Children’s Use of Augmentative/Alternative Communication: A Systematic Review and Qualitative Meta-Synthesis. Int J Environ Res Public Health. 2022 Jul 1;19(13):8091.
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  18. 18.0 18.1 18.2 Noyek S, Davies C, Champagne M, Batorowicz B, Fayed N. Emotional Well-Being of Children and Youth with Severe Motor and Communication Impairment: A Conceptual Understanding. Developmental Neurorehabilitation, 2022; 25(8):554-575.
  19. Love L, Newmeyer A, Ryan-Wenger N, Noritz G, Skeens MA. Lessons learned in the development of a nurse-led family centered approach to developing a holistic comprehensive clinic and integrative holistic care plan for children with cerebral palsy. J Spec Pediatr Nurs. 2022 Jan;27(1):e12354.
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