Praktische Entscheidungsfindung in der Physiotherapie

Originale Autorin Carin Hunter basierend auf dem Kurs von Nick Rainey
Top-BeitragendeCarin Hunter und Jess Bell

Überweisungen(edit | edit source)

Physiotherapeuten stellen drei Arten von Überweisungen aus:(1)

  • Zu einem anderen Physiotherapeuten
  • Zu einem anderen Gesundheitsdienstleister
  • Zur Bildgebung (in Abhängigkeit der geltenden Vorschriften der jeweiligen Region/Land)

Es ist wichtig, bei der Befunderhebung eines Patienten und der Erwägung einer Überweisung die folgenden Fragen zu stellen:(1)

  • Was hat er?
  • Was braucht er?
  • Wofür kann ich sorgen?
  • Was müssen andere übernehmen?
Überweisung an einen anderen Physiotherapeuten ( edit | edit source )

Nach einer Befunderhebung haben Sie vielleicht das Gefühl, dass ein Patient für eine konservative Behandlung geeignet ist, Sie ihm aber nicht helfen können. Hier sind einige häufige Gründe für eine Überweisung an einen anderen Physiotherapeuten:(1)

  • Sie verfügen nicht über die spezifischen Fertigkeiten, die für diesen Patienten erforderlich sind
  • Sie haben einen persönlichen Konflikt mit dem Patienten
  • Sie brauchen eine andere Perspektive
Überweisung an einen anderen medizinischen Dienstleister ( edit | edit source )

Physiotherapeuten erhalten Überweisungen von anderen Dienstleistern. Sie können und sollten bei Bedarf auch an andere Gesundheitsdienstleister überweisen. Wenn Sie an einen anderen Facharzt überweisen, muss dies eventuell mit dem Hausarzt des Patienten besprochen werden.

Im Folgenden finden Sie einige Überlegungen zum Thema Überweisungen (bitte beachten Sie, dass es je nach Region/Land Unterschiede geben kann):(1)

  • Versicherungsanforderungen – Erlaubt die Versicherung des Patienten den direkten Zugang zu dem Dienstleister, an den Sie überweisen?
  • Hat sich der Patient durch Direktzugang an Sie gewandt? Wenn ja, dann ist eine Zusammenarbeit mit einem bestimmten Dienstleister möglicherweise nicht erforderlich.
  • Beabsichtigt der Patient, zu dem Dienstleister zurückzukehren, der ihn an Sie überwiesen hat? Wenn nicht, ist eine Rückmeldung bzw. Zusammenarbeit mit diesem Dienstleister möglicherweise nicht erforderlich. Wenn ja, sollten Sie das tun.

Chirurgie – Physiotherapeuten können keine spezifischen Anweisungen im Bezug auf eine Operation geben, aber sie können dem Patienten bei der Entscheidungsfindung helfen und ihn über relevante Fragen an den Operateur beraten.(1)

  • Bei der Entscheidungsfindung für einen chirurgischen Eingriff wird in erster Linie das Risiko gegenüber dem Nutzen eines Eingriffs abgewogen.
  • Es ist wichtig festzustellen, wie der Funktionsstatus ohne Operation ist und wie sehr er sich mit einer Operation im Verhältnis zum Risiko der Operation verbessern könnte.

Wenn Sie eine lumbale Fusion in Erwägung ziehen, ist der Lumbar Fusion Calculator (In englischer Originalsprache) ein Hilfsmittel, das Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen kann.(1)

Überweisung an einen Dienstleister mit der Empfehlung zur Bildgebung ( edit | edit source )

Eine Überweisung zur Bildgebung sollte erfolgen, wenn sich dadurch der Behandlungsplan ändern könnte. Oftmals wünschen Patienten eine Bildgebung, auch wenn sie keine Operation oder Infiltration in Betracht ziehen wollen. Sie wollen nur „wissen, was los ist“. In diesen Fällen ist eine detaillierte Beschreibung dessen erforderlich, was auf der Bildgebung zu sehen wäre und was dies bedeuten würde. Arbeiten Sie mit dem Patienten zusammen, um eine Entscheidung zu treffen.(1)

Manchmal ist eine Bildgebung notwendig, um eine Red Flag auszuschließen. Wenn eine Red Flag vorhanden ist, würde dies definitiv den Verlauf des Behandlungsplans ändern.(1)

Manchmal wird die Bildgebung eingesetzt, um festzustellen, ob eine Operation angebracht ist. Vor der Aufnahme ist es notwendig, mit dem Patienten zu klären, wonach gesucht wird. Wenn keine relevanten Befunde vorliegen, können die restlichen Befunde vernachlässigt werden. Wir sollten niemals Bilder machen, „nur um zu sehen, was da ist“. Die Symptome und Funktionseinschränkungen des Patienten müssen dementsprechend sein, dass ein chirurgischer Eingriff sinnvoll ist, wenn das gefunden wird, wonach die Bildgebung sucht.(1)

Mit Hilfe der Bildgebung kann festgestellt werden, ob eine Infiltration angebracht ist (z. B. kann eine epidurale Steroidinfiltration bei radikulären Symptomen hilfreich sein). Vor der Infiltration wird eine Bildgebung durchgeführt, um festzustellen, welche Ebene zu injizieren ist. Wie oben bereits erwähnt, wäre hier die Bildgebung deshalb sinnvoll, weil sich dadurch der Behandlungsplan ändern könnte.(1)

Das folgende Video kann Patienten gezeigt werden, die eine Bildgebung bei Kreuzschmerzen in Erwägung ziehen.

Terminierung(edit | edit source)

Bei der Terminierung (d. h. der Häufigkeit von Terminen) sind einige Faktoren zu berücksichtigen:(1)

  • Berücksichtigung der Evidenz für den Umfang der erforderlichen Behandlung (d. h. lange oder kurze Behandlungsdauer)
  • Effektive Kommunikation, um die Werte, Bedürfnisse und Situation des Patienten zu verstehen

Diagnose und Klassifikation ( edit | edit source )

Die Differenzialdiagnose ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit eines Physiotherapeuten. Die Erstellung einer Differenzialdiagnose kann jedoch schwierig sein.(1) Außerdem haben wir es nicht immer nur mit einem einfachen organischen Problem zu tun:(1)

  • Die Diagnose kann leichter gestellt werden, wenn es eine eindeutige Pathoanatomie gibt, die die Symptome verursacht (z. B. Fraktur, Bänder-/Sehnenriss nach einer akuten/traumatischen Verletzung).
  • Die Diagnose kann bei häufigen klinischen Präsentationen (z. B. Hüftarthrose/Frozen Shoulder) schwieriger sein, ist aber immer noch einfacher, als wenn es keine spezifische pathoanatomische Verletzung oder ein offensichtliches Kapselmuster gibt. Hier sind Klassifikationssysteme von entscheidender Bedeutung.

Klassifikationssysteme sind in der Regel behandlungsorientiert. Wir können die Symptome auch klassifizieren, je nachdem, ob es eine eindeutige Pathoanatomie oder keine eindeutige Pathoanatomie gibt. Die Pathoanatomie ist oft wichtiger für die Prognose als für die Festlegung der Behandlung.(1)

Beispiel: Zwei Personen haben Schulterschmerzen, wenn sie ein Gewicht seitlich anheben. Das MRT zeigt bei dem einen eine Tendinose und bei dem anderen einen Teilriss der Rotatorenmanschette. Selbst wenn die körperlichen Untersuchungen identisch sind, hat die Person mit dem Riss eine schlechtere Prognose als die Person mit der Tendinose.

Wenn es keine eindeutige Klassifikation gibt, neigen wir dazu, symptomatische Beeinträchtigungen zu behandeln. Dies ist die niedrigste Stufe der Diagnose, aber manchmal kann es sein, dass keine höhere Stufe der Diagnose verfügbar oder erforderlich ist.(1)

Biopsychosoziales Modell – bei der Anwendung dieses Modells ist es hilfreich, die Faktoren zu berücksichtigen, die die Genesung einschränken. Faktoren, die die Genesung einschränken, können zum Beispiel sein:(1)

  • Biomedizinische Faktoren (z. B. nozizeptiv oder neuropathisch)
  • Psychologische oder soziale Faktoren – diese können Schmerzen verstärken (eine Person muss dafür nicht immer eine zentrale Sensibilisierung haben).

Bei der Befunderhebung müssen wir herausfinden, was der wichtigste Faktor ist, der die Genesung einschränkt.(1)

Diagnose mit Hilfe eines Nomogramms ( edit | edit source )

Um diagnostische Spitzenleistungen zu erbringen, müssen Kliniker über Folgendes verfügen:

  • Umfassendes Wissen über Krankheiten
  • Fähigkeiten zur Datenerfassung
  • Effektive Kommunikationsfähigkeiten
  • Gutes Urteilsvermögen in der Integration der Fakten
  • Problemlösungsfähigkeit

Die Diagnose umfasst sowohl die Kunst als auch die Wissenschaft der Medizin. Sie erfordert Zuwendung, Neugier, Übung, Erfahrung und Feedback.(1) Weitere Informationen zur Diagnose finden Sie in: Learning the art and science of diagnosis.(2) (In englischer Originalsprache)

Im folgenden Video wird erklärt, wie Sie ein Nomogramm verwenden können, um Likelihood ratios (Wahrscheinlichkeitsverhältnisse) und Pretest probabilities (Vortestwahrscheinlichkeiten) in Ihren Denkprozess während der physiotherapeutischen Befunderhebung einzubeziehen.

Übungen(edit | edit source)

Im folgenden Abschnitt werden keine spezifischen Übungen für einzelne Krankheitsbilder vorgeschlagen, sondern es wird auf die grundlegende Frage eingegangen, ob der Patient die Übungen in der Praxis/Klinik und/oder zu Hause durchführen sollte.

Nick Rainey schlägt vor, dass Patienten ihr Hausaufgabenprogramm in der Praxis/Klinik durchführen sollten, wenn:(1)

  1. Sie als Therapeut bewerten müssen, wie sie es machen
  2. Sie als Therapeut ihre Reaktion / die Reaktion der Symptome darauf bewerten müssen
  3. Die Übungen schmerzlindernd wirken und andere Maßnahmen ihre Schmerzen eher verstärkt
  4. Die Patienten es zu Hause nicht ausführen und Sie die Bedeutung der Übungen unterstreichen möchten

Wie viel der Patient in der Praxis/Klinik und wie viel er zu Hause machen sollte, hängt weitgehend von Folgendem ab:(1)

  1. Die Sicherheit der Übungen
    • Patienten mit Gleichgewichtsstörungen zum Beispiel müssen in der Praxis/Klinik die Übungen machen, die sie zu Hause nicht sicher ausführen können.
  2. Wie viel Erfahrung die Patienten mit Übungen haben
    • Wenn Patienten bereits regelmäßig üben bzw. trainieren, sollte ihre Erfahrung in der Physiotherapiesitzung nicht aus dem bestehen, was sie sowieso schon zu Hause machen.
  3. Wie oft sie den Therapeuten sehen
    • Wenn die Patienten Sie wöchentlich oder öfter für mindestens einige Sitzungen aufsuchen, kann das Training in der Praxis/Klinik intensiver und qualitativ hochwertiger sein als das, was sie zu Hause machen, was zu echten Veränderungen durch die „Reha“ in der Praxis/Klinik führt.
  4. Wie gut Sie ihre Reaktion auf Bewegung voraussagen können
    • Sie müssen sich ein Bild davon machen, wie die Patienten auf die von Ihnen empfohlene oder von ihnen gewünschte körperliche Belastung reagieren; dazu kann es erforderlich sein, dass Sie eine Übungseinheit in der Praxis/Klinik beobachten.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in: Physical Therapists’ Assessment of Patient Self-Efficacy for Home Exercise Programs.(3) (In englischer Originalsprache)

Bitte denken Sie daran: Ein Übungsprogramm ist keine „Verlegenheitsmaßnahme“! Patienten sollten nicht in der Praxis/Klinik üben, nur um die Zeit zu füllen. Man sollte einen Grund dafür haben, und der Patient muss verstehen, warum er die Übung in der Praxis/Klinik und nicht zu Hause macht.(1)

Manuelle Therapie ( edit | edit source )

Im Idealfall sollte man innerhalb einer Sitzung eine Veränderung der Symptome durch die manuelle Therapie bemerken. Stellen Sie sicher, dass es einen objektiven Test gibt, um festzustellen, ob Ihre Maßnahme wirksam war oder nicht. Die manuelle Therapie ist oft am besten, wenn sie konsequent durchgeführt wird und nicht zwischen verschiedenen Bereichen hin- und herspringt.(1)

Der Vorteil der manuellen Therapie gegenüber Übungen ist die taktile Rückmeldung, die Sie über Ihre Hände vom Körper des Patienten erhalten können. Sie kann auch die therapeutische Allianz stärken.(4) Die manuelle Therapie kann „als eine spezifische Form der Berührung aufgefasst werden.“(5) Sie setzt Oxytocin frei und lässt die Patienten wissen, dass man sich um sie kümmert und ihr Problem versteht.(1)

Manuelle Therapie oder Übungen? ( edit | edit source )

Auch wenn es unmöglich ist, für jede Situation ein Patentrezept zu geben, sollen die folgenden Fragen und Antworten Ihnen dabei helfen, zu bestimmen, wie viel Übung/manuelle Therapie bei jedem Patienten durchgeführt werden sollte.(1)

Woher weiß ich in einer bestimmten Sitzung, wann ich die manuelle Therapie beenden sollte?

In vielen Fällen können Sie mit manueller Therapie eine Veränderung der Symptome herbeiführen, bei einigen Erkrankungen (z. B. bei einer „Dysfunktion“ nach der Klassifikation der Mechanischen Diagnose und Therapie (MDT)) ist dies jedoch nicht möglich. Das Ziel besteht jedoch darin, innerhalb der Sitzung Veränderungen herbeizuführen.(1)

Wie lange sollte ich die manuelle Therapie durchführen, bevor ich im Wiederbefund prüfe, ob eine Veränderung stattgefunden hat?

Im Idealfall sollten Sie eine Veränderung im Gewebe spüren können. Wenn Sie beispielsweise Mobilisationen der Lendenwirbelsäule durchführen, um die Extension der Lendenwirbelsäule zu verbessern, werden Sie im Idealfall spüren, dass die Mobilisationen leichter werden oder sich in einem normaleren Bereich bewegen. Ihre Fähigkeit, dies zu spüren, hängt von Ihrer Erfahrung und dem Zustand des Patienten ab. Wenn Sie keine Veränderung spüren, führen Sie die Technik so oft aus, wie sie normalerweise eine Veränderung hervorrufen würde, und testen Sie erneut. Wenn beim Wiederbefund keine Verbesserung eintritt, ist es wahrscheinlich nicht nötig, die gleiche Maßnahme erneut durchzuführen.(1)

Was ist, wenn ich der Meinung bin, dass sich der Patient mit manueller Therapie weiter verbessern könnte, aber ich denke, dass er sich auch mit Übungen verbessern könnte?

Wenn die Menschen mit Übungen Fortschritte machen können, ist das im Idealfall die beste Wahl; so haben sie mehr Kontrolle über ihre Genesung und sind weniger abhängig von einem Therapeuten. Sie können mit der manuellen Therapie fortfahren, wenn

  • der Patient eine starke Präferenz dafür hat;
  • Sie das Gefühl haben, dass das Feedback Ihrer Hände/Berührungen für den Patienten wertvoll sein könnte;
  • der Patient Gefahr läuft, zu ermüden und möglicherweise nicht in der Lage ist, alle für die Sitzung vorgesehenen Übungen durchzuführen.

Sie können auch Übungen machen und dann zur manuellen Therapie zurückkehren. Am besten ist es, die Sitzungen „aktiv“ zu halten, was bedeuten kann, dass manuelle Therapie mit Übungen kombiniert wird.(1)

Wann sollte ich die manuelle Therapie bei einem Patienten auf unbestimmte Zeit einstellen?

Idealerweise, wenn der Patient voll beweglich ist und keine Symptome aufweist, auch nicht bei einem 10 Sekunden lang anhaltenden Überdruck. Sie müssen dies jedoch im Zusammenhang mit den Symptomen des Patienten und der zu erwartenden Funktion betrachten.

  • Beispiel 1: Ein Patient hat extrem schwache Beine und kann sich nicht von einem Stuhl erheben. Dies muss als wichtigere Beeinträchtigung angesehen werden als mäßige Schmerzen bei Überdruck während einem Quadrantentest der LWS (Lendenwirbelsäule).
  • Beispiel 2: Die Beine eines Patienten sind extrem schwach, und er hat eine sehr eingeschränkte und schmerzhafte Extension der LWS. Der Schwerpunkt muss möglicherweise auf beiden Beeinträchtigungen liegen (d. h. Schmerzen und Kraft).(1)

Sollte ich eine manuelle Therapie oder wiederholte Bewegungen durchführen?

Beim MDT-Ansatz ist die wiederholte Bewegung wahrscheinlich am beliebtesten. In der Regel lehren MDT-Praktiker, dass eine manuelle Therapie nur dann durchgeführt werden sollte, wenn die Verbesserung durch wiederholte Bewegungen ein Plateau erreicht hat. Allerdings gibt es bei diesem Ansatz einige Probleme:(1)

  • Es kann sein, dass die Erwartungen des Patienten nicht erfüllt werden – wenn er in der Vergangenheit eine manuelle Therapie erhalten hat, erwartet er sie vielleicht erneut.
  • Sie können mit der manuellen Therapie möglicherweise schneller Ergebnisse erzielen – sowohl durch die Wirkungen der manuellen Therapie selbst als auch durch das gesteigerte Vertrauen des Patienten in Sie (d. h. er hat das Gefühl, dass Sie sein Problem und seinen Körper verstehen, weil Sie Zeit damit verbracht haben, ihn zu berühren).
  • Sie haben weniger Gelegenheit, den Körper des Patienten kennen zu lernen.(1)

Weitere Informationen finden Sie unter: Effectiveness of the McKenzie method of mechanical diagnosis and therapy for treating low back pain: literature review with meta-analysis(6) (In englischer Originalsprache)

Sollte ich eine manuelle Therapie bei einem Patienten durchführen, der erheblich dekonditioniert ist?

Die Antwort auf diese Frage ist vielleicht. Zu den Fragen, die in diesem Fall zu berücksichtigen sind, gehören:(1)

  1. Wie stark schränken die Schmerzen den Patienten ein? Wenn es eine erhebliche Einschränkung ist und man glaubt, dass eine manuelle Therapie helfen könnte, sollte man es versuchen.
  2. Ist der Patient der Meinung, dass es hilfreich wäre? Wenn ja, kann die manuelle Therapie eine große Wirkung haben und ihm helfen, mehr zu tun.
  3. Wird der Schmerz des Patienten durch Bewegung moduliert? Wenn sich die Schmerzen eines Patienten während der Sitzung durch Bewegung stärker verbessern als durch manuelle Therapie, wird er keine oder nur wenig manuelle Therapie benötigen.

Unabhängig davon, wie Sie sich entscheiden, sollte der Schwerpunkt darauf liegen, dem Patienten zu vermitteln, dass Bewegung die wichtigste Maßnahme ist. Die manuelle Therapie ist ein Weg, den Patienten zu helfen, ihre Ziele schneller zu erreichen, nicht sie zu „reparieren“. Es ist nicht ungewöhnlich, dass schwer dekonditionierte Patienten eine externale Kontrollüberzeugung haben, und obwohl wir das vielleicht nicht ändern können, wollen wir das nicht weiter verstärken.(1)(7)

Umgang mit Schmerzen nach der Behandlung ( edit | edit source )

Wenn ein Patient nach der letzten Sitzung über Schmerzen klagt, sollte die erste Frage lauten: „Warum glauben Sie, dass Sie nach der letzten Sitzung Schmerzen bekommen haben?“. Verwenden Sie die Begriffe, die der Patient verwendet. Wenn der Patient das Wort „Schmerz“ verwendet, wiederholen Sie es, damit er sich verstanden und bestätigt fühlt. Was auch immer er glaubt: Denken Sie daran, dass er Recht haben könnte. Lassen Sie ihn wissen, dass Sie glauben, dass er Recht haben könnte. Wenn Sie glauben, dass seine Annahme falsch ist, lassen Sie ihn wissen, dass Sie eine andere Sichtweise haben, die er als Grund für seinen Schmerz in Betracht ziehen sollte.(1)

Wie kann man den Menschen erklären, warum sie Symptome haben?

Im Folgenden wird dargestellt, wie ein Gespräch zwischen Nick Rainey und einem Patienten ablaufen könnte:
„Wenn wir jung sind und uns sportlich anstrengen, bekommen wir Muskelkater. Wenn wir älter werden, können unsere Muskeln immer noch schmerzen, aber das gilt auch für unsere Gelenke, Bandscheiben, Menisken, Sehnen, Bänder… Und seien wir ehrlich,sie können mehr als nur „etwas ziehen“, sie können richtig weh tun! Allerdings handelt es sich dabei oft um andere Gewebe. Zum einen sind andere Gewebearten den Muskeln ähnlich, aber der Unterschied ist, dass sie viel weniger oder gar nicht durchblutet werden. Daher sind sie schmerzhafter, wenn wir mehr tun, als sie vertragen, und es dauert länger, bis sie sich besser fühlen. Aber sie bessern sich! Wenn die Erkrankung schon sehr fortgeschritten ist oder eine Verbesserung nicht eintritt, handelt es sich manchmal um ein Fall für eine Operation. Aber die meisten Gewebe, auch geschädigte, reagieren positiv auf Belastung. Die Belastung erfolgt durch Aktivität und Bewegung. Das Wichtigste ist, dass man sich ein wenig anstrengt, so dass man vielleicht auch merkt, dass das Gewebe beansprucht wurde, dass man sich dann ausruht und die Belastung dann wieder angeht. Das Erstaunliche an unserem Körper ist, dass er sich anpasst und lernt. Und je besser wir schlafen und essen, desto besser passt er sich an, also sollten wir auch hier gute Arbeit leisten.“(1)

Was ist mit dem Patienten in der Sitzung zu tun?

Egal, was Sie tun, verschlimmern Sie die Situation in dieser Sitzung nicht. Die Leute kommen nicht wieder, wenn es ihnen auch nach zwei Sitzungen schlechter geht. Das heißt, wenn ein Patient mit ausgeprägtem Schmerz nach der letzten Behandlung kommt, ändern Sie Ihre geplante Behandlung, um zu versuchen, seine Schmerzen zu lindern. Versuchen Sie herauszufinden, was seiner Meinung nach die Ursache für den Schmerz nach der letzten Sitzung ist. Sie könnten fragen: „Was glauben Sie, würde passieren, wenn wir heute die gleiche Behandlung durchführen würden?“ Lassen Sie den Patienten wissen, dass er irgendwann in der Lage sein sollte, die Übungen mit weniger Schmerzen durchzuführen. Wenn das nicht geschieht, hat er eine verbleibende Einschränkung, und das wollen wir, wenn möglich, nicht. Wenn er mit Ihnen einverstanden sind, planen Sie eine voraussichtliche Frist, um die Übung zu wiederholen, die den Schmerz verursacht hat. Bitte beachten Sie, dass dieser Ansatz eher für aktive Interventionen gilt. Wenn eine passive Intervention zu stärkeren Schmerzen führt, ist es möglicherweise nicht notwendig, sie zu wiederholen.(1)

Referenzen:(edit | edit source)

  1. 1.00 1.01 1.02 1.03 1.04 1.05 1.06 1.07 1.08 1.09 1.10 1.11 1.12 1.13 1.14 1.15 1.16 1.17 1.18 1.19 1.20 1.21 1.22 1.23 1.24 1.25 1.26 1.27 1.28 1.29 1.30 1.31 1.32 1.33 1.34 Rainey N. Practical Decision Making Course. Physiopedia Plus. 2023.
  2. Detsky AS. Learning the art and science of diagnosis. JAMA. 2022 May 10;327(18):1759-1760.
  3. Picha KJ, Valier AS, Heebner NR, et al. Physical therapists’ assessment of patient self-efficacy for home exercise programs. IJSPT. 2021;16(1):184-94.
  4. McParlin Z, Cerritelli F, Friston KJ, Esteves JE. Therapeutic alliance as active inference: the role of therapeutic touch and synchrony. Frontiers in Psychology. 2022:329.
  5. Geri T, Viceconti A, Minacci M, Testa M, Rossettini G. Manual therapy: Exploiting the role of human touch. Musculoskelet Sci Pract. 2019 Dec;44:102044.
  6. Lam OT, Strenger DM, Chan-Fee M, Pham PT, Preuss RA, Robbins SM. Effectiveness of the McKenzie method of mechanical diagnosis and therapy for treating low back pain: literature review with meta-analysis. journal of orthopaedic & sports physical therapy. 2018 Jun;48(6):476-90.
  7. Bialosky JE, Cleland JA, Mintken P, Beneciuk JM, Bishop MD. The healthcare buffet: preferences in the clinical decision-making process for patients with musculoskeletal pain. Journal of Manual & Manipulative Therapy. 2022 Mar 4;30(2):68-77.


Berufliche Entwicklung in Ihrer Sprache

Schließen Sie sich unserer internationalen Gemeinschaft an und nehmen Sie an Online-Kursen für alle Rehabilitationsfachleute teil.

Verfügbare Kurse anzeigen