Praktische Anwendung der Motivierenden Gesprächsführung

Originale Autorin Carin Hunter basierend auf dem Kurs von Nick Rainey
Top-BeitragendeCarin Hunter und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Bei der Durchführung einer klinischen Befragung bzw. Interview ist es wichtig, ein gutes Verhältnis zum Patienten aufzubauen. Es gibt viele Möglichkeiten, dies zu erreichen, und mit etwas Übung lassen sich diese Techniken wirksam anwenden. Sinnvoll ist es jedenfalls, sich zu überlegen, wie etwas gesagt wird und welche Auswirkungen dies auf die Person haben kann, die die Information erhält. Eine Person ist erwiesenermaßen viel eher bereit, Informationen preiszugeben, wenn sie glaubt, dass Sie wirklich an ihr und den Informationen, die sie weitergibt, interessiert sind. Kommunikation ist ein interaktiver Prozess, der den Aufbau und den Austausch von Informationen, Ideen und Bedeutungen durch die Verwendung eines gemeinsamen Systems von Symbolen, Zeichen und Verhaltensweisen umfasst.

Motivierende Gesprächsführung ( edit | edit source )

Die Motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing – MI) ist eine evidenzbasierte Intervention, die Änderungen des Gesundheitsverhaltens unterstützt. Ursprünglich wurde sie zur Behandlung von Drogenabhängigkeit eingesetzt, gilt aber heute als wirksames Mittel zur Förderung von Verhaltensänderungen und zur Behandlung chronischer Krankheiten.(1) Das Modell betrachtet Motivation als einen Zustand der Bereitschaft zur Veränderung und nicht als ein Persönlichkeitsmerkmal.

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Der Geist der Motivierenden Gesprächsführung ( edit | edit source )

Die Grundhaltung der Motivierenden Gesprächsführung wird als „The Spirit of MI“ bezeichnet und lässt sich laut Miller und Rollnick in vier Prinzipien aufteilen.(2) Diese Prinzipien fassen das Ziel von MI zusammen und lauten wie folgt:(3)(4)

  1. Partnerschaftlichkeit
    • Während der Therapeut als klinischer Experte gilt, ist der Patient der Experte für seine Verhaltensweisen, Motivationen und Einstellungen. Die beiden sollten sich gegenseitig respektieren und zusammenarbeiten, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
  2. Akzeptanz
    • Der Therapeut sollte sich bemühen, dem Patienten einen nicht wertenden und akzeptierenden Raum zu bieten, in dem er seine Probleme darlegen kann. Der Therapeut sollte positive Wertschätzung oder Bestätigung bieten, Autonomie, Empathie und Respekt fördern.
  3. Mitgefühl
    • Der Therapeut sollte sich immer für das physische und psychische Wohlbefinden des Patienten einsetzen.
  4. Evokation
    • Der Therapeut sollte den Patienten ermutigen, seinen eigenen Aktionsplan zu entwickeln. Dies ermöglicht eine Zusammenarbeit und bietet ein Programm, das den Patienten motiviert, sich daran zu halten.
Die Werkzeuge der Motivierenden Gesprächsführung ( edit | edit source )

Es gibt fünf Fertigkeiten, die der Therapeut üben kann, um ein effektives Motivationsgespräch zu führen. Diese sind:(5)

  1. Empathie ausdrücken
    • Wenn der Therapeut Empathie ausdrückt, zeigt das, dass er sich für die Situation des Patienten interessiert, ihn akzeptiert und versteht. Schon dadurch verbessert sich das Verhältnis und der Patient kann sich oft besser öffnen.(5)
  2. „Kämpfe“ vermeiden
    • Der Therapeut muss lernen, Konflikte zu bewältigen. Reibungen zwischen den Gesprächspartnern schaffen ein unangenehmes Umfeld, und es ist unwahrscheinlich, dass sich der Patient dann am Behandlungsplan beteiligt.(5)
  3. Selbstwirksamkeit fördern
    • Der Therapeut sollte jede vom Patienten vorgeschlagene optionale Veränderung unterstützen. Dies hilft ihm, Vertrauen in seine Überzeugung aufzubauen, dass er sich verändern kann.(5)
  4. Ziele entwickeln
    • Der Patient sollte die treibende Kraft bei der Festlegung der Ziele sein. Der Therapeut sollte dem Patienten keine Ziele aufzwingen, da diese nicht immer mit den Gedanken und Überzeugungen des Patienten übereinstimmen werden.(5)
  5. Widerstand umlenken
    • Dabei handelt es sich um eine Technik, bei der der Therapeut Ideen anbietet, die den Patienten dazu bringen könnten, seine Perspektive zu ändern. Diese Perspektiven sollten niemals erzwungen, argumentiert oder aufgezwungen werden.(5)
Schritte der Motivierenden Gesprächsführung ( edit | edit source )

Zu den Schritten der Motivierenden Gesprächsführung, die es ermöglichen, dass der Prozess wirksam ist und echte Veränderungen hervorruft, gehören:(5)

  1. Verbindung herstellen
    • Die Beziehung, die Sie mit dem Patienten aufbauen, basiert auf Vertrauen und guter Kommunikation.(5)
  2. Festlegen von Zielen und Veränderungsplanung
    • Während der gesamten Behandlung sollten realistische Ziele gesetzt werden, die dem Patienten jedoch nicht aufgezwungen werden. Die Planung sollte häufig überdacht werden, und Änderungen sind willkommen. Versuchen Sie, realistische Ziele zu setzen, denn das Erreichen eines Ziels ist sehr motivierend.(5)
  3. Bewertung der Bereitschaft zur Veränderung
    • Die Bewertung ihrer Bereitschaft zur Veränderung gibt Aufschluss über die Motivation.(5)
  4. Fokus neu einstellen
    • Achten Sie darauf, dass der Schwerpunkt auf den Wünschen des Patienten liegt und darauf, was ihn dazu bewegt hat, eine Behandlung aufzusuchen. Dem Therapeuten muss klar sein, was genau der Patient ändern möchte.(5)
  5. Unsicherheit erkennen
    • Wenn der Patient unsicher ist, kann dies ein Hindernis für Veränderungen sein. Seien Sie sich dessen bewusst und versuchen Sie, über Unsicherheiten zu sprechen.(5)
  6. Förderung der Eigenmotivation
    • Helfen Sie dem Patienten, eine positive Einstellung zu entwickeln, und ermutigen Sie ihn, Erfolge hervorzuheben.(5)
Effektive Kommunikation ( edit | edit source )

Die Motivierende Gesprächsführung kann dazu beitragen, die Beziehung zwischen Patient und Therapeut zu verbessern. Es gibt vier zentrale Kommunikationsfähigkeiten in der motivierenden Gesprächsführung, die unter dem Akronym OARS bekannt sind (siehe Tabelle unten).(6) OARS steht für offene Fragen (Open questions), Würdigungen (Affirming), reflektierendes Zuhören (Reflecting) und Zusammenfassungen (Summarizing).(6) Dies sind entscheidende Komponenten einer effektiven Kommunikation, da sie die Adhärenz, Zusammenarbeit und Zufriedenheit der Patienten erhöhen können.(7)

OARS Zweck Ziel
Offene Fragen (Open questions) Sammeln Sie wichtige Informationen, die durch geschlossene Fragen nicht erfasst werden können. Kann nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden; Erlaubt dem Patienten, seine Geschichte zu erzählen
Würdigungen (Affirming) Wird verwendet, um Akzeptanz und Verständnis zu zeigen Erklärung der Wertschätzung
Reflektierendes Zuhören (Reflecting) Die Gedanken und Gefühle des Patienten verstehen und sie widerspiegeln Aussagen statt Fragen
Zusammenfassungen (Summarizing) Wird verwendet, um beide Seiten der Ambivalenz eines Patienten zu beleuchten; Wiederholung, um das Verständnis sicherzustellen Länger als Reflexionen

Tabelle 1. Grundlegende Kommunikationsfähigkeiten in der Motivierenden Gesprächsführung (OARS).(6)

Psychosoziale Risikofaktoren ( edit | edit source )

Für die Befunderhebung wurde im englischsprachigen Raum die Eselsbrücke „ABCDEFW“ entwickelt, um dem Therapeuten zu helfen, sich an alle relevanten Fragen zu erinnern, mit denen potenzielle psychosoziale Risikofaktoren ermittelt werden können.(8) Dies steht für Attitudes and Beliefs (Einstellungen und Überzeugungen), Behaviours (Verhaltensweisen), Compensation Issues (Entschädigungsfragen), Diagnosis and Treatment (Diagnose und Behandlung), Emotions (Emotionen), Family (Familie) und Work (Arbeit).(9)(8) Im Jahr 2014 schlug Louis Gifford mögliche Fragen zu Beginn jedes Unterabschnitts vor, sowie die potenziellen Informationen, daraus gewonnen werden könnten.(8) Zum besseren Verständnis sind häufig Folgefragen erforderlich.

In der nachstehenden Tabelle finden Sie einige Beispiele dafür, wie Sie einen Patienten anhand der ABCDEFW-Kriterien nach psychosozialen Risikofaktoren befragen können.

Themenbereich Frage Gewonnene Informationen
Einstellungen und Überzeugungen (Attitudes and Beliefs) Was ist Ihrer Meinung nach die Ursache für Ihre Schmerzen? ● Angst-Vermeidung ● Katastrophisierung

● Maladaptive Überzeugungen

● Passive Einstellung zur Behandlung

Erwartungen bezüglich der Auswirkungen von Aktivitäten oder der Arbeit auf den Schmerz

Verhaltensweisen (Behaviours) Was tun Sie, um Ihre Schmerzen zu lindern? ● Ausgedehnte Ruhepausen● Reduziertes Aktivitätsniveau

Rückzug von ADLs und sozialen Aktivitäten

● Schlechter Schlaf

● „Boom-Bust“-Verhalten

● Selbstmedikation – Alkohol oder andere Substanzen

Entschädigungsfragen (Compensation Issues) Bringen Ihre Schmerzen Sie in finanzielle Schwierigkeiten? ● Mangelnder Anreiz zur Rückkehr in den Beruf ● Juristische Streitigkeiten über Leistungsansprüche, Verzögerung bei der Einkommensunterstützung

● Vorgeschichte in diesem Bereich

● Vorgeschichte von Schmerzen und Arbeitsausfällen

Diagnose und Behandlung (Diagnosis and Treatment) Wurden Sie wegen Ihrer derzeitigen Schmerzen bereits untersucht? Machen Sie sich Sorgen, dass etwas übersehen worden sein könnte? ● Gesundheitsfachkraft fördert durch eigene Einstellungen und Handlungen den Fortbestand der Beeinträchtigung ● Widersprüchliche Diagnosen

● Diagnostische Sprache, die zu Katastrophisierung und Angst führt

● Erwartung einer raschen „Lösung/Heilung“

● Ratschlag zur Vermeidung von Aktivitäten und/oder Rückzug aus dem Beruf

● Dramatisierung von Rückenschmerzen durch die Gesundheitsfachkraft

Abhängigkeit von passiven Behandlungen

Emotionen (Emotions) Gibt es irgendetwas, das Sie im Moment wegen der Schmerzen beunruhigt oder besorgt? ● Angst ● Depression

● Reizbarkeit

● Ängstlichkeit

● Stress

● Soziale Ängste

● Sich nutzlos oder nicht gebraucht fühlen

Familie (Family) Wie reagiert Ihre Familie auf Ihre Schmerzen? ● Überfürsorglicher Partner/Ehepartner ● Besorgtes Verhalten des Ehepartners

● Sozial strafende Reaktionen des Ehepartners

● Unterstützung durch die Familie bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz

● Fehlen einer unterstützenden Person, mit der man reden kann

Arbeit (Work) Wie wird Ihre Arbeitsfähigkeit durch Ihre Schmerzen beeinträchtigt? ● Manuelle Arbeit in der Vergangenheit ● Unzufriedenheit am Arbeitsplatz

● Glaube, dass Arbeit schädlich ist

● Ungünstiges oder unglückliches Arbeitsumfeld

● Geringer Bildungsstand

● Niedriger sozioökonomischer Status

● Schwere körperliche Anforderungen bei der Arbeit

● Schlechter Umgang mit Schmerzen am Arbeitsplatz

● Mangelndes Interesse des Arbeitgebers

Tabelle übernommen mit Genehmigung von Ina Diener, Autorin von Listening is therapy: Patient interviewing from a pain science perspective.

Bei der herkömmlichen Anamnese liegt der Schwerpunkt auf der Intensität, der Dauer, dem Verhalten und der Art des Schmerzes.(8) Es ist jedoch auch notwendig, Fragen zu den Überzeugungen des Patienten zu stellen. Vertiefende Fragen sollten Folgendes umfassen: die aktuellen Überzeugungen des Patienten in Bezug auf seine Schmerzen, seine Sicht der Schmerzerfahrung, einschließlich der Auswirkungen der Behandlung, und seine Sicht der Aussichten auf eine Genesung.

Wenn Sie überlegen, welche Fragen Sie einem Patienten stellen sollen, fragen Sie sich zunächst selbst:(8)

  • Welche Informationen sind erforderlich?
  • Warum ist das wichtig?
  • Wie kann ich diese Frage formulieren?
  • Was sind mögliche Ergebnisse?
  • Wirkt sich dieses Wissen auf die Untersuchung oder Behandlung aus?

Fragen mit sofortiger Antwort und vertiefende Fragen wandeln häufig Tatsachenaussagen in Vergleiche um. Sie erforschen häufig die Kognitionen, Überzeugungen und Erfahrungen der Patienten in Bezug auf ihre Schmerzen. Im Folgenden finden Sie einige Beispiele für hilfreiche Formulierungen und Fragen.(8)

  • Wie ist das im Vergleich zu …. ?
  • Gibt es einen Unterschied zwischen… ?
  • Auf welche Weise….?
  • Was glauben Sie, ist los mit…?
  • Was sollte Ihrer Meinung nach getan werden für…?
  • Was glauben Sie, warum…?
  • Was müssten Sie tun, damit es Ihnen besser geht?
  • Wo sehen Sie sich in 3 Jahren in Bezug auf…?
  • Was haben Sie als besonders hilfreich für Ihr… empfunden?
  • Sie haben offensichtlich bereits viele Menschen aufgesucht, um Hilfe zu erhalten. Was denken Sie darüber?
  • Was gibt Ihnen Hoffnung?
  • Was ist Ihre Erwartung?
  • Wenn ich einen Schalter umlegen und all Ihre Schmerzen entfernen könnte: Welche Dinge, die Sie aufgegeben haben, würden Sie wieder tun?
  • Wie hat sich Ihr Schmerz auf Ihre Familie und Freunde ausgewirkt?
  • Sind Sie auf jemanden wütend wegen…? Erzählen Sie mir davon.
  • Hat Ihnen jemand das Gefühl gegeben, dass Sie sich das „nur einbilden“ oder „das passiert nur in Ihrem Kopf“ gesagt? Erzählen Sie mir davon.

Therapeutische Allianz ( edit | edit source )

Ein starkes therapeutisches Bündnis kann sich positiv auf die Behandlungsergebnisse der Patienten auswirken.(10)(11) Der Therapeut muss sich darüber im Klaren sein, wie der Patient mit dem Problem zurechtkommt, wie er es wahrnimmt und welche Auswirkungen dieses Problem auf sein Leben und seine Aktivitäten des täglichen Lebens hat.(8)(12) Wenn dies zu Beginn einer Interaktion nicht wirksam kommuniziert wird, könnte die Diskrepanz zwischen Wissen und Überzeugungen die therapeutische Allianz beeinträchtigen.(8)

Der Therapeut muss das Problem aus der Sicht des Patienten verstehen – er muss sich der patientenspezifischen Überzeugungen und der patientenspezifischen Risikofaktoren bewusst sein. Dies wird dem Therapeuten helfen, dem Patienten die Biologie und Physiologie seines Problems mit Hilfe eines Ansatzes der neurowissenschaftlichen Edukation zu erklären.(8)

Alle Kommunikationsstrategien, die während eines Gesprächs eingesetzt werden, müssen die Beteiligung des Patienten fördern und es ihm ermöglichen, sich sowohl an der „Problemstellung“ als auch an der „Problemlösung“ zu beteiligen.(8) Kommunikationsstrategien sollten das Selbstvertrauen des Patienten und seine Kompetenz, autonome Entscheidungen zu treffen, stärken.(8) Bei Klinikern, die in der Lage sind, mit ihren Patienten gute Kommunikationsfähigkeiten anzuwenden, „sind die Patienten zufriedener mit der ihnen zuteil werdenden Betreuung, können die Patienten die Informationen besser abrufen und verstehen und die Gesundheitsfachkräfte erleben eine größere Arbeitszufriedenheit und weniger Arbeitsstress.“(13)

Praktische Interviewfähigkeiten ( edit | edit source )

Bei einer Befunderhebung können bestimmte Fertigkeiten und Techniken dazu beitragen, das Verhältnis zu verbessern und dem Patienten ein besseres Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Dies ist auf lange Sicht von Vorteil, da der Patient eher bereit ist, die erforderlichen Informationen preiszugeben, als den Therapeuten auf Distanz zu halten.

1. Nonverbale Kommunikation ( edit | edit source )

Die nonverbale Kommunikation wird oft als „Körpersprache“ bezeichnet.(14) Es wird angenommen, dass sie stärker, schneller und direkter ist als die verbale Kommunikation. Nonverbale Kommunikation ist „reflexartig“.(15) Sie wird daher oft als zuverlässiger und vertrauenswürdiger interpretiert als das gesprochene Wort. Achten Sie darauf, ob die verbale und die nonverbale Kommunikation eines Patienten übereinstimmen oder nicht, aber denken Sie daran, dass es wichtig ist, auf beide Szenarien angemessen zu reagieren.(15)

Menschen reagieren besser auf Personen, mit denen sie sich identifizieren können. Eine Technik, die dazu beitragen kann, dass sich der Patient wohler fühlt, besteht darin, seine Handlungen nachzuahmen oder ihnen entgegenzukommen.(15) Dies sollte auf natürliche Weise und in einer entspannten Atmosphäre geschehen,(15) damit der Patient es nicht als Spott oder Herabwürdigung auffasst.

Denken Sie immer daran, eine nonverbale Antwort als gültige Antwort anzuerkennen.

Kliniker: „Wie ist es zur Zeit?“

Der Patient rümpft die Nase.

Kliniker: „Das sieht nicht gut aus. War es schon mal schlimmer?“

Der Patient erwidert mit einem Schaudern.

Kliniker: „Es tut mir leid, dass Sie sich so fühlen. Lassen Sie uns weiter reden, um zu versuchen, das Problem an der Wurzel zu packen.“

2. Verbale Kommunikation ( edit | edit source )

Der Ausgangspunkt für die Beziehung und die Behandlung eines Patienten ist eine effektive Kommunikation. Unabhängig davon, ob dies für Sie eine Selbstverständlichkeit ist oder nicht, gibt es einige Fertigkeiten, die Sie erlernen können, um die subjektive Untersuchung effektiver zu gestalten.(15)

Das Gespräch ( edit | edit source )

Der Therapeut sollte sich stets bemühen, die Kontrolle über das Gespräch zu behalten. Dies kann durch „Signposting“ erreicht werden. Signposting (etwa: ausschildern, wegweisen) ist eine verbale Markierung, die angibt, in welche Richtung Sie Ihre subjektive Untersuchung lenken oder wo Sie sich gerade befinden, um Ihrem Patienten zu helfen, sich durch die verschiedenen Konzepte zu bewegen, die Punkte zu verbinden und engagiert zu bleiben. Dies kann durch die Verwendung von Sätzen und Worten erreicht werden, die den Patienten durch das Gespräch führen. Es gibt zwei Hauptarten von Signposting, die häufig verwendet werden: Einleitungen/Schlussfolgerungen und die Darstellung der Hauptargumente/der Richtung der Argumentation in Absätzen/Einleitungsformeln. Wir können diese Fertigkeit einsetzen, wenn ein Patient vom Thema abschweift, um ihn wieder auf die ursprüngliche Aufgabe und den vereinbarten Plan zurückzubringen.(15) Maitland(15) ermutigt Kliniker dazu:

  • „Sprechen Sie langsam
  • Sprechen Sie bewusst
  • Halten Sie Ihre Fragen kurz
  • Stellen Sie eine Frage nach der anderen“
Worte, die heilen ( edit | edit source )

Wir müssen sorgfältig überlegen, wenn wir mit unseren Patienten über medizinische Begriffe sprechen. Es ist gut zu wissen, wie viel sie über ihr Problem wissen und wie viele Informationen über ihr Problem sie sich wünschen. Das Hauptaugenmerk des Therapeuten liegt auf der Gesundheit seiner Patienten, einschließlich ihres psychischen Wohlbefindens. Selbst wenn ein Kliniker der Meinung ist, dass der Patient bestimmte Informationen wissen sollte, kann es sein, dass der Patient nicht bereit ist, sie zu hören.

  • Bias (Voreingenommenheit)(15)
    • Manche Menschen sind offen für Vorschläge, manche nicht. Achten Sie bei der Formulierung Ihrer Fragen darauf, dass Sie nicht voreingenommen sind. Wenn ein Ausschluss Ihrer eigenen Bias nicht möglich ist, stellen Sie lieber eine Frage, die zu einer „Nein“-Antwort einlädt, wenn Sie ein Ja erwarten. Wenn man zum Beispiel über ein Hausaufgabenprogramm spricht, könnte die Frage „Haben Ihnen die Übungen gefallen?“ eher mit „Ja“ beantwortet werden, während die Frage „Ich weiß, dass in Ihrem Leben viel los ist; haben Sie es diese Woche geschafft, die Übungen zu machen?“ neutraler ist und eine objektivere Antwort ergeben kann.
  • Kürze(15)
    • Um Verwirrung und Fehlinterpretationen zu vermeiden, sollten Sie die Fragen kurz und direkt halten. Sie können ein offenes Ende haben, aber das Hauptziel ist es, den Patienten so viel wie möglich sprechen zu lassen.
  • Spontane Informationen(15)
    • Dies gibt dem Therapeuten oft Aufschluss über die Persönlichkeit des Patienten und kann helfen, die Symptome zu kontextualisieren.
  • Schlüsselwörter(15)
    • Manchmal gibt es in der Antwort eines Patienten ein Schlüsselwort, das weitere Fragen erfordert. Es ist ratsam, dieses Schlüsselwort weiterzuverfolgen, solange es noch im Gedächtnis des Patienten ist. Sobald Sie den Punkt geklärt haben, nutzen Sie das Signposting, um das Gespräch wieder in die vereinbarte Richtung zu bringen.
  • Fehler in der verbalen Kommunikation(15)
    • Wenn ein Therapeut mit einem Patienten spricht, muss er sicher sein, dass seine Worte richtig verstanden werden. Zu diesem Zweck muss der Therapeut regelmäßig überprüfen, ob der Patient das Gesagte noch richtig interpretiert. Ist dies nicht der Fall, muss der Therapeut die Unklarheiten klären und erklären. Es gibt drei Schlüsselbereiche, an denen ein Therapeut arbeiten muss, wenn er ein Gespräch führt:
      • Unklare Aussagen(15)
        • Vergewissern Sie sich im Gespräch mit dem Patienten immer, dass er mit Ihnen auf einer Wellenlänge ist, und fragen Sie ihn, ob er Fragen hat.
      • Fehlinterpretation(15)
        • Abhängig von ihrer Persönlichkeit, ihrem Schmerzniveau und ihren Vorstellungen über die Schmerzursache können Patienten eine katastrophisierende Sprache verwenden oder ihren Zustand herunterspielen. Wenn das Gespräch nicht in der Hauptsprache des Patienten geführt wird, kann es zusätzliche Kommunikationsprobleme geben. Der Therapeut sollte nicht wertend sein und den Ansichten des Patienten gegenüber sensibel bleiben.
      • Vermutungen anstellen(15)
        • Gehen Sie nie von Vermutungen aus, sondern prüfen Sie immer die Bedeutung und bestätigen Sie sie. Wenn ein Patient Ihnen zum Beispiel sagt: „Die Schmerzen gehen nie weg“, ist es vielleicht an der Zeit, das 24-Stunden-Muster seiner Schmerzen, die schwankenden Symptome sowie die verschlimmernden und lindernden Faktoren genauer zu untersuchen. Dies hilft dem Therapeuten, sich ein klares Bild davon zu machen, ob der Patient eine echte Red Flag beschreibt oder ob Emotionen/andere Faktoren die Schilderung seiner Erfahrung beeinflussen.

Bitte beachten Sie die beiden folgenden Beispiele für Interviews. Das Video auf der linken Seite zeigt ein Beispiel für ein schlechtes Interview, während das Video auf der rechten Seite ein Beispiel für ein gutes Interview zeigt.

Referenzen(edit | edit source)

  1. Bischof G, Bischof A, Rumpf HJ. Motivational interviewing: An evidence-based approach for use in medical practice. Deutsches Ärzteblatt International. 2021 Feb;118(7):109.
  2. Rollnick S, Miller WR. What is Motivational interviewing? Behavioural and Cognitive Psychotherapy. 1995 Oct;23(04):325.
  3. Johnston L, Hilton C, Dempsey F. Practical guidance on the use of motivational interviewing to support behaviour change. ERS Monograph: Supporting Tobacco Cessation. European Respiratory Society. 2021:56-75.
  4. Svensson M, Wagnsson S, Gustafsson H. Can motivational interviewing be a helpful professional tool? Investigating teachers‘ experiences. Educational Research. 2021 Oct 2;63(4):440-55.
  5. 5.00 5.01 5.02 5.03 5.04 5.05 5.06 5.07 5.08 5.09 5.10 5.11 5.12 Bundy C. Changing behaviour: using motivational interviewing techniques. J R Soc Med 2004;97 Suppl 44:43-47.
  6. 6.0 6.1 6.2 Breckenridge LA, Burns D, Nye C. The use of motivational interviewing to overcome COVID‐19 vaccine hesitancy in primary care settings. Public Health Nursing. 2022 May;39(3):618-23.
  7. Borrelli B, Riekert KA, Weinstein A, Rathier L. Brief motivational interviewing as a clinical strategy to promote asthma medication adherence. J Allergy Clin Immunol 2007;120(5):1023-30.
  8. 8.00 8.01 8.02 8.03 8.04 8.05 8.06 8.07 8.08 8.09 8.10 Diener I, Kargela M, Louw A. Listening is therapy: Patient interviewing from a pain science perspective. Physiotherapy theory and practice. 2016 Jul 3;32(5):356-67.
  9. Anzelmo A. Healthcare/Patient Interactions and the Possible Pitfalls – A Narrative Review. Journal of Rheumatology, Orthopedics and Sports Sciences.2022
  10. Ferreira PH, Ferreira ML, Maher CG, Refshauge KM, Latimer J, Adams RD. The therapeutic alliance between clinicians and patients predicts outcome in chronic low back pain. Physical therapy. 2013 Apr 1;93(4):470-8.
  11. Hall AM, Ferreira PH, Maher CG, Latimer J, Ferreira ML. The influence of the therapist-patient relationship on treatment outcome in physical rehabilitation: a systematic review. Physical therapy. 2010 Aug 1;90(8):1099-110.
  12. Louw A, Zimney K, O’Hotto C, Hilton S. The clinical application of teaching people about pain. Physiotherapy theory and practice. 2016 Jul 3;32(5):385-95.
  13. Bialosky JE, Bishop MD, Cleland JA. Individual expectation: an overlooked, but pertinent, factor in the treatment of individuals experiencing musculoskeletal pain. Physical therapy. 2010 Sep 1;90(9):1345-55.
  14. Burgoon JK, Manusov V, Guerrero LK. Nonverbal communication. Routledge; 2021 Sep 6.
  15. 15.00 15.01 15.02 15.03 15.04 15.05 15.06 15.07 15.08 15.09 15.10 15.11 15.12 15.13 15.14 Maitland GD. Vertebral manipulation. Elsevier Health Sciences; 1986 Mar 20.


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