Physiologie und Heilung im Sport

Originale Autorin Robin Tacchetti basierend auf dem Kurs von Jennifer Bell
Top-BeitragendeRobin Tacchetti und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Ein Stressor wird definiert als jeder intrinsische (innere) oder extrinsische (äußere) Reiz, der eine biologische Reaktion im Organismus zur Bewältigung besonderer Anforderungen hervorruft. Eine Stressreaktion ist die kompensatorische Reaktion auf einen Stressor. Je nach Ausmaß, Zeit und Art des Reizes hat Stress unterschiedliche Auswirkungen auf den Körper.(1) Das Ausmaß der physiologischen Reaktion auf einen Reiz ist sehr individuell und hängt von der jeweiligen Situation ab.(2) „Guter“ Stress kann Kraft, Ausdauer und Leistung verbessern. „Schlechter“ Stress kann zu Verletzungen oder einer Verzögerung der Heilung führen.(3)

Physical Stress Theory ( edit | edit source )

Die Physical Stress Theory (PST, etwa: „physische Stresstheorie“) besagt, dass sich das Gewebe an körperliche Stressfaktoren anpasst, indem es seine Zusammensetzung und Struktur so verändert, dass es den mechanischen Anforderungen der regelmäßigen Belastung am besten gerecht wird.(4) Diese „vorhersehbare Reaktion ist für verschiedene Arten von biologischen Geweben unterschiedlich“.(3) Das Ausmaß, die Dauer (Zeit) und die Richtung des Stressors bestimmen das Gesamtniveau der Exposition gegenüber physischem Stress.(4) Diese Theorie geht von fünf qualitativen Reaktionen auf physische Belastung aus: Atrophie (Rückbildung), Erhaltung, Hypertrophie (Wachstum), Verletzung und Tod.(4)(5)

  • Atrophie: Das physische Stressniveau liegt unter dem Erhaltungsbereich; das Gewebe wird weniger tolerant gegenüber nachfolgenden Belastungen
  • Keine offensichtliche Veränderung: Stressoren liegen im Erhaltungsbereich
  • Hypertrophie: Die Belastung übersteigt den Erhaltungsbereich (Überlastung); das Gewebe wird toleranter gegenüber nachfolgendem physischen Stress
  • Verletzung des Gewebes: zu hohe körperliche Belastung führt zu Schäden
  • Gewebetod: extreme Abweichungen vom Stressniveau der Erhaltung, die die Anpassungsfähigkeit der Gewebe übersteigen(4)

Ausmaß des Stresses ( edit | edit source )

Progressive Überlastung bedeutet, einen angemessenen Reiz aufrechtzuerhalten, der der Anpassungsfähigkeit entspricht.(6) Suboptimale Anpassungen können auftreten, wenn die Belastung zu schnell gesteigert wird, was die Belastungstoleranz beeinträchtigen kann.(7)

Das optimale Maß an Stress sollte einen Sportler von der Homöostase in die kurzfristige Überlastung („overreaching“) oder akute Ermüdung führen. „Wenn für eine angemessene Erholung gesorgt ist, kehrt sich der Prozess um, was zu einer Anpassung (Adaption) und Wiederherstellung der Homöostase auf einem höheren Leistungsniveau führt.(8) Umgekehrt behindern eine unzureichende Erholung oder zu viel Stress die Anpassung und können zu Verletzungen führen.(8)(9) Um die Homöostase eines Sportlers aufrechtzuerhalten, ist es notwendig, die individuelle Stressreaktion auf Training und Wettkampf zu überwachen.(8)

Verletzung(edit | edit source)

Zu einer Verletzung kann es kommen, wenn hoher Stress für kurze Zeit, mäßiger Stress für mehrere Male und/oder niedriger Stress für eine lange Zeit auf das Gewebe einwirkt.(4) Verletzte Gewebe sind weniger belastbar und zeigen unmittelbar nach der Verletzung eine Entzündung. Diese Gewebe müssen vor weiteren übermäßigen Belastungen geschützt werden, bis die akute Entzündung abgeklungen ist.(4)

Weichteilverletzungen ( edit | edit source )

In der akuten Entzündungsphase werden Eis und Kompression eingesetzt, um die Schwellung zu kontrollieren (denken Sie an das Akronym PRICE: Protect/Schonung, Rest/Entlastung, Ice/Kühlung, Compress/Kompression, Elevate/Hochlagerung). Während der Reparatur- oder Proliferationsphase wird neues Bindegewebe gebildet. Diese Phase wird oft als „subakute Phase“ bezeichnet. In der Remodellierungsphase ist ein kontrollierter Stress des verletzten Gewebes wichtig, d. h. eine Erhöhung der auf das Gewebe ausgeübten Belastung.(3) Weitere Informationen zu diesen Konzepten finden Sie unter Inflammation Acute and Chronic, Soft Tissue Healing und Bone Healing.

** Bitte beachten Sie, dass Sehnen nicht richtig heilen, wenn sie nicht angemessen belastet werden.(3)

Grundsätze in der Rehabilitation ( edit | edit source )

Im Jahr 2015 haben Glasgow et al.(10) vorgeschlagen, dass eine optimale Belastung das gesamte neuromuskuloskelettale System einbeziehen und die folgenden sieben Elemente umfassen sollte:

  1. Auf die entsprechenden Gewebe abzielen
  2. Gewährleistung einer Belastung innerhalb des funktionellen Bereiches
  3. Gleichgewicht zwischen Druck-, Zug- und Scherbelastungen
  4. Variation von Ausmaß, Richtung, Dauer und Intensität der Belastung
  5. Neurale Überlastung einbeziehen
  6. Anpassung an individuelle Merkmale
  7. Funktionalität berücksichtigen(10)

** Die Dosierung von Belastung, Häufigkeit (Frequenz), Erholung und Umfang (Volumen) kann die hypertrophe Reaktion maximieren.(11) Weitere Informationen über die Grundsätze des Trainings finden Sie unter Physiology In Sport.

Allgemeines Anpassungssyndrom ( edit | edit source )

Das allgemeine Anpassungssyndrom (auch allgemeines Adaptionssyndrom oder Selye-Syndrom) bezieht sich auf eine Kette von Reaktionen, die der Körper als Antwort auf äuße­ren Stress oder Belastungen durchläuft. Diese Theorie besagt, dass der Körper drei allgemeine Phasen durchläuft, die nicht spezifisch für den Stressor sind.(12)

  1. Alarmreaktion:
    • Erste 6-48 Stunden
    • Die Homöostase wird durch einen Stressor gestört
    • Die Aktivität des autonomen Nervensystems nimmt zu
    • Etwas Ermüdung
    • Etwas Muskelkater
  2. Widerstandsphase:
    • „Kampf oder Flucht“ als Reaktion auf Stress
    • Kann einige Augenblicke, Tage, Monate oder manchmal Jahre dauern
    • Nachdem der Widerstand beendet ist, folgt die Erholung
    • Hypertrophe Muskeln
  3. Erschöpfungsphase
    • Keine Möglichkeit, sich zu erholen bzw. chronisches Stressumfeld
    • Anzeichen für ein Scheitern der Anpassung
    • Systeme brechen zusammen
    • Anfälliger für eine Reihe von biopsychosozialen Symptomen/Verletzungen
    • Wenn ein Individuum in dieser Phase verharrt, kann es zum Absterben von Gewebe kommen(12)(3)

Bei der Anwendung dieser Theorie im Sport ist eine Mischung von Trainingsroutinen mit angemessener Erholung entscheidend für eine optimale Anpassung.(13)

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

  1. Yaribeygi H, Panahi Y, Sahraei H, Johnston TP, Sahebkar A. The impact of stress on body function: A review. EXCLI journal. 2017;16:1057.
  2. Anderson GS, Di Nota PM, Metz GA, Andersen JP. The impact of acute stress physiology on skilled motor performance: Implications for policing. Frontiers in psychology. 2019 Nov 7;10:2501.
  3. 3.0 3.1 3.2 3.3 3.4 Bell, J. Physiology and Healing in Sport. 2022. Plus.
  4. 4.0 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5 Mueller MJ, Maluf KS. Tissue adaptation to physical stress: a proposed “Physical Stress Theory” to guide physical therapist practice, education, and research. Physical therapy. 2002 Apr 1;82(4):383-403.
  5. Higgins JD, Wendland DM. The Use of the Physical Stress Theory to Guide the Rehabilitation of a Patient With Bilateral Suspected Deep Tissue Injuries and Hip Repair. Journal of Acute Care Physical Therapy. 2015 Dec 1;6(3):87-92.
  6. Plotkin D, Coleman M, Van Every D, Maldonado J, Oberlin D, Israetel M, Feather J, Alto A, Vigotsky AD, Schoenfeld BJ. Progressive overload without progressing load? The effects of load or repetition progression on muscular adaptations. PeerJ. 2022 Sep 30;10:e14142.
  7. Impellizzeri FM, Menaspà P, Coutts AJ, Kalkhoven J, Menaspà MJ. Training load and its role in injury prevention, part I: back to the future. Journal of athletic training. 2020 Sep;55(9):885-92.
  8. 8.0 8.1 8.2 Hamlin MJ, Wilkes D, Elliot CA, Lizamore CA, Kathiravel Y. Monitoring training loads and perceived stress in young elite university athletes. Frontiers in physiology. 2019 Jan 29;10:34.
  9. Herring SA, Ben Kibler W, Putukian M, Berkoff DJ, Bytomski J, Carson E, Chang CJ, Coppel D. Load, overload, and recovery in the athlete: Select issues for the team physician-A consensus statement. Current Sports Medicine Reports. 2019 Apr 1;18(4):141-8.
  10. 10.0 10.1 Glasgow P, Phillips N, Bleakley C. Optimal loading: key variables and mechanisms. British Journal of Sports Medicine. 2015 Mar 1;49(5):278-9.
  11. Scarpelli MC, Nóbrega SR, Santanielo N, Alvarez IF, Otoboni GB, Ugrinowitsch C, Libardi CA. Muscle hypertrophy response is affected by previous resistance training volume in trained individuals. Journal of Strength and Conditioning Research. 2022 Apr 8;36(4):1153-7.
  12. 12.0 12.1 Crevecoeur GU. A system approach to the General Adaptation Syndrome. Basics on Mechanisms of Aging and Evolution. 2016;2016:1-4.
  13. Buckner SL, Mouser JG, Dankel SJ, Jessee MB, Mattocks KT, Loenneke JP. The general adaptation syndrome: potential misapplications to resistance exercise. Journal of science and medicine in sport. 2017 Nov 1;20(11):1015-7.


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