Whiplash Associated Disorders (WAD)

Definition / Beschreibung(edit | edit source)

Whiplash Associated Disorders (WAD) ist ein Begriff, der eine Reihe von Symptomen nach einem zervikalen bzw. kraniozervikalen Beschleunigungstrauma (nachfolgend zur Vereinfachung „Schleudertrauma“ genannt) beschreibt. Es gilt als das häufigste Ergebnis nach „nicht katastrophalen“ Kfz-Unfällen.(1) Der Begriff WAD wird oft synonym mit dem Begriff Schleudertrauma verwendet. Das Schleudertrauma bezieht sich jedoch auf den Mechanismus der akuten Verletzung und nicht auf das Vorhandensein von Symptomen wie Schmerzen, Steifheit, Muskelkrämpfen und Kopfschmerzen, ohne dass eine Läsion oder strukturelle Pathologie vorliegt.(2)(3) Die Prognose des Schleudertraumas ist unbekannt und unvorhersehbar. Einige Fälle bleiben akut und erholen sich vollständig, während andere chronisch werden und zu langfristigen Schmerzen und Behinderungen führen.(3) Die Empfehlungen zur frühen Intervention sind Ruhe, Schmerzlinderung und einfache Dehnübungen.(3)

Das folgende kurze Video fasst WAD gut zusammen:

(4)

Klinisch relevante Anatomie (edit | edit source)

Schleudertrauma und Whiplash Associated Disorders (WAD) beeinträchtigen je nach Stärke und Richtung des Aufpralls sowie vieler anderer Faktoren eine Vielzahl anatomischer Strukturen der Halswirbelsäule (HWS).(5)(6)(7) Die Schmerzen können von jedem dieser Gewebe ausgehen, wobei die Distorsion der HWS zu sekundären Ödemen, Blutungen und Entzündungen führt:

Whiplash Injuries.jpg

Pathophysiologie(edit | edit source)

Die meisten WAD werden als leichte Weichteilverletzungen ohne Anzeichen einer Fraktur eingestuft.

Die Verletzung erfolgt in drei Phasen:

  • Phase 1: Die obere und untere HWS durchlaufen in Phase 1 eine Flexion
  • Phase 2: Die HWS nimmt eine S-Form an, während sie in die Extension übergeht und sich schließlich aufrichtet, um die Lordose wiederherzustellen
  • Stadium 3: Die gesamte HWS befindet sich in Extension, wobei eine starke Scherkraft auftritt, die zu einer Kompression der Facettengelenkkapseln führt

Studien an Leichen haben gezeigt, dass das Schleudertrauma durch die S-förmige Krümmung der HWS entsteht, die zu einer Hyperextension an der unteren HWS und einer Flexion der oberen Segmente führt, was die physiologischen Grenzen der Wirbelsäulenbeweglichkeit überschreitet.

Die Quebec Task Force klassifiziert Patienten mit Schleudertrauma je nach Schweregrad der Zeichen und Symptome wie folgt:

  1. Grad 1: Der Patient klagt über Nackenschmerzen, Steifheit oder Druckempfindlichkeit, ohne dass bei der körperlichen Untersuchung pathologische Befunde auffallen.
  2. Grad 2: Der Patient weist muskuloskelettale Befunde auf, einschließlich eines verminderten Bewegungsausmaßes und Druckempfindlichkeit.
  3. Grad 3: Der Patient zeigt auch neurologische Befunde, die sensible Defizite, verminderte Sehnenreflexe und Muskelschwäche umfassen können.
  4. Grad 4: Der Patient weist eine Fraktur auf.(8)

Ätiologie(edit | edit source)

Whiplash Associated Disorders (WAD) beschreiben eine Reihe von klinischen Symptomen in Zusammenhang mit der Halswirbelsäule nach einem Autounfall bzw. einem Beschleunigungstrauma. Die Pathophysiologie, die dieser Störung zugrunde liegt, ist noch nicht vollständig erforscht und es gibt viele Hypothesen. Es wird angenommen, dass einige der Symptome durch eine Verletzung der folgenden Strukturen verursacht werden:

  • Kapsel der zervikalen Facettengelenke
  • Facettengelenke
  • Bänder der Wirbelsäule
  • Nervenwurzeln
  • Bandscheiben
  • Knorpel
  • Paraspinale Muskeln (Spasmus)
  • Intraartikuläres Meniskoid des Facettengelenks(8)

Epidemiologie(edit | edit source)

Die häufigste Ursache für WAD sind Verkehrsunfälle, aber auch Sportverletzungen und Stürze können zu diesem Krankheitsbild führen. Eine Studie von Holm et al. deutet darauf hin, dass die Zahl der Betroffenen, die über Symptome berichten, eine steigende Tendenz aufweist. In ihrer 2008 veröffentlichten Studie gaben sie an, dass die Inzidenz in Nordamerika und Europa bei etwa 300 pro 100.000 Einwohner lag.(9) Im Vereinigten Königreich stand die Einführung der Gurtpflicht im Jahr 1983, eine Initiative zur Reduzierung von Verkehrstoten, im Zusammenhang mit einem Anstieg der gemeldeten WAD-Fälle in den Folgejahren.(10) WAD treten auch häufiger bei Frauen als bei Männern auf, wobei fast zwei Drittel der Frauen über Symptome klagen und mehrere Studien ergaben, dass Frauen im Vergleich zu Männern tendenziell eine langsamere oder unvollständige Genesung aufweisen.(11)

Das Risiko, dass Patienten nach einem zervikalen Beschleunigungstrauma WAD entwickeln, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab:

  • Schwere des Aufpralls; allerdings ist es schwierig, objektive Evidenz zu erheben, um dies zu bestätigen(12)
  • Vor dem Unfall vorhandene Nackenschmerzen sind ein Risikofaktor für akute Nackenschmerzen nach einem Aufprall(13)
  • Frauen scheinen ein etwas höheres Risiko zu haben, WAD zu entwickeln
  • Auch das Alter spielt eine Rolle; jüngere Menschen (18-23) reichen eher Versicherungsansprüche ein und/oder haben ein höheres Risiko, wegen WAD behandelt zu werden(14)(15)

Die Zahl der Menschen weltweit, die unter chronischen Schmerzen leiden, liegt zwischen 2 und 58 %, meist jedoch zwischen 20 und 40 %(13)

  • Wenn ein Patient 3 Monate nach dem Unfall immer noch Symptome hat, wird er wahrscheinlich mindestens zwei Jahre lang symptomatisch bleiben, möglicherweise sogar noch viel länger(15)
  • 50 % der Menschen mit einem Schleudertrauma erholen sich vollständig,
  • 25 % können leichte Behinderungen aufweisen und der Rest leidet unter mäßigen bis starken Schmerzen und Behinderungen(16)

Es gibt viele prognostische Faktoren, die die Entwicklung von WAD und die Wahrscheinlichkeit der Chronifizierung bestimmen.

  • Es wurde festgestellt, dass eine geringe Erwartung an die Genesung, passive Bewältigungsstrategien und posttraumatische Stresssymptome mit chronischen Nackenschmerzen und/oder Behinderungen nach einem Schleudertrauma verbunden sind(17)
  • Selbstberichtete unspezifische Schmerzen vor dem Unfall, hohe psychische Belastung, weibliches Geschlecht und niedriger Bildungsstand sagten zukünftige selbstberichtete Nackenschmerzen voraus(18)
  • Vorgeschichte früherer Nackenschmerzen, ein Ausgangswert der Nackenschmerzintensität von mehr als 55/100, Nackenschmerzen bei der Erstuntersuchung, Kopfschmerzen bei der Erstuntersuchung, Katastrophisierung, ein WAD-Grad von 2 oder 3 und das Nichtanlegen des Sicherheitsgurts zum Zeitpunkt des Aufpralls sind weitere ungünstige prognostische Faktoren(19)(16)
  • Ebenso, wenn der Patient vor dem Unfall nicht gearbeitet hat, krankgeschrieben war oder Sozialhilfe bezogen hat(18)
  • Frühe Behinderungen nach der Verletzung stehen in engem Zusammenhang mit chronischen Behinderungen, aber auch psychologische und verhaltensbezogene Faktoren spielen eine wichtige Rolle(20)
  • Kältehyperalgesie, vermindertes Bewegungsausmaß der HWS, Kopfschmerzen, posttraumatische Stresssymptome, Übererregungssymptome (PTBS) und anfänglich hoher NDI (Neck Disability Index) stehen im Zusammenhang mit chronischen mäßigen bis schweren Behinderungen(16)

Clinical Prediction Rule für Schleudertrauma (edit | edit source)

Eine Clinical Prediction Rule (CPR, klinische Vorhersageregel) ist ein Instrument, mit dem sich das Ergebnis vorhersagen lässt, z. B. die Wahrscheinlichkeit, ob eine Person nach einem Schleudertrauma mäßige/schwere Schmerzen und Behinderungen haben wird oder sich eher vollständig erholt.(16) CPRs werden vor allem in den folgenden Fällen verwendet:(16)

  • Komplexe Entscheidungsfindung
  • Ungewissheit bezüglich Diagnose und Prognose
  • Möglichkeiten zur Kosteneinsparung, ohne die Versorgung der Patienten zu gefährden

Die CPR für WAD schlägt Folgendes vor:(16)

  • Wahrscheinlichkeit einer chronischen mäßigen/schweren Behinderung bei höherem Alter (≥35), anfänglich hohem Wert des NDI (NDI≥40) und Übererregungssymptomen (Hyperarousal)
  • Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Genesung bei jüngerem Alter (≤35) und anfänglich niedrigem Wert des NDI (NDI≤32)

Algorithmus der CPR

Ritchie et al. stellten fest, dass diese CPR reproduzierbar und genau ist, wenn sie nach einem Schleudertrauma aufgrund eines Autounfalls angewendet wird.(21) Kelly et al. untersuchten die Übereinstimmung zwischen einer spontanen prognostischen Risikoklassifikation durch Physiotherapeuten und der Schleudertrauma-CPR und stellten fest, dass die Übereinstimmung sehr gering war. Physiotherapeuten neigten dazu, die Ergebnisse ihrer Patienten „übermäßig optimistisch“ einzuschätzen. Kelly et al. schlagen daher vor, dass die CPR für Physiotherapeuten bei der Beurteilung von Patienten mit Schleudertrauma von Nutzen sein kann.(22)

Klinisches Bild (edit | edit source)

Whiplash Associated Disorders sind ein komplexes Krankheitsbild mit verschiedenen Störungen der motorischen, sensomotorischen und sensiblen Funktionen sowie psychischen Beschwerden.(23)(24). Die häufigsten Symptome sind subokzipitale Kopfschmerzen und/oder Nackenschmerzen, die konstant oder durch Bewegung ausgelöst werden.(25) Der Beginn der Symptome kann bis zu 48 Stunden nach der ursprünglichen Verletzung auftreten.(26)

Motorische Dysfunktion

  • Eingeschränktes Bewegungsausmaß der Halswirbelsäule(5)(23)
  • Veränderte Muster der Muskelrekrutierung sowohl im Bereich der Halswirbelsäule als auch am Schultergürtel (eindeutiges Merkmal der chronischen WAD)(23)(27)(28)(29)
  • Mechanische Instabilität der Halswirbelsäule(26)

Sensomotorische Dysfunktion (häufiger bei Patienten, die auch über Schwindel aufgrund der Nackenschmerzen berichten)(23)(30)(31)(32)

  • Gleichgewichtsstörungen
  • Beeinträchtigte Kontrolle der zervikal beeinflussten Augenbewegungen(26)

Sensibilitätsstörung: Hypersensibilität gegenüber einer Vielzahl von Reizen

  • Psychische Belastung
  • Posttraumatischer Stress(23)
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme(30)(31)(33)
  • Schlafstörungen(34)
  • Angststörungen(30)
  • Depression(30)
    • Anfängliche Depression: im Zusammenhang mit stärkeren Nacken- und Kreuzschmerzen, Taubheit/Kribbeln in Armen/Händen, Sehstörungen, Schwindel, Fraktur(35)
    • Anhaltende Depression: im Zusammenhang mit höherem Alter, stärkeren anfänglichen Nacken- und Kreuzschmerzen, Schwindel nach dem Unfall, Angst, Taubheit/Kribbeln, Seh- und Hörproblemen(35)

Veränderungen der HWS-Muskulatur

  • Nackensteifigkeit(30)(31)
  • Es kann zu einer fettigen Infiltration in den tiefen Muskeln im subokzipitalen Bereich kommen, und die Mm. multifidi können für einige der funktionellen Störungen verantwortlich sein, wie z. B.: Propriozeptive Defizite, Gleichgewichtsverlust, gestörte motorische Kontrolle des Nackens(36)(25)(27)(28)(30)(29)(31)

Weitere Symptome

Die folgenden Symptome können ebenfalls auftreten:(26)(30)

  • Tinnitus
  • Allgemeines Unwohlsein
  • Schwindel
  • Schmerzen im Brustkorb, im Kiefergelenk, im Gesicht und in den Extremitäten

Bei Patienten mit WAD ist es wichtig, gründliche Wirbelsäulen- und neurologische Untersuchungen durchzuführen, um ein verzögertes Einsetzen einer zervikalen Instabilität oder Myelopathie zu erkennen.(26) Ein Schleudertrauma kann eine akute oder chronische Erkrankung sein. Bei einem akuten Schleudertrauma dauern die Symptome nicht länger als 2–3 Monate an, während sie bei einem chronischen Schleudertrauma länger als drei Monate anhalten. Bei Patienten mit akuten WAD kommt es zu einer weit verbreiteten Druckempfindlichkeit und einer verminderten Beweglichkeit der Halswirbelsäule.(37) Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass es innerhalb von 2–3 Monaten zu einer Spontanheilung kommen kann.(38) Nach Angaben der Quebec Task Force of WAD (QTF-WAD) erholen sich 85% der Patienten innerhalb von 6 Monaten.(39)

Darüber hinaus waren laut einer Folgestudie von Crutebo et al. (2010) einige Symptome bereits zu Beginn vorübergehend und Symptome wie Nackenschmerzen, eingeschränktes Bewegungsausmaß der HWS, Kopf- und Kreuzschmerzen nahmen im Laufe der 6 Monate weiter ab. Sie untersuchten auch die Prävalenz von Depressionen und fanden heraus, dass diese zu Beginn sowohl bei Frauen als auch bei Männern bei etwa 5 % lag, während posttraumatischer Stress und Angstzustände bei Frauen (19,7 % bzw. 11,7 %) häufiger auftraten als bei Männern (13,2 % bzw. 8,6 %). Die Mehrzahl aller berichteten Begleitsymptome war sowohl zu Studienbeginn als auch während der Folgeuntersuchung leicht ausgeprägt.(40)

Bildgebung
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Die Canadian Cervical Spine Rules oder NEXUS-Kriterien sind nützlich für die Beurteilung von Verletzungen der HWS in der Notaufnahme. Diese Kriterien bestimmen die Notwendigkeit einer Bildgebung auf der Grundlage des Verletzungsmechanismus, des körperlichen Erscheinungsbildes zum Zeitpunkt des Unfalls, der Symptome in der Notaufnahme sowie der körperlichen Untersuchung.

  • Die NEXUS-Kriterien empfehlen eine Bildgebung bei Vorliegen von mindestens 1 der folgenden Punkte: Druckschmerz über der Mittellinie der HWS, fokale neurologische Defizite, veränderte Vigilanz, Intoxikation oder weitere von der HWS-Verletzung ablenkende schwere Verletzungen
  • Die Canadian C-Spine Rules definieren die Notwendigkeit einer Bildgebung bei Patienten über 65 Jahren, gefährlichem Unfallmechanismus, Parästhesien in den Extremitäten, Druckschmerz über der Mittellinie der HWS, sofortigem Auftreten von Nackenschmerzen und eingeschränktem Bewegungsausmaß

Eine zusätzliche Bildgebung wie z. B. eine MRT kann erforderlich sein, um eine Verletzung des Rückenmarks auszuschließen. Flexions- und Extensionsaufnahmen können helfen, Bandverletzungen auszuschließen.(8)

Klinische Diagnose (edit | edit source)

WAD können anhand des Verletzungsmechanismus und des klinischen Erscheinungsbildes des Patienten diagnostiziert werden.(27)(41)
Es gibt keine spezifischen neuropsychologischen Tests für die Diagnose von WAD.(41) Es gibt jedoch mehrere psychologische Symptome, wie oben beschrieben, die mit WAD in Verbindung gebracht werden. Darüber hinaus wurde ein Schleudertrauma-Profil entwickelt, das bei Patienten mit WAD hohe Werte in den Subskalen Somatisierung, Depression und zwanghaftes Verhalten aufweist.(14)

Differenzialdiagnose (edit | edit source)

Zu den Differenzialdiagnosen gehören:

  • Zervikale Frakturen,
  • Carotisdissektion,
  • Bandscheibenvorfall,
  • Rückenmarksverletzung,
  • Subluxation der Halswirbelsäule,
  • Muskelzerrung,
  • Verletzung der Facettengelenke,
  • Bandverletzungen.

Ergebnismessungen (edit | edit source)

Befunderhebung
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Die Befunderhebung bei Patienten mit WAD sollte dem Schema der normalen Untersuchung der Halswirbelsäule folgen.

Subjektive Untersuchung(edit | edit source)

Die subjektive Untersuchung sollte insbesondere Informationen über folgende Punkte enthalten:

  • Vorgeschichte von Nackenproblemen (einschließlich eines früheren Schleudertraumas)
  • Vorgeschichte von langfristigen Problemen (Verletzungen und Krankheiten)
  • Aktuelle psychosoziale Probleme (familiär, beruflich, finanziell)
  • Symptome (Lokalisation + Zeitpunkt des Auftretens)
  • Verletzungsmechanismus (z. B. Sport, Kraftfahrzeug)

Objektive Untersuchung(edit | edit source)

Eine körperliche Untersuchung ist erforderlich, um Zeichen und Symptome zu identifizieren und die WAD gemäß QTF-WAD zu klassifizieren.(47)

Inspektion und Palpation (edit | edit source)

Beim Palpieren können Steifheit und Druckempfindlichkeit der Muskeln festgestellt werden. Diese körperlichen Symptome treten bei WAD der Grade 1, 2 und 3 auf. Triggerpunkte können auch bei WAD Grad 2 und 3 beobachtet werden. Die Anzahl aktiver Triggerpunkte kann mit einer höheren Intensität der Nackenschmerzen, der Anzahl der Tage seit dem Unfall, einer höheren zervikalen Druckempfindlichkeit über der Halswirbelsäule und einem verringerten aktiven Bewegungsausmaß der Halswirbelsäule zusammenhängen.(37)

Bewegungsausmaß (edit | edit source)

Bei WAD Grad 1 gibt es keine körperlichen Zeichen, also auch kein verringertes Bewegungsausmaß. Bei den Graden 2 und 3 kann ein eingeschränktes Bewegungsausmaß beim Testen der Flexion, Extension, Rotation und kombinierten Bewegungen festgestellt werden.(37)(47)

Neurologische Untersuchung (edit | edit source)

Um Grad 3 von Grad 2 zu unterscheiden, ist eine neurologische Untersuchung erforderlich. Patienten mit Grad 3 zeigen Symptome einer Überempfindlichkeit gegenüber einer Vielzahl von Reizen. Diese können von den Patienten subjektiv berichtet werden und umfassen Allodynie, starke Schmerzempfindlichkeit, Kälteempfindlichkeit und Schlafstörungen aufgrund von Schmerzen.

Objektiv können bei der neurologischen Untersuchung verminderte Reflexe, eine verminderte Muskelkraft (Myotome) und sensible Defizite (Dermatome) festgestellt werden. Diese Reaktionen können unabhängig von der psychischen Belastung auftreten. Zu den weiteren Befunden in Bezug auf die Hypersensibilität gehören die veränderte Druckalgometrie, Kältehyperalgesie oder verstärkte bilaterale Reaktionen auf den Provokationstest des Plexus brachialis (Neurodynamik).

Management(edit | edit source)

  • Edukation, Wiederaufnahme normaler Aktivitäten und Bewegungsübungen sind im Allgemeinen die Behandlung der Wahl.
  • Ultraschall lindert nachweislich auch Muskelschmerzen bei WAD.
  • Zur Erstbehandlung gehören Analgetika, nichtsteroidale Antirheumatika (NSARs), Eis und Wärme.
  • Zu den umstrittenen analgetischen Maßnahmen gehören Muskelrelaxantien, die in begrenzten Studien eine gewisse therapeutische Wirkung gezeigt haben.
  • Biofeedback hat sich auch als wirksam erwiesen, wenn es in Verbindung mit anderen Modalitäten bei akuten WAD eingesetzt wird.
  • Die intramuskuläre Injektion von Lidocain linderte ebenfalls die Schmerzsymptome.
  • Die meisten Behandlungen allein schienen eine mäßige Wirksamkeit zu haben, wobei Kombinationen von Behandlungsmaßnahmen die Wirksamkeit verbesserten und eine frühzeitige Mobilisation durchweg am wirksamsten war.(8)

Physiotherapeutische Behandlung (edit | edit source)

Die Hauptstütze der Behandlung bei akutem WAD ist die Beratung zur Förderung der Rückkehr zu gewohnter Aktivität und Bewegung, und dieser Ansatz wird in den aktuellen klinischen Leitlinien befürwortet.(47)

  • Behandlungsansätze für Patienten mit WAD sind kaum erforscht.
  • Häufig lassen sich Patienten nicht in Behandlungskategorien einordnen, da zahlreiche Faktoren und Abweichungen vorliegen, die einen individuellen Behandlungsansatz rechtfertigen.(28)
  • WAD ist eine lähmende und kostspielige Erkrankung, die mindestens sechs Monate andauert.
  • Die Mehrheit der Patienten mit Schleudertrauma zeigt keine körperlichen Zeichen,(48) aber bis zu 50 % der Betroffenen mit WAD Grad 1 und 2 leiden 6 Monate später immer noch unter chronischen Nackenschmerzen und Behinderungen. Eine erhebliche Minderheit entwickelt ein LWS (Late Whiplash Syndrome), d. h. die Symptome halten über 6 Monate nach der Verletzung hinaus an.(49)
  • Die Kombination der Verletzung mit psychologischen Faktoren, z. B. einem schlechten Bewältigungsstil, kann zu chronischen WAD führen.(50)

Akutes Schleudertrauma (edit | edit source)

Die Edukation durch Physiotherapeuten oder Allgemeinmediziner ist wichtig, um einem chronischen Schleudertrauma vorzubeugen, und muss Teil des biopsychosozialen Ansatzes für Schleudertrauma-Patienten sein. Die wichtigsten Ziele der Interventionen sind:

  1. Reassurance (Beruhigung und Bestätigung des Patienten)
  2. Modulation der maladaptiven Kognition über WAD
  3. Aktivieren des Patienten(48)
  • Das Ziel der Edukation ist es, Barrieren für die Therapie zu beseitigen, die Therapietreue zu verbessern und Chronifizierung zu verhindern und zu behandeln.(48)
  • Bei akuten WAD sind verbale Edukation und schriftliche Ratschläge hilfreich (es gibt Evidenz dafür, dass mündliche Informationen genauso effizient sind wie ein aktives Übungsprogramm).(48)
  • Für subakute/chronische Patienten ist ein multidisziplinäres Programm am besten geeignet, das Informationen, Übungen und Verhaltensprogramme integriert.

Zu den verschiedenen Arten der Edukation gehören:(48)

  1. Mündliche Edukation: Mündliche Aufklärung über die Mechanismen des Schleudertraumas und Betonung von körperlicher Aktivität und ökonomischer Körperhaltung. Dies hat im Vergleich zu Ruhe und der Verwendung einer Halskrause eine bessere Wirkung auf die Schmerzen, die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und die Genesung. Mündliche Edukation könnte genauso wirksam sein wie aktive Physiotherapie und Mobilisation.
  2. Edukationsvideo: Ein kurzes psychoedukatives Video, das am Krankenbett des Patienten gezeigt wird, scheint im Vergleich zur üblichen Versorgung eine tiefgreifende Wirkung auf die nachfolgenden Schmerzen und die medizinische Inanspruchnahme bei akuten Schleudertrauma-Patienten zu haben.(51)(48)(52)

Die dem Patienten vermittelte Edukation muss folgende Informationen enthalten:

  • Die Versicherung, dass die Prognose nach einem Schleudertrauma gut ist
  • Die Ermutigung, so schnell wie möglich zu den normalen Aktivitäten zurückzukehren, unter Verwendung von Übungen zur Förderung der Wiederherstellung
  • Die Versicherung, dass Schmerzen nach einem Schleudertrauma normal sind und dass Patienten regelmäßig Schmerzmittel einnehmen sollten, um diese zu kontrollieren
  • Der Ratschlag, keine weiche Halskrause zu verwenden,(49) da Übungen und/oder Ratschläge, aktiv zu bleiben, günstigere Ergebnisse bei Schmerzen und Behinderung gezeigt haben(53)

Es sind weitere Studien zu Art, Dauer, Format und Wirksamkeit der Edukation bei den verschiedenen Arten von Schleudertrauma-Patienten erforderlich.(48)(52)

Für WAD kommen verschiedene Arten von Übungen in Frage:

Die aktive Behandlung umfasst:

  • Aktive Mobilisation, die sanft und über ein kleines Bewegungsausmaß durchgeführt und zehnmal in jede Richtung wiederholt wird – kann auch als Hausaufgabe gegeben werden(54)
  • Übungsprogramme für zu Hause, die Bewegungsübungen für HWS und Schulter, Entspannung und allgemeine Ratschläge umfassen, sind bei täglicher Durchführung eine ausreichende Behandlung für Patienten mit akuten WAD.(55)
  • Es gibt starke Evidenz dafür, dass Übungsprogramme und aktive Mobilisation die Schmerzen kurzfristig signifikant reduzieren, und es gibt Evidenz dafür, dass die Mobilisation auch das Bewegungsausmaß verbessern kann(56)(57)(58)(59)(54)(52).
  • Bei der klinischen Behandlung von Nackenschmerzen wird häufig eine manuelle Therapie der Wirbelsäule eingesetzt. Systematische Überprüfungen der wenigen Studien, in denen ausschließlich Techniken der manuellen Therapie untersucht wurden, kamen zu dem Schluss, dass eine manuelle Therapie, wie z. B. eine passive Mobilisation, die an der HWS angewendet wird, einen gewissen Nutzen bei der Schmerzlinderung haben kann.(47)
  • Patienten mit WAD der Grade 1 und 2 zeigten gute Ergebnisse in einem multimodalen Behandlungsprogramm, das Gruppentherapie, manuelle Therapie, Edukation und Übungen umfasste. Bei der Nachuntersuchung nach 6 Monaten gaben 65 % der Probanden eine vollständige Rückkehr zur Arbeit an, 92 % gaben eine teilweise oder vollständige Rückkehr zur Arbeit an und 81 % gaben an, dass sie über 6 Monate keine medizinischen oder paramedizinischen Behandlungen erhalten hatten.(60)
  • Die Verwendung einer Halskrause steht im Gegensatz zu den Empfehlungen der meisten Studien, die Aktivierung, Mobilisation und Bewegung empfehlen. Es ist erwiesen, dass eine frühzeitige Bewegungstherapie bei der Reduzierung der Schmerzintensität und der Behinderung bei Schleudertrauma einer Therapie mit Halskrause überlegen ist. Andere Studien zeigten auch, dass eine Bewegungstherapie eine bessere Schmerzlinderung bietet als eine weiche Halskrause.(54)(61)(52)

Chronische WAD (edit | edit source)

  • Chronische WAD entstehen durch eine Kombination aus der Verletzung und psychologischen Faktoren(50)(62)
  • Patienten mit chronischen WAD berichten über einen schlechteren Gesundheitszustand als Menschen mit unspezifischen chronischen Nackenschmerzen(63)
  • Eine multidisziplinäre Therapie mit kognitiver Verhaltenstherapie und Physiotherapie, einschließlich zervikalen Übungen, wird auch bei der Behandlung von Patienten mit chronischen WAD eingesetzt.(64)(50)(65) (66) Sie führt auch zu positiven Ergebnissen, was die Verringerung von Nackenschmerzen und krankheitsbedingten Fehlzeiten betrifft.(50).
  • In der Behandlung wird eine Verhaltenstherapie eingesetzt, da sie die Schmerzintensität des Patienten bei problematischen täglichen Aktivitäten verringert, d. h. Planung und Behandlung werden angepasst.(67)
  • Bewegungsprogramme haben kurzfristig positive Auswirkungen auf die Schmerzlinderung. Bewegungsprogramme sind die wirksamste nicht invasive Behandlung für Patienten mit chronischen WAD, und Koordinationsübungen sollten zur Behandlung hinzugefügt werden, um Nackenschmerzen zu lindern.
  • Bei Patienten mit chronischen WAD sind negative Gedanken ein sehr wichtiger Faktor.(68)
    Negative Gedanken und ein inadäquates Schmerzverhalten können von Fachärzten und Physiotherapeuten beeinflusst werden, indem sie Patienten mit chronischen WAD über die Schmerzneurophysiologie aufklären.(69)
  • Einfache Ratschläge sind genauso wirksam wie ein intensiveres und umfassenderes physiotherapeutisches Übungsprogramm.(70)

Klinisches Fazit (edit | edit source)

  • Für die Behandlung der chronischen WAD gibt es starke Evidenz, dass eine multidisziplinäre Therapie wirksam ist. Diese Therapie beinhaltet ein Übungsprogramm. Eine frühe Mobilisation ist am effektivsten, wenn andere schwerwiegendere klinische Pathologien, die bei der Untersuchung und der bildgebenden Diagnostik festgestellt werden können, ausgeschlossen wurden.
  • Die Prognose variiert je nach Begleiterkrankungen vor der Verletzung, Schwere der WAD, Alter und sozioökonomischem Umfeld. Eine vollständige Genesung kann sich über einige Tage bis hin zu mehreren Wochen erstrecken. Die Behinderung kann jedoch dauerhaft sein und von chronischen Schmerzen bis hin zu eingeschränkter körperlicher Funktion reichen.
  • Obwohl Nackenschmerzen das häufigste Symptom sind, können Schwindel und/oder Kopfschmerzen chronische, anhaltende Symptome sein. Chronische Schmerzen, daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit und Einschränkungen der körperlichen Funktion können zu Einkommenseinbußen und einer Beeinträchtigung des Lebensstils führen.
  • Diagnose und Behandlung von WAD sind komplex und mit vielen komplexen Problemen verbunden. Rechtliche Rahmenbedingungen, Vorverletzungen, Komorbidität, Alter und defensive Medizin spielen alle eine Rolle bei der Behandlung und den Ergebnissen. Es gibt große Unterschiede bei der Diagnose und die Dauer der Symptome hängt stark von der Rechtskultur oder der Möglichkeit ab, eine Entschädigung für WAD zu erhalten.(8)

Ressourcen(edit | edit source)

2017 haben Walton und Elliot ein neues integriertes Modell für chronische WAD vorgeschlagen. In diesem Zeitschriftenartikel erfahren Sie mehr über dieses Modell

Walton DM, Elliott JM. An integrated model of chronic whiplash-associated disorder. journal of orthopaedic & sports physical therapy. 2017 Jul;47(7):462-71.

Referenzen(edit | edit source)

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