Originale Autorin - Stacy Schiurring
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Schmerzen sind weltweit eine der Hauptursachen für Behinderungen und verursachen erhebliche wirtschaftliche und soziale Kosten.(1)(2)(3) Schmerz ist eine komplexe, multidimensionale Erfahrung mit sensorischen, emotionalen, psychologischen und sozialen Komponenten.(2) Die International Association for the Study of Pain (IASP) hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, Schmerz so zu definieren, dass seine Komplexität in der medizinischen Praxis zum Ausdruck kommt.(4)
Die IASP-Arbeitsgruppe definiert Schmerz als „eine unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung, die mit einer tatsächlichen oder drohenden Gewebeschädigung verbunden ist oder dieser ähnelt.“(4)
Diese Definition wird um sechs wichtige kontextuelle Faktoren erweitert:(4)
- Schmerz ist immer eine persönliche Erfahrung, die in unterschiedlichem Maße von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren beeinflusst wird.
- Schmerz und Nozizeption sind unterschiedliche Phänomene. Schmerz lässt sich nicht allein aus der Aktivität von sensorischen Neuronen ableiten.
- Der Mensch eignet sich durch individuelle Lebenserfahrungen ein Schmerzkonzept an.
- Die persönliche Schmerzerfahrung eines Menschen sollte respektiert werden.
- Obwohl Schmerz im Allgemeinen eine adaptive Rolle spielt, kann er negative Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit und das soziale und psychische Wohlbefinden haben.
- Die verbale Beschreibung ist nur eine von mehreren Verhaltensweisen, um Schmerzen zu beschreiben; die Unfähigkeit zur Kommunikation negiert nicht die Möglichkeit, dass Menschen oder Tiere Schmerzen erfahren.
Die Auswirkungen von Schmerzen können weitreichend sein und sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Aus diesem Grund müssen Programme zum Schmerzmanagement evidenzbasiert und individuell auf die besonderen Bedürfnisse jedes Einzelnen zugeschnitten sein.
Akute Schmerzen spielen eine wichtige physiologische Rolle beim Schutz des Körpers vor wahrgenommenen oder tatsächlichen Gefahren.(5) Wenn Schmerzen jedoch anhaltend oder chronisch werden, können sie lähmend wirken und die Lebensqualität einer Person erheblich beeinträchtigen.
Der akute Schmerz tritt plötzlich auf und hat eine bekannte Ursache, z. B. ein Trauma, eine Operation oder einen anderen medizinischen Eingriff. Er kann von wenigen Minuten nach der Verletzung bis zu sechs Monaten andauern. Akute Schmerzen haben oft eine Schutzfunktion oder sind ein Warnsignal dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist und möglicherweise eine medizinische Intervention erforderlich ist. Die Wahrnehmung des akuten Schmerzes hört auf, sobald die zugrunde liegende Ursache des Schmerzes behandelt oder geheilt wurde.(6)
Als chronischer Schmerz wird ein anhaltender Schmerz bezeichnet, der länger als sechs Monate andauert. Es handelt sich um Schmerzen, die den normalen Zeitrahmen der Heilung überdauern und als Krankheit betrachtet werden können. Chronische Schmerzen können durch körperliche oder psychische Zustände entstehen. Sie haben keinen biologischen Zweck und keinen erkennbaren Endpunkt.(6)(7)
Aktuelle Forschungsergebnisse weisen auf die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels im Schmerzmanagement hin, weg von der Behandlung hin zur Rehabilitation. Das Ziel der Schmerzrehabilitation sollte es sein, die Lebensqualität des Patienten zu optimieren und nicht nur die Schmerzen zu lindern. Um dies zu erreichen, ist eine Zusammenarbeit zwischen Klinikern, Forschern und Patienten erforderlich, bei der die sorgfältige Beobachtung der Erfahrungen eines Patienten in die Rehabilitationspraxis einfließt. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Schmerzrehabilitation liegt in der Erkenntnis, dass Schmerzen eine komplexe, von verschiedenen Faktoren beeinflusste Wahrnehmungserfahrung sind, einschließlich psychologischer und sozialer Zusammenhänge.(8)
Das Erkennen und Verstehen der zugrunde liegenden Mechanismen der Schmerzen einer Person kann Kliniker dabei helfen, individuelle Behandlungspläne zu erstellen.(9)
Die International Association for the Study of Pain (IASP) klassifiziert Schmerzen anhand verschiedener zugrunde liegender Mechanismen: (1) nozizeptive, (2) neuropathische, (3) noziplastische und (4) zentrale Schmerzen. Eine Übersicht über diese Schmerzmechanismen finden Sie in Tabelle 1.
Diese Mechanismen bieten einen Rahmen für das Verständnis der verschiedenen Arten von Schmerzen und dienen als Leitfaden für die Forschung und klinische Praxis im Bereich des Schmerzmanagements. Die IASP erkennt auch an, dass Schmerzen durch psychologische und soziale Faktoren beeinflusst werden, die das Schmerzerlebnis modulieren und zu chronischen Schmerzerkrankungen beitragen können.(10)
| Definition | Verletzungsmechanismus | Merkmale | |
|---|---|---|---|
| Nozizeptiver Schmerz | Schmerz aufgrund eines tatsächlichen oder potenziellen Gewebeschadens, der von Nozizeptoren erkannt wird(10)(11) | Ausgelöst durch schädliche Reize (z.B. Verletzungen, Entzündungen), die Rezeptoren aktivieren |
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| Neuropathischer Schmerz | Schmerz, der durch eine Schädigung oder Störung des Nervensystems, insbesondere des somatosensorischen Systems, verursacht wird(12) | Entsteht durch eine abnormale Verarbeitung von Schmerzsignalen aufgrund einer Nervenverletzung oder Krankheit |
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| Noziplastischer Schmerz | Schmerz, der durch eine veränderte nozizeptive Verarbeitung ohne eindeutige Hinweise auf Gewebeschäden oder Nervenverletzungen entsteht(13) | Beinhaltet häufig eine zentrale Sensibilisierung, bei der das Nervensystem übermäßig auf Schmerzreize reagiert, als wesentlichen Mechanismus |
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| Zentraler Schmerz | Schmerz, der aus einer Funktionsstörung des zentralen Nervensystems resultiert, unabhängig von peripherem Input(14) | Tritt häufig nach einer Verletzung oder Krankheit auf, die das Gehirn oder Rückenmark betrifft und zu einer abnormalen Schmerzverarbeitung führt |
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Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, finden Sie hier detaillierte Informationen über Schmerzmechanismen.
Maladaptive Neuroplastizität bezieht sich auf den Prozess, bei dem das Nervensystem als Reaktion auf eine Verletzung oder anhaltende Schmerzen Veränderungen erfährt. Diese Veränderungen tragen letztlich zur Verschlimmerung oder Aufrechterhaltung der Schmerzen bei, anstatt sie zu lindern.(8) Bei chronischen Schmerzen spielt die maladaptive Neuroplastizität eine wichtige Rolle bei der Veränderung der Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung und kann mit der Zeit zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit führen.(15)
„Chronische Schmerzen werden auch mit abnormalen intrakortikalen Hemmungsmechanismen in Verbindung gebracht, durch die körperbezogene neurale Repräsentationen weniger präzise werden, eine Anomalie, von der man annimmt, dass sie bei einigen der multiplen Systemstörungen, die bei Menschen mit chronischen Schmerzen auftreten, eine Rolle spielt. Die Erkenntnis, dass diese erhöhte Empfindlichkeit und verminderte Präzision zum Problem pathologischer Schmerzen beitragen können, hat vielversprechende neue Ansätze für die Rehabilitation hervorgebracht.“ – Lotze und Moseley, 2015(8)
Hauptmerkmale der maladaptiven Neuroplastizität:(8)(15)
„In einem wahrhaft biopsychosozialen Rahmen des Schmerzes sind die Dinge, die wir sagen, tun, denken und hören, alle potenzielle Modulatoren des Schmerzes selbst und können alle geeignete Ziele für die Rehabilitation sein. Die Beziehung, die wir zu einem Schmerzpatienten aufbauen, ist also von entscheidender Bedeutung.“ – Lotze und Moseley, 2015(8)
Das IASP erkennt Schmerz als ein komplexes Zusammenspiel von biologischen, psychologischen und sozialen Elementen an. Aufgrund dieser Komplexität ist ein ganzheitlicher Ansatz zur Befunderhebung und Behandlung erforderlich.(10)
Das biopsychosoziale Modell kann verwendet werden, um die Faktoren, die die Schmerzen einer Person beeinflussen, ganzheitlich zu betrachten. Es handelt sich um einen umfassenden Rahmen, der sowohl physische als auch psychologische und soziale Dimensionen erfasst. Das biopsychosoziale Modell steht im Gegensatz zu rein biomedizinischen Ansätzen, die sich in erster Linie auf die biologischen Ursachen von Schmerzen konzentrieren, wie etwa Gewebeschäden oder Verletzungen.(16)
Biologische Faktoren: Dazu gehören (1) die physiologischen Mechanismen des Schmerzes, wie nozizeptive Bahnen, Neuroplastizität und genetische Veranlagungen für Schmerzen; (2) Gesundheit und zugrunde liegende Erkrankungen, wie Arthritis oder Neuropathie, die zu Schmerzen beitragen; und (3) die Rolle pharmakologischer Behandlungen und ihre Wirksamkeit bei der Schmerzbehandlung.(17)
Psychologische Faktoren: Dazu gehören (1) kognitive Prozesse (d. h. unsere Gedanken und Überzeugungen über Schmerzen), die die Schmerzwahrnehmung beeinflussen können. So kann z. B. Katastrophisieren (das Schlimmste erwarten) die Schmerzerfahrungen verschlimmern; (2) emotionale Faktoren (z. B. Angst, Depression und Stress), die die Schmerzwahrnehmung und die Bewältigungsmechanismen beeinflussen können; und (3) unsere Verhaltensreaktionen auf Schmerzen (z. B. Vermeidungsverhalten / maladaptive Bewältigungsstrategien), die die Schmerzergebnisse beeinflussen können.(17)
Soziale Faktoren: Dazu gehören (1) soziale Unterstützung (z. B. emotionale und praktische Unterstützung) durch Familie, Freunde und die Gemeinschaft, die das Schmerzmanagement beeinflussen kann; (2) kulturelle Überzeugungen über Schmerzen und die Gesundheitsversorgung, die sich darauf auswirken können, wie Menschen Schmerzen wahrnehmen und darauf reagieren; und (3) der sozioökonomische Status (z. B. Zugang zur Gesundheitsversorgung, finanzielle Ressourcen und berufliche Faktoren), der sich auf die Schmerzbehandlung und die Ergebnisse auswirken kann.(17)
Das biopsychosoziale Modell im Schmerzmanagement ermöglicht es Klinikern, ein ganzheitlicheres Verständnis und eine umfassendere Sichtweise der Schmerzwahrnehmung einer Person zu entwickeln – eine Sichtweise, die der Komplexität menschlicher Erfahrungen Rechnung trägt. Durch die Berücksichtigung psychologischer, sozialer und biologischer Faktoren können Klinikern ihren Patienten zu besseren Ergebnissen im Schmerzmanagement und einer höheren Lebensqualität verhelfen. Das biopsychosoziale Modell fördert auch die aktive Beteiligung der Patienten an den Behandlungen und unterstützt Selbstmanagement- und Bewältigungsstrategien.(17)
Die Schmerzwahrnehmung jedes Menschen ist einzigartig und hängt von seinen persönlichen Erfahrungen ab. Daher sollten Behandlungspläne und Interventionen zum Schmerzmanagement auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen zugeschnitten sein.(18) Dies lässt sich am besten mit einem multidisziplinären Teamansatz und dem biopsychosozialen Modell erreichen.
Im Hinblick auf die Verschreibung von Medikamenten hat die American Society of Interventional Pain Physicians (ASIPP) einen zehnstufigen Prozess für die Verschreibung von Opioiden festgelegt, der umfassende Assessments, eine Risikostratifizierung und eine kontinuierliche Überwachung der Wirksamkeit und Nebenwirkungen der Medikamente umfasst. Aufgrund der anhaltenden Opioid-Epidemie liegt der Schwerpunkt zunehmend auf nicht-opioiden Pharmakotherapien. Gängige Alternativen sind nichtsteroidale Antirheumatika (NSARs), Antidepressiva und topische Analgetika.(8)
Am Schmerzmanagement ist oft ein Team von Gesundheitsdienstleistern beteiligt, darunter Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten und Sozialarbeiter, die gemeinsam an der Bewältigung des vielschichtigen Charakters von Schmerzen arbeiten. Es gibt Evidenz dafür, dass dieser integrierte Ansatz zu besseren Ergebnissen führt als isolierte Behandlungen. Beispiele für einen multidisziplinären Teamansatz können unter anderem sein:
Dieser teambasierte, biopsychosoziale Ansatz verbessert nicht nur das Schmerzmanagement, sondern auch das Engagement der Patienten, ihre Selbstwirksamkeit und ihre Lebensqualität.(19)
In den folgenden Abschnitten werden verschiedene evidenzbasierte Rehabilitationsinterventionen gegen Schmerzen vorgestellt. Bei akuten Verletzungen wurde das Konzept PEACE and LOVE vorgeschlagen, um die Regeneration der Weichteilgewebe zu optimieren. Weitere Informationen zu diesem Konzept finden Sie unter: PEACE and LOVE.
Schmerzedukation / Pain Neuroscience Education (PNE) ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung chronischer Schmerzen. Schmerzedukation basiert auf der Wissenschaft, die untersucht, wie das Gehirn und das Nervensystem Nozizeption bzw. Gefahrensignale interpretieren, um Schmerz zu erzeugen. Es hat sich gezeigt, dass ein besseres Verständnis der Schmerzmechanismen und -auslöser die Schmerzwahrnehmung der Betroffenen verbessert.(20) Wenn Sie mehr über Schmerzedukation erfahren möchten, lesen Sie bitte: Patientenedukation im Schmerzmanagement.
„Eine akute Belastung durch körperliche Aktivität und Bewegung kann bei Menschen mit chronischen Schmerzen zu einer Verstärkung der Schmerzen führen, aber regelmäßiges Training ist eine wirksame Behandlungsmethode.“ – Sluka et al., 2018(21)
Bewegungsinterventionen sind ein wichtiger Bestandteil des Schmerzmanagements. Es gibt derzeit keinen Konsens über die effektivsten Übungen zur Schmerzbehandlung. Die Forschung zeigt jedoch, dass es wichtig ist, die Übungen auf die individuellen Bedürfnisse und Schmerzsymptome jedes Patienten abzustimmen. Daher müssen bei der Verschreibung von Übungen für Patienten mit Schmerzen viele individuelle Faktoren berücksichtigt werden, darunter (1) die Verschlimmerung der Schmerzen durch Bewegung, (2) die Adhärenz des Patienten und (3) Faktoren im Zusammenhang mit der zentralen Sensibilisierung, die die Schmerzreaktionen und die Belastungstoleranz beeinflussen können.(22) Die Behandlungspläne sollten außerdem regelmäßig überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie weiterhin wirksam sind.
Die aktuellen Empfehlungen für Patienten mit Schmerzsyndromen umfassen ein breites Spektrum an häufig genutzten Bewegungsinterventionen und Edukationsthemen. Gruppenübungsprogramme mit Schwerpunkt auf Kräftigung, Dehnung und Ausdauertraining erwiesen sich als vorteilhaft für das Schmerzmanagement, verbesserten die soziale Integration und steigerten das allgemeine Wohlbefinden der Teilnehmer.(18)(22)(20) Sanfte Formen der körperlichen Aktivität und des Trainings, einschließlich Gehen, Radfahren, Laufen auf dem Unterwasserlaufband sowie Gleichgewichts- und Koordinationsübungen, führten ebenfalls zu einer Verbesserung der Schmerzwerte der Patienten.(22)(20)
Die Forschung legt nahe, dass häufigeres Training mit einer besseren Schmerzlinderung korreliert. Zu lange Trainingseinheiten (d. h. mit erhöhter Dauer) können jedoch die positiven Effekte mindern.(22) Aus neurowissenschaftlicher Sicht hat sich gezeigt, dass regelmäßige körperliche Aktivität die absteigenden schmerzhemmenden Bahnen verändert. Sie hat auch eine schützende Wirkung gegen die Entwicklung chronischer, lang anhaltender Schmerzen. Die Art der Übung ist möglicherweise weniger wichtig als die Tatsache, dass man aktiv ist.(21)
Achtsamkeitstraining, einschließlich Aktivitäten wie Tai Chi, Yoga und Körperwahrnehmungstraining, kann ebenfalls Vorteile für Menschen mit Schmerzen haben.(22)(20)
„Regelmäßige körperliche Aktivität kann durch regelmäßige Alltagsaktivitäten oder durch strukturiertes Training erreicht werden. Bei chronischen Schmerzen ist verordnetes Training eine wirksame Behandlung für die meisten Schmerzzustände, und die Wirksamkeit von Training und Physiotherapie bei der Verringerung von Behinderungen und Gesundheitskosten ist seit langem anerkannt.“ – Sluka et al., 2018(21)
Bestimmte Behandlungen können Edukation und körperliche Aktivität ergänzen. So kann beispielsweise eine einzige Serie von Akupunktur oder Dry Needling(18) bei der Behandlung von Schmerzen hilfreich sein. Auch die manuelle Therapie kann kurzfristige Vorteile bringen. Für Menschen mit chronischen Schmerzen kann es hilfreich sein, manuelle Therapie als Technik zur Unterstützung aktiver Behandlungen wie Übungen einzusetzen, anstatt als eigenständige Intervention.(23) Die Forschung empfiehlt jedoch NICHT den Einsatz elektrischer physikalischer Modalitäten wie TENS, Interferenztherapie und Ultraschall.(18)
Es gibt auch zunehmend Evidenz dafür, dass Ernährung und Schlaf eine Rolle spielen und Schmerzen zusätzlich beeinflussen können.
Die Ernährung ist ein veränderbarer Faktor, der chronische Schmerzen beeinflussen kann, und das Interesse an einer Ernährungstherapie als Ergänzung zur konventionellen Behandlung wächst. Zwar gibt es nach wie vor nur wenig hochwertige Evidenz, aber erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine entzündungshemmende Ernährung, wie die mediterrane Ernährung (reich an Obst, Gemüse, Olivenöl, Nüssen, Hülsenfrüchten und wichtigen Mikronährstoffen), zur Schmerzlinderung beitragen(24) und den Bedarf an Analgetika verringern kann. Der Verzicht auf verarbeitete Lebensmittel und möglicherweise auch das intermittierende Fasten können ebenfalls von Vorteil sein, allerdings sind hierzu noch weitere Untersuchungen erforderlich.(25)
Schlaf spielt eine entscheidende Rolle für die körperliche und psychische Erholung. Schlafstörungen, wie beispielsweise Einschlaf- oder Durchschlafstörungen, können die Schmerzempfindlichkeit erheblich erhöhen. Schlechter Schlaf beeinträchtigt die emotionale Regulierung, die Immunfunktion und die Heilungsprozesse, wodurch Menschen anfälliger für akute und chronische Schmerzen werden. Chronischer Schlafmangel wird mit einer erhöhten Schmerzwahrnehmung und einer geringeren Schmerztoleranz in Verbindung gebracht. Mit der Zeit kann dies zur Entwicklung oder Verschlimmerung chronischer Schmerzzustände beitragen. Der Zusammenhang ist bidirektional, aber die Evidenz unterstützt stark, dass unzureichender Schlaf nicht nur Schmerzen vorhersagt, sondern auch deren Schweregrad verstärkt, wodurch ein sich selbst verstärkender Kreislauf entsteht, der sich auf die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden auswirkt.(26) Zu den spezifischen Techniken zur Verbesserung des Schlafs gehören: (1) Einhaltung eines konsequenten Schlaf-Wach-Rhythmus, (2) Begrenzung oder strategische zeitliche Planung von Nickerchen, (3) Vermeidung von Stimulanzien, schweren Mahlzeiten und Sport ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen, (4) Schaffung einer entspannenden Schlafenszeitroutine und (5) Vermeidung von Bildschirmzeit mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen.(27)(28) erfahren möchten, lesen Sie bitte: Allgemeine Praktiken der Schlafhygiene.
Im Einklang mit der zunehmenden Bedeutung evidenzbasierter Schmerzedukation fördert die European Pain Federation einen biopsychosozialen und interprofessionellen Ansatz, der die Rolle aller Gesundheitsfachkräfte im Schmerzmanagement anerkennt. Die EFIC hat Kerncurricula in den Bereichen Schmerzmedizin, Physiotherapie, Pflege und Psychologie entwickelt, die die Grundlage ihrer Bildungsarbeit bilden. Darunter wurden auch zwei physiotherapiespezifische Dokumente veröffentlicht: