Muskuloskelettale Entwicklung des Kindes

Originale Autorin Robin Tacchetti basierend auf dem Kurs von Krista Eskay
Top-BeitragendeRobin Tacchetti und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Das muskuloskelettale System wird während des Wachstums des Säuglings und Kindes von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Es kann sich an die gestellten Anforderungen oder den Mangel daran anpassen. Die größte Belastung für die Knochen geht von den Muskelkräften aus. Wenn der Muskelzug aufgrund von genetischen oder neuromuskulären Erkrankungen verändert ist, kann die Ausrichtung beeinträchtigt werden. Eine atypische Ausrichtung kann sich direkt auf funktionelle Aktivitäten und die Partizipation (Teilhabe) einer Person auswirken.(1)

Die folgenden Abschnitte beleuchten die wichtigsten Phasen und Veränderungen, die während der Entwicklung des Bewegungsapparats auftreten.

Brustkorb (edit | edit source)

  • Anfangs ist der Brustkorb bei Säuglingen tonnenförmig und starr; die Rippen stehen in Elevation und senkrecht zur Wirbelsäule.
  • Im Alter von 2 Jahren ist der Brustkorb länglich geformt; die Rippen senken sich und entwickeln eine Winkelung in Bezug auf ihren Ansatz an der Wirbelsäule – dies ist auf den Zug des Zwerchfells und die Kräfte beim Sitzen, Stehen und Gehen zurückzuführen; außerdem kommt es zu einer seitlichen Ausdehnung der Rippen (verursacht durch die Atmung, die Wirkung der Interkostalmuskeln und die Schwerkraft)
  • Atypisch = Fortbestehen der Faß- oder Tonnenform

Rumpf(edit | edit source)

  • Säuglinge haben anfangs eine kyphotische Wirbelsäule
  • Im Laufe der Zeit geht dies in eine „neutralere“ Wirbelsäule über (wie bei Erwachsenen)
  • Spezifische Aktivitäten, die diesen Übergang fördern:
    • Stützaktivitäten in der Bauchlage und das Sitzen aktivieren die Muskulatur der dorsalen Kette (d.h. der Säugling drückt sich in die thorakale Extension)
    • Das Kriechen erzeugt eine Kokontraktion der ventralen und dorsalen Muskeln (für die Stabilität)(1)

Zu berücksichtigende Veränderungen der Ausrichtung (edit | edit source)

Verstärkte Krümmung der Wirbelsäule (edit | edit source)

Eine verstärkte Krümmung der Wirbelsäule (z.B. Skoliose) kann Folgendes beeinflussen:(1)

  • Atmung
  • Position der Lunge
  • Lage des Herzens
  • viszerale Funktion

Becken(edit | edit source)

Anterior and posterior pelvic tilt shutterstock 1952124109.jpg

  • Anfangs haben Säuglinge ein rundes Becken mit einer posterioren Kippung
  • Sitzen und Stehen aktivieren die Rumpfmuskulatur, was zur Entwicklung einer anterioren Beckenkippung führt
    • Im Alter von 12 Monaten hat der Säugling eine anteriore Beckenkippung von 12 Grad
    • Im Alter von 30 Monaten hat das Kind eine anteriore Beckenkippung von 15 Grad
    • Die anteriore Beckenkippung verringert sich bis zum Alter von 8 Jahren auf etwa den Winkel eines Erwachsenen (d. h. etwa 10 Grad)(1)

Untere Extremitäten (edit | edit source)

Typische Gelenkmuster bei Säuglingen sind wie folgt:

  • Hüfte: Flexion, Abduktion und Außenrotation
  • Knie: Flexion, Genu varum, Innenrotation der Tibia
  • Sprunggelenk: Dorsalextension, leichte Pronation(1)

Diese Gelenke werden im Folgenden näher erläutert.

Hüfte(edit | edit source)

Säuglinge werden geboren mit:

  • verstärkter Außenrotation der Hüfte, die mit der Zeit abnimmt
  • Einschränkung der Hüftadduktion
  • 34 Grad Einschränkung der Hüftextension
    • im Laufe der Entwicklung verbringen Säuglinge mehr Zeit in Bauchlage, wodurch sich die vordere Kapsel an der Hüfte allmählich dehnt und die Einschränkung der Hüftextension abnimmt
      • Coxa.png

        im Alter von 6 Wochen haben Säuglinge eine Einschränkung der Hüftextension von 19 Grad

      • Kleinkinder haben eine Einschränkung der Hüftextension von 7 Grad
  • verstärkte Coxa valga – 140-160 Grad
    • mit zunehmender Gehfähigkeit nimmt der Schenkelhalswinkel ab
    • der Schenkelhalswinkel nimmt im Laufe der Zeit auf 126 Grad bei Erwachsenen ab
  • femorale Anteversion – 40 Grad
    • verringert sich bei Erwachsenen auf 16 Grad

Zu berücksichtigende Veränderungen der Ausrichtung (Hüfte und Becken) (edit | edit source)

Hüfte(edit | edit source)
  • Schenkelhalswinkel bleibt hoch – hohe femorale Anteversion: erhöhtes Risiko einer posterioren Hüftluxation
  • Bitte beachten Sie, dass es besonders wichtig ist, die Hüften bei Kindern zu untersuchen, die im Alter von 30 Monaten noch nicht laufen können(1)
Verstärkte anteriore Beckenkippung (edit | edit source)
  • Bauchmuskeln und Hüftextensoren sind verlängert
  • Hüftflexoren und lumbale Extensoren sind verkürzt
  • Führt zu Schwierigkeiten bei der Aktivierung der Bauch- und Glutealmuskulatur, was Kindern funktionelles Spielen/Aktivitäten erschweren kann(1)
Verminderte anteriore Beckenkippung (edit | edit source)
Beckenschiefstand (edit | edit source)
  • Häufig bei Patienten mit langen Knochen dieses Beins tendenziell langsamer wachsen
  • ggf. funktionelle Plantarflexion des Sprunggelenks (um mit diesem Fuß den Boden zu erreichen)
  • Auf der höher stehenden Seite (längere Seite):
    • oft kompensatorische Fußpronation
    • es kann zum Ausgleich zu einer Innenrotation der unteren Extremität und einer Flexion des Knies kommen
  • Führt zu einer Asymmetrie des Gangs, Beckenrotation auf der kürzeren Seite(1)
  • Eine signifikante Zunahme des Beckenschiefstandes kann zu Folgendem beitragen:(2)
    • Ungleichgewichte beim Sitzen
    • Schmerzen aufgrund eines „Impingement des Beckens auf den Rippen“(2)
    • Dekubitus / Druckschäden am Os ischii
  • Knie(edit | edit source)

    • Genu varum(3)
      • Säuglinge werden mit physiologischen Genua vara (O-Beinen) geboren
      • im Kleinkindalter geht die Beinachse dann in ein vorübergehendes, physiologisches Genu valgum über (X-Beine), das seinen Höhepunkt im Alter von etwa 2 1/2 Jahren erreicht und dann mit der Zeit abnimmt(1)(4)
      • im Erwachsenenalter sollte die Beinachse die Neutralstellung einnehmen
        Genuvarus.jpg

    • Flexion des Knies
      • Säuglinge werden mit einer Kniebeugekontraktur von 30 Grad geboren
      • diese bildet sich in den ersten Lebensmonaten zurück
    • Säuglinge werden mit einer Innenrotation der Tibia geboren
      • diese bildet sich bis zum 12. Lebensmonat zurück(1)

    Zu berücksichtigende Veränderungen der Ausrichtung (edit | edit source)

    Verstärkte tibiale Innentorsion (edit | edit source)
    • tibiale Innenrotation
    • nicht häufig
    • „in-toeing“ (Innenrotationsstellung des Fußes beim Gehen)
    • höchstwahrscheinlich verbunden mit einer höher in der Kette auftretenden Innenrotation(1)
    Verstärkte tibiale Außentorsion (edit | edit source)
    • tibiale Außenrotation
    • Patienten haben eine gekrümmte, zusammengesunkene Körperhaltung(1)
    Verstärktes Genu valgum (edit | edit source)

    Mögliche Beeinträchtigungen:

    • Schmerzen in der Wade, am Oberschenkel und/oder im Knie
    • erhöhte Ermüdung bei Aktivitäten
    • weniger effizienter Gang
      • verringerte Gehgeschwindigkeit
      • verminderte Balance
    • erhöhter Q-Winkel
    • laterale Subluxation der Patella
    • Einbruch des medialen Fußgewölbes
    • „in-toeing“ als Schutzmechanismus(1)

    Sprunggelenke / Füße(edit | edit source)

    Säuglinge werden geboren mit:

    • Rückfuß-Varus
      • vor allem bei Belastung, geht später in ein Valgus über
    • Füße gerade nach vorne oder leicht nach innen zeigend (in-toeing)
      • Zunahme des „out-toeing“ (Füße zeigen nach außen) beim Erwachsenen
    • hohes Fußgewölbe(1)(6)
      • im Erwachsenenalter eher flachere Füße(1)

    Rolle der pädiatrischen Physiotherapie (edit | edit source)

    Physiotherapeuten können dabei helfen, korrekte Bewegungsmuster zu fördern, um die biomechanische Ausrichtung zu verbessern. Die Frühförderung wird mit besseren funktionellen Ergebnissen in Verbindung gebracht. Einige Maßnahmen, die Kinderphysiotherapeuten anwenden, sind nachfolgend aufgeführt:

    • Gewichtsverlagerungen
    • Belastung
    • statische Positionierungshilfen
    • Orthesen(1)

    Das folgende Video von Pathways zeigt die typische und die atypische Entwicklung von 2-Jährigen nebeneinander:

    Ressourcen(edit | edit source)

    Referenzen(edit | edit source)

    1. 1.00 1.01 1.02 1.03 1.04 1.05 1.06 1.07 1.08 1.09 1.10 1.11 1.12 1.13 1.14 1.15 1.16 1.17 Eskay K. Paediatric Musculoskeletal Development Course. Plus. 2023.
    2. 2.0 2.1 Karkenny AJ, Magee LC, Landrum MR, Anari JB, Spiegel D, Baldwin K. The Variability of Pelvic Obliquity Measurements in Patients with Neuromuscular Scoliosis. JBJS Open Access. 2021 Jan;6(1).
    3. A El-Hak AH, Shehata EM, Zanfaly AI, Soudy ES. Genu Varum in Children; Various Treatment Modalities for Bowleg’s Correction. The Egyptian Journal of Hospital Medicine. 2022 Apr 1;87(1):1858-63.
    4. Ganeb SS, Egaila SE, Younis AA, El-Aziz AM, Hashaad NI. Prevalence of lower limb deformities among primary school students. Egyptian Rheumatology and Rehabilitation. 2021 Dec;48:1-7.
    5. Çankaya T, Dursun Ö, Davazlı B, Toprak H, Çankaya H, Alkan B. Assessment of quadriceps angle in children aged between 2 and 8 years. Turkish Archives of Pediatrics/Türk Pediatri Arşivi. 2020;55(2):124.
    6. Sanpera I, Villafranca-Solano S, Muñoz-Lopez C, Sanpera-Iglesias J. How to manage pes cavus in children and adolescents?. EFORT Open Reviews. 2021 Jun;6(6):510.


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