Die Zerebralparese (CP) ist eine heterogene, nicht progressive neuromotorische Störung, die Bewegung und Körperhaltung beeinträchtigt.(1) Zu den primären Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit der Zerebralparese gehören Spastizität, Schwäche, verminderte motorische Kontrolle und Bewegungsstörungen.(2) Eine Zerebralparese kann auch zu einer Reihe von sekundären muskuloskelettalen Erkrankungen führen, die ebenfalls die Funktionsfähigkeit beeinträchtigen können.(2)
Das Gross Motor Function Classification System (GMFCS) ist ein valides und zuverlässiges System zur Klassifikation von Kindern mit Zerebralparese im Alter von 2-18 Jahren auf der Grundlage ihrer grobmotorischen Funktionen.(3)
Es handelt sich um eine 5-stufige Ordinalskala(4) die die selbstinitiierten Bewegungen eines Kindes und die Verwendung von Hilfsmitteln für die Mobilität beschreibt.(5)
Die Einstufung lautet wie folgt:(5)(6)
Reid et al.(7) weisen darauf hin, dass ein Kind, das in der Stufe I eingestuft wird, die gleichen Aktivitäten wie seine Altersgenossen ausführen kann, dass aber seine Geschwindigkeit, sein Gleichgewicht oder seine Koordination beeinträchtigt sein können. Ein Kind, das in der Stufe V eingestuft wird, hat jedoch Schwierigkeiten, seine Bewegungen willentlich zu kontrollieren, und seine Kopf-/Rumpfkontrolle ist in vielen Positionen beeinträchtigt.
Diese Seite befasst sich mit der Befunderhebung und Behandlung von Kindern mit einem GMFCS der Stufe I. Informationen über Kinder mit einem GMFCS der Stufe V finden Sie unter: Physiotherapeutische Befunderhebung und Behandlung bei niedrigfunktionaler Zerebralparese.
Die körperliche Untersuchung eines Kindes mit Zerebralparese muss systematisch erfolgen.(1) Es gibt verschiedene Tests und Ergebnismessungen, die von Rehabilitationsfachleuten verwendet werden können und die hier besprochen werden: Allgemeine Befunderhebung bei Zerebralparese.
Während einer klinischen Untersuchung möchten wir die medizinische, chirurgische, medikamentöse und entwicklungsbedingte Vorgeschichte des Kindes, die Hauptanliegen des Kindes / der Betreuungspersonen sowie den kognitiven und verhaltensbezogenen Status des Kindes, seine funktionelle Mobilität, die familiären und Umweltbedingungen und alle Hilfsmittel kennen lernen.(8)
Zu den wesentlichen Bestandteilen der klinischen Untersuchung gehören die im Folgenden beschriebenen Komponenten.
Bei Kindern mit Zerebralparese können Bewegung und Körperhaltung durch Muskeltonus, Schwäche, mangelnde selektive motorische Kontrolle, Muskeldysbalance, Gleichgewichtsprobleme usw. beeinträchtigt sein. Daher müssen wir die Körperhaltung eines Kindes in verschiedenen Positionen beurteilen, einschließlich Bauchlage, Rückenlage, Sitz, Stand und Gang. Variationen in diesen Körperhaltungen können Aufschluss über zugrundeliegende muskuloskelettale Ungleichgewichte oder funktionelle Einschränkungen geben.(9)
Das Bewegungsausmaß muss bei Kindern mit Zerebralparese regelmäßig überprüft werden. Weitere Informationen zur Beurteilung des Bewegungsausmaßes finden Sie unter: Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit.
Es ist wichtig zu wissen, dass Kinder mit spastischer Zerebralparese häufig Torsionsfehler der Hüfte, des Unterschenkels oder des Fußes entwickeln.(10) Torsionsfehler der unteren Extremitäten können die Funktion beeinträchtigen und Probleme wie ein „In-toeing“ oder „Out-toeing“ im Gang sowie eine verminderte Energieeffizienz beim Gehen verursachen.(11)
Eine Beurteilung der Rotation der unteren Extremitäten ist daher wichtig, einschließlich:(9)
Das Verständnis des Torsionsprofils eines Kindes hilft bei der Verschreibung von Orthesen. Weitere Informationen zu Torsionsfehler finden Sie unter: Kindliche Torsionsfehler der unteren Extremität.
Wie bereits erwähnt, weisen Kinder mit Zerebralparese häufig einen veränderten Muskeltonus auf. Eine regelmäßige Beurteilung der Muskeltonus ist daher unerlässlich.
Es gibt eine Reihe bewährter Instrumente zur Beurteilung des Muskeltonus, darunter die Ashworth-Skala, die Tardieu-Skala und die modifizierte Tardieu-Skala. Bitte folgen Sie den verlinkten Texten, wenn Sie mehr über diese Skalen erfahren möchten.
Muskelschwäche ist bei Kindern mit Zerebralparese weit verbreitet und kann die Funktion erheblich beeinträchtigen.(1)
In der klinischen Praxis wird für manuelle Muskeltests in der Regel die Skala des Medical Research Council (MRC-Skala), auch bekannt als Oxford-Skala, verwendet. In Fällen, in denen eine detailliertere Quantifizierung der Muskelkraft erforderlich ist, können Kliniker, falls verfügbar, manuelle Dynamometer verwenden.(9)
Informationen darüber, wie Sie die Muskelkraft beurteilen können, finden Sie unter: Untersuchung der Muskelkraft.
Bei Kindern mit einem GMFCS der Stufe I ist es wichtig sicherzustellen, dass die Untersuchung des Gleichgewichts eine ausreichende Herausforderung darstellt und Spaß macht. Beurteilen Sie das statische und dynamische Gleichgewicht und erwägen Sie den Einsatz von Hilfsmitteln wie z.B. eines „Balance Beam“ für die Tests.
Funktionelle Gleichgewichtstests umfassen:(8)
Beurteilen Sie das Gangbild mit und ohne Orthesen in der transversalen, koronalen und sagittalen Ebene.(1) Peterson et al.(1) schlagen vor, dass die folgenden Fragen bei der Beurteilung des Gangs von Menschen mit Zerebralparese berücksichtigt werden:
Um das Rotationsprofil des Kindes zu überprüfen, beurteilen Sie den Gang in der transversalen Ebene und beachten Sie:(1)
Berücksichtigen Sie in der koronalen Ebene:(1)
Berücksichtigen Sie in der sagittalen Ebene:(1)
Es gibt eine Reihe von objektiven Messungen, um die Ausdauer zu beurteilen, darunter:(8)
Bei der Arbeit mit Kindern mit Zerebralparese ist es wichtig, die Haut in Bereichen, in denen ein erhöhter Druck auftreten kann (z. B. um Orthesen herum oder in Bereichen mit Bewegungseinschränkungen), regelmäßig zu überprüfen.(12)
Bei der Befunderhebung von Kindern mit Zerebralparese müssen wir auch Beeinträchtigungen der Partizipation (Teilhabe) berücksichtigen. Zu den spezifischen Messungen, die hilfreich sein können, gehören:(8)
Die Ergebnisse Ihrer Befunderhebung bestimmen Ihre Behandlung. Bei der Auswahl einer Intervention für Kinder mit Zerebralparese sollten wir uns wann immer möglich für aktive Interventionen entscheiden (z.B. aktive Bewegungen anstelle von passiven Dehnungen). Interventionen sollten ziel- und aufgabenorientiert sein und sich auf die Kontexte konzentrieren, in denen ein Kind spielt und arbeitet.(8)
Bei der Arbeit mit Kindern sind Interventionen idealerweise unterhaltsam und ansprechend. Spielen wird oft in die Rehabilitation von Kindern integriert, da es ihnen die Möglichkeit bietet, etwas über ihren Körper und ihre Umwelt zu lernen. Außerdem unterstützt es mehrere Entwicklungsbereiche: Motorik, sozial-emotionale Fähigkeiten, Sprache, Kognition und adaptives Verhalten.(13) Wenn Sie mehr über das therapeutische Spielen erfahren möchten, lesen Sie bitte: Therapeutisches Spielen.
Im Jahr 2020 haben Novak et al.(14) eine aktualisierte systematische Übersicht über verfügbare Interventionen für Kinder mit Zerebralparese veröffentlicht. Sie benutzten ein Ampelsystem, um anzuzeigen, welche Behandlungen Evidenz gezeigt haben und welche mehr Forschung benötigen.(14)
Nichtärztliche Interventionen mit Grünem Licht:(14)
„In starkem Gegensatz dazu sind bottom-up (von unten nach oben gerichtete), allgemeine und/oder passive motorische Interventionen weniger wirksam und manchmal eindeutig unwirksam, wenn es darum geht, die Funktion und Bewegung von Kindern mit Zerebralparese zu verbessern. Dazu gehören die Craniosacrale Therapie, hyperbarer Sauerstoff, neurologische Entwicklungstherapien in ihrer ursprünglichen passiven Form und die Sensorische Integration (‚Rotes Licht‘).“(14)
Eine weitere Übersicht von Te Velde et al.(16) über die Neurologische Entwicklungstherapie nach Bobath ist hier verfügbar: Neurodevelopmental Therapy for Cerebral Palsy: A Meta-analysis.
Zu den medizinischen, chirurgischen, pharmakologischen und regenerativen Therapien mit „Grünem Licht“ gehören unter anderem:(14)
Weitere Informationen finden Sie unter: State of the Evidence Traffic Lights 2019: Systematic Review of Interventions for Preventing and Treating Children with Cerebral Palsy for a full list of medical, surgical, pharmacological and regenerative therapy interventions.(14)
In der folgenden Tabelle finden Sie einige spielerische und funktionelle Übungen für Kinder mit hochfunktionaler Zerebralparese.(12)
| Art der Übungen | Übungen |
|---|---|
| Kräftigungsübungen |
|
| Gleichgewichtsübungen |
|
| Funktionelle / spielerische Übungen |
|