Kompression und Entlastung sind zwei häufige Interventionen in der Wundversorgung. Sie sind eine wichtige Ergänzung zur Wundreinigung und zu Wundauflagen, da sie dabei helfen, die Auswirkungen von Ödemen und Druck auf eine heilende Wunde zu kontrollieren. Außerdem tragen sie dazu bei, dass bereits verheilte Wunden nicht wieder aufbrechen und keine neuen Wunden entstehen.
Ein gründliches Wundassessment, eine sorgfältige Befunderhebung des Patienten, die Auswahl des geeigneten Kompressionsgrades und Produkts sowie fachkundige Anwendungstechniken sind für den Erfolg der Kompressionstherapie von entscheidender Bedeutung.
Die sichere Anwendung von Kompressionstherapie und Entlastungstechniken erfordert eine praktische Schulung in Präsenz sowie eine Kompetenzprüfung, die vor der Anwendung dieser Methoden in der medizinischen Versorgung absolviert werden sollten.
Bevor Sie mit der Kompression oder Entlastung als Teil eines Behandlungsplans für die Wundversorgung beginnen, sollte eine gründliche Untersuchung durchgeführt werden. Dieses Wundassessment sollte Folgendes umfassen: (1) Lokalisation der Wunde, (2) Größe und Tiefe der Wunde, (3) Art und Menge des Exsudats, (4) Zustand der Haut in der Wundumgebung, (5) Vorliegen einer Infektion im Behandlungsbereich, (6) Schmerzen, (7) Durchblutungsstatus und (8) Begleiterkrankungen, die die Wundheilung beeinträchtigen könnten.
Die Untersuchung der Durchblutung kann die Palpation der Pulse (A. dorsalis pedis, A. tibialis posterior), die Berechnung des Knöchel-Arm-Index (Ankle Brachial Index – ABI) sowie die Rekapillarisierungszeit (CRT – Capillary Refill Time) und den Test der reaktiven Hyperämie (Rubor Dependency Test) umfassen. Die folgenden optionalen Videos bieten klinische Demonstrationen dieser Durchblutungsuntersuchungen:
Kompression ist die Anwendung kontrollierter externer Druckkräfte durch Kompressionsverbände oder Kompressionsgeräte, um die Durchblutung zu verbessern, periphere Ödeme zu reduzieren und die Wundheilung zu fördern, indem überschüssige Flüssigkeit aus der Wunde entfernt wird. Die Kompressionstherapie für eine Wunde kann auf verschiedene Weise erfolgen, unter anderem durch (1) Kompressionsverbände (Binden und Bandagen), (2) Kompressionsstrümpfe und (3) pneumatische Kompressionsgeräte (Intermittierende Pneumatische Kompressionstherapie). Ein wichtiger Faktor bei der Kompressionstherapie ist die kontrollierte Anwendung der Kompression.
Die Kompressionstherapie unterstützt die Wundheilung auf verschiedene Weise.(4)(5) Sie kann die Durchblutung verbessern. Die Kompressionstherapie hilft, das Blut zurück in das Venensystem zu transportieren und so die Blutansammlung in den Extremitäten zu reduzieren. Die verbesserte Durchblutung verbessert auch die Zufuhr von Nährstoffen und Sauerstoff zur Wundstelle und den Abtransport von Abfallprodukten aus der Wunde, wodurch die für die Heilung erforderlichen Bedingungen weiter verbessert werden.(6) Der anhaltende Druck auf die untere Extremität, der durch die Kompressionstherapie erzeugt wird, unterstützt die Wadenmuskulatur dabei, effektiv als „Muskelpumpe“ zu funktionieren. Dies ermöglicht einen verstärkten venösen Rückfluss zum Herzen. Die Kompressionstherapie hilft auch, die Funktion der Venenklappen wiederherzustellen und den venösen Reflux zu reduzieren.(7)
Darüber hinaus hilft die Kompressionstherapie, Ödeme zu reduzieren, indem sie überschüssige Flüssigkeit aus den betroffenen Geweben im Behandlungsbereich entfernt. Die Verringerung des Ödems im Behandlungsbereich fördert die Heilung des Gewebes und lindert die Schmerzen.
Die Kompressionstherapie fördert auch die Sauerstoffversorgung des Gewebes. Sauerstoff ist entscheidend für die Wundheilung. Ein angemessener Sauerstoffgehalt im Gewebe ist notwendig, um die Bildung von Granulationsgewebe zu unterstützen und die Gewebereparatur zu fördern. Die Kompressionstherapie trägt dazu bei, die Sauerstoffversorgung des Gewebes zu verbessern, indem sie die Durchblutung fördert und die Hypoxie des Gewebes reduziert. Schließlich hat die Kompressionstherapie den zusätzlichen Vorteil der Schmerzlinderung.
Die Kompressionstherapie ist u.a. bei folgenden Erkrankungen und Situationen indiziert:
Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Erkrankungen und Diagnosen, die mit einer Wunde einhergehen können und bei denen eine Kompressionstherapie von Nutzen sein kann, darunter arterielle und venöse Ulzera, diabetisches Fußsyndrom, Lipödeme, postoperative Wunden und Dekubitus.(4)(8)
Zu den wichtigsten Kontraindikationen für die Kompressionstherapie gehören:
Die Kompressionstherapie kann in Form von Kompressionsverbänden (Binden oder Bandagen), Kompressionsstrümpfen oder pneumatischen Kompressionsgeräten erfolgen.(10) Kompressionsbinden können je nach ihrer Elastizität als Kurzzugbinden (eher unelastisch) oder Langzugbinden (hohes Dehnungsvermögen) klassifiziert werden.(9)
Kurzzugbinden bestehen meist aus Baumwolle und sind wiederverwendbar. Sie haben ein hohes Maß an Steifigkeit. Sie bieten einen festen und konstanten Halt für die Wadenmuskulatur während des Gehens (hoher Arbeitsdruck) und einen geringen Ruhedruck.(9)
Langzugbinden können sich auf das Mehrfache ihrer ursprünglichen Länge dehnen (zwischen 140 % und 300 %). Sie können sich unter anhaltendem Druck an jede Form anpassen. Diese Binden bieten einen hohen Ruhedruck und einen geringen Arbeitsdruck.(9)
Mehrkomponentensysteme bestehen aus zwei oder mehr Schichten aus elastischem und/oder unelastischem Material und Polsterstrukturen. Diese Binden bieten eine gleichmäßige Kompression sowohl im Ruhezustand (Ruhedruck) als auch beim Gehen (Arbeitsdruck).
(9)
In Tabelle 1 finden Sie eine Beschreibung der verschiedenen Kategorien von Kompressionsbinden.
„Wunden, die mit Kompression behandelt werden, heilen schneller als solche, die nicht mit Kompression behandelt werden. Eine mehrlagige Kompression ist effektiver als eine einlagige Kompression und eine elastische Kompression ist effektiver als eine unelastische Kompression.“ – Dana Palmer, PT
Beim Anlegen von Kompressionsverbänden lesen Sie bitte die Beipackzettel der einzelnen Produkte, um sich über Anwendungshinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu informieren, die für das jeweilige Produkt gelten.(10) Produktinformationen können Sie hier unter der Kategorie „Kompression“ nachschlagen.
| Vorteile | Nachteile | Klinische Beispiele | |
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| Elastische Fixierbinden |
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| Kohäsive Kompressionsbinden |
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| Kurzzugbinden |
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| Zinkleimbinden |
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| Mehrkomponentensysteme |
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Erhältlich als 2-, 3- und 4-Komponenten-System
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| Langzugbinden |
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Kompressionsstrümpfe werden in der Regel in zwei Formen hergestellt: (1) rundgestrickt oder (2) flachgestrickt. Die rundgestrickten Modelle gibt es je nach Bedarf des Patienten als Wadenstrümpfe (AD) oder Schenkelstrümpfe (AG). Kompressionsstrümpfe kommen erst dann in der Wundversorgung zum Einsatz, wenn alle Wunden geschlossen sind. Das Ziel von Kompressionsstrümpfen ist es, zu verhindern, dass sich neue Wunden bilden bzw. bereits verheilte Wunden wieder öffnen.(9)
Bei der Intermittierenden Pneumatischen Kompressionstherapie wird der Druck durch pneumatische Kompressionsgeräte erzeugt. Diese Geräte üben mit Hilfe eines Kompressors und eines Luftkissens, das das Bein umschließt, Druck von außen aus. Das Luftkissen bläst sich auf und entleert sich wieder, wodurch die Wirkung wiederholter Kompressionsverbände bzw. der Wadenmuskelpumpe nachgeahmt wird. Diese Form der apparativen intermittierenden Kompression ist für Patienten geeignet, die keinen anhaltenden Druck tolerieren oder die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.(4)
Unter Entlastung versteht man die Verringerung oder Umverteilung von Druck, Kraft oder Gewicht von einem bestimmten Bereich des Körpers, wie z.B. einer Wunde, um die Heilung zu fördern. Bei der Wundversorgung besteht das Ziel der Entlastung darin, das Risiko eines durch Druck verursachten Wundversagens zu verringern, die Durchblutung zu fördern und ein Umfeld zu schaffen, das die Wundheilung insgesamt unterstützt.(11) Damit die Entlastung wirksam ist, muss sie den ganzen Tag über aufrechterhalten werden – d.h. 24 Stunden am Tag.(10)
Ein wichtiges therapeutisches Ziel der Entlastung ist es, die Funktion der Extremität aufrechtzuerhalten und die Bewegungsmuster (und damit die auf den Bereich ausgeübten Drücke und Kräfte) so weit wie möglich zu normalisieren.(12) Im Rahmen einer Wundversorgung kann eine Kombination aus mehreren Formen der Entlastung erforderlich sein, um den Komfort und die Compliance des Patienten zu verbessern.(10)
Die Entlastung hat verschiedene Vorteile und gilt als wichtiger Bestandteil einer Wundversorgung.(12) Sie hilft, Druckschäden zu vermeiden (Dekubitusprophylaxe). Dies ist besonders wichtig für Patienten mit eingeschränkter Mobilität oder Aktivitätseinschränkungen (z.B. Bettruhe). Die richtige Entlastung trägt dazu bei, das Risiko der Entstehung von Druckschäden bzw. Dekubitus zu verringern.
Die Entlastung kann auch eine optimale Wundheilung fördern, indem sie druckbedingte Traumata reduziert, die Durchblutung verbessert und ein ideales Umfeld für die Geweberegeneration schafft.
Sie kann dazu beitragen, Wundrezidive zu verhindern oder zu minimieren, indem sie die zugrunde liegenden Faktoren, die zum Wundversagen beitragen (z. B. anhaltender Druck oder Reibung), korrigiert. Schließlich kann sie den Komfort des Patienten verbessern, indem sie die mit Druck- und Reibungsschäden verbundenen Schmerzen und Beschwerden reduziert.(12)
Beim Assessment eines Patienten hinsichtlich Entlastungsstrategien ist es wichtig, Folgendes zu berücksichtigen: (1) die Lokalisation der Wunde, (2) den Zustand der Wunde (vaskulärer Status des Bereichs, Vorliegen einer Infektion und adäquate Vorbereitung des Wundbetts und der Wundumgebung), (3) den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten (Glukosemanagement,(13) kardiovaskuläre Gesundheit, allgemeine Prognose usw.), (4) die aktuelle Mobilität und Bewegungsfähigkeit des Patienten, (5) Oberflächen während der Betätigung und im Alltag (z. B. steht der Patient während einer 8-Stunden-Schicht auf Beton, muss er über einen unebenen, steinigen Weg gehen, um zu öffentlichen Verkehrsmitteln zu gelangen, kann er sich nicht aus dem Bett mobilisieren, ist er nicht gehfähig oder sitzt er im Rollstuhl?), (6) Umweltfaktoren (z. B. Regen, Schlamm, heißes Wetter, druckentlastende Matratze oder Kissen); und bei Patienten mit Fußwunden (7) die Qualität ihrer normalen Schuhe (drinnen und draußen) und (8) die Art und Qualität der getragenen Socken (z. B. keine Socken, zu enge Socken, Diabetikersocken).(12)
Aus klinischer Sicht: Bedeutet Entlastung immer Gewichtsentlastung? (edit | edit source)
Spricht man von einer Gewichtsentlastung (in der Orthopädie meistens einfacheitshalber „Entlastung“ genannt), versteht man die vollständige Beseitigung jeglichen Gewichts oder jeglicher Kraft, die auf ein Gewebe oder einen Körperteil ausgeübt wird. Der Körperteil wird so positioniert, dass jeglicher Kontakt mit Oberflächen vermieden wird, die Kraft oder Belastung ausüben könnten. Der Begriff Entlastung bezeichnet in der Wundversorgung die Minimierung oder Beseitigung von Gewicht oder Kraft, die auf das Körperteil oder Gewebe einwirken könnte. Eine Gewichtsentlastung ist eine Form der Entlastung, ABER nicht alle Formen der Entlastung entsprechen einer Gewichtsentlastung.(14)
Klinisches Beispiel: Ein Patient hat eine Wunde an seiner Fußsohle.
Zu den Strategien zur Gewichtsentlastung für diesen Patienten könnte die Verwendung von Hilfsmitteln wie Gehstützen, Gehwagen oder Kniescooter gehören, bei denen der Patient das Gewicht auf das nichtbetroffene kontralaterale Bein und die beiden oberen Extremitäten verlagert, um sich fortbewegen oder gehen zu können, ohne den betroffenen Fuß zu belasten.
Zu den Strategien zur Entlastung (der Wunde) dieses Patienten könnten die Verwendung eines Vollkontaktgipses (TCC), orthopädischer Schuhe und/oder Schuhaussparungen und Entlastungsschuhe gehören. Diese Optionen sind so konzipiert, dass das Gewicht oder die Kraft, die direkt auf die Wunde einwirkt, reduziert wird, während der Patient dennoch (wenn auch nur teilweise) Gewicht auf die Extremität bringen kann.
Eine Entlastung ist bei folgenden Erkrankungen und Situationen indiziert:
Zu den häufigen Wunderkrankungen und Diagnosen, die von einer Entlastung profitieren können, gehören neuropathische Ulzera, Dekubitus sowie JEDE Wunde, die sich an einer gewichttragenden Stelle des Fußes befindet.(12)
Zu den wichtigsten Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen für nicht abnehmbare Entlastungshilfen gehören:
In der Wundversorgung gibt es eine Reihe von Entlastungshilfen, darunter druckverteilende bzw. -entlastende Hilfsmittel, Mobilitätshilfen, Entlastungsstiefel und -schuhe, Vollkontaktgipse (TCCs) und Wundauflagen zur Entlastung.
Druckentlastende Hilfsmittel sind eine vielfältige Gruppe von Hilfsmitteln, die dazu dienen, den Druck gleichmäßig über die Körperoberfläche zu verteilen und so das Risiko von Druckschäden bzw. Dekubitus zu verringern. Diese Hilfsmittel umfassen Kissen in verschiedenen Größen, die mit Luft, Schaumstoff oder Gel (oder einer Kombination aus Schaumstoff und Gel) gefüllt sind und mit Wechseldrucksystemen ausgestattet sein können.(10)(11) Beispiele sind: Spezialmatratzen, Matratzenauflagen und Rollstuhlkissen.
Mobilitätshilfen können als Teil eines Entlastungsplans verwendet werden, um während Transfers und beim Gehen eine Teilbelastung oder Entlastung des Gewichts zu erreichen.(10) Beispiele hierfür sind: Krücken, Gehwägen/Rollatoren und Rollstühle.
Entlastungsstiefel und -schuhe nehmen den Druck von verschiedenen Bereichen des Fußes und verteilen das Gewicht auf gesündere Bereiche.(10) Beispiele sind: Fersen- und Vorfußentlastungsschuhe, Schuheinlagen/Fußbettungen und Spezialschuhe mit Aussparungen.
Beim Vollkontaktgips (Total Contact Casting, TCC) wird ein Gips oder ein abnehmbarer Stiefel angelegt, der sich eng an die Form der unteren Extremität und des Fußes anpasst. Er verteilt den Druck durch das Körpergewicht gleichmäßig über den Fuß. Der Goldstandard für die Entlastung neuropathischer Ulzera ist der TCC.(10)(16) Durch das Aufschneiden in eine dorsale und ventrale Schale kann ein TCC in eine abnehmbare Entlastungsorthese umgewandelt werden (2-Schalen-Technik). Somit kann der Gips jederzeit zur Wundpflege und Hautinspektion entfernt werden. Weitere Beispiele sind konfektionierte Laufschuhorthesen (Walker) und der Charcot Restraint Orthotic Walker (CROW).
Wundauflagen und -verbände können als Teil eines Entlastungsplans verwendet werden. Sie können eine effektive und kostengünstige Alternative zu den oben genannten Methoden darstellen. Mobilitätshilfen werden eingesetzt, um die Wirksamkeit der Entlastung durch den Verband zu verbessern.(10)(17) Beispiele sind: Entlastungspolster aus Schaumstoff, Distanzpolsterung („Filzen“) und Verbände mit Polsterwatte, wie das „Football Dressing“.