Knöchel-Fuß-Orthesen (AFOs, auch Unterschenkelorthesen genannt) bieten eine externe mechanische Stütze für Fuß und Knöchel. Sie können für Kinder mit Zerebralparese von Vorteil sein, da sie dazu beitragen, das Bewegungsausmaß zu erhalten und sicherzustellen, dass Fuß und Knöchel in einer optimalen Position sind.(1)
Fortschritte in der Technologie und den Herstellungsmethoden haben das Angebot an AFOs erweitert. Es gibt jedoch kaum Evidenz dafür, dass ein bestimmtes AFO-Design einem anderen überlegen ist, sodass Orthopädietechniker die Gestaltung eher auf der Grundlage ihrer Erfahrung, der Verfügbarkeit und der Finanzierungsmöglichkeiten auswählen.(2)(3) Dieser Artikel bietet einen Überblick darüber, wie Orthetiker bzw. Orthopädietechniker maßgeschneiderte AFOs für gehfähige Kinder mit Zerebralparese entwerfen, anpassen und Probleme beheben.
Um diese Konzepte besser zu verstehen, kann es hilfreich sein, sich die verschiedenen Funktionsniveaus für gehfähige Kinder mit Zerebralparese noch einmal vor Augen zu führen: Gross Motor Function Classification System – Expanded and Revised (GMFCS-ER).
Das für eine AFO gewählte Material bestimmt ihre physikalischen Eigenschaften, darunter Elastizität, Widerstandsfähigkeit, Flexibilität, Haltbarkeit, Härte, Dichte und Temperaturreaktion. Es gibt drei Kategorien von Materialien, die in AFOs verwendet werden:(1)
Derzeit sind die am häufigsten verwendeten Materialien in AFOs thermoplastische und duroplastische Polymere, Metalle, Leder, Gewebe, Schaumkunststoffe und Verbundwerkstoffe auf Polymerbasis.(1) Bei der Herstellung von AFOs für Kinder mit CP werden in der Regel thermoplastische Materialien verwendet, da sie leicht und haltbar sind und ein ansprechendes Aussehen haben.(1)
Die Trimmlinie ist der Rand oder die Form der Orthese. Die gewünschte Funktion der AFO bestimmt die Wahl der Trimmlinie, wobei es Unterschiede in der Trimmlinie für starre, flexible oder gelenkige AFOs gibt.(4)(5) Im Allgemeinen gilt: Je weiter vorne die Trimmlinie liegt, desto steifer ist die AFO.(4)
AFO-Polster werden aus Schaumstoff oder anderen weichen, gepolsterten Materialien hergestellt. Sie stützen den Fuß und das Sprunggelenk, verringern den Druck und verbessern den Komfort. Polster ermöglichen eine höhere Krafteinwirkung und bieten weichere Bereiche für Knochenvorsprünge.(2)
AFO-Riemen reduzieren die Reibung und halten den Fuß in Position. Allerdings können Riemen das Einpassen einer AFO in einen Schuh erschweren.(2)
Zurichtung („Posting“) bedeutet, dass Fersen- oder Sohlenkeile zu einer AFO hinzugefügt werden. Die Zurichtung zielt darauf ab, ein verbessertes Gangbild, Gleichgewicht und eine bessere Stellung von Fuß und Sprunggelenk zu fördern.(2)
AFOs sind für Kinder nur dann von Nutzen, wenn sie getragen werden, und sie sollten für ein bestimmtes Problem oder bestimmte Probleme verschrieben werden – z. B. zur Kontrolle der Plantarflexion.(6)
Ein Orthetiker bzw. Orthopädietechniker wird die folgenden Schritte durchlaufen, bevor er sich für eine AFO entscheidet:(2)
Schritt 1: Entscheidung aufgrund der Befunderhebung, ob eine maßgefertigte oder eine vorkonfektionierte Orthese verwendet werden soll
Schritt 2: Abdruck / Vermessung für die AFO
Schritt 3: Festlegung der optimalen Position der AFO-Schale
Schritt 4: Entscheidung, welche Kräfte erforderlich sind, um die Position des Fußes/Sprunggelenks innerhalb der AFO zu halten
Schritt 5: Bestimmung, welche externen Kräfte die Hüfte und das Knie beeinflussen können
Für Kinder und Jugendliche gibt es nur eine begrenzte Anzahl an vorkonfektionierten Orthesen („von der Stange“). Diese Orthesen haben verschiedene Vor- und Nachteile. Sie sind im Allgemeinen dünner, flexibler und leichter(2) und für einen sich typisch entwickelnden Fuß oder einfache klinische Fälle konzipiert.(1) Außerdem können vorkonfektionierte Orthesen zwar für ein optimales funktionelles Ergebnis an den Patienten angepasst und individualisiert werden, sie passen jedoch nicht immer zum Sprunggelenk und zur Fußstruktur des Patienten.(1)
Orthesen „von der Stange“ werden in der Regel anhand der Schuhgröße des Patienten und nicht anhand seiner individuellen Fuß- oder Sprunggelenkmaße gemessen. Sie werden häufig aus Materialien wie Kohlefaser oder Kunststoff hergestellt. Es kann sehr nützlich sein, bei Jugendlichen mit Zerebralparese eine vorkonfektionierte AFO zu verwenden, nachdem eine individuell gefertigte AFO während der Wachstumsphase ihre Aufgabe erfüllt hat.(1)
Die meisten AFOs für Kinder mit Zerebralparese, die noch nicht das Jugendalter erreicht haben, werden individuell angefertigt.(2)
Die Gestaltung und Herstellung maßgefertigter AFOs umfasst mehrere wichtige Schritte. Der Prozess beginnt mit der Beurteilung der optimalen Position für die AFO, wobei die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen des Patienten berücksichtigt werden. Nach dieser Beurteilung wird ein Gipsabdruck angefertigt, der einen detaillierten Eindruck vom Fuß des Kindes vermittelt. Aus diesem Abdruck wird ein Positivmodell des Fußes des Kindes erstellt.(2)
Es können dann Nachbesserungen als Teil eines Korrekturprozesses vorgenommen werden, bei dem der Orthetiker bzw. Orthopädietechniker an manchen Bereichen des Modells etwas Material entfernt, um bestimmte Kräfte zu korrigieren, und an anderen Bereichen, z. B. um Knochenvorsprünge herum, Material hinzufügt. Anschließend wird das gewünschte Material oder die gewünschte Farbe aufgebracht. AFOs werden in der Regel durch thermoplastisches Vakuumformen hergestellt, was eine präzise Formgebung und individuelle Anpassung der AFO ermöglicht. (2)
Bei der Anpassung von AFOs für gehfähige Kinder mit Zerebralparese berücksichtigt der Orthetiker bzw. Orthopädietechniker die folgende Liste. (2)
Position der einwirkenden Kräfte:
Druck:
Fähigkeit des Kindes und/oder der Betreuungspersonen, die Orthese anzulegen und abzunehmen:
Komfort und Tragbarkeit:
Aussehen der AFOs (Ästhetik):
Schuhanpassung:
Um eine gute Passform einer AFO zu gewährleisten, müssen mehrere Bereiche sorgfältig überprüft werden. Ein potenzielles Problem ist zu viel Platz innerhalb der AFO, was zu Reibung und Scheuern zwischen dem Fuß und dem Hilfsmittel führen kann, wodurch Hautschädigung und Blasen entstehen können. Eine zu weite Form kann auch das Anpassen von Schuhen erschweren, vor allem, wenn der Vorfuß- und Zehenbereich der AFO zu viel Platz einnimmt.(2)
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Trimmlinien der AFO. Sind diese zu kurz, kann der Fuß in eine Valgusstellung gedrückt werden und über den Rand der Orthese hinausragen, wodurch die Korrektur des distalen Vorfußes unwirksam wird. Umgekehrt können zu lange Trimmlinien dazu führen, dass die Riemen keinen Halt erzeugen können, was bedeutet, dass der Fuß eher aus der AFO herausrutscht und dadurch die korrigierte Position verliert.(2)
Es ist auch wichtig, dass die AFO richtig angelegt wird. Wenn sie in einer nicht korrigierten Position angelegt wird, kann dies zu erhöhtem Druck auf bestimmte Bereiche des Fußes führen.(2)
Schließlich sollte der Sitz der Orthese sowohl bei gebeugtem als auch bei gestrecktem Knie überprüft werden, da diese Positionen die Passform und Wirksamkeit der AFO beeinflussen können.(2)