Originale Autoren – Naomi O’Reilly und Matt Huey
Top-Beitragende – Naomi O’Reilly, Jess Bell, Ewa Jaraczewska und Kim Jackson
Viele Rehabilitationsfachleute auf der ganzen Welt übernehmen heute die Rolle des Erstkontakts im Gesundheitswesen. Das bedeutet, dass sie möglicherweise die erste Fachkraft sind, die einen Patienten mit Beeinträchtigungen der Körperfunktionen und -strukturen untersucht. Daher ist es wichtig, dass Rehabilitationsfachleute in der Lage sind, Elemente der subjektiven und objektiven Untersuchung zu erkennen, die auf eine ernsthafte Pathologie, eine Beeinträchtigung des Nervensystems oder ein anderes „potenzielles Risiko ernsthafter unerwünschter Ereignisse“ hinweisen.(1)
Das neurologische Screening ist ein „Schnellscan“, der mit etwas Übung zügig durchgeführt werden kann, um Symptome auszuschließen, die auf eine neurologische Beteiligung hindeuten könnten.(2) Diese Symptome können von einem Teil des Körpers auf einen anderen übertragen werden. Das neurologische Screening wird seit jeher als ein wichtiges Element der Befunderhebung angesehen, um eine sichere Praxis zu gewährleisten. Es wird in der Regel eingesetzt, um die Integrität des Nervensystems zu beurteilen und die neurologische Funktion eines Patienten zu ermitteln.(3) Ein abnormales Ergebnis bei einem neurologischen Screening kann bedeuten, dass weitere Untersuchungen und/oder die Überweisung an bestimmte Fachbereiche erforderlich sind.(3)
Kliniker nutzen ein neurologisches Screening als differenzialdiagnostisches Instrument, um veränderte somatosensorische und motorische Nervenfunktionen zu identifizieren, die Beeinträchtigungen des Nervensystems ein- oder ausschließen können. Es wird auch als Instrument zur Überwachung von Veränderungen der somatosensorischen und motorischen Funktionen im Verlauf der Behandlung genutzt.
Der Hauptzweck des neurologischen Screenings besteht in der Beantwortung der Frage, ob eine festgestellte Beeinträchtigung des Nervensystems durch das zentrale Nervensystem oder das periphere Nervensystem verursacht wird. Darüber hinaus hilft es dem Kliniker, die Beeinträchtigung auf sensorische Neuronen, obere oder untere Motoneuronen zu lokalisieren.(4)
Um Ihre Kenntnisse der Neuroanatomie aufzufrischen, lesen Sie bitte Einführung in die Neuroanatomie. Um Ihr Verständnis von Motoneuronen zu überprüfen, siehe Motoneurone.
Ein neurologisches Screening ist am sinnvollsten, wenn Red Flags vorhanden sind oder wenn ein Patient eines der folgenden Symptome aufweist:
Bei der Durchführung des neurologischen Screenings ist es wichtig, den Zweck der Untersuchung im Auge zu behalten (d. h. die Läsion im Bezig auf spezifische Strukturen innerhalb des Nervensystems zu lokalisieren).(7)
Erklären Sie den Prozess: Erklären Sie dem Patienten kurz, dass Sie eine Reihe von Tests durchführen werden, um festzustellen, woher seine Symptome kommen könnten. Erklären und demonstrieren Sie, was Sie tun werden, und zeigen Sie ihm alle Geräte oder Materialien, die Sie verwenden werden, wie z. B. einen Reflexhammer. Dadurch wird sichergestellt, dass der Patient versteht, was Sie tun, und eventuelle Ängste oder Sorgen gemindert werden.
Angemessene Positionierung: Legen Sie den zu untersuchenden Körperbereich angemessen frei und decken Sie den Patienten wie erforderlich ab. Sorgen Sie dafür, dass sich der Patient wohl fühlt, gut abgestützt wird und entspannt ist. Der zu untersuchende Bereich muss so positioniert sein, dass eine vollständige und ungehinderte Bewegung möglich ist. Die einzelnen Testpositionen variieren je nachdem, welches Element des neurologischen Screenings Sie durchführen. Überlegen Sie sich deshalb, wie Sie Positionsveränderungen bzw. Lagewechsel während des Prozesses minimieren können.
Verfahrensspezifische Fertigkeiten: Vergewissern Sie sich, dass Sie für jeden neurologischen Test, der Teil des Screenings ist, gute verfahrensspezifische Fertigkeiten entwickelt haben, einschließlich Vorbereitung und Aufbau, Sicherheit, Wissen und Entscheidungsfindung, Kommunikation und Komfort. Verwenden Sie bei Ihrer Untersuchung einen einheitlichen Ansatz, um die Zuverlässigkeit und Gültigkeit zu verbessern.(8)
Befunde interpretieren: Die Ergebnisse des neurologischen Screenings werden alle zusammen gewichtet, um die Läsion zu identifizieren, die hochspezifisch (z. B. anormales Gefühl in einem Dermatom) oder diffus sein kann, wie bei neuromuskulären Erkrankungen. Berücksichtigen Sie bei der Interpretation Ihrer Ergebnisse Folgendes:(9)
Obwohl das neurologische Screening wichtige diagnostische Informationen liefert und unmittelbare Auswirkungen auf Entscheidungen im Bezug auf die Behandlungsplanung haben kann, gibt es oft erhebliche Unterschiede bei den Inhalten einer neurologischen Untersuchung, die auf den bei der Untersuchung festgestellten Zeichen und Symptomen basieren. In den folgenden Abschnitten werden die wichtigsten Komponenten des neurologischen Screenings erläutert.
Ein Reflex ist eine automatische und fast sofortige unwillkürliche Bewegung eines Organs oder Körperteils als Reaktion auf einen Reiz. Diese Bewegung erfolgt aufgrund des Reflexbogens ohne bewusstes Denken.(10) Ein Reflexbogen ist eine neuronale Verbindung, die die Reflexreaktion des Körpers vermittelt oder steuert. Reflexbögen wirken als Antwort auf einen Impuls, noch bevor der Impuls das Gehirn erreicht.(11)
Reflexe sind körpereigene Reiz-Reaktions-Systeme zur Aufrechterhaltung der Homöostase und sind, wenn sie korrekt geprüft und interpretiert werden, der objektivste Test im Rahmen des neurologischen Screenings zur Lokalisierung der Läsion auf bestimmte Strukturen innerhalb des Nervensystems. Reflexe können in vier Gruppen unterteilt werden:(10)(12)
Obwohl alle Kategorien von Reflexen eine Fülle von Informationen zur Lokalisierung von Beeinträchtigungen bestimmter Strukturen innerhalb des Nervensystems liefern, konzentriert sich diese Seite auf die bei einem neurologischen Screening am häufigsten verwendeten Reflexe.
Ausführlichere Informationen über Reflexe und Reflexprüfungen finden Sie unter Reflexe.(14)
Hautreflexe werden in der Regel durch Streichen der Haut oder der Schleimhäute ausgelöst.(12)
Tabelle 1 zeigt die am häufigsten verwendeten Hautreflexe in einem neurologischen Screening.
| Reflex | Innervation | Segmentale Zuordnung | Auslösung | Normale Reflexantwort |
|---|---|---|---|---|
| Plantarreflex (Fußsohlenreflex) | N. tibialis | S1-2 | Bestreichen der Fußsohle | Plantarflexion der Zehen |
| Analreflex | N. pudendus | S4-5 | Bestreichen der Dammhaut oder (mit Handschuh) der Haut des Anus | Kontraktion des M. sphincter ani externus |
Sehnenreflexe, auch Muskeldehnungsreflexe genannt, sind die am häufigsten getesteten Reflexe bei einem neurologischen Screening.(16) Sehnenreflexe sind Dehnungsreflexe, die durch neuromuskuläre Spindeln im Muskel vermittelt werden. Sie dienen der Beurteilung von afferenten Nerven, synaptischen Verbindungen im Rückenmark, motorischen Nerven und absteigenden motorischen Bahnen. Die Prüfung des Muskeldehnungsreflexes bietet dem Kliniker eine direkte Möglichkeit, das periphere Nervensystem zu beurteilen, und eine indirekte Möglichkeit, das zentrale Nervensystem zu untersuchen, um festzustellen, ob eine Läsion des oberen oder unteren Motoneurons vorliegt.(15)
- Läsion des unteren Motoneurons = verminderter oder fehlender Reflex (Hyporeflexie bzw. Areflexie) aufgrund der Schädigung des Alpha-Motoneurons, der für die Muskelkontraktion verantwortlich ist.
- Läsion des oberen Motoneurons = verstärkter Reflex (Hyperreflexie) aufgrund des Verlusts der hemmenden Modulation der absteigenden Bahnen
- Eine einseitige Abwesenheit des Reflexes bedeutet eine Beeinträchtigung auf der Ebene des peripheren Nervs oder der Nervenwurzel
- Eine fehlende Reaktion deutet auf eine vollständige Läsion irgendwo entlang der Nervenbahn oder im Muskel selbst hin.
Testverfahren:
Fällt es dem Patienten schwer, sich bei der Reflexprüfung zu entspannen, kann ein Manöver zur Reflexbahnung eingesetzt werden. Diese wirken, indem sie die Sensibilität der Muskelspindeln erhöhen und die Hemmung des zentralen Nervensystems verringern. Das bekannteste Manöver ist der Jendrassik-Handgriff (siehe Abbildung 1), bei dem der Patient seine Finger ineinander verschränkt und dann versucht, sie auseinanderzuziehen. Weitere Techniken zur Verstärkung der Reflexantwort sind das Zusammenbeißen der Zähne und das Zusammendrücken der Knie.
Tabelle 2 zeigt die am häufigsten verwendeten Sehnenreflexe in einem neurologischen Screening.
| Reflex | Innervation | Segmentale Zuordnung | Auslösung | Normale Reflexantwort |
|---|---|---|---|---|
| N. musculocutaneous | C5-6 | Schlag auf die Sehne des M. biceps brachii | Kontraktion des M. biceps brachii | |
| M. brachioradialis | N. radialis | C5-6 | Schlag auf die Sehne des M. brachioradialis oder knapp distal des muskulotendinösen Übergangs | Flexion des Ellbogens und/oder Pronation des Unterarms |
| M. triceps brachii | N. radialis | C7-8 | Schlag auf die Sehne des M. triceps brachii oberhalb des Olekranons | Extension des Ellbogens |
| Patellarsehnenreflex (PSR) | N. femoralis | L2-4 | Schlag auf die Patellarsehne | Extension des Knies |
| Achillessehnenreflex (ASR) | N. tibialis | S1-2 | Schlag auf die Achillessehne | Plantarflexion |
Zur Bewertung der Sehnenreflexe und zur Charakterisierung der Reflexantwort wird eine 5-Punkte-Skala verwendet (siehe Tabelle 3). Bei der Interpretation der Reflexe sollte der Kliniker sowohl das, was für den Patienten normal ist, als auch die Symmetrie berücksichtigen. Der Vergleich zwischen den Reflexen in einem Körperteil und einem anderen ist viel wichtiger als der absolute Reflexwert. Der wichtigste Vergleich ist der zwischen den entsprechenden Reflexen auf der rechten und linken Seite, wobei selbst eine leichte Asymmetrie von Bedeutung sein kann. Viele Untersucher können die Skala durch die Verwendung von + oder – ergänzen, um Zwischenstufen zu kennzeichnen.(9)
| AIS-Grad |
Merkmal der Reflexantwort | Vermutete Läsion |
|---|---|---|
| 0 | Fehlend | Unteres Motoneuron |
| 1+ | Abgeschwächt oder erfordert Verstärkung | Unteres Motoneuron |
| 2+ | Durchschnittlich | Keine Läsion |
| 3+ | Lebhafter als der Durchschnitt | Oberes Motoneuron |
| 4+ | Gesteigert mit Klonus | Oberes Motoneuron |
Primitive Reflexe gelten bei Säuglingen als typisch, bis sie integriert sind und verschwinden. Primitive Reflexe sind pathologisch, wenn sie bei Erwachsenen auftreten, da sie auf ein zugrunde liegendes Problem des Nervensystems hinweisen. (18) Pathologische Reflexe sind Rückfälle in primitive Reaktionen und weisen auf einen Verlust der kortikalen Hemmung hin. Die häufigsten pathologischen Reflexe, die beim neurologischen Screening getestet werden, sind in Tabelle 4 aufgeführt. Positive Ergebnisse weisen auf eine Läsion des oberen Motoneurons hin.
| Reflex | Pathophysiologie | Auslösung | Antwort |
|---|---|---|---|
| Hoffmann-Zeichen | Läsion des Pyramidenbahnsystems | Der Untersucher „schnippt“ die distale Phalanx des Zeigefingers nach unten | Adduktion und Opposition des Daumens und leichte Flexion der Finger |
| Babinski-Zeichen | Läsion des Pyramidenbahnsystems | Bestreichen der Fußsohle von der Ferse bis zum großen Zeh, an der lateralen Seite beginnend bis zum Fußballen an der medialen Seite | Extension der Großzehe |
| Klonus-Test | Läsion des Pyramidenbahnsystems | Den Fuß kräftig und schnell in die Dorsalextension bringen, während das Bein unter der Kniekehle gehalten wird | Mehr als drei unwillkürliche Kontraktionen („Schläge“) der Wade oder anhaltende schnelle Plantarflexion und Dorsalextension des Fußes |
Zur Beurteilung der Funktionsfähigkeit des Nervensystems wird in der Regel eine Prüfung der Sensibilität durchgeführt. Es handelt sich in erster Linie um eine subjektive Untersuchung, die voraussetzt, dass der Patient aufmerksam und kooperativ ist, damit er zuverlässige subjektive Eindrücke von verschiedenen Reizen wiedergeben kann. Kliniker müssen Dermatome und sensible Versorgungsgebiete der peripheren Nerven kennen, um eine Untersuchung der Sensibilität durchführen zu können.
Eine Untersuchung der peripheren kutanen Innervation durch Prüfung der Dermatome ist nur erforderlich, wenn die Anamnese dies nahe legt. Obwohl eine schlüssige Diagnose nicht allein durch Sensibilitätstests gestellt werden kann, sind sie doch ein wichtiges Instrument zur Lokalisierung der Beeinträchtigung.(20)
Hauptunterschied zwischen Dermatom und Versorgungsgebiet eines peripheren Nerven:
- Das Dermatom ist ein Bereich der Haut, der von einem einzigen Spinalnerv innerviert wird
- Das Versorgungsgebiet eines peripheren Nerven ist ein Bereich der Haut, der von einem bestimmten Hautnerv innerviert wird
Zu den primären Komponenten, die im Rahmen eines grundlegenden neurologischen Screenings erfasst werden sollten, gehören leichte Berührung, Druck, Zwei-Punkt-Diskrimination, Temperatur, Schmerz und Propriozeption.(21)
Die Zwei-Punkt-Diskrimination wird vor allem zur Beurteilung von Nervenverletzungen verwendet. Normwerte helfen dabei, die Ergebnisse sensorischer Untersuchungen richtig zu interpretieren.
Die etablierten Werte für die Zwei-Punkt-Diskrimination lauten wie folgt:
Fingerbeeren/Finger: Die Fingerbeeren sind der empfindlichste Bereich. Die Normwerte für die Zwei-Punkt-Diskrimination liegen hier zwischen 2 und 8 mm. Bei Erwachsenen liegen die Durchschnittswerte in Studien zwischen 2,78 und 3,5 mm für die statische Zwei-Punkt-Diskrimination an den Fingerspitzen/Fingerbeeren, während klinische Untersuchungen typischerweise Werte zwischen 3 und 5 mm für die Finger ermitteln.(22)
Handfläche: Der mittlere Handflächenbereich weist im Vergleich zu den Fingerspitzen eine verminderte Sensibilität auf, wobei die Normwerte gemäß allgemeinen klinischen Leitlinien zwischen 8 und 12 mm liegen. Die Durchschnittswerte in der Forschung liegen etwas niedriger und reichen von 5,39 bis 7,13 mm. Die Durchschnittswerte am Daumenballen liegen bei 11 bis 12 mm, während die Durchschnittswerte am Kleinfingerballen zwischen 11 und 13 mm liegen.(23)
Handrücken: Dieser Bereich weist das geringste Diskriminationsvermögen unter den Handregionen auf, mit Normwerten zwischen 15 und 17 mm.(23)
Andere Körperregionen: Zum Vergleich weisen die Lippen mit 2–4 mm eine ähnlich hohe Empfindlichkeit wie die Fingerbeeren auf, während Bereiche wie die Schienbeine oder der Rücken mit 30–40 mm deutlich höhere Diskriminationsschwellen aufweisen. Dies spiegelt die unterschiedliche Dichte der sensiblen Rezeptoren in verschiedenen Körperregionen wider.(24)
Diese Werte bieten Klinikern wichtige Referenzpunkte für die Beurteilung der sensiblen Funktion, wobei die Fingerbeeren den Goldstandard für die feine taktile Diskrimination darstellen. Sie dienen daher als Ausgangsbasis für die Erkennung potenzieller neurologischer Beeinträchtigungen.
Weitere Informationen über Sensibilität und die sensiblen Bahnen finden Sie unter Empfindung. Eine ausführliche Analyse des sensorischen Systems und seiner Beurteilung finden Sie unter: Untersuchung der Sensorik.
Dermatome sind Hautareale, die von den afferenten Nervenfasern aus der dorsalen Wurzel einer bestimmten Nervenwurzel innerviert werden.
In der Praxis sind mehrere Dermatomkarten gebräuchlich, darunter die Foerster-Karte und die Keegan-Garret-Karte. Diese sind unter Rehabilitationsfachleuten bekannt und werden häufig verwendet (siehe Abbildung 2). Auch wenn sie wertvoll sind, gibt es jedoch Evidenz, die darauf hindeutet, dass die derzeitigen Dermatomkarten ungenau sind und auf mangelhaften Studien beruhen.(25)(20) Darüber hinaus variieren die Dermatome zwischen den einzelnen Karten und sogar zwischen einzelnen Personen erheblich, und häufig kommt es zu Überschneidungen zwischen Dermatomen.(26) Um die Konsistenz Ihres Ansatzes bei der Prüfung der Dermatome zu wahren, berücksichtigen Sie bitte Folgendes:
Anhand der Anamnese wird in der Regel festgestellt, ob eine Prüfung der Dermatome erforderlich ist. Während des Tests wird der Patient gebeten, alle Bereiche mit veränderten Empfindungen, einschließlich ihrer Grenzen, anzugeben. Die Untersuchung sollte sich auf die in der Anamnese ermittelte Region konzentrieren und nicht alle Dermatome einbeziehen. Beide Seiten sollten getestet werden (bilaterale Sensibilitätsprüfung), und die Tests sollten einem standardisierten Verfahren folgen.(26)
Mehr über Dermatome können Sie hier lesen.
Bei einer Untersuchung der Motorik ist es wichtig, daran zu denken, dass eine motorische Schwäche durch eine Läsion an jeder Stelle des Nervensystems entstehen kann, einschließlich der Gehirnhälften, des Hirnstamms, des Rückenmarks, des Vorderhornneurons, der Nervenwurzel (Myotom), der peripheren Nerven, der motorische Endplatte oder des Muskels an sich. Die Untersuchung der Motorik umfasst in der Regel manuelle Tests der Kennmuskeln der Myotome. Dies kann durch eine funktionelle Beurteilung und durch die Identifizierung von Muskelatrophie in den entsprechenden Bereichen ergänzt werden. Es ist jedoch zu beachten, dass bei der manuellen Testung dieser Muskeln in der Regel nicht zwischen einer Beeinträchtigung der Nervenwurzel und distaler Bereiche des Nervs unterschieden werden kann.(4)
Myotome sind eine Gruppe von Muskeln, die von einer einzigen spezifischen Nervenwurzel innerviert werden. Myotome sind im Wesentlichen das motorische Äquivalent zu Dermatomen. Die Prüfung der Myotome ist für die Diagnose einer Muskelschwäche und anderer neurologischen Erkrankungen wie Radikulopathie oder zervikale spondylotische Myelopathie (ZSM) unerlässlich. Das Verständnis der Myotomverteilung ist entscheidend für die Identifizierung betroffener Nervenwurzeln und die Festlegung der Behandlung.(27)
Die Prüfung der Myotome wird mit manuellen Muskeltests durchgeführt. Dabei wird die anhaltende isometrische Kontraktion einer bestimmten Muskelgruppe getestet. Tabelle 5 zeigt, welche Bewegungen am stärksten mit den einzelnen Myotomen verbunden sind.
| Nervenwurzel | Bewegung der oberen Extremität | Nervenwurzel | Bewegung der unteren Extremität |
|---|---|---|---|
| C2 | Flexion der Halswirbelsäule(28) | L2 | Flexion der Hüfte |
| C3 | Extension/Lateralflexion der Halswirbelsäule(28) | L3 | Extension des Knies |
| C4 | Elevation der Schulter | L4 | Dorsalextension des Sprunggelenks |
| C5 | Abduktion der Schulter/Flexion des Ellbogens | L5 | Extension der Großzehe |
| C6 | Dorsalextension des Handgelenks/Flexion des Ellbogens | S1 | Plantarflexion des Sprunggelenks |
| C7 | Extension des Elllbogens/Volarflexion des Handgelenks | S2 | Flexion des Knies(28) |
| C8 | Extension des Daumens/Flexion der Finger | S3-4 | Zusammenziehen des Afters(28) |
| T1 | Abduktion der Finger |
Bender et al.(4) empfehlen, dass weitere Tests durchgeführt werden sollten, wenn bei Myotomtests eine Schwäche festgestellt wird, um festzustellen, ob diese Schwäche auf eine Beeinträchtigung der Nervenwurzel oder distaler Bereiche des Nervs zurückzuführen ist. So könnte beispielsweise eine Schwäche des M. extensor pollicis longus durch eine Läsion der Nervenwurzel C8 oder des N. radialis verursacht werden. In diesem Beispiel würde der Kliniker zur Unterstützung seines klinischen Reasonings einen Muskel des N. radialis testen, der nicht von der C8-Nervenwurzel innerviert wird (z. B. den M. brachioradialis), und anschließend einen Muskel testen, der von der C8-Nervenwurzel, aber nicht vom N. radialis innerviert wird (z. B. M. abductor digiti minimi).(4)
Diese Seite beschreibt die wichtigsten Komponenten, die bei der Durchführung eines grundlegenden neurologischen Screenings berücksichtigt werden sollten. Diese Tests spiegeln die Funktion verschiedener Teile des zentralen und peripheren Nervensystems wider und können, wenn sie systematisch und logisch ausgewertet werden, Informationen über die Integrität des Nervensystems liefern und anzeigen, welcher Bereich des Nervensystems beeinträchtigt ist.
Die Ergebnisse des neurologischen Screenings werden zusammengenommen, um die Läsion anatomisch zu identifizieren, die diffus (z. B. neuromuskuläre Erkrankungen) oder hochspezifisch (z. B. Sensibilitätsstörungen in einem Dermatom aufgrund einer Kompression oder Verletzung eines bestimmten Spinalnervs) sein kann. Bitte beachten Sie bei der Durchführung Ihrer Untersuchung Folgendes:
Wir müssen nicht unbedingt jeden einzelnen dieser Tests durchführen. Berücksichtigen Sie die Anamnese Ihres Patienten, einschließlich des Verletzungsmechanismus, der Zeichen und Symptome sowie ihr klinisches Reasoning, um zu entscheiden, wann und was zu untersuchen ist.