Originale Autorin – Wanda van Niekerk basierend auf dem Kurs von Yara Peterko
Top-Beitragende – Wanda van Niekerk und Jess Bell
Regulierungssysteme zielen darauf ab, positive Ergebnisse für Patienten zu fördern, die Rehabilitationsleistungen in Anspruch nehmen. Die Regulierung soll die Öffentlichkeit schützen, indem Standards festgelegt werden, die potenzielle physische oder psychische Schäden minimieren. Die regulatorischen Rahmenbedingungen stellen sicher, dass Rehabilitationsfachleute zertifiziert sind und die Ausbildungs- und Ethikstandards sowie die beruflichen Standards einhalten.(1)
Die regulatorischen Rahmenbedingungen für Rehabilitationsfachleute variieren je nach Land und Beruf.(1) Obwohl die regulatorischen Dokumente jedes Landes einzigartig sind und gesellschaftliche Unterschiede widerspiegeln, verfolgen sie alle denselben Zweck.(2)
Zu den Rehabilitationsberufen gehören Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie (Sprachtherapie), Audiologie, Prothetik und Orthopädietechnik, Physikalische Medizin und Rehabilitation, Rehabilitationspflege und Psychologie. Jeder Rehabilitationsberuf hat seine eigenen internationalen oder nationalen Rahmenbedingungen, die als Regelwerke für berufliche Standards und Praxisstandards dienen.(3)
Es gibt mehrere wichtige regulatorische Dokumente für Rehabilitationsfachleute:
Diese Dokumente können als separate Dokumente erstellt oder zu größeren Dokumenten zusammengefasst werden.
Ein Ethikkodex ist ein Regelwerk, das das Verhalten oder die Standards bestimmter Berufsgruppen regelt.(4) Merriam-Webster definiert einen Ethikkodex als „eine Reihe von Regeln für gutes und schlechtes Verhalten“.(5)
Die vier wichtigsten ethischen Prinzipien im Gesundheitswesen sind in einem Ethikkodex enthalten. Diese Prinzipien sind:(6)
Organisationen fügen ihrem Ethikkodex häufig zusätzliche Prinzipien hinzu, die speziell auf ihre lokalen Gegebenheiten und ihren kulturellen Hintergrund zugeschnitten sind. So hat beispielsweise die World Federation of Occupational Therapists (WFOT) die vier wichtigsten ethischen Grundsätze sowie zehn Werte und Überzeugungen der Ergotherapie in ihr Dokument Guiding Principles for Ethical Occupational Therapy (Ethik-Leitprinzipien in der Ergotherapie) aufgenommen. Zu diesen Werten und Überzeugungen gehören Betätigungsfokus, kollaborativer Ansatz, Fürsorgepflicht, Menschenrechte und Betätigungsgerechtigkeit, Respekt für Vielfalt, Integrität, Vertraulichkeit, Kompetenz und lebenslanges Lernen, Verpflichtungen gegenüber dem Berufsstand und Verantwortung gegenüber der lokalen und globalen Gesellschaft.(7) Das Physiotherapy Board of New Zealand hat ethische Werte wie Respekt und Würde, Verantwortung, Vertrauenswürdigkeit, Integrität und Bürgersinn in seinen Ethikkodex aufgenommen.(8) Die American Physical Therapy Association (APTA) hat acht ethische Grundsätze in ihrem Code of Ethics for the Physical Therapist festgelegt.(9) Diese Prinzipien spiegeln auch die Grundwerte eines Physiotherapeuten wider.(9) Tabelle 1 zeigt die acht Prinzipien und die ihnen zugrunde liegenden Grundwerte.
| Ethisches Prinzip | Grundwerte |
|---|---|
| Die Würde und Rechte jedes Einzelnen respektieren | Mitgefühl und Fürsorge, Integrität |
| Bei der Wahrung der Rechte und Bedürfnisse von Patienten und Klienten vertrauenswürdig und mitfühlend sein | Altruismus, Zusammenarbeit, Mitgefühl und Fürsorge, Pflichtbewusstsein |
| Verantwortung für fundierte fachliche Entscheidungen übernehmen | Zusammenarbeit, Pflichtbewusstsein, Exzellenz, Integrität |
| Integrität in den Beziehungen zu Patienten und Klienten, Familien, Kollegen, Studenten, Forschungsteilnehmern, anderen Leistungserbringern, Arbeitgebern, Kostenträgern und der Öffentlichkeit zeigen | Integrität |
| Rechtliche und berufliche Verpflichtungen erfüllen | Rechenschaftspflicht, Pflichtbewusstsein, soziale Verantwortung |
| Fachwissen durch lebenslangen Erwerb und Verfeinern von Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und professionellem Verhalten erweitern | Exzellenz |
| Förderung von organisatorischen Verhaltensweisen und Geschäftspraktiken, die Patienten, Klienten und der Gesellschaft zugutekommen | Integrität, Verantwortlichkeit |
| Beteiligung an Bemühungen zur Erfüllung der Gesundheitsbedürfnisse der Menschen auf lokaler, nationaler oder globaler Ebene | Soziale Verantwortung |
Verhaltenskodizes gewährleisten berufliche Integrität und Rechenschaftspflicht, indem sie klar definierte Verhaltensstandards vorgeben.(10) Sie bieten Rehabilitationsfachleuten einen Rahmen, der die erwarteten Verhaltensweisen und Werte ihres Berufsstandes umreißt.(2) Diese Kodizes zeigen der Öffentlichkeit auch genau auf, welches Verhalten von Rehabilitationsfachleuten erwartet wird. Wenn ihr Verhalten nicht den erwarteten Standards entspricht, können sie zur Rechenschaft gezogen werden. Darüber hinaus kann ein Verhaltenskodex bei rechtlichen Fragen als Maßstab dienen, um zu bestimmen, ob ein Mitarbeiter der Rehabilitation angemessen gehandelt hat (d. h. hat er so gehandelt, wie es eine „vernünftige Fachkraft” getan hätte?).(2)
Für die Strukturierung eines Verhaltenskodex werden hauptsächlich zwei Ansätze verwendet: Ein prinzipienbasierter Ansatz und ein rahmenbasierter Ansatz.(10)
Der Aotearoa New Zealand Physiotherapy Code of Ethics and Professional Conduct legt das professionelle Verhalten für jeden ethischen Wert fest und ist ein Beispiel für den prinzipienbasierten Ansatz. Ein weiteres Beispiel ist der Guide for Professional Conduct der American Physical Therapy Association (APTA).(11) Dieser Leitfaden dient Physiotherapeuten als Hilfe bei der Auslegung des Ethikkodex für Physiotherapeuten im Hinblick auf ihr professionelles Verhalten. Ein Beispiel aus dem APTA Guide for Professional Conduct:
Grundsatz 2A: „Physiotherapeuten müssen sich an die Grundwerte des Berufsstandes halten und im besten Interesse der Patienten und Klienten handeln, das über den Interessen des Physiotherapeuten steht.“(11) ies kann so interpretiert werden, dass die primäre ethische Verpflichtung des Physiotherapeuten darin besteht, das Wohl der Patienten und Klienten über seine eigenen Interessen zu stellen. Ein Physiotherapeut zeigt dieses Engagement, indem er sich konsequent darum bemüht, bei allen beruflichen Aktivitäten und Interaktionen nach den Grundwerten des Berufsstandes zu handeln. Wenn ein Konflikt zwischen persönlichen Interessen und denen der Patienten entsteht, sollte der Physiotherapeut den Konflikt so lösen, dass die Bedürfnisse des Patienten an erster Stelle stehen. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Berufsstand hängt davon ab, dass die Praktiker durch ihr Handeln, das von beruflicher Integrität, Altruismus und Fürsorge geprägt ist, stets ihr Engagement für die Menschen zeigen, denen sie dienen. Die klinischen Entscheidungen und die Professionalität eines Physiotherapeuten sollten sich daran orientieren, was den gesundheitlichen Bedürfnissen oder Interessen des Patienten dient, und nicht daran, was für den Therapeuten bequem, finanziell vorteilhaft oder nützlich ist.
Bei einem rahmenbasierten Ansatz werden bestimmte Rahmenwerke für die Gestaltung von Verhaltenskodizes verwendet. Einige Beispiele für Rahmenwerke sind das CanMEDS, der Therapeutische Prozess und das Rehabilitation Competency Framework der Weltgesundheitsorganisation (WHO).(12) Die im CanMEDS-Rahmenwerk enthaltenen Rollen sind: Professional, Communicator, Collaborator, Leader, Scholar, Medical Expert und Health Advocate. Das Rehabilitation Competency Framework der WHO umfasst Kompetenzen und Aktivitäten in den Bereichen Praktisches Handeln, Professionalität, Lernen und Entwicklung, Management und Leadership sowie Wissenschaft und Forschung. Lesen Sie mehr über Rahmenwerke in der Rehabilitation. Ein gutes Beispiel für einen rahmenbasierten Ansatz bei der Entwicklung eines regulatorischen Dokuments ist der Ethikkodex der American Occupational Therapy Association.(13)
Praxisstandards umfassen eine Reihe von Richtlinien, in denen die in bestimmten Situationen erwarteten beruflichen Fertigkeiten und Kenntnisse festgelegt sind. Es ist eine Art „Anleitung” für einen Beruf bzw. Profession, eine Disziplin oder ein Fachgebiet, in der beschrieben wird, was in einem bestimmten Beruf als gute und zufriedenstellende Praxis gilt und was nicht.
Das Hauptziel dieses regulatorischen Dokuments ist es, die professionelle Praxis zu fördern, zu leiten, zu lenken und zu regulieren. Dieses Dokument kann klinische Grundsatzerklärungen, Standardarbeitsanweisungen, Behandlungsschemata für die klinische Praxis und klinische Verfahren enthalten. Es deckt verschiedene Aspekte ab, wie z. B. Verwaltung und Unternehmensführung, Kommunikation, gesellschaftliche Verantwortung, Dokumentation, kulturelle Kompetenz, Ausbildung, ethisches Verhalten, informierte Einwilligung, Management von Patienten, kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung und Forschung.
Die in einem regulatorischen Dokument beschriebenen Praxisstandards sollten für alle qualifizierten Fachleute erreichbar sein. Es stellt ideale Standards vor, die Fachleute anstreben sollten. Allerdings kann es manchmal notwendig sein, diese Standards in Abhängigkeit von der jeweiligen Umgebung, Situation, den verfügbaren Ressourcen und Unterstützungssystemen zu interpretieren.(14) World Physiotherapy hat ein Leitliniendokument erstellt, das Organisationen bei der Erstellung eines Dokuments für Praxisstandards zu Rate ziehen können. In dieser Leitlinie werden die vielfältigen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Umfelder berücksichtigt, in denen Physiotherapie praktiziert wird. Die Grundsatzerklärung zu den physiotherapeutischen Praxisstandards(15) können Sie hier und die Leitlinien für physiotherapeutische Praxisstandards(14) hier lesen.
Wenn Sie interessiert sind, können Sie hier mehr über Praxisstandards erfahren.
„Der Begriff ‚Aufgabenbereich‘ (Scope of Practice, SOP) bezieht sich auf die Grenzen des Wissens, der Fertigkeiten und der Erfahrung eines Angehörigen eines Gesundheitsberufs und umfasst alle Aufgaben und Tätigkeiten, die dieser im Rahmen seiner beruflichen Rolle ausübt.“(16)
Viele Faktoren beeinflussen den Aufgabenbereich eines Gesundheitsberufs. Eine Übersicht von Wiggins et al.(17) identifizierte acht Einflussfaktoren in drei Berufen (Gesundheits- und Krankenpflege, Pharmazie und Physiotherapie). Diese waren: Ausbildung, Kompetenz, berufliche Identität, Rollenverwirrung, Gesetzgebung und Regulierungspolitik, Organisationsstrukturen sowie finanzielle, berufliche und persönliche Faktoren.(17)
Es ist wichtig zu beachten, dass es auch erhebliche Überschneidungen im Aufgabenbereich vieler Rehabilitationsberufe gibt (z. B. Physiotherapie und Ergotherapie).(17) Angesichts dieser Überschneidungen ist die interprofessionelle Zusammenarbeit der Schlüssel zur bestmöglichen Versorgung der Patienten. Damit die interprofessionelle Zusammenarbeit erfolgreich sein kann, müssen die Angehörigen der Gesundheitsberufe ihre Rollen klären und überlegen, wie sie die Verantwortlichkeiten aufteilen. Dies kann dazu beitragen, ein gegenseitiges Verständnis für die Rolle der einzelnen Fachleute und ihre Ziele für die Rehabilitation zu schaffen. Angehörige der Gesundheitsberufe müssen die Notwendigkeit einer interprofessionellen Zusammenarbeit verinnerlichen. Das bedeutet, dass sie eine Kultur des interprofessionellen Vertrauens schaffen müssen, indem sie ein Verständnis für das Kompetenzniveau, den Führungsstil und den Aufgabenbereich anderer Gesundheitsfachkräfte entwickeln.(18)
Weitere Informationen zum Aufgabenbereich, insbesondere in Katastrophen- und Konfliktgebieten, finden Sie hier.
Nationale oder regionale Aufsichtsbehörden sind eine gute Anlaufstelle, um sich über die für Ihren Beruf und Ihr lokales Umfeld relevanten Dokumente zu informieren.
Auch Ihr Berufsverband verfügt möglicherweise über entsprechende Ressourcen. Manchmal sind diese Dokumente nur im geschützten Bereich ihrer Websites verfügbar. Wenn diese Dokumente nicht online verfügbar sind, können Sie sich an Ihren Verband wenden.(10)
Wenn Sie weitere Informationen wünschen, bieten internationale Organisationen wie World Physiotherapy, die World Federation of Occupational Therapists, die International Society for Prosthetics and Orthotics (ISPO), die European Speech and Language Therapy Association und die International Society of Audiology wertvolle globale Ressourcen.
Die Einhaltung von beruflichen Standards und Vorschriften ist für die Rehabilitationspraxis von grundlegender Bedeutung. Wenn Angehörige der Gesundheitsberufe in einer Weise praktizieren, die nicht den anerkannten Berufsstandards entspricht, können sie disziplinarisch belangt werden.
Disziplinarmaßnahmen können bei „unzureichender beruflicher Leistung“, „unprofessionellem Verhalten“ oder „beruflichem Fehlverhalten“ eingeleitet werden. Die Aufsichtsbehörde des Berufsstandes führt ein Disziplinarverfahren durch, wenn Beschwerden gegen einen Berufsangehörigen eingereicht wurden. Die Folgen der Nichteinhaltung von Vorschriften können je nach Verstoß unterschiedlich sein. Fachleute können eine Verwarnung oder einen Verweis erhalten, es kann eine Auflage für ihre Zulassung verhängt werden, sie können zur Zahlung einer Geldstrafe an die jeweilige Aufsichtsbehörde verpflichtet werden, ihre Zulassung kann für eine bestimmte Zeit ausgesetzt oder dauerhaft entzogen werden.(20)