Prinzipien der motorischen Entwicklung

Originale Autorin Robin Tacchetti basierend auf dem Kurs von Krista Eskay
Top-BeitragendeRobin Tacchetti und Jess Bell

Motorische Entwicklung ( edit | edit source )

Motorische Entwicklung ist ein Begriff, der die Art und Weise beschreibt, in der ein Kind Bewegungsmuster und -fertigkeiten entwickelt oder erwirbt.(1) Die motorische Entwicklung ist ein Ergebnis der Reifung und nicht der Übung. Motorische Fertigkeiten entwickeln sich in einem typischen oder vorhersehbaren Verlauf; sie sind aufeinander aufbauend. Die motorische Entwicklung „ist ein kontinuierlicher Prozess der Veränderung“.(1) Im Gegensatz dazu ist das motorische Lernen eine relativ dauerhafte Veränderung der motorischen Fertigkeiten aufgrund von Übung. Motorisches Lernen ist nicht beobachtbar, sondern wird „auf der Grundlage langfristiger Leistungsänderungen angenommen“.(2)

Es gibt viele Faktoren, die die motorische Entwicklung beeinflussen können, unter anderem:

  • Genetik
  • Alter des Kindes
  • Kognition: Fähigkeit, eine Aufgabe zu verstehen und sich an ihr zu beteiligen
  • Wahrnehmung: vestibuläre und visuelle Funktion
  • Neurologisch: Zentrales Nervensystem und Gehirnfunktion
  • Mechanisch: Gelenkausrichtung und knöcherne Anatomie(3)

** Das Video unten von Pathways(4) zeigt die typische und atypische motorische Entwicklung eines 2 Monate alten Kindes im direkten Vergleich.

Grob- vs. Feinmotorische Fertigkeiten ( edit | edit source )

Die motorische Entwicklung kann weiter in grob- und feinmotorische Fertigkeiten unterteilt werden. Große Muskelbewegungen des Rumpfes und der Gliedmaßen wie Gehen, Sitzen und Rollen sind Beispiele für grobmotorische Fertigkeiten. Kleinere Muskelbewegungen des Handgelenks und der Finger, wie z. B. Fassen, Schneiden und Essen, werden als feinmotorische Fertigkeiten eingestuft.(5)(6)

Grobmotorische Fertigkeiten ( edit | edit source )

Die grobmotorischen Fertigkeiten lassen sich weiter unterteilen in Fertigkeiten der Fortbewegung und der Objektkontrolle. Die meisten grobmotorischen Fertigkeiten dienen der Fortbewegung, wie Gehen, Laufen, Springen, Krabbeln usw. Bei der Objektkontrolle verwendet das Kind ein Objekt/Spielzeug zum Bauen, Klettern, Werfen, Fangen, Schieben, Ziehen usw.(7) Jungen entwickeln ihre grobmotorischen Fertigkeiten in der Regel schneller als Mädchen.(7)

Feinmotorische Fertigkeiten ( edit | edit source )

Die Feinmotorik umfasst die Koordination zwischen Augen und Händen, Augen und Füßen oder Augen, Händen und Füßen. Feinmotorische Fertigkeiten entwickeln sich in der Regel nach der Grobmotorik und erfordern mehr Geduld.(8) Die meisten feinmotorischen Fertigkeiten erfordern den Gebrauch eines Gegenstandes und dienen nicht der Fortbewegung. Einige Beispiele für feinmotorische Fertigkeiten sind das Auffädeln von Perlen, Schneiden, Weben usw. Mädchen neigen dazu, ihre feinmotorischen Fertigkeiten schneller zu entwickeln als Jungen.(7)

Fertigkeitserwerb (Skill Acquisition) ( edit | edit source )

Der Erwerb neuer Fertigkeiten wird kontinuierlich angepasst, wobei jede erfolgreiche Fertigkeiten zur Entwicklung einer weiteren führt.(1)(9) In den ersten sechs Lebensjahren eines Kindes liegt der Schwerpunkt auf dem Erlernen und Üben funktioneller motorischer Fertigkeiten.(10) Im Alter von 6-12 Jahren verfeinern die Kinder diese motorischen Fertigkeiten und entwickeln eine neue Kombination von Fertigkeiten.(11)

Die motorische Entwicklung beruht auf dem Zusammenspiel von drei Faktoren: dem Individuum, der Umwelt und der Aufgabe.(9) Jeder dieser Faktoren kann als „Constraint“ (auf Deutsch ähnlich, aber nicht gleichbedeutend, zum Begriff der „Einschränkung“) wirken und den Erwerb motorischer Fertigkeiten behindern oder fördern.(9)

Individual Constraints ( edit | edit source )

Individual Constraints sind Merkmale, die dem Individuum eigen sind. Sie lassen sich in „Structural Constraints“ und „Functional Constraints“ unterteilen. Structural Constraints sind Merkmale, die in der eigenen Körperstruktur liegen, wie Gewicht, Größe und Beinlänge. Diese Merkmale verändern sich mit dem Alter und dem Wachstum. Im Laufe der Zeit verändern sich die strukturellen Merkmale nur langsam. Functional Constraints beziehen sich auf die Verhaltensfunktionen des Individuums, wie z. B. seine Aufmerksamkeit, Motivation und Angst. Funktionelle Merkmale können sich über einen kürzeren Zeitraum ändern.(9)

Task Constraints ( edit | edit source )

Task Constraints sind körperfremde Merkmale, die mit dem Aufgabenziel in Zusammenhang stehen.(9) Task Constraints beschreiben Aufgaben, die ausgeführt werden müssen, um das Ziel zu erreichen, wie Regeln, Anweisungen und Ausstattung. Task Constraints sind Merkmale, die außerhalb des Körpers liegen.(9)

Environmental Constraints ( edit | edit source )

Environmental Constraints umfassen alle Elemente der physischen Welt, die nicht zum Körper des Individuums gehören. Jede Umwelterfahrung kann die motorische Entwicklung und Beherrschung beeinflussen.(1) Environmental Constraints lassen sich in physische und soziokulturelle Constraints einteilen.(9) Physische Constraints bestehen außerhalb des Körpers und beziehen sich auf die Welt um das Individuum herum. Beispiele für physische Merkmale sind die Temperatur, der Bodenbelag und die Beleuchtung. Zu den soziokulturellen Constraints gehören die sozialen Beziehungen des Einzelnen und seine kulturellen Überzeugungen.(9)

Spezifische Umweltfaktoren ( edit | edit source )

Spezifische Umweltfaktoren können eine Rolle dabei spielen, wie schnell eine Person eine motorische Aufgabe bewältigt. Die Forschung zeigt, dass verschiedene Umweltdeterminanten die motorische Entwicklung von Kindern fördern, insbesondere die Fortbewegung und die Objektkontrolle. In der nachstehenden Liste sind diese positiven Determinanten aufgeführt:(12)

  1. Höheres Bildungsniveau der Eltern
  2. Bessere Ernährung
  3. Die Anzahl und Verfügbarkeit von altersgerechtem Spielzeug
  4. Zeit um sich frei zu bewegen/mehr Raum
  5. Mehr Zeit im Freien führt zu besseren Fortbewegungsfertigkeiten
  6. Ältere Geschwister zur Nachahmung haben(12) – obwohl in manchen Fällen ein Geschwisterkind die Entwicklung behindern kann(13)

Ressourcen(edit | edit source)

Ressourcen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 1.2 1.3 Malina RM. Motor development during infancy and early childhood: Overview and suggested directions for research. International journal of sport and health science. 2004;2:50-66.
  2. Magill R, Anderson D. Motor learning and control. New York: McGraw-Hill Publishing; 2010.
  3. Eskay, K. Motor Development Principles Course. Plus. 2022
  4. https://pathways.org/watch/2-month-old-typical-and-atypical-motor-development/. 2022
  5. Gonzalez SL, Alvarez V, Nelson EL. Do gross and fine motor skills differentially contribute to language outcomes? A systematic review. Frontiers in psychology. 2019 Dec 3;10:2670.
  6. Sorgente, V., Cohen, E.J., Bravi, R. and Minciacchi, D., 2021. Crosstalk between Gross and Fine Motor Domains during Late Childhood: The Influence of Gross Motor Training on Fine Motor Performances in Primary School Children. International Journal of Environmental Research and Public Health, 18(21), p.11387.
  7. 7.0 7.1 7.2 Early Impact. 12 Differences between Gross Motor and Fine Motor Skills. 2022. Available from: https://earlyimpactlearning.com/12-differences-between-fine-and-gross-motor-skills/
  8. Sutapa P, Pratama KW, Rosly MM, Ali SK, Karakauki M. Improving Motor Skills in Early Childhood through Goal-Oriented Play Activity. Children. 2021 Nov 2;8(11):994.
  9. 9.0 9.1 9.2 9.3 9.4 9.5 9.6 9.7 Haywood KM, Getchell N. Life span motor development. Human kinetics; 2021.
  10. Wang H, Chen Y, Liu J, Sun H, Gao W. A follow-up study of motor skill development and its determinants in preschool children from middle-income family. BioMed Research International. 2020 Oct;2020.
  11. Derikx, D.F., Houwen, S., Meijers, V., Schoemaker, M.M. and Hartman, E., 2021. The relationship between social environmental factors and motor performance in 3-to 12-year-old typically developing children: a systematic review. International journal of environmental research and public health, 18(14), p.7516.
  12. 12.0 12.1 Barnett LM, Hnatiuk JA, Salmon J, Hesketh KD. Modifiable factors which predict children’s gross motor competence: A prospective cohort study. International journal of behavioral nutrition and physical activity. 2019 Dec;16(1):1-1.
  13. Eskay K. Motor Development Principles Course. Plus, 2022.


Berufliche Entwicklung in Ihrer Sprache

Schließen Sie sich unserer internationalen Gemeinschaft an und nehmen Sie an Online-Kursen für alle Rehabilitationsfachleute teil.

Verfügbare Kurse anzeigen