Die Schwangerschaftsdauer bei Einlingsschwangerschaften beträgt im Durchschnitt 40 Wochen.(1) Viele Jahre lang wurde der Begriff „Termingeburt“ für Babys verwendet, die zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche (SSW) geboren wurden. Die klinischen Ergebnisse für Neugeborene variieren jedoch je nach dem Zeitpunkt der Entbindung innerhalb dieses Fünf-Wochen-Zeitraums. Die folgenden Bezeichnungen wurden eingeführt, um diese Variabilität zu berücksichtigen:(1)
Als Frühgeburt werden Babys bezeichnet, die vor der 37. SSW geboren werden.(2) Nahezu 11% aller Geburten weltweit sind Frühgeburten.(3) Innerhalb dieser Kategorie gibt es Unterkategorien: Extrem frühe Frühgeborene sind Babys, die vor der vollendeten 28. SSW geboren werden; Sehr frühe Frühgeborene sind Babys, die zwischen der 28. und vor der vollendeten 32. SSW geboren werden; und späte Frühgeborene sind Babys, die zwischen der 32. und 37. SSW geboren werden.(4) 75 % aller Frühgeburten sind späte Frühgeburten (d.h. Geburten zwischen 34 0/7 und 36 6/7 SSW).(5)
Die folgende Tabelle fasst die Phasen der pränatalen Entwicklung zusammen.
| Phase | Zeitraum | Merkmale |
|---|---|---|
| Germinalphase | Befruchtung bis 2 Wochen |
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| Embryonalphase | Wochen 2 bis 6 oder 8 |
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| Fetalphase | Woche 9 bis zur Geburt |
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Für Frühgeborene „unterscheiden sich die Umwelterfahrungen auf einer Neo-Intensivstation sehr stark (von denen eines Termingeborenen). Die ersten Phasen der Entwicklung sehen bei einem Frühchen also ganz anders aus als bei einem Termingeborenen.“(6) — Krista Eskay
Die Synaptogenese, also die Bildung von Synapsen, „ist für die Bildung von Gehirnnetzwerken und für die Gesamtarchitektur der Gehirnkonnektivität von entscheidender Bedeutung.“(8)
Die Synaptogenese nimmt im dritten Trimester deutlich zu. In der Neugeborenenperiode kommt es dann zu einem „explosionsartigen Anstieg“, der in den ersten beiden Lebensjahren seinen Höhepunkt erreicht.(8) Dieser Zeitraum wird als synaptisches „Blooming“ bezeichnet (engl.: „Blüte“), in dem es zu einem starken neuralen Wachstum und zur Vermehrung von Dendriten kommt.(6)
„In diesen ersten, frühen Jahren von der Vorgeburt und der pränatalen Phase bis hin zum Kleinkindalter stellen wir Tausende neuer Verbindungen her (…) Wie ausgereift das Nervensystem in den verschiedenen Phasen der Entwicklung (eines Kindes) ist (…) hat einen enormen Einfluss darauf, was wir tun können und was nicht, je nachdem, ob unser Nervensystem bereit ist, diese neuen Aufgaben auszuführen, basierend darauf, (…) wie viele Verbindungen hergestellt wurden.“(6) — Krista Eskay
Erfahrungserwartende Plastizität: „Einige Inputs sind im Wesentlichen universell – außer unter sehr extremen Bedingungen erlebt jedes menschliche Kind die Schwerkraft, eine Bezugsperson, Temperaturschwankungen und so weiter.“(9) Diese Inputs führen zu einer erfahrungserwartenden Plastizität.(9) Die erfahrungserwartende Plastizität tritt vor allem in den ersten Lebensmonaten auf.(10)
Erfahrungsabhängige Plastizität: Einige Inputs variieren, und dies führt zu „Unterschieden in Strukturen, Prozessen und Fertigkeiten“(9) (z.B. Fangen lernen, weil jemand oft mit einem Ball spielt, oder Klavier spielen lernen, weil man die Gelegenheit hatte, Klavier zu üben).(6) Erfahrungsabhängige Plastizität tritt während des gesamten Lebens auf.(10)
„Sie sehen also, dass es diese Dinge gibt, die wir in diesen empfindlichen Entwicklungsphasen erreichen wollen. Man muss nicht lernen, wie man Nahrung zu sich nimmt, aber man braucht die Gelegenheit und die Erfahrung in dieser Situation, um dies weiterhin richtig zu tun und diese Fertigkeiten zu entwickeln (…) Man kann es also fast als „nature vs. nurture“ betrachten. Ihre Veranlagung (nature) ist also diese Art erfahrungserwartender Plastizität, diese Dinge, für die wir genetisch programmiert sind, und dann die Gelegenheit haben, sie zu tun, im Gegensatz zu Ihrer Erziehung (nurture), bei der Sie bestimmte Gelegenheiten erhalten, neue spezifische Fertigkeiten zu erlernen.“(6) – Krista Eskay
Das sensomotorische System des Fötus entwickelt sich während der Schwangerschaft, was zur Ausbildung von Bewegungsmustern führt.(11) Die fetalen Bewegungen können isoliert (ein bestimmtes Muster) oder allgemein (mehrere Körperteile betreffend) sein. In den späteren Phasen der Schwangerschaft werden diese Bewegungsmuster komplexer.(11)(12)
Wesentliche Systeme des Gehirns sind bereits vor der Geburt angelegt und fördern die sich entwickelnden Fähigkeiten des Säuglings. Das motorische und das sensorische System gehören dabei zu den Systemen, die am frühesten reifen. Sie helfen dem Kind bei der Interaktion mit der Welt und bei der Aufnahme entsprechender Informationen.(13)
In den ersten Wochen der Schwangerschaft sind die häufigsten Bewegungsmuster spontane Schreckbewegungen („Startles“), allgemeine Bewegungen („General Movements“), isolierte Bewegungen und Zuckungen.(14) In der 13. Woche kann die fetale Motorik Kieferbewegungen, Schlucken, Gähnen und Hand-Gesicht-Kontakt umfassen. Während dieses Zeitraums kann eine bevorzugte Händigkeit beobachtet werden.(14)
Startles (Schreckbewegungen) sind Ganzkörperbewegungen, die in den Extremitäten beginnen und sich auf den Hals und den Rumpf ausweiten.(15) Startles sind von kurzer Dauer und beginnen in der 8. SSW.(15) (16) Von diesem Zeitpunkt an nehmen sie an Häufigkeit zu, bis sie einen Höhepunkt erreichen. Bis zur 17. SSW ist ein starker Rückgang der Anzahl der Startles zu beobachten, danach nimmt sie langsamer ab.(16)
General Movements (GM), oder allgemeine Bewegungen, sind Bewegungen des ganzen Körpers, die langsamer und komplexer sind als Startles.(15) Dieses Bewegungsmuster entwickelt sich ebenfalls mit etwa 8 Wochen und zeichnet sich durch seine Vielfalt und seinen Bewegungsfluss aus. Es wurde angenommen, dass die durch ein Startle ausgelöste Verlagerung zu einer Kette von gegenläufigen Bewegungen führen und GMs auslösen kann.(16) In der 17. SSW treten GMs bereits spontan auf und folgen nicht unbedingt auf ein Startle.(16)(17)
Isolierte Bewegungen treten kurz nach den GMs auf. Diese Bewegungen beinhalten eine einzigartige Abfolge von spezifischen Körperteilen. In der 14. SSW treten die isolierten Bewegungen häufiger auf als die GMs. Die ausgeprägten Bewegungen der Arme und Beine beginnen gleichzeitig. Armbewegungen treten jedoch häufiger auf als Beinbewegungen.(16)
Ab der 12. SSW ist eine Extension der Arme und der Finger zu beobachten. Während dieser Zeit berührt die Hand des Fötus ständig sein Gesicht, seinen Kopf und gelegentlich auch seinen Mund. Ausgeprägte Fingerbewegungen zeigen sich etwa ab der 13. SSW. Im dritten Trimester ist der Fötus in der Lage, nach der Nabelschnur zu greifen, sie zu drücken und mit ihr zu spielen.(15)
Langsame oder schnelle isolierte Beinbewegungen können beidseitig in einem alternierenden Muster oder einseitig als sporadisches Treten vorkommen.(15)
Zuckungen („Twitches“) sind bestimmte spontane Bewegungen, die während des aktiven Schlafs auftreten. Diese kurze motorische Aktivität verursacht Muskelkontraktionen, die zu schnellen Flexions- oder Extensionsbewegungen des Halses oder der Extremitäten führen. Zuckungen sind bei Föten etwa in der 10. bis 12. SSW zu beobachten, und sie werden ab der 15. bis 16. SSW immer häufiger.(16)
Es kann schwierig sein, festzustellen, wann die motorische Aktivität eines Fötus im Zusammenhang mit der Wahrnehmung steht. Spontanes motorisches Verhalten und reflexartige Reaktionen auf Berührungen treten etwa zur gleichen Zeit auf, zunächst im Bereich des Mundes. Nicht reflexbedingte Reaktionen auf Reize treten mit der Entwicklung der sensorischen Systeme auf. Es ist möglich zu beobachten, wie ein Fötus auf Geräusche, Licht und Berührungen mit Bewegungen reagiert. Von der 21. bis zur 33. SSW kann der Fötus auf Berührungen des mütterlichen Bauches reagieren.(16)
Die ersten Bewegungen eines Fötus sind spontan und zufällig. Zufällige Bewegungen können als „motor babbling“ (etwa: „motorisches Lallen“) bezeichnet werden. Diese motorische Aktivität ist zwar nicht zielgerichtet, ermöglicht es dem Fötus aber, seine Umwelt zu erkunden und die Bedeutung seiner Bewegung für die Umwelt zu erkennen. In den späteren Phasen der Schwangerschaft, wenn der verfügbare Raum im Mutterleib abnimmt, verringert sich das Ausmaß der Bewegung.(16) Die Bewegungen beschränken sich dann auf die Rotation und Extension der Wirbelsäule. Diese Abnahme der allgemeinen Bewegungen geht mit einer Zunahme der Gesichtsbewegungen einher. Während dieser Zeit kann das Kind beim Kauen, Öffnen und Schließen des Kiefers und beim Schlucken beobachtet werden. Diese Veränderung der Bewegungsmuster wird als Progression in der normalen fetalen Entwicklung angesehen.(14)
Die anfänglichen isolierten Bewegungen richten sich in der Regel auf Körperteile, die stark innerviert sind, wie zum Beispiel das Gesicht. In der 10. SSW berührt der Fötus regelmäßig sein Gesicht. Mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft nehmen die Armbewegungen zum Mund hin zu. Es wurde vermutet, dass Föten gerne am Daumen lutschen, weil sowohl der Mund als auch der Daumen reichlich innerviert sind.(16) Föten reiben sich mit Vorliebe die Augenlider, kratzen sich mit den Fingern an der Schläfe und berühren ihre Füße, insbesondere die Fußsohlen, die stark innerviert sind.(16)
Zielgerichtetes Verhalten zeigt sich, wenn der Fötus seine Arme zum Mund oder zu den Augen führt. Studien haben gezeigt, dass Föten die Bewegung der Hand zum Mund antizipieren, indem sie den Mund öffnen, bevor die Hand dort ankommt. Andere Studien berichten, dass Föten dazu neigen, die Geschwindigkeit ihres Arms zu verlangsamen, wenn sie ihn in Richtung ihrer Augen führen.(17) Diese zielgerichteten Bewegungen nehmen mit fortschreitender Schwangerschaft tendenziell zu.(16)
Viele Menschen gehen davon aus, dass sich der Fötus in der Gebärmutter nur in einer gebeugten Position befindet. Ein Fötus ändert jedoch häufig seine Haltung und Position. Die Haltung des Fötus kann kopfüber, aufrecht, sitzend, in Bauch- oder Rückenlage sein. Diese Bewegungsvariabilität ist in der ersten Hälfte der Schwangerschaft am häufigsten anzutreffen. Alternierende Beinbewegungen oder Purzelbäume lösen typischerweise eine Rotationsbewegung entlang der Längsachse des Fötus aus. Darüber hinaus können Föten in den ersten 20 SSWs die Beine überkreuzen, die Hände heben und hinter den Kopf legen.(15)
In der Frühschwangerschaft können komplexe sequenzielle Augenbewegungen des Fötus beobachtet werden. Zwischen der 23. und 26. SSW kommt es zu blinzelähnlichen Bewegungen, wenn der Fötus seine Augenlider öffnet und schließt. Ab der 30. SSW treten Häufungen schneller Augenbewegungen („rapid eye movements“) auf. Im letzten Trimester der Schwangerschaft kann man den Fötus lächelnd, finster dreinblickend und schmollend sehen.(15)
Gähnen und Strecken beginnen etwa in der 12. SSW. Dies sind beides komplexe Bewegungsmuster. Das Gähnen beginnt mit einer weiten Öffnung des Kiefers, einer gleichzeitigen Bewegung der Zunge nach kaudal und einer Retroflexion des Kopfes. Dieser gesamte Vorgang dauert etwa 9-13 Sekunden. Das Strecken besteht aus einer Kombination von Retroflexion des Kopfes, Anheben der Arme in Außenrotation und einer Extension des Rumpfes. Dieses komplexe Bewegungsmuster ist immer langsam.(15)