Diese Seite gibt einen Überblick über die motorische Entwicklung von Säuglingen im Alter zwischen 0 und 14 Monaten. Während der Fertigkeitserwerb in der Regel einem bestimmten Verlauf folgt und jede Fertigkeit auf der vorherigen Fertigkeit aufbaut, folgt jedes Kind seinem eigenen Zeitplan. Auf dieser Seite finden Sie daher Zeitfenster für diese Entwicklungsfertigkeiten.
Die motorische Entwicklung und der Fertigkeitserwerb werden hier im Detail besprochen. Es ist wichtig zu wissen, dass die motorische Entwicklung vom Zusammenspiel dreier Faktoren abhängt: dem Individuum, der Aufgabe und der Umwelt.(1) Die grobmotorische Entwicklung wird auch von einer Reihe von Faktoren beeinflusst, darunter:
Die Forschung zeigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen täglichem Üben und der motorischen Entwicklung gibt. Kinder, die mehr Zeit in aktiven Positionen verbringen, wie z.B. in der Bauchlage und im Stehen, haben eine fortgeschrittenere motorische Entwicklung(4) als Kinder, die mehr Zeit in weniger aktiven Positionen verbringen, z. B. in Rückenlage und im Sitzen.(3) Wenn ein Säugling beispielsweise weniger Zeit in der Bauchlage verbringt, während er wach ist (Bauchzeit / Tummy time), hat er weniger Gelegenheit, die posturale Kontrolle und Bewegungen gegen die Schwerkraft zu üben.(2)
Der Erwerb jeder motorischen Fertigkeit fazilitiert neue Gelegenheiten des Lernens und Erkundens. Da Säuglinge neue Fertigkeiten in einem Körper erlernen, der sich ständig verändert/wächst, müssen sie lernen, „ihr Verhalten in jedem Moment an den aktuellen Zustand des Körpers anzupassen.“(5) Die folgenden Tabellen zeigen die Entwicklung der grobmotorischen Meilensteine in den ersten 14 Lebensmonaten.
| ALLGEMEIN | 1-2 MONATE | 2-3 MONATE | |
|---|---|---|---|
| RÜCKENLAGE | Physiologische Flexion von Hüften und Knien; Unfähig, den Kopf in der Mittellinie zu halten | Bringt sporadisch den Kopf zur Mittellinie; Sporadische Rotation der Halswirbelsäule; Erhöhte Aktivität der Extensoren;
Asymmetrie der Extremitäten |
Hände zur Mittellinie; Symmetrische Bewegungsmuster |
| BAUCHLAGE | Verstärkte physiologische Flexion der Hüften und Knie; Ellenbogen hinter den Schultern; Kopf zur Seite | Leichtes Anheben des Kopfes bis 45 Grad; Unfähig, den Kopf in der Mittellinie zu halten; Verringerte Beugekontraktur | Kann sich auf die Hände stemmen; beginnt, Kopf und Schultern zu heben; Anheben des Kopfes bis 45 Grad |
| SITZEN | Das Gewicht des Kopfes zieht den Säugling nach vorne; die Schultern befinden sich vor den Hüften; Unfähig, den Kopf in der Mittellinie zu halten;
Breite Unterstützungsfläche (Ringsitz); Braucht viel Unterstützung am proximalen Rumpf |
Hochziehen zum Sitzen (Traktionsversuch) – Verzögerung des Kopfes; Kann den Kopf nicht in der Mittellinie halten | Hochziehen zum Sitzen (Traktionsversuch) – ist in der Lage, das Kinn einzuziehen (Chin-in) und den Kopf in der Mittellinie zu halten; vertikale Aufrichtung; Gewicht wird durch die Hände übernommen (Sitzen mit abgestützten Händen) |
| STEHEN | Unterstütztes Stehen; Reflexartige Bewegung als Reaktion auf Reize auf der plantaren Seite des Fußes (Schreitreaktion / Schreitautomatismus) | Beginnt, Gewicht zu übernehmen; Astasie und Abasie (Unfähigkeit, ohne Hilfe aufrecht zu stehen oder zu gehen) |
| ALLGEMEIN | 5 MONATE | 6 MONATE | |
|---|---|---|---|
| ALLE POSITIONEN | Bessere Kopfkontrolle; Symmetrische Bewegungen; Weniger physiologische Flexion;
Entwicklungsspirale; Bessere Aktivierung des Rumpfes; Koaktivierung von Flexoren und Extensoren |
Rollen ohne Rotation (En-bloc-Drehen) | Gewichtsverlagerung; Schutzreaktionen |
| RÜCKENLAGE | Hebt die Hände zu den Knien; Einziehen des Kinns (Chin-in); Nutzt die Bauchmuskeln;
Rückenlage zu Seitenlage |
Greifen der Füße | Hände werden weg vom Körper geführt, um nach Gegenständen zu greifen; Übergibt Gegenstände von einer Hand in die andere |
| BAUCHLAGE | Extension der Hals- und Brustwirbelsäule; Handstütz; Ellenbogen sind mehr in einer Linie mit den Schultern;
Gute Kopf- und obere Rumpfkontrolle |
Schultern werden beim Hochstemmen vom Boden abgehoben | Schwimmbewegungen; Gleichgewichtsreaktionen; Sitzrutschen („scooting“) nach hinten;
Von der Bauchlage in den Vierfüßlerstand; Kreisrutschen („Pivoting“) |
| SITZEN | Schmalere Unterstützungsfläche; keine Verzögerung des Kopfes beim Hochziehen zum Sitzen (Traktionsversuch); Mehr Aktivität der Extensoren | Sitzen ohne Unterstützung | Sitzen ohne Unterstützung; Becken in neutraler Position; Gewichtsverlagerung;
Greifen nach Spielzeug |
| STEHEN | Beginnende Gewichtsbelastung und aufrechtere Körperhaltung | Hüften und Knie sind weniger in Flexion; wirkt „O-beinig“, Sprunggelenke nicht in neutraler Position | Obere und untere Rumpfkontrolle; Wippen mit Hilfestellung |
| ALLGEMEIN | 8 MONATE | 9 MONATE | |
|---|---|---|---|
| ALLE POSITIONEN | Rollen mit Rotation; Laterale Rumpfkontrolle; Kreisrutschen („Pivoting“) in Bauchlage | Seitstütz / Seitsitz mit Gewichtsübernahme durch den Schultergürtel; Beginnendes Kriechen; Vom Vierfüßlerstand zum Halbkniestand; Reziprokes Krabbeln | |
| BAUCHLAGE | Kreisrutschen („Pivoting“) in Bauchlage | ||
| SITZEN | Gewichtsverlagerung; Vertikale Aufrichtung; Schutzreaktionen;
Knien mit Unterstützung |
Sitzen ohne Unterstützung; Schmalere Unterstützungsfläche | Vom Sitzen in die Bauchlage; Vom Sitzen in den Vierfüßlerstand; Gewichtsverlagerung, um nach Spielzeug zu greifen |
| STEHEN | Hochziehen in den Stand; Zehenstand mit Hilfestellung |
| ALLGEMEIN | 11 MONATE | 12 MONATE | 13 MONATE | 14 MONATE | |
|---|---|---|---|---|---|
| ALLE POSITIONEN | Mehr dynamische Kontrolle; Gute Rumpf- und Beckenkontrolle; Reziproke Bewegung der Extremitäten;
Reziprokes Krabbeln ist schneller und effizienter |
Steht mit Unterstützung vom Boden auf; Gehen | |||
| SITZEN | Vom Ringsitz in den Seitsitz; Gewichtsverlagerung und Bewegung in und aus verschiedenen Positionen; V- und W-Sitz | Stellreaktionen | |||
| HALBKNIESTAND | Aufrechterer Rumpf; Stabiler; Hand unterstützt an höherer Fläche | ||||
| STEHEN | Statisches Stehen; Stehen mit Rotation; Koaktivierung der Rumpfmuskulatur;
Stand mit einseitiger Unterstützung der oberen Extremität; Entlanghangeln an Gegenständen („cruising“) Modifizierte Hocke |
Stehen ohne Unterstützung der oberen Extremitäten | |||
| GEHEN | Gehen mit Hilfestellung an den Händen | Stufen steigen; Hände anfangs hoch |
Die folgenden Listen bieten eine Zusammenfassung der motorischen Meilensteine in verschiedenen Positionen. Es wird auch der durchschnittliche Zeitrahmen für den Erwerb dieser Fertigkeiten angegeben.(6)