Die distale Strecksehnenruptur am Finger ist bekannt unter den Begriffen „Hammerfinger“ oder „Mallet-Finger“.
Sie führt dazu, dass das distale Interphalangealgelenk (DIP-Gelenk) nicht mehr aktiv gestreckt werden kann (aktives Extensionsdefizit / „extensor lag“).
Der Hammerfinger wird benannt nach der resultierenden Flexionsdeformität der Fingerspitze, die an einen Hammer (engl. „mallet“) erinnert.(1) Der Verletzungsmechanismus ist meist die gewaltsame Beugung (Hyperflexion) im DIP-Gelenk. Liegt ein knöcherner Ausriss der Strecksehne vor, wird die Bezeichnung „Mallet-Läsion“ oder „Mallet-Fraktur“ verwendet.(1) Am häufigsten sind der Mittelfinger und der Ringfinger betroffen, während Daumen und Zeigefinger am seltensten betroffen sind.(2)
Verletzungen der distalen Strecksehne werden am besten von einem multidisziplinären Team behandelt, da die ideale Behandlung bisher nur unzureichend erforscht ist. Die konservative Behandlung mit einer Schiene wird bei leichten Verletzungen oft bevorzugt, wobei die Ergebnisse unklar sind. Eine Operation kann ebenfalls durchgeführt werden, aber die Ergebnisse sind nicht optimal.(1)
Die Strecksehnen strecken die Finger und den Daumen durch eine sehr komplexe Anordnung. Der Streckapparat ist ein Sehnengeflecht mit einer aponeurotischen Hülle. Die Strecksehnen befinden sich im dorsalen Bereich der Hand und der Finger. Die Funktion dieser Sehnen besteht in der Dorsalextension des Handgelenks und der Extension der Finger.(3)
Bei einem Hammerfinger ist die distale Strecksehne gerissen. Der Riss entsteht, wenn die distale Phalanx eines Fingers während einer aktiven Extension in die Flexion forciert wird, z. B. bei Ballsportarten, wenn ein Ball auf die Fingerspitze eines ausgestreckten Fingers trifft. Die extrinsische Strecksehne hat ihren Ursprung im Unterarm und verläuft über das Metacarpophalangealgelenk (MCP-Gelenk), wobei sie indirekt an der proximalen Phalanx und schließlich an der distalen Phalanx ansetzt. Diese Sehnen sind für die Extension der Finger verantwortlich. Die erzwungene Flexion überfordert den Streckapparat an seinem schwächsten Punkt – dem Ansatz an der distalen Phalanx des Fingers. Eine sogenannte „Mallet-Läsion“ oder „Mallet-Fraktur“ tritt auf, wenn das Trauma eine Abrissfraktur der distalen Phalanx verursacht.(1) Die derzeitige Evidenz spricht für das konservative Management, aber Verletzungen müssen rechtzeitig behandelt werden, um schlechte Ergebnisse zu vermeiden.(4)
Distale Strecksehnenverletzungen, wie z. B. der Hammerfinger, sind keine Seltenheit. Distale Strecksehnenverletzungen, wie z. B. der Hammerfinger, machen 5,6 % der Verletzungen an Hand und Handgelenk aus.(5) Distale Strecksehnenrupturen treten in der Regel am Arbeitsplatz oder bei sportlichen Aktivitäten auf,(1) wobei häufig Männer im jungen bis mittleren Alter und gelegentlich auch ältere Frauen betroffen sind. Das Durchschnittsalter von Männern mit einem Hammerfinger liegt bei 34 Jahren. Das Durchschnittsalter der Frauen liegt bei 41 Jahren.(4)
Diese Verletzungen treten häufiger bei Ballsportarten auf, wenn der Ball auf die Fingerspitze eines ausgestreckten Fingers trifft. Distale Strecksehnenverletzungen können auch bei geringerer Krafteinwirkung auftreten – beispielsweise wenn eine ältere Person sich bei alltäglichen Verrichtungen wie dem Hochziehen von Socken oder dem Beziehen von Bettlaken den Finger „einklemmt“.(4) Sie betreffen am häufigsten den Mittelfinger sowie den Ringfinger der dominanten Hand.(6)
Im Jahr 2018 wurde eine systematische Überprüfung (qualitativ hochwertige Evidenz) durchgeführt, um die therapeutischen Interventionen bei einem Hammerfinger zu bewerten. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass sowohl die chirurgische als auch die konservative Behandlung zu guten Ergebnissen führt und die Wahl der Behandlungsmethode auf jeden Patienten individuell abgestimmt werden sollte.(8)(9)
Die Maßanfertigung einer Schiene durch einen erfahrenen Therapeuten wird als Goldstandard für den Hammerfinger angesehen.(10) Im Allgemeinen wird eine Schiene 6–8 Wochen lang rund um die Uhr getragen. Danach kann mit Übungen begonnen werden, um die Bewegung im DIP-Gelenk allmählich zu steigern. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Tragezeit der Schiene schrittweise reduziert werden. In der Regel dauert es etwa weitere 3–4 Wochen, bis die maximale Beweglichkeit und Kraft des Fingers nach der Phase der Ruhigstellung wiederhergestellt ist.
Die nichtoperative Behandlung des Hammerfingers(11) umfasst meistens das konsequente Tragen einer Schiene 24 Stunden am Tag für etwa 6 Wochen, gefolgt von weiteren 6 Wochen mit nächtlicher Anwendung der Schiene. In der Regel führt dies zu einer zufriedenstellenden Heilung und ermöglicht die Wiederherstellung der aktiven Extension des Fingers.(12) Eine sorgfältige Patientenedukation ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass der Patient die Notwendigkeit der konsequenten Anwendung der Schiene versteht.(4)
Das kontinuierliche Tragen der Schiene in den ersten 6 Wochen ist der Schlüssel zum Behandlungserfolg. Besondere Vorsicht gilt dem Ausziehen der Schiene während der Hautpflege, um jegliche DIP-Flexion zu vermeiden. Wenn beim Entfernen der Schiene das DIP-Gelenk gebeugt wird, wird die Behandlung unterbrochen und muss von vorne beginnen. Die Schiene muss immer angelegt bleiben, auch unter der Dusche.
Die Schiene sollte das DIP-Gelenk in voller Extension halten und die Enden der Sehne so gut wie möglich annähern. Während der Heilung bildet sich eine Narbe, die die Kontinuität der Sehne wiederherstellt. Wenn die Sehne fest genug ist, um die Fingerspitze zu strecken, wird ein Zeitplan für die schrittweise Entwöhnung von der Schiene erstellt. Wenn der Patient mit der Schiene wieder Sport treiben möchte, muss er darüber aufgeklärt werden, dass er sie mit Sporttape fest umwickeln muss, um zu vermeiden, dass sie sich lockert bzw. abfällt.(7)
Es gibt verschiedene Schienen, die so konzipiert sind, dass sie leicht zu tragen sind. In einigen extremen Fällen, in denen der Patient seine Hände benutzen muss, um weiterarbeiten zu können (z. B. ein Chirurg), kann eine operative Fixation beider Phalangen durch das DIP-Gelenk hindurch als „interne Schienung“ eingesetzt werden. Dadurch können die Patienten ihre Hand weiterhin benutzen. Die Osteosynthese (Draht oder transossäre Naht, seltener Schraube oder Hakenplatte) wird nach 6 Wochen entfernt.
Eine Schienenversorgung kann selbst zu einem späteren Zeitpunkt (chronische Fälle) noch sinnvoll sein und Erfolg haben. In diesem Fall sollte der Finger etwa 8 bis 12 Wochen lang geschient werden, um zu sehen, ob der Hammerfinger auf ein akzeptables Maß zurückgeht, bevor eine Operation in Betracht gezogen wird.(14) Bei längerer Anwendung einer Schiene kann es zu Hautschädigungen kommen. Es ist wichtig, dies zu überwachen und möglicherweise eine neue oder andere Schiene zu empfehlen, um Komplikationen zu vermeiden.
Die umliegenden Gelenke können durch die längere Schienentherapie des DIP-Gelenks steif werden. Entwerfen Sie ein Übungsprogramm zur Erhaltung der Beweglichkeit der Finger und zur Reduzierung der Gelenksteifigkeit.
Die folgenden Videos zeigen, wie ein Hammerfinger nach dem Entfernen der Schiene mit Tape versorgt wird.
Ein chirurgischer Eingriff zur Reparatur einer distalen Strecksehnenruptur ist bei großem knöchernem Ausriss, Luxation bzw. Subluxation sowie bei offenen Verletzungen erforderlich.(7) Die Rehabilitation nach einer Hammerfinger-Operation konzentriert sich hauptsächlich darauf, die umliegenden Gelenke beweglich zu halten und Steifigkeit durch Nichtgebrauch zu verhindern.
Lin et al (2018)(8) berichteten, dass das durchschnittliche aktive Extensionsdefizit („extensor lag“) nach chirurgischer Behandlung 5,7° und nach konservativer Behandlung 7,6° beträgt. Es ist wichtig, dies in die Patientenedukation einzubeziehen, da es zu einer realistischen Erwartung an die Behandlungsergebnisse beiträgt.(8)
Zu den Komplikationen, die sowohl nach konservativer als auch nach chirurgischer Behandlung von distalen Strecksehnenrupturen auftreten können, gehört ein verbleibendes aktives Extensionsdefizit, das bei der körperlichen Untersuchung festgestellt werden kann. Auch eine Schwanenhalsdeformität kann sich entwickeln, wenn ein Ungleichgewicht der Zugkräfte nach unzureichender Behandlung einer Strecksehnenruptur zur abnormalen DIP-Flexion mit PIP-Hyperextension führt.