Häufige Frakturtypen in der Rehabilitation

Originale Autorin Stacy Schiurring

Top-BeitragendeStacy Schiurring und Ewa Jaraczewska

Weltweite Prävalenz von Frakturen (edit | edit source)

Frakturen stellen eine erhebliche globale Gesundheitsbelastung dar. Im Jahr 2019 gab es weltweit schätzungsweise 455 Millionen Prävalenzfälle mit akuten oder langfristigen Symptomen im Zusammenhang mit Frakturen. Osteoporose allein verursacht jährlich mehr als 8,9 Millionen Frakturen, was einer Fraktur alle drei Sekunden entspricht.(1) Obwohl die altersstandardisierten Frakturraten von 1990 bis 2019 weltweit leicht zurückgegangen sind, ist die absolute Zahl der Frakturen aufgrund des Bevölkerungswachstums und der demografischen Alterung erheblich gestiegen.(2)

In der Rehabilitationgehören distale Radiusfrakturen, Hüftfrakturen, Kompessionsfrakturen der Wirbelkörper und Sprunggelenksfrakturen zu den am häufigsten anzutreffenden Frakturtypen. Allein Wirbelbrüche treten weltweit etwa alle 22 Sekunden bei Personen über 50 Jahren auf.(2) Für Rehabilitationsfachleute ist das Verständnis der Epidemiologie, der Mechanismen und der Behandlungsstrategien für diese häufigen Frakturtypen unabdingbar, um eine evidenzbasierte Versorgung zu gewährleisten und die funktionellen Ergebnisse für die verschiedenen Patientengruppen zu optimieren.

Frakturmechanismen (edit | edit source)

Traumatisch bedingte Frakturen. Hochenergetische Mechanismen wie Autounfälle, Stürze aus großer Höhe, Sportverletzungen und physische Gewalt (direkte Schläge) sind für die meisten Frakturen in jüngeren Bevölkerungsgruppen verantwortlich. Straßenverkehrsunfälle sind für etwa ein Drittel der verletzungsbedingten Todesfälle weltweit verantwortlich, wobei Frakturen einen wesentlichen Anteil der Traumata ausmachen. Sportbedingte Frakturen zeigen sportartspezifische Muster, wobei Kontaktsportarten eine höhere Rate an akuten Frakturen durch direkte Aufprallmechanismen aufweisen.(3)

Osteoporose und Fragilitätsfrakturen. Fragilitätsfrakturen entstehen durch ein Trauma mit geringer Energie, wie z. B. einen Sturz aus Standhöhe oder weniger, und sind die wichtigste klinische Folge der Osteoporose. Fragilitätsfrakturen der Hüfte und der Wirbelsäule sind mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität bei älteren Erwachsenen, insbesondere bei über 65-Jährigen, verbunden.(4) Aufgrund der Alterung der Bevölkerung und veränderter Lebensgewohnheiten ist die Prävalenz von Osteoporose deutlich gestiegen und wird weiter zunehmen.(2) Pathologische Frakturen entstehen durch geschwächte Knochen aufgrund von Erkrankungen wie Malignomen, Knochenstöffwechselerkrankungen oder Infektionen, wobei bereits minimale Kräfte ausreichen, um ein Versagen der Knochenstruktur zu verursachen.(5)

Überlastung und repetitive Belastung. Stressfrakturen sind Ausdruck der Unfähigkeit des Skeletts, wiederholten mechanischen Belastungen standzuhalten, was zu struktureller Ermüdung mit lokalen Schmerzen und Druckempfindlichkeit führt. Risikofaktoren umfassen sowohl extrinsische Elemente (Trainingsintensität, Ausrüstung, Umgebung) als auch intrinsische Faktoren (Knochendichte, Biomechanik, Hormonstatus). Diese sind besonders häufig bei militärischen Rekruten, Läufern und Tänzern.(6)

Optionale Lektüre: Bevor Sie sich über spezifische Frakturen und aktuell empfohlene Interventionen informieren, lesen Sie bitte diesen Artikel über die verschiedenen Vorsichtsmaßnahmen und Vorgaben für die Gewichtsbelastung.

Frakturen der oberen Extremität (edit | edit source)

Proximale Frakturen der oberen Extremität (edit | edit source)

Röntgenbild einer schweren Klavikulafraktur

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Röntgenbild einer proximalen Humerusfraktur

Proximale Humerusfrakturen treten tendenziell in zwei unterschiedlichen Mustern hinsichtlich Mechanismus und Patientendemografie auf. Zum einen sind diese Frakturen bei älteren Menschen überwiegend auf Traumata mit geringer Energie zurückzuführen, insbesondere Stürze aus Standhöhe, wobei eine deutliche saisonale Schwankung mit erhöhter Inzidenz in den Wintermonaten zu beobachten ist. Zum anderen erleiden jüngere Erwachsene diese Verletzungen typischerweise durch hochenergetische Mechanismen, darunter Verkehrsunfälle, Stürze aus großer Höhe und sportbedingte Traumata. Die Patientengruppe ist durch einen ausgeprägten Frauenanteil (77 %) gekennzeichnet, mit einer Spitzeninzidenz bei Frauen im Alter von 80-89 Jahren, obwohl das bimodale Muster bedeutet, dass auch jüngere Erwachsene signifikant betroffen sind. Diese Frakturen machen 5-6 % aller Frakturen bei Erwachsenen aus.(9)

Die Behandlungsansätze variieren je nach Frakturmuster und Patientenfaktoren erheblich. Eine konservative Behandlung durch Ruhigstellung mittels Schlinge ist in 80–85 % der Fälle weiterhin angemessen, insbesondere bei minimaler Dislozierung. Die Operationsraten unterscheiden sich jedoch deutlich zwischen den verschiedenen Traumatypen: 43,5 % der Hochenergiefrakturen erfordern eine operative Therapie, verglichen mit 18,7 % der Niedrigenergiefrakturen. Zu den chirurgischen Optionen gehören die intramedulläre Nagelung bei Schaftfrakturen, die offene Reposition und interne Fixation (ORIF) bei komplexeren Fällen und arthroplastische Verfahren (Hemiarthroplastik oder inverse Schulterprothese) bei schweren Trümmerbrüchen oder verschobenen Frakturen bei älteren Patienten. Die frühfunktionelle Mobilisation ist unabhängig von der Behandlungsmethode entscheidend, um die erhebliche Schultersteife zu verhindern, die die Genesung erschweren kann.(9)

Distale Radiusfrakturen (edit | edit source)

Röntgenbild einer Colles-Fraktur

Die Colles-Fraktur ist eine der häufigsten Verletzungen der oberen Extremität und entsteht typischerweise durch einen Sturz auf den ausgestreckten Arm bei Dorsalextension des Handgelenks. Dieser Mechanismus führt zu der charakteristischen dorsalen Abkippung und Dislozierung des distalen Radiusfragments. Das Frakturmuster tritt besonders häufig bei osteoporotischen Knochen auf, was die zugrunde liegende Knochenqualität bei vielen betroffenen Patienten widerspiegelt. Die demografischen Daten der Patienten zeigen eine klare Verteilung in zwei Richtungen, wobei postmenopausale Frauen im Alter von 60-70 Jahren die Gruppe der Fragilitätsfrakturen repräsentieren, während junge Erwachsene im Alter von 20-40 Jahren diese Verletzungen durch energiereiche Traumata erleiden. Colles-Frakturen machen 10-25 % aller Frakturen bei Erwachsenen aus.(10)

Die Behandlungsentscheidungen werden primär durch Frakturstabilität und Dislokation geleitet. Stabile, minimal dislozierte Frakturen sprechen gut auf geschlossene Reposition und Gipsruhigstellung an, während instabile Frakturen zur Aufrechterhaltung der Reposition eine perkutane Spickung erfordern können. Komplexe oder instabile Frakturen, insbesondere solche mit intraartikulärer Beteiligung, erfordern in der Regel eine Offene Reposition und Interne Fixation (ORIF) unter Verwendung einer winkelstabilen volaren Plattenosteosynthese, die zum Goldstandard für die chirurgische Behandlung geworden sind. Schwere Trümmerfrakturen können eine externe Fixation erfordern, insbesondere wenn ein erheblicher Knochenverlust oder eine Weichteilverletzung das klinische Bild verkompliziert.(10)(11)

Röntgenbild einer Smith-Fraktur

Die Smith-Fraktur (auch bekannt als umgekehrte Colles-Fraktur oder Goyrand-Smith-Fraktur) entsteht durch deutlich unterschiedliche Mechanismen wie Stürze auf ein volarflektiertes Handgelenk oder direkte dorsale Schläge auf das Handgelenk. Dieser Mechanismus führt zu einer volaren Verschiebung des distalen Radiusfragments, wodurch ein von Natur aus instabiles Frakturmuster entsteht. Im Gegensatz zu Colles-Frakturen weisen Smith-Frakturen eine weniger altersspezifische Verteilung auf und betreffen beide Geschlechter in gleichem Maße, obwohl sie nach wie vor häufiger bei jungen Erwachsenen auftreten, die ein Trauma mit hoher Energie erleiden. Die relative Seltenheit im Vergleich zu Colles-Frakturen täuscht über ihre klinische Bedeutung hinweg, da sie oft größere Herausforderungen an die Behandlung stellen.(12)

Die inhärente Instabilität von Smith-Frakturen erfordert häufig einen chirurgischen Eingriff, wobei die geschlossene Reposition allein hohe Versagensraten aufweist. Die ORIF unter Verwendung einer winkelstabilen volaren Plattenosteosynthese ist mittlerweile der häufigste Behandlungsansatz. Sie bietet eine stabile Fixation, die eine frühfunktionelle Mobilisation ermöglicht. Das Frakturmuster erfordert in der Regel eine längere Ruhigstellung als bei Colles-Frakturen, und bei der Rehabilitation muss die stärkere Beteiligung der Weichteile berücksichtigt werden, die häufig mit diesen Verletzungen einhergeht.(12)

Frakturen des Handgelenks und der Hand (edit | edit source)

Röntgenbild einer Skaphoidfraktur

Skaphoidfrakturen (Kahnbeinbrüche) betreffen vorwiegend junge Männer im Alter von 15-40 Jahren. Sie machen 60 % aller Frakturen der Handwurzelknochen aus und treten am häufigsten im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt auf. Athleten, insbesondere solche, die Kontaktsportarten betreiben, stellen einen bedeutenden Teil dieser Patientengruppe dar. Der typische Mechanismus umfasst einen Sturz auf den ausgestreckten Arm mit dorsalextendierter und radial abduzierter Hand, wobei auch direkte Schläge auf den radialen Handgelenkbereich und Hyperextensionsverletzungen beim Sport zum Verletzungsmuster beitragen.(13)

Der Behandlungsansatz wird weitgehend von der Lage und der Verschiebung der Fraktur bestimmt. Nicht dislozierte Frakturen können konservativ mit einer Gipsruhigstellung für 8-12 Wochen behandelt werden, was allerdings eine sorgfältige Überwachung des Heilungsverlaufs erfordert. Dislozierte Frakturen mit mehr als 1 mm Verschiebung erfordern typischerweise eine chirurgische Fixation mit kopflosen Kompressionsschrauben. Das Skaphoid (Os scaphoideum) hat einen einzigartigen Verlauf der Blutversorgung: Die Blutversorgung erfolgt über einen Ast der A. radialis, der am distalen Pol des Knochens eintritt und dann retrograd nach proximal verläuft. Frakturen des proximalen Pols stellen aufgrund der retrograden Blutversorgung des Skaphoids eine besondere Herausforderung dar und erfordern oft einen chirurgischen Eingriff, selbst wenn sie nur minimal disloziert sind. Pseudarthrosen (Non-Union), die bei Skaphoidfrakturen häufiger auftreten als bei anderen karpalen Verletzungen, erfordern eine Knochentransplantation kombiniert mit interner Fixation, um eine Heilung zu erzielen.(13)

Das folgende optionale Video beschreibt kurz und prägnant die klinischen Auswirkungen der retrograden Blutversorgung des Skaphoids.

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Röntgenbild einer Radiusköpfchenfraktur

Radiusköpfchenfrakturen entstehen typischerweise durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand bei gebeugtem Ellbogen und proniertem Unterarm, was eine axiale Belastung durch den Radius erzeugt. Diese Verletzungen betreffen überwiegend Erwachsene im Alter von 30-50 Jahren, wobei Frauen leicht in der Überzahl sind. Sie gehen häufig mit Luxationen des Ellenbogens einher, was sowohl die Erstuntersuchung als auch die Behandlungsplanung erschwert. Nicht dislozierte Frakturen können mit frühfunktioneller Mobilisation und einer Schlinge behandelt werden, während dislozierte Frakturen je nach Frakturmuster und Patientenfaktoren entweder eine ORIF oder einen Radiuskopfersatz erfordern. Bei schweren Trümmerfrakturen kann eine Radiusköpfchenresektion oder eine Prothese erforderlich sein, insbesondere wenn eine Rekonstruktion nicht möglich ist.(15)

Arten von Mittelhandfrakturen

Mittelhandfrakturen, insbesondere Frakturen des fünften Mittelhandknochens (Os metatarsale V), allgemein als „Boxer-Frakturen“ bekannt, betreffen vorwiegend junge Männer im Alter von 20-40 Jahren durch direkte Traumamechanismen einschließlich Schlagverletzungen und Quetschkräften. Die Patientengruppe spiegelt häufig die Beteiligung an Auseinandersetzungen oder Kontaktsportarten wider, was sowohl das Verletzungsmuster als auch die anschließende Einhaltung der Behandlungsempfehlungen beeinflusst. Nicht dislozierte Frakturen sprechen gut auf eine Ruhigstellung in der Schiene an, während instabile oder stark dislozierte Frakturen einen chirurgischen Eingriff mittels K-Draht-Fixation oder ORIF erfordern, wobei eine frühfunktionelle Mobilisation eingeleitet wird, sobald die Frakturstabilität erreicht ist.(16)

Frakturen der unteren Extremität (edit | edit source)

Proximale Frakturen der unteren Extremität (edit | edit source)

Röntgenbild einer proximalen Femurfraktur

Proximale Femurfrakturen (Femurkopffraktur, Schenkelhalsfraktur, pertrochantäre Femurfraktur, intertrochantäre Femurfraktur und subtrochantäre Femurfraktur) sind eine der verheerendsten Folgen osteoporotischer Knochenerkrankungen und stellen weltweit ein großes Problem für die öffentliche Gesundheit mit einer hohen sozioökonomischen Belastung dar. Der Mechanismus besteht in erster Linie in einem Trauma mit geringer Energie bei älteren Menschen, wobei die meisten hüftgelenknahen Frakturen bei älteren Erwachsenen sturzbedingt sind. Stürze aus Standhöhe oder minimale Traumata reichen aus, um Frakturen bei osteoporotischen Knochen zu verursachen, während jüngere Patienten energiereiche Mechanismen wie Autounfälle oder schwere Stürze benötigen, um diese Verletzungen zu erleiden.(17)

Die Patientenpopulation weist klare demografische Muster auf, wobei die Inzidenz und die Anzahl der proximalen Femurfrakturen bei Patienten im Alter von 55 Jahren und älter in den letzten drei Jahrzehnten zugenommen haben, was darauf hindeutet, dass die globale Belastung durch diese Art von Fraktur weiterhin erheblich ist. Frauen sind aufgrund des postmenopausalen Knochenverlustes unverhältnismäßig stark betroffen, obwohl proximale Femurfrakturen bei Männern möglicherweise unterschätzt werden und älteren Erwachsenen größere Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. wobei Bewohner von Pflegeeinrichtungen aufgrund multipler Sturzrisikofaktoren und einer beeinträchtigten Knochengesundheit einem besonders erhöhten Risiko ausgesetzt sind.(17)

Bei der Therapie stehen frühzeitige chirurgische Eingriffe im Vordergrund, um die mit einer längeren Ruhigstellung verbundenen erheblichen Morbiditäts- und Mortalitätsraten zu senken. Insbesondere diese Art von Verletzung weist eine hohe Morbiditäts- und Mortalitätsrate auf, sodass chirurgische Eingriffe erforderlich sind, um diese Risiken zu verringern. Intrakapsuläre Frakturen können bei jüngeren Patienten durch interne Fixation oder bei älteren Patienten mit schlechter Knochenqualität durch arthroplastische Verfahren (Hemiendoprothese oder totale Hüftendoprothese) behandelt werden. Extrakapsuläre Frakturen werden typischerweise je nach Frakturmuster und patientenspezifischen Faktoren mit intramedullären Nägeln oder dynamischen Hüftschrauben fixiert. Die postoperative Rehabilitation konzentriert sich auf Frühmobilisation, Strategien zur Sturzprävention und eine umfassende Optimierung der Knochengesundheit einschließlich der Osteoporosebehandlung.(18)

Optionale Lektüre: Bitte lesen Sie diesen Artikel über Vorsichtsmaßnahmen nach einer Hüft-TEP

Röntgenbild einer Femurschaftfraktur

Femurschaftfrakturen entstehen typischerweise durch energiereiche Mechanismen bei jungen Erwachsenen oder durch Stürze mit geringer Energie bei älteren Patienten mit osteoporotischen Knochen. Die Behandlung erfordert fast immer eine intramedulläre Nagelung, um Länge, Ausrichtung und Rotation wiederherzustellen und gleichzeitig eine frühe Mobilisation zu ermöglichen. Die demografischen Daten der Patienten spiegeln eine ähnliche Verteilung wie bei anderen Frakturen wider, obwohl die hochenergetische Natur bedeutet, dass jüngere Erwachsene überwiegen.(19)

Röntgenbild einer Patellafraktur

Patellafrakturen entstehen in der Regel durch ein direktes Trauma auf das vordere Knies, z. B. durch Verletzungen am Armaturenbrett (Dashboard-Verletzung) bei einem Autounfall oder durch einen Sturz direkt auf die Kniescheibe. Indirekte Mechanismen umfassen eine starke Kontraktion des M. quadriceps femoris gegen Widerstand, die durch die exzentrische Muskelbelastung eine Querfraktur verursacht. Das Frakturmuster hat einen erheblichen Einfluss auf die Behandlungsentscheidungen, wobei Querfrakturen ein größeres Dislokationspotenzial haben als vertikale oder Trümmerfrakturen.(20)

Zur Patientengruppe gehören jüngere Erwachsene, die an hochenergetischen Traumata beteiligt sind, sowie ältere Erwachsene, die sich durch Stürze Frakturen zuziehen. Sportler können sich Patellafrakturen durch Sprungsportarten oder direkte Kontaktverletzungen zuziehen. Die selteneren Patella-Stressfrakturen können quer oder vertikal verlaufen, wobei Querfrakturen ein höheres Dislokationsrisiko bergen und häufig eine Ruhigstellung oder chirurgische Fixierung erfordern.

Die Behandlung hängt von der Frakturverschiebung und dem Frakturmuster ab. Nicht dislozierte Frakturen können konservativ mit einem Zylinderverband und frühzeitigen Übungen behandelt werden, während dislozierte Frakturen einen chirurgischen Eingriff erfordern, um die Patellaausrichtung wiederherzustellen und die Quadrizepsfunktion zu erhalten. Die Zuggurtungsosteosynthese ist nach wie vor der Goldstandard bei Querfrakturen, obwohl bei stark zertrümmerten Frakturen in extremen Fällen eine partielle oder totale Patellektomie erforderlich sein kann.(20)

Distale Frakturen der unteren Extremität (edit | edit source)

Röntgenbild einer Fibulafraktur

Zahlreiche Faktoren tragen zur Entstehung von Fibulafrakturen bei, darunter Veränderungen im sportlichen Training, spezifische anatomische Merkmale, verminderte Knochendichte und Krankheiten. Mechanismen reichen von direktem Trauma am lateralen Unterschenkel bis zu indirekten Rotationskräften, die über das Sprunggelenk übertragen werden. Fibulafrakturen treten manchmal bei schweren Sprunggelenksdistorsionen auf, und die Fraktur kann überall entlang der Fibula auftreten. Isolierte Fibulaschaftfrakturen können durch direkte Schläge bei Kontaktsportarten oder Verkehrsunfällen entstehen, während Frakturen der distalen Fibula typischerweise durch Mechanismen von Sprunggelenkverletzungen verursacht werden.(21)

Die Patientenpopulationen variieren erheblich je nach Frakturort und -mechanismus. Proximale Fibulafrakturen betreffen häufig ältere Erwachsene infolge von Stürzen oder jüngere Personen aufgrund von Sportverletzungen, während distale Fibulafrakturen als Teil von Sprunggelenkverletzungen die zuvor beschriebenen demografischen Muster aufweisen. Isolierte Fibulaschaftfrakturen treten häufiger bei aktiven Personen auf, die Kontaktsportarten ausüben oder in traumatische Unfälle verwickelt sind.

Die Behandlung hängt von Frakturlokalisation, Dislokation und Begleitverletzungen ab. Isolierte, nicht dislozierte Fibulaschaftfrakturen können konservativ mit Belastung bis zur Schmerzgrenze behandelt werden, da durch die Fibula im Vergleich zur Tibia nur eine minimale Belastung übertragen wird. Dislozierte Frakturen oder solche, die mit einer Sprunggelenkinstabilität einhergehen, erfordern jedoch eine chirurgische Fixation, um Länge und Ausrichtung wiederherzustellen. Distale Fibulafrakturen, die Teil von Sprunggelenkverletzungen sind, folgen den für Sprunggelenkfrakturen dargelegten Behandlungsprinzipien, wobei in der Regel ein chirurgischer Eingriff erforderlich ist, um die Sprunggelenkgabel wiederherzustellen.(21)

Röntgenbild einer Tibiakopffraktur

Tibiakopffrakturen (Frakturen des Tibiaplateaus) entstehen durch axiale Belastungen in Kombination mit Valgus- oder Varus-Belastungen, wie sie häufig bei Autounfällen, Stürzen aus großer Höhe oder energiereichen Sportverletzungen auftreten. Der Mechanismus besteht typischerweise in einer Kompression des Femurkondylus gegen das Tibiaplateau, wodurch Depressions- oder Meißelfrakturen entstehen. Mechanismen mit geringer Energie können bei älteren Patienten mit osteoporotischem Knochen zu signifikanten Frakturen bei minimalem Trauma führen, wobei insbesondere das laterale Plateau betroffen ist, das bei der normalen Fortbewegung größere Belastungen trägt.(22)

Die Patientendemografie zeigt eine bimodale Verteilung ähnlich wie bei anderen Frakturen, wobei hochenergetische Traumata jüngere Erwachsene (typischerweise im Alter von 20 bis 40 Jahren) betreffen und Mechanismen mit geringer Energie Frakturen bei älteren Erwachsenen über 60 Jahren verursachen. Obwohl minimale Tibiakopffrakturen ohne Begleitverletzungen sicher nichtoperativ behandelt werden können, erfordert diese Verletzung in der Regel eine operative Versorgung. Die Komplexität dieser Frakturen hängt oft mit begleitenden Weichteilverletzungen zusammen, darunter Meniskusrisse, Bänderrisse und Gefäßschäden.

Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf der Wiederherstellung der Gelenkkongruenz und -stabilität, um die Entwicklung einer posttraumatischen Arthrose zu verhindern. Ziel der Therapie ist es, die Fraktur zu reponieren und eine frühe Mobilisation einzuleiten, wobei die ORIF der derzeitige Goldstandard ist. Die konservative Behandlung ist nicht dislozierten Frakturen bei älteren Patienten mit erheblichen medizinischen Komorbiditäten vorbehalten. Zu den chirurgischen Ansätzen können perkutane Techniken bei einfachen Frakturmustern oder eine formelle offene Reposition mit Knochentransplantation bei komplexen Impressionsfrakturen gehören. Wird die Extremität des Patienten über einen längeren Zeitraum ruhiggestellt (>3 Wochen), erreicht das Gelenk nicht wieder das volle Bewegungsausmaß, was die Bedeutung der Frühmobilisation unterstreicht.(22)

Tibiaschaftfrakturen weisen unterschiedliche Mechanismen auf, von hochenergetischen Traumata bis hin zu Stressfrakturen bei Sportlern. Die Behandlung reicht von einer konservativen Therapie bei stabilen Frakturmustern bis hin zu chirurgischen Eingriffen mit intramedullärer Nagelung oder Plattenosteosynthese bei dislozierten oder instabilen Frakturen. Die unmittelbare subkutane Lage der Tibia stellt besondere Herausforderungen hinsichtlich der Wundheilung und des Infektionsrisikos dar.(23)

Frakturen des Fußes und des Sprunggelenks sowie damit verbundene Bandverletzungen (edit | edit source)

Röntgenbild einer Sprunggelenkfraktur

Sprunggelenkfrakturen sind häufige Verletzungen, die durch eine Vielzahl von Mechanismen verursacht werden, von banalen Verdrehungen bei gebrechlichen Erwachsenen bis hin zu hochenergetischen Traumata bei jungen Menschen. Der Mechanismus beinhaltet oft Rotationskräfte, die auf einen feststehenden Fuß einwirken, was zu Verletzungsmustern führt, bei denen häufig Frakturen und Bänderverletzungen zusammen auftreten. Verletzungen durch Außenrotation können zu Frakturen des Außenknöchels mit einer Ruptur des Lig. deltoideum führen, während Eversionsmechanismen Frakturen des Innenknöchels mit einer Verletzung des lateralen Bandkomplexes verursachen können.(24) Forschungen deuten auf eine Inzidenzrate von Sprunggelenkfrakturen von 4,22/10.000 Personenjahren.(25)

Das Verständnis des Zusammenhangs zwischen Sprunggelenkfrakturen und Bandverletzungen ist für Rehabilitationsfachleute von entscheidender Bedeutung, da die Stabilität des Sprunggelenks sowohl von knöchernen als auch von ligamentären Strukturen abhängt. Syndesmoseverletzungen können mit Frakturen des Sprunggelenks einhergehen, insbesondere bei Mechanismen der Außenrotation. Der Verletzungsmechanismus einer Syndesmoseverletzung kann eine Außenrotation des Fußes, eine Eversion des Talus und eine übermäßige Dorsalextension umfassen. Reine Bandverletzungen (Sprunggelenkdistorsionen) weisen ähnliche Mechanismen auf, treten jedoch auf, wenn die ausgeübte Kraft nicht ausreicht, um eine Fraktur zu verursachen, oder wenn das Band vor dem Knochen versagt.(26)

Die Behandlung von Sprunggelenkfrakturen zielt darauf ab, die Ausrichtung und Stabilität des Gelenks wiederherzustellen, um das Risiko einer posttraumatischen Sprunggelenkarthrose zu verringern. Stabile, minimal dislozierte Frakturen können konservativ durch Ruhigstellung behandelt werden, während instabile Frakturmuster eine chirurgische Versorgung mit Platten und Schrauben erfordern. Das Vorliegen einer begleitenden Bandverletzung beeinflusst die Behandlungsentscheidungen und die Nachbehandlung in der Rehabilitation, da die Heilung von Bändern in der Regel längere Schutzphasen erfordert als die Knochenheilung. Sprunggelenksluxationsfrakturen sind chirurgische Notfälle, die eine sofortige Reposition und Fixierung erfordern, um Weichteilkomplikationen zu vermeiden.(26)

Röntgenbild einer Talusfraktur

Talusfrakturen sind schwerwiegende Verletzungen, die typischerweise durch hochenergetische axiale Belastungen entstehen. Verkehrsunfälle, Stürze aus großer Höhe und Unfälle beim Snowboarden stellen die häufigsten Ursachen dar. Der Mechanismus beinhaltet oft eine erzwungene Dorsalextension des Fußes gegen einen festen Gegenstand, wodurch Frakturen durch den Talushals entstehen, der die häufigste Lokalisation darstellt. Der Talus verfügt über eine prekäre Blutversorgung mit mehreren vaskulären Wasserscheiden, wodurch diese Frakturen anfällig für Komplikationen wie avaskuläre Nekrose und Non-Union sind.(27)

Die Patientendemografie spiegelt den hochenergetischen Charakter der meisten Talusfrakturen wider, wobei junge bis mittelalte Erwachsene am häufigsten betroffen sind. Männer sind aufgrund ihrer stärkeren Beteiligung an risikoreichen Aktivitäten und Berufen überproportional vertreten. Die Lage der Fraktur innerhalb des Talus (Hals, Körper oder Kopf) beeinflusst sowohl die Behandlung als auch die Prognose, wobei Frakturen des Talushalses am häufigsten vorkommen, aber auch das höchste Risiko einer avaskulären Nekrose bergen.

Die Behandlung erfordert eine dringende anatomische Reposition und eine stabile Fixierung, um Komplikationen zu minimieren. Nicht dislozierte Talushalsfrakturen können durch eine entlastende Ruhigstellung behandelt werden, doch erfordern die meisten einen chirurgischen Eingriff mit Schraubenfixierung. Dislozierte Frakturen stellen orthopädische Notfälle dar, die eine sofortige Reposition erfordern, um eine Hautnekrose zu verhindern und die Durchblutung zu optimieren. Die postoperative Behandlung beinhaltet eine längere Zeit der Entlastung (oft 8-12 Wochen) wegen des Risikos einer avaskulären Nekrose und eines Kollapses.(27)

Röntgenbild einer Kalkaneusfraktur

Kalkaneusfrakturen (Fersenbeinfrakturen) resultieren in der Regel aus axialen Belastungsmechanismen wie Stürzen aus großer Höhe und betreffen vorwiegend junge bis mittelalte Männer im beruflichen oder Freizeitbereich. Diese komplexen Frakturen erfordern häufig eine chirurgische Rekonstruktion, um die Fersenausrichtung und die Kongruenz des subtalaren Gelenks wiederherzustellen, wobei die Rehabilitationsdauer aufgrund der Belastungseinschränkungen für den Kalkaneus lang ist.(28)

Röntgenbild einer Fraktur des 5. Mittelfußknochens

Stressfrakturen der Mittelfußknochen sind Überlastungsverletzungen, die durch repetitive Belastungen entstehen, welche die Anpassungsfähigkeit des Knochens übersteigen. Der Mechanismus beruht auf kumulativen Mikrotraumata, die durch Aktivitäten wie Laufen, Tanzen oder militärisches Training verursacht werden, wobei der zweite und dritte Mittelfußknochen aufgrund ihrer Rolle in der Stand- und Abstoßphasen des Gangzyklus am häufigsten betroffen sind. Zu den Risikofaktoren gehören Trainingsfehler, biomechanische Anomalien, Ernährungsmängel und hormonelle Faktoren, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen.(29)

Die Patientenpopulation besteht vor allem aus Sportlern, Rekruten und Personen, die Aktivitäten mit hoher Belastung ausüben. Bei weiblichen Sportlern ist die Inzidenzrate höher, was auf Faktoren wie eine geringere Knochendichte, Ernährungsprobleme und hormonelle Einflüsse auf die Knochengesundheit zurückzuführen ist. Läufer, Balletttänzer und Basketballspieler stellen aufgrund der repetitiven Belastung des Vorfußes bei ihren Aktivitäten eine Hochrisikogruppe dar.(29)

Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf der Modifizierung von Aktivitäten und der schrittweisen Rückkehr zum Sport. Stressreaktionen im Frühstadium können auf relative Ruhe und Cross-Training ansprechen, während etablierte Frakturen typischerweise 6-8 Wochen modifizierte Belastung erfordern. Komplette Frakturen oder solche an Hochrisikostellen (Basis des fünften Mittelfußknochens, Navikulare) erfordern möglicherweise einen chirurgischen Eingriff mit interner Fixation. Präventionsstrategien konzentrieren sich auf eine angemessene Trainingsprogression, eine biomechanische Analyse und die Behandlung veränderbarer Risikofaktoren, einschließlich Ernährung und Knochengesundheit.(30)

Wirbelsäulenfrakturen (edit | edit source)

Um mehr über die auf dieser Seite verwendete AO-Klassifikation zu erfahren, besuchen Sie bitte diese Website. Das folgende optionale Video erklärt die AO-Klassifikation und die verschiedenen Arten von Wirbelsäulenfrakturen näher.

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Thorakolumbale Kompressionsfrakturen stellen die häufigsten osteoporotischen Frakturen dar und sind weltweit eine große klinische und gesundheitspolitische Herausforderung. Diese Frakturen treten typischerweise aufgrund eines biomechanischen Versagens unter axialer oder kompressiver Belastung auf. Sie betreffen vorwiegend die vordere Säule des Wirbelkörpers und führen in der Regel zu einer charakteristischen keilförmigen Deformität. Der Mechanismus beinhaltet Flexions-Kompressionskräfte, die die Fähigkeit des Knochens, axialen Belastungen standzuhalten, übersteigen. Der vordere Teil des Wirbelkörpers kollabiert, während die hinteren Elemente intakt bleiben. Bei osteoporotischen Patienten können minimale Traumata wie Husten, Niesen oder das Heben leichter Gegenstände ausreichen, um eine Fraktur zu verursachen, während bei jüngeren Patienten in der Regel energiereichere Mechanismen wie Stürze aus der Höhe oder Autounfälle erforderlich sind.(32)

Die Patientengruppe weist eine starke Dominanz älterer Personen auf, insbesondere von postmenopausalen Frauen über 65 Jahren, bei denen Osteoporose die Knochendichte und -festigkeit erheblich verringert. Kompressionsfrakturen/A-Frakturen nach AO machen 33,60 % (±15,10) der thorakolumbalen Frakturen aus und sind damit das zweithäufigste thorakolumbale Verletzungsmuster. Der thorakolumbale Übergang (T12-L2) ist aufgrund des Übergangs von der starren Brustwirbelsäule zur beweglicheren Lendenwirbelsäule die häufigste Lokalisation solcher Frakturen, da er einen biomechanischen Belastungsschwerpunkt darstellt.(33)

Der Behandlungsansatz wird weitgehend von der Stabilität der Fraktur, der neurologischen Beteiligung und den Patientenfaktoren bestimmt. Die meisten stabilen Kompressionsfrakturen mit minimaler Deformität können konservativ mit Schmerzmanagement, Anpassung der Aktivitäten und gegebenenfalls einer Orthese behandelt werden. Eine fortschreitende kyphotische Deformität, starke Schmerzen oder neurologische Ausfälle können einen chirurgischen Eingriff mittels Vertebroplastie oder Kyphoplastie rechtfertigen, bei denen Zement in den frakturierten Wirbelkörper injiziert wird, um die Höhe wiederherzustellen und Schmerzlinderung zu erzielen. Schwere Fälle mit einer erheblichen Beeinträchtigung des Wirbelkanals erfordern unter Umständen eine chirurgische Dekompression oder Spondylodese (Versteifung), obwohl dies bei einfachen Kompressionsfrakturen selten ist.(32)

Mit 39,50 % (±16,30) der thorakolumbalen Frakturen sind Berstungsfrakturen/Typ A3 nach AO die häufigste Morphologie und stellen das am häufigsten anzutreffende traumatische Verletzungsmuster an der Wirbelsäule dar. Der Mechanismus beinhaltet eine energiereiche axiale Belastung, die ein Versagen sowohl der vorderen als auch der mittleren Säule der Wirbelsäule verursacht, was zu einer Zertrümmerung des Wirbelkörpers mit möglicher Retropulsion von Knochenfragmenten in den Wirbelkanal führt. Im Gegensatz zu Kompressionsfrakturen betreffen Berstungsfrakturen die hintere Kortikalis des Wirbelkörpers und können die Stabilität der Wirbelsäule durch die Unterbrechung der mittleren Säule beeinträchtigen.(34)

Die Patientendemografie spiegelt den hochenergetischen Charakter dieser Verletzungen wider, wobei junge bis mittelalte Erwachsene am häufigsten durch Kraftfahrzeugunfälle, Stürze aus erheblicher Höhe, Tauchunfälle oder Arbeitsunfälle betroffen sind. Männer sind aufgrund ihrer stärkeren Beteiligung an risikoreichen Aktivitäten und Berufen überproportional vertreten. Der thorakolumbale Übergang bleibt die häufigste Lokalisation, wobei L1 aufgrund seiner Lage an der Spitze der normalen Lendenlordose der am häufigsten frakturierte Wirbel ist.

Die Behandlungsentscheidungen hängen von mehreren Faktoren ab, darunter dem neurologischen Status, dem Grad der Beeinträchtigung des Wirbelkanals, dem kyphotischen Winkel und der allgemeinen Wirbelsäulenstabilität. Neurologisch intakte Patienten mit stabilen Frakturmuster und minimaler Spinalkanalstenose können konservativ mit Orthesen/Korsetts und Aktivitätseinschränkungen behandelt werden, was jedoch eine sorgfältige Überwachung auf fortschreitende Deformität erfordert. Patienten mit neurologischen Defiziten, einer signifikanten Einengung des Spinalkanals (>50 %) oder einer fortschreitenden kyphotischen Deformität erfordern in der Regel einen chirurgischen Eingriff mittels posteriorer Instrumentierung und Spondylodese, wobei die anteriore Rekonstruktion Fällen mit signifikantem Verlust der vorderen Säule vorbehalten bleibt. Eine Frühmobilisation und -rehabilitation sind entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden und die funktionellen Ergebnisse zu optimieren.(34)

Distraktionsverletzungen (auch bekannt als Chance-Frakturen) sind instabile Wirbelsäulenfrakturen, die typischerweise am thorakolumbalen Übergang auftreten. Es handelt sich um eine horizontale Fraktur, die sich von posterior nach anterior durch den Dornfortsatz, die Pedikel und den Wirbelkörper erstreckt. Chance-Frakturen können bei der klinischen Untersuchung übersehen werden, da Patienten selten neurologische Ausfälle aufweisen. Die Inzidenz gleichzeitiger intraabdominaler Verletzungen kann jedoch bis zu 50 % betragen.(35)

Der Mechanismus besteht typischerweise in einer plötzlichen Abbremsung bei einem Frontalzusammenstoß mit einem anderen Kraftfahrzeug, bei der sich die Wirbelsäule um einen festen Drehpunkt beugt, meist ein alleiniger Beckengurt als Sicherheitsgurt. Die Hyperflexionskraft verursacht ein Spannungsversagen, das sich von den hinteren Elementen bis zum vorderen Wirbelkörper erstreckt und zu einem horizontalen Riss durch alle drei Säulen führt. Distraktionsfrakturen/B-Frakturen nach AO machen 6,96 % (±3,50) der thorakolumbalen Frakturen aus, obwohl ihre klinische Bedeutung aufgrund von Begleitverletzungen und der Gefahr einer verzögerten Erkennung über ihre Häufigkeit hinausgeht.

Die Patientenpopulation besteht überwiegend aus Fahrzeuginsassen, die in Unfälle mit hoher Geschwindigkeit verwickelt sind, insbesondere aus solchen, die einen Beckengurt statt einem Dreipunktgurt benutzen. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können betroffen sein, wobei der Mechanismus leicht variiert und Kinder aufgrund ihrer größeren Flexibilität der Wirbelsäule anfälliger für reine Bandverletzungen sind. Die hohe Assoziation mit intraabdominalen Verletzungen erfordert eine umfassende Traumauntersuchung, da viszerale Verletzungen lebensbedrohlich sein können und die Wirbelsäulenverletzung zunächst überschatten.

Die Behandlung erfordert aufgrund der inhärenten Instabilität dieser Verletzungen fast ausnahmslos eine chirurgische Stabilisation. Die posteriore Instrumentierung und Spondylodese stellt den Standardansatz dar und erstreckt sich von einem Segment oberhalb bis zu einem Segment unterhalb der Verletzung. Der posteriore Zugang ermöglicht die Korrektur etwaiger kyphotischer Deformitäten und sorgt gleichzeitig für eine stabile interne Fixierung. Eine konservative Behandlung ist aufgrund des hohen Risikos einer fortschreitenden Deformität und einer möglichen neurologischen Verschlechterung nur selten angemessen. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung sind entscheidend, da eine verzögerte Diagnose die klinischen Ergebnisse erheblich beeinträchtigt.(35)

Dislokations-Verletzungen/C-Frakturen nach AO machen 14,20 % (±8,08) der thorakolumbalen Frakturen aus und stellen das schwerste und instabilste Verletzungsmuster der Wirbelsäule dar. Der Mechanismus beinhaltet ein Versagen aller drei Wirbelsäulenabschnitte mit erheblicher Translation oder Rotation zwischen den Wirbelsegmenten, was typischerweise auf extreme Kraftvektoren zurückzuführen ist, die Flexion, Extension, Rotation und Traktion kombinieren. Diese Verletzungen stellen eine vollständige mechanische Störung der Wirbelsäulenstabilität dar, die aufgrund einer schweren Kompression oder Durchtrennung des Rückenmarks zwangsläufig mit neurologischen Beeinträchtigungen einhergeht.(36)

Die Patientendemografie spiegelt die extreme Energie wider, die zur Entstehung dieser Verletzungen erforderlich ist, wobei junge Erwachsene am häufigsten durch Kraftfahrzeugunfälle, Motorradunfälle, Stürze aus großer Höhe oder penetrierende Traumata betroffen sind. Die neurologischen Folgen sind typischerweise schwerwiegend, wobei komplette oder inkomplette Rückenmarksverletzungen eher die Regel als die Ausnahme sind. Die psychologischen und sozialen Auswirkungen dieser Verletzungen gehen weit über den mechanischen Aspekt hinaus und führen oft zu einer dauerhaften Behinderung, die eine umfassende Rehabilitation und Langzeitpflege erfordert.

Die Behandlungsschwerpunkte liegen auf der Dekompression des Rückenmarks, der Wiederherstellung der Wirbelsäulenausrichtung und der starren Stabilisierung, um eine weitere neurologische Verschlechterung zu verhindern. Ein chirurgischer Notfalleingriff ist in der Regel durch kombinierte anteriore und posteriore Zugänge erforderlich, um die komplexe Drei-Säulen-Instabilität zu beheben. Eine anteriore Rekonstruktion kann notwendig sein, um die Höhe der Wirbelkörper wiederherzustellen und die neuralen Strukturen zu dekomprimieren, während die posteriore Instrumentierung die primäre Stabilisierung gewährleistet. Der Umfang des chirurgischen Eingriffs hängt vom spezifischen Frakturmuster, dem Grad der Instabilität und dem neurologischen Status ab, wobei angesichts der Schwere dieser Verletzungen in der Regel ein aggressives chirurgisches Management gerechtfertigt ist.(36)

Optionale Lektüre: Bitte lesen Sie diesen Fachartikel, um mehr über empfohlene Rehabilitationsinterventionen und Orthesen für Patienten nach Operationen an der Hals- und Lendenwirbelsäule zu erfahren.

Ressourcen(edit | edit source)

Optionale weiterführende Literatur (edit | edit source)

Osteoporose erhöht das Frakturrisiko erheblich durch eine verminderte Knochendichte und eine beeinträchtigte Mikroarchitektur, wobei es zu Fragilitätsfrakturen infolge von Traumata mit geringer Aufprallenergie, wie beispielsweise Stürzen aus Standhöhe, kommt. Diese systemische Erkrankung betrifft vorwiegend Frauen nach der Menopause und löst einen Kaskadeneffekt aus, bei dem jede Fraktur das Risiko für weitere Frakturen erhöht. Die folgenden Physiopedia-Seiten bieten ausführlichere Informationen zu diesem und verwandten Themen, um das Verständnis für die Entstehung von Frakturen zu vertiefen.

Referenzen(edit | edit source)

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