Die lumbale Radikulopathie wird in der Regel durch die Kompression einer lumbalen Nervenwurzel verursacht, was zu Symptomen führt, die in die Beine ausstrahlen. Zu den Symptomen gehören eine veränderte Sensibilität, verminderte Reflexe, Schwäche und Schmerzen, die als scharf, schockartig, brennend, kribbelnd usw. beschrieben werden können. Eine lumbale Radikulopathie betrifft etwa 3-5 % der Bevölkerung. Bei Männern tritt die lumbale Radikulopathie eher im Alter von 40 Jahren auf, bei Frauen eher in den 50er und 60er Jahren.(1)
Bei der Behandlung der lumbalen Radikulopathie gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Es ist immer noch nicht klar, welche Behandlungen optimal sind, und die Wahl der Interventionen hängt von individuellen Faktoren ab, einschließlich der Ursache der Symptome (z. B. venöse Stauung, Bandscheibe, die auf das Neuroforamen drückt, Knochenwachstum oder Bandscheibendegeneration).(2)
Zu den aktuellen Behandlungsoptionen gehören invasive Verfahren (z. B. Operationen und Injektionen), nicht invasive Verfahren (z. B. Edukation, manuelle Therapie, Übungen) und die medikamentöse Behandlung (z. B. nicht steroidale Antirheumatika (NSARs) und orale Steroide). Oft kann eine Kombination von Interventionen erforderlich sein.
Denken Sie daran, dass wir die Treatment-based Classification (TBC) als Leitfaden für die Behandlung von Personen mit Kreuzschmerzen mit oder ohne lumbale Radikulopathie verwenden können. Weitere Informationen zu diesem System finden Sie unter:
Die Befunderhebung bei lumbaler Radikulopathie sollte eine subjektive Untersuchung umfassen, die die medizinische Vorgeschichte, verschlimmernde/verbessernde Faktoren und die Lokalisation der Symptome umfasst, sowie eine objektive Untersuchung.
Objektive Messungen sind z.B.:
Diese Tests sollten nicht isoliert, sondern in Kombination durchgeführt werden, um die Diagnose zu verbessern. Sie können diese Tests auch nutzen, um Verbesserungen oder Rückschritte im Laufe der Zeit aufzuzeigen.
Weitere Informationen über die objektive Untersuchung finden Sie unter: Befunderhebung bei lumbaler Radikulopathie.
Ein Screening auf Red Flags sollte Teil Ihrer Befunderhebung sein. Bei einer lumbalen Radikulopathie besteht das Risiko einer schwerwiegenden Erkrankung wie dem Cauda-Equina-Syndrom, Krebs oder Frakturen. Unter Berücksichtigung der Prävalenz sollte Folgendes bedacht werden:(4)
Seien Sie sich bewusst, dass ein einzelnes Red-Flag-Symptom nicht unbedingt auf eine ernsthafte Pathologie der Wirbelsäule zurückzuführen ist. Außerdem deuten einige Symptome und Informationen auf die Notwendigkeit einer umfassenderen Beurteilung hin, darunter:(5)
Es wurde ein Rahmenkonzept entwickelt, das Kliniker bei der Suche nach Red Flags unterstützt.(6) Dieser Rahmen ermutigt die Kliniker, sich nicht nur auf eine einzelne Red Flag zu verlassen, sondern neben der/den Red Flags auch den Kontext des Patienten zu bewerten und dabei Faktoren wie den Verlauf der Symptome und gleichzeitig bestehende Erkrankungen zu berücksichtigen. Auf der Grundlage der Ergebnisse beurteilen die Kliniker den Grad der Besorgnis und ergreifen geeignete Maßnahmen:(6)
Dieser Rahmen wird hier im Detail beschrieben: Eine Einführung in Red Flags bei ernsthaften Pathologien.
Die Behandlung der lumbalen Radikulopathie umfasst oft verschiedene Interventionen. In den folgenden Abschnitten wird die Evidenz für spezifische Interventionen bei lumbaler Radikulopathie dargestellt. Der meiste Teil der vorgestellten Evidenz bezieht sich auf Interventionen, die in Verbindung mit anderen Interventionen eingesetzt werden. Alle der folgenden Behandlungen können kombiniert mit anderen Interventionen eingesetzt werden.
Manuelle Therapie umfasst eine Vielzahl von Hands-On-Techniken. Zu den gängigen Techniken der manuellen Therapie für Patienten mit lumbaler Radikulopathie gehören die Mobilisation oder Manipulation der Lendenwirbelsäule (LWS) und neurale Mobilisationstechniken. Achten Sie immer auf Kontraindikationen und berücksichtigen Sie Ihre Fertigkeiten und das Wohlbefinden des Patienten, bevor Sie manuelle Interventionen auswählen. Manche Patienten haben sehr irritierbare Symptome, und manuelle Techniken können ihre Schmerzen verstärken.
Mobilisationen der Wirbelsäule sind passive Bewegungen der Wirbelsäulensegmente, die einer Gradierungsskala (I-IV) folgen. Das Ziel von Mobilisationen kann sein, Schmerzsymptome zu verringern und die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern. Es gibt Evidenz dafür, dass die spinale Mobilisation bei lumbaler Radikulopathie hilfreich sein kann. Mehrere Studien haben ergeben, dass Mobilisationen der Wirbelsäule in Kombination mit Beinbewegungen zur Schmerzlinderung beitragen können.(7)(8)(9)(10) In diesen Studien wurden Mobilisationen neben anderen Interventionen, einschließlich Übungen und physikalischen Modalitäten, eingesetzt.
Daher kann die Mobilisation einen Teil der Behandlung der lumbalen Radikulopathie ausmachen.
Mobilisationen des N. ischiadicus oder des N. femoralis umfassen „Tensioners“ und „Sliders“ der Nerven. Die Technik ähnelt den Testverfahren des Straight Leg Raise Tests, des Slump Tests oder des Test des N. Femoralis. Es gibt Evidenz dafür, dass die neurale Mobilisation zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung beitragen kann.(11)
Diese Techniken können für Patienten, die unter akuten Symptomen leiden, von Vorteil sein, da sie die Empfindlichkeit der beteiligten Strukturen verringern können. Sie können auch bei Personen mit einer möglichen Einklemmung des Nervs eingesetzt werden.
Die folgenden Videos zeigen Mobilisationstechniken für den N. ischiadicus und den N femoralis.
High-velocity, Low-amplitude (HVLA)-Thrust-Manipulationen oder -Manipulationstechniken sind schnelle, passive Bewegungen, die auf einer bestimmten Ebene der Wirbelsäule oder als allgemeine Technik angewendet werden. Es gibt Evidenz dafür, dass Manipulationen für Personen mit lumbaler Radikulopathie von Vorteil sein können.(15) Darüber hinaus gibt es Evidenz dafür, dass die Einbeziehung von Manipulationstechniken in den Behandlungsplan für lumbale Radikulopathie den Einsatz von Benzodiazepinen verringern kann(16) und die Wahrscheinlichkeit einer Diskektomie verringern kann.(17)
Die Literatur kommt zu dem Schluss, dass die Manipulation als Ergänzung zu anderen Behandlungen, einschließlich Übungen, eingesetzt werden sollte.
Es gibt Evidenz, die den Einsatz von Übungen bei der Behandlung der lumbalen Radikulopathie unterstützt.(18) In der Literatur wird jedoch nicht immer im Detail angegeben, was „Übungen“ bedeutet. Die beiden am häufigsten untersuchten Arten von Übungen bei lumbaler Radikulopathie sind Stabilisationsübungen und Extensionsübungen.
Stabilisationsübungen zielen darauf ab, die motorische Kontrolle der Wirbelsäulenstabilisatoren zu verbessern. Es gibt Hinweise darauf, dass bei einer Störung der motorischen Kontrolle der Wirbelsäule Stabilisationsübungen helfen können, die motorische Kontrolle wiederherzustellen und die Schmerzen zu verringern. Auch hier werden in den meisten Untersuchungen Stabilisationsübungen zusammen mit anderen Interventionen wie spinale Manipulationen und Extensionsbewegungen (z.B. Hohl-Rund-Bewegungen im Vierfüßlerstand oder einer LWS-Extension im Sitzen) berücksichtigt.(19)(20)(21)
Wiederholte Bewegungen sind ein Markenzeichen der McKenzie-Methode oder MDT (Mechanische Diagnose und Therapie). Bei der Verwendung von wiederholten Bewegungen besteht das Ziel darin, eine direktionale Präferenz zu ermitteln, die durch die Zentralisation der Symptome angezeigt wird. Es hat sich gezeigt, dass Patienten, die ihre Symptome zentralisieren können, bessere Ergebnisse erzielen können.(22)
Die folgenden Videos zeigen, wie wiederholte Extensionsbewegungen in Bauchlage und im Stehen durchgeführt werden können.
Bitte beachten Sie, dass der Schwerpunkt zwar häufig auf Extensionsbewegungen liegt, die wiederholten Bewegungen aber Bewegungen in der Sagittalebene (Flexion/Extension), in der Frontalebene (lateral) oder eine Kombination von Bewegungen beinhalten können, je nach direktionaler Präferenz des Patienten.
Allgemeine körperliche Aktivität / Herz-Kreislauf-Training sollte ebenfalls in Betracht gezogen werden. Thoomes et al.(25) stellen fest, dass individuelle körperliche Aktivität in der akuten Phase der konservativen Behandlung einer lumbalen Radikulopathie von Vorteil ist. In der chronischen Phase wurden andere Arten von Bewegung empfohlen, darunter allgemeines Ausdauertraining, allgemeines Krafttraining, fokussiertes/gezieltes Krafttraining, individualisierte körperliche Aktivität, betreutes Training usw. Zu den Optionen, die Sie in Betracht ziehen können, gehören Laufen, Radfahren, Schwimmen, Ski-Ergometer usw.(2)
Die Edukation ist ein Grundpfeiler der Behandlung vieler Erkrankungen, einschließlich der lumbalen Radikulopathie.(18) In den klinischen Leitlinien für die Behandlung von Rückenschmerzen und lumbaler Radikulopathie wird Patientenedukation empfohlen.(26) Es ist wichtig zu beachten, dass „Edukation“ ein weit gefasster Begriff ist. Er kann sich auf viele verschiedene Aspekte beziehen, einschließlich einer gesunden Lebensweise (z.B. gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf), Hebetechniken, Körperhaltung und allgemeine Aktivität.
Bei der Planung der Patientenedukation müssen wir berücksichtigen, welche Informationen unsere Patienten wünschen. Eine systematische Übersicht von Lim et al.(27) ergab, dass Patienten mit Kreuzschmerzen, einschließlich lumbaler Radikulopathie, Folgendes verstehen wollen:(27)
Außerdem möchten sie, dass diese Informationen leicht verständlich und ihrem Alter, ihrem Lebensstil und ihrem beruflichen Status angepasst sind.(27)
In der Rehabilitation werden üblicherweise verschiedene physikalische Modalitäten eingesetzt. Zwei der gebräuchlichsten Methoden zur Behandlung der lumbalen Radikulopathie sind die mechanische Traktion und die elektrische Stimulation (z.B. die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)).
Aktuelle Evidenz deutet darauf hin, dass physikalische Modalitäten nicht so wirksam sind wie manuelle Therapie oder Übungen, aber es gibt Evidenz dafür, dass sie einen gewissen Nutzen haben können, wenn sie in Kombination mit anderen Interventionen eingesetzt werden.(28)(29) Es gibt auch einige Evidenz dafür, dass Traktion bei Personen mit lumbaler Radikulopathie kurzfristig zur Schmerzlinderung beitragen kann.(30)
Es gibt gemischte Evidenz für den Einsatz von Medikamenten bei der Behandlung der lumbalen Radikulopathie.(18) Die am häufigsten verschriebenen Medikamente sind nichtsteroidale Antirheumatika (NSARs).(1) Es gibt einige Evidenz dafür, dass NSARs kurzfristig helfen könnten,(31) aber auf lange Sicht ist ihr Nutzen begrenzt. Neuere Leitlinien raten von der Verwendung von NSARs und Opioiden bei der Behandlung der lumbalen Radikulopathie ab.(32) Auch Antikonvulsiva (wie Gabapentin oder Pregabalin) werden manchmal bei radikulären Symptomen verschrieben, aber es gibt Evidenz dafür, dass sie bei der Behandlung der lumbalen Radikulopathie weitgehend unwirksam sind.(33)
Eine epidurale Infiltration kann bei Personen mit lumbaler Radikulopathie vorgeschlagen werden, bei denen eine konservative Behandlung keine Besserung bringt.(1) Es gibt jedoch gemischte Evidenz für ihre Anwendung,(18)(26)(34) und andere Faktoren, wie der sozioökonomische Status, können die Ergebnisse beeinflussen. Jayabalan et al. fanden beispielsweise heraus, dass „ein niedrigerer sozioökonomischer Status unabhängig von anderen potenziell einflussreichen demografischen Merkmalen mit einer höheren Schmerzlinderung verbunden war.“(35)
Patienten mit Red Flags oder progressiven neurologischen Ausfällen müssen von einem entsprechenden Spezialisten (z.B. Neurochirurg / Neurologe) untersucht werden. Ein chirurgischer Eingriff kann auch als Option für Patienten in Betracht gezogen werden, bei denen eine konservative Behandlung keine Besserung bringt.(18) Die Ergebnisse von chirurgischen und nicht chirurgischen Eingriffen sind über einen Zeitraum von zwei Jahren ähnlich; die chirurgischen Ergebnisse sind leicht, aber nicht signifikant, besser.(1)
Für Personen, die an der LWS operiert wurden, werden Rehabilitation und Patientenedukation empfohlen.(36) Es ist auch von Vorteil, bereits vor einer Operation Edukation anzubieten. Es hat sich gezeigt, dass präoperative Edukation dazu beiträgt, die Angst vor Bewegung zu verringern und die Funktion nach der Operation zu verbessern.(37)