Überblick über die Befunderhebung der Lendenwirbelsäule

Originale Autorin Shala Cunningham Top-BeitragendeJess Bell und Stacy Schiurring

Einleitung(edit | edit source)

Kreuzschmerzen sind in den meisten Ländern die Hauptursache für Behinderungen,(1) mit einer Punktprävalenz von 11,9%.(2) Die mit Behinderung gelebten Lebensjahre („Years Lived with Disability“, YLDs) aufgrund von Kreuzschmerzen nimmt weiter zu, und die sozioökonomische Belastung durch diese Erkrankung ist hoch.(3) Etwa die Hälfte aller Menschen mit Kreuzschmerzen nimmt eine Behandlung in Anspruch,(4) und es wird geschätzt, dass etwa 60 Prozent der Patienten, die einen Arzt der Primärversorgung (z.B. Hausarzt) aufsuchen, über Kreuzschmerzen klagen.(5) Daher ist es wichtig, dass Rehabilitationsfachleute ein umfassendes Verständnis der Befunderhebung der Lendenwirbelsäule haben. Diese Seite bietet einen Überblick über diesen Prozess und enthält Links für weitere Informationen.

Anamnese(edit | edit source)

Bei der Befunderhebung von Patienten mit Kreuzschmerzen kann uns das Alter helfen, Hypothesen über die mögliche pathoanatomische Ursache der Schmerzen zu stellen:(6)

  • Personen unter 20 Jahren: Kreuzschmerzen kommen nicht so häufig vor (abgesehen von Muskelzerrungen), daher sollten Sie auf Anomalien achten (z.B. Spondylolisthese / Sprungschanzenphänomen)
  • Personen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren: eher eine Bandscheibenerkrankung, Muskelzerrung oder Instabilität
  • Personen, die älter als 50 Jahre sind: Sie sind eher von degenerativen Veränderungen betroffen, daher sollten Sie Erkrankungen wie Arthrose oder Spondylose in Betracht ziehen
    • Bitte beachten Sie, dass es einen „unscharfen“ Zeitraum zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr gibt, in dem Rückenschmerzen mit einer Bandscheibenerkrankung oder -degeneration zusammenhängen könnten(6)

Die Eselsbrücke L-M-N-O-P-Q-R-S-T (Original im Englischen) wird verwendet, um die wichtigsten Aspekte zu erfassen, die Sie bei der Anamnese eines Patienten berücksichtigen sollten.

L: Lokalisation der Symptome und Grad (Level) der funktionellen Beeinträchtigung

Wir möchten den genauen Ort des Schmerzes erfassen – ist er generalisiert oder umschrieben? Strahlt der Schmerz aus? Wandert er? Es ist wichtig, eine Körpertabelle auszufüllen, um genau festzustellen, wo ein Patient Symptome hat und wo nicht.(7)

M: Medizinische Faktoren (Medikamente) und Mechanismus der Verletzung

Wir müssen herausfinden, welche Medikamente der Patient einnimmt (einschließlich der von Ärzten oder anderen Fachkräften verschriebenen Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel) und welche Begleiterkrankungen er aufweist.

Wir möchten auch feststellen, wann und wie die Verletzung entstanden ist. Bei Kreuzschmerzen sollten Sie die folgenden Fragen berücksichtigen:

  • Hat der Patient etwas gehoben?
  • Gab es einen Sturz?
  • Was geschah, als er zum ersten Mal seine Kreuzschmerzen bemerkte?
  • Wenn eine traumatische Verletzung vorlag (z. B. einen Sturz oder einen Autounfall): kam es zu neurologischen Symptomen?

Red Flags: plötzliches Auftreten von starken Schmerzen ohne klaren Auslöser oder Unfall; neurologische Symptome nach Trauma

N: Neurologische Symptome

Zu den neurologischen Symptomen gehören Taubheit, Kribbeln, Brennen und elektrisierende Schmerzen. Wenn neurologische Symptome vorliegen, müssen wir feststellen, ob sie konstant oder intermittierend sind und ob sie dem Verteilungsmuster eines Dermatoms oder eines peripheren Nervs folgen. Berücksichtigen Sie auch, ob die Symptome mit der Position des Patienten zusammenhängen (d.h. bestimmte Aktivitäten verschlimmern bestimmte Symptome).

Red Flags: Symptome im Zusammenhang mit einem Cauda-equina-Syndrom – Taubheitsgefühl im Dammbereich (Reithosenanästhesie), Harnverhalt/Überlaufinkontinenz und Stuhlinkontinenz.(8)

O: Beruf (engl.: „occupation“), einschließlich Einschränkungen

Gibt es arbeits- oder beschäftigungsbezogene Faktoren, die von Bedeutung sind?

P: Provozierende und lindernde (engl.: „palliating“) Symptome

Finden Sie beim Patienten heraus, was genau seine Symptome verbessert oder verschlimmert. Es ist wichtig zu fragen, wie lange es dauert, bis sich die Symptome beruhigen, wenn sie einmal gereizt / verstärkt sind.

Red Flags: konstante und unablässige Symptome.

Q: Qualität der Symptome/Schmerzen

Bei der Lendenwirbelsäule gilt es zu beachten, ob Taubheitsgefühle, Kribbeln oder andere Missempfindungen (z.B. Ameisenlaufen) usw. vorhanden sind.

R: Ausstrahlung (engl. „radiation“) der Symptome

Fragen bei ausstrahlenden Symptomen:

  • Wohin strahlen die Symptome aus?
  • Werden die ausstrahlenden Symptome durch Aktivitäten oder eine bestimmte Position ausgelöst?
  • Wie lange dauern die Symptome an?

Red Flags: ausstrahlende Symptome in mehreren Dermatomen (schließen Sie zuerst ein Verteilungsmuster der peripheren Nerven aus).

S: Schweregrad der Symptome

Es kann hilfreich sein, Skalen wie die Visuelle Analogskala (VAS) oder die Numerische Rating-Skala (NRS) zu verwenden, aber auch zu berücksichtigen, wie die Symptome die Funktion und die Aktivitäten beeinträchtigen.

Red Flags: Plötzliches Auftreten von starken Schmerzen ohne traumatisches Ereignis.

T: Zeitlicher Verlauf (engl. „timing“) der Symptome

Achten Sie auf die Reihenfolge der Symptome und den Verlauf der Symptome im Laufe des Tages.

Red Flags: Schmerzen, die den Schlaf unterbrechen oder nachts schlimmer sind (Schmerzen hängen nicht mit der Schlafposition zusammen) ODER konstante Schmerzen

Red Flags bei Kreuzschmerzen ( edit | edit source )

Trotz eines fehlenden Konsenses gelten Red Flags immer noch als der zuverlässigste klinische Indikator für eine potenziell ernsthafte Pathologie.(9) An der Lendenwirbelsäule (LWS) verwenden wir Red Flags, um Pathologien wie Frakturen, Infektionen und Krebs zu erkennen. Häufige Red Flags im Bezug auf die Wirbelsäule sind:

  • über 50 Jahre alt
  • Trauma in der Vorgeschichte
  • Immunsuppression
  • nächtliche Schmerzen / Schmerzen in Ruhe
  • neurologische Defizite der unteren Extremitäten
  • Krebs in der Vorgeschichte
  • Reithosenanästhesie
  • Blasen-/Darmfunktionsstörung
  • Fieber / Schüttelfrost
  • Nachtschweiß
  • unerklärbare Gewichtsabnahme
  • aktuelle oder kürzliche Infektion

Fragebögen zur Selbsteinschätzung bei Kreuzschmerzen ( edit | edit source )

Objektive Untersuchung ( edit | edit source )

Inspektion:(edit | edit source)

Sie können mit der Inspektion eines Patienten beginnen, wenn Sie ihn zum ersten Mal im Wartezimmer oder im Behandlungsraum sehen. Berücksichtigen Sie Folgendes:

  • wie der Patient den Behandlungsraum betritt (falls zutreffend)
  • sitzt der Patient, oder steht er lieber?
  • sitzt der Patient asymmetrisch?
  • ist ein lateraler Shift zu beobachten?

Körperhaltung ( edit | edit source )

Die Körperhaltung sollte sowohl im Sitzen als auch im Stehen beurteilt werden. Die umfassende Haltungsanalyse wird hier besprochen. Speziell in Bezug auf die LWS sollte man folgende Punkte beachten:(10)

  • allgemeine Krümmungen der Wirbelsäule:
    • von posterior beurteilt
    • achten Sie auf eine mögliche Skoliose oder einen lateralen Shift (seitliche Verschiebung)
  • Lendenwirbelsäule:
    • von lateral beurteilt – ist die Lordose der LWS verstärkt oder vermindert (abgeflacht)?
    • von posterior beurteilt – gibt es sichtbare Muskelspasmen? gibt es einen deutlichen „Knick“ am thorakolumbalen Übergang (TLÜ)?
  • Becken
    • von anterior, posterior und lateral beurteilt
    • beurteilen Sie die Höhe der Spina iliaca anterior superior (SIAS) und der Spina iliaca posterior superior (SIPS)
    • beurteilen Sie die Höhe der Beckenkämme
    • liegt eine vordere (anteriore) oder hintere (posteriore) Beckenkippung vor?
  • Hüften
    • Symmetrie – sind die Hüften auf der gleichen Höhe?
    • stehen die Hüften in Innen- oder Außenrotation?
    • ist die Glutealmuskulatur gut ausgeprägt?
    • stehen die Hüften von lateral gesehen in Extension oder in Flexion?

Weitere Elemente, die bei einer vollständigen Haltungsanalyse zu bewerten sind, sind:(10)

  • Position des Kopfes im Verhältnis zum Nacken (Halswirbelsäule)
  • Schulterposition
  • Brustwirbelsäule (verstärkte/verminderte Kyphose)
  • Knie (ist eine Hyperextension zu beobachten?)

Um mehr zu erfahren, lesen Sie bitte: Haltung und Screening im Sport: Haltungsanalyse.

Gangbild ( edit | edit source )

Bei der Beobachtung des Gangbildes wird festgestellt, ob neurologische Auffälligkeiten vorliegen, wie z.B. Fallfuß, Ataxie, mangelnde Gewichtsverlagerung oder die Neigung zu einer Seite.

Hier wird eine umfassende Ganganalyse besprochen. Während einer Ganganalyse können Sie zeitliche Parameter, wie Schritt- und Doppelschrittzeit, und räumliche Parameter, wie Schritt- und Doppelschrittlänge sowie Spurbreite, erfassen.(11) Weitere Parameter sind die Kadenz und die Gehgeschwindigkeit.(12)

Funktionelles Screening ( edit | edit source )

Bei einem funktionellen Screening ist es sinnvoll, Folgendes zu beurteilen:

  • Rumpfflexion (nach vorne beugen)
  • Rumpfextension (nach hinten strecken)
  • Rotation
  • Hocke

Sie müssen zunächst ermitteln, ob diese Tests für Ihren Patienten geeignet sind (berücksichtigen Sie Irritierbarkeit und Gleichgewichtsprobleme).

Neurologische Tests ( edit | edit source )

Die umfassende neurologische Untersuchung wird hier besprochen. Im Allgemeinen beinhaltet ein neurologisches Screening die Prüfung der Myotome, der Sensibilität, der Reflexe und der Neurodynamik.

Myotome ( edit | edit source )

Ein Myotom bezeichnet eine Gruppe von Muskeln, die von einer einzigen Nervenwurzel innerviert werden. Wir beurteilen die Myotome durch manuelle Muskeltests. Dabei wird eine bestimmte Muskelgruppe (siehe Tabelle 1) isometrisch kontrahiert.(13)

Tabelle 1. Myotome der unteren Extremität
Nervenwurzel Bewegung der unteren Extremität
L2 Flexion der Hüfte
L3 Extension des Knies
L4 Dorsalextension des Sprunggelenks
L5 Extension der Großzehe
S1 Plantarflexion des Sprunggelenks
S2 Flexion des Knies

Die Bewertung der Myotome kann durch eine funktionelle Untersuchung ergänzt werden. Zu den relevanten funktionellen Krafttests gehören:

  • Hackengang
  • Zehengang
  • einbeiniges Fersenheben (im Einbeinstand auf die Zehen gehen)
  • einbeinige Kniebeugen

Sensibilität ( edit | edit source )

Für die Prüfung der Sensibilität wird normalerweise die leichte Berührung verwendet. Sie können Ihre Fingerspitzen oder einen Wattebausch verwenden, um leichte Berührung über einem Dermatom zu testen. Diese Prüfung erfolgt im Seitenvergleich. Ferner wurden bisher zu Dermatomen verschiedene Karten erstellt. Diese Karten variieren jedoch erheblich, und selbst bei einzelnen Personen kommt es häufig zu Überschneidungen zwischen Dermatomen.(14) Achten Sie deshalb darauf, dass Sie bei jedem Patienten immer dieselbe Karte als Orientierung verwenden, um die Konsistenz zu gewährleisten.(13) In Tabelle 2 finden Sie eine Liste der Dermatome der unteren Extremität.

Tabelle 2. Dermatome der unteren Extremität
Dermatom Bereich
L1 Trochanter major
L2 Anteriorer Oberschenkel bis zum Knie
L3 Anteriorer Oberschenkel und Knie, medialer Unterschenkel
L4 Lateraler Oberschenkel, medialer Unterschenkel, Fußrücken, Großzehe
L5 Posteriorer und lateraler Oberschenkel, lateraler Unterschenkel, Fußrücken, mediale Hälfte der Fußsohle, Zehen 1-3
S1 Posteriorer Oberschenkel

Reflexe ( edit | edit source )

Ein Reflex erfolgt automatisch, ohne bewusstes Nachdenken. Es handelt sich um die unwillkürliche Bewegung eines Organs/Körperteils als Reaktion auf einen Reiz(15) (z.B. der Anschlag eines Reflexhammers bei der Prüfung eines Sehnenreflexes).

Sehnenreflexe ( edit | edit source )

Bei Patienten mit Kreuzschmerzen werden am häufigsten der Patellarsehnen- und der Achillessehnenreflex untersucht.

Tabelle 3. Reflexe der unteren Extremität
Reflex Innervation Segmentale Zuordnung Zu testender Bereich Erwartete Antwort
Patellarsehnenreflex (PSR) N. femoralis L2-L4 Patellarsehne Kontraktion des M. quadriceps femoris / Extension im Kniegelenk
Achillessehnenreflex (ASR) N. tibialis S1-2 Achillessehne Kontraktion des M. triceps surae / Plantarflexion im Sprunggelenk
Pathologische Reflexe ( edit | edit source )

Tabelle 4 zeigt, welche pathologischen Reflexe im Rahmen einer Befunderhebung der Lendenwirbelsäule berücksichtigt werden können.

Tabelle 4. Pathologische Reflexe(16)(17)(18)
Reflex Auslösung Anormale Antwort
Babinski-Reflex Bestreichen der Fußsohle von der Ferse bis zum großen Zeh, an der lateralen Seite beginnend bis zum Fußballen an der medialen Seite. Extension der Großzehe und Spreizung der anderen Zehen.
Klonus-Test Den Fuß kräftig und schnell in die Dorsalextension bringen, während das Bein unter der Kniekehle gehalten wird. Mehr als drei unwillkürliche Kontraktionen („Schläge“) der Wade oder anhaltende schnelle Plantarflexion und Dorsalextension des Fußes
Oppenheim-Reflex Der Patient wird im Sitzen oder in Rückenlage positioniert, und der Untersucher fasst mit einer Hand den Unterschenkel. Mit dem gegenüberliegenden Ende eines Reflexhammers oder dem Daumennagel fährt der Untersucher entlang der Tibiavorderkante des Patienten in Richtung des Sprunggelenks. Extension der Großzehe und Spreizung der anderen Zehen.
Neurodynamische Tests ( edit | edit source )

Neurodynamische Tests werden häufig bei Patienten mit Verdacht auf Engpaßsyndrome / Kompressionsneuropathien durchgeführt. Die folgenden Tests werden im Rahmen einer Befunderhebung der Lendenwirbelsäule eingesetzt:

  • Straight Leg Raise (SLR)
    • Symptome unterhalb von etwa 35 Grad können auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen
    • Symptome zwischen 35-75 Grad können auf eine erhöhte Spannung des N. ischiadicus hinweisen
    • Symptome über 75 Grad hängen wahrscheinlich mit der Dehnung der Hamstrings (ischiokrurale Muskulatur) zusammen
  • Slump-Test
    • hilft, zwischen einer Dehnung der Hamstrings und der neuralen Spannung des N. ischiadicus zu unterscheiden
  • Test des N. femoralis (durchgeführt in Bauchlage als „Prone Knee Bend“ oder in Seitenlage, falls die Bauchlage nicht möglich ist)

Likelihood ratios

Lauder et al.(19) untersuchten die Wahrscheinlichkeitsquotienten (Likelihood ratios, LRs) für ein Cluster von 4 auffälligen Tests als Prädiktor für eine lumbosakrale Radikulopathie: veränderte Reflexe, Schwäche, veränderte Sensibilität und ein positiver Straight Leg Raise. Sie fanden Folgendes heraus:

  • wenn alle vier dieser Tests auffällig sind, ergibt sich ein positiver Wahrscheinlichkeitsquotient (+LR) von 6,0 und ein negativer Wahrscheinlichkeitsquotient (-LR) von 0,95
  • wenn drei Tests auffällig sind, ergibt sich ein +LR von 4,0 und ein -LR von 0,91
  • wenn nur ein Test auffällig ist, ergibt sich ein +LR von 1,34 und ein -LR von 0,37

Palpation(edit | edit source)

Prüfen Sie im Stehen die Ausrichtung der Dornfortsätze und achten Sie dabei auf mögliche Skoliosen oder auf das Sprungschanzenphänomen, das mit einer Spondylolisthese einhergeht. Vergleichen Sie auch die Höhe der Beckenkämme, der SIPS und der Gesäßfalten. Sie sollten in der Breite symmetrisch und relativ gleichmäßig ausgerichtet sein.

Sie können auch im Sitzen palpieren, um zu beurteilen, ob sich die Haltung des Patienten zwischen einer sitzenden und einer stehenden Position verändert. Im Sitzen können Sie auch die Muskulatur (M. quadratus lumborum, paraspinale Muskeln / M. erector spinae) palpieren, um zu prüfen, ob sie druckempfindlich sind oder eine Schutzspannung einsetzt.

Bewegungsausmaß ( edit | edit source )

Beurteilen Sie die folgenden Bewegungen im Stehen:

  • Flexion
  • Extension
  • Rotation
  • Lateralflexion
  • Kemp-Test und kombinierte Bewegungen (Extension plus Lateralflexion plus Rotation sowie Flexion plus Lateralflexion plus Rotation)
  • Bewegungsausmaß der Hüfte

Bitte beachten Sie, dass Sie bei Patienten, die ein Gleichgewichtsdefizit haben oder über die Hüfte kompensieren, ggf. das Bewegungsausmaß der LWS im Sitzen testen müssen.

Wiederholte Bewegungen ( edit | edit source )

Sie können auch wiederholte Bewegungen in Ihre Untersuchung einbeziehen. Bitten Sie den Patienten, bis zu zehn Wiederholungen folgender Bewegungen der LWS zu machen:

  • Flexion
  • Extension
  • Side Glides, wenn ein lateraler Shift vorliegt

Bei wiederholten Bewegungen achten Sie auf eine Veränderung der Symptome, insbesondere was die Ausstrahlung der Symptome angeht. Führt die Wiederholung dazu, dass sich der Schmerz zentralisiert (d.h. mehr nach proximal verlagert) oder peripheralisiert (d.h. nach distal ausbreitet)?

Muskeltests ( edit | edit source )

Mm. multifidi: Personen mit Kreuzschmerzen im Zusammenhang mit degenerativen Erkrankungen weisen im Vergleich zu gleichaltrigen Kontrollpersonen eine erhöhte Fettinfiltration und Atrophie dieser Muskulatur auf.(20)(21)(22) Daher ist es wichtig, diese Muskeln zu beurteilen und ggf. zu kräftigen:

  • Ziel ist es, das Anspannen („anschwellen“ lassen) der Mm. multifidi zu erreichen (siehe Video unten)
  • Gewichtsverlagerungen oder das Anheben eines Arms aktivieren auch die Mm. multifidi

M. transversus abdominis: Das „richtige Funktionieren“ des M. transversus abdominis ist ein wichtiger Aspekt bei der Behandlung von Kreuzschmerzen.(23) Dieser Muskel kann aktiviert werden, indem der Bauchnabel in Richtung Wirbelsäule eingezogen wird (siehe Video unten).

Myotome: sollten während der Muskeltests geprüft werden, wenn sie nicht bereits im Rahmen des neurologischen Screenings untersucht wurden.

Gelenkbeweglichkeit ( edit | edit source )

Passive physiologische intervertebrale Bewegungen (PPIVMs) ( edit | edit source )

Tests in Seitenlage:

  • segmentale Bewegung in Flexion
  • segmentale Bewegung in Extension
  • segmentale Bewegung in Rotation

Achten Sie auf eine mögliche Hypo- oder Hypermobilität

Passive akzessorische intervertebrale Bewegungen (PAIVMs) ( edit | edit source )

Tests in Bauchlage:

  • Posteroanteriores Gleiten (PAs)
  • Unilaterales posteroanteriores Gleiten (UPAs oder ULPAs)

Spezielle Tests ( edit | edit source )

Instabilitätstest in Bauchlage (Prone Instability Test) ( edit | edit source )

Der Instabilitätstest in Bauchlage (Prone Instability Test) wurde entwickelt, um Personen mit Kreuzschmerzen zu identifizieren, die von Übungen zur Stabilisation des Rumpfes profitieren könnten.(26)

Bitte beachten Sie, dass die Durchführung dieses Tests recht schwierig sein kann, so dass er nicht für alle Patienten geeignet ist:

  • der Patient liegt in Bauchlage über dem Ende der Behandlungsbank, die Füße ruhen auf dem Boden
  • der Therapeut übt auf jedem Segment der LWS einen Druck von posterior nach anterior aus (PA-Gleiten) und sucht nach einer Schmerzprovokation
  • der Patient wird nun aufgefordert, die Beine vom Boden abzuheben
  • während die Beine in der Luft sind, übt der Therapeut erneut von posterior nach anterior Druck auf jedes lumbale Segment aus und sucht erneut nach der Schmerzprovokation
  • positiver Test = der Schmerz des symptomatischen Segments ist im zweiten Durchgang geringer als beim ersten Durchgang

Referenzen(edit | edit source)

  1. GBD 2021 Low Back Pain Collaborators. Global, regional, and national burden of low back pain, 1990-2020, its attributable risk factors, and projections to 2050: a systematic analysis of the Global Burden of Disease Study 2021. Lancet Rheumatol. 2023 May 22;5(6):e316-e329.
  2. Bastos RM, Moya CR, de Vasconcelos RA, Costa LO. Treatment-based classification for low back pain: systematic review with meta-analysis. Journal of Manual & Manipulative Therapy. 2022 Jul 4;30(4):207-27.
  3. Dutmer AL, Schiphorst Preuper HR, Soer R, Brouwer S, Bültmann U, Dijkstra PU, et al. Personal and societal impact of low back pain: the Groningen Spine Cohort. Spine (Phila Pa 1976). 2019 Dec 15;44(24):E1443-E1451.
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  6. 6.0 6.1 Cunningham S. Lumbar Spine Evaluation Course. Plus, 2024.
  7. Rainey N. Lumbar Radiculopathy Assessment Course. Plus, 2023.
  8. Dionne N, Adefolarin A, Kunzelman D, Trehan N, Finucane L, Levesque L, et al. What is the diagnostic accuracy of red flags related to cauda equina syndrome (CES), when compared to Magnetic Resonance Imaging (MRI)? A systematic review. Musculoskelet Sci Pract. 2019 Jul;42:125-133. doi: 10.1016/j.msksp.2019.05.004. Epub 2019 May 17. Erratum in: Musculoskelet Sci Pract. 2019 Oct;43:128. Erratum in: Musculoskelet Sci Pract. 2021 Jun;53:102355. PMID: 31132655.
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  16. Zimmerman B, Hubbard JB. Clonus. (Updated 2023 Aug 8). In: StatPearls (Internet). Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2023 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK534862/
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  24. Physio Fitness | Physio REHAB | Tim Keeley. Correct core activation #2 – switching on multifidus | Feat. Tim Keeley | No.34 | Physio REHAB. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=20XBM9ZcnWc (last accessed 20/12/2023)
  25. Physio Fitness | Physio REHAB | Tim Keeley. Correct core activation – engage your TA and pelvic floor! | Feat. Tim Keeley | No.18 | PhysioREHAB. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=X0HzXm3epAU (last accessed 20/12/2023)
  26. Sung W, Hicks GE, Ebaugh D, Smith SS, Stackhouse S, Wattananon P, Silfies SP. Individuals with and without low back pain use different motor control strategies to achieve spinal stiffness during the prone instability test. J Orthop Sports Phys Ther. 2019 Dec;49(12):899-907.


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