Ursprüngliche Herausgeber – Kudzanayi Ronald Muzenda und Naomi O’Reilly
Top-Beitragende – Naomi O’Reilly , Kudzanayi Ronald Muzenda, Kim Jackson , Admin, Tarina van der Stockt , Rucha Gadgil und Lucinda hampton
Eine Rückenmarksverletzung (Spinal Cord Injury – SCI) ist eine plötzlich auftretende Unterbrechung des neuronalen Gewebes im Rückenmarkskanal, die zu einer Schädigung des Rückenmarks führt, und durch ein Trauma, eine Krankheit oder Degeneration verursacht wird.(1)(2) Jede Schädigung des Rückenmarks ist eine sehr komplexe Verletzung. Jede Verletzung ist anders und kann den Körper auf viele verschiedene Weisen beeinträchtigen. Es kann sich entweder um eine Läsion des oberen oder unteren Motoneurons handeln, mit unterschiedlichem Verlust der motorischen, sensiblen und autonomen Funktionen, der je nach Grad und Art der Verletzung des Rückenmarks oder der Cauda Equina vorübergehend oder dauerhaft sein kann. (2)(3) Eine wirksame Versorgung von Rückenmarksverletzungen hängt von einer genauen klinischen Untersuchung und Klassifizierung der neurologischen Verletzung in Verbindung mit einer detaillierten radiologischen Beurteilung der Wirbelsäulenverletzung ab. (4)
Die Wirbelsäule besteht aus 33 Wirbeln: 7 Halswirbeln (Zervikalwirbel), 12 Brustwirbeln (Thorakalwirbel), 5 Lendenwirbeln (Lumbalwirbel), 5 miteinander verschmolzenen Kreuzbeinwirbeln (Sakralwirbel) und 4 miteinander verschmolzenen Steißbeinwirbeln (Kokzygealwirbel), die dem Rückenmark Halt und Schutz bieten. Das Rückenmark ist die Hauptverbindung zwischen den peripheren Nerven und dem Gehirn und überträgt motorische Informationen vom Gehirn zu den Muskeln, Geweben und Organen sowie sensible Informationen von diesen Bereichen zurück zum Gehirn. (5)(6)
Das Nervensystem gliedert sich in das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und das periphere Nervensystem (Nerven, die in das Rückenmark ein- und austreten). Informationen zu und von den Muskeln, Drüsen, Organen und Sinnesrezeptoren werden über das periphere Nervensystem weitergeleitet, das in das autonome Nervensystem, das Informationen zu und von den Organen übermittelt, und das somatische Nervensystem, das Informationen zu und von den Muskeln und der äußeren Umgebung übermittelt, unterteilt ist. (5)
Das autonome Nervensystem besteht aus dem Parasympathikus, der die Ruhefunktionen steuert, und dem Sympathikus, der die Erregungsfunktionen steuert. Das Rückenmark und die peripheren Nerven liefern alle Impulse zur Steuerung der Muskelkontraktion, des Herzrhythmus, des Schmerzes und anderer Körperfunktionen, so dass jede Läsion des Rückenmarks die Übertragung dieser Informationen zum und vom Gehirn an die Peripherie verhindert oder reduziert, was sich auf Bewegung, Empfindung und viszerale Funktionen auswirkt. (6)
Lesen Sie mehr über die Anatomie des Rückenmarks (In englischer Originalsprache)
Eine Verletzung des Rückenmarks kann die Folge sein von:
Die weltweite Prävalenz von Rückenmarksverletzungen schwankt zwischen 236 und 1298 pro Million Einwohner, wobei die Prävalenz in den letzten zehn Jahren tendenziell gestiegen ist. Eine kürzlich durchgeführte systematische Übersichtsarbeit ergab, dass die Prävalenz von Rückenmarksverletzungen von der Region abhängt, in der die Studien durchgeführt wurden, wobei die höchste Prävalenz von 906 pro Million in den USA und die niedrigste Prävalenz von 250 pro Million in Rhone-Alpes, Frankreich, lag. (9) Weitere Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen, wobei die Prävalenz zwischen 1298 pro Million und 50 pro Million lag. (10)
Die weltweite Inzidenz zeigt ebenfalls eine enorme Schwankung von 8 bis 246 Fällen pro Million Einwohner in einer Studie, während weitere Untersuchungen ähnliche Ergebnisse mit 246 pro Million bis 3,3 pro Million ergaben. (9)(10) Auch die jährlichen Inzidenzraten variierten erheblich zwischen den einzelnen Regionen und reichten von 246 pro Million in Taiwan über 49,1 pro Million in Neuseeland bis hin zu nur 10,0 pro Million auf den Fidschi-Inseln. (9) Ähnliche Studien zeigen auch ein hohes Verhältnis von Männern zu Frauen von 5:1, wobei die höchste Inzidenz von Rückenmarksverletzungen im Alter von 42 Jahren auftrat, gegenüber 29 Jahren im Jahr 1970.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Inzidenz und Prävalenz von Rückenmarksverletzungen in den einzelnen Ländern und Regionen sehr unterschiedlich sein kann, und machen deutlich, dass Präventions- und Managementstrategien entwickelt werden müssen, die auf regionale Trends zugeschnitten sind. Es gibt nur wenige Forschungsarbeiten, die sich mit den Gründen für diese Unterschiede befassen, was auf die Notwendigkeit weiterer vergleichender Studien und internationaler Standards und Leitlinien für die Berichterstattung über Rückenmarksverletzungen hindeutet. (9)
Lesen Sie mehr über Epidemiologie von Rückenmarksverletzungen (in englischer Originalsprache)
Verletzungen des Rückenmarks sind komplex, und jede einzelne Verletzung ist in Bezug auf die betroffenen Funktionen und damit auch auf das klinische Erscheinungsbild einzigartig. Bei den meisten Rückenmarksverletzungen wird das Rückenmark nicht vollständig durchtrennt oder durchgeschnitten. Vielmehr bleibt das Rückenmark intakt, und die neurologischen Schäden sind auf sekundäre vaskuläre und pathogene Ereignisse zurückzuführen, darunter Ödeme, Entzündungen und Veränderungen der Blut-Rückenmarks-Schranke. (11) Anzeichen und Symptome variieren je nach Ort der Wirbelsäulenverletzung und dem Ausmaß der Verletzung, können aber den Verlust von Kraft, Empfindung, Atmung, Temperaturregulierung, Blasen-, Darm- und Sexualfunktion beinhalten.
Eine Paraplegie ist eine Beeinträchtigung oder ein Verlust der motorischen, sensiblen oder autonomen Funktionen in den Bereichen des Körpers, die von den thorakalen, lumbalen oder sakralen Segmenten des Rückenmarks versorgt werden. Je nach Ausmaß der Verletzung können Rumpf, Beckenorgane und untere Extremitäten betroffen sein, wobei die Funktion der oberen Extremitäten erhalten bleibt. (1)
Tetraplegie, in einigen Ländern auch Quadriplegie genannt, bezeichnet die Beeinträchtigung oder den Verlust der motorischen, sensiblen oder autonomen Funktionen in den Bereichen des Körpers, die von den zervikalen Segmenten des Rückenmarks versorgt werden. Dies führt zu einer Beeinträchtigung der oberen und unteren Extremitäten, des Rumpfes und der Beckenorgane, wobei die Atemfunktion bei Personen mit Verletzungen der oberen Halswirbelsäule beeinträchtigt ist. (1)
Die Klassifikation der Rückenmarksverletzung erfolgt durch eine neurologische Beurteilung, die eine motorische, sensible und autonome Bewertung einschließt, um den Grad der Beeinträchtigung der motorischen, sensiblen und autonomen Funktionen unterhalb des Verletzungsniveaus anhand der American Spinal Injury Association (ASIA) Impairment Scale zu bestimmen. (4)(11)
Rückenmarksverletzungen können zu einer kompletten (vollständigen) oder inkompletten (unvollständigen) Schädigung des Rückenmarks führen, wodurch die Übertragung aller oder nur einiger neuronaler Botschaften über die Läsionsstelle verhindert werden kann, was zu sehr unterschiedlichen Verletzungsbildern führt. Bei einigen Personen bleiben die motorischen und sensiblen Bahnen weitgehend erhalten, was zu einem günstigeren Ergebnis führt, während bei anderen der Erhalt begrenzt ist. Ein teilweiser Erhalt des Rückenmarks ist eher bei Verletzungen der Zervikal-, Lumbal- und Sakralniveaus zu beobachten.
Zur Klassifikation von Rückenmarksverletzungen wird das Klassifikationssystem der American Spinal Injury Association (ASIA) verwendet, das auf einer standardisierten motorischen und sensiblen Untersuchung beruht. Es wird verwendet, um zwei motorische, zwei sensible und ein neurologisches Niveau zu definieren. Es wird auch verwendet, um Verletzungen entweder als komplett (AIS A) oder als inkomplett (AIS B, C, D oder E) zu klassifizieren, wobei verschiedene ASIA-Schädigungen auf Grundlage folgender Aspekte unterschieden werden:
Die S4-S5-Segmente stehen im Zusammenhang mit der Prognose, wobei die Erhaltung ein starker Prädiktor für die neurologische Wiederherstellung ist. In ähnlicher Weise hilft der Erhalt der Empfindlichkeit für Nadelreize (Pinprick) an einer beliebigen Stelle des Körpers, die motorische Erholung vorherzusagen.
Bei einer kompletten Rückenmarksverletzung ist die motorische und sensible Funktion im Bereich S4 – S5 des Rückenmarks nicht vorhanden. Komplette ASIA A-Läsionen können auch folgende Merkmale aufweisen: Zonen der partiellen Erhaltung (Zones of partial preservation – ZPP) spiegeln einen gewissen Erhalt der motorischen oder sensiblen Funktion unterhalb des neurologischen Niveaus wider. Wenn jedoch eine motorische oder sensible Funktion in S4 – S5 vorhanden ist, ist die Läsion nicht mehr komplett, sondern eher inkomplett.
Bei einer inkompletten Rückenmarksverletzung sind die sensiblen und/oder motorischen Funktionen im Bereich S4 – S5 des Rückenmarks teilweise erhalten. Es gibt eine Reihe von anerkannten Mustern für inkomplette Rückenmarksverletzungen. In der Regel treten sie klinisch eher als Kombinationen von Syndromen auf, als dass sie isoliert auftreten, wobei die Anzeichen und Symptome mit den betroffenen anatomischen Bereichen des Rückenmarks zusammenhängen.
Das Central-Cord-Syndrom ist das häufigste der inkompletten Rückenmarksverletzungen und tritt typischerweise bei älteren Patienten auf, die eine zervikale Spondylose sekundär zu degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule mit Osteophyten und möglichen Bandscheibenvorwölbungen, kombiniert mit spondylitischen Gelenkveränderungen im vorderen Teil der Wirbelsäule mit Verdickung des Ligamentum flavum im posterioren Bereich aufweisen. Es entsteht in erster Linie durch eine Hyperextensionsverletzung, die das Rückenmark im verengten Kanal zusammendrückt und zu einer Unterbrechung der Blutversorgung führt, was eine Hypoxie und eine Einblutung der grauen Substanz des Rückenmarks zur Folge hat, die bei älteren Menschen häufig bereits geschädigt ist und daher ein geringeres Heilungspotenzial aufweist. Dabei sind die oberen Extremitäten stärker betroffen als die unteren Extremitäten. Oft zeigen sich eine schlaffe Schwäche der Arme aufgrund von Läsionen der unteren Motoneuronen und spastische Muster in den Armen und Beinen aufgrund von Läsionen der oberen Motoneuronen, da die zentralen zervikalen Bahnen überwiegend betroffen sind, wobei eine teilweise Funktionsstörung von Darm und Blase üblich ist. Die Prognose ist unterschiedlich und oft altersabhängig: 97 % der jüngeren Patienten unter 50 Jahren sind in der Lage, zu gehen, während es bei den über 50-Jährigen nur 41 % sind. (12)
Tritt auf, wenn nur eine Seite des Rückenmarks geschädigt ist. Es handelt sich um eine sagittale Schädigung einer Rückenmarkshälfte (Hemicord) mit Unterbrechung der Hintersäule (Columna posterior), die zu einer ipsilateralen Lähmung und einem Verlust der Propriozeption mit kontralateralem Verlust der Temperatur- und Schmerzempfindung führt. Da der Tractus spinothalamicusauf die andere Seite des Rückenmarks kreuzt, bleiben Schmerz- und Temperaturempfinden auf der ipsilateralen Seite relativ normal. Obwohl es selten vorkommt, dass das Rückenmark tatsächlich halb durchtrennt ist, wurde dieses Syndrom ursprünglich von Galen beschrieben und tritt am häufigsten als Folge einer penetrierenden Verletzung der Wirbelsäule auf, z. B.. Schuss- oder Messerverletzungen, die zwischen 2 und 4 % aller Verletzungen des Rückenmarks ausmachen. Man geht davon aus, dass die Axone im kontralateralen Rückenmark die Genesung erleichtern können, was zu einer guten Prognose führt, da fast alle Patienten erfolgreich gehen können. (13)(14)
Zeigt sich als vollständiger motorischer Verlust kaudal der Läsion als Folge einer Schädigung des vorderen Rückenmarks, die den Tractus spinothalamicus und den Tractus corticospinalis betrifft, mit Verlust des Schmerz- und Temperaturempfindens, da diese sensiblen Bahnen anterolateral im Rückenmark liegen. Vibration und Propriozeption bleiben auf der ipsilateralen Seite intakt, da die Hintersäulen erhalten bleiben. Dies entsteht als Folge einer Flexionsverletzung, die die vorderen zwei Drittel des Rückenmarks schädigt, meist verursacht durch einen vaskulären Insult der A. spinalis anterior, wobei die beiden Aa. spinales posteriores intakt bleiben. Die motorische Wiederherstellung ist bei diesen Patienten im Vergleich zu anderen inkompletten Läsionen seltener. (12)(15)
Die Motorik, die Schmerz- und Temperaturleitbahnen bleiben erhalten, aber die Empfindung für leichte Berührungen, Propriozeption und Vibrationen gehen aufgrund der Schädigung der Hintersäule verloren. Diese Form der Erkrankung ist sehr selten und die Betroffenen zeigen eine ausgeprägte Ataxie aufgrund des Verlusts der Propriozeption.
Bei einer Verletzung im Bereich von T12-L2 kann der Conus medullaris entweder eine Läsion der oberen Motoneuronen, eine Läsion der unteren Motoneuronen oder ein gemischtes Muster aufweisen, mit oder ohne Erhaltung der sakralen Reflexe (Bulbocavernosus-/Analreflex), die je nach Verletzungsgrad unterschiedliche symmetrische Defizite der unteren Extremitäten mit Blasen- und Darmfunktionsstörungen umfassen. Kann auch Störungen der Darm-, Blasen- und teilweise Sexualfunktion verursachen. Tritt häufig als Folge einer Abtrennung der lumbalen oder sakralen Nervenwurzeln vom Endabschnitt des Rückenmarks durch ein Trauma oder einen Tumor auf. (16)
Eine Verletzung, die sich unterhalb der Ebene befindet, auf der sich das Rückenmark in die Cauda equina teilt, etwa auf den Ebenen L2 – S5 unterhalb des Conus medullaris, und meist durch Kompression verursacht wird. Obwohl es sich hierbei nicht um eine echte Rückenmarksverletzung handelt, da die Nervenwurzeln und nicht das Rückenmark betroffen sind, stellt es sich als eine Läsion der unteren Motoneuronen mit schlaffer Lähmung dar. Zurückzuführen ist diese auf eine Schädigung der peripheren Nerven auf dieser Ebene der Wirbelsäule. Das Cauda-Equina-Syndrom betrifft in der Regel mehrere Ebenen mit einer variablen Unterbrechung der Sakralwurzeln und einem Verlust der rückenmarksvermittelten Reflexe. Es kann Schmerzen im unteren Rücken, Schwäche oder Lähmungen in den unteren Extremitäten, Gefühlsstörungen, Darm- und Blasenfunktionsstörungen sowie den Verlust von Reflexen verursachen und tritt häufiger auf einer Körperseite auf. Diese Art von Verletzung hat eine bessere Prognose für die Wiederherstellung der Funktion, wenn sie frühzeitig behandelt wird, da das periphere Nervensystem eine größere Heilungsfähigkeit besitzt als das zentrale Nervensystem. (16)(17)
Bildgebende Verfahren sind ein wichtiger Bestandteil des diagnostischen Prozesses bei akuten oder chronischen Rückenmarksverletzungen. Verletzungen des Rückenmarks können je nach Art der zugrundeliegenden Pathologie mit verschiedenen Arten der Bildgebung erkannt werden. Antero-posteriore, laterale und spezielle Röntgenaufnahmen (Dens, Neuroforamina) können die Integrität und Ausrichtung der knöchernen Strukturen bestimmen. Allerdings können Röntgenbilder Frakturen übersehen, insbesondere Facettenfrakturen, so dass die Abwesenheit von Frakturen auf Röntgenbildern keine Garantie für die Stabilität der Wirbelsäule ist. Zusätzliche Informationen können mit dynamischen Ansichten geliefert werden, z. B. bei Flexions-Extensions-Bewegungen der Wirbelsäule, aber diese Ansichten sind bei akuten neurologischen Funktionsstörungen kontraindiziert. (18)
Wirbelsäulenfrakturen und knöcherne Läsionen werden durch die Computertomografie (CT) gut charakterisiert, die auch Weichteilveränderungen mit Ödemen des Rückenmarks, Infarkten, Demyelinisierungen, Zysten oder Abszessen erkennen kann, die eine geringere Signaldichte erzeugen, während Blutungen und Verkalkungen die Signaldichte erhöhen. Durch die Kombination von Computertomografie und Myelografie lassen sich Anomalien im Wirbelsäulenkanal besser erkennen als durch die Computertomographie allein, wobei die Kombination besonders dann sinnvoll ist, wenn eine MRT (Magnetresonanztomografie) durch vorhandene Osteosynthesen und Metallimplantate erschwert wird. Beeinträchtigungen des Spinalkanals und extradurale Läsionen (Tumor, arteriovenöse Malformationen) sind im Computertomogramm besonders gut zu erkennen. (18)
Die Magnetresonanztomografie (MRT) hat sich zum Goldstandard für die Darstellung neurologischer Gewebe wie Rückenmark, Bänder, Bandscheiben und anderer Weichteile entwickelt und kann knöcherne Strukturen besser abbilden als Röntgenbilder, insbesondere wenn Röntgenbilder auf Verletzungen hindeuten oder schlecht sichtbare Bereiche umfassen. Nur sagittale T2-MRT-Sequenzen erwiesen sich als nützlich für prognostische Zwecke. (19)
Ein ganzheitlicher Ansatz, bei dem alle Teammitglieder auf gemeinsame Ziele hinarbeiten, ist während der akuten und chronischen Rehabilitationsphasen der Behandlung von Rückenmarksverletzungen erforderlich. Alle medizinischen Maßnahmen zum Zeitpunkt der Verletzung zielen darauf ab, weitere Rückenmarksschäden zu minimieren und gleichzeitig andere Verletzungen und damit verbundene Beeinträchtigungen zu behandeln und die neurologische Erholung zu optimieren. Traumatische Wirbelsäulenverletzungen können mit strukturellen Schäden und Instabilität der Wirbelsäule einhergehen, wobei Wirbelsäulenfrakturen nach dem Drei-Säulen-Prinzip als stabil, instabil oder potenziell instabil (d. h. derzeit stabil, aber mit der Möglichkeit einer Instabilität im Laufe der täglichen Aktivität) eingestuft werden.
Die Betroffenen werden im Allgemeinen innerhalb weniger Tage nach der Verletzung mobilisiert, vorausgesetzt, sie sind medizinisch stabil und es liegt keine Instabilität oder Schädigung der Wirbelsäule vor, wie sie häufig nach ischämischen Verletzungen auftreten kann. Bei einer Instabilität der Wirbelsäule ist die Behandlung jedoch ganz anders und kann je nach Schwere und Art der Verletzung eine konservative oder operative Behandlung umfassen.(1)(2)
Patienten, die konservativ behandelt werden, müssen in der Regel 6 bis 12 Wochen lang Bettruhe einhalten und die Wirbelsäule ruhigstellen. Je nach Grad der Instabilität müssen sie möglicherweise in der Ausrichtung der Wirbelsäule auf Zug gehalten werden (zervikale Läsionen). Dies geschieht durch Schädeltraktion oder eine Art Keilkissen (für thorakale, lumbale und sakrale Läsionen), wobei die Therapien, die zu Bewegungen an der Verletzungsstelle führen können, stark eingeschränkt sind und die Patienten nur unter strenger ärztlicher Aufsicht gedreht und bewegt werden. Nach dieser Zeit der Ruhigstellung wird die Person in einem Rollstuhl mobilisiert, oft mit einer Wirbelsäulenorthese, die für einige weitere Monate getragen wird. In einigen Fällen kann diese Ruhigstellung mit einer umfassenden Orthese erfolgen, z. B. einem Halo-Fixateur, der eine frühere Mobilisierung im Rollstuhl ermöglicht. (1)(2)
Der gängigste Ansatz bei der Versorgung von Wirbelschäden und Instabilität ist der chirurgische, der darauf abzielt, die neurologische Verschlechterung zu minimieren, die Ausrichtung und Stabilisierung wiederherzustellen, die frühzeitige Mobilisierung zu erleichtern, die Schmerzen zu reduzieren, den Krankenhausaufenthalt zu minimieren und sekundäre Komplikationen zu vermeiden. (13) Derzeit gibt es keine definierten Standards für den Zeitpunkt der Dekompression und Stabilisierung bei Rückenmarksverletzungen. Eine Dekompression des Rückenmarks wird bei folgenden Zuständen empfohlen: Akute Rückenmarksverletzungen mit fortschreitender neurologischer Verschlechterung, Facettenluxation oder beidseitig blockierten Facetten oder bei Einklemmung von Spinalnerven mit fortschreitender Radikulopathie sowie bei ausgewählten Patienten mit extraduralen Läsionen wie Epiduralhämatomen oder Abszessen oder Cauda-Equina -Syndrom. Es gibt viele verschiedene operative Ansätze, aber typischerweise werden die Wirbel neu ausgerichtet und eine chirurgische Stabilisierung wird durch anteriore oder posteriore Fixierung oder eine Kombination aus beidem mit oder ohne Dekompression der Wirbelsäule erreicht.(1)(2)(20)
Patienten, die chirurgisch behandelt werden, können oft viel schneller mobilisiert werden als Patienten, die konservativ behandelt werden, manchmal innerhalb von 7 bis 10 Tagen nach der Operation. Eine Orthesenversorgung kann in einigen Fällen ab der Mobilisation stattfinden. Für die physiotherapeutische Behandlung bedeutet dies vor allem, dass die Patienten weniger lange bettlägerig sind und somit weniger Komplikationen im Zusammenhang mit der Ruhigstellung auftreten, was häufig zu einem kürzeren stationären Aufenthalt führt. Andererseits beeinträchtigt die Anästhesie die Atemfunktion, was das Risiko einer Störung der Atmung in den Tagen nach der Operation erhöht.(1)(2)
Es gibt noch kein allgemein anerkanntes pharmakologisches Mittel. (21) Zu den wichtigsten Kandidaten, die derzeit verwendet werden, gehören:
Weitere Informationen finden Sie in diesem Artikel (in englischer Originalsprache).
Lesen Sie mehr über die pharmakologische Behandlung von Rückenmarksverletzungen (in englischer Originalsprache)
Zelltherapien sind bei der Behandlung von Rückenmarksverletzungen sehr umstritten, da sie eine funktionelle Wiederherstellung durch axonale Regeneration und Wiederherstellung ermöglichen sollen. Viele dieser Zelltherapien werden bisher nur in klinischen Studien und in der Forschung eingesetzt, könnten aber in Zukunft eine größere Rolle bei der Versorgung von Rückenmarksverletzungen spielen. (21)
Die Rehabilitation von Patienten mit einer Rückenmarksverletzung hängt davon ab, in welcher Höhe die Wirbelsäule verletzt wurde und ob es sich um eine komplette oder inkomplette Rückenmarksverletzung handelt. Im Falle einer inkompletten Rückenmarksverletzung werden etwa 25 % der Betroffenen nicht selbstständig gehen können. Die Therapien unterscheiden sich je nachdem, wo die Läsion aufgetreten ist: An der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule. Die Versorgung von Menschen mit Rückenmarksverletzungen ist komplex und lebenslang und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Ein funktionelles, zielgerichtetes, interdisziplinäres Rehabilitationsprogramm sollte den Menschen mit einer Rückenmarksverletzung in die Lage versetzen, ein möglichst erfülltes und unabhängiges Leben zu führen.(1)(2)(24)(25)
In der frühen Phase nach der Verletzung besteht die physiotherapeutische Versorgung vor allem in der Prävention und Therapie von Komplikationen der Atmung und des Kreislaufs, der Pflege von Druckstellen und der Minimierung der Auswirkungen der Ruhigstellung, wie z. B. Kontrakturen (Chartered Society of Physiotherapy Standards, 1997).
Zu den Behandlungszielen in der Akutphase gehören:
Zu den Behandlungszielen in der subakuten bis chronischen Rehabilitationsphase gehören:
Rückenmarksverletzungen sind ein ernstes, weit verbreitetes Gesundheitsproblem, das zu einer Vielzahl von Funktionsstörungen führt und somit große sozioökonomische Auswirkungen hat. Die Therapie ist multidisziplinär und sollte sich auf die Wiedererlangung von Funktionen konzentrieren, die für die Person mit einer Rückenmarksverletzung relevant sind, da eine Geweberückgewinnung oft unmöglich ist. Lesen Sie mehr über die Versorgung von Personen mit einer Rückenmarksverletzung (in englischer Originalsprache).