Originaler Autor – Thomas Longbottom basierend auf dem Kurs von
Damien Howell
Top-Beitragende – Thomas Longbottom, Kim Jackson, Jess Bell und Stacy Schiurring
Die Fähigkeit, Bewegungen zu beobachten und zu analysieren, ist wichtig für die Behandlung von Beeinträchtigungen des Bewegungssystems. Bei der Entscheidung, ob die 2D-Zeitlupen-Videoanalyse zur Erleichterung dieses Prozesses eingesetzt werden soll oder nicht, muss eine Reihe von Fragen berücksichtigt werden, darunter potenzielle Indikationen und Vorteile dieser Methode, mögliche Hindernisse für ihre Anwendung, Techniken für die Videoaufnahme und die Durchführung der Analyse sowie Besonderheiten bei der Erkennung atypischer oder abweichender Bewegungen. Schließlich muss der Anbieter, der den Einsatz dieser Technologie in Erwägung zieht, entscheiden, wie er die aus dieser Analyse gewonnenen Informationen am besten in eine angemessene Änderung der Symptome und in Interventionen zur Linderung der festgestellten Probleme des Patienten umsetzen kann.
Schritt 1: Identifizieren Sie eine Bewegung, die die Symptome reproduziert. Betrachten Sie dies als „den Bär anstupsen“, d.h., etwas zu reizen, zu provozieren(1)
Der erste Schritt besteht darin, die Bewegung zu beobachten. Dann muss eine Entscheidung getroffen werden. Ist eine Echtzeitbeobachtung ausreichend oder ist eine 2D-Zeitlupen-Videoanalyse erforderlich? Die Bewegungsanalyse sollte zu einer Hypothese über die Beeinträchtigung führen, die die abweichende Bewegung verursacht.(2) Diese Hypothese kann getestet werden, und die Bewegungsanalyse kann den Kliniker dazu veranlassen, strukturelle Veränderungen genauer zu untersuchen. Handelt es sich bei der angenommenen Beeinträchtigung beispielsweise um ein Schwächeproblem, so kann dies durch einen Krafttest bestätigt werden. Wenn es sich um Schmerzen handelt, kann die Suche nach einer Bewegungsänderung beginnen, die mit einer Verringerung dieser Schmerzen einhergeht.
Bei diesem Prozess des klinischen Reasonings (klinisch orientiertes logisches Denken) kommt die Gedankenfolge „Wenn, dann“ zum Einsatz, bei der die Hypothese verwendet wird, um zu erklären, warum ein Problem besteht, wenn es sich zeigt, und um dann die Wahl der Behandlung zu rechtfertigen. Wenn häufige muskuloskelettale Schmerzsyndrome und die mit diesen Syndromen verbundenen Bewegungsabweichungen erkannt sind, können dann verbale Hinweise („Cues“) zur Veränderung der Bewegungsabweichungen bestimmt werden.(1)(3)(4)
Schritt 2: Identifizieren Sie eine Reihe von Techniken, wie z. B. alternative Bewegungen, Körperhaltungen, Ausrichtungen und/oder Hilfsmittel, die die Symptome innerhalb der Behandlungssitzung reduzieren bzw. lindern.(1)
In diesem Schritt wird das Verfahren der Symptommodifikation angewandt. Dies ist ein nützlicher zeitgenössischer Ansatz in der Physiotherapie, um die Symptome zu reduzieren und die Funktion zu verbessern, indem man die Bewegungen erkennt, die die Symptome hervorrufen, und diese dann verändert (modifiziert).(5) Die Linderung der Symptome ist der Schlüsselfaktor bei der Identifizierung des richtigen Bewegungsmodifikators. So könnten beispielsweise Wirbelsäulenschmerzen, die bei einer Bewegung vom Sitzen zum Stehen auftreten, durch eine minimale Flexion der Lendenwirbelsäule und eine verstärkte Flexion der Hüfte in Verbindung mit einer Anspannung der Bauchmuskulatur reduziert werden. In einem anderen Fall kann eine Bewegung, die mit einer erhöhten mediolateralen Scherung einhergeht und auf eine andere biomechanische Veränderung hinweist, die Symptome verringern.(6)(6) Die richtige Bewegungsstrategie ist immer diejenige, die die Symptome in der gewünschten Weise verändert/modifiziert.
Der Einsatz der 2D-Zeitlupen-Videoanalyse kann es dem Kliniker ermöglichen, die mit der Provokation der Symptome verbundene atypische Bewegung zu identifizieren und dem Patienten die Art dieser Bewegung bewusst zu machen. Dies ist der Punkt, an dem der Kliniker eine Arbeitshypothese entwickeln sollte, um zu erklären, warum das Bewegungsproblem besteht, und dann damit beginnen sollte, den Bewegungsmodifikator zu bestimmen, der zu einer Symptomlinderung führt.(1)
Schritt 3: In diesem Schritt wird eine Arbeitshypothese oder eine Reihe von Arbeitshypothesen aufgestellt, die eine mögliche Intervention zur Verringerung oder Beseitigung der Symptome rechtfertigen können.(1)
Die Arbeitshypothese sollte getestet werden, und die Bewegung sollte erneut untersucht werden, um die Auswirkungen auf die Symptome zu bewerten. Die Intervention kann in verbalen Hinweisen („Cues“) bestehen, um die abweichende Bewegung zu korrigieren. Stellen Sie fest, ob es eine Veränderung/Modifikation gibt, ob die Symptome gelindert, verringert oder sogar verstärkt wurden oder ob es unbeabsichtigte Folgen gibt. So kann ein Patient beispielsweise hinken, dieses Hinken wird durch verbale Hinweise korrigiert, was aber wiederum zu verstärkten Hüftschmerzen führt. An dieser Stelle sollte dann die Intervention verändert werden, etwa durch die Verwendung eines Hilfsmittels oder durch die Kräftigung der Glutealmuskulatur, um die Bewegungsabweichung zu beseitigen und gleichzeitig die Schmerzen zu reduzieren.(1)
Mögliche Nebenwirkungen: Es ist hilfreich, den Patienten schon im Vorfeld auf mögliche Nebenwirkungen vorzubereiten. Dies kann das Engagement des Patienten erhöhen, den Kliniker darauf vorbereiten, die Nebenwirkungen abzumildern, falls sie auftreten, und eine rechtzeitige Anpassung der Intervention erleichtern.
Seien Sie sich bewusst, dass „den Bär anstupsen“ nicht bei jedem funktioniert. Eine kurzfristige Veränderung in der Bewegungsausführung ist nicht gleichbedeutend mit einem erlernten Verhalten; der Patient benötigt weiterhin Übung und Training. Der Kliniker sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass die Gründe für die Verringerung der Symptome durch die veränderte Bewegung möglicherweise nicht bekannt sind. Dies könnte auf eine Veränderung der Biomechanik, eine veränderte motorische Kontrolle oder sogar auf den Plazebo-Effekt zurückzuführen sein. Es ist zwar leicht anzunehmen, dass die Kontrolle der Symptome auf eine erfolgreiche Intervention hindeutet, doch kann es von Vorteil sein, die Ursache der Beeinträchtigung genauer zu untersuchen und weitere geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um ein langfristiges, nachhaltiges Ergebnis zu erzielen. Schließlich ist zu bedenken, dass die Unfähigkeit, die Symptome durch eine Änderung der Bewegung zu provozieren oder zu modifizieren, auf die Notwendigkeit einer Überweisung an einen geeigneteren Gesundheitsdienstleister hinweisen kann.(1)
Die Integration der 2D-Zeitlupen-Videoanalyse in telemedizinische Dienste ist ohne großen Aufwand möglich, sobald ein Kliniker mit der Nutzung dieser Technologie in der Praxis begonnen hat.(1) Die Versorgung durch Telegesundheit kann eine wirksame Strategie zur Überwachung des Gesundheitszustands und zur Kommunikation mit den Patienten sein.(8)(9)