Die Allgegenwärtigkeit der Technologie in unserem täglichen Leben hat den Weg für die Entwicklung alternativer Methoden der Gesundheitsversorgung geebnet.
Es gibt vier Bereiche, die berücksichtigt werden müssen, um die angemessene Erbringung und Inanspruchnahme von Telegesundheitsdiensten zu gewährleisten.(4)
Sowohl der Patient als auch der Therapeut müssten Zugang zur entsprechenden Technologie haben, um Telegesundheit zu ermöglichen. Diese muss alle unten genannten Bestandteile enthalten. Jedes Mal vor Beginn einer Sitzung müssen die technischen Komponenten getestet werden, um sicherzustellen, dass es während der Sitzung nicht zu Störungen kommt.(5) Die Patienten sollten auch dazu angehalten werden, ihre Kamera, die Kamerawinkel und das Mikrofon vor einem Termin zu testen.(6) In einigen Fällen kann die Unterstützung von IT-Fachleuten erforderlich sein.(7)
Internetverbindung: Eine schlechte Internetverbindung kann sich auf einen Termin im Rahmen der Telegesundheit negativ auswirken.(8)(9) Die Download-Geschwindigkeit bestimmt die Qualität des Videostreams. Eine Mindestverbindungsgeschwindigkeit von 50 Mbps ermöglicht eine Echtzeit-Ansicht mit minimaler bis keiner Pufferung bei 720p. Eine kabelgebundene Breitbandverbindung bietet die geringsten Latenzzeiten und die höchste Verbindungsgeschwindigkeit. Mobiles Internet und WLAN sind von Natur aus langsamer und können durch Umgebungsbarrieren wie Wände beeinträchtigt werden. Es ist ratsam, ein Smartphone / Telefon in der Nähe zu haben, um bei eventuellen Unterbrechungen während der Sitzung kommunizieren zu können.
Kamera: Laptops haben in der Regel eher minderwertige eingebaute Webcams. Stattdessen kann eine spezielle HD-Webcam oder ein beliebiges Handgerät mit einer hochauflösenden Frontkamera verwendet werden. Idealerweise sollte die Kamera eine Mindestauflösung von 720p und ein weites Sichtfeld haben, das eine bessere Sicht auf einen größeren Bereich ermöglicht, damit eine detaillierte Beurteilung erleichtert wird. Vergewissern Sie sich, dass das Motiv zentriert erscheint und sich die Kamera auf Augenhöhe befindet. Das Gesicht und der Oberkörper sollten deutlich sichtbar sein. Stellen Sie den Fokus ein, wenn das Video nicht scharf ist. Die Montage der Kamera auf einem Stativ kann die Bildstabilität und -schärfe verbessern. Positionieren Sie die Kamera mindestens 1,5 m vom Motiv entfernt, um einen maximalen Erfassungsbereich zu erhalten, oder wie in den technischen Daten der Kamera angegeben. In einigen Fällen kann es erforderlich sein, die Kamera zu bewegen, was eine erneute Schärfeeinstellung erfordert. Schließlich muss die Kamera in die entgegengesetzte Richtung der Lichtquelle gerichtet sein (z. B. darf die Kamera nicht auf ein Fenster gerichtet sein, sondern muss von diesem weg zeigen). Möglicherweise ist eine zusätzliche Beleuchtung erforderlich, um die Belichtung anzupassen.
Mikrofon: Ein Headset oder ein spezielles Mikrofon kann die Audioqualität im Vergleich zu eingebauten Audiolösungen in Geräten der Unterhaltungselektronik (wie Laptops, Smartphones oder Tablets) erheblich verbessern. Kabelgebundene Headsets haben keine Latenzzeit und sollten einem Bluetooth-Audio vorgezogen werden. Sprechen Sie nicht zu nah oder zu weit vom Mikrofon entfernt, da sonst die Lautstärke schwankt. Während einer Bewegung wird der Ton möglicherweise nicht klar aufgenommen, und ein Lavalier- oder Körpermikrofon ist dafür besser geeignet als ein stationäres Mikrofon. Ein Pop-Filter und ein Schaumstoff-Windschutz verbessern den Klang zusätzlich, indem sie Umgebungsgeräusche entfernen.
Software: Es gibt eine Vielzahl von Anwendungen (Apps), die auf verschiedenen Plattformen für alle Gerätekategorien verfügbar sind und die Praxis der Telegesundheit unterstützen können. Jede App muss auf ihre Anwendbarkeit im Hinblick auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten geprüft und bewertet werden. Es muss betont werden, dass die gewählte Software nicht nur benutzerfreundlich und intuitiv sein sollte, sondern auch andere klinische Aspekte berücksichtigen muss. Diese Apps müssen vor der Sitzung heruntergeladen und regelmäßig auf neue Funktionen und Sicherheitspatches aktualisiert werden. Referenzdateien und andere relevante Daten sollten dem Patienten ebenfalls im Voraus übermittelt werden.
Zusätzliche Hardware: Je nach den besonderen Anforderungen des telegesundheitlichen Settings können zusätzliche Peripheriegeräte erforderlich sein. Dazu könnten Eingabegeräte wie Touchscreen-Displays, Stifte oder Instrumente wie elektronische Stethoskope gehören. Gegebenenfalls können Spieleinheiten wie Xbox Kinect verwendet werden.
Die Rolle der Räumlichkeiten darf nicht unterschätzt werden. Die folgenden Empfehlungen helfen Ihnen bei der Gestaltung oder Änderung Ihres Telegesundheit-Konzepts:(5)(11)
Ort: Der Therapeut kann je nach Bequemlichkeit und anderen unten genannten Faktoren zwischen seinem Arbeitsplatz und seiner Wohnung wählen. Der Patient muss einen privaten Raum wählen, der normalerweise nicht von anderen Familienmitgliedern bewohnt wird. Falls eine spezielle Aufgabe in einer bestimmten Umgebung beurteilt werden muss, kann der Standort entsprechend geändert werden. Externe Standorte sind nicht unbedingt zu bevorzugen, da es viele Variablen gibt, die schwer zu kontrollieren sind, und eine gleichbleibende Videoqualität nicht möglich ist.
Platz: Der Raum muss groß genug sein, um eine Ganganalyse und die Verwendung von Hilfsmitteln wie Rollstühlen oder Gehhilfen zu ermöglichen. Es kann ratsam sein, alle nicht benötigten Möbel auszuräumen, um den Raum zu entrümpeln und den verfügbaren Platz zu maximieren. Ältere Patienten können von der Verwendung eines Markierungsbands als visuelle Orientierungshilfe profitieren.
Einrichtung: Der Hintergrund muss feststehend und von neutraler Farbe sein (Blau ist vorzuziehen). Darüber hinaus kann auch das Tragen von Kleidung in neutralen Farben die Sichtbarkeit verbessern. Wenn kein neutraler Hintergrund zur Verfügung steht, kann ein Bildschirmhintergrund verwendet werden. Möbel müssen aus dem Weg geräumt werden, um Unfälle zu vermeiden und die Sichtlinie freizuhalten.
Ausrüstung: Die für die Befunderhebung erforderlichen Geräte und Hilfen müssen in unmittelbarer Nähe und in geordneter Weise aufbewahrt werden, damit sie leicht zu benutzen sind und keine unnötigen Verzögerungen entstehen. Sie können auf einem Materialwagen platziert werden, um den Transport zu erleichtern.
Beleuchtung: Ein gut beleuchteter Raum mit 300-500 Lux ist eine Grundvoraussetzung für eine optimale Videoaufnahme. Je nach Tageszeit und Anzahl der verfügbaren Fenster können zusätzliche Lichtquellen erforderlich sein. Die Lichtquelle muss ebenfalls auf das Motiv gerichtet sein, da das Licht von oben allein Schatten wirft, die die Sicht beeinträchtigen.(12) Künstliche Lichtquellen mit weißem Licht sind vorzuziehen, da sie dafür sorgen, dass alle Motive im Bild ihre natürlichen Farben behalten. Dies ist besonders wichtig, wenn der Patient älter ist, da ältere Menschen oftmals eine verminderte Farbwahrnehmung vorweisen.
Geräuschpegel: Die Umgebungsgeräusche können durch die Wahl des richtigen Zeitpunkts für die Sitzung kontrolliert werden. Falls die Geräuschpegel immer noch zu hoch sind, müssen möglicherweise Techniken zur Lärmminderung eingesetzt werden. Geschlossene Türen und Fenster können den Lärm dämpfen, aber auch den Nachhall erheblich verstärken. Andere Methoden sind die Anbringung von schallabsorbierenden Deckenplatten oder Akustikpaneelen und die Verwendung von Teppichen.
Es ist wichtig, standardisierte Schritt-für-Schritt-Abläufe für die Telegesundheit zu entwickeln. Einige Aspekte mögen dieselben sein wie bei einer persönlichen Sitzung, aber es ist wichtig, dass alle in der Praxis dieselben Schritte befolgen. Beachten Sie bei der Entwicklung Ihres Ablaufs die folgenden Fragen: (14)
Für detailliertere Anleitungen können Sie sich unter diesem Link registrieren, um den WebPT-Leitfaden The Rehab Therapist’s Guide to Practicing Telehealth zu erhalten (in englischer Originalsprache).
Der Therapeut ist der Vermittler und kann daher den gesamten Prozess entweder in Gang bringen oder beenden. Therapeuten müssen alle unten genannten Punkte berücksichtigen:(4)(5)
Technisches Geschick: Es versteht sich von selbst, dass die Vertrautheit mit grundlegenden Kommunikationstechnologien eine Fähigkeit ist, die den Prozess der Telegesundheit erheblich vereinfacht. Es ist ratsam, mit einem Kollegen, Freund oder Partner zu üben, bevor man zum ersten Mal Sitzungen mit Patienten beginnt. Der Therapeut muss in der Lage sein, den Patienten während der Sitzung zu unterstützen und ihn bei der Behebung von Problemen zu begleiten.
Fachliche Kompetenz in der Befunderhebung: Um den Patienten über das Video effektiv beurteilen zu können, sollte der Therapeut bereits im traditionellen Präsenzformat sehr erfahren sein. Es könnte ein gewisser Einfallsreichtum erforderlich sein, um die Grenzen der Telegesundheit zu überwinden. Kommunizieren Sie klar und deutlich mit dem Patienten unter Verwendung einfacher Anweisungen. Verwenden Sie so oft wie möglich Fragebögen zur Selbsteinschätzung (Patient-Reported Outcome Measures – PROMs).
Patientenauswahl und Sicherheit: Das klinische Bild des Patienten bestimmt die Anwendbarkeit der Telegesundheit. Die Risiken und Gefahren müssen ermittelt werden, bevor der Patient an diesem Verfahren teilnimmt. Vorbestehende Behinderungen, wie z. B. eine Sehbehinderung, können sich negativ auf die Teilnahme des Patienten auswirken. Dies würde die Anwesenheit einer Betreuungsperson während jeder Sitzung erfordern. Die Vertraulichkeit muss gewahrt bleiben, und die Datenschutzbestimmungen müssen stets beachtet werden. Die Patienten müssen über die Grenzen der Telegesundheit aufgeklärt werden.
Umgang und Verhalten: Der Blickkontakt ist entscheidend. Die Körpersprache wird auf dem Video übertrieben dargestellt und ist daher eine wichtige Komponente der „virtuellen“ Kommunikation. Professionelle Umgangsformen, wie z. B. eine gepflegte Erscheinung und angemessene Kleidung, sind unerlässlich. Der Therapeut muss die ethnischen und soziokulturellen Überzeugungen des Patienten stets berücksichtigen.
Gesetzliche Anforderungen: Viele Länder schreiben zum Schutz ihrer Bürger die Registrierung von an Telegesundheit teilnehmenden Leistungserbringern vor. Therapeuten müssen sich bei ihren Berufsorganisationen über ihre Eignung zur Ausübung dieser Tätigkeit beraten lassen.
Der Patient muss das Modell der Telegesundheit vollständig verstehen und selbst entscheiden, ob es für ihn die geeignete Methode der Gesundheitsversorgung ist. Im Folgenden sind einige wichtige Bereiche aufgeführt, mit denen sich der Patient noch vor der Teilnahme vertraut machen muss:(4)(5)
Einwilligung: Es ist zwingend erforderlich, dass der Patient oder eine bevollmächtigte Person der Teilnahme an der Telegesundheit zustimmt. Die Einwilligung muss im Idealfall persönlich erteilt werden, wenn dies möglich ist, andernfalls muss die Einwilligung mündlich in einer Videoaufzeichnung erfolgen. Der Patient muss die Möglichkeit haben, sich aus der Sitzung zurückzuziehen, wann immer dies nötig ist.
Datenschutz: Die Erhebung von Daten ohne ausdrückliche und informierte Einwilligung ist strafbar. Daher müssen sich Patient und Therapeut regelmäßig über die Bedingungen der Sitzung austauschen, um sicherzustellen, dass es keinen Vertrauensbruch gibt. Die gesamte Kommunikation muss über Plattformen erfolgen, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterstützen.
Rolle der Betreuungspersonen: Die Teilnahme der Betreuungspersonen muss gefördert werden, da sie für den Patienten und die Betreuungspersonen von gegenseitigem Nutzen sein kann. Dies ist besonders wichtig für Patienten mit einer vorbestehenden Behinderung oder ältere Menschen.
Finanzen: Die Abrechnung und die Beantragung von Zuschüssen und Kostenerstattungen für die in Anspruch genommenen Leistungen müssen transparent sein. Diese müssen auf der Website der Berufsorganisation, der der Therapeut angehört, und der örtlichen Verwaltung veröffentlicht werden.
WHO über Telemedizin (in englischer Originalsprache)
World Physiotherapy über Telegesundheit (in englischer Originalsprache)
APTA über Telegesundheit (in englischer Originalsprache)
APA-Richtlinien zur Telegesundheit (in englischer Originalsprache)
Telemedicine: Legal and Practical Considerations – New York Law Journal
How to provide a great online consultation! – Running-Physio.com