Grundlagen der Technologien der Telegesundheit

Originale Autorin – Tarina van der Stockt

Top-Beitragende Wanda van Niekerk, Kim Jackson, Tarina van der Stockt und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

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Unter Telegesundheit (engl. „telehealth“) versteht man die Bereitstellung von gesundheitsbezogenen Dienstleistungen und Informationen über den Weg der elektronischen Kommunikation. Sie wird definiert als eine „über räumliche und/oder zeitliche Distanzen hinweg geschehende Begegnung zwischen 2 Klinikern oder zwischen einem Patienten und einem Kliniker“.(1) Die Person ist durch die Telegesundheit in der Lage, ihre Gesundheit mit Hilfe von medizinischen Fachkräften aus der Ferne zu verwalten.(2)

Die Technologie ist ein Schlüsselaspekt bei der Erbringung dieser Dienste, aber die Telegesundheit ist nicht auf eine bestimmte Art von Technologie beschränkt. Während die Technologie eine klinische Interaktion über eine beliebige räumliche und zeitliche Distanz ermöglicht, kann die Wahl der Technologie bestimmen, wie diese Interaktionen ablaufen.

Formen der Telegesundheit ( edit | edit source )

Von der Wahl der Technologie hängt es ab, ob die Telegesundheit asynchron oder in Echtzeit erfolgt.

  • Asynchrone Telegesundheit oder Store-and-Forward (S&F)(3)(4)(5)
    • Die Informationen werden aufgezeichnet und übertragen – je nach Verfügbarkeit der Verbindung können sie lokal oder auf einem Server gespeichert werden.
    • Es gibt eine Zeitverzögerung zwischen dem Senden einer Nachricht von einem Beteiligten und dem Empfang durch den zweiten Beteiligten
    • Zu den häufig verwendeten Store-and-Forward-Technologien gehören:
      • Sichere Nachrichtenübermittlung
      • E-Mail
      • Webbasierte Selbstmanagement-Programme
    • Neuere Technologien wie die virtuelle Realität oder „Wearables“ nutzen die Store-and-Forward-Technologie, um Daten an den Therapeuten zu übertragen.
    • Die Daten können von den Teilnehmern (Patienten oder Gesundheitsdienstleistern) nach Belieben eingesehen und kommentiert werden.
    • Weniger abhängig von der Konnektivität
    • Schwieriger zu verwalten
    • Die Wahl der Software und die Standards für die Konnektivität spielen eine Rolle
  • Synchrone Telegesundheit oder Telegesundheit in Echtzeit(3)
    • Die von der einen Seite gelieferten Informationen werden von der anderen Seite unimttelbar empfangen (über audiovisuelle Mittel)(6)(7)(8)
    • Informationen oder Daten werden live übertragen
      • Es handelt sich um eine bequeme und einfache Form der Telegesundheit
        • Erfordert eine hohe Bandbreite
        • Erfordert eine konstante Konnektivität
        • Erfordert Investitionen in entsprechende Hardware
      • Videokonferenzen zwischen Patient und Gesundheitsdienstleister sind das beste Beispiel – Physiotherapeut und Patient können einander live sehen und miteinander interagieren
      • Dies gilt vor allem für die kardiopulmonale Physiotherapie, die Behandlung von Diabetes und muskuloskelettalen Erkrankungen und Verletzungen, z. B. Arthrose, sowie für die Rehabilitation von Patienten nach orthopädischen Operationen(9)

(10)

Terminologie(edit | edit source)

Krankenversicherungen wie in den USA verwenden möglicherweise die folgende Terminologie:(11)

  • True Telehealth visits (etwa: „Echte telegesundheitliche Sitzungen“): Echtzeit; synchron mit Zwei-Wege-Video; nicht nur für bereits bekannte Patienten; müssen nicht vom Patienten initiiert werden
  • E-visits (etwa: „Elektronische Sitzungen“): Asynchron; Befund und Management über Informationsaustausch und sichere Nachrichtenübermittlung (Patientenportal); nur für bereits bekannte Patienten; patienteninitiiert
  • Virtual check-ins (etwa: „Virtuelle Nachsorge“): Telefonanruf in Echtzeit, nur mit Audio (kein Video), kann aber durch aufgezeichnete Videos oder Informationsübermittlung ergänzt werden. Geschieht durch Telefonanrufe, sichere Nachrichtenübermittlung wie ein Portal oder E-Mail. Nur für bereits bekannte Patienten und auf Initiative des Patienten
  • Remote Evaluations of Images and Recorded Video (etwa: „Fernauswertungen von Bildern und Videoaufzeichnungen“): Synchron und asynchron per Telefon, Echtzeit-Video oder Audio, Text, sichere Nachrichtenübermittlung und E-Mail. Nur für bereits bekannte Patienten und auf Initiative des Patienten
  • Telephone Visits (etwa: „Telefonische Beratung“): Synchron; in Echtzeit per Telefon. Nur für bereits bekannte Patienten und auf Initiative des Patienten
  • Online Digital Evaluation and Management Services (etwa: „Digitale Online-Befund- und Managementdienste“): Befunderhebung und Management über Informationsaustausch und sichere Nachrichtenübermittlung. Nur für bereits bekannte Patienten und auf Initiative des Patienten(11)

Faktoren, die die Wahl der Technologie im Bereich Telegesundheit beeinflussen ( edit | edit source )

Telehealth Technology choice.png

Es ist wichtig, die Auswahl der Technologie auf die Art der Interaktion abzustimmen, die für die spezifische Patientengruppe des Physiotherapeuten erforderlich ist. Dabei sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:(12)

  • Aufgabe – Befunderhebung/Assessment oder Management
  • Interaktion – zwischen Physiotherapeut und Patient
  • Erforderlicher Stimulus für die Interaktion – ein Telefonanruf, eine Videodemonstration oder Echtzeit?
  • Art der erforderlichen Reaktion des Patienten
  • Technische Funktion zur Erleichterung der Interaktion zwischen Physiotherapeut und Patient

Bestimmung der Art der zu verwendenden Technologie ( edit | edit source )

  • Erstellen Sie eine Liste der spezifischen Patiententypen, die Sie mit Hilfe der Telegesundheit betreuen möchten, und listen Sie die Elemente der Befunderhebung und die verschiedenen Behandlungsstrategien auf, die bei der Betreuung Ihrer Patienten möglicherweise angewendet werden müssen.
  • Denken Sie bei jeder dieser Aufgaben an die erforderliche Interaktion mit Ihrem Patienten.
  • Wie müssen Sie mit Ihrem Patienten umgehen?
  • Kann das erforderliche Element der Befunderhebung oder die angedachte Behandlungsstrategie mit asynchroner Technologie (Store-and-Forward) durchgeführt werden, oder benötigen Sie Echtzeittechnologie, um die Informationen angemessen und effektiv an den Patienten weiterzugeben?
  • Welcher Stimulus ist erforderlich, um diese Interaktion zwischen Physiotherapeut und Patient zu erleichtern? Genügt ein Telefonanruf oder ist eine Videodemonstration erforderlich? Ist eine Echtzeit-Interaktion erforderlich, um dem Patienten aktiv Feedback zu geben?
  • Denken Sie an die spezifische Aktion, die Sie von Ihrem Patienten als Reaktion auf den Stimulus (Telefonanruf, Video, Echtzeit) verlangen, z.B. die Ausführung einer bestimmten Bewegung durch den Patienten.
  • Überlegen Sie sich, welche technischen Funktionen die spezifische Technologie haben muss, um die Interaktion zwischen Physiotherapeut und Patient zu erleichtern.(12)

Beispiel eines orthopädischen postoperativen Patienten ( edit | edit source )

Berücksichtigen Sie die oben genannten Faktoren, wenn Sie einen orthopädischen Patienten postoperativ betreuen.

  • Aufgabe: Bewegungsanalyse
  • Erforderliche Interaktion:
    • Kann der Patient ein Video der spezifischen Bewegung aufnehmen und an Sie senden (asynchron / Store-and-Forward)?
    • Ist eine Interaktion in Echtzeit erforderlich, um dem Patienten Feedback und Hinweise zur Bewegungskontrolle zu geben?
  • Der Stimulus für den Patienten
    • Benötigt der Patient nur Anweisungen für bestimmte Bewegungen?
    • Ist ein Demonstrationsvideo der benötigten Bewegung erforderlich (jemand, der die spezifische Bewegung ausführt)?
    • Ist ein Feedback in Echtzeit erforderlich, um sicherzustellen, dass die Bewegung korrekt ist?
  • Reaktion des Patienten
    • Aktive Bewegung – kann der Patient sie selbst ausführen oder ist Hilfe oder Beaufsichtigung durch einen Betreuer oder den Ehepartner erforderlich?
  • Technische Funktionen, die für das Telegesundheitssystem erforderlich sind
    • Bietet das System Echtzeittechnologie?
    • Bietet die Plattform die Möglichkeit der Bildschirm- oder Videofreigabe (Bildschirm teilen / Screen sharing)?
    • Verfügt das System über Messfunktionen, z. B. zur Messung des Bewegungsausmaßes?
    • Erlaubt das System die Aufnahme von Standbilder oder Videos des Patienten für Ihre Unterlagen?

Verwenden Sie diese Liste, um die am besten geeignete Plattform für Ihre spezielle Patientengruppe zu bestimmen.(12)

Siehe auch: Praktische Überlegungen zur Telegesundheit

Auswahl einer geeigneten Plattform für Telegesundheit ( edit | edit source )

Suitable Telehealth Platform.png

Überlegungen(edit | edit source)

  • Verfügbarkeit(12)(13)
    • Ist die notwendige Technik für den Physiotherapeuten und den Patienten verfügbar?
    • Ist die Technologie in Ihrem Land/Ihrer Organisation/Ihrem Bundesland zugelassen?
    • Berücksichtigen Sie die Art der Technologie, die dem Patienten zur Verfügung steht, z. B. nur ein Smartphone
  • Datenschutz und Sicherheit(12)(13)
    • Die Technologie muss den erforderlichen Sicherheitsniveaus entsprechen, die durch staatliche oder nationale Gesetze vorgeschrieben sind.(14)
      • Sichere Übertragung von Daten über das Internet durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
      • Anforderungen an die Vertraulichkeit und dem Datenschutz von Patienten als Teil der Plattform
  • Benutzerfreundlichkeit(12)(13)
    • Für beide Beteiligten – Physiotherapeut und Patient
    • Ist ein Download für den Patienten erforderlich? Einfacher ist besser. Versuchen Sie, zusätzliche Komplikationen für Ihre Patienten zu vermeiden, wie etwa das Herunterladen und Installieren von spezieller Software. Plattformen, die nur einen Klick auf einen Link erfordern, um den Anruf zu starten, sind einfacher und besser für die Patienten
    • Relevant für Patienten mit körperlichen oder kognitiven Behinderungen
    • Benutzerfreundlich für den Physiotherapeuten – die Software sollte einfach zu navigieren, gut gestaltet und logisch zu bedienen sein
    • Was ist der Umfang der Einarbeitung, die für die Nutzung der Technologie erforderlich ist? Wird diese in Ihrer klinischen Einrichtung praktikabel sein?
    • Einige Plattformen ermöglichen es dem Physiotherapeuten, die gesamte Technologie von sich aus zu steuern, was die nötige Interaktion des Patienten mit der Technologie begrenzt und es für den Patienten somit einfacher macht.
  • Medizinisch-rechtlich(13)
    • Zeichnet die Plattform die Sitzung automatisch auf oder sollten Sie eine Anwendung (App) eines Drittanbieters verwenden, um die Sitzung aufzuzeichnen (wenn dies der Fall ist, wird die Liste der Dinge, an die man denken muss, noch länger)
    • Verlangen Sie vom Patienten, dass er vor Beginn der Sitzung bestimmten Haftungsausschlüssen oder rechtlichen Anerkennungen zustimmt? Lässt die Plattform dies zu?
    • Siehe auch Ethische und berufliche Überlegungen zur Telegesundheit
  • Kosten(12)(13)
    • Dies muss im Kontext des gesamten Geschäftsmodells betrachtet werden. Wird das Verfahren auf Dauer tragfähig sein?
    • Passt die Preisgestaltung zu Ihrem Anrufvolumen? Wenn Sie eine häufige Anzahl an telegesundheitlichen Sitzungen verzeichnen, kann eine monatliche Gebühr für Patienten eine Option sein. Wenn es nur um wenige Sitzungen geht, sollten Sie eher eine Einzelvergütung pro Sitzung/Termin in Betracht ziehen.
  • Kompatibilität(12)
    • Kann die ausgewählte Technologie mit anderen Technologien integriert werden?
    • Sind die Patientendaten mit Ihrer Praxisverwaltungssoftware verbunden?
    • Denken Sie daran, dass es in verschiedenen Ländern unterschiedliche Technologien gibt, wenn Sie grenzüberschreitend tätig sind.

(15)

Geeignete Videoplattformen ( edit | edit source )

Sicherheit und Schutz der Kundendaten und -unterlagen sind im Gesundheitswesen von größter Bedeutung. Dies ändert sich auch nicht, wenn die Betreuung über die Telegesundheit erfolgt. Sicherheit und Schutz durch Videoplattformen sind daher äußerst wichtig und eine Notwendigkeit.

Länder und Staaten haben ihre eigenen Gesetze, Verordnungen und Datenschutzbestimmungen im Zusammenhang mit Gesundheitsdienstleistungen. Diese können regeln, wie die persönlichen Daten eines Patienten behandelt und sicher aufbewahrt werden. Daher ist es wichtig, dass die von Ihnen verwendete Videosoftware und -plattform:

  • verschlüsselt,
  • abhörsicher und
  • nicht hackbar ist.

Sie als Kliniker können dafür haften, wenn sensible Informationen aufgrund der Verwendung einer weniger sicheren oder minderwertigen Plattform nicht gut geschützt sind.(16)

Plattformsicherheit ( edit | edit source )

Der Kliniker muss nachweisen, dass die gewählte Plattform sicher und privat ist, und wenn sich dies in Zukunft ändert, muss eine andere Plattform in Betracht gezogen werden. Für Videoanrufe ist eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erforderlich.(16) Für die Plattform sollte eine umfassende Risikobewertung durchgeführt werden. Während der COVID-19-Krise ist die Notwendigkeit dieser umfassenden Bewertung, insbesondere in den USA, gelockert, aber in der Zukunft wird sie sich wahrscheinlich wieder normalisieren. Befolgen Sie die Richtlinien Ihres Landes oder Staates bezüglich DSGVO (GDPR), BAA-Agreements und HIPAA.(11)

Verfügbare Plattformen für Telegesundheit ( edit | edit source )

Es gibt viele Plattformen für die Telegesundheit, und der Kliniker sollte diejenige wählen, die seinen Bedürfnissen am besten entspricht. Einige Plattformen sind cloudbasiert (Coviu, Doxy.me), andere sind appbasiert (Physitrack) oder in das Praxissoftwaremanagement eingebettet (Cliniko).

Häufig genutzte Plattformen ( edit | edit source )

Zoom(edit | edit source)

  • weniger stromlinienförmige Schnittstelle;
  • für die erstmalige Nutzung ist ein Download erforderlich – kann zu Schwierigkeiten für den Patienten führen;
  • konzipiert für Meetings und Webinare;
  • kann für Gruppenunterricht/Übungsgruppen geeignet sein, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass sensible Informationen weitergegeben werden;
  • es existieren Medienberichte über Sicherheitslücken auf der Plattform – nicht ideal für Gesundheitsdienste, bei denen sensible und private Gesundheitsinformationen übermittelt werden;
  • Anrufe werden möglicherweise nicht standardmäßig verschlüsselt – die Einstellung „Verschlüsselung für Endpunkte von Drittanbietern verlangen“ muss eingeschaltet werden;(16)
  • Zoom für das Gesundheitswesen – höhere Abonnementgebühr. Lässt sich in manche Physiotherapiesoftware integrieren und bietet eine höhere Sicherheit mit HIPAA-Konformität.

Facetime(edit | edit source)

  • Patienten können Sie jederzeit erreichen – nicht ratsam;
  • Daten aus Chats und Videoanrufen über Facetime können in Ihrer persönlichen iCloud gespeichert werden – dies kann zu nicht konformen und rechtlichen Problemen bei der Speicherung von privaten und vertraulichen Gesundheitsdaten führen;(16)
  • in der Vergangenheit wies die Plattform Sicherheitslücken auf.

Skype(edit | edit source)

  • es gibt Berichte über eine schlechte Qualität der Anrufverbindungen;
  • weist Datenschutz- und Sicherheitsprobleme sowie Schwachstellen auf.
Telehealth whatsapp.jpg

Whatsapp(edit | edit source)

  • die App ist mit Ihrer Mobiltelefonnummer und dann auch mit der Mobiltelefonnummer Ihres Patienten verbunden;
  • Probleme der Datensicherheit und der Einhaltung von Vorschriften (Recht auf Löschung von Daten – dürfen Sie z. B. eine Nachricht von einem Patienten löschen?);
  • es existieren Berichte über Sicherheitsprobleme und Hackerangriffe.(16)

Microsoft Teams ( edit | edit source )

  • sicherer als Skype;
  • die Einrichtung kann schwierig sein;
  • die Benutzerfreundlichkeit kann zum Problem werden.

Überlegungen(edit | edit source)

Wenn der Therapeut sein eigenes Handy/Smartphone für die Betreuung von Patienten verwendet (Anruf, WhatsApp oder FaceTime), muss er dafür sorgen, dass seine private Nummer verborgen und sicher bleibt. Ein Anrufdienst wie beispielsweise Google Voice kann genutzt werden, um eine alternative Nummer zu verwenden. (11)

Zusammenfassung zur Nutzung von Plattformen ( edit | edit source )

Es gibt viele Plattformen für Videoanrufe, und es werden ständig neue geschaffen, während die bestehenden sich in Bezug auf Sicherheit, Funktionalität, Benutzerfreundlichkeit und Qualität ändern können. Als Gesundheitsdienstleister sind Sie nach wie vor dafür verantwortlich, den Datenschutz und die Sicherheit der sensiblen Gesundheitsdaten Ihrer Patienten zu gewährleisten, und dies muss bei der Entscheidung, welche Plattform für die Telegesundheit genutzt werden soll, im Vordergrund stehen.

Datensicherheit in der Telegesundheit ( edit | edit source )

Als Gesundheitsdienstleister sind Sie gesetzlich verpflichtet, Patientendaten sicher aufzubewahren. Mit der zunehmenden Bedeutung der Telegesundheit werden Patientendaten und -informationen immer häufiger online übermittelt. Dies erhöht unsere medizinisch-rechtliche Verantwortung. Viele der Technologieplattformen für Telegesundheit sind weltweit verbreitet, und die Anbieter von Gesundheitsdiensten müssen sich der globalen Datensicherheitsstandards und -konzepte bewusst sein.(17)

HIPAA(edit | edit source)

  • Health Insurance Portability and Accountability Act(18)
  • US-Recht
  • Zweck des Gesetzes – Gewährleistung, dass die Gesundheitsdienstleister geschützte Gesundheitsinformationen sicher aufbewahren
  • Das Gesetz sieht vor:
    • Gesundheitsdienstleister sind „HIPAA Covered Entities“ (etwa: HIPAA-abgedeckte Einrichtungen).
    • Anbieter von Hilfe und Unterstützung für Gesundheitsdienstleister sind „Business Associates“ (etwa: Geschäftspartner).
  • Verlangt von Gesundheitsdienstleistern (Covered Entities), die vertrauliche Gesundheitsdaten über Technologieplattformen speichern und weitergeben, eine Geschäftsvereinbarung mit der Technologieplattform (Business Associate) zu unterzeichnen
  • HIPAA-konforme Plattformen gewährleisten, dass die Sicherheitsanforderungen den HIPAA-Richtlinien entsprechen

DSGVO (GDPR)(edit | edit source)

  • Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) / General Data Protection Regulation (GDPR)(19)
  • Implementiert von der Europäischen Union (EU)
  • Die höchsten Datensicherheitsstandards der Welt
  • Auch wenn die DSGVO nicht spezifisch für das Gesundheitswesen ist, umfasst sie die Speicherung und Übermittlung von Gesundheitsdaten von Patienten
  • Gemäß der DSGVO:
    • Wird der Gesundheitsdienstleister als „Verantwortlicher“ für die Datenverarbeitung bezeichnet
  • Verantwortliche haben besondere rechtliche Verpflichtungen, wie z. B. beim Recht auf Löschung („Recht auf Vergessenwerden“), das den für die Datenverarbeitung Verantwortlichen dazu verpflichtet, Informationen des Patienten („betreffende Person“) auf Antrag unverzüglich zu löschen

Wichtige Grundsätze ( edit | edit source )

Bei der Integration und Implementierung der Telegesundheit müssen bestimmte verwaltungsbezogene, klinische, technische und ethische Grundsätze beachtet werden.(20)

Verwaltungsgrundsätze ( edit | edit source )

  • Angehörige der Gesundheitsberufe sollten sich der Gesetze und Vorschriften ihrer Berufsorganisationen sowie der behördlichen Anforderungen im Bezug auf die Akkreditierung und beruflichen Fortbildung für den Einsatz von IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) bei der Erbringung von Dienstleistungen bewusst sein und diese einhalten.
  • Gesundheitsdienstleister sollten sich der staatlichen und bundesstaatlichen Gesetze und Vorschriften für die Erbringung von telegesundheitlichen Dienstleistungen bewusst sein.
  • Gesundheitsdienstleister sollten sich aller betrieblichen und vertraglichen Anforderungen bei der Einführung von Telegesundheitsdiensten bewusst sein und diese einhalten.
  • Gesundheitsdienstleister sollten die aktuellen Abrechnungs- und Kodierungsverfahren in ihrem Land kennen und darüber informiert sein.
  • Gesundheitsdienstleister sollten bei der Erbringung von Telegesundheitsdiensten die verschiedenen Anforderungen in Bezug auf Sicherheit und Vertraulichkeit einhalten, die von dem jeweiligen Land vorgegeben werden.
  • Gesundheitsdienstleister sollten sicherstellen, dass ihre Patienten ihre Rechte und Pflichten kennen, wenn sie telegesundheitliche Dienste in Anspruch nehmen.
  • Gesundheitsdienstleister sollten sicherstellen, dass bei Bedarf ein geeigneter Moderator, Dolmetscher oder E-Helfer (Ehepartner, Familienmitglied oder Betreuer) zur Verfügung steht, um die Bedürfnisse des Patienten vor, während und nach der telegesundheitlichen Betreuung zu erfüllen.
  • Gesundheitsdienstleister sollten über Mechanismen für Notfälle oder für den Fall technischer oder kommunikationstechnischer Unterbrechungen verfügen und einen zweiten Kommunikationsweg zur Verfügung haben.
  • Gesundheitsdienstleister sollten über Bewertungsinstrumente zur Leistungs- und Qualitätsverbesserung verfügen, um ihre telegesundheitlichen Dienste zu beurteilen.(20)

Klinische Grundsätze ( edit | edit source )

  • Gesundheitsdienstleister, die IKT-Hardware, -Software oder -Geräte zur Erbringung von telegesundheitlichen Leistungen einsetzen, sollten in der Bedienung der Geräte und Software sowie in der Fehlerbehebung geschult werden.
  • Gesundheitsdienstleister sollten wissen, wie sie Videokonferenz-Peripheriefunktionen, beispielsweise Tools zum Datenaustausch wie die Bildschirmfreigabe, bedienen können, um die Edukation während einer telegesundheitlichen Sitzung zu unterstützen oder zu verändern.
  • Unabhängig davon, für welche Form der Telegesundheit (synchron oder asynchron) sich ein Gesundheitsdienstleister entscheidet, sollte er während der telegesundheitlichen Betreuung Änderungen der Techniken, der Ausrüstung oder der Räumlichkeiten berücksichtigen.(20)

Technische Grundsätze ( edit | edit source )

  • Gesundheitsdienstleister sollten alle Gesetze, Vorschriften und Regeln für die technologischen Aspekte und die technische Sicherheit einhalten.
  • Gesundheitsdienstleister sollten sicherstellen, dass alle Geräte sicher zu benutzen sind.
  • Gesundheitsdienstleister sollten über Maßnahmen zur Infektionskontrolle bei der Verwendung von Geräten zur Telegesundheit verfügen.
  • Gesundheitsdienstleister sollten bei der Ausübung der Telegesundheit die Vorschriften und Gesetze zum Schutz von Gesundheitsinformationen sowie zur Sicherheit und Vertraulichkeit von Daten und zur Speicherung, zum Abruf und zur Übertragung von Aufzeichnungen einhalten.(20)

Fazit(edit | edit source)

Die spezifische Technologie, die vom Gesundheitsdienstleister gewählt wird:

  • muss zweckmäßig sein;
  • muss eine sichere und wirksame Interaktion zwischen dem Gesundheitsdienstleister und dem Patienten ermöglichen;
  • sollte nicht einfach ausgewählt werden auf Grundlage dessen, welche App „jeder gerade benutzt“, und auch nicht nur, weil sie kostenlos ist;
  • sollte unter Berücksichtigung der Funktionen und der Sicherheit, die für eine hochwertige Interaktion zwischen dem Gesundheitsdienstleister und dem Patienten erforderlich sind, ausgewählt werden.(12)

Referenzen(edit | edit source)

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  3. 3.0 3.1 Gogia,S. Chapter 2 – Rationale, history, and basics of telehealth. In Fundamentals of Telemedicine and Telehealth. Academic Press. 2020. p 11-34.
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  9. de Thurah A, Bremander A, Primdahl J. High-quality RMD rehabilitation and telehealth: Evidence and clinical practice. Best Practice & Research Clinical Rheumatology. 2020 Apr 16:101513.
  10. Karen Finnin: Digital Health. Synchronous vs Asynchronous Telehealth. Published on 29 March 2019. Available from https://www.youtube.com/watch?v=9x3sRxnJG0Q. (last accessed 12 May 2020)
  11. 11.0 11.1 11.2 11.3 WebPT. The Rehab Therapist’s Guide to Practicing Telehealth
  12. 12.0 12.1 12.2 12.3 12.4 12.5 12.6 12.7 12.8 Fundamentals in Telehealth Technology. Course. Plus2020.
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