Verletzungen im Sport – Arten und Klassifikation

Ursprüngliche Herausgeberin – Wanda van Niekerk basierend auf dem Kurs von Ian Gatt

Top-BeitragendeWanda van Niekerk, Lucinda hampton, Kim Jackson und Jess Bell

Einführung(edit | edit source)

Körperlich aktiv zu sein und/oder Sport zu treiben hat viele gesundheitliche Vorteile, birgt aber auch das Risiko von Verletzungen. Sportverletzungen können jederzeit während des Trainings oder im Wettkampf auftreten. Verschiedene muskuloskelettale Bindegewebe können von Verletzungen betroffen sein. In der Sportepidemiologie ist die Verletzungsüberwachung wichtig, da sie der Schlüssel zum Verständnis von Verletzungen ist und zur Entwicklung von Programmen zur Verletzungsprävention beiträgt.

Definitionen(edit | edit source)

Die Konsensgruppe für Epidemiologie von Verletzungen und Krankheiten des Internationalen Olympischen Komitees definiert Verletzungen als (1):

„Eine Verletzung ist eine Gewebeschädigung oder eine andere Beeinträchtigung der normalen körperlichen Funktion infolge der Teilnahme am Sport, die durch eine schnelle oder wiederholte Übertragung von Bewegungsenergie entsteht.“

Die Klassifikation einer Verletzung bezieht sich auf „den Prozess der Beschreibung oder Kategorisierung einer Verletzung (d. h. nach ihrer Lage, ihrem Mechanismus oder der zugrunde liegenden Pathologie)“. (2)

Der Grad einer Verletzung bezieht sich auf den Schweregrad der Verletzung. (2)

Klassifikation von Verletzungen ( edit | edit source )

Zusammenhang zwischen Verletzung und sportlicher Aktivität ( edit | edit source )

Verletzungen können entstehen (1):

  • Direkt, durch die Teilnahme am Sport (kann während des Wettkampfs oder des Trainings erfolgen)
    • Beispiele hierfür sind: Zusammenstöße zwischen Spielern oder Überbeanspruchung durch repetitives Training
  • Indirekt, durch die Teilnahme an Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Wettbewerb oder der Ausbildung
    • Beispiel: Ein Athlet rutscht aus und verletzt sich während seinem Aufenthalt im Olympischen Dorf
  • Durch Aktivitäten, die nicht mit der Teilnahme am Sport zusammenhängen
    • Beispiel: Ein Sportler ist in einen Autounfall verwickelt.

Zeitlicher Verlauf ( edit | edit source )

Traditionell werden Verletzungen als plötzlich auftretende Verletzungen (akute Verletzungen) oder als allmählich auftretende Verletzungen (Überlastung) klassifiziert, man muss jedoch auch eine akute Verletzung aufgrund von Überbeanspruchung in Betracht ziehen. (1)

  • Akute Episode = plötzliche Verletzung aufgrund eines Austauschs großer Mengen kinetischer Energie (Zusammenstoß zwischen Sportlern)
    • Der Mechanismus ist akut, und die Symptome treten plötzlich auf.
  • Überlastungsereignis = allmähliche Anhäufung eines geringen Energietransfers im Laufe der Zeit (Entwicklung einer Tendinopathie durch wiederholte Bewegungen oder Stressfrakturen)
    • Der Mechanismus ist repetitiv, und die Symptome treten schleichend auf.
  • Akute Episode aufgrund von Überbeanspruchung = Kombination beider Mechanismen (z. B. ein Sportler mit einem repetitiven Trainingsprogramm, das zu einer Tendinopathie oder Sehnenschwäche führt, erleidet jedoch bei einem Sprung einen akuten Sehnenriss)
    • Der Mechanismus ist repetitiv, und das Auftreten ist ein plötzlicher Beginn

Eine gründliche subjektive Befund- und Anamneseerhebung geben oft Aufschluss über die Art des zeitlichen Verlaufs. Auch radiologische Untersuchungen können hilfreich sein, um festzustellen, ob es sich bei einer Verletzung um eine akute Episode oder um eine akute Episode aufgrund von Überlastung handelt.(3)

Tabelle 1. Beispiele: Beurteilung des zeitlichen Verlaufs (1)
Mechanismus Präsentation Beispiel
Akut Plötzliches Auftreten
  • Ein Sprinter kommt in einem Rennen plötzlich hoch, bleibt stehen und humpelt ein paar Schritte, weil er sich an den Hamstrings verletzt hat.
  • Ein Fußballer stürzt auf eine ausgestreckte Hand, wobei das gesamte Gewicht auf die Handfläche übertragen und das Handgelenk überstreckt wird, was zu einem Kahnbeinbruch führt
Repetitiv Allmähliches Einsetzen
  • Eine Schwimmerin verspürt im Laufe der Saison allmählich zunehmende Schulterschmerzen, MRT zeigt Rotatorenmanschetten-Tendinopathie
  • Eine Tänzerin leidet unter fortschreitenden Schmerzen bei und nach körperlicher Betätigung sowie unter Druckempfindlichkeit über dem zweiten Mittelfußknochen. Bildgebung zeigt Stressfraktur des zweiten Mittelfußknochens
Repetitiv Plötzliches Auftreten
  • Eine Turnerin erleidet bei der Landung von einem Sprung eine Tibiafraktur; die CT-Bildgebung zeigt morphologische Veränderungen, die auf eine Knochenstressverletzung hindeuten

Verletzungsmechanismus ( edit | edit source )

Eine Verletzung kann durch direkten Kontakt oder durch kontaktlose Mechanismen entstehen.(1)

Tabelle 2. Beispiele: Klassifikation nach dem Verletzungsmechanismus (1)
Verletzung Art des Kontakts Beispiel
Kontaktlos Kein Hinweis auf eine Störung der Bewegungsmuster eines Spielers Basketballspieler landet und verdreht sich den Knöchel, ohne andere Spieler zu berühren
Kontakt

Indirekt

Mit einem anderen Athleten VKB-Ruptur bei einem Fußballspieler, der aus dem Gleichgewicht gerät, nachdem er in der Luft von einem Gegner auf die Schulter gestoßen wurde
Kontakt

Indirekt

Mit einem Gegenstand Abfahrtsskiläufer erleidet Gehirnerschütterung bei einem Sturz, nachdem er mit dem Knie ein Tor berührt hat
Kontakt

Direkt

Mit einem anderen Athleten Rugby-Spieler erleidet einen VKB-Riss infolge eines direkten Tackles auf das Knie
Kontakt

Direkt

Mit einem Gegenstand Volleyballspieler wird von einem Schmetterball im Gesicht getroffen und erleidet eine Gehirnerschütterung

Kategorien nach Körperregion ( edit | edit source )

Verletzungen lassen sich weiter nach dem spezifischen Körperabschnitt und der betroffenen Region einteilen.(1)

Tabelle 3. Kategorien für Verletzungen nach Körperabschnitten und -regionen (1)
Abschnitt Körperregion Abschnitt Körperregion
Kopf und Hals Kopf

Hals

Obere Extremität Schulter

Oberarm

Ellenbogen

Unterarm

Handgelenk

Hand

Untere Extremität Hüfte/Leiste

Oberschenkel

Knie

Unterschenkel

Knöchel

Fuß

Rumpf Brustkorb

Brustwirbelsäule

Lumbosakral

Abdomen

Nicht bezeichnet Abschnitt nicht bezeichnet
Untere Extremität Hüfte/Leiste

Oberschenkel

Knie

Unterschenkel

Knöchel

Fuß

Mehrere Abschnitte Einzelne Verletzung betrifft ≥ 2 Regionen

Kategorien nach Gewebe- und Verletzungstyp ( edit | edit source )

Eine weitere Klassifizierung kann nach der beteiligten spezifischen Gewebeart und dem Verletzungstyp erfolgen. (1) In Tabelle 4 sind die wichtigsten Gewebe- und Verletzungstypen aufgeführt. Weitere Einzelheiten und Hinweise zu diesen Kategorien finden Sie auch in Tabelle 5 in diesem Artikel: Konsenserklärung des Internationalen Olympischen Komitees: Methods for Recording and Reporting of Epidemiological Data on Injury and Illness in Sports 2020 (einschließlich der STROBE Extension for Sports Injury and Illness Surveillance (STROBE-SIIS)). Zur Tendinopathie gehören beispielsweise auch das Paratenon, ein partieller Riss und eine Sehnensubluxation, und unter Knochenstressverletzungen können ein Knochenmarködem, eine Stressfraktur und die Periostitis gelistet sein.

Tabelle 4. Kategorien für Verletzungen nach Gewebe- und Verletzungstyp (1)
Gewebe Verletzungstyp Gewebe Verletzungstyp
Muskel/Sehne Muskelverletzung

Kontusion/Prellung

Kompartmentsyndrom

Tendinopathie

Sehnenruptur

Bänder/Gelenkkapsel Distorsion/Verstauchung (Bänderriss oder akute Instabilität)

Chronische Instabilität

Neural Gehirn-/Rückenmarksverletzung

Periphere Nervenverletzungen

Oberflächliches Gewebe/Haut Prellung (oberflächlich)

Lazeration/Risswunde

Abrasion

Knochen Fraktur

Knochenstressverletzung

Knochenkontusion

Avaskuläre Nekrose

Verletzung der Wachstumsfuge

Gefäße Vaskuläres Trauma
Knorpel/Synovium/Schleimbeutel Knorpelverletzung

Arthritis

Synovitis/Kapselentzündung

Schleimbeutelentzündung

Stumpf Stumpfverletzung
Innere Organe Organtrauma Unspezifisch Verletzung ohne Angabe der Gewebeart

Siehe auch: Klassifikation von Sportverletzungen für weitere Einzelheiten zur Klassifikation von Bänder-, Sehnen-, Knochen- und Gelenkknorpelverletzungen.

Muskelklassifikation ( edit | edit source )

Traditionelle Klassifikationssysteme ( edit | edit source )

Muskelverletzungen sind eine häufige Verletzung im Sport. In der Vergangenheit wurde für die Prognose einer Muskelzerrung ein dreistufiges Klassifizierungssystem auf der Grundlage klinischer Anzeichen verwendet. Einstufungssysteme sind insofern nützlich, als sie einen Hinweis auf den Schweregrad oder das Ausmaß der Verletzung geben. Mit den Fortschritten in der Bildgebung, wie z. B. MRT und Ultraschall, ist es nun möglich, klinische und radiologische Befunde zu kombinieren, was in den letzten Jahren zu „neuen“ Klassifikations- und Einstufungssystemen für Muskelverletzungen geführt hat. (4)

Die nachstehende Tabelle stammt aus der Münchner Konsenserklärung zur Terminologie und Klassifikation von Muskelverletzungen im Sport und gibt einen Überblick über die bisherigen Klassifikationssysteme für Muskelverletzungen. (5)

Tabelle 5. Überblick über das bisherige Klassifikationssystem für Muskelverletzungen (aus: Terminology and classification of muscle injuries in sport: The Munich consensus statement (5))
O’Donoghue

1962

Ryan 1969

(zunächst für den Quadrizeps)

Takebayashi 1995, Peetrons 2002

(Ultraschall-gestützt)

Stoller 2007

(MRT-basiert)

Grad I Keine wesentliche Kontinuitätsunterbrechung im Gewebe

Kein Verlust an Funktion oder Kraft,

Geringgradige Entzündungsreaktion

Riss einiger weniger Muskelfasern,

intakte Faszie

Keine Anomalien oder diffuse Blutungen mit/ohne fokalem Faserriss,

betrifft weniger als 5 % des Muskels

MRT-negativ = 0 % strukturelle Schäden, hyperintenses Ödem mit oder ohne Blutung
Grad II Gewebeschädigung

Verminderte Kraft der Muskel-Sehnen-Einheit

Etwas Residualfunktion

Mäßige Anzahl an Faserrissen,

intakte Faszie

Partieller Riss: fokale Faserruptur betrifft mehr als 5 % des Muskels mit/ohne Faszienverletzung MRT-positiv mit Rissen von bis zu 50 % der Muskelfasern.

Möglicher hyperintenser fokaler Defekt und teilweise Retraktion der Muskelfasern

Grad III Vollständige Kontinuitätsunterbrechung der Muskel-Sehnen-Einheit,

vollständiger Funktionsverlust

Zahlreiche Fasern gerissen mit partiellem Faszienriss Vollständige Muskelzerrung mit Einziehung,

Faszienverletzung

Muskelriss = 100%ige strukturelle Schädigung.

Vollständiger Riss mit oder ohne Muskelretraktion

Grad IV Vollständiger Riss des Muskels und der Faszie der Muskel-Sehnen-Einheit
Moderne Klassifikationssysteme für Muskelverletzungen ( edit | edit source )

Münchner Konsenssystem

  • Internationale Experten aus Klinik und Grundlagenforschung haben ein umfassendes System zur Klassifikation und Einstufung von Muskelverletzungen entwickelt.(5)
  • Kernpunkte des Münchner Konsenssystems (5):
    • Bei der Klassifizierung wird zwischen direkten (Prellungen und Risswunden) und indirekten Muskelverletzungen unterschieden
    • Indirekte Muskelverletzungen werden weiter als funktionelle oder strukturelle Verletzungen klassifiziert
    • Eine weitere Unterteilung geschieht nach der Art der Verletzung und berücksichtigt unter anderem: Diagnosegruppe (z. B. ermüdungsbedingte Muskelläsionen, Muskelkater (Delayed onset muscle soreness – DOMS)); Muskel- oder Wirbelsäulenbedingte neuromuskuläre Störung; Schweregrad (leicht partiell, mäßig partiell, subtotal, komplett oder Ausriss/Avulsion).
    • Muskelverletzungen werden in einem umfassenden Ansatz behandelt, der Deskriptoren wie akute, Überlastungs-, direkte und indirekte Verletzungen umfasst.

Lesen Sie den vollständigen Artikel hier: Terminology and classification of muscle injuries in sport: The Munich consensus statement (5)

(6)

British athletics system

  • Pollock et al.(7) entwarfen eine Klassifikation für kontaktlose Muskelverletzungen. Das System stuft die Verletzungen auf der Grundlage klinischer und MRT-Merkmale von 0 bis 4 ein. Die Verletzung wird dann weiter unterteilt, um die wichtigsten betroffenen anatomischen Strukturen widerzuspiegeln: a = myofaszial; b = innerhalb des Muskels, in der Regel am Muskel-Sehnen-Übergang; c = intratendinöser Riss

Gradeinteilung

  • Grad 0 – MRT negativ, wird beschrieben als „fokale neuromuskuläre Verletzung“ oder eine Muskelverletzung, die mit Muskelkater vereinbar ist Bei Verdacht auf eine neuronale Komponente kann N als zusätzliches Unterscheidungsmerkmal eingesetzt werden
  • Grade 1 bis 3 – beziehen sich auf kleine, mittelgroße bzw. ausgedehnte Risse im Muskelgewebe (bestimmt durch das Ausmaß des Ödems und der Gewebezerstörung sowie durch das betroffene Gewebe)
  • Grad 4 – bezieht sich auf vollständige Risse von Muskeln oder Sehnen
  • Die BAMIC (British Athletics Muscle Injury Classification) bietet einen Rahmen für klinische Überlegungen und Rehabilitationsentscheidungen (8) Lesen Sie den vollständigen Artikel hier: British athletics muscle injury classification: a new grading system (7)

Chan-System

  • Chan et al. (9) schlugen ein 3-stufiges anatomisches Klassifikationssystem vor – es handelt sich dabei hauptsächlich um ein bildgebungsbasiertes Klassifikationssystem
  • Der anatomische Ort der Verletzung ist: proximaler Muskel-Sehnen-Übergang, Muskel oder distaler Muskel-Sehnen-Übergang
  • Die Verletzung wird dann als proximal, mittig oder distal klassifiziert
  • Danach wird die Verletzung durch das hauptsächlich betroffene Gewebe definiert (z. B. intramuskulär, myofaszial, perifaszial, myotendinös oder eine Kombination)
  • Lesen Sie diesen Artikel: Acute muscle strain injuries: a proposed new classification system (10)

Barcelona-System

  • Die medizinische Abteilung des FC Barcelona und internationale Kollegen haben ein System zur Klassifikation und Einstufung von Muskelverletzungen vorgeschlagen, das auf 4 Merkmalen basiert(11)
  • MLG-R-System(11)
    • M – Mechanismus der Verletzung
    • L – Ort der Verletzung (Location)
    • G – Einstufung des Schweregrads (Grading)
    • R – Anzahl der Wiederverletzungen (Re-injuries)
  • Aus der Anamnese – Mechanismus der Verletzung (direkt (D) oder indirekt (I))
  • Indirekte Verletzungen werden außerdem als sprint- oder dehnungsbedingte Verletzungen bezeichnet.
  • Das zweite und dritte Merkmal sind MRT-Variablen – anatomische Lage und Grad der Verletzung
  • Das vierte Merkmal bezieht sich auf den Status der Wiederverletzungen
  • Lesen Sie diese Studie: Muscle Injuries in Sports: A New Evidence-Informed and Expert Consensus-Based Classification with Clinical Application (11)

Cohen-System

Gradeinteilung aufgrund der Bindegewebsverletzung

  • Prakash et al.(13) schlugen ein MRT-Klassifikationssystem vor, das zur Bewertung des Ausmaßes der Schädigung und der Unversehrtheit der betroffenen Bindegewebsstrukturen verwendet werden kann
    • Grad 0 – Ödem oder Flüssigkeit neben intaktem Bindegewebe (Sehne/Aponeurose/Epimysium) ohne Ablösung von Myofibrillen
    • Grad 1 – Ablösung von Myofibrillen ohne Bindegewebsveränderung
    • Grad 2 – Ablösung von Myofibrillen mit erhöhtem Signal des angrenzenden Bindegewebes, Delamination oder Defekt, aber keine Retraktion
    • Grad 3 – Myofibrillenablösung mit angrenzender Bindegewebsretraktion, die ein Versagen anzeigt

Tabelle 6 gibt einen Überblick über einige der neueren Klassifikationssysteme für Muskelverletzungen.

Tabelle 6. Vergleich aktueller Klassifikationssysteme für Muskelverletzungen
Chan et al., 2012 (9) Mueller-Wolfahrt et al., 2013 (5) Pollock et al., 2014 (7) Valle et al., 2017(11) Prakash et al., 2018(13)
Gradeinteilung anhand des radiologischen Befunds und der Lokalisation der Läsion

  • I = Proximaler Muskel-Sehnen-Übergang
  • II = Muskel
    • A = Proximal
    • B = Mittig
    • C = Distal
      • a = Intramuskulär
      • b = Myofaszial
      • c = Myofaszial/perifaszial
      • d = Myotendinös
      • e = Kombiniert
  • III = Distaler Muskel-Sehnen-Übergang
A. Indirekte Muskelstörungen/-verletzungen

Funktionelle Muskelläsion

Typ 1:

  • Überlastungsbedingte Muskelläsionen
    • 1A Ermüdungsbedingte Muskelstörung
    • 1B Muskelkater (Delayed onset muscle soreness – DOMS)

Typ 2:

  • Neuromuskuläre Muskelläsion
    • 2A Rückenbedingte neuromuskuläre Muskelläsion
    • 2B Muskelbedingte neuromuskuläre Muskelläsion

Strukturelle Muskelverletzung

Typ 3:

  • Partieller Muskelriss
    • 3A Leichter partieller Muskelriss/Muskelfaserriss
    • 3B Mäßiger partieller Muskelriss/Muskelbündelriss
  • Typ 4: (Sub)totaler Riss
    • Subtotaler oder vollständiger Muskelriss
    • Sehnenausriss/-avulsion

B. Direkte Muskelverletzung

  • Kontusion/Prellung
  • Lazeration/Risswunde
  • Grad 0: Übertragener Schmerz
    • 0a – fokale Muskelempfindlichkeit bei normalem MRT
    • 0b – generalisierter Muskelkater (DOMS) bei normalem MRT
  • Grad 1 – kleine Verletzungen des Muskels
    • a = myofasziale Verletzung
    • b = Muskel oder Muskel-Sehnen-Übergang
    • c = Sehnenbeteiligung
  • Grad 2 – Mäßige Verletzungen (Risse)
    • a = myofasziale Verletzung
    • b = Muskel oder Muskel-Sehnen-Übergang
    • c = Sehnenbeteiligung
  • Grad 3 = Ausgedehnte Risse
    • a = myofasziale Verletzung
    • b = Muskel oder Muskel-Sehnen-Übergang
    • c = Sehnenbeteiligung
  • Grad 4 = Vollständige Risse
    • a = myofasziale Verletzung
    • b = Muskel oder Muskel-Sehnen-Übergang
    • c = Sehnenbeteiligung
  • Mechanismus der Verletzung (M)
    • D = Direkt
    • I = Indirekt
  • Ort der Verletzung (L)
    • P – die Verletzung befindet sich im proximalen Drittel des Muskelbauchs
    • M – die Verletzung befindet sich im mittleren Drittel des Muskelbauchs
    • D – die Verletzung befindet sich im distalen Drittel des Muskelbauchs
  • Einstufung des Schweregrads (G)
    • 0 -3
    • basierend auf MRT
  • Anzahl der Wiederverletzungen (R)
    • 0 – Erstes Ereignis
    • 1 – Erste Wiederverletzung
    • 2 – Zweite Wiederverletung…
MRT-basierte Gradeinteilung

  • Grad 0 – Ödem oder Flüssigkeit neben intaktem Bindegewebe, keine Ablösung von Myofibrillen
  • Grad 1 – Ablösung von Myofibrillen ohne Bindegewebsveränderung
  • Grad 2 – Ablösung von Myofibrillen mit erhöhtem Signal des angrenzenden Bindegewebes, Delamination oder Defekt, aber keine Retraktion
  • Grad 3 – Myofibrillenablösung mit angrenzender Bindegewebsretraktion, die ein Versagen anzeigt
Jüngste Übersichtsarbeiten zur Untersuchung von Klassifikationssystemen für Muskelverletzungen ( edit | edit source )

(17)

Struktur vs. Funktion ( edit | edit source )

  • Struktur = Form
  • Funktion = ist das Produkt einer Struktur, die eine bestimmte Rolle spielt

„Es gibt eine enge Beziehung zwischen Struktur und Funktion, aber wenn wir bedenken, dass der Mensch komplex ist, können wir verstehen, warum die Funktion nicht immer direkt mit der Struktur verbunden ist.(3) Zum Beispiel bei Sportlern, die auf hohem Niveau trainieren, bei denen sich aber bei einer Bildgebung Hinweise auf bestehende Pathologien ergeben können. Die Bildgebung kann zeigen, dass die Form (Struktur) beeinträchtigt ist, nicht aber die Funktion. Einige Beispiele hierfür sind:

  • Die MRT-Befunde waren bei symptomatischen und asymptomatischen Schultern von jungen Spitzenschwimmern ähnlich. Asymptomatische Schultern können im MRT zahlreiche und unterschiedliche Anomalien aufweisen, die zwar radiologisch bedeutsam, aber klinisch nicht signifikant sind.(18)
  • Rajeswaran et al.(19) (2014) fanden in der Lendenwirbelsäule von asymptomatischen Junioren-Elite-Tennisspielern eine erhebliche Menge an zugrunde liegender Pathologien, die klinisch nicht nachweisbar waren.(19)
  • Es wurde über eine hohe Prävalenz asymptomatischer osteochondraler Läsionen mit subchondralen Knochenmarködemen im Fuß und Knöchel von Profifußballern berichtet.(20)

In Anbetracht der Tatsache, dass zwar die Form, nicht aber die Funktion beeinträchtigt sein kann, unterstreicht dies erneut das biopsychosoziale Element und den ganzheitlichen Ansatz für einen Sportler. Außerdem wird die Berücksichtigung objektiver und quantifizierbarer Informationen beim Umgang mit Verletzungen und beim Verständnis der Funktion hervorgehoben. (3) Ein Beispiel für die Anwendung dieses Ansatzes ist:.

Sportler, der ein Handdynamometer benutzt

The Takei Handheld Dynamometer: An Effective Clinical Outcome Measure Tool for Hand and Wrist Function in Boxing(21)

  • Längsschnittliche retrospektive Verletzungsüberwachung der Boxmannschaft Großbritanniens von 2010 bis 2014
  • Erkenntnisse(21):
    • ein Unterschied von weniger als 15 % zwischen den Messungen der Griffkraft der linken und rechten Hand/Handgelenk gilt als normal
    • ein Unterschied von 20 % zwischen den Messungen der Griffkraft der linken und rechten Hand/Handgelenk gilt als Hinweis auf eine Pathologie
    • ein Unterschied von mehr als 20 % zwischen den Messungen der Griffkraft der linken und der rechten Hand bzw. des rechten Handgelenks gilt als deutlicher Hinweis auf eine Pathologie
  • In einer Kohorte von Elite-Amateurboxern erwies sich das Takei-Dynamometer als zuverlässig und valide bei der Erkennung signifikanter Hand- und Handgelenksverletzungen und kann als objektiver Marker zur Beurteilung von Verletzungen, Rehabilitationsfortschritten und Trainingsverfügbarkeit eingesetzt werden.(21)

Allgemeine Leitlinien ( edit | edit source )

  • Nehmen Sie die verschiedenen Arten von Verletzungen und Klassifikationen wahr und berücksichtigen Sie ihre klinische Anwendung.(3)
  • Beachten Sie den Unterschied zwischen plötzlichem (akutem) und allmählichem (repetitiven) bzw. plötzlichem (repetitiven) Auftreten.(3)
  • Denken Sie über Struktur und Funktion nach und nutzen Sie die Objektivität, um das Verletzungsmanagement, das Trainingsangebot und die Rehabilitation zu unterstützen.(3)

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7 1.8 1.9 International Olympic Committee Injury and Illness Epidemiology Consensus Group, Bahr R, Clarsen B, Derman W, Dvorak J, Emery CA, Finch CF, Hägglund M, Junge A, Kemp S, Khan KM. International Olympic Committee consensus statement: methods for recording and reporting of epidemiological data on injury and illness in sports 2020 (including the STROBE extension for sports injury and illness surveillance (STROBE-SIIS)). Orthopaedic journal of sports medicine. 2020 Feb 14;8(2):2325967120902908
  2. 2.0 2.1 2.2 Hamilton B, Alonso JM, Best TM. Time for a paradigm shift in the classification of muscle injuries. Journal of sport and health science. 2017 Sep 1;6(3):255-61.
  3. 3.0 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 Gatt, I. Injury type and classification. Physioplus. Course. 2022
  4. Hamilton B, Pollock N, Reurink G, Vos RJ, Purdam C, Thorborg K. Muscle Injury Classification and Grading Systems. In Prevention and Rehabilitation of Hamstring Injuries 2020 (pp. 189-198). Springer, Cham.
  5. 5.0 5.1 5.2 5.3 5.4 5.5 Mueller-Wohlfahrt HW, Haensel L, Mithoefer K, Ekstrand J, English B, McNally S, Orchard J, van Dijk CN, Kerkhoffs GM, Schamasch P, Blottner D. Terminology and classification of muscle injuries in sport: the Munich consensus statement. British journal of sports medicine. 2013 Apr 1;47(6):342-50.
  6. Norris Health. Munich consensus on muscle injury in sport. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=PhCxzDEE6Vc (last accessed 4/03/2022)
  7. 7.0 7.1 7.2 Pollock N, James SL, Lee JC, Chakraverty R. British athletics muscle injury classification: a new grading system. British journal of sports medicine. 2014 Sep 1;48(18):1347-51.
  8. Macdonald B, McAleer S, Kelly S, Chakraverty R, Johnston M, Pollock N. Hamstring rehabilitation in elite track and field athletes: applying the British athletics muscle injury classification in clinical practice. British journal of sports medicine. 2019 Dec 1;53(23):1464-73.
  9. 9.0 9.1 Chan O, Del Buono A, Best TM, Maffulli N. Acute muscle strain injuries: a proposed new classification system. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy. 2012 Nov;20(11):2356-62.
  10. Chan O, Del Buono A, Best TM, Maffulli N. Acute muscle strain injuries: a proposed new classification system. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy. 2012 Nov;20(11):2356-62.
  11. 11.0 11.1 11.2 11.3 Valle X, Alentorn-Geli E, Tol JL, Hamilton B, Garrett WE, Pruna R, Til L, Gutierrez JA, Alomar X, Balius R, Malliaropoulos N. Muscle injuries in sports: a new evidence-informed and expert consensus-based classification with clinical application. Sports medicine. 2017 Jul;47(7):1241-53.
  12. 12.0 12.1 Cohen S.B., Towers J.D., Zoga A., Irrgang J.J., Makda J., Deluca P.F. Hamstring injuries in professional football players: magnetic resonance imaging correlation with return to play. Sports Health. 2011;3:423–430
  13. 13.0 13.1 Prakash A, Entwisle T, Schneider M, Brukner P, Connell D. Connective tissue injury in calf muscle tears and return to play: MRI correlation. British journal of sports medicine. 2018 Jul 1;52(14):929-33.
  14. Hamilton B, Valle X, Rodas G, Til L, Grive RP, Rincon JA, Tol JL. Classification and grading of muscle injuries: a narrative review. British journal of sports medicine. 2015 Mar 1;49(5):306-.
  15. Grassi A, Quaglia A, Canata GL, Zaffagnini S. An update on the grading of muscle injuries: a narrative review from clinical to comprehensive systems. Joints. 2016 Jan;4(01):039-46.
  16. SantAnna JP, de Almeida AM, Pedrinelli A, Hernandez AJ, Fernandes TL. Quality assessment of muscle injury classification in sports: a systematic literature review. Muscles, Ligaments & Tendons Journal (MLTJ). 2018 Apr 1;8(2).
  17. Aspetar. Workshops on Muscle Injuries by Bruce Hamilton – New Zealand. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=ja3hE3v2RZs (last accessed 05/03/2022)
  18. Celliers A, Gebremariam F, Joubert G, Mweli T, Sayanvala H, Holtzhausen L. Clinically relevant magnetic resonance imaging (MRI) findings in elite swimmers’ shoulders. SA Journal of Radiology. 2017;21(1).
  19. 19.0 19.1 Rajeswaran G, Turner M, Gissane C, Healy JC. MRI findings in the lumbar spines of asymptomatic elite junior tennis players. Skeletal radiology. 2014 Jul;43(7):925-32.
  20. Bezuglov E, Khaitin V, Lazarev A, Brodskaia A, Lyubushkina A, Kubacheva K, Waśkiewicz Z, Petrov A, Maffulli N. Asymptomatic foot and ankle abnormalities in elite professional soccer players. Orthopaedic Journal of Sports Medicine. 2021 Jan 29;9(1):2325967120979994.
  21. 21.0 21.1 21.2 Gatt I, Smith-Moore S, Steggles C, Loosemore M. The Takei handheld dynamometer: An effective clinical outcome measure tool for hand and wrist function in boxing. Hand. 2018 May;13(3):319-24.


Berufliche Entwicklung in Ihrer Sprache

Schließen Sie sich unserer internationalen Gemeinschaft an und nehmen Sie an Online-Kursen für alle Rehabilitationsfachleute teil.

Verfügbare Kurse anzeigen