Die Entwicklung des Säuglings in der Bauchlage

Originale Autorin Stacy Schiurring basierend auf dem Kurs von Pam Versfeld Top-BeitragendeStacy Schiurring und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Viele Familien fühlen sich unsicher, wenn es darum geht, ihren Säugling auf den Bauch zu legen (d. h. „Bauchzeit“ oder „Tummy time“). Diese Gefühle können auf Angst und Verwirrung über die Vorteile einer wachen Bauchzeit zurückzuführen sein.(1) Daher ist es wichtig, dass Rehabilitationsfachleute die Vorteile und das klinische Reasoning hinter einer überwachten, wachen Bauchlage für die körperliche, kognitive und soziale Entwicklung von sich normal entwickelnden Säuglingen verstehen.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Entwicklung des Säuglings von der Geburt bis zum Krabbeln.

Geburt bis drei Monate ( edit | edit source )

Phasenindikator: Wenn Säuglinge in Bauchlage gelegt werden, lernen sie, ihren Kopf zu heben und gegen die Schwerkraft zu halten.

Tabelle 1.
Phase Kopf Wirbelsäule Obere Extremitäten Untere Extremitäten Besondere Hinweise Beispiel
Neugeborenes
  • Der Kopf wird auf eine Seite gedreht
  • Säuglinge sind in der Lage, ihren Kopf kurz anzuheben und auf eine Seite zu drehen, um die Atemwege freizubekommen
Die volle Flexion der Hüften in Bauchlage ist mit einer posterioren Kippung des Beckens und einer Flexion der Lendenwirbelsäule verbunden Die oberen Extremitäten werden dicht am Rumpf gehalten, wobei die Schultern in Adduktion und die Ellbogen in Flexion stehen Hüften und Knie in Flexion
  • Die Haltung des Neugeborenen wird durch den begrenzten Raum in der Gebärmutter in den letzten Wochen vor der Geburt beeinflusst, was zu einer „physiologischen Beugekontraktur des Neugeborenen“ führt
  • Das Körpergewicht ist auf den Kopf, den Brustkorb und die unteren Extremitäten verteilt
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Ein bis zwei Monate Säuglinge sind in der Lage, ihren Kopf für immer längere Zeit von der Unterlage zu heben Zunehmende Kraft und Ausdauer der zervikalen und thorakalen Extensoren für das Heben und Halten des Kopfes
  • Die Fähigkeit, den Kopf und die Schultern von der Unterlage zu heben, ermöglicht dem Säugling, sich auf die Hände zu stützen
  • Diese Aktionen ermöglichen dem Säugling, sich auf den Rücken zu drehen
  • Aktives, kräftiges Strampeln: abwechselnd einseitige und beidseitige Flexion und Extension von Hüften und Knien
  • Die Flexion von Hüfte und Knie ist mit der Abduktion der Hüfte verbunden
  • Die Extension der Hüfte ist mit einer Adduktion der Hüfte verbunden
  • Aktives Strampeln trägt dazu bei, dass sich der Säugling aus der gebeugten Neugeborenenposition herausstreckt
Säuglinge beginnen zu entdecken, wie sie sich auf den Rücken rollen können W 8w orine 7.jpg
Zwei bis drei Monate
  • Verbesserte Fähigkeit, den Kopf zu heben und die Brustwirbelsäule zu strecken
  • Diese zunehmende Kraft geht auch damit einher, dass der Säugling mehr Gewicht auf die Hände nimmt
Die Extension der Hals- und Brustwirbelsäule geht mit einer zunehmenden Extension und Adduktion der Hüften einher
  • Die Extension von Hüfte und Knie nimmt weiter zu.
  • Entwicklungsmerkmal: Die Extension der Hüfte mit Adduktion trägt zur Vergrößerung des Bewegungsausmaßes der Hüften bei.
  • In dieser Phase beginnt die Entkopplung der kombinierten Flexion von Hüfte und Knie und die Fähigkeit, die Bewegungen der beiden Gelenke zu trennen
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Alle Bilder wurden von Pam Versfeld, Physiotherapeutin, zur Verfügung gestellt und mit freundlicher Genehmigung verwendet.

Besonderes Thema: Die „Back-to-Sleep“-Kampagnen ( edit | edit source )

Obwohl die Vorteile der Bauchlage für die Entwicklung durch die Forschung weitgehend bestätigt werden, wird die Bauchlage während des Schlafs nicht empfohlen.

Der Plötzliche Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome – SIDS) wird definiert als „plötzlicher Tod eines Säuglings unter einem Jahr, der nach einer gründlichen Untersuchung des Falles, einschließlich einer vollständigen Autopsie, der Untersuchung des Sterbeortes und der Überprüfung der klinischen Anamnese, ungeklärt bleibt.“(2) Die Forschung konnte zeigen, dass die Häufigkeit des Plötzlichen Kindstods mit der Einführung der „Back-to-Sleep“-Kampagnen weltweit dramatisch zurückgegangen ist.(3)

Eine der wichtigsten Empfehlungen der „Back-to-Sleep“-Kampagne der American Academy of Pediatrics (AAP) lautet, dass Säuglinge von ihren Betreuungspersonen bis zum Alter von einem Jahr bei jedem Schlaf in Rückenlage gelegt werden sollten, um das Risiko schlafbezogener Todesfälle zu verringern.(4) Um mehr über die weiteren Empfehlungen der AAP zu erfahren, lesen Sie bitte diesen Artikel.

Drei bis sieben Monate ( edit | edit source )

Phasenindikator: Wenn Säuglinge in die Bauchlage gelegt werden, sind sie in der Lage, etwas Gewicht auf ihre Hände und oberen Extremitäten abzustützen, um nach vorne zu greifen und mit Spielzeug zu spielen.

  • Mit etwa vier Monaten beginnen Säuglinge, verschiedene Möglichkeiten zu finden, sich von der Rückenlage in die Bauchlage zu drehen.
  • Im Zeitraum von vier bis sechs Monaten wird der Säugling in der Bauchlage immer mobiler.
Tabelle 2.
Phase Kopf Wirbelsäule Obere Extremitäten Untere Extremitäten Besondere Hinweise Beispiel
Drei bis sechs Monate Säuglinge verbessern weiterhin ihre Fähigkeit, den Kopf höher und länger anzuheben, um die Umgebung zu erkunden Die lumbale Extension entwickelt sich Der Säugling ist in der Lage, seine oberen Extremitäten vor den Schultern zu platzieren, um den Oberkörper und den Kopf weiter anzuheben Die lumbale Extension ist mit der Extension und Adduktion der Hüften verbunden, wodurch die Oberschenkel in eine Linie mit dem Becken gebracht werden
  • Die Erkundung der Umgebung geht mit Veränderungen der Ausrichtung, der Gewichtsverteilung und der Rumpfstabilität einher
  • Der Säugling erkundet verschiedene Möglichkeiten, seine Extremitäten als Stütze zu benutzen und seine Mobilität in der Bauchlage zu verbessern, wie z. B. das Kreisrutschen (Pivoting)
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Sechs bis sieben Monate Säuglinge erlernen eine Reihe von sich überschneidenden Fertigkeiten, die ihre zunehmende Fähigkeit widerspiegeln, den Kopf, den Rumpf und die unteren Extremitäten von der Unterlage abzuheben. Diese Fertigkeiten ermöglichen es ihnen auch, sich besser auf der Unterlage zu bewegen. Es ist zu beachten, dass diese Fertigkeiten bereits im Alter von 6 bis 7 Monaten beginnen, sich aber bis zum Alter von 12 Monaten weiter entwickeln. Zu den Fertigkeiten gehören:

  • Pivoting (Kreisrutschen in Bauchlage)
  • Seitstütz / Seitsitz
  • Robben / Kriechen
  • Krabbeln
  • Vierfüßlerstand
Beispielbilder finden Sie in der nachstehenden Fotogalerie

Alle Bilder wurden von Pam Versfeld, Physiotherapeutin, zur Verfügung gestellt und mit freundlicher Genehmigung verwendet.

  • Kreisrutschen in Bauchlage (Pivoting): Säuglinge gewinnen mehr Kontrolle über die laterale Gewichtsverlagerung auf die oberen Extremitäten. Sie beginnen, an Ort und Stelle auf dem Bauch zu kreisen, wenn sie nach Spielzeug greifen, das außerhalb ihrer Reichweite liegt.
  • Seitstütz/Seitsitz: Das Gewicht des Säuglings lastet auf einer Schulter, einem Unterarm und einem Bein. Diese Position erfordert eine gute Schulterstabilität und die Fähigkeit, den Kopf auf eine Seite zu drehen, den Rumpf seitlich zu neigen und die unteren Extremitäten zu entkoppeln, wobei eine Hüfte mehr Extension oder Flexion aufweist als die andere.
  • Robben / Kriechen: Säuglinge nehmen hierbei oft ein asymmetrisches Muster an, wobei sie sich mit einer Hand vorwärts ziehen und mit der anderen zurückstoßen.
  • Krabbeln:
    • Unreifes reziprokes Krabbeln: Wenn Säuglinge das Krabbeln lernen, tun sie dies zunächst mit abduzierten Hüften und Schultern und einer Lordose der Lendenwirbelsäule.
    • Ausgereiftes reziprokes Krabbeln: Die Knie befinden sich in neutraler Rotation unter den Hüften und die Ellbogen unter den Schultern. Die Lendenwirbelsäule ist flach.
  • Vierfüßlerstand:
    • Greifen im Vierfüßlerstand: Wenn sich das Gleichgewicht des Säuglings im Vierfüßlerstand verbessert, beginnt er, nach Spielzeug zu greifen. Dazu muss der Säugling den Schultergürtel von der greifenden Hand weg nach hinten drehen. Um die Position stabiler zu machen, kann der Säugling das Becken über die Knie nach hinten verlagern.
    • Vierfüßlerstand zum Sitzen: Sobald Säuglinge das Gleichgewicht auf Händen und Knien halten können, gehen sie oft in eine halb sitzende Position über, in der sie sich auf eine Hand stützen.

Alle Bilder wurden von Pam Versfeld, Physiotherapeutin, zur Verfügung gestellt und mit freundlicher Genehmigung verwendet.

Aus der Praxis: Krabbeln auf Händen und Knien ( edit | edit source )

Das Krabbeln auf Händen und Knien wird nicht immer als Meilenstein in der Entwicklung angesehen, da in der Literatur ein sehr unterschiedliches Alter angegeben wird und viele Säuglinge nicht krabbeln, bevor sie sich zum Stehen hochziehen.(5) Das Krabbeln ermöglicht es Säuglingen, verschiedene Oberflächen zu erkunden, die ihr Gleichgewicht und ihre Fähigkeit, Hindernisse zu überqueren, Stufen und Hänge hinauf- und hinabzusteigen und über weiche Flächen zu gehen, herausfordern.

  • Säuglinge können auf dem Weg zum Laufen mehrere Krabbelmuster zeigen.
  • Die Entwicklung des Krabbelns folgt nicht unbedingt einer strikten Abfolge von Stufen, z. B. vom Robben über das Krabbeln bis hin zum Laufen.
  • Die Zeit, die mit früheren Formen des Krabbelns verbracht wird, sagt die Geschwindigkeit und Effizienz späterer, fortgeschrittener Formen des Krabbelns voraus.
  • Säuglinge, die zuvor robben oder kriechen, scheinen das Krabbeln besser zu beherrschen als Säuglinge, die das Robben / Kriechen überspringen.(6)

Viele Kindertherapeuten sind der Meinung, dass das Krabbeln für die Entwicklung von entscheidender Bedeutung ist und dass Säuglinge, die nicht krabbeln, ein Risiko für Entwicklungsprobleme in der späteren Kindheit haben. Derzeit gibt es keine Evidenz, die diese Behauptung stützt. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um Zusammenhänge zwischen den kurz- und langfristigen motorischen, sensorischen und kognitiven Vorteilen des Krabbelns herzustellen. Rehabilitationsfachleute sollten darauf achten, woher die Eltern ihre Informationen über die Meilensteine des Säuglings beziehen, und angemessene und evidenzbasierte Informationen bereitstellen.(7)

Sieben bis zwölf Monate ( edit | edit source )

Phasenindikator: Säuglinge lernen zu robben / kriechen und zu krabbeln, während sie die nötige Kraft, Flexibilität, Koordination und posturale Kontrolle erwerben, um diese bemerkenswerten Fortschritte zu erzielen.

Bauchzeit (Tummy Time) ( edit | edit source )

Wie bereits erwähnt, hatten die „Back-to-Sleep“-Kampagnen der AAP einen äußerst positiven Einfluss auf die Häufigkeit des Plötzlichen Kindstods weltweit. Während die Zahl der Fälle zurückging, wurde jedoch festgestellt, dass Säuglinge, die während des Schlafs in Rückenlage gelegt wurden, motorische Meilensteine langsamer erreichten, und dass es zu einer Zunahme von Anomalien der Kopfform kam. Durch eine gezielte und überwachte Positionierung in Bauchlage während der Wachzeit kann diesen Auswirkungen entgegengewirkt werden.(8)

Unter „Bauchzeit“ oder „Tummy time“ versteht man „eine wache Positionierung auf dem Boden, die von einem Erwachsenen unterstützt und beaufsichtigt wird“. Sie wird für Säuglinge im Alter von weniger als sechs Monaten empfohlen. Sie sollte mindestens 30 Minuten pro Tag auf einer festen Unterlage durchgeführt werden. Diese Zeit kann in kürzeren Abschnitten über den Tag verteilt werden, um das Wohlbefinden und die Toleranz des Säuglings zu gewährleisten.

In einer systematischen Übersichtsarbeit von Hewitt und Kollegen aus dem Jahr 2020(8) wurde die vorhandene Evidenz für den Zusammenhang zwischen der Bauchzeit und einem breiten und spezifischen Spektrum an gesundheitlichen Ergebnissen für Säuglinge untersucht.

Diese Übersicht umfasste sechzehn Studien mit 4237 Teilnehmern aus acht Ländern. Die meisten Studien waren als Beobachtungsstudien angelegt und wiesen nicht die Robustheit einer randomisierten kontrollierten Studie auf. Außerdem gab es eine hohe Auswahl- und Leistungsverzerrung.

Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit deuteten darauf hin, dass die Bauchzeit positiv mit der grobmotorischen und der Gesamtentwicklung, einer Verringerung des BMI-z-Scores, der Vorbeugung von Brachyzephalie und der Fähigkeit, sich in Bauch- und Rückenlage, beim Krabbeln und Rollen zu bewegen, verbunden war. Ein unbestimmter Zusammenhang wurde für soziale und kognitive Bereiche, Plagiozephalie, Gehen, Stehen und Sitzen festgestellt. Für die feinmotorische Entwicklung und die Kommunikation wurde kein Zusammenhang festgestellt.(8)

Die obigen Bilder sind Beispiele für alternative Bauchzeit-Positionen für sehr junge Säuglinge, die die Bauchlage auf einer flachen Unterlage nicht tolerieren. Die Bauchlage auf dem Schoß der Betreuungsperson ist nicht abgebildet, ähnelt aber dem oben gezeigten Bild des Fliegergriffs. Alle Bilder wurden von Pam Versfeld, Physiotherapeutin, zur Verfügung gestellt und mit freundlicher Genehmigung verwendet.

Ressourcen(edit | edit source)

Klinische Ressourcen ( edit | edit source )

Klinische Tests und Messungen ( edit | edit source )

Optionale zusätzliche Lektüre ( edit | edit source )

Referenzen(edit | edit source)

  1. Sampaio SS, Moura JR, de Medeiros CE, de Lima-Alvarez CD, Simão CR, Azevedo IG, Pereira SA. “I Am Afraid of Positioning my Baby in Prone”: Beliefs and Knowledge about Tummy Time Practice. International Journal of Pediatrics. 2023 Jan 1;2023.
  2. Hutchison BL, Rea C, Stewart AW, Koelmeyer TD, Tipene-Leach DC, Mitchell EA. Sudden unexpected infant death in Auckland: a retrospective case review. Acta Paediatr. 2011 Aug;100(8):1108-12.
  3. Jullien S. Sudden infant death syndrome prevention. BMC pediatrics. 2021 Sep;21(1):1-9.
  4. Moon RY, Carlin RF, Hand I, Task Force on Sudden Infant Death Syndrome. Sleep-related infant deaths: updated 2022 recommendations for reducing infant deaths in the sleep environment. Pediatrics. 2022 Jul 1;150(1).
  5. Adolph KE, Vereijken B, Denny MA. Learning to crawl. Child development. 1998 Oct;69(5):1299-312.
  6. Kretch KS, Willett SL, Hsu LY, Sargent BA, Harbourne RT, Dusing SC. “Learn the Signs. Act Early.”: Updates and Implications for Physical Therapists. Pediatric Physical Therapy. 2022 Oct 1;34(4):440-8.
  7. Orlando JM, Cunha AB, Alghamdi Z, Lobo MA. Information Available to Parents Seeking Education about Infant Play, Milestones, and Development from Popular Sources. Behavioral Sciences. 2023 May 19;13(5):429.
  8. 8.0 8.1 8.2 Hewitt L, Kerr E, Stanley RM, Okely AD. Tummy time and infant health outcomes: a systematic review. Pediatrics. 2020 Jun 1;145(6).


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