Funktionelle Anatomie des Beckens

Originale AutorinEwa Jaraczewska

Top-Beitragende Ewa Jaraczewska, Jess Bell und Kim Jackson

Einführung(edit | edit source)

Das Becken ist eine komplexe anatomische Struktur(1) mit zahlreichen Funktionen, darunter die Übertragung des Körpergewichts auf die unteren Extremitäten während der Fortbewegung, die Aufgabe als weiblicher Geburtskanal und die Abstützung der Bauchorgane.(2) Aufgrund seiner Komplexität ist es für die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Beckengürtels entscheidend, die Anatomie des Beckens zu verstehen. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass sich unser Verständnis des Beckens in den letzten Jahren weiterentwickelt hat, wobei einige neuere Erkenntnisse im Widerspruch zu früher akzeptierten Beschreibungen stehen.(3)(4) In diesem Artikel werden die wichtigsten anatomischen Strukturen des Beckens erörtert, darunter die knöchernen Strukturen, Gelenke, Bänder, Muskeln, Nerven und die Gefäßversorgung.

Die wichtigsten Begriffe ( edit | edit source )

Achsen: Linien, um die sich ein Objekt dreht. Die Rotationsachse ist eine Linie, die durch den Massenschwerpunkt verläuft. Es gibt drei Körperachsen für die Rotation: die Sagittalachse, die von posterior nach anterior verläuft, die Transversalachse, die von links nach rechts verläuft, und die Longitudinalachse, die von kaudal nach kranial verläuft. Die Rotationsachsen der Fußgelenke stehen senkrecht zu den Körperebenen. Die Bewegung an diesen Gelenken führt daher zu Rotationen in drei Ebenen. Zum Beispiel: Die Supination beinhaltet Inversion, Innenrotation und Plantarflexion.

Schleimbeutel (Bursae): verringern die Reibung zwischen den beweglichen Teilen der Gelenke des Körpers. Sie bestehen aus einem mit Flüssigkeit gefüllten Bindegewebs­sack. Es gibt vier Arten von Schleimbeuteln: Bursa adventitia, Bursa subcutanea, Bursa synovialis und Bursa submuscularis.

Gelenkkapsel: eines der Merkmale der Synovialgelenke. Kapseln bestehen aus faserigem Bindegewebe, bilden eine Umhüllung, die den Gelenkspalt abdichtet, sorgen für passive und aktive Stabilität und können sogar Gelenkflächen für das Gelenk bilden. Das Kapselmuster ist „die proportionale Einschränkung des Bewegungsausmaßes bei passiven Bewegungen aufgrund der Straffheit der Gelenkkapsel“.

Verriegelte Stellung (close-packed position): die Position mit der größten Kongruenz der Gelenkflächen. In dieser Stellung erhöht sich die Stabilität des Gelenks. Bei Interphalangealgelenken ist die verriegelte Stellung die maximale Extension.

Freiheitsgrade: die Richtung der Gelenkbewegung oder Rotation; es gibt maximal sechs Freiheitsgrade, darunter drei Translationen und drei Rotationen.

Band (Ligament): faseriges Bindegewebe, das die Knochen zusammenhält.

Ruhestellung (loose-packed position): Position mit der geringsten Gelenkkongruenz, bei der die Gelenkstabilität reduziert ist.

Körperebenen: dienen der Beschreibung der Körperbewegung im Raum. Auf- und Abwärtsbewegungen (Flexion/Extension) finden in der Sagittalebene statt. Seitliche Bewegungen (Abduktion/Adduktion) finden in der Frontalebene statt. Die Bewegungen in der Transversalebene sind Rotationsbewegungen (Innen- und Außenrotation).

Struktur des Beckens ( edit | edit source )

Der Begriff „Becken“ (Pelvis) bezieht sich auf „den knöchernen Beckenring und die dazugehörigen stabilisierenden Bänder“.(5) Im Gegensatz dazu ist die „Beckenhöhle“ (Cavum pelvis) der anatomische Raum innerhalb des knöchernen Rings, der die Beckenorgane enthält.(5)

Die Knochen des Beckens, das Kreuzbein (Os sacrum), Steißbein (Os coccygis) und die beiden Hüftbeine (Ossa coxae), bilden den Beckenring. Die Hüftbeine (Ossa coxae) schließen den Beckenring vorne und seitlich ab, während Kreuzbein (Os sacrum) und Steißbein (Os coccygis) den hinteren Rand des Rings bilden.(5)

Das Kreuzbein (Os sacrum, Sakrum) ist ein großer Knochen, der sich am Ende des Wirbelkanals befindet. Es bildet den posterioren Teil des Beckens. Dank seiner Dicke kann es das Gewicht des Körpers tragen und weiterleiten. Das Kreuzbein besteht aus fünf miteinander verschmolzenen Wirbeln. Es hat die Form eines umgekehrten Dreiecks, das nach vorne konkav und nach hinten konvex ist. Im posterioren Bereich ist das Kreuzbein mit den Hüftbeinen verbunden und bildet auf beiden Seiten die Iliosakralgelenke (ISG). Das Kreuzbein verbindet sich mit dem Steißbein im Sakrokokzygealgelenk (Articulatio sacrococcygea).

Die posteriore Seite des Kreuzbeins weist drei knöcherne Landmarken auf:

  • Crista sacralis mediana
  • Crista sacralis media (beidseitig)
  • Crista sacralis lateralis (beidseitig)

Das Steißbein (Os coccygeus, Coccyx) ist der Endknochen der Wirbelsäule. Es ist dreieckig und besteht aus drei bis fünf Segmenten: Das erste und größte dieser Wirbelsegmente ist mit dem Kreuzbein verbunden. Die letzten drei Segmente verkleinern sich und bilden in der Regel ein einziges Knochenstück. Das erste Steißbeinsegment hat Ausläufer, die so genannten Cornua coccygea, die mit den Cornua sacralia gelenkig verbunden sind.(6) Auf der Vorderseite des Steißbeins befinden sich drei Querrillen, die die Verschmelzungslinien der Steißbeinsegmente markieren. Das Steißbein ist konkav gebogen. Sein anteriorer Teil winkelt sich in das Becken hinein.

Die beiden Hüftbeine (Ossa coxae) bestehen aus drei miteinander verschmolzenen Knochen: dem Sitzbein (Os ischii), dem Darmbein (Os ilium) und dem Schambein (Os pubis).

Das Sitzbein (Os ischii, Ischium) bildet den unteren und hinteren Teil des Hüftkbeins und die posteriore und inferiore Begrenzung des Foramen obturatum. Es besteht aus zwei Hauptteilen: dem Sitzbeinkörper (Corpus ossis ischii), der das hintere Drittel der Hüftpfanne (Acetabulum) bildet, und dem Sitzbeinast (Ramus ossis ischii). Der Ramus ossis ischii erstreckt sich vom Körper nach kaudal, dreht sich nach anterior und vereinigt sich mit dem Ramus inferior ossis pubis. Die folgenden Landmarken befinden sich auf dem Ramus ossis ischii:

  • Sitzbeinhöcker (Tuber ischiadicum)
  • Sitzbeinstachel (Spina ischiadica)
  • Incisura ischiadica minor

Das Darmbein (Os ilium, Ilium) bildet den oberen Teil des Hüftbeins und des Beckens. Es ist der größte und oberste Knochen der Hüfte und ein wesentlicher Bestandteil des Beckengürtels. Es ist über die Iliosakralbänder mit dem Kreuzbein verbunden. Das Darmbein besteht aus einem aufgeweiteten oberen Teil, der die Beckenkämme (Cristae iliacae) und die Darmbeinstacheln (Spinae iliacae) bildet, und einem kleinen unteren Teil, der zwei Fünftel der Hüftpfanne (Acetabulum) ausmacht. Das Darmbein hat vier Ränder: Margo superior, anterior, posterior und medial; und drei Oberflächen: Facies glutea, Fossa iliaca und Facies sacropelvica.

Die folgenden Landmarken befinden sich am Darmbein:

  • Darmbein- oder Beckenkamm (Crista iliaca)
  • Oberer, vorderer Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior, SIAS)
  • Unterer, vorderer Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior inferior, SIAI)
  • Oberer, hinterer Darmbeinstachel (Spina iliaca posterior superior, SIPS)
  • Unterer, hinterer Darmbeinstachel (Spina iliaca posterior inferior, SIPI)
  • Fossa iliaca
  • Incisura ischiadica major

Das Schambein (Os pubis, Pubis) bildet den anteroinferioren Teil des Beckenrings und ist der am weitesten nach vorne gerichtete Knochen. Die beiden Schambeinknochen sind durch Knorpel miteinander verbunden und bilden die Schambeinfuge (Symphysis pubica, Symphyse). Das Schambein besteht aus drei Teilen: dem Schambeinkörper (Corpus ossis pubis), dem oberen Schambeinast (Ramus superior ossis pubis) und dem unteren Schambeinast (Ramus inferior ossis pubis).

Die folgenden Landmarken befinden sich auf dem Schambein:

  • Schambeinfuge (Symphysis pubica, Symphyse).
  • Schambeinhöcker (Tuberculum pubicum)
  • Crista pubica
  • Corpus ossis pubis
  • Oberer Schambeinast (Ramus superior ossis pubis)
  • Unterer Schambeinast (Ramus inferior ossis pubis)

Physiologische Variabilität ( edit | edit source )

Es gibt Unterschiede im Becken von biologischen Männern und biologischen Frauen, auch bekannt als androides Becken (männlich) und gynäkoides Becken (weiblich).(7)

Das androide Becken Das gynäkoide Becken
Männlich Weiblich
Schmal Breit
Herzförmiger Beckeneingang Runder Beckeneingang
Das Kreuzbein ist weniger beweglich, stärker gekrümmt, weniger nach hinten geneigt Das Kreuzbein ist beweglicher, weniger gekrümmt, mehr nach hinten geneigt
Angepasst für bessere bipedale Fortbewegung Angepasst zur Erleichterung von Schwangerschaft und Entbindung

Knochen und Gelenke des Beckens ( edit | edit source )

Die Knochen des Beckens bilden vier Gelenke:(8)

  • Anterior sind die Schambeine gelenkig miteinander verbunden und bilden die extrem starke Schambeinfuge (Symphysis pubica).
  • Posterior ist das Kreuzbein mit den Darmbeinen gelenkig verbunden und bildet zwei Iliosakralgelenke (ISG, Kreuzdarmbeingelenk, Articulatio sacroiliaca), eines auf jeder Seite.
  • Das Kreuzbein bildet mit dem Steißbein das Sakrokokzygealgelenk (Articulatio sacrococcygea).
Knochen Gelenke Merkmale Wichtige Palpationspunkte
Schambein (Os pubis) Schambeinfuge (Symphysis pubica) Gelenk zwischen linkem und rechtem Schambeinknochen. Dieses Gelenk kann Zug-, Scher- und Druckkräften widerstehen und absorbiert das Gewicht und die Belastung des Oberkörpers.
Erleichtert die vaginale Entbindung.
Der Patient befindet sich in Rückenlage. Palpieren Sie den Beckenkamm (Crista iliaca), indem Sie den oberen Teil des Beckens und den unteren Teil des Brustkorbs suchen. Rollen Sie die Finger nach innen und drücken Sie nach unten, um den oberen Teil des Beckenkamms zu ertasten. Folgen Sie dem Beckenkamm nach vorne, bis Sie die nächste knöcherne Landmarke erreichen, den oberen vorderen Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior, SIAS). Legen Sie dann die Handflächen auf beiden Seiten auf die SIAS und die Daumen auf den Nabel. Bewegen Sie die Daumen langsam nach unten, indem Sie sie leicht eindrücken. Sobald Sie eine Gewebespannung am Muskelansatz spüren, nähern Sie sich dem Schambeinhöcker (Tuberculum pubicum). Der superiore Aspekt des Schambeinhöckers liegt unter dem Daumen, wenn Sie nach posterior drücken. Die Schambeinfuge befindet sich in der Mittellinie zwischen den zwei Höckern und ist an einer Einbuchtung zu erkennen, die dem Knorpel der Schambeinfuge entspricht.
Kreuzbein (Os sacrum); Darmbein (Os ilium) Iliosakralgelenke (ISG, Articulatio sacroiliaca) Die Gelenke zwischen dem Kreuzbein und dem Darmbein sind die stärksten Gelenke des Körpers. Das ISG wird in der Regel aus den Kreuzbeinsegmenten S1, S2 und S3 gebildet (bei Frauen ist ein vollständiges S3-Segment selten).
Die Iliosakralgelenke sorgen für Flexibilität bei der Übertragung von Kräften innerhalb des Beckens zwischen der Lendenwirbelsäule und den unteren Extremitäten.
Es gibt mehrere geschlechtsdimorphe Merkmale, darunter Größe, Form und Oberfläche.(9)
Palpieren Sie zunächst den superioren Rand des Beckens und den unteren Rand der Rippen. Rollen Sie die Finger nach innen und drücken Sie nach unten, um den Beckenkamm zu palpieren. Bewegen Sie Ihre Daumen nach unten, bis Sie die knöcherne Spitze spüren, die den oberen hinteren Darmbeinstachel (Spina iliaca posterior superior, SIPS) ausmacht. Als Nächstes bewegen Sie Ihre Finger weiter nach unten entlang des Darmbeins, ohne die Mittellinie zu überqueren. Bevor Sie eine weiche Stelle erreichen, können Sie den letzten Teil des Knochens, den unteren hinteren Darmbeinstachel (Spina iliaca posterior inferior, SIPI), palpieren. Legen Sie Ihre Finger auf die Linie zwischen der SIPS und der SIPI. Der Bereich zwischen dem Kreuzbein und Ihren Fingern umfasst das Iliosakralgelenk.
Kreuzbein (Os sacrum); Steißbein (Os coccygis) Sakrokozygeales Gelenk (Articulatio sacrococcygea) Gelenk zwischen dem Kreuzbein und dem Steißbein. Es ermöglicht eine kleine Bewegung. Es gibt Berichte über das Auftreten einer sakrokozygealen Fusion zwischen dem ersten Segment des Steißbeins und dem Kreuzbein. Dies kann mit dem Alter, der Genetik und/oder Umweltfaktoren zusammenhängen. (10)

Kinematik des Beckens ( edit | edit source )

Gelenk Gelenkart Ebene der Bewegung Bewegung Kinematik Verriegelte Stellung Ruhestellung
Schambeinfuge (Symphysis pubica) Synarthrose; Verhält sich als Scharniergelenk, zumal ein geringes Maß an Bewegung zugelassen wird Transversalebene Geringe Translation; Rotation
Während der Schwangerschaft nimmt die Beweglichkeit dieses Gelenks zu.
Translation: 2 mm; Rotation: 1 Grad Nutation Kontranutation
Iliosakralgelenk (ISG, Articulatio sacroiliaca) Synovialgelenk Saggitalebene; Transversalebene
Frontalebene
Flexion oder anterior (Nutation); Extension oder posterior (Kontranutation)
Axiale Rotation
Lateralflexion
Flexion/Extension: 3 Grad; Axiale Rotation: 1,5 Grad
Lateralflexion: 0,8 Grad(7)
Nutation Kontranutation
Sakrokozygealgelenk (Articulatio sacrococcygea) Synarthrose; Verhält sich als Scharniergelenk, zumal ein geringes Maß an Bewegung zugelassen wird Saggitalebene Nur passive Flexion/Extension Geringes Maß an passiver Bewegung Nutation Kontranutation

Bänder des Beckens ( edit | edit source )

Wichtige Bänder Ursprung Ansatz Funktion Wichtige Palpationspunkte
Ligg. sacroiliaca anteriora Bereich unmittelbar anterior der Facies auricularis des Darmbeins Drittes Segment des Kreuzbeins Bildet die anteroinferiore Komponente der Gelenkkapsel des ISG; Sorgt für Stabilität des Beckens
Lig. sacroiliacum posterius brevis (LSPB)

Lig. sacroiliacum posterius longus (LSPL)

LSPB: erstes und zweites Tuberculum transversum des Kreuzbeins; LSPL: Spina iliaca anterior superior (SIAS) des Darmbeins LSPB: Tuberositas iliaca; LSPL: drittes und viertes Tuberculum transversum des Kreuzbeins Widersteht der Kontranutation Palpieren Sie zunächst den superioren Rand des Beckens und den unteren Rand des Brustkorbs. Rollen Sie die Finger nach innen und drücken Sie nach unten, um den Beckenkamm (Crista iliaca) zu palpieren. Bewegen Sie Ihre Daumen nach unten, bis Sie die knöcherne Spitze spüren, die die Spina iliaca posterior superior (SIPS) ausmacht. Die Ligg. sacroiliaca posteriora können direkt unterhalb des SIPS ertastet werden.
Ligg. sacroiliaca interossea Tuberositas ossis sacri Tuberositas iliaca Das stärkste der Bänder, die das ISG stützen; Sorgt für eine wichtige multidirektionale strukturelle Stabilität

Verhindert die Bewegung des Kreuzbeins nach anterior und nach inferior

Lig. sacrotuberale SIPS und SIPI; Lateraler Aspekt des Kreuzbeins unterhalb der Facies auricularis
Laterale Seite des oberen Teils des Steißbeins
Unterer Rand des Ramus ossis ischii Sorgt für Stabilität des Beckens; Verhindert das Kippen oder Verdrehen des Kreuzbeins im Becken

Posteriore Schließung der Incisura ischiadica minor et major, wodurch Foramen ischiadicum minus et majus entstehen

Verhindert die anteriore Kippung der Kreuzbeinspitze

Der Patient liegt in Bauchlage. Palpieren Sie dorsal die Mitte des Oberschenkels, um die ischiokrurale Muskulatur zu finden. Bewegen Sie Ihre Finger nach oben, bis Sie die horizontale Gesäßfalte erreichen. Drücken Sie Ihren Daumen nach vorne und neigen Sie ihn nach oben, um den superioren Teil des Sitzbeinhöckers (Tuber ischiadicum) zu lokalisieren. Die zweite Hand wird an den lateralen Rand des Kreuzbeins gelegt. Das Lig. sacrotuberale befindet sich zwischen den Händen und kann durch mediales und laterales Gleiten palpiert werden.
Lig. sacrospinale Unteres Kreuzbein- und oberes Steißbeinsegment, anterior des Lig. sacrotuberale Spina ischiadica Sorgt für Stabilität des Beckens; Verhindert das Kippen oder Verdrehen des Kreuzbeins im Becken

Superiore Schließung der Incisura ischiadica minor et major, wodurch Foramen ischiadicum minus et majus entstehen

Verhindert die anteriore Kippung der Kreuzbeinspitze

Das Lig. sacrospinale kann NICHT von außen palpiert werden
Ligg. iliolumbalia; Oberer Bandzug (OB)
Unterer Bandzug (UB)
Oberer und unterer Bandzug: Querfortsätze von L4/L5 OB: Beckenkamm; Verbindet sich mit der thorakolumbalen Faszie

UB: posteriore Region der Fossa iliaca

Helfen, die lumbosakrale Wirbelsäule am Becken zu stabilisieren; Beschränken die Bewegung am lumbosakralen Übergang, insbesondere die Lateralflexion

Beeinflussen die Stabilität des ISG(9)

Der Patient liegt in Bauchlage. Palpieren Sie vom posterioren Beckenkamm in Richtung SIPS. Haken Sie Ihre Finger an der anterioren Oberfläche der SIPS ein und bewegen Sie sie diagonal, so dass eine Gleiten über die Ligg. iliolumbalia entsteht. Da der Querfortsatz von L5 aufgrund seiner tiefen Lage nicht palpierbar ist, kann der größte Teil der Ligg. iliolumbalia nicht palpiert werden.
Lig. pubicum anterius Anteriorer Aspekt der Schambeine Geht in das Periost der Schambeine über Bietet Ansatzpunkte für M. adductor longus, M. adductor brevis, M. rectus abdominis und die Mm. pyramidales(3)
Lig. pubicum superius Superiore Ränder der Schambeinfuge (Symphysis pubica) Lateraler Rand der Crista pubica, in der Nähe des Tuberculum pubicum Gemischte Auffassungen: wichtig für die Verstärkung des Gelenks oder funktionell unbedeutend(11)
Lig. pubicum inferius, auch Lig. arcuatum pubis genannt Bogen, der die inferioren Teile der Rami ossis pubis überbrückt Die inferioren Fasern sind mit den inferioren Rami ossis pubis verbunden; Die superioren Fasern verschmelzen mit dem Faserknorpel des Discus interpubicus Bildet die obere Begrenzung des Schambeinbogens; Stabilisiert die Schambeinfuge (Symphysis pubica)

Bietet Ansatzpunkte für den M. adductor brevis und den M. gracilis(3)

Leistenband (Lig. inguinale, Poupart-Band) Spina iliaca anterior superior (SIAS) Tuberculum pubicum Bildet die superiore Begrenzung des Oberschenkeldreiecks (Trigonum femorale); Trägt zum Boden des Leistenkanals bei

Verankert M. obliquus externus und M. transversus abdominis am Becken.

Legen Sie Ihre Hände auf den superioren Rand des Beckenkamms. Als Nächstes folgen Sie dem Beckenkamm nach anterior, bis Sie die nächste knöcherne Landmarke erreichen, den die Spina iliaca anterior superior (SIAS). Bewegen Sie Ihre Hände von der SIAS aus nach inferior und nach medial entlang des Leistenbandes, das am Tuberculum pubicum endet.
Lig. sacrococcygeum anterius Anteriore Fläche des Kreuzbeins Anteriore Fläche der Steißbeinspitze Vergrößert den anteroposterioren Durchmesser des Beckens während der Geburt und der Defäkation; Stabilisiert das Sakrokokzygealgelenk
Lig. sacrococcygeum posterius superficiale Rand des Hiatus sacralis Dorsale Fläche des Steißbeins Schließt den posterioren Aspekt des distalsten Teils des Sakralkanals; Stabilisiert das Sakrokokzygealgelenk
Lig. sacrococcygeum posterius profundum Dorsale Fläche des fünften Sakralsegments Dorsale Fläche des Steißbeins Vervollständigt den unteren und hinteren Teil des Sakralkanals
Lig. sacrococcygeum laterale Inferolateraler Winkel des Kreuzbeins Querfortsätze des Steißbeins Stabilisiert das Sakrokokzygealgelenk; Verbindet den Querfortsatz des Steißbeins mit dem inferolateralen Winkel des Kreuzbeins
Lig. intercornuale Cornua sacralia Cornua coccygea Stabilisiert das Sakrokokzygealgelenk

Muskeln des Beckens ( edit | edit source )

Die Muskeln des Beckens sind in oberflächliche, mittlere und tiefe Muskelschichten unterteilt.

  • Tiefe Schicht: M. levator ani und M. coccygeus
  • Mittlere Schicht: Schließmuskel der Harnröhre, M. transversus perinei profundus
  • Oberflächliche Schicht: M. bulbospongiosus, M. ischiocavernosus, M. transversus perinei superficialis

Die Beckenbodenmuskeln befinden sich an der Unterseite des Beckens. Unterstützt werden sie durch den M. obturator internus und den M. piriformis, die dazu beitragen, die Wände des Beckenbodens zu bilden. Die Hauptaufgabe der Beckenbodenmuskeln besteht darin, die Beckenorgane zu stützen. Eine Beckenbodenmuskelschwäche kann zu Problemen bei der Kontrolle von Blase und Darm führen.

Muskel Ursprung Ansatz Innervation Funktion
M. levator ani: M. pubococcygeus (PC)

M. puborectalis (PR)

M. iliococcygeus (IC)

PC: Corpus ossis pubis und anteriorer Aspekt des Sehnenbogens; PR: Corpus ossis pubis

IC: anterior an den Tubera ischiadica

PC: Lig. anococcygeum und Steißbein; PR: kreisförmig um den Analkanal

IC: Lig. anococcygeum und das Steißbein

Nerv zum M. levator ani (S4); Der M. pubococcygeus erhält Nervenäste aus dem N. pudendus (S2- S4) Stabilisiert die Bauch- und Beckenorgane; Formt das Beckenzwerchfell (Diaphragma pelvis) zusammen mit dem M. coccygeus und den dazugehörigen Faszien
M. coccygeus Spinae ischiadicae Lateraler Aspekt des Steißbeins und des Kreuzbeins, entlang des Lig. sacrospinale Ramus ventralis der Spinalnerven S4/S5 Hilft bei der Abstützung der Eingeweide des Beckens; Hilft bei der Flexion des Steißbeins
Harnröhrenschließmuskeln; M. sphincter urethrae internus, (SUI, glatter Muskel unter vegetativer Kontrolle)

M. sphincter urethrae externus (SUE, Skelettmuskel)

SUE: Ramus ossis ischii; Ramus inferior ossis pubis; Angrenzende Faszien SUE: Umgibt den mittleren und unteren, membranösen Teil der Harnröhre.

Nur im männlichen Becken:

SUE wird manchmal auch als Rhabdosphincter bezeichnet und bildet einen ringförmigen Schließmuskel.

SUE: N. pudendus (Nervenwurzeln S2 bis S4) Kontrolliert den Urinfluss
M. transversus perinei profundus Ramus ossis ischii Die Fasern jedes Muskels verbinden sich in der Mittellinie am Dammkörper (Corpus perineale) und kreuzen sich mit dem kontralateralen M. transversus perinei superficialis(12) Nn. perineales (Äste des N. pudendus) Unterstützt die Stabilität des Dammkörpers(12)
M. bulbospongiosus (ein geschlechtsdimorpher Muskel, der bei den verschiedenen Geschlechtern variiert) Männlich: Dammkörper (Corpus perineale)

Raphe penis

Weiblich: Dammkörper (Corpus perineale)

Männlich: Membrana perinealis

Dorsale Seite des Corpus spongiosum und der Corpora cavernosa

Faszien des Bulbus penis

Weiblich:

Schambogen (Arcus pubis)

Faszien der Corpora cavernosa und der Klitoris

Tiefe Äste der Nn. perineales (Äste des N. pudendus) (S2-S4) Männlich: Komprimiert den Bulbus penis beim Wasserlassen und bei der Ejakulation

Unterstützt die Erektion des Penis

Stützt den Dammkörper

Weiblich:

Hilft bei der Erektion der Klitoris/Bulbi vestibulares

Stützt den Dammkörper

M. ischiocavernosus Tuber ischiadicum und Ramus ossis ischii Crura clitoridis bzw. Crura penis Tiefe Äste der Nn. perineales (Äste des N. pudendus) (S2-S4) Hilft bei der Erektion und Ejakulation bei Männern und bei der Klitoriserektion bei Frauen
M. transversus perinei superficialis Anteromediale Fläche des Tuber ischiadicum Dammkörper Tiefe Äste der Nn. perineales Stabilisiert den Dammkörper; Hilft beim Ausstoßen von Sperma oder Scheidensekret während des Ejakulationsvorgangs.

Innervation des Beckens ( edit | edit source )

Der Beckenboden wird in erster Linie vom Plexus sacralis innerviert, einem Netzwerk von Nerven, das von den Nervenwurzeln von L4 bis S4 reicht.(8)

Nerven Ursprung Äste Motorische Fasern Sensible Fasern
N. pudendus Rami ventrales von S2-S4 im Plexus sacralis N. rectalis inferior; Nn. perineales

Medialer und posterolateraler Nn. scrotales/labiales.

N. dorsalis penis/N. dorsalis clitoridis

M. sphincter ani externus; Nur bei Frauen:

M. compressor urethrae

M. sphincter urethrovaginalis

Analkanal; Körper und Eichel von Penis bzw. Klitoris.
Nn. perineales N. pudendus N. perinealis superficialis; N. perinealis profundus M. ischiocavernosus, M. transversus perinei superficialis und M. bulbospongiosus, M. transversus perinei profundus Haut über dem urogenitalen Dreieck: Männlich:

Die Haut über dem Damm

Posteriore Skrotalhaut

Weiblich:

Kleine Schamlippen (Labia minora)

Vestibulum vaginae

Der inferiore Teil des Vaginalkanals

Posteriorer Aspekt der großen Schamlippen (Labia majora)

Rami ventrales der Spinalnerven S4/S5 Plexus sacralis Spinalnerven S1, S2, S3 und S4 M. coccygeus (Rami ventrales von S4/S5); M. levator ani (Rami ventrales von S4) Sensible Innervation durch den N. pudendus

Gefäßversorgung des Beckens ( edit | edit source )

Die A. iliaca interna ist der wichtigste Blutversorger des Beckens. Zusammen mit der A. iliaca externa zweigt sie von der A. iliaca communis ab, die aus der Aorta abdominalis entspringt.(8)

Arterie Ursprung Äste Versorgung
A. iliaca interna A. iliaca communis Anteriorer Ast: A. umbilicalis, A. obturatoria, A. rectalis media, A. pudenda interna und A. glutea inferior,nur bei Männern: A. vesicalis inferior

Posteriorer Ast: A. iliolumbalis, A. sacralis lateralis, A. glutea superior

Anteriorer Ast: Männlich und weiblich: Blase, distaler Harnleiter (Ureter), M. ischiococcygeus, M. iliococcygeus, Haut des Oberschenkels.

Nur bei Männern:

Der proximale Aspekt des Ductus deferens und der Samenblasen, die Prostatadrüse.

Posteriorer Ast: Die Haut über dem Kreuzbein

Klinische Bedeutung ( edit | edit source )

  1. Es wird angenommen, dass 16-30 % der chronischen mechanischen Kreuzschmerzen mit Schmerzen im Iliosakralgelenk zusammenhängen(13)
  2. Schmerzen, die in der Steißbeinregion lokalisiert sind, werden als Coccygodynie bezeichnet. Mögliche Ursachen für die Schmerzen sind chronische Entzündungen sowie Reizungen der Ansätze am Steißbein.(13)
  3. Ein Sturz auf das Gesäß (z. B. von einem Stuhl) kann zu einer Fraktur der Steißbeinwirbel führen.
  4. Stressinkontinenz bei Männern tritt auf, wenn der Schließmuskelmechanismus den von der Blase ausgeübten Druck nicht kontrollieren kann, was zu Harnverlust führt.(14) Mehr über Harninkontinenz bei Männern erfahren Sie hier.
  5. Schmerzen entlang der Verteilung des N. pudendus werden als Pudendusneuralgie bezeichnet.
  6. Ein Blutgerinnsel kann den Blutfluss in den Beckenvenen behindern und zu einer Beckenvenenthrombose führen. Dies kann eine sehr ernste Erkrankung sein, die durch Schmerzen im Becken und im Unterleib gekennzeichnet ist.
  7. Chronische Beckenschmerzen werden allgemein als nicht bösartige, intermittierende oder kontinuierliche Schmerzen im Unterbauch, im Becken oder in den intrapelvinen Strukturen definiert. Erfahren Sie hier mehr über die Differenzialdiagnose und die Behandlung von chronischen Beckenschmerzen.
  8. Dysfunktionen der Beckengesundheit sind sowohl bei Männern als auch bei Frauen häufig und umfassen Harn- und Stuhlinkontinenz, Beckenorganprolaps (bei Frauen) und anhaltende Beckenschmerzen. Erfahren Sie hier mehr über häufige Erkrankungen des weiblichen Beckens und über die Gesundheit des männlichen Beckens im Programm „Einführung in die männliche Beckengesundheit“.

Ressourcen(edit | edit source)

(15)

Referenzen(edit | edit source)

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  2. DeSilva JM, Rosenberg KR. Anatomy, Development, and Function of the Human Pelvis. Anat Rec 2017, 300:628–632.
  3. 3,0 3,1 3,2 Pieroh P, Li ZL, Kawata S, Ogawa Y, Josten C, Steinke H, Dehghani F, Itoh M. The topography and morphometrics of the pubic ligaments. Ann Anat. 2021 Jul;236:151698.
  4. Mathieu T, Van Glabbeek F, Van Nassauw L, Van Den Plas K, Denteneer L, Stassijns G. New insights into the musculotendinous and ligamentous attachments at the pubic symphysis: A systematic review. Ann Anat. 2022 Oct;244:151959.
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  8. 8.0 8.1 8.2 Xuan D. Exploring Pelvis Anatomy. Plus Course 2023
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