Zerebralparese (CP) ist eine nicht progressive neuromotorische Störung. Zu den primären Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit der Zerebralparese gehören Bewegungsstörungen, Veränderungen des Muskeltonus und eine verminderte motorische und posturale Kontrolle.
Eine Zerebralparese kann auch zu einer Reihe von sekundären muskuloskelettalen Erkrankungen führen, die ebenfalls die Funktionsfähigkeit beeinträchtigen können Die zugrundeliegende Ursache der CP ist eine Schädigung des sich entwickelnden Gehirns in der pränatalen und neonatalen Phase.(1)
In der pädiatrischen Praxis ist es in den ersten 1-2 Lebensjahren schwierig, eine endgültige Diagnose der CP zu stellen. Während dieses Zeitraums können Entwicklungsverzögerungen Teil der normalen Schwankungen in der Entwicklung sein und sich wieder auflösen. Eine zuverlässigere Diagnose wird nach dem 2. Lebensjahr auf der Grundlage klinischer Befunde gestellt, zu denen typischerweise folgende gehören:
Die vorläufige Diagnose „hohes Risiko für Zerebralparese“ kann jedoch bereits vor dem Alter von 2 Jahren gestellt werden. Diese Risikokategorie erfordert eine motorische Dysfunktion und entweder eine klinische Vorgeschichte, die auf ein CP-Risiko hinweist, und/oder Anzeichen einer Abnormalität im MRT.(1) Im Jahr 2017 haben Novak et al.(2) Möglichkeiten zur Vorhersage von CP bei Säuglingen vorgeschlagen:
Die Analyse der allgemeinen Bewegungen des Säuglings (General Movements – GMs) nach Prechtl wird zur Beobachtung der Bewegungen von Säuglingen zwischen der Geburt und 20 Wochen verwendet. Ein Kliniker beobachtet ein 3-5-minütiges Video von den Bewegungen des Kindes und nimmt eine Bewertung nach einer standardisierten Methode vor. Dieses Assessment hat nachweislich eine hohe Spezifität und Sensitivität für die Vorhersage der CP.(3) Es ist daher nützlich für die Früherkennung einer CP in Hochrisikogruppen.(3)
Die Barry-Albright-Dystonie-Skala (BAD-Skala) wird verwendet, um sekundäre Dystonien bei Patienten mit traumatischen Hirnverletzungen oder CP zu beurteilen. Die BAD-Skala ist eine kriterienbasierte, ordinale Skala, die acht Körperregionen auf einer 5-Punkte-Skala erfasst.(4)
Das Gross Motor Function Measure (GMFM) ist ein Assessment-Tool, das bei Kindern mit CP eingesetzt wird. Dieser Test verwendet eine 4-Punkte-Ordinalskala, um die Fähigkeit eines Kindes zu bewerten, motorische Funktionen wie Sitzen, Stehen, Rollen, Krabbeln, Treppensteigen, Springen usw. auszuführen.(5)
Das Gross Motor Function Classification System (GMFCS) wird bei Kindern im Alter von 2-18 Jahren verwendet, um die grobmotorischen Funktionen zu beschreiben, insbesondere die Fähigkeit zu gehen. Diese Skala kann verwendet werden, um Bewegungen zu beschreiben, für die Hilfsmittel (Walker, Krücken, Rollstühle usw.) erforderlich sind, aber auch selbstinitiierte Bewegungen.(1)
Die Hammersmith Infant Neurological Examination (HINE-Test) wird bei Säuglingen im Alter von 2 Monaten bis 2 Jahren eingesetzt, um einen Rahmen für die Überwachung und Identifizierung von Abweichungen von der normalen Entwicklung zu schaffen. Es hat sich gezeigt, dass der HINE-Test eine hohe Spezifität und Sensitivität für die Vorhersage der CP besitzt.(3)
Das Manual Ability Classification System (MACS) beschreibt den typischen Gebrauch der oberen Extremitäten und Hände von Kindern im Alter von 4-18 Jahren.(1)
Das Communication Function Classification System (CFCS) wird verwendet, um die alltägliche Kommunikation von Kindern mit CP zu beurteilen (d.h. das Empfangen oder Senden einer Nachricht). Mit dem CFCS können alle Arten der Kommunikation bewertet werden, einschließlich Blicke, Bilder, sprachgenerierende Geräte, Vokalisationen und Kommunikationstafeln.(1)
Das Eating and Drinking Ability Classification System (EDACS) wird für Kinder ab 3 Jahren verwendet und gibt Auskunft über ihre Ess- und Trinkfähigkeiten. Dieser Test bewertet insbesondere die Effizienz des Essens und Trinkens sowie die Sicherheit (Aspirations- oder Erstickungsgefahr).(1)
Die folgende Tabelle aus Paulson et al. (2017)(6) zeigt die Klassifikationsstufen der CP unter Verwendung von GMFCS, MACS, CFCS und EDACS:
| Stufe | GMFCS | MACS | CFCS | EDACS |
|---|---|---|---|---|
| I | Freies Gehen ohne Einschränkungen möglich | Einfacher und erfolgreicher Umgang mit Gegenständen ohne wesentliche Schwierigkeiten | Wirksamer Sender und Empfänger mit unvertrauten und vertrauten Partnern | Isst und trinkt sicher und effizient |
| II | Gehen mit Einschränkungen möglich (keine Gehhilfe mit 4 Jahren) | Umgang mit den meisten Gegenständen möglich, jedoch reduzierte Bewegungsqualität und/oder Geschwindigkeit | Wirksamer, aber langsamer Sender und/oder Empfänger mit unvertrauten und/oder vertrauten Partnern | Isst und trinkt sicher mit einigen Einschränkungen in der Effizienz |
| III | Gehen mit einer Gehhilfe möglich | Schwierigkeiten im Umgang mit Gegenständen; Hilfestellung ist bei der Vorbereitung und/oder Modifizierung der Aktivitäten nötig | Wirksamer Sender und Empfänger mit vertrauten Partnern | Isst und trinkt mit einigen Einschränkungen in der Sicherheit, es kann zu Einschränkungen in der Effizienz kommen |
| IV | Eingeschränkte selbständige Mobilität – kann ggf. einen Aktiv-Rollstuhl oder elektrische Mobilität benötigen | Benutzung einer begrenzten Auswahl von Gegenständen mit dauernder Hilfestellung und Anpassung an die Fähigkeiten | Gelegentlich wirksamer Sender und/oder Empfänger mit vertrauten Partnern. | Isst und trinkt mit erheblichen Einschränkungen in der Sicherheit |
| V | Ausschließlicher Transport im Rollstuhl | Kein Gebrauch von Gegenständen möglich | Selten wirksamer Sender und Empfänger auch mit vertrauten Partnern | Kann nicht sicher essen oder trinken – eine Sondenernährung wird möglicherweise in Erwägung gezogen, um die Ernährung zu gewährleisten |
Das allgemein anerkannte klinische Instrument zur Beurteilung der Zunahme des Muskeltonus ist die Modifizierte Ashworth-Skala (MAS).
Wie in Harb und Kishner beschrieben,(7) wird die Spastizität anhand dieser Skala wie folgt eingestuft:
Die Tardieu-Skala ist ein weiteres Instrument zur Bewertung der Spastizität. Diese Skala bewertet den Widerstand gegen die passive Bewegung bei verschiedenen Geschwindigkeiten – d.h. schnell und langsam. Sie ermöglicht es dem Untersucher, zwischen nicht neuralen Faktoren (z. B. Kontraktur) und neuralen Faktoren (z. B. Spastizität) zu unterscheiden, die einen erhöhten Widerstand gegen passive Dehnung erklären können.(8) Eine passive Dehnung wird in zwei Etappen mit drei Geschwindigkeiten auf eine Muskelgruppe ausgeübt:(8)
** Für die Bewertung wird eine Sechs-Punkte-Skala verwendet, wobei 0 ‚kein Widerstand im Verlauf der passiven Bewegung‘ und 5 ‚das Gelenk ist unbeweglich‘ bedeutet.(8)
Barlow-Test: zielt darauf ab, das (Sub-)Luxieren des Femurkopfs durch Adduktion des Oberschenkels mit einer leichten anteroposterior Kraft zu erkennen.(9)
Ortolani-Test: zielt darauf ab, den subluxierten Femurkopf zu reponieren, indem der Oberschenkel mit einer leichten anteroposteriorer Kraft abduziert wird.(9)
Das Galeazzi-Zeichen wird beim Verdacht auf eine Instabilität oder Luxation der Hüfte oder eine Fehlbildung der Hüftpfanne verwendet. Das Kind liegt in Rückenlage mit gebeugten Hüften und Knien, die Füße sind flach auf der Unterlage. Der Untersucher vergleicht die Höhe der Knie von lateral.
Dieses Zeichen ist positiv, wenn ein Knie höher als das andere steht. Dies weist auf eine Instabilität, Luxation oder anteriore Translation der Hüftpfanne auf der unteren Seite hin.(10)
In den folgenden Videos finden Sie Beschreibungen und Demonstrationen dieser Tests.
Die Activities Scales for Kids (ASK) ist ein Fragebogen zur Selbstbeurteilung mit 30 Fragen zu dem, was das Kind zu Hause, in der Schule und auf dem Spielplatz tun kann oder tun würde.(13)
Das Pediatric Evaluation of Disability Inventory (PEDI) ist ein gründliches klinisches Assessment, das wichtige funktionelle Leistungen und Fähigkeiten bei Kindern im Alter von 6 Monaten bis 7½ Jahren überprüft.(14)
Das WeeFIM ist ein Assessment-Tool, das die konstante Leistung eines Kindes in den wesentlichen funktionellen Fertigkeiten des täglichen Lebens misst. Das Instrument besteht aus einer 18-teiligen, 7-stufigen Ordinalskala, die drei Hauptbereiche (Selbstfürsorge, Mobilität und Wahrnehmung) abdeckt.(15)