Originale Autorin – Dawn Willard
Top-Beitragende – Ewa Jaraczewska, Jess Bell und Kim Jackson
Säuglinge beginnen von Geburt an mit ihrer Umwelt zu interagieren. Sie reagieren auf visuelle und akustische Ereignisse und bewegen ihre Extremitäten aktiv und spontan.(1) Bei der Arbeit mit Kindern ist es wichtig zu wissen, dass motorische Probleme oft mit Kommunikationsproblemen einhergehen.(2) (3) Verminderte Sprachfertigkeiten und eine verringerte Fähigkeit oder Unfähigkeit zu kommunizieren können wiederum die soziale Entwicklung eines Kindes beeinträchtigen.(4) Dies kann sich auf seine Selbstidentität, sein Selbstwertgefühl, seine Selbstbeherrschung und seine Interaktionen mit anderen auswirken.(5) Dies kann auch Auswirkungen auf die Betreuungspersonen haben,(6) da sie die primären Kommunikatoren ihrer Säuglinge und Kleinkinder sind und eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Kommunikationsfertigkeiten spielen.(7) Diese Seite beschreibt, wie und warum ein Kind kommuniziert und bietet grundlegende Kommunikationsstrategien für Betreuungspersonen, um die Kommunikation mit ihren Kindern zu verbessern.
Kinder wenden vom Säuglingsalter bis zum Erreichen der Verbalität unterschiedliche Kommunikationsstrategien an.
„Bereits acht Wochen alte Säuglinge beteiligen sich aktiv an stimmlichen Interaktionen mit ihren Betreuungspersonen.“(8)
Die frühe nonverbale Kommunikation umfasst visuelle Zuwendung, Lächeln, auf etwas zeigen, bestimmte Vokalisationen, Greifen und Weinen.(9) Fehlen diese nonverbalen Hinweise oder weisen sie keine soziale Absicht auf, kann dies auf Entwicklungsauffälligkeiten und mögliche Schwierigkeiten beim Erwerb der Sprache hindeuten.(10)
Eine Reiz-Reaktions-Beziehung wird in der Regel im Alter von 12 Monaten erlernt.(11) Dies kann beobachtet werden, wenn ein Säugling sich an der Betreuungsperson orientiert, um nach Hinweisen zu suchen (z. B. als Reaktion auf ein neues Spielzeug). Der Blick in Richtung der Betreuungsperson ist entscheidend für das Erlernen der gestischen Kommunikation. Das Fehlen eines anhaltenden Blickkontakts des Säuglings mit den Betreuungspersonen kann auf eine Entwicklungsverzögerung des Säuglings hinweisen,(12) die „mit Verzögerungen in der Sprache und/oder dem Ausbleiben des Erlernens neuer Reiz-Reiz-Beziehungen einhergeht“.(11)
Die Gemeinsame Aufmerksamkeit beginnt normalerweise im Alter von 9-12 Monaten und beschreibt die „Fähigkeit eines Säuglings, Blickkontakt mit einer anderen Person herzustellen, den Blick auf bestimmte Reize zu richten und den Blickkontakt mit derselben Betreuungsperson wieder aufzunehmen“.(11) Sie entsteht, wenn zwei oder mehr Personen gemeinsam ihre Aufmerksamkeit auf einen gemeinsamen Interessenspunkt richten, und bildet einen wichtigen Bestandteil der Kommunikation.(13) Die gemeinsame Aufmerksamkeit hilft beim frühen Erlernen von Sprachfertigkeiten, einschließlich des Benennens, und bietet eine Grundlage für die kognitive Entwicklung und soziale Referenz.(11) Soziale Verstärker (z.B. ein Nicken oder eine Geste) erleichtern und erhalten die gemeinsame Aufmerksamkeit des Säuglings.
Soziale Referenz beschreibt eine Verhaltenskette, in der zwei Personen (Betreuungsperson und Kind) an einer Interaktion beteiligt sind. Dabei entsteht eine Abfolge aus Blickkontakt, Blickverlagerung (engl. „gaze shift“) zu einem neuen Stimulus, Rückkehr zum gegenseitigen Blickkontakt und veränderte Gesichtsausdrücke.(14)
Säuglinge beginnen ab dem 6. Monat, auf symbolische Sprachhinweise zu reagieren, und mit 12 Monaten können sie bereits auf Gegenstände zeigen und diese benennen.(11) Das Benennen umfasst typischerweise mehrere Schritte: Verfolgung des Blicks der Person, die das Objekt benennt, um festzustellen, was sie benennt, Wiederholung des Namens in Gegenwart des Objekts und Blick zurück zur Betreuungsperson zur Bestätigung. Bei manchen Säuglingen kann die rezeptive Sprache (Sprachverständnis) im Alter von 12 Monaten bereits mehr als 100 Wörter umfassen. Der expressive Wortschatz holt diesen Umfang in der Regel mit etwa 18 Monaten auf.(11)
Mit den folgenden Strategien können Betreuungspersonen ihren Kindern helfen, die Sprache zu erlernen und sie ausdrucksvoll zu nutzen. Betreuungspersonen müssen zunächst verstehen, wie ihr Kind bereits kommuniziert (z. B. Blicke, Lächeln usw.) und dann versuchen zu analysieren, wie und warum das Kind kommuniziert Sie sollten dann herausfinden, wie und warum sie selber kommunizieren und diese Verhaltensweisen auch bei ihren Kindern erkennen. Auf dieser Grundlage können Betreuungspersonen allmählich verstehen und voraussehen, wie sie ihrem Kind helfen können, besser zu kommunizieren.(9)
Um den Betreuungspersonen zu helfen, den Kommunikationsstil ihres Kindes zu verstehen, stellen Sie die folgenden Fragen:
Sie können ähnliche Fragen stellen, um der Betreuungsperson zu helfen, ihren Kommunikationsstil zu verstehen:(9)
Es ist wichtig, dass die Betreuungspersonen verstehen, dass die Kommunikation von unserer Umgebung und unseren Gefühlen abhängt. Wir können von unseren Kindern nicht immer erwarten, dass sie in jeder Umgebung kommunizieren, und Kinder wollen nach einem langen Tag vielleicht nicht kommunizieren, genau wie Erwachsene.(9)
Es gibt vier identifizierbare Stadien der frühen Kommunikation: „Discoverer“ (etwa: Entdeckerstadium), „Communicator“ (etwa: Kommunikatorstadium), „First Word User“ (etwa: Einwort-Nutzer-Stadium) und „Combinator“ (etwa: Kombinierer-Stadium).(15) Die unten angegebenen Altersspannen sind ungefähre Angaben und überschneiden sich, da jedes Kind einzigartig ist und zu unterschiedlichen Zeitpunkten in das nächste Stadium übergehen kann. Es kann sein, dass ein Kind die Stufen langsamer durchläuft als andere gleichaltrige Kinder. Dies kann durch Entwicklungsverzögerungen oder Krankheiten beeinflusst werden. Zu verstehen, wo ein Kind in seiner Entwicklung steht, hilft dabei, realistische Erwartungen und Ziele zu setzen.(9)
Ein hervorragender Kommunikator hört in der Regel zu, unterbricht nicht und folgt der Führung des Gesprächspartners.(9) Die folgenden Strategien können Betreuungspersonen helfen, effektiver mit ihren Kindern zu kommunizieren.
Wenn man über einem Kind steht, kann es sich eingeschüchtert und unwohl fühlen; begibt man sich hingegen auf die gleiche Ebene (auf Augenhöhe) mit einem Kind, fühlt es sich wohler, ist weniger eingeschüchtert und die Kommunikation wird flüssiger. Einem Kind auf Augenhöhe gegenüberzutreten hilft ihm zu verstehen, was gesagt wird, sowie die Worte der Betreuungsperson zu modellieren, da es auf ihren Mund schauen kann. In manchen Situationen ist es nicht möglich, dem Kind auf Augenhöhe gegenüberzutreten, beispielsweise beim Gehen oder Schieben eines Kinderwagens (wenn das Kind Ihnen mit dem Gesicht abgewandt sitzt), während der Fahrt, wenn Ihr Kind in seinem Kindersitz hinter Ihnen sitzt, oder wenn Sie sprechen, während Sie ihm den Rücken zuwenden, z. B. wenn Sie an der Spüle stehen und das Abendessen zubereiten, während das Kind hinter Ihnen auf dem Küchenboden spielt.(9)
Die Rolle des Klinikers besteht darin, der Betreuungsperson dabei zu helfen, ein aufmerksamer Zuhörer zu werden; zu verstehen, wie wichtig es ist, sich auf Augenhöhe mit dem Kind zu begeben, und zu warten und zu beobachten, wie das Kind kommuniziert.(9) Eine sorgfältige Beobachtung hilft den Eltern zu erkennen, was das Kind ihnen mitteilen möchte, welche Botschaften es sendet, wie es kommuniziert (Zeigen, Grunzen, Lächeln) und warum es diesen Kommunikationsstil wählt – zum Beispiel, weil es glücklich ist oder etwas genossen hat.(9)
„Wenn Kinder lernen zu kommunizieren, dann aus einem inneren Wunsch heraus.“(9) — Dawn Willard
Beginnen Sie Ihre Antwort nicht mit dem Versuch, zu lehren, zu kontrollieren oder zu zeigen; Helfen Sie Ihrem Kind lieber, zu lernen, sich zu verbalisieren und mit Ihnen zu kommunizieren, damit es Ihnen sagen kann, was es möchte. Sobald Ihr Kind eine Botschaft sendet, müssen Sie sofort antworten; Wenn Ihrem Kind nicht zugehört wird, kann es die Interaktion schnell abbrechen.
„Stille ist das Geräusch, wenn jemand denkt.“(9) — Questlove
„So zu spielen, wie das Kind spielen möchte, ist das Wichtigste, wenn man der Führung des Kindes folgen will.“(9) — Dawn Willard
Erlauben Sie dem Kind, ein Gespräch zu beginnen, denn dies ist der erste Schritt zur Verwendung von expressiver Sprache oder Sprache zur Kommunikation mit anderen. Während eines Gesprächs mit einem Kind sollten Innehalten, ein Geben und Nehmen stattfinden; die Betreuungsperson sollte nicht die ganze Zeit sprechen. Eine Wartezeit von fünf bis zehn Sekunden, bis das Kind eine Botschaft sendet, gibt ihm Zeit, das Geschehen zu verarbeiten und zu entscheiden, was es als Nächstes mitteilen möchte.(9)
Betreuungspersonen können die folgenden Strategien anwenden, um ihren Kindern bei der Sprachentwicklung sowie bei den Anfängen der Nutzung expressiver Sprache zu helfen: Auf Augenhöhe gehen, Beobachten, Zuhören und der Führung des Kindes folgen (beim Thema bleiben).(9)
Das folgende kurze Video beschreibt die Hin- und Her-Interaktionen und zeigt, wie man Kindern helfen kann, Kommunikationsfertigkeiten zu entwickeln:
Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit – Kinder und Jugendliche (ICF-CY) kann verwendet werden, um die Auswirkungen von Kommunikationsproblemen auf die funktionellen Fähigkeiten eines Kindes zu definieren. Zu den kognitiven Funktionen der Sprache gehört das „Erkennen und Verwenden von Zeichen, Symbolen und anderen Komponenten einer Sprache“, wie in der ICF-CY beschrieben. Mehr über die ICF-CY erfahren Sie im Plus-Kurs Anwendung der ICF bei der Zerebralparese.