Originale Autorin – Ewa Jaraczewska basierend auf dem Kurs von Cornelia Barth
Top-Beitragende – Jess Bell, Ewa Jaraczewska, Kim Jackson und Rachael Lowe und Cornelia Barth
Warum leben manche Menschen länger und gesünder als andere, selbst innerhalb desselben Gesundheitssystems? Die Antwort liegt oft nicht nur im Zugang zur Gesundheitsversorgung oder in persönlichen Gesundheitsentscheidungen, sondern in vielen miteinander verknüpften Faktoren. Diese werden als Determinanten der Gesundheit bezeichnet. Beispiele für Determinanten der Gesundheit sind Genetik, Verhalten, Umwelt, physische Einflüsse, medizinische Versorgung sowie kommerzielle, strukturelle und soziale Determinanten. Diese Seite konzentriert sich speziell auf die sozialen Determinanten der Gesundheit. Mehr über die Determinanten der Gesundheit erfahren Sie hier.
Soziale Determinanten der Gesundheit (Social Determinants Of Health, SDOH) sind die nichtmedizinischen Faktoren, die die Gesundheitsergebnisse beeinflussen.(1)
Sie sind „die Bedingungen in der Umgebung, in die Menschen hineingeboren werden, unter denen sie aufwachsen, leben, lernen, arbeiten, spielen, ihren Glauben ausüben und altern, die ein breites Spektrum an Gesundheit, Funktionsfähigkeit, Lebensqualität und Risiken beeinflussen.“(2)
Abbildung 1. Determinanten der Gesundheit. Innerer Kreis = Alter, Geschlecht, Konstitution, Genetik, individuelle Lebensweise und Verhalten. Mittlerer Kreis = soziale und gemeinschaftliche Netzwerke, Lebens- und Arbeitsbedingungen. Äußerer Kreis = allgemeine sozioökonomische, kulturelle und ökologische Bedingungen.
Menschen interagieren in verschiedenen sozialen Systemen miteinander, sowohl in kleinen Gruppen wie Familien als auch in großen Gruppen wie Stadtvierteln oder Städten. Jedes System ist durch soziale Normen, Werte, Strukturen und Kontrollen gekennzeichnet. Der Zugang zu Ressourcen für die Mitglieder dieser Systeme (z.B. Nahrung, Unterkunft, Sicherheit, Bildung, Beschäftigung und Gesundheitsversorgung) ist unterschiedlich.(3) Diese Variabilität kann sich stark auf die Gesundheitsergebnisse der Gruppenmitglieder auswirken.(4) Die Forschung zeigt, dass Menschen mit einem niedrigeren sozioökonomischen Hintergrund und marginalisierte oder ethnische Gruppen häufig negative Gesundheitsergebnisse aufweisen.(3)(5)
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) können 30-55 % der gesundheitlichen Folgen auf soziale Determinanten der Gesundheit zurückgeführt werden.(5)
Die folgenden sozialen Determinanten der Gesundheit können sich positiv und/oder negativ auf die gesundheitliche Chancengleichheit auswirken:(1)
Eine Reihe von Modellen und Rahmenwerken wurde entwickelt, um soziale Determinanten der Gesundheit zu erklären.(7) Das Modell „Healthy People 2030“ beispielsweise unterteilt die sozialen Determinanten der Gesundheit in fünf Domänen: (1) wirtschaftliche Stabilität, (2) Zugang und Qualität der Bildung, (3) Zugang und Qualität der Gesundheitsversorgung, (4) Nachbarschaft und gebaute Umwelt sowie und (5) sozialer und gemeinschaftlicher Kontext.(8) Verschiedene Regierungsbehörden haben dieses Modell genutzt, um gesundheitliche Ungleichheiten zu untersuchen und Interventionen zur Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit zu entwickeln.(7)
Die derzeitige Forschung zu den sozialen Determinanten der Gesundheit in der Rehabilitation konzentriert sich in der Regel auf bestimmte Kategorien wie ethnische Zugehörigkeit, soziale Schicht und Lebensumfeld, auf Erkrankungen wie geistige und Entwicklungsstörungen, Schmerzen, muskuloskelettale, kardiopulmonale und neurologische Erkrankungen oder auf Fachbereiche der Rehabilitation wie Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie.
Ein weiterer Ansatz besteht darin, die Beziehung zwischen sozialen Determinanten der Gesundheit und dem Zugang zu Rehabilitation, deren Inanspruchnahme und deren Ergebnissen zu untersuchen.(9)
Zugang: Der Zugang zu Rehabilitationsleistungen ist weltweit begrenzt. Nach Angaben der WHO erhalten weniger als die Hälfte der rehabilitationsbedürftigen Menschen aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen eine angemessene Versorgung.(10) In Ländern mit hohem Einkommen können verschiedene Faktoren, darunter ein unzureichender Versicherungsschutz, das Leben in ländlichen Gebieten und Sprachbarrieren, den Zugang zu spezialisierter Rehabilitationsversorgung erschweren.(11) Schlechte Lebensbedingungen und Faktoren der Lebensweise (z. B. Ernährung, Rauchen usw.) führen häufig zu Behinderungen. Eine Behinderung kann sich auf die sozioökonomische Situation einer Person auswirken und für viele den Zugang zu Gesundheits- und Rehabilitationsdiensten einschränken.(12) Die Abbildungen 2 und 3 veranschaulichen spezifische Faktoren, die zu einem geringen Zugang zu Rehabilitationsleistungen führen können.
Inanspruchnahme: Soziale Determinanten der Gesundheit wie Bildung, Geburtsort, Beschäftigungsstatus, Standort des Krankenhauses, in dem die Erstversorgung erfolgt, Geschlecht, sozioökonomischer Status usw. können sich auf die Inanspruchnahme von Rehabilitationsleistungen für Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen auswirken. Sie können auch Einfluss darauf haben, wo diese Versorgung in Anspruch genommen wird (z. B. Rehabilitationseinrichtung vs. Zuhause vs. Primärversorgung).(13)(14) In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen befinden sich Rehabilitationszentren häufig in städtischen Gebieten, was die Möglichkeiten einer spezialisierten Rehabilitationsversorgung für die vielen Menschen, die in ländlichen Gebieten leben, einschränkt.(15)
Ergebnisse: Die Auswirkungen der sozialen Determinanten der Gesundheit auf die Rehabilitationsergebnisse sind gut dokumentiert.(16) (7) (17) Schlechte Gesundheitsergebnisse sind häufig in ressourcenarmen Gemeinden,(16) (17) in Gemeinden mit eingeschränkter öffentlicher Verkehrsanbindung und wenigen Leistungserbringern im Bereich der häuslichen Gesundheitsversorgung(7) sowie in einkommensschwachen Gemeinden zu beobachten.(17)
Rehabilitationsfachleute sind gut positioniert, um veränderbare soziale Determinanten der Gesundheit anzugehen, wie z. B. die Verringerung der körperlichen Inaktivität und die Förderung von Bewegung und gesundem Verhalten (z. B. Stressmanagement und Ernährung).(7)(18) Rehabilitationsfachleute können auch bei der Beeinflussung der Politik mitwirken und so ihren Handlungsspielraum auf soziokulturelle, sozioprofessionelle und sozioökonomische Bereiche ausdehnen (siehe Abbildungen 4 und 5).(18)
Zu den Kanälen, über die Rehabilitationsfachleute die sozialen Determinanten der Gesundheit beeinflussen können, gehören: Gesundheitsförderung, Patientenedukation, Interessenvertretung und interdisziplinäre Zusammenarbeit.(18) Die Gesundheitsförderung setzt eine Reihe von Strategien ein, um gesundes Verhalten zu fördern, wie z.B. Steigerung der körperlichen Aktivität, Reduzierung des Substanzmissbrauchs, Stressmanagement und Verbesserung der Ernährung und Gesundheitskompetenz. Die Patientenedukation zielt darauf ab, die Patienten darüber aufzuklären, wie ihr soziales Umfeld ihre Gesundheit und ihre Rehabilitationsergebnisse beeinflusst. Rehabilitationsfachleute können sich für Patienten einsetzen, die mit sozialen Barrieren konfrontiert sind, indem sie sie mit kommunalen Ressourcen oder Unterstützungsdiensten in Verbindung bringen. Schließlich können Leistungserbringer im Bereich der Rehabilitation mit anderen Mitgliedern des interdisziplinären Teams zusammenarbeiten, um die sozialen Bedürfnisse einer Person zu berücksichtigen.
„Wenn die sozialen Determinanten der Gesundheit und die Prävalenz behindernder Beeinträchtigungen der Gesundheit miteinander verbunden sind, sind drei Punkte für eine optimale Rehabilitationsversorgung entscheidend.“(18)
- Zu verstehen, welche Determinanten die Prävalenz und Schwere von gesundheitlichen Beeinträchtigungen beeinflussen und welche spezifische Merkmale betroffene Personen und Bevölkerungsgruppen aufweisen
- Entsprechend zu handeln und für diese Bevölkerungsgruppen wirksame Interventionen anzupassen
- Die richtigen Fragen zu stellen, um die Forschung voranzubringen
Diese Punkte werden in den folgenden Abschnitten erörtert.
Rehabilitationsfachleute brauchen ein umfassendes Verständnis der sozialen Faktoren, die das Vorhandensein, die Schwere und die Verteilung von behindernden Erkrankungen beeinflussen. Das Verständnis dieser Faktoren ermöglicht es Rehabilitationsfachleuten, umfassendere Assessments vorzunehmen, die soziale und physische Faktoren einbeziehen. Sie können Interventionen entwickeln, die nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen bekämpfen und so zu nachhaltigeren Ergebnissen führen.
In vielen Ländern veröffentlichen Forschungsgruppen oder Gesundheitsministerien Daten über die Bevölkerung in ihrem jeweiligen Umfeld. Rehabilitationsfachleuten, die in diesen Kontexten arbeiten, wird empfohlen, sich kontinuierlich mit der neuesten Evidenz vertraut zu machen. Dieses Wissen ermöglicht es Rehabilitationsfachleuten, sich für systemische Veränderungen einzusetzen, die gesundheitliche Ungleichheiten in ihren Gemeinden und Gesundheitssystemen verringern, effektiv mit anderen Anbietern von Gesundheits- und Sozialdiensten zusammenzuarbeiten, um koordinierte Betreuungsansätze zu schaffen, und zu Interventionen auf Gemeindeebene beizutragen, die soziale Faktoren angehen, bevor sie sich als Behinderungen manifestieren.
Daher sollten Rehabilitationsfachleute (1) den komplexen Charakter sozialer Determinanten erkennen, (2) verstehen, wie sich verschiedene spezifische Domänen auf ihre Patienten auswirken, (3) regionale und kulturelle Unterschiede wertschätzen, (4) die spezifischen Merkmale gefährdeter Bevölkerungsgruppen kennen und (5) sich der wirtschaftlichen Belange im Zusammenhang mit Behinderung bewusst sein.(19)(20)
Rehabilitationsfachleute müssen erkennen, dass gesundheitliche Folgen – einschließlich Behinderungen – aus einer komplexen Interaktion von genetischen, umweltbedingten und sozialen Faktoren resultieren. Diese breitere Perspektive hilft, über ein rein medizinisches Modell hinauszugehen und eine ganzheitlichere Beurteilung und Intervention zu unterstützen.(19)
Der sozioökonomische Status, einschließlich Bildung, Einkommen und Beruf, enthält entscheidende Determinanten, die sich auf die Krankheit und auf Rehabilitationsergebnisse auswirken. Ein niedriger sozioökonomischer Status korreliert häufig mit einer höheren Behinderungsrate und schlechteren Rehabilitationsergebnissen. In den unteren sozioökonomischen Gruppen kann es auch zu einer Unterdiagnose verschiedener medizinischer Erkrankungen kommen. In Peru beispielsweise besteht ein umgekehrter Zusammenhang zwischen der Armutsquote und der Diagnoserate für Bluthochdruck – d. h., je stärker die Armut, desto weniger wird Bluthochdruck diagnostiziert.(20)
Die physische Umgebung hat einen erheblichen Einfluss auf Behinderungsmuster. Die Urbanisierung beeinflusst den Lebensstil und das Aktivitätsniveau. Die Luftverschmutzung wird zunehmend mit Krankheiten wie Insulinresistenz in Verbindung gebracht, während die Wohnverhältnisse und die Infrastruktur die Zugänglichkeit und das Rehabilitationspotenzial für viele Patienten beeinträchtigen.(19)
Der Zugang zur Gesundheitsversorgung und die Kostenübernahme wirken sich direkt auf die Diagnoseraten und den Zugang zu Rehabilitationsleistungen aus. Die Anzahl und Verteilung der Gesundheitseinrichtungen beeinflussen den Zugang zur Rehabilitation, da die Dichte der Krankenhäuser in der Forschung positiv mit den Diagnoseraten korreliert.(20) Kulturelle und soziale Kontexte können ebenfalls beeinflussen, wie Patienten Rehabilitationsleistungen in Anspruch nehmen. Sprachbarrieren wirken sich auf die Pflege aus, und Menschen, die sozial isoliert sind, sind anfälliger für chronische Erkrankungen und haben weniger Chancen, diese gut zu bewältigen.(20)
„Die rasante Urbanisierung, die zunehmende Luftverschmutzung und die unterschiedlichen sozioökonomischen Strukturen haben einen einzigartigen Einfluss auf den Verlauf von Krankheiten.“(19)
Für Rehabilitationsfachleute ist es von entscheidender Bedeutung, sich der kontextuellen und regionalen Unterschiede bei den Determinanten der Gesundheit bewusst zu sein. Unterschiedliche Regionen erfordern spezifische Ansätze für ihre besonderen Herausforderungen und Ressourcenbeschränkungen.(21)
„Ungleicher Zugang zur Gesundheitsversorgung und ungleiche Ergebnisse zwischen sozialen Gruppen sind weit verbreitet, und gefährdete Bevölkerungsgruppen tragen unverhältnismäßig stark die Hauptlast der Krankheit.“(21)
Das Verständnis, welche Bevölkerungsgruppen in einer bestimmten Region mit den größten Barrieren bei der Versorgung konfrontiert sind – und wie sich diese Barrieren auf die Zugänglichkeit, Erschwinglichkeit und kulturelle Relevanz auswirken – kann Rehabilitationsfachleuten helfen, ihre Praxis effektiver anzupassen. Die Erkenntnis, wie soziale Determinanten zu kumulativer Benachteiligung beitragen, unterstützt die Entwicklung kontextsensitiver und gerechter Ansätze.
Krankheiten wie Diabetes sind mit erheblichen wirtschaftlichen Belastungen verbunden. Behinderungsbereinigte Lebensjahre (DALY) stellen erhebliche gesellschaftliche Kosten dar, die sich auf die Gesundheitssysteme und Familien auswirken. Prävention und Frühförderung, zu denen auch die Berücksichtigung der sozialen Determinanten der Gesundheit gehört, können diese Kosten im Laufe der Zeit erheblich senken.(19)
Die Identifizierung und das Verständnis der sozialen Determinanten der Gesundheit kann eine Herausforderung sein, da es an standardisierten Ansätzen für das Screening oder die Bewertung dieser Faktoren fehlt. Zu den aktuellen Assessment-Tools der sozialen Determinanten der Gesundheit gehören:(22)
Das folgende Fallbeispiel eines fiktiven Patienten veranschaulicht, wie das Rehabilitationsteam Interventionen maßschneidern und sich für umfassendere gemeinschaftliche oder politische Veränderungen einsetzen kann, um die sozialen Determinanten der Gesundheit zu beeinflussen.
Hintergrund: Ahmed ist ein 29-jähriger männlicher Patient. Nach einem Arbeitsunfall musste Ahmed sein rechtes Bein unterhalb des Knies amputiert werden. Nach seiner Entlassung steht Ahmed vor zahlreichen Herausforderungen beim Zugang zu Rehabilitationsdiensten und der Wiedereingliederung in seine Gemeinschaft.
Soziale Determinanten der Gesundheit: Mehrere Schlüsselfaktoren beeinflussen Ahmeds Weg zur Rehabilitation. Umweltbarrieren , wie das Gelände in seiner ländlichen Gemeinde, erschweren die Mobilität mit seiner Prothese. Soziale und kulturelle Einstellungen, einschließlich der negativen Wahrnehmung von Behinderungen in seiner Gemeinde, schränken Ahmeds soziale Teilhabe und sein Zugehörigkeitsgefühl ein. Transportprobleme, wie unzureichende öffentliche Verkehrsmittel, hindern Ahmed daran, Rehabilitationseinrichtungen zu erreichen. Schließlich sieht sich Ahmed mit Bildungsbarrieren konfrontiert, da lokale Universitäten nur begrenzte Unterstützung für Studierende mit Behinderungen anbieten. Dies schränkt Ahmeds Möglichkeiten für eine akademische und berufliche Weiterentwicklung ein.
Herausforderungen bei der Rehabilitation: Ahmed sieht sich außerdem mit einer Reihe von Barrieren hinsichtlich Zugang, Inanspruchnahme und Ergebnissen konfrontiert.
Zugangsbarrieren: Ahmed lebt etwa 40 km vom nächsten Rehabilitationszentrum entfernt, und die örtlichen Straßen sind holprig und mit Mobilitätshilfen schwer zu befahren. Seine Gemeinde verfügt über keine barrierefreien öffentlichen Verkehrsmittel, und Ahmed kann sich keine regelmäßigen privaten Fahrten zu seinen Terminen leisten. Diese geografischen und finanziellen Faktoren stellen für Ahmed erhebliche Barrieren für einen kontinuierlichen Zugang zur Rehabilitationsversorgung dar.
Barrieren bei der Inanspruchnahme: Wenn Ahmed seine Rehabilitationstermine wahrnehmen kann, kollidieren diese oft mit seinen Arbeitszeiten, sodass er sich zwischen wirtschaftlicher Stabilität und einer Verbesserung seiner Gesundheit entscheiden muss. Ahmed hat außerdem Angst und fühlt sich stigmatisiert, wenn er Rehabilitationsleistungen in der Öffentlichkeit in Anspruch nimmt. Es gibt nur eine begrenzte Nachsorge, was sich auf Ahmeds Fähigkeit auswirkt, sein Programm konsequent durchzuführen und voranzutreiben.
Ergebnisbarrieren: Mehrere Faktoren beeinflussen Ahmeds Rehabilitationsergebnisse. Die ihm zur Verfügung gestellte Prothese war nicht speziell für seine ländliche Umgebung konzipiert, was ihre Funktionalität einschränkte. Zwischen seinen Klinikaufenthalten gibt es keine gemeindebasierten Rehabilitationsdienste, so dass Ahmed keine unmittelbare Hilfe hat, wenn er in seiner Gemeinde auf neue Herausforderungen stößt. In seiner Gemeinde gibt es auch keine Selbsthilfegruppen für Menschen mit Amputationen, sodass er sich nicht an Gruppenmitglieder wenden kann, um emotionale Unterstützung und praktische Ratschläge zu erhalten. Darüber hinaus beeinträchtigen die begrenzten Beschäftigungsmöglichkeiten in seiner Region seine finanziellen Möglichkeiten, langfristig weiterhin Rehabilitationsleistungen in Anspruch zu nehmen.
Mögliche Interventionen zur Berücksichtigung der sozialen Determinanten der Gesundheit: Verschiedene Ansätze könnten den Zugang zu Rehabilitationsmaßnahmen, deren Inanspruchnahme und die Ergebnisse für Ahmed verbessern.
Verbesserung des Zugangs: Ahmeds Zugang zu Transportmitteln kann durch die Zusammenarbeit mit lokalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) verbessert werden, um ein Gutscheinsystem für Rehabilitationstermine zu entwickeln. Die Integration der Telerehabilitation in sein Programm würde es ihm ermöglichen, einige Sitzungen von zu Hause aus zu absolvieren. Die Einrichtung eines gemeindebasierten Rehabilitationsdienstes – zum Beispiel über eine mobile Einheit – könnte ebenfalls dazu beitragen, die Versorgung näher an seinen Wohnort zu bringen. Langfristig können Rehabilitationsfachleute eine wichtige Rolle bei der Förderung einer besseren Infrastruktur spielen, einschließlich barrierefreier Wege und Transportmöglichkeiten in ländlichen Gebieten.
Verbesserung der Inanspruchnahme: Um Ahmeds Arbeitszeiten besser zu berücksichtigen, könnten die Rehabilitationspraxen flexiblere Termine anbieten, beispielsweise abends oder am Wochenende. Eine stärkere Einbindung seiner Familie in den Rehabilitationsprozess – beispielsweise durch Einweisung der Familienangehörigen in die Übungen für zu Hause – kann die Kontinuität und Motivation verbessern. Workshops zur Aufklärung der Bevölkerung in Ahmeds Dorf könnten ebenfalls dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und falsche Vorstellungen über Behinderung zu widerlegen, wodurch ein unterstützenderes Umfeld geschaffen würde.
Verbesserung der Ergebnisse: Ein ergebnisorientierter Ansatz würde mit einer detaillierten Beurteilung von Ahmeds Zuhause und seiner Umgebung beginnen, um Umweltmodifikationen zu identifizieren, die seine Unabhängigkeit fördern können. Die Anfertigung einer Prothese, die für ländliche Gegenden geeignet ist und über eine verbesserte Haltbarkeit und Stabilität verfügt, wird wahrscheinlich die Mobilität und Sicherheit erhöhen. Der Aufbau eines lokalen oder Online-Netzwerks zur gegenseitigen Unterstützung für Menschen mit Amputationen bietet Möglichkeiten zur emotionalen Unterstützung und zum gegenseitigen Lernen. Partnerschaften mit nahegelegenen Universitäten können Türen zu Stipendien oder Berufsausbildungsprogrammen öffnen und Ahmeds langfristige Möglichkeiten erweitern.
Die Verbesserung der Rehabilitationsversorgung erfordert kontextbezogene Forschung – Forschung, die sowohl das Verständnis des Patientenverhaltens vertieft als auch Strategien zur Änderung von Einstellungen und zur Sensibilisierung evaluiert.(18)
Um zu erforschen, wie soziale Determinanten die Rehabilitationsergebnisse beeinflussen, sollten sich Fachleute an der Forschung beteiligen, die untersucht, wie Patienten in Abhängigkeit von ihrem sozioökonomischen Hintergrund mit den Gesundheitssystemen interagieren. Dazu gehört auch die Untersuchung, wie kulturelle Normen die Einhaltung von Rehabilitationsplänen beeinflussen und wie soziale Unterstützungsnetzwerke den Genesungsverlauf beeinflussen. Die Dokumentation von Barrieren beim Zugang, wie z. B. Wohnraum, Transport und finanzielle Unsicherheit, in verschiedenen Bevölkerungsgruppen ist ebenfalls unerlässlich für die Entwicklung gerechterer und bedarfsgerechterer Rehabilitationsdienste.
Ein weiterer wichtiger Forschungsbereich ist die Bewertung der Auswirkungen von Schulungsprogrammen, die das Bewusstsein der Rehabilitationsfachleute für die sozialen Determinanten der Gesundheit schärfen. Dazu gehört die Untersuchung von Veränderungen im klinischen Reasoning und in der Praxis nach dem Einsatz von Screening-Tools für soziale Determinanten der Gesundheit sowie die Bewertung, wie Partnerschaften in der Gemeinde zu besseren Rehabilitationsergebnissen beitragen. Studien können auch die Auswirkungen politischer Veränderungen auf die Chancengleichheit im Gesundheitswesen untersuchen und Verbesserungen der Patientenergebnisse messen, wenn soziale Determinanten systematisch in Rehabilitationsleistungen berücksichtigt werden.(18)
Bei der Forschung zu den negativen Auswirkungen sozialer Determinanten der Gesundheit können Rehabilitationsfachleute Fragen berücksichtigen, die Probleme identifizieren, Lösungen testen und Ergebnisse im spezifischen Kontext der Rehabilitationspraxis messen. Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse können Rehabilitationsfachleute evidenzbasierte Strategien entwickeln, die die Ursachen für gesundheitliche Ungleichheiten in der Rehabilitation angehen.
Im Folgenden finden Sie Beispiele für Forschungsfragen: