Assessment und Training der Handfunktion

Originale Autorin Pam Versfeld
Top-BeitragendeRobin Tacchetti und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Die Handfunktion von Säuglingen kann mit Hilfe eines spielerischen Ansatzes beurteilt werden. Ein spielerisches Assessment gibt Aufschluss über die aktuellen Fähigkeiten eines Säuglings, seine Reaktionen auf die soziale und physische Umwelt und seine Motivation, sich zu bewegen und mit Spielzeug und anderen interessanten Objekten zu interagieren.

Standardisierte Assessments ( edit | edit source )

Für Säuglinge mit unilateraler Zerebralparese (CP) werden die folgenden standardisierten Assessments der Handfunktion verwendet:

  1. Mini-Assisting Hand Assessment (Mini-AHA):
    • misst, wie gut Kinder im Alter von 8-18 Monaten mit Anzeichen einer unilateralen oder hemiplegischen Zerebralparese ihre stärker betroffene Hand benutzen, wenn sie beide Hände zusammen zum Spielen verwenden;
    • das Mini-AHA ist für Rehabilitationsfachleute nützlich, da es:
      • beschreibt, wie ein Kind mit unilateraler Zerebralparese seine betroffene (assistierende) Hand benutzt;
      • ihnen bei der sorgfältigen Planung der Therapie, die auf das Leistungsniveau des jeweiligen Kindes abgestimmt ist, hilft;
      • misst, ob eine Therapie oder eine Intervention effektiv war.
  2. Hand Assessment for Infants (HAI):
    • entwickelt für Säuglinge im Alter von 3-12 Monaten mit dem Risiko einer Zerebralparese;
    • misst das Ausmaß und die Qualität der zielgerichteten Handlungen, die mit jeder Hand einzeln und mit beiden Händen zusammen ausgeführt werden;
    • das Ergebnis des Tests ergibt für jede Hand eine eigene Punktzahl, was eine mögliche asymmetrische Handnutzung verdeutlicht;
    • bietet ein kriterienbezogenes Maß für die allgemeine Fähigkeit der oberen Extremitäten;
    • Der Vergleich des Ergebnisses des Säuglings mit Normwerten kann dabei helfen, Säuglinge zu identifizieren, die von einer Intervention profitieren würden.(1)

Das GAME-Protokoll für die Frühförderung ( edit | edit source )

Die GAME-Intervention (Goals – Activity – Motor Enrichment) basiert auf den Grundsätzen des aktiven motorischen Lernens, der familienzentrierten Versorgung, des Coachings der Eltern und der Umweltanreicherung. Die Interventionen werden auf die Ziele und den Anreicherungsstil der Eltern sowie auf die motorischen Fähigkeiten des Kindes abgestimmt.(2)

Lesen Sie hier mehr über die GAME-Intervention.

Ein aufgabenorientierter Interventionsansatz auf der Grundlage von dynamischen Systemen ( edit | edit source )

Aufbauend auf dem GAME-Ansatz für die Intervention wird ein aufgabenorientierter Interventionsansatz auf der Grundlage von dynamischen Systemen durch die folgenden Ideen geprägt:

  1. Familienzentrierte Versorgung – die Einbeziehung der Eltern in die Auswahl der Ziele und die Bereitstellung von Gelegenheiten zum Üben von Bewegungsfertigkeiten sind für den Erfolg entscheidend
  2. Die Therapie beginnt immer mit den gegenwärtigen Fähigkeiten des Säuglings, d. h. mit dem, was er in diesem Moment tun kann, und wie sich daraus die Möglichkeit ergibt, mehr zu lernen
  3. Der Schwerpunkt liegt auf Training, Intensität, Wiederholung und vielen täglichen Gelegenheiten zum Üben einer Aufgabe in verschiedenen Kontexten
  4. Selbst initiiertes Handeln und das Erkunden von Handlungsmöglichkeiten unterstützen und fördern das motorische Lernen
  5. Intrinsische Motivation, Neugier und der Drang, Menschen und Objekte zu erkunden und mit ihnen zu interagieren, unterstützen das Erlernen neuer Bewegungsfertigkeiten
  6. Die Förderung von angenehmer und sinnvoller sozialer Interaktion und Kommunikation ist ein zentraler Bestandteil der Intervention und unterstützt das Erlernen motorischer Aufgaben

Leitfaden für eine aufgabenorientierte Beurteilung der Handfunktion auf der Grundlage von dynamischen Systemen ( edit | edit source )

  1. Hören Sie sich an, wie die Eltern die Fähigkeiten ihres Kindes einschätzen und welche Erwartungen sie an die Therapiesitzung haben.
  2. Erklären Sie den Zweck der Beurteilung:
    • die Fähigkeiten des Säuglings erkennen, insbesondere seine Stärken;
    • Möglichkeiten erforschen, wie die Variabilität und Komplexität der Handlungen des Säuglings in einer Weise gesteigert werden können, die den Fortschritt auf dem Entwicklungsweg und in Richtung der festgelegten Ziele fördert;
    • ein Assessment ist eine Gelegenheit für die Betreuungspersonen:
      • einen Einblick in die Fähigkeiten ihres Säuglings und die Faktoren zu gewinnen, die die Entwicklung einer fortgeschrittenen Handfunktion fördern oder behindern;
      • Wege zur Verbesserung des perzeptiv-motorischen Lernens aufzuzeigen.
  3. Beobachten Sie den Säugling in einer Ausgangsposition, die seinem Alter und seinen Fähigkeiten entspricht. Säuglinge, die noch nicht sitzen, können in Rückenlage, in erhöhter Rückenlage (angelehnt) oder auf dem Schoß der Betreuungsperson beurteilt werden.

Beurteilung in Rückenlage ( edit | edit source )

Bei sehr jungen Säuglingen (Neugeborene bis ca. 12 Wochen) und bei Säuglingen, die noch nicht in der Lage sind, den Kopf im Sitzen stabil zu halten, beginnt die Beobachtung mit dem Säugling in Rückenlage. Die Rückenlage ist eine gute Position, um Folgendes zu beobachten:

  • wie ein Säugling seine Hände benutzt, um sein Gesicht und seinen Körper, seine Kleidung und die ihn umgebenden Oberflächen zu erkunden;
  • das Ausmaß der spontanen Bewegungen eines Säuglings und ob er bereits begonnen hat, nach Spielzeug zu greifen, das in seiner Reichweite liegt.

Beurteilung in Rückenlage mit erhöhtem Oberkörper ( edit | edit source )

Bei Säuglingen, die Kopf und Rumpf stabil halten können, wenn sie ihre Hände bewegen (in der Regel ab einem Alter von etwa 3-4 Monaten), können wir die Handfunktion beurteilen, während sie in Rückenlage in einer geneigten Babyschale oder unterstützt durch ein Stillkissen liegen. In dieser Position können wir Folgendes beobachten:

  • die Fähigkeit eines Säuglings, nach einem Spielzeug zu greifen, das in Reichweite und in der Mittellinie präsentiert wird.

Wenn man den Kopf und den Rumpf des Säuglings erhöht, fällt es ihm leichter, die Arme nach vorne zu heben, um nach einem Spielzeug zu greifen und die Hand und das Spielzeug im Gesichtsfeld zu halten.

Beurteilung im Sitzen auf dem Schoß der Betreuungsperson ( edit | edit source )

Das Sitzen auf dem Schoß ist eine gute Position, um die Handfunktion des Säuglings zu beobachten, da die Betreuungsperson so viel Unterstützung geben kann, wie nötig ist, um den Kopf und den Rumpf des Säuglings stabil zu halten. In dieser Position fühlt sich der Säugling sicher und geborgen und ist eher bereit, seine Hände zu bewegen, um sich mit interessanten Gegenständen in Reichweite zu beschäftigen. Wir können dabei Folgendes beobachten:

  • Greift der Säugling nach Spielzeugen, die ihm in unmittelbarer (Arm-)Reichweite angeboten werden?
  • Was macht der Säugling, wenn er ein Spielzeug in die Hand bekommt?
  • Hält der Säugling ein Spielzeug in einer Hand und benutzt die andere Hand, um es zu bedienen?

Training der Handfunktion bei Säuglingen ( edit | edit source )

Säuglinge und Kleinkinder, die sich normal entwickeln, neigen dazu, ihre Umgebung aktiv zu erkunden und verbringen viel Zeit damit, herauszufinden, wie sie mit den ihnen begegnenden Gegenständen und Spielzeugen interagieren können.

Relevante Forschung ( edit | edit source )

Herzberg et al.(3) haben die Spontanaktivität von krabbelnden und gehenden Säuglingen und Kleinkindern aufgezeichnet und analysiert.

  • Bei zwei zweistündigen Besuchen beobachteten sie, wie Säuglinge mit vielen verschiedenen Spielzeugen und Haushaltsgegenständen interagierten – diese Interaktionen nahmen etwa 60 % der Zeit der Säuglinge während der Besuche in Anspruch.
  • Die Interaktionen waren kurz und dauerten durchschnittlich 9 Sekunden.

Diese Forschung legt nahe, dass ein reichhaltiges Objektspiel mit vielen „kurzen, zeitlich verteilten, variablen Interaktionen mit Gegenständen“ Säuglinge dazu anregen kann:

  • die Eigenschaften und Funktionen von Gegenständen kennenzulernen;
  • den Erwerb motorischer Fähigkeiten zu verbessern;
  • die kognitive, soziale und sprachliche Entwicklung zu fördern.(3)(4)

Tokeshi et al.(5) führten eine Beobachtungsstudie zu den Beziehungen zwischen den ganztägigen Merkmalen von Armbewegungen und dem Entwicklungsstand von Säuglingen mit normaler Entwicklung beim Erlernen des Greifens durch. Die Armbewegungen wurden einen ganzen Tag lang mit tragbaren Sensortechnologien („Wearables“) gemessen. Die Autoren(5) fanden Folgendes heraus:

  1. die Merkmale der Armbewegungen von Säuglingen standen im Zusammenhang mit den motorischen, kognitiven und sprachlichen Ergebnissen der Bayley Scales of Infant Development (BSID), was darauf hindeutet, dass es „eine Beziehung zwischen den täglichen Bewegungsmerkmalen und dem Entwicklungsstand“ gibt;(5)
  2. die Säuglinge, die sich mehr bewegten, zeigten bei den Besuchen einen größeren Anstieg der Punktzahlen in sprachlichen und kognitiven Bereichen;
  3. größere Veränderungen in den Bewegungsmerkmalen über die Besuche hinweg waren mit höheren Punktzahlen im motorischen Bereich verbunden.

Erfahrung ist wichtig ( edit | edit source )

Erfahrungen mit vielen verschiedenen Objekten sind wichtig für das Erlernen von Handaufgaben. Wie Tokeshi et al.(5) feststellen, besteht darüber hinaus ein Zusammenhang zwischen den Armbewegungen von Säuglingen und den Ergebnissen der Bayley Scales of Infant and Toddler Development. Therapeuten und Betreuungspersonen müssen daher dafür sorgen, dass ein Säugling/Kind viele Gelegenheiten hat, mit abwechslungsreichen und interessanten Gegenständen und Spielzeugen zu spielen. Dazu gehört auch, dass die Kinder mit Unterstützung eines Spielpartners an bestimmten Aufgaben arbeiten. Dies ist besonders wichtig für:(6)(7)(5)(8)(9)

  • Säuglinge mit motorischer Entwicklungsverzögerung;
  • frühgeborene Säuglinge;
  • Säuglinge, bei denen ein Risiko für Zerebralparese besteht.

Die Bedeutung einer stabilen Sitzhaltung ( edit | edit source )

Eine stabile Sitzhaltung ist wichtig, damit das Kind lernen kann, nach Gegenständen zu greifen und sie zu bedienen.(8)(9) Marcinowski et al.(10) kamen zu dem Schluss, dass die Fähigkeit von Säuglingen, aufrecht zu sitzen und die Hände frei zu haben, wenn auch mit einer gewissen Unterstützung, ihre Fähigkeit verbessert, Gegenstände visuell und manuell zu erkunden.(10) Daher ist es wichtig, Kinder, die noch nicht so stabil sitzen, von außen zu unterstützen, damit sie eine aufrechte Sitzhaltung beibehalten können, wenn sie mit den Händen nach Gegenständen greifen und diese handhaben.

Das aufrechte Sitzen ermöglicht es dem Kind auch, sich umzusehen und eine innere Karte der Umgebung zu erstellen: zu bemerken, wo sich Menschen und Gegenstände befinden und wann und wie sie sich bewegen. Diese Informationen sind wichtig für die Handlungsplanung.

Constraint-induced Movement Therapy (CIMT) ( edit | edit source )

Obwohl die Forschung zeigt, dass ältere Kinder mit hemiplegischer Zerebralparese von der Constraint-induced Movement Therapy (CIMT) profitieren, ist die Wirksamkeit der CIMT bei Säuglingen unbekannt.

  • Im Jahr 2022 führten Dionisio und Terrill(11) eine Übersichtsarbeit zur Untersuchung von CIMT-Protokollen durch, um mehr über die Dosierung, die Einschränkungen, die Anwendung, die Schulung und Edukation der Eltern und die objektiven Ergebnismessungen zu erfahren, die in der aktuellen Forschung verwendet werden.
    • Sie kamen zu dem Schluss, dass die aktuelle Literatur den Einsatz von CIMT bei Säuglingen mit Zerebralparese unterstützt.
    • Sie stellen jedoch fest, dass die Studien in Bezug auf die Gestaltung des Protokolls und die Ergebnismessungen sehr unterschiedlich sind.
    • Sie kamen daher zu dem Ergebnis, dass weiterführende Forschung erforderlich ist, um „die Wirksamkeit der CIMT bei Säuglingen mit Zerebralparese zu untermauern“.(11)
  • Walker et al.(12) führten im Jahr 2022 ebenfalls eine Übersichtsarbeit zur CIMT durch, die darauf abzielte, „die aktuelle Evidenz für CIMT-Protokolle für Kinder von 3 Monaten bis 5 Jahren und 11 Monaten sowie klinische Anwendungen für die Praxis und Forschungslücken zu ermitteln“.(12)
    • Die zehn für die Überprüfung ausgewählten Studien zeigten, dass die CIMT eine „durchführbare und effektive Behandlung“ für Säuglinge und Kleinkinder ist.
    • Die CIMT sollte ein Coaching der Betreuungspersonen, die Behandlung des Kindes in seiner gewohnten Umgebung und die Bereitstellung der richtigen Aktivitäten umfassen.
    • Walker et al.(12) kamen ebenfalls zu dem Schluss, dass weitere Forschungen erforderlich sind, um festzustellen, wie sich unterschiedliche Dosierungen auf die frühe CIMT auswirken und welche langfristigen Auswirkungen die CIMT auf die Entwicklung in der Kindheit hat.

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

  1. Krumlinde‐Sundholm L, Ek L, Sicola E, Sjöstrand L, Guzzetta A, Sgandurra G, Cioni G, Eliasson AC. Development of the Hand Assessment for Infants: evidence of internal scale validity. Developmental Medicine & Child Neurology. 2017 Dec;59(12):1276-83.
  2. Morgan C, Novak I, Dale RC, Guzzetta A, Badawi N. GAME (Goals-Activity-Motor Enrichment): protocol of a single blind randomised controlled trial of motor training, parent education and environmental enrichment for infants at high risk of cerebral palsy. BMC neurology. 2014 Dec;14:1-9.
  3. 3.0 3.1 Herzberg O, Fletcher KK, Schatz JL, Adolph KE, Tamis‐LeMonda CS. Infant exuberant object play at home: Immense amounts of time‐distributed, variable practice. Child development. 2022 Jan;93(1):150-64.
  4. Swirbul MS, Herzberg O, Tamis-LeMonda CS. Object play in the everyday home environment generates rich opportunities for infant learning. Infant Behavior and Development. 2022 May 1;67:101712.
  5. 5.0 5.1 5.2 5.3 5.4 Shida-Tokeshi J, Lane CJ, Trujillo-Priego IA, Deng W, Vanderbilt DL, Loeb GE, Smith BA. Relationships between full-day arm movement characteristics and developmental status in infants with typical development as they learn to reach: An observational study. Gates Open Research. 2018;2.
  6. de Almeida Soares D, von Hofsten C, Tudella E. Development of exploratory behavior in late preterm infants. Infant Behavior and Development. 2012 Dec 1;35(4):912-5.
  7. Atun-Einy O, Berger SE, Scher A. Assessing motivation to move and its relationship to motor development in infancy. Infant Behavior and Development. 2013 Jun 1;36(3):457-69.
  8. 8.0 8.1 Kretch KS, Marcinowski EC, Hsu LY, Koziol NA, Harbourne RT, Lobo MA, Dusing SC. Opportunities for learning and social interaction in infant sitting: Effects of sitting support, sitting skill, and gross motor delay. Developmental Science. 2023 May;26(3):e13318.
  9. 9.0 9.1 Franchak JM. The ecology of infants’ perceptual-motor exploration. Current opinion in psychology. 2020 Apr 1;32:110-4.
  10. 10.0 10.1 Marcinowski EC, Tripathi T, Hsu LY, Westcott McCoy S, Dusing SC. Sitting skill and the emergence of arms‐free sitting affects the frequency of object looking and exploration. Developmental Psychobiology. 2019 Nov;61(7):1035-47.
  11. 11.0 11.1 Dionisio MC, Terrill AL. Constraint-induced movement therapy for infants with or at risk for cerebral palsy: a scoping review. The American Journal of Occupational Therapy. 2022 Mar 1;76(2):7602205120.
  12. 12.0 12.1 12.2 Walker C, Shierk A, Roberts H. Constraint induced movement therapy in infants and toddlers with hemiplegic cerebral palsy: a scoping review. Occupational Therapy In Health Care. 2022 Jan 12;36(1):29-45.


Berufliche Entwicklung in Ihrer Sprache

Schließen Sie sich unserer internationalen Gemeinschaft an und nehmen Sie an Online-Kursen für alle Rehabilitationsfachleute teil.

Verfügbare Kurse anzeigen